Die Wallfahrt zum hl. Blasius in Kohlenbach

 

Kohlenbach ist ein Zinken der Gemeinde Kollnau bei Waldkirch. Er verdankt wohl Name und Ursprung der Ritterfamilie Koler. Diese wird im Jahre 1302 erstmals erwähnt: „her Walther der Kohler ritter und Kol sin sun“, der Ort 1341 als „Colenbach“. Noch im Jahre 1665 wird die „Castelbergische vogtey Collnauw mit dem zinken Collenbach“ angeführt.

 

Er gehörte bis 1805 zur Landgrafschaft Breisgau, Herrschaft Kastelberg, und ist seit 1805 badisch.

 

Hier ist eine vielbesuchte Wallfahrt zum heiligen Martyrer Blasius, Bischof von Sebaste in Kleinasien. Die Wallfahrt knüpft sich an ein merkwürdiges Bild des hl. Blasius, das sich heute auf einer Konsole an der rechten Seitenwand der Kapelle befindet. Kunstkenner rücken das Bild in das 12. Jahrhundert hinauf. Es stammt aus Mußbach, Amt Emmendingen. Die Kirche von Mußbach gehörte vor dem Jahre 1231 dem Markgrafen Heinrich I. von Baden und Hachberg. Bei der Osterfeier, der er 1231 im Kloster Thennenbach beiwohnte, hatte er sein Testament gemacht und sein Begräbnis bestimmt. Er schenkte den Ort und die Kirche Mußbach mit Wald und allem Zubehörde an das Gotteshaus Thennenbach. Da der Wald aber mit 30 Mark Silber und das Dorf mit 25 Mark Silber den Ufenbergern verpfändet waren, gestatteten Rudolf und Burkhard von Ufenberg, dass die Mönche von Thennenbach beides loskaufen durften.

 

Karl II., Markgraf von Hachberg, führte in seiner Herrschaft, zu der auch Mußbach gehörte, rücksichtslos den Protestantismus ein. Am 1. Juli 1556 ließ er im ganzen Gebiet die neue protestantische Kirchenordnung verkünden. In den beiden Filialen Mußbach und Brettental der Pfarrei Ottoschwanden, die unter Pfarrer Leonhard Mellinger abfiel, erlangten die geweihten Heiligenbilder durch Gottes Vorsehung besondere Bedeutung.

 

Die Statue des hl. Blasius, dem 12. Jahrhundert entstammend, wurde von Mußbach nach Kohlenbach bei Waldkirch übertragen. Ein Bürger von Oberbiederbach entzog unter augenscheinlichem Schutz von oben ein Marienbild in Brettental der Wut der Protestanten. Dasselbe ist jetzt auf dem Marien- und Wallfahrtsaltar in der Pfarrkirche Oberbiederbach.

 

Diese Übertragung des St.-Blasiusbildes und die Entstehung der Wallfahrt in Kohlenbach zu Ehren des Heiligen ist an der Seitenwand der Wallfahrtskapelle in folgenden Versen beschrieben:

 

Nach Luheri großem Abfall

Laßt St. Blasi in das Tal

Sich tragen durch einen fremden Mann,

Welcher weiter ihn nicht tragen kann,

Als von dem abgefallenen Mußbach

In das im Glauben nicht wankende Kohlenbach.

Und so lang er hier als Patron verehrt

Ist, wird gewiß jedem seine Bitte gewahrt.

 

Zunächst wurde die gerettete Statue in einem Bildstock am Wege aufgestellt. Die hier im 16. Jahrhundert entstandene Wallfahrt war gleich anfangs sehr stark besucht.

 

Im Jahr 1752 erbaute das Margaretenstift in Waldkirch weiter hinten im Tal die heutige Kapelle zu Ehren des hl. Blasius, an deren Seitenwand das altehrwürdige Bild angebracht wurde. 1810 sollte die Wallfahrt aufgehoben werden.

 

Der Religionsfonds in Freiburg hatte durch den Verlust österreichischer Kapitalien nach der Trennung von der Monarchie einen großen Ausfall erlitten. Durch Aufhebung verschiedener Wallfahrten, deren Kapellen als überflüssig erklärt wurden, und Einziehung ihres Vermögens und Vereinigung desselben mit dem Religionsfonds sollte der Verlust wieder ausgeglichen werden.

 

Dieses Schicksal stand auch der Blasiuskapelle bevor. Sie sollte versteigert und zu Wohnungen umgebaut werden.

 

Doch die Liebe der Waldkircher, der Kollnauer und Kohlenbacher zum hl. Blasius wandte die Aufhebung in letzter Stunde noch ab. Die Gemeinde Kollnau kaufte die Kapelle. Die Hälfte der Summe wurde durch die Kohlenbacher, die andere Hälfte durch die Kollnauer Bürger aufgebracht. Von den zwei Glocken wurde die eine nach Elzach, die andere nach Karlsruhe verkauft. Lange war das Kirchlein ohne Glocken. Etwa 1840 wurde eine neue aus dem Erträgnis des Opferstocks und einer Kollekte angeschafft.

 

Am 5. Februar 1855 wurde zum erstenmal wieder das heilige Opfer in der Kapelle dargebracht. Das Kirchlein wurde 1866 restauriert, hat 150 qm Flächenraum, ist stillos. Seither war die Wallfahrt im stetigen Steigen und steht heute, besonders seit der Erhebung Kollnaus zur selbstständigen Pfarrei 1910, in voller Blüte.

 

Jeden Mittwoch ist Wallfahrtstag. An St. Blasius (3. Februar) als Patrozinium, an St. Wendelin (11. Oktober), am letzten Werktag des Jahres sowie am Mittwoch nach Weihnachten und Pfingsten findet Predigt und Hochamt statt.

 

Von Pfarrer L. Heizmann

Freiburger Diözesan-Archiv, Band 22, 1921, S. 178

 

http://www.ksew.de/cms/website.php?id=/k/index/blaesikapelle.htm