Maria vom Moos in der Stifts- und Stadtpfarrkirche zu Bozen in Südtirol

 

Die Pfarrkirche zu Unserer Lieben Frau in der Stadt Bozen, die zu den ersten Merkwürdigkeiten dieser Stadt gehört und eine der schönsten Kirchen Tirols ist, ist besonders beachtungswert wegen eines wundertätigen Gnadenbildes, das noch heutzutage hinter dem Hochaltar der Kirche in einer eigenen Kapelle der allgemeinen Verehrung ausgesetzt ist.

 

Die kurze Geschichte des Gnadenbildes ist nach den Geschichtlichen Urkunden folgende:

 

„Beschauet allhier, marianische Liebhaber, und verehret in dem uralten und liebreizenden Bildnis die ihr göttliches Kind tragende überseligste Mutter, in welchem sie auf dem dazumal bei hiesigem Orte befindlichen Moose in darangelegener Landstraße von einem vorüberfahrenden Fuhrmann aufgehoben wurde. Es wurde der erhabene Gnadenschatz erstlich in ein alsogenanntes Bildstöckl gebracht; sodann ist es in eine kleine von Bischof Salomon zu Trient im Jahr 1181 den 6. Mai eingeweihte Kapelle, hiernach im Jahr 1400 in gegenwärtiges neuaufgerichtetes Gotteshaus, endlich im Jahr 1745 in dieses, eigens zu dem Ende kostbar erbaute und zierlich erneuerte Heiligtum mit ungemeinem Zulauf des Volkes und allgemeiner Andacht übersetzt worden. Das Bild ist zwar von Stein, die abgebildete Mutter Gottes aber von mildreichst erweichtem Herzen; mache die Probe mit kindlicher Zuversicht, und sollest, gleich unzählig andern, die mütterlichen Wunder und Gnaden an Seele und Leib glückselig erfahren!“

 

 

Das Bild, etwa zwei Schuh hoch, ist von einer geschickten Hand, jedoch von keinem Künstler gemeißelt. Es stellt Maria sitzend dar, beide Arme um ihr liebes Kind geschlungen, ihren sorgenden Blick bald auf das Kind, bald auf den frommen Verehrer zu richten scheinend. Es ist in der Mitte des Altares auf himmelblauem Hintergrund angebracht, an allen Seiten bis zur marmornen Einfassung hin mit reich vergoldeten Sternen und Strahlen umgeben, die aber an Wochentagen verhüllt sind. Die reichen Weihegeschenke von Silber und Gold, Perlen und Edelsteinen, die in eigenen Kästen aufbewahrt werden, sind Zeugen von der Liebe der allerseligsten Jungfrau, ihren Gnaden und Wundern und von der Dankbarkeit ihrer Verehrer. In Mitte dieser Schätze gewahrt man einen aus Silber, Gold und Perlen zusammengefügten Namenszug Mariens von bedeutender Größe und besonderem Wert, der 1844 auf das Fest Mariä Namen zum ersten Mal aufgestellt wurde. Die Perlen waren das Geschenk einer frommen Verehrerin der Gottesmutter. Die kunstreiche Arbeit besorgten die Mitglieder der Marianischen Bruderschaft. Die Bewohner Bozens vereinigten sich schon frühzeitig zur sogenannten Moosbruderschaft, die zahlreiche Mitglieder aus allen Ständen zählt. Im Jahr 1845 wurde das Jubiläum der Übertragung des heiligen Bildes in der Kapelle gefeiert. Bei verschiedenen Gelegenheiten legen die Etschländer ihre angeborene Liebe und Zärtlichkeit zur hochbegnadeten Jungfrau auf das Unzweideutigste an den Tag.