Maria Treu – bei den Piaristen in der Josephvorstadt zu Wien

 

In der Pfarrkirche Maria-Treu, wo die Piaristen-Väter den Gottesdienst besorgen, befindet sich auf dem Hochaltar ein Marienbild, das noch immer hoch verehrt wird.

 

Im Jahr 1713, als die Pest in Österreich schreckliche Verheerungen anrichtete, wurde auch Joseph Herz, ein armer Maler, der es in seiner Kunst nicht gar weit gebracht hatte, samt seiner Gattin von dieser Seuche ergriffen. Er war schon seit Jahren her im Besitz einer papierenen Abbildung der heiligen Jungfrau, wie sie in der Kirche der frommen Schulen bei St. Pantaleon in Rom verehrt wird. In diesem gefahrvollen Zustand setzte er sein ganzes Vertrauen auf die Hilfe des Allerhöchsten und tat das Gelübde, diese Abbildung in Öl auszuführen, wenn er durch die Fürbitte der göttlichen Mutter von der Pest befreit werden würde. Seine Gattin starb noch in derselben Nacht, aber seine Pestbeulen brachen auf, und er entging der drohenden Gefahr und wurde wieder gesund. Aus freudiger Dankbarkeit für die augenscheinliche Rettung, womit Gott sein Vertrauen und seinen Glauben belohnen wollte, säumte er keinen Augenblick, das gemachte Gelübde gewissenhaft zu erfüllen. Die Freude über die wunderbare und schnelle Genesung bemeisterte das dankerfüllte Herz des sonst ruhmlosen Malers so sehr, dass er im eigentlichen Sinn des Wortes sich selbst übertraf. Er verlieh dieser Nachbildung so viel Leben, Reiz und Milde, wie es ihm bei allen seinen Arbeiten zuvor und nachher nie gelungen war. Dieses Votivbild opferte er nun der Josephstädter-Kapelle, die unter dem Namen Mariä-Vermählung eingesegnet worden war. Oft wurde dieses Bild in jener Trauerzeit dem häufig zuströmenden Volk zur Verehrung aufgestellt, bis es im Jahr 1719, bei der feierlichen Einsegnung der neuen Kirche, auf den Hochaltar übertragen wurde. Von nun an hieß die Kirche zu Maria-Treu, und für das jährliche Kirchenfest wurde der 1. August angeordnet. Im Jahr 1820 am 18. Juni wurde das Jubiläum der Übertragung des Gnadenbildes gefeiert. Das Bildnis wird seit dieser Zeit unter eben diesem Namen von zahlreichen Gläubigen andächtig verehrt. Die vielen Weihgeschenke, die dankbarst dargebracht, und die häufigen Opfertafeln, die daselbst aufgehangen werden, beweisen hinlänglich, wie viele Kranke und Leidende Trost und Erquickung in der gläubigen Verehrung der göttlichen Mutter finden.

 

(Aus: Marianischer Festkalender, Regensburg 1866)

 

 

mariatreu.at/