Die "Zelle Mariens" in Niederwaldkirchen in Oberösterreich

 

(Von A. Aichberger, August 1916)

 

Niederwaldkirchen, im schönen Tal des Pesenbaches gelegen, ist eine der ältesten Pfarr- und Mutterkirchen des oberen Mühlviertels und hatte hier, von der Donau bis zum Böhmerwald reichend, viele Pfarren zu Tochterkirchen. Die Pfarre Niederwaldkirchen ist ein Geschenk des Grafen Eppo von Windberg. Kaiser Heinrich V. hat diese Schenkung ans Stift St. Florian bestätigt (1109). Das geht hervor aus der Konfirmationsurkunde des Bischofs Udalrikus von Passau (1111), in der Niederwaldkirchen als eine zum Kloster St. Florian gerhörige Kirche bezeichnet wird. Diese Schenkung des Grafen Eppo wurde 1478 auf die Mauer der Kirche gemahlt.

 

Das Gemälde stellte die Schenkung und Übergabe der Pfarre vom Grafen Eppo an den damaligen Prälaten Isembert von St. Florian vor. Dieses Gemälde erhielt sich bis zum Jahr 1807. In diesem Jahr ließ Pfarrer Josef Wiesmayr die Kirche ausweißen und auch dieses Gemälde mit Kalk übertünchen.

 

Im Jahr 1113 wird Niederwaldkirchen „cella S. Mariä“ (Zelle der Mutter Gottes) in „Waltkirchen“ und im Jahr 1122 als „eclesia conventualis“ (Konventkirche) für die in der dortigen Gegend wirkenden Missionare gnannt. Die früher hier bestandene „U.L.Frauen-Bruderschaft“ oder „Frauenzeche“ besaß 1469 bis 1490 bedeutende Güter. Eppo von Windberg, der kinderlos starb, setzte, nach Pritz, das Stift St. Florian zu seinem Erben ein. Er war auch der Erbauer der ersten Kirche zu Ehren des Geheimnisses „Mariä Himmelfahrt“.

 

Die jetzige Kirche ist im frühgotischen Stil erbaut, und zwar zugleich mit der auf der Epistelseite sich befindenden, sogenannten „Blasius-Kapelle“, die gegenwärtig sich als „Beichtkapelle“ sehr praktisch erweist. Die Rippen der Gewölbe sowohl im Presbyterium als im Schiff der Kirche sind in reiner Kreuzform ausgeführt. Die ursprünglichen Maßwerke der Fenster wurden im Lauf der Zeit entfernt, , wie dies ja in so vielen Kirchen geschah. Im Jahr 1881 aber wurden aus schönem Margaretenstein wieder gotische Maßwerke eingefügt. Im Jahr 1906 wurde die Kirche im Innern vollständig restauriert. Einen besonderen Schmuck der Kirche bildet der Hochaltar (neu vergoldet und gefasst im Jahr 1907) mit prachtvoller, reicher Bildhauerarbeit, die Himmelskönigin mit dem Jesuskind auf dem Schoß darstellend. Die übrigen drei Altäre und die Kanzel sind neu und im gotischen Stil gehalten. Eine neue Orgel mit 14 klingenden Stimmen trägt zur Verherrlichung des Gottesdienstes bei.

 

Die ältesten Pfarrer, die in der Chronik Erwähnung finden, sind Rudgerus, Ludovikus und Heinrikus, alle drei vor dem Jahr 1316. Der erste Pfarrer, der als „Pfarrer von Waldkirchen“ genannt wird, ist Albertus von Aschach (1316 bis 1330). Die Matriken reichen zurück in das Jahr 1612 und sind sämtlich vom Pfarrer Jakob Livius (1612 bis 1613 und 1616 bis 1650), von dem ein sehr schönes Porträt im Pfarrhof aufbewahrt wird.

 

In früherer Zeit war Niederwaldkirchen ein vielbesuchter Wallfahrtsort. Die vielen Gasthäuser in der Nähe der Kirche sind heute noch die Überreste aus jener Zeit. Doch ist die Liebe zur Mutter Gottes und ihre eifrige Verehrung in der Pfarre durchaus nicht erloschen. Am 2. Mai 1915 fand in sehr feierlicher Weise die Gründung einer marianischen „Jungfrauen-Kongregation“ statt, wobei 60 Sodalinnen aufgenommen wurden. Durch eine „Jugendsektion“ mit 40 Mitgliedern ist reichlich für den notwendigen Nachwuchs gesorgt.

 

Seit jeher ist der Empfang der heiligen Sakramente in der Pfarre ein eifriger, aber besonders im Jahr 1915, wo die Zahl von 20.000 Kommunikanten erreicht wurde. Der Krieg mit seinem Jammer und die Kongregation haben das Ihrige dazu beigetragen. Auch das übrige Vereinswesen blüht. Da verdient vor allem die „Armenseelen-Bruderschaft genannt zu werden mit zirka 1400 Mitgliedern, darunter viele auch aus den Nachbarpfarren.

 

Eine Zierde des Ortes bildet der schöne und große, auf der Nordseite der Kirche gelegene Pfarrhof, der in der Zeit von 1730 bis 1735 erbaut wurde.