Lechfeld, Wallfahrtskirche Mariahilf und Franziskaner-Kloster in Schwaben

 

Zwischen den Flüssen Lech und Wertach zieht sich von Augsburg aufwärts gegen Landsberg an der ehemaligen Grenzscheide zwischen Bayern und Schwaben eine unübersehbare Ebene hin, fast zehn Stunden lang und zwei Stunden breit, das Lechfeld genannt. Mitten in dieser Ebene liegt der weithin berühmte Wallfahrtsort Lechfeld mit einem Franziskaner-Kloster. Der Ort wie das Kloster verdanken ihren Ursprung der Wallfahrt.

 

Hier baute zuerst die Besitzerin des von da eine kleine halbe Stunde entfernten Schlosses und Landgutes Regina von Imhof, geborene Pemlin, Witwe des Friedrich Raymund von Imhof, Bürgermeisters von Augsburg, im Jahr 1603 eine Kapelle in einem Stil ähnlich jenem des Pantheons zu Rom, welches fünfundzwanzig Jahre vor Christi Geburt von Marcus Agrippa zu Ehren aller heidnischen Götter erbaut, vom Papst Bonifazius IV. dem Heiligen, aber im Jahre Christi 610 zu Ehren der seligsten Jungfrau Maria und aller Heiligen eingeweiht wurde. Einst verirrte sich diese Frau auf einer Rückreise von Augsburg nach Untermeitingen im nächtlichen Nebel und versprach, wenn sie den Weg nach ihrem Schloss wiederfinden würde, eine Kapelle zu erbauen. Nach langer Angst und inbrünstigem Gebet sah sie auf einmal aus der Ferne die Lichter ihres Schlosses. Hierüber sehr erfreut befahl sie ihrem Kutscher auf dieser Stelle als ein Zeichen seine Peitsche in die Erde zu stecken, und fuhr dann frohen Mutes in ihr Schloss zurück. Dies ist die Veranlassung zum Bau der Kapelle.

 

Den 9. April 1603 wurde der Grundstein gelegt und der Bau noch in dem Jahr vollendet. Von Papst Clemens VIII. und Alexander VII. wurde die Wallfahrtskapelle mit besonderen Ablässen begabt, von Ersterem schon im Jahr 1603 und dem Zweiten im Jahr 1659. Alsbald erwachte im Volk das Vertrauen zu Maria in dieser Kapelle. Es blieb aber auch nichts unbelohnt. Die Stifterin ließ daher, um das geistige Bedürfnis der Wallfahrer zu befriedigen, nahe der Kapelle ein Gebäude errichten, in dem mehrere Kapläne wohnen konnten. Diese versahen nun alle priesterlichen Verrichtungen in dem Kirchlein.

 

Immer mehr und mehr nahm die Zahl der Wallfahrer zu, deren geistliche Bedürfnisse von den hierher berufenen Patern Franziskanern befriedigt wurden, bis im Jahr 1803 das Kloster aufgehoben wurde. Da im Jahr 1827 König Ludwig I. in Bayern wieder mehrere Klöster des Franziskaner-Ordens herstellte, wurde auch das Kloster Lechfeld wiederhergestellt und den 1. August 1830 feierlich eröffnet. Unter dem Fürstbischof Alexander Sigismund von Augsburg wurde auf dem freien Platz vor der Wallfahrtskirche ein Kalvarienberg errichtet, dessen Bau im Jahr 1718 begann und 1719 vollendet wurde. Im Verlauf von mehr als einhundertdreißig Jahren wurden die Kapellen und Figuren durch die Witterung sehr schadhaft, so dass man sich genötigt sah, einen neuen Kreuzweg zu errichten. Binnen anderthalb Jahren war der herrliche Neubau vollendet, und am 4. Oktober 1853, als am Fest des heiligen Ordensstifters Franziskus Seraphikus, erhielt dieser Kreuzweg die kirchliche Weihe in sehr feierlicher Weise unter dem Zudrang einer äußerst zahlreichen Volksmenge.

 

(Aus: „Marianischer Festkalender“, Regensburg 1866)