Das Franziskaner-Kloster mit der marianischen Wallfahrtskirche oder Tilly-Kapelle in der Nähe von Freystadt in der Oberpfalz

 

In der Nähe des im Regierungsbezirk Oberpfalz und Regensburg gelegenen Städtchens Freystadt, etwa 500 Schritte außerhalb der Mauern der Stadt, liegt das Franziskaner-Kloster mit der marianischen Wallfahrtskirche oder Tilly-Kapelle.

 

Über ihren Ursprung und ihre Erweiterung melden die Urkunden Folgendes:

 

Im Jahr 1644 haben Kinder, die in der Gegend Hutweide hielten, an dem Platz des gegenwärtigen Tempels eine äußerst kleine Kapelle aus Sand und Lehm errichtet, und als diese zusammengefallen war, eine etwas größere aus Lehm und Stein erbaut, und sie mit einem geschnitzten Marienbild geziert. Sie errichteten auch ein kleines Glockentürmchen und hängten ein winziges Glöckchen darin auf. Bald fiel auffallender Weise Opfer an, und sogar verschiedene Wundertaten erfolgten für Andächtige an dieser Stätte. Geistliche und weltliche Obrigkeit dachte indes könnte Täuschung und Leichtgläubigkeit im Spiel sein, und hielt für ratsam, die Hinwegschaffung der kleinen Kapelle zu befehlen, nachdem sie bereits acht Jahre gestanden hatte. Sie wurde eingestürzt. Im Jahr 1664 ließ der gottesfürchtige Drahtfabrikbesitzer und Bürgermeister von Freystadt, Friedrich Kreichwich, an dem Ort der zerstörten kleinen Kapelle zu Ehren der jungfräulichen Mutter Maria eine ganz neu gemauerte Kapelle herstellen, und darein das jetzige Gnadenbild setzen. Im Jahr 1669 entschloss sich benannter Friedrich Kreichwich, unter Mitwirkung der Gemahlin des damals regierenden Herrn, Ernst Emmerich Reichsgrafen von Tilly, Maria Anna Theresia, einer geborenen Freiin von Haslang, im Einverständnis mit der geistlichen Behörde, die Kapelle erweitern und zu einer förmlichen kleinen Kirche umgestalten zu lassen. Sie wurde mit vier Altären vom Hochwürdigsten Herrn Weihbischof in Eichstätt im Jahr 1670 den 28. September feierlich eingeweiht. Im Jahr 1680 erhielt die oben genannte gottesfürchtige Witwe des inzwischen gestorbenen Reichsgrafen Ernst Emmerich, Maria Anna Theresia von dem damaligen Fürstbischof von Eichstätt Marquard II. die Erlaubnis, drei Patres und einen Laien-Bruder der Franziskaner von Dietfurt näher zu berufen, und ihnen zur Wohnung ein Hospitium zu erbauen.

 

Da hat der Herr des Himmels zum Zeichen seines göttlichen Wohlgefallens an diesem Andachtsort ein wunderbares Merkmal seiner Allmacht dem Menschen kundgegeben. Als nämlich im Jahr 1681 den 21. November am Fest Mariä Opferung P. Zacharias Ginther, als damaliger Superior daselbst, beiläufig um 10 Uhr vormittags bei hellem Sonnenschein unter freiem Himmel neben der Kapelle in Gegenwart vieler Zuhörer von der hohen Himmelskönigin eine begeisterte Lobrede hielt, und sie unter anderem einem Meerstern verglich, der in dunkler Nacht auf sturmbewegter See den zagenden Schiffen Rettung kündet, sieh, da wurde ungeachtet der hellglänzenden Sonnenstrahlen von allen Gegenwärtigen ein über der Kapelle leuchtender, prachtvoller Stern gesehen, der sein wunderbares Licht ergoss, bis die Lobrede vollendet war, worauf im Angesicht alles Volkes das liebliche Sternbild alsobald verschwand. Zum Denkzeichen jener auffallenden Erscheinung wurden auf die vier oberen Gesimsen der Seitenfenster unterhalb der Kuppel der jetzigen Wallfahrtskirche vier aus vergoldetem Kupferblech geformte Sterne gesetzt, die noch heutzutage zu sehen sind.

 

Im Lauf der Zeit richtete der damals regierende Herr Reichsgraf Ferdinand Lorenz Franz Xaver von Tilly, auf die Hebung und Förderung der Wallfahrt ein besonderes Augenmerk. Zu dem Ende erhielt er auf dringendes Anhalten von dem Fürstbischof von Eichstätt, nicht allein die Vergünstigung, aus eigenen Mitteln und Beiträgen ein neues Gotteshaus aufzuführen, sondern auch die Patres der Franziskaner für immer an diesem Gnadenort zu behalten. Die feierliche Einweihung des neuen marianischen Tempels zu Ehren der Himmelfahrt der allerseligsten Jungfrau wurde den 3. August 1710 durch den hochwürdigsten Weihbischof von Eichstätt vollzogen.

 

Bei der allgemeinen Klosteraufhebung in Bayern erreichte auch dieses Kloster im Jahr 1803 den 3. September seine Endschaft. Im Jahr 1836 wurden durch Errichtung eines Franziskaner-Hospitiums daselbst die Wohngebäude und mehr als die Hälfte des Klostergartens, teils durch Schenkung, teils durch Wiederankauf der Stadtgemeinde ihrer früheren Bestimmung zurückgegeben. Gegenwärtig (1860) leben in diesem Hospitium drei Patres und vier Laienbrüder aus dem Franziskaner-Orden, deren erstere Aufgabe es ist, die geistlichen Bedürfnisse der Wallfahrer zu befriedigen, und auch sonst in der Seelsorge Aushilfe zu leisten.

 

(Aus: „Marianischer Festkalender, Regensburg 1866)