Dorfen

 

(aus: Kalender für katholische Christen auf das Jahr 1847, Sulzbach i. d. Oberpfalz)

 

In einer der fruchtbarsten Gegenden Oberbayerns, zwischen den gesegneten Hügeln von Erding und Ampfing zieht sich ein freundliches Tal von Osten nach Westen, das Isental genannt. In einer Länge von sieben Stunden und fast durchgehends eine halbe Stunde breit, ist es begrenzt von üppigen Fruchtfeldern, während seinen Wiesgrund das Flüsschen Isen durchschlängelt und reichlich bewässert. Fast im Mittelpunkt dieser Tallänge befindet sich der freundliche Markt Dorfen (Maria-Dorfen) mit 207 Häusern und 1260 Einwohnern (heute ca. 14.000), im Bezirk des Landgerichts Erding und in der erzbischöflichen Diözese München-Freising, 3 Stunden von Erding, 11 von München und 7 von Landshut. Gegen Osten und Westen dehnt sich dort das Tal in eine schöne, lange Ebene aus. Gegen Süden und Norden ist die Gegend bergig, doch sehr fruchtbar. Ein tiefer, mit Wasser gefüllter Graben umgibt den Markt. Die ursprüngliche Ansiedelung bestand in drei Häusern, dem Eigentum dreier, mit großem Besitztum im Isental begüterter Brüder, woher noch das Bild von drei Häusern im blauen Feld im Schild des Markt-Wappens. Nach und nach bauten sich wegen der angenehmen Lage und Fruchtbarkeit der Gegend mehrere Familien an. So entstand allmählich der jetzige gewerbsame Markt Dorfen mit seinen Straßen in Kreuzform und vier, je zwei gegeneinander überstehenden Toren.

 

Unmittelbar außer dem Markt am nördlichen Hügelrand erhebt sich der Ruprechtsberg, auf dessen Rücken eine große, herrlich ausgestattete Kirche emporragt, erbaut zu Ehren der heiligen  Jungfrau Maria, und weithin bekannt als ehrwürdiger Gnadenort. Westlich vom Gotteshaus ziert den Ruprechtsberg ein großes Quadratgebäude, das Priesterhaus, das wie ein ansehnliches Schloss das Tal beherrscht, und dem Auge einen lieblichen Überblick über dasselbe gewährt. Leicht und bequem steigt man den Berg über 148, mehrmals mit Ruheplätzen unterbrochene, rotmarmorne Stufen hinan.

 

Nach alter Sage soll der heilige Rupert (Ruprecht) bei seinen apostolischen Wanderungen durch Bayern auf diesem Berg gewohnt und gepredigt haben, daher dessen Name „Ruprechts- oder Ruperts-Berg“. Rupert soll daselbst die Kapelle erbaut und eingeweiht haben, die heutzutage die heilige Josephs-Kapelle genannt wird. In ihr soll auf Anraten und Geheiß dieses Heiligen, der um das Jahr 718 oder 723 selig im Herrn entschlief, schon zu seiner Lebenszeit, oder bald nachher das wundertätige Marienbild aufgestellt worden sein, das bis jetzt mehr als 1100 Jahre hindurch der Gegenstand der allgemeinen öffentlichen Verehrung ist.

 

Im Jahr 1350 wurde neben der kleinen Kapelle auf dem Ruprechtsberg eine neue schöne geräumige Kirche, 153 Fuß lang und 54 Fuß breit, mit einem hohen Turm erbaut. Nun wurde das Marienbild auf den Hochaltar dieser neuen Kirche übersetzt, wo es noch gegenwärtig seine Stelle einnimmt. Dieses Bildnis erscheint, wenn es von dem ihm beigelegten Schmuck der gold- und silbergestickten Kleider und der Krone entblößt ist, als ein meisterliches Werk alter Bildhauerkunst. Es ist aus einem ganzen Stück Lindenholz geschnitzt, und hält (in sitzender Stellung) in der Höhe 5 Schuh 4 Zoll, in der Breite 4 und in der Tiefe 2 Schuhe. Das Haupt neigt sich ein wenig zur Rechten, und ist umwallt von langen blonden Haaren; die Züge des länglichen Angesichts zeichnen die heilige Jungfrau als eine mächtige, aber liebevolle Himmelskönigin; das Auge strahlt hell und lieblich. Die Rechte hält das Jesuskind auf dem Schoß, die Linke eine Rose. Das lange Kleid ist von roter Farbe mit vergoldeter Verbrämung. Die Mitte des Leibes umgibt ein Gürtel, den eine vergoldete Schnalle zusammenhält. Auf dem Herzen sind die Worte eingeschnitten: „Mutter der Gnaden.“

 

Die Verehrung des Marienbildes in der neuen Kirche zog viele Andächtige dahin, und bald erblühte der Ruprechtsberg zu einem sehr besuchten Wallfahrtsort. Schon um das Jahr 1400 wurde er häufig von Fremden besucht. Der Ruf der Wundertätigkeit verbreitete sich immer mehr, und in der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts wurde Maria-Dorfen unter die blühendsten Wallfahrten in Oberbayern gezählt. Dieses beurkundet das uralte Mirakelbuch aus dem Archiv des 1 ½ Stunden von Dorfen entlegenen ehemaligen Kollegiatstiftes zu St. Wolfgang, in dem auch spezielle Wunderwerke von der Wallfahrt Dorfen aufgezeichnet sind. Um jene Zeit entstanden mehrere Gasthäuser auf dem Berg in der Nähe der Kirche zur Aufnahme der zahlreichen Wallfahrer, die häufig in ganzen Zügen einzelner oder mehrerer Pfarrgemeinden zusammen dahin kamen. Das letzte von ihnen, ein bedeutend großes, wurde erst im Jahr 1664 abgebrochen und dessen Material zum Kirchenbau in Zeilhofen verwendet. Im Markt sollen zur Beherbergung und Verpflegung der Pilger neun Weinwirte bei gutem Nährstand gewesen sein. Laut eines alten Saalbuches waren 8 oder 9 Priester zu Dorfen anwesend, um die Dienste bei der Wallfahrtskirche zu versehen. Unter solchen Umständen nahm die Vergrößerung des Marktes zu, und mehrte sich der Wohlstand seiner Bewohner.

 

Aber die unheilvolle Zeit des dreißigjährigen Krieges brachte dem Wallfahrtsort großes Verderben. Beim Einfall der schwedischen Truppen wurde die Kirche von den rohen feindlichen Kriegern entheiligt. Sie musste als Pferdestall und Schlachthaus dienen, der Choraltar als Feuerherd. Die Altarzierden, Votivtafeln, Urkunden, die alten Mirakelbücher wurden den Flammen preisgegeben, das Gnadenbild wurde vom Altar gerissen, verunehrt und mit Kot beworfen, blieb jedoch ohne Verletzung und Verstümmelung unversehrt erhalten. Die Wallfahrtspriester hatten die Flucht ergriffen. Bei diesen Verwüstungen, und unter den schweren Leiden durch Teuerung, Hunger, Krankheiten und Elend aller Art, als unseligen Folgen des Krieges, womit das Volk zu kämpfen hatte, geriet die Wallfahrt in Verfall. Der Eifer der Einwohner von Dorfen und ihrer geistlichen Vorsteher verhinderten jedoch, dass sie nicht ganz in Vergessenheit kam; sie boten alles auf, den entheiligten und beraubten Gnadenort so viel als möglich bald wieder herzustellen. Besonders tätig wirkten der Pfarrer Georg Eberl und der Prediger Georg Reisacher, dessen Nachfolger, das Vertrauen zur Gottesmutter unter den Gläubigen wieder rege zu machen und den Ruhm der Wallfahrt aufs Neue zu begründen verstanden. Neben vielen anderen Andachten führte Pfarrer Georg Eberl im Jahr 1657 die Erzbruderschaft des heiligen Rosenkranzes ein; dann späterhin die Fastenpredigten und Roratemessen oder Engelämter im Advent, ließ eine neue Orgel bauen, und stellte neben dem Organisten noch einen eigenen Kantor an. Im Jahr 1695 wurde von der Bürgerschaft zu Dorfen das Frühmess-Benefizium in der Markt-Kirche zu St. Veit gestiftet.

 

Als vorzüglicher Beförderer der Wallfahrt zu Dorfen wird der dortige Pfarrer Joseph Sailer gepriesen. Sogleich beim Antritt seines Pfarramtes, im Jahr 1705, verwendete er 3000 fl. seines eigenen Vermögens zur Ausstattung des Gotteshauses auf dem Ruprechtsberg. Die Orgel und der Choraltar wurden neu gefasst, die Seitenaltäre neu gebaut und die ganze Kirche geschmückt. An der östlichen Seite der Kirche wurde das Presbyterium durch einen Anbau vergrößert, ebenso wurde die Kirche rückwärts erweitert, der Kirchturm und das Dach ausgebessert, die Kirchhofmauer vergrößert. Es wurde eine neue Glocke, eine neue Kirchenuhr angeschafft, desgleichen neue Baldachine über das Marienbild und viele andere wertvolle Ornate, die Totenkapelle südlich neben der Kirche neu ausgemalt und mit einem Altar versehen. Vom Päpstlichen Stuhl wurde im Jahr 1711 ein vollkommener Ablass für alle erwirkt, die den Gnadenort mit Ablegung reumütiger Beichte und Empfang der heiligen Kommunion besuchten. Sailers Predigten flossen über von Andacht und Vertrauen zu Maria, und er besaß die Macht, jene Liebe, die er zur Gottesmutter hegte, auch andern einzupflanzen. Er mehrte und beförderte die kirchlichen Andachten nach Kräften. Das Vertrauen zum Gnadenbild nahm in jenen Tagen bewunderungswürdig zu. Er ließ metallene, silberne und vergoldete Gnadenpfennige prägen, und teilte sie unter die Wallfahrer aus, damit sie das Andenken an Maria erhalten und bei anderen erwecken möchten.

 

So wirkte Sailer mehr als dreißig Jahre für das Gedeihen der Wallfahrt, bis er im 82. Jahr seines Alters, am 16. Januar 1737 sein tätiges Leben endete.

 

Der Ruf der in Menge gepriesenen Wunder von der hilfreichen göttlichen Mutter zu Dorfen verbreitete sich allenthalben. Auf Sailers Bericht wurde im Jahr 1707 vom Fürstbischof zu Freising eine Kommission zur Untersuchung und Prüfung der aufgezeichneten vorzüglichsten Wundertaten niedergesetzt. 130 Beteiligte wurden eidlich über die ihnen erzeigte Wunderhilfe (meistens unerklärliche Heilungen) abgehört, verschiedene medizinische und polizeiliche Zeugnisse abgenommen, und die 10 ältesten Personen in und um Dorfen, ebenfalls beeidigt, über den früheren Ruf und Bestand der Wallfahrt vernommen; die älteren und neueren Dokumente geprüft, und hierauf nach Erwägung aller Umstände durch bischöflichen Ausspruch das Marienbild erwiesen als gnadenreich und wundertätig erklärt, und hierauf am Fest der heiligsten Dreieinigkeit, den 19. Juni, unter dem Jubel einer ungemeinen Volksmenge von der Priesterschaft in feierlicher Prozession im Markt herumgetragen. Nun wurde der Zulauf der Andächtigen zum Gnadenbild zu Maria-Dorfen von Jahr zu Jahr immer größer: auch aus fernen Ländern kamen Pilger zahlreich herbei. Im Jahr 1716 belief sich die Zahl der Kommunikanten daselbst über 48.000, und in manchem der nächstfolgenden Jahre über 100.000.

 

Dem Bedürfnis eines bequemen gemeinschaftlichen Wohnhauses für die Wallfahrtspriester wurde durch Erbauung des großartigen Priesterhauses zunächst der Kirche auf dem Ruprechtsberg auf Anordnung des Fürstbischofs Johann Franziskus (Freiherrn v. Egther) von Freising und durch die eifrige Bemühung seines geistlichen Rates Kanonikus Philipp Lindmayer abgeholfen. Am 9. September 1717 wurde der Grundstein dazu gelegt, und nach zwei Jahren war der Bau mit einem Aufwand von 16.000 fl. so weit vollendet, dass er von den Priestern bezogen werden konnte. Er erhielt auch eine schöne Hauskapelle, die zu Ehren der heiligen Apostel Peter und Paul eingeweiht ist. Diese Anstalt bezweckt zugleich, dass vorzüglich neu ordinierte Priester daselbst neben dem Dienst für die Wallfahrt auch praktisch in die Seelsorge eingeübt werden sollten. Ein Priesterhaus-Direktor führte die Leitung des ganzen Instituts. Die Zahl dieser Kuratgeistlichen belief sich in der ersten Zeit auf vierzig; da sie in der Folge noch höher stieg, wurden mehrere von ihnen im Markt untergebracht. Der Sitz der Pfarrei war nicht im Markt Dorfen, sondern in dem eine viertel Stunde davon entfernten Dorf Oberdorfen, wo der Pfarrer mit drei Hilfspriestern wohnte. Im Markt befand sich nebst dem Frühmess-Benefiziaten nur der Prediger als exponierter Pfarr-Kooperator. Erst im Jahr 1813 erhielt Maria-Dorfen eine eigene selbstständige Pfarrei. Doch war die sehr beträchtliche Pfarrei Oberdorfen mit ihren 11 Filialen schon vom Jahr 1737 am Priesterhaus auf dem Wallfahrtsberg als Einkommens-Zugabe einverleibt. Der erste Pfarrvikar Vitus Kreitmayer hatte ein jährliches Absent von beiläufig 200 fl. zu entrichten. Nach seinem Tod aber, im Jahr 1761, war der jeweilige Priesterhaus-Direktor selbst Pfarrvikar von Oberdorfen, wo im Pfarrhof der erste Kooperator als Ökonomie-Verwalter aufgestellt war.

 

Im Jahr 1775 erhielt das Priesterhaus eine wesentliche Umgestaltung. Ludwig Joseph (Freiherr v. Welden), Fürstbischof von Freising, beschloss, mit dem Priesterhaus eine geistliche Pflanzschule für angehende Weltpriester der Diözese Freising zu verbinden. Zur Ausführung dieses Unternehmens boten die zwei Brüder Anton und Peter von Oberwexer, Wechselherren zu Augsburg, großmütig ihre Hand. Auf ihre Kosten ließen sie das erforderliche Gebäude in seiner gegenwärtigen Gestalt herstellen und mit der nötigen Hauseinrichtung versehen. Das ursprüngliche Priesterhaus bildete einen rechten Winkel, die eine Seite gegen Süden, die andere gegen Osten. Nunmehr schuf ein gleicher Anbau gegen West und Nord das Ganze zu einem regelmäßigen und schönen Quadratgebäude um. Die eine Hälfte blieb für das Priesterhaus bestimmt, die andere, neugebaute aber sollte zum Seminar der Alumnen dienen. Am 1. Juni 1778 stand der Bau in seiner Vollendung da. Jährlich wurden zwanzig Kandidaten der Theologie für jeden der beiden Kurse aufgenommen. Mit dem Beginn des ersten Jahres empfingen sie die vier niederen Weihen, um Pfingsten des zweiten Jahres das Subdiakonat, und bis Ende September das Diakonat und Presbyterat. Als Priester verweilten sie dann noch ein Jahr zur praktischen Ausbildung im Priesterhaus, bis sie zu einer Hilfspriester-Stelle abgerufen wurden. Arme Zöglinge des Seminars fanden daselbst unentgeldlichen Unterhalt, die vermöglicheren bezahlten einen ihren Umständen angemessenen Beitrag.

 

Die Haupt-Wohltäter des Seminars, - die Brüder von Oberwexer – fuhren fort, dasselbe auch nachher noch kräftig zu unterstützen. Außerdem empfing das Institut auch bedeutende Gaben vom Kanonikus und Dechant des Stiftes zu St. Andreä in Freising, geistl. Rat Joh. Georg Kaiser, dem Pfarrer zu Hohenbrunn, geistl. Rat Martin Augustin von Hofstetten und dem Kuratpriester Joseph Ignaz Daser zu Oberammergau. Auch wurde demselben die 1 ½ Stunden entfernte Pfarrei Hofkirchen einverleibt (was sie bis zum Jahr 1803 verblieb), und späterhin, im Jahr 1784, das Benefizium im benachbarten Dörfchen Zeilhofen.

 

Die oberste Leitung des Seminars und Priesterhauses wurde dem Domkapitular Graf von Lehrbach als Regens primarius übergeben, der auch oft einige Zeit in Dorfen verweilte. An die Stelle des Direktors trat ein Regens, zugleich Pfarrvikar, welchem zwei oder drei Professoren beigegeben waren. – Nach 26jährigem Bestehen wurde aber dieses Diözesan-Seminar wieder aufgelöst und mit dem Gregorianischen Klerikal-Seminar an der Universität zu Landshut vereinigt. In Dorfen verblieb nur das Priesterhaus. Diesem wurde, außer seiner bleibenden Haupteigenschaft als Wohnung der Wallfahrtspriester, nun auch eine andere neue Bestimmung beigelegt, nämlich zum Aufenthaltsort für Geistliche, die unter besonderer Aufsicht gehalten, oder zur Korrektion und Pönitenz dahin verwiesen werden sollen, zugleich aber auch als zum ruhigen Asyl für emeritierte Priester nach freier Wahl, so wie auch als Verpflegungs-Anstalt für unglückliche Geisteskranke dieses Standes. Zu diesem Ende wurden die ganze weite Front eines Seitenflügels entlang, an der Stelle der Dormitorien (Schlafsäle) und Museen (Studiersäle), zehn Gemächer eingerichtet.

 

Die letzte Hauptveränderung in den Verhältnissen des Priesterhauses erfolgte endlich im Jahr 1813. In diesem Jahr wurde die umfangreiche Pfarrei Oberdorfen in zwei selbstständige Pfarreien geteilt. Der Markt Dorfen erhielt nun seine eigene Pfarrei mit dem größten Teil des vormaligen weitläufigen Pfarrsprengels, welcher die Marktgemeinde und die Filiale Angerskirchen, Hampersdorf, Kleinkatzbach, Jaibing, Kienraching, Vils, Rettenbach, Stafing und Rinning mit einer Anzahl von 2374 Seelen umfasst, und von dem Pfarrer mit drei Kooperatoren, wovon der erste als Prediger bestellt ist, pastoriert wird, woneben noch der Frühmess-Benefiziat im Markt Dorfen besteht. – Das Pfarramt wurde mit der Stelle des Priesterhaus-Direktors vereinigt, und die Wallfahrtskirche zu U. L. Frau auf dem Ruprechtsberg zur Pfarrkirche erhoben (Die Kirche im Markt Dorfen ist dem heiligen Vitus gewidmet, und mit dem oben erwähnten, von der Ortsgemeinde im Jahr 1695 gestifteten Frühmess-Benefizium versehen. Nebstdem sind daselbst noch zwei Nebenkirchen außer dem Markt, die St. Sebastianskirche und die Altöttinger Kapelle. Das Rural-Dekanat, das den Namen „Dorfen“ führt, umfasst dermal acht Pfarreien. Ehemals, vor Bildung eines eigenen Dekanats zu Velden, erstreckte es sich über sechzehn Pfarreien.). Der Pfarrei zu Oberdorfen verblieb der kleinere, westliche Teil ihres vorigen Umfangs mit dem Pfarrsitz Oberdorfen und den Filialen Landersdorf, Esterndorf, Niedergeiselbach, Zeilhofen und Lindum mit einer Anzahl von 1064 Seelen, die der Pfarrer mit einem Kooperator und dem Benefiziaten zu Zeilhofen versieht. Als erster Pfarrer zu Maria-Dorfen wurde der Priesterhaus-Direktor Joseph Hilz ernannt, nunmehriger Stadtpfarrer zu Kehlheim. Gegenwärtig ist daselbst Pfarrer und Priesterhaus-Direktor, zugleich auch Distrikts-Schul-Inspektor, der vormalige Professor der Theologie am Lyzeum in Freising, Herr Anton Schmitter.

 

Indessen hatte die Wallfahrt Dorfens in dem Flor und Glanz, zu dem sie im Anfang des 18. Jahrhunderts emporgestiegen war, im Laufe dieses Jahrhunderts sich fortwährend erhalten. Zur Beförderung des zahlreichen Besuches der Andächtigen hatten mächtig die Beispiele erlauchter Fürsten mitgewirkt, so Kurfürst Max Emanuel, der im Jahr 1719 zu Fuß dahin wallfahrtete; desgleichen Kurfürst Carl Albert, - nachher deutscher Kaiser, - im Jahr 1721 und mit seiner Gemahlin Maria Amalia im Jahr 1736; - und so viele andere fürstliche und hohe Personen. Der Fürstbischof Johann Franz hatte im Jahr 1718 die Prozession der Bürgerschaft von Freysing in eigener Person dahin geführt; desgleichen wallfahrtete er im Jahr 1719 am 2. Oktober zu Fuß nach Dorfen. – Eins der glänzendsten Feste feierte die Wallfahrtskirche im Jahr 1757 vom 2. Oktober an acht Tage hindurch. Es war die Jubelfeier der vor einem Jahrhundert in derselben errichteten Rosenkranz-Bruderschaft, die mit außerordentlicher Pracht begangen wurde. Von allen Seiten strömten Andächtige herbei. Jeder Tag wurde mit feierlichen Kanzelreden von den vorzüglichsten Predigern der Umgegend, mit solennen Hochämtern von den vornehmsten Gästen aus der hohen Geistlichkeit, mit Prozessionen und anderen kirchlichen Andachten verherrlicht. Es erschienen bei sechzig entfernte Pfarrgemeinden. Der Zudrang der Wallfahrer war so groß, dass täglich mehr als dreißig Beichtväter vom frühen Morgen bis zum späten Abend beschäftigt waren. Mehr als 20.000 empfingen die heilige Kommunion: - während der Oktav wurden wenigstens 460 heilige Messen in der Marienkirche gelesen.

 

Am 4. Januar 1782 ereignete sich um 9 Uhr am Abend in der Wallfahrtskirche das Unglück, dass ein Hauptpfeiler zusammenstürzte, und mit ihm ein großer Teil des Gewölbes. Da auch der Dachstuhl ruinös war, so musste der größte Teil des Gebäudes abgebrochen und so die Kirche ganz neu hergestellt werden, so dass der Bau in einer Art byzantinischen Stils ohne Pfeiler in gegenwärtiger Gestalt im Jahr 1786 vollendet wurde. Bis dahin beliefen sich die Baukosten auf 15.529 fl. Die Kasse des Gotteshauses war erschöpft. Da boten fromme Wohltäter hilfreiche Hand. Die Herren von Oberwexer in Augsburg ließen im Jahr 1786 die herrliche Freskomalerei der Kirche durch den Kunstmaler Huber von Augsburg ausführen; die Pfarrgemeinde Dorfen bestritt die Kosten für Fassung und Vergoldung; Graf Johann Theodor von Morawitzky ließ 1790 die herrliche Kanzel von Gips-Marmor verfertigen; der Landrichter in Erding, Freiherr von Widmann, den Johann-Nepomuk-Altar. Der Domkapitular Graf von Lehrbach ließ die Josephs-Kapelle ausmalen und den Altar darin bilden und fassen. So erfolgte dann am 24. Oktober 1790 auch die neue Einweihung der Kirche durch den Fürstbischof zu Freising und Regensburg, Fürstpropsten zu Berchtesgaden, Joseph Konrad (Freiherr v. Schroffenberg), der auch vor seiner Konsekration die geistlichen Exerzitien vom 2. bis 5. August 1790 im dortigen Priesterhaus gemacht, und täglich die hl. Messe in der Marienkirche gelesen hatte.

 

In dieser Kirche, deren auf breite und vorspringende Mauern gestützte Gewölbe ohne Säulen sind, fesselt die majestätische Zierde des Hochaltars, auf dem das Gnadenbild thront, am meisten die Aufmerksamkeit des Besuchers.

 

Der Tabernakel ist von feuervergoldetem Kupfer, mit zierlich gearbeitetem silbernen Laubwerk reichlich geschmückt. Der nach der Zeichnung des berühmten Kunstmalers Egid Quirin Asam zu München gebaute Altar nimmt die ganze Breite des Chores ein; das Postament ist von rötlichem, mit weißen Adern durchzogenen Marmor über sechs Fuß hoch; zu beiden Seiten erheben sich zwei gewundene, schön marmorierte Säulen mit zierlichen Kapitälen, auf denen marmorierte Gesimse mit antiken Verzierungen ruhen. Vor den Säulen knien zur Rechten des heiligen Dominikus, zur Linken die heilige Katharina von Senis, - die beiden Haupt-Patrone des heiligen Rosenkranzes, - beide, gut vergoldet, in Lebensgröße und in anbetender Stellung gegen das Marienbild gerichtet. Neben den Säulen stehen ebenfalls in Lebensgröße, schön gearbeitet und gut vergoldet, auf der Evangelien-Seite die Statue des hl. Papstes Silvester, auf der Epistel-Seite die Statue des hl. Rupert. In der Mitte des Altars ruht auf einem feuervergoldeten, mit silbernen Laubwerken gezierten Thron das Gnadenbild der wundertätigen Maria. Der Thron selbst schwebt auf einem silbernen, 3 Fuß hohen Gewölk, das Engelsköpfe umgeben und vergoldete Strahlen durchschimmern. Zwei große schwebende Engel mit ausgespannten vergoldeten Flügeln halten den Thron. Etwas weiter unten befinden sich zwei kleinere fliegende Engel von Silber, die ein Füllhorn mit zwei Leuchtern tragen, die zur Erleuchtung des Bildes dienen. Hinter dem Thron aufwärts schimmert ein feuervergoldeter Strahlenschein mit glühender Sonne in der Mitte und um den Lichtkranz herum blinken wie die Sterne, in Form eines Kranzes, aus Silber gearbeitet, die fünfzehn Geheimnisse des heiligen Rosenkranzes auf künstlich gefertigten Schilden.

 

Den obersten Teil des Altars schmückt ein feuervergoldeter Baldachin mit silbernen Quasten. In dessen Mitte erhebt sich das Bild der heiligsten Dreifaltigkeit von Silber, mit einer Krone geziert. Zwei große versilberte Engel, auf den Kapitälen der Säulen ruhend, halten den Baldachin. Im Hintergrund fällt ein großer vergoldeter Vorhang zu beiden Seiten bis auf den Thron hernieder. Die Kosten der Fassung dieses Hochaltars wurden durch Beiträge der Pfarrgemeinden und anderer Wohltäter, dann aus den Mitteln der Rosenkranzbruderschaft bestritten.

 

Ein neues Unglück traf die Kirche auf dem Ruprechtsberg am 3. Juli 1794. An diesem Tag abends schlug der Blitz zweimal nacheinander in den Turm ein. Ehe nur Hilfe möglich war, brannte der Turm aus. Die Glocken zerschmolzen. Am 16. September desselben Jahres gerieten vier große Kirchenstühle in Brand, dessen Rauch den Fresken am Plafond großen Nachteil brachte. Im nächsten Jahr (1795) wurde der Turm zur notdürftigen Benützung hergestellt, und mit 6 Glocken versehen, ausgebaut aber erst im Jahr 1805. Als im Jahr 1801 zur Bestreitung der Bayern auferlegten Kriegs-Kontribution allenthalben das Kirchensilber in Anspruch genommen wurde, traf diese Kirche ein großer finanzieller Verlust von etwa 10.000 fl. In jüngster Zeit wurde im Jahr 1844 das Innere der Kirche verschönert, die Plafondgemälde gereinigt, die Girlanden, die Kapitäle der Mauerpfeiler, die Fassung der Kanzel usw. vergoldet, der Baldachin des Marienbildes restauriert, die Tumben der Seitenaltäre renoviert, der Kreuzaltar neu hergestellt, auch die beiden Nebenkapellen, die St. Josephs- und die Armen-Seelen- oder Toten-Kapelle repariert. Mehrere wertvolle Ornatstücke, Andachtsbilder, Gerätschaften, Musikinstrumente usw. angeschafft. All dies in einem Kostenbetrag von mehr als 3000 fl., durch Mittel aus Beiträgen von den Pfarrgenossen und freigebigen Wohltätern, worunter ein Legat zu 800 fl. von dem im Jahr 1843 verstorbenen Färbermeister Weitzenböck erwähnt zu werden verdient.

 

So steht nun das erhabene Gotteshaus auf dem Ruprechtsberg in erneuter Pracht da. Wenn auch unter den Ereignissen der neueren Zeit ein paar Jahrzehnte hindurch die Wallfahrt Maria-Dorfens eine bedeutende Abnahme erlitten hatte, so blieb doch das Vertrauen zu diesem Gnadenort stets unerschüttert, und ist dermal wieder im vollen Aufschwung, wie es das Herbeiströmen Andächtiger aus nahen und fernen Gegenden bei jeder Gelegenheit bewährt, so dass an der Erfüllung der Hoffnung nicht zu zweifeln ist, er werde sich bald wieder zu seinem vorigen Glanz erheben.  

 

http://ostbuendnis.de/pdf/pilgerwegvonlengdorfnachmariadorfen.pdf

 

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