Die Wallfahrtskirche auf dem Fahrenberg in der Oberpfalz

 

Auf dem hohen Fahrenberg bei Waldthurn im Landgerichtsbezirk Vohenstrauß steht eine schöne Marienkirche. Über den Ursprung geht folgende Sage:

 

„Dem Kaiser Heinrich dem Vogler wurde die Tochter Judith von einem Vornehmen seines Hofes – dem Grafen von Altenburg geraubt. Er trauerte lange um sie und ließ sich aus Schmerz den Bart wachsen. Endlich machte er eine Jagd von Regensburg herauf, bestieg, nachdem er sich verirrte, einen Berg, um sich zu orientieren, sah aber nichts als Wildnis. Nachts jedoch bemerkte er auf einem gegenüberstehenden Berg Licht. Er lenkte seine Schritte dahin, nahm Nachtherberge und fand unerkannt seine Tochter mit ihrem Entführer als deren Gemahl und sieben Kinder. In kurzer Zeit erschien er mit einer Schar Krieger, um die Burg einzunehmen, söhnte sich jedoch mit deren Bewohner aus. Von daher hat jener Berg, wo er auf die Spur seiner Tochter gekommen ist, den Namen Fahrenberg, jene Burg aber, wo er vom Licht geleitet eingekehrt war, hat den Namen Leuchtenberg erhalten.

 

Später kam die Burg Fahrenberg als Lehen an die Tempelritter, die in der Kapelle, die sie an die Burg gebaut hatten, die nämliche Statue der seligsten Jungfrau, die noch heute in der großen Kirche verehrt wird, aufstellten. Von ihnen kam sie jedoch bald an das Kloster Waldsassen unter dem Namen einer Propstei, wodurch die Verehrung Unserer Lieben Frau bedeutend erhöht worden ist. Im Jahr 1352 wurde die Propstei den Nonnen zugewiesen. Von den Hussiten aber wurden 1425 diese Nonnen zerstreut, das Klösterlein niedergerissen und das Bildnis der seligsten Jungfrau in einen tiefen Brunnen geworfen, jedoch einige Zeit danach auf die Anzeige einer alten Nonne, die unter einer halb eingerissenen Mauer den Stürmern zugesehen hatte, wieder herausgenommen und in dem Kirchlein, das unversehrt stehen geblieben war, wieder auf den Altar gesetzt.

 

Als zur Wiederherstellung der katholischen Religion einige Väter aus der Gesellschaft Jesu in die Oberpfalz gesandt wurden, denen von 1626 bis 1643 Waldsassen auch übergeben war, kamen sie ebenfalls auf den Fahrenberg. Allein bald darauf erschienen wieder böhmische Religionsneuerer, sprengten drei Patres in den von daher so genannten Münchsprüll bei Waldau und verbrannten das Kloster. Im Jahr 1656 wurde die Herrschaft Waldthurn mit dem Fahrenberg dem Fürsten von Lobkowitz, Herzog von Sagan, käuflich überlassen. Bald folgte eine glänzendere Epoche der Wallfahrtskirche auf dem Fahrenberg. Als das Kirchlein im Jahr 1775 bis auf den durch ein Gewölbe geschützten Hochaltar vom Blitz niedergebrannt worden war, entstand durch die Opfer der Gläubigen und Beiträge von Guttätern allein der jetzige großartige majestätische Tempel, der ungeachtet seines großen Umfanges an den Marienfesten kaum den dritten Teil der Wallfahrer fassen kann.

 

Am 11. August 1818 wurde von Sr. päpstlichen Heiligkeit Pius VII. für die Feier eines Jubiläums vollkommener Ablass verliehen. Diese nahm auch am 8. September selben Jahres ihren Anfang und dauerte acht Tage. Täglich wurde Amt und Predigt unter ungeheurem Zudrang des Volkes gehalten und mehr als 20.000 katholische Christen empfingen während dieser Tage die heiligen Sakramente. Seitdem blüht diese Wallfahrt fort. Besonders sind es die Marienfeste, an denen öfters die Bewohner der benachbarten Pfarreien in Prozession mit Fahnen und Musik unter Leitung ihrer Seelsorger, sowie des benachbarten Böhmens zahlreich hierher pilgern.

 

(Aus: Marianischer Festkalender, Regensburg 1866)

 

pfarrei-waldthurn/kirchen/kirche-fahrenberg/