Die Mutter Gottes vom guten Rat von Albanien

 

Es war im Jahr 1467. Die türkischen Horden überschwemmten den Balkan, überall zerstörend, mordend und sengend. Ihrem wilden Ungestüm vermochte niemand mehr zu widerstehen. Der tapfere Albaner, Georg Skanderbeg, „das Schwert der Christenheit“, „der christliche Gedeon“ genannt, hatte in der Zitadelle von Alessio schon seine Augen zur ewigen Ruhe geschlossen. Gegen die Türken hatte sich nur noch die Stadt Skutari zu halten vermocht. Lange trotzten die tapferen Einwohner der feindlichen Übermacht. Doch ihre Zahl war schließlich zu gering, um gegen die stets neu heranflutenden Türken standhalten zu können.

 

In dieser Stadt befand sich nun das Heiligtum Unserer Lieben Frau vom guten Rat, am Fuß der alten Festung gelegen. Hier bei Maria hatten die bedrängten Christen Hilfe gesucht in ihrer Not und Bedrängnis. Doch die göttliche Vorsehung hatte harte Schicksale über das bedrängte Albanien beschlossen.

 

Es war am 25. April, am St. Markustag. Das Gnadenbild Maria vom guten Rat sollte vor Verunehrung von Seiten der Türken bewahrt bleiben, und siehe da, das Gnadenbild löste sich wie von Engelshand wunderbar von der Mauer, auf die es gemalt war, und entschwebte westwärts gegen das adriatische Meer. Zwei Männer, die gerade vor dem Gnadenbild beteten und seinen wunderbaren Abzug von Kirche und Stadt mit Staunen gewahrten, folgten ihm und kamen trockenen Fußes über das Meer bis nach Genazzano, nahe bei Rom, wo es sich in einer kleinen Kapelle niederließ. Hier hat in der Folgezeit die Verehrung des heiligen Bildnisses durch auffällige Gebetserhörung immer mehr zugenommen. Die höchsten Kirchenfürsten wetteiferten in der eifrigen Verehrung Mariens in diesem ihrem heiligen Bild, so besonders Pius IX. und Leo XIII.

 

Für die fromme Überlieferung des wunderbaren Abzugs des heiligen Bildes von Skutari nach Genazzano sprechen die Worte Benedikts XIV. in der Bulle „Iniunctae nobis“. Darin heißt es also: „In der Stadt Genazzano befindet sich in der Marienkirche Unserer Lieben Frau vom guten Rat eine Kapelle, in der ein Bildnis Mariens vom guten Rat verehrt wird, das einst nach frommer Überlieferung von Skutari durch Engelshand dorthin gebracht worden ist.

 

Da die Türken Skutari erobert hatten, begannen sie alles zu verwüsten und verwandelten die katholischen Kirchen in türkische Moscheen. Ähnliches versuchten sie zweimal auch mit der Gnadenkirche Unserer Lieben Frau vom guten Rat, wurden aber jedes Mal von einer geheimnisvollen Macht davon abgehalten. Voll Ärger darüber, hielten sie die Katholiken von weiterem Besuch der Kirche ab. Und als diese mit der Zeit baufällig geworden war, hinderten die Türken jede Ausbesserung des Gebäudes.

 

Nun sind an die 450 Jahre (550) verflossen und vom Heiligtum sind nur noch die nackten Mauern übriggeblieben, die mit von weißem Kalk gemachten Kreuzen bezeichnet sind.

 

Zum altehrwürdigen Gemäuer pilgert die Stadt in Prozession alljährlich am 25. April, wobei innerhalb der alten Kirchenmauern auf einem improvisierten Altar das heilige Messopfer gefeiert wird. Die katholischen Albaner haben bis heute eine große Andacht zu Unserer Lieben Frau vom guten Rat bewahrt. Ergreifend ist ihre Klage über den Abzug ihres heiligen Bildes in dem Lied, das sie zu Ehren Mariens singen. Groß sind die Gnaden, die sie ihrer himmlischen Mutter verdanken.

 

Groß war aber auch allzeit das Verlangen, auf dem alten Gemäuer das frühere Heiligtum wiederherzustellen, doch ist es unter der bisherigen Türkenherrschaft unmöglich gewesen.

 

Da nun jetzt neue, bessere Zeiten angebrochen sind, haben die katholischen Albaner sofort an die Ausführung ihres alten Lieblingswunsches gedacht und die kaiserliche österreichische Regierung hat dazu ihre Zustimmung gegeben, und man geht bereits mit allem Eifer an die Ausführung. Die Skutariner, der Erzbischof an der Spitze, haben ein Komitee gegründet, das eifrig an die Arbeit geht. Die Stadt Skutari hat in wenigen Tagen bei 80.000 Kronen zusammengesteuert und alle Albaner helfen bei aller Not der Zeit nach bestem Vermögen zur baldigen Vollendung des gottgefälligen Werkes.

 

(aus „Ave Maria“, XXIV. Jahrgang, Heft 6, S. 125)

 

http://www.praedica.de/Heilige-Feste/0426_Maria_Guter_Rat.htm