Die Wallfahrt Mariä Heimsuchung zu Langenwinkel bei Beuerbach in Niederbayern

 

Im fruchtbaren Rottal, im Pfarr-Vikariat Beuerbach, liegt auf einer einsamen waldumsäumten Höhe die Wallfahrtskirche Langenwinkel.

 

Im Jahr 1629 unternahm laut Inhaltes des Mirakelbuches Johann Grienwald, bürgerlicher Schmiedssohn aus Salzburg, der von Mutterleib an stumm war, aber den Gehörsinn ganz unversehrt besaß, wahrscheinlich aus Kur- oder Wallfahrtszwecken eine Reise in die Rottaler Gegend. Auf dieser seiner Wanderschaft kam genannter Johann Grienwald nach Beuerbach und scheint sich allda geraume Zeit aufgehalten zu haben. Während dieses seines Aufenthaltes traf es sich nun, dass er auf der heutigen Langenwinkelhöhe ein Marienbild fand, zu dem er ein passendes Gestell zum Aufpflanzen aufrichten ließ. Als er aber in dieser Absicht zum Zimmermeister ging, gewahrte er in dessen Wohnung ein anderes Marienbild, eine Abbildung des berühmten Gnadenbildes samt der Gnadenkapelle zu Mariahilf bei Passau und diese liebliche Darstellung zog ihn dergestalt hin und bewegte ihn dermaßen, dass er gelobte, nach Mariahilf zur Befreiung von seinem Übel eine Kirchfahrt zu unternehmen, was er im selben Jahr noch zur Ausführung brachte. Allein der fromme Waller kehrte stumm zurück, wie er stumm fortgezogen war, und auf eine zweite Wallfahrt nach Mariahilf hin ward sein Zustand um nichts besser. Da pilgerte er mit dem nämlichen Vertrauen noch ein drittes Mal zur mehrgedachten Gnadenstätte und sein unerschütterliches Hoffen trug diesmal schon einige Früchte, denn er konnte seit dieser dritten Wallfahrt, die er im Jahr 1633 verrichtet hat, schon einiges reden. Der erfreute Johann Grienwald brachte nun einige Tage in Mariahilf mit Danksagung und Lobpreisung Gottes und seiner gnadenreichen Mutter zu, während sein Zustand sich zusehends besserte. Um Weihnachten des Jahres 1633 konnte Grienwald vollkommen klar und deutlich sprechen. Er griff daher wieder nach seinem Wanderstab, um nochmal sein Herz vor der himmlischen Gnadenmutter in flammenden Dankgebeten auszugießen und seine Sünden zu beichten. Zugleich bat er auch die hohe Himmelskönigin mit inbrünstigem Flehen, sie möchte ihm huldvollst offenbaren: was für eine Buße und was für ein gutes Dankeswerk er für eine so außerordentliche Gnadenerzeigung verrichten solle. Und siehe, da geschah es, dass ihm, während er im Messnerhaus zu Mariahilf übernachtete, bei ganz wachem Zustand gegen Morgen hin die allerreinste Gottesgebärerin erschien. Aus dem Honigmund der Mutter Gottes aber vernahm er die Worte: Da, auf diesem Plätzchen, bau mir zu Ehren ein Kirchlein!“ Grienwald, der das Plätzchen gleich erkannte, gelobte den heiligen Willen seiner erhabenen Schutzfrau ganz getreulich vollziehen zu wollen und beschloss noch dazu, sein Leben in der Einsamkeit der zu erbauenden Kapelle als Klausner zuzubringen, worauf die wundervolle Erscheinung verschwand.

 

Jubeltrunken eilte Grienwald nach Beuerbach zurück und wusste nichts eiliger und eifriger zu tun, als mit einer Almosensammlung zum versprochenen Kirchenbau zu beginnen. Im Jahr 1686 wurde die Kirche vollendet und durch den Weihbischof Johann Maximus von Passau konsekriert.

 

Es erfolgten nun Wunder auf Wunder an der neuen Gnadenstätte. Es sind seitdem zwei volle Jahrhunderte verflossen (im Jahr 1866), aber noch immer pilgert der gutmütige Rottaler gerne in den freundlichen Langenwinkel, besonders am Fest Mariä Heimsuchung, als am Titularfest der Gnadenkirche, da Papst Innocentius X. schon im Jahr 1646 den andächtigen Besuchern dieser Wallfahrt am genannten Tag einen vollkommenen Ablass bewilligte.

 

Das ursprüngliche Gnadenbild war während des Dreißigjährigen Krieges abhanden gekommen. Heutzutage wird als Gnadenbild das von dem Kapuziner Pater Anton Maria päpstlichen Legaten dorthin geschenkte Marienbild verehrt. Dasselbe soll aus einer an einem Berg in Piemont gegrabenen und gebrannten Erdart sein und befindet sich in einer vergoldeten monstranzartigen Kapsel in der Nische des Tabernakels. Dieses Bild ist sehr freundlich. Es misst etwa neun Zoll in der Höhe und hat ein braungemaltes, sternbesätes Kleid.

 

(Aus: „Marianischer Festkalender“, Regensburg 1866)

 

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