Die Marienwallfahrt in Oberbiederbach bei Elzach

 

Biederbach wird erstmals 1324 erwähnt. Schon vor 1482 war es Eigentum der Junker von Rechberg. 1482 wird ein Heinrich von Rechberg genannt, dessen Stellvertreter ein Vogt Claus Ringwald, in Biederbach war. Im 16. Jahrhundert war es allein noch rechbergisch. Bis 1797 war es in Besitz der Freiherren von Wittenbach; bis 1805 gehörte es zur vorderösterreichischen Landgrafschaft Breisgau, seit 1805 ist es badisch. Kirchlich war es eine Filiale von Elzach. Die einfache Kirche (ad St. Mansuetum) wurde 1592 erbaut, 1761 nach der Jahreszahl über dem Hauptportal vergrößert. 1709 wurde die heutige Pfarrpfründe errichtet.

 

Auf dem Altar der Evangelienseite steht das Gnadenbild, eine Holzskulptur der Mutter Gottes mit dem Jesuskind auf dem Arm aus dem Ende des 16. Jahrhunderts.

 

Die Wallfahrt zum Gnadenbild der Himmelskönigin mit dem göttlichen Kind rührt aus der Zeit der Glaubensspaltung in der badisch-durlachischen Markgrafschaft Hachberg, in der Markgraf Karl II. rücksichtslos den Protestantismus einführte und am 1. Juni 1556 die neue protestantische Kirchenordnung verkünden ließ.

 

Kurz vorher hatte der katholische Pfarrer Leonhard Mellinger seine Pfründe Oberbiederbach mit der Rechbergpfarrei Ottoschwanden-Brettental vertauscht. Zu seinem großen Schmerz fiel die neue Pfarrei mit den Filialen Mußbach und Brettental unter dem Druck des Markgrafen von der katholischen Kirche ab.

 

Leonhard Mellinger besaß ein Marienbild, dass er beim Umzug in das fruchtbarere und schönere Brettental mitnahm und in der Filialkirche Brettental, die bisher keine Marienstatue besaß, auf den Altar stellte. Von diesem Bild erzählt nun die Volksüberlieferung, die wohl einen historischen Kern birgt.

 

Um der erregten Leidenschaft nicht zum Opfer zu fallen, musste der Geistliche plötzlich die Flucht ergreifen; sein teures Marienbild konnte er nicht mitnehmen, glücklich, das nackte Leben gerettet zu haben. Da die Wut der Abtrünnigen des Pfarrers nicht habhaft werden konnte, kehrte sie sich gegen das Bild, für welches er eine besondere Verehrung trug. Die Bilderstürmer steckten es mitten in ein Klafter Holz, das sie anzündeten. Doch eine höhere Hand beschützte es vor den Flammen. Unversehrt erblickte man es wieder in der Kirche.

 

Nun sollte es zu Brennholz gespalten werden; doch die Axt sprang ab und zwar gerade in den Fuß des Frevlers, so dass er sofort davon lief.

 

An der rechten Brust des Jesuskindes ist heute noch der Hieb zu sehen: ein ungefähr 3 cm langer und 1 cm tiefer Spalt.

 

Durch diese Warnung von oben ließ sich die Leidenschaft noch nicht belehren. Da man das Bild nicht vernichten konnte, warf man es unwillig auf den Kirchenspeicher.

 

Allein menschliche Verkehrtheit vermag die Absichten Gottes nie zu durchkreuzen. Um alle Pläne zu verwirklichen, findet er in seiner Weisheit Mittel und Wege.

 

So wählte sich die göttliche Vorsehung einen biederen, tiefreligiösen Landmann von Oberbiederbach, Johann Spath mit Namen, Hofbauern des Brühhofes, heute Muckenloch genannt.

 

Die merkwürdigen Schicksale des Bildes wurden überall, auch bei der späteren Generation bekannt.

 

Dieser treue Marienverehrer machte mehrere Versuche – die Überlieferung spricht von 28 – um das Wunderbild vor fernerer Entehrung zu schützen und den Händen der Abgefallenen zu entreißen. Mehrmals entrann er mit knapper Not der Lebensgefahr.

 

Jedesmal entschlossen, nicht mehr zurückzukehren, trieb ihn die Gnade immer wieder das Leben aufs Spiel zu setzen.

 

Endlich sollte das Werk gelingen. Der starkmütige Hofbauer gewann den Mesner (Glöckner) der protestantischen Kirche mit einem Trinkgeld. Dieser stellte nachts eine Leiter in der Nähe auf, auf der der Bauer leicht zum Fenster gelangte und es eindrückte, um das liebe Kleinod abholen zu können.

 

Neben seinem Bauernhof stand ein Leibgedinghaus, Speicher genannt; dessen unterer Stock bildete einen schön gewölbten Keller. Dieser wurde zu einer Kapelle hergerichtet, in der das Gnadenbild zur öffentlichen Verehrung aufgestellt wurde. Jahrzehnte lang durfte das hl. Messopfer in dieser Kapelle dargebracht werden.

 

Bei der Kirchenvergrößerung 1761 wurde das Gnadenbild in die Pfarrkirche übertragen und zuerst auf dem Hochaltar aufgestellt. Pfarrer Joseph Gerspacher (+ 1868 als Pfarrer von Erzingen) wies ihm den Marienaltar an, wo es sich heute noch befindet. Im Jahr 1885 wurde die Pfarrkirche aus freiwilligen Beiträgen gründlich restauriert, dass hochverehrte Gnadenbild wieder neugefasst.

 

Die Rettung des Gnadenbildes fällt in die Mitte des 17. Jahrhunderts; denn Johann Spath stiftete für sich und seine Ehefrau im September 1688 einen Jahrtag in die Pfarrkirche.

 

Die Wallfahrt wird sehr besucht aus dem Elz-, Kinzig-, Schutter- und Münstertal, angeblich sogar von Protestanten aus dem Freiamt (?).

 

Wallfahrtstage sind alle Freitage des ganzen Jahres, sowie alle Marienfeiertage.

 

Von Pfarrer L. Heizmann

Freiburger Diözesan-Archiv, Band 26, 1925, S. 299