Die schmerzhafte Mutter in Riffian bei Meran in Südtirol

 

Riffian, einer der berühmtesten und besuchtesten Wallfahrtsorte des Etschlandes, besitzt in seiner Pfarrkirche ein aus uralter Zeit berühmtes Gnadenbild, das die schmerzhafte Mutter mit dem Weltheiland in ihrem Schoß vorstellt. Schon die Gestalt des Bildes weist auf hohes Altertum hin. Es ist aus Gips gemacht und von ziemlicher Größe. Sein Ursprung ist unbekannt. Sein Auffinden wird also erzählt:

 

In tiefer Stille einer dunklen Nacht erblickte ein Landmann in fernen Talesgründen ein Lichtlein immer an der nämlichen Stelle. Zu wiederholten Malen sahen es auch die Nachbarn. Man schaute nach und fand im Schutt des Wildbaches Fasser das erwähnte Gnadenbild. Mit jubelnder Freude trug man das Bild der Gottesmutter aus dem verlassenen Ort und beschloss, für das Bild eine eigene Kirche zu bauen. Durch eine Reihe von Jahrhunderten wurde nun das Bild in der neuen Kapelle der Gegenstand allseitiger Verehrung. Ein merkwürdiges Ereignis bestärkte alle Landeskinder ungemein in dem Zutrauen und der Verehrung des Gnadenbildes.

 

Als nämlich die Republik von Venedig mit den Erzherzogen von Österreich im Kampf lag, und so auch die Grafen von Tirol in diesen Krieg verwickelt wurden, kam es zwischen den Landsknechten der Republik Venedig und den Tirolern im Jahr 1511 zu einem Gefecht. Schon standen die Tiroler auf dem Punkt, geschlagen zu werden, als sie inbrünstig zur Mutter Gottes von Riffian beteten. Feuriger wallt jetzt das Blut durch ihre Adern. Mit dem Losungswort „Maria“ stürzten sie aufs Neue in den Feind. Die Landsknechte fliehen – und „die Gnadenmutter von Riffian hat gesiegt“, war der einstimmige Ruf der Streiter. Ein im Pfarrhof von Riffian aufbewahrtes großes Gemälde enthält die Darstellung dieses Ereignisses nebst bischöflicher Approbation.

 

Die Verehrung des Gnadenbildes nahm von Tag zu Tag zu und als sich in der Folge das Bedürfnis einer neuen Pfarrkirche mehr und mehr zeigte, beschloss man, sie anstatt im Dorf, wo sie bisher stand, auf dem Hügel nächst der Gnadenkapelle zu bauen und das Bild auf den Hochaltar zu setzen. Dies geschah dann im Jahr 1743.

 

Als der Bau schon der Vollendung nahe war, stürzte plötzlich ein Arbeiter vom Dachstuhl; er hätte sich in viele Stücke zerfallen, hätte ihn nicht die Gnadenmutter unversehrt erhalten. Ein Bild zeigt noch diese wunderbare Rettung des Arbeiters. Mit größter Feierlichkeit wurde das Bild aus der Kapelle auf den Hochaltar der neuen Pfarrkirche übersetzt und jährlich sieht man dort am Übersetzungsfest, am Sonntag nach Martini und am 3. Mai, dem Tag der Kreuzerfindung, unzählige Verehrer. Eine unbeschreibliche Volksmenge aber strömte zur eier des Jubiläums der Gnadenkapelle am 3. Mai 1843 aus der ganzen Umgegend herbei.

 

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