Maria Einsiedeln in Ungarn

 

Wer kennt nicht die hochberühmte Wallfahrt Maria Einsiedeln, die, gehütet und gepflegt von den Söhnen des heiligen Benedikt, in den Schweizer Bergen mit ihren hochragenden Türmen steht und jährlich von ungezählten Tausenden von Pilgern besucht wird.

 

Wir ziehen, o Mutter der Gnade,

Zu deinem hochheiligen Bild,

O lenke der Wanderer Pfade,

Erhöre, Maria, sie mild!

 

Auch Ungarn, in dem Marienliebe und Marienkult seit Jahrhunderten und Jahrtausenden blüht, auch das marianische Königreich Ungarn hat sein Maria Einsiedeln. Es liegt bei Hidegkut im Pester Komitat, in der Diözese Stuhlweißenburg.

 

Katharina Tolwitzer übersiedelte aus der Schweiz nach Ungarn und brachte als teures Andenken von der Wallfahrt Maria Einsiedeln ein Gnadenbild der dortigen Wallfahrt mit sich. Dieses Bild hing sie auf einem Baum im Wald auf und oft dahin ihre Schritte, um dort ihre Andacht zu verrichten. Viele folgten ihrem Beispiel, besonders als sich die Nachricht verbreitete, dass dort eine Frau aus Ofen vor dem Gnadenbild ihr Augenlicht wiedererlangt hatte und sonst viele Wunder geschehen. In Kürze war über dem Bild eine aus Holz gezimmerte Kirche errichtet, der bald eine gemauerte Kapelle folgte, in der dreimal wöchentlich durch den Seelsorger von Hidegkut eine heilige Messe gelesen wurde. Die Kirchweihfeier fand am Tag Mariä Geburt daselbst statt.

 

Da aber der Zudrang der Wallfahrer immer mehr wuchs, erwies sich die Kirche zu klein, und so beschloss der 1879 gegründete „Maria-Einsiedeln-Kapellenverein“, eine neue Kirche zu bauen.

 

Im Jahr 1898 wurde mit dem Bau einer großen, schönen Kirche begonnen, die anfangs kleiner berechnet, schließlich in großen Dimensionen ausgebaut wurde. Die Kosten beliefen sich auf 200.000 Kronen. Das neue Gotteshaus, im gotischen Stil erbaut, durch 15 Fenster erleuchtet, macht einen außerordentlich freundlichen Eindruck, eine echt marianische Gnadenkirche. Die innere Länge beträgt 44, die Breite 15 Meter, nebst dem Hochaltar schmücken noch zwei Seitenaltäre die Kirche, die auch eine Lourdeskapelle besitzt. Vom Turm, der, 54 Meter hoch, weit die Umgebung beherrscht, künden vier mächtige Glocken Gottes Lob und der Unbefleckten Ehre.

 

Die Einweihung der Kirche fand in feierlichster Weise am 1. Oktober 1899 statt und wurde vom Bischof Doktor Philipp Steiner von Stuhlweißenburg vorgenommen, der in Begleitung zweier itularbischöfe, zweier Domherren, des Abtdomherrn Dr. Barady, des Abtpfarrers Dr. Nemes etc., und im Geleit von 10.000 Menschen erschienen war. Der Bischof trug in feierlicher Prozession das Gnadenbild zuerst um die Kirche, dann durch die große Pforte in das Innere, wo er es an jenem Baum wieder befestigte, an dem es seit Jahren hing. Tiefergreifend war die Predigt des Oberhirten vom Hauptportal aus. Nach der heiligen Messe vollzog Bischof Steiner die Wiedereinsegnung der Ehe des größten Wohltäters der Kirche, der durch seine Tatkraft in erster Linie den Kirchenbau zustande brachte, des Kirchenbauvereinsobmannes Anton von Szentkiralyi und seiner Gattin Emilie geb. Igler, die an diesem Tag ihr Silbernes Hochzeitsjubiläum feierten, allseits beglückwünscht von hoch und nieder, arm und reich.

 

17 Jahre sind seit der Einweihung (1899/1916) der Kirche vorübergegangen. Maria Einsiedeln aber, der wunderbare Magnet für fromme, marienliebende Herzen, hat seine Anziehungskraft nicht verloren. Nur der Allmächtige weiß allein, wie viele Gnaden Tausende und aber Tausende Pilger, die jährlich hinauswallen zum ungarischen Gnadenbild der Schweizer Mutter Gottes, dort erlangt haben, wie viele Tränen des Dankes in dieser Kirche geflossen sind. Noch heute hängt das Bild auf dem Baum droben, wo es die fromme Frau dereinst aufgehangen, die es aus der Schweiz gebracht hatte. Die ganze Wallfahrt aber ist ein Baum des Segens geworden für die Umgebung, die Hauptstadt Budapest und das ganze marianische Königreich Ungarn. Mögen besonders die Gebete Unzähliger zur Mutter Gottes um das kostbare Gut des Friedens Erhörung finden. Möge sie, die den Feinden Gottes und der christlichen Sache „furchtbar ist wie ein geordnetes Schlachtheer“, Österreich-Ungarns Völker zum Sieg führen und ihnen beim König des Friedens, ihrem göttlichen Sohn, das kostbarste Gut des Weltfriedens erbitten! Maria Einsiedeln, bitte für uns!

(aus: „Ave Maria“ Heft 2, Februar 1916)