Der Herz-Jesu-Berg bei Velburg i. d. Oberpfalz

 

(aus: Kalender für katholische Christen auf das Jahr 1847, Sulzbach i. d. Oberpfalz)

 

Auf der Westseite der Stadt Velburg, im Landgerichtsbezirk Parsberg, erhebt sich freundlich ein ansehnlicher Berg, östlich und nördlich von Buchen, Fichten und Kiefern bewachsen, auf dessen Höhe der fromme Wallfahrer die liebliche Kirche erblickt, die der Verehrung des heiligsten Herzens Jesu geweiht ist; daher dessen Name Herz-Jesu-Berg.

 

Auf diesem Berg, der in der Vorzeit Hohensberg genannt wurde, und in der Folge wegen des daselbst angelegten Kreuzweges und der Vorstellungen der Leidensgeschichte des Heilandes Kreuzberg, dann Kalvarienberg hieß, wohnten ehemals Einsiedler. Ihnen verdankt die dortige Wallfahrt hauptsächlich ihren Ursprung. Darunter zeichneten sich die zu Erbach, ehemals Churmainzischen Gebiets im Rheingau, gebürtigen Brüder Arsenius und Andreas Müller aus, die im vorigen (18.) Jahrhundert vom Jahr 1723 bis 1769 sich als Eremiten in der dortigen Klause befanden, und wovon der erstere den 23. November 1756, der zweite aber am 24. Januar 1769 gestorben ist. Andreas kaufte die Klause im Jahr 1723 von seinem Vorfahrer, dem Waldbruder Constantin, bewirkte mit seinem Bruder Arsenius meistens aus ihren eigenen Mitteln die Anlage des Kalvarienberges und die Auferbauung der kleinen Kapelle zum heiligen Grab, ehedem auch Kreuzkirchlein genannt, daselbst, und widmete zu deren Unterhaltung ein Vermächtnis von dreihundert Gulden, wie dies die nachstehende Inschrift auf einem von ihm selbst bearbeiteten Denksteine beurkundet:

 

„Ein hochlöblich Geistlicheß Commisariat in Velburg wolle Nachfolgente Vermogtnuß deren treyhundert Gulden zu unterhaltung ihres selbst Eigenen Calvariberg best mögligst versichert erhalten und damit nach meinem Absterben alles volzogen werde.

Zur Größerer Ehr Unserß liebsten heylandß Jesu Christi und seiner Werdesten Mutter Maria auch zu lieb unsereß lieben Calvaribergß welchen wir mit unserm bestendigem fleiß und Mitelen in solchen guthen stand gebracht und auch in die 40 Jahr erhalten Vermachen wir beede Gebrüder. F. Andreaß Müller und F. Arsenius Müller. Zu einer beständigen unterhaltung 300 Gulden. eß sol aber gleich nach unserer beeden absterben von obesagtem Capital eindunderd gulden zu einer Capelen oder kirchlein zum grab Christi gebaut werden der güthige und barmherzige Gott wolle unserer armen seelen Gnädig und barmherzig sein.

Vatter unser. ave Maria. Amen.

F. andreaß müller fecit.“

 

Dieser Eremit Andreas Müller vermachte auch zum Armen-Fond der Stadt Velburg ein Kapital von 110 fl., deren Zinsen an 12 Haus-Arme von Velburg ausgeteilt werden sollen.

 

Von Andreas Müllers Hand sind mehrere Bildhauer-Arbeiten daselbst vorhanden, besonders mehrere noch in seinem hohen Alter verfertigte Denksteine mit bildlichen Vorstellungen und religiösen Reimen. In der heil. Grab-Kapelle befindet sich das Bildnis des im Grab liegenden Heilandes in Lebensgröße von Holz. Daneben zwei Steine mit den Brustbildnissen Jesus und Maria, dann Jesus im Schoß Mariens unter dem Kreuz, und zwei andere mit Inschriften. – Im Presbyterium der Herz-Jesu-Kirche ist der Kanzel gegenüber eine in Müllers 72. Lebensjahr verfertigte Steintafel eingemauert, darstellend Jesus am Kreuz, unter demselben Marien in Magdalenens Schoß sinkend und Johannes, dann unter diesem Bild die Vorstellung der Geburt Jesu und der Anbetung der Hirten mit sehr gelungenem Ausdruck des Affektes der Freude, der Herzenseinfalt und Andacht. – In der Wand der Epistel-Seite des Hochaltares ist eine, in dessen 77. Lebensjahr verfertigte Steintafel eingemauert, welche die Vermählung Mariens vorstellt. Auf der Evangelien-Seite sieht man eine Steintafel, auf der der heilige Einsiedler und Abt Antonius als Prediger an einem abgelegenen Ort und die durch ihn entstandenen Ordensleute als Zuhörer abgebildet sind, mit folgender Inschrift:

 

Die wißenschaft nit bloß allein

kann große Männer machen.

Die Andacht muß der Meister sein

in allen Großen sachen.

der große Abt Andonius

hat nie kein schul betreten.

so gar nit schreiben noch lesen kont

alß nur allein daß betten.

und doch daß geistlich einsidler leben.

Von Andoni her ist komen.

wouon schier alle ordenstiffter

ihren anfang haben genomen.

Sein h. wandel und himmlisch sprüch.

und sein vollkomeneß leben.

waren blumen und tugendgerüch

allen Geistlich zum exempel geben.

 

Diese hier benente h. h. orden ihre Anfänger seint alle Einsidler gewesen.

Carmeliter Benedic. Carteus. Franzis. Celestin. gramontens. Calmaduens. paulauen.

 

Zu ehren deß h. Andoni hab ich Diesen stein verfertigt meines alterß im 74ten auf meinem Calvariberg nechst der statt Velburg 1764.

 

Noch ein von ihm ausgehauener Stein mit der Darstellung der zwei Jünger auf dem Gang nach Emmaus ist neben der Tür des Pfarrhauses zu Velburg eingemauert.

 

Die beiden frommen Eremiten beförderten nach Kräften den Besuch ihrer Kapelle. Die Versammlungen der Andächtigen zu ihr wurden immer zahlreicher. Da aber das Kirchlein seines zu engen Raumes wegen gar wenige Menschen fasste, so wurde im Jahr 1770 unter der Leitung des damaligen Stadtpfarrers Xaver Bertlin ein Anbau veranstaltet, zu dessen Ausführung die häufiger fallenden Opfer der Wallfahrer die Mittel darboten, und wozu auch das oben erwähnte Vermächtnis des Andreas Müller mitwirkte.

 

Bei dieser Erweiterung der heiligen Grabes-Kapelle, oder vielmehr Erbauung des neuen Kirchleins wurde ein neuer Altar verfertigt, und auf ihm das vom Kunstmaler zu Amberg Conrad Wild gemalte Bildnis des Herrn Jesus Christus, der sein Herz öffnet, aufgestellt. Das Kirchlein erhielt nun den Namen „zum heiligsten Herzen Jesu“.

 

Dieses neue Kirchlein und dessen Benennung zogen ungemein viele Menschen von sehr weit entlegenen Gegenden zur Andacht her, und schon kam die Wallfahrt so in Blüte, dass das Gebäude für die immer anwesende Volksmenge bei weitem nicht mehr groß genug war. Es fielen daher beträchtliche Summen, Opfer aller Art, und nach einem Zeitraum von 22 Jahren, da der Besuch dieser Wallfahrt von Tag zu Tag zunahm, kam man notwendiger Weise auf den Gedanken, die Kirche um vieles zu vergrößern und auch zu verschönern. Es fehlte hierzu nicht an Mitteln, und im Jahr 1792 stand schon wirklich das Gotteshaus, wie es dermalen zu sehen ist. Das Gebäude stellt ein Achteck vor, und beträgt in seiner Höhe, nebst dem darauf befindlichen 18 Fuß hohen Turm ungefähr 98 Fuß, in seinem Umkreis 194 Fuß. Die Kirche hat nebst dem Hoch- (Gnaden-) Altar noch zwei Seiten-Altäre mit sehenswerten Gemälden, deren eines das Bild Mariens in Lebensgröße, das andere das Bild des heiligen Sebastian darstellt. Die Bildhauerarbeiten an ihnen, so wie an der Kanzel sind von Joseph Dantl zu Velburg. Im Jahr 1817 wurde durch das Vermächtnis des im Jahr 1810 verstorbenen Stadtpfarrers zu Velburg, Michael Hayder, ein ganz neuer, von Adam Bittner aus Freystadt verfertigter Hochaltar aufgestellt.

 

Im Jahr 1795 wurde die Kirche mit Freskogemälden  von Liborius Joseph Forster versehen, von denen das eine im Presbyterium das Abendmahl Jesu Christi mit seinen Jüngern vorstellt. Die übrigen bestehen aus Darstellungen von Wundern des göttlichen Menschenfreundes und Lehrmeisters. Das Bild über der Mitte des Schiffes der Kirche stellt Jesus dar, liebreich sein Herz öffnend, - um ihn herum Menschen aus allen Ständen versammelt, um Gnade und Barmherzigkeit flehend. – Im Jahr 1811 wurde auf dem Musikchor, zu dem auf beiden Seiten Wendeltreppen führen, eine neue Orgel mit zwölf Registern von Wilhelm Hepp, Instrumenten- und Orgelmacher in Amberg, aufgesetzt. – Am Sonntag nach Mariä-Heimsuchung 1826 wurde die Kirche von dem Bischof zu Eichstätt, Friedrich Oesterreicher, feierlich eingeweiht.

 

Als Hauptfesttage werden in dieser Wallfahrtskirche feierlich begangen: das Herz-Jesu-Fest am Freitag nach der Fronleichnams-Oktav, das Kirchweihfest am vorhin erwähnten Tag, das Titularfest der Bruderschaft zum heil. Herzen Jesu am Pfingstmontag. – Auch hier wird am dritten Freitag des Monats März feierlicher Gottesdienst gehalten, und außer der Fastenzeit monatlich Sonntag-Nachmittag Versammlung der Mitglieder der Bruderschaft zum heil. Herzen Jesu mit Predigt, Gesang und Gebeten. Zahlreich ist der Besuch des Herz-Jesu-Berges auch von Wallfahrern aus weiter Ferne, und bei den erwähnten feierlichen Andachten vermag sie die Kirche nicht zu fassen.

 

Das Häuschen des Eremiten enthält ein Wohnzimmer, eine Kammer und eine Kapelle, und hat über dem Dach ein Türmchen mit einem Glöcklein. Es ist mit einem Garten umgeben, der mit Obstbäumen bepflanzt und mit einer Zisterne versehen ist. Den Platz um die Kirche zieren kräftige Kastanienbäume, die erquickenden Schatten gewähren. Auf dem Weg von der Seite der Stadt den Berg hinauf zur Kirche sind die vierzehn Stationen des Kreuzwegs errichtet.

 

Die Stadt Velburg mit 187 Häusern und 1100 Einwohnern, der Sitz des königl. Rentamtes Parsberg, führt in ihrem Wappen einen roten, mit Gold gekrönten aufrechtstehenden zurücksehenden Löwen im goldenen Feld, und liegt in gebirgiger Gegend eine halbe Stunde nordöstlich von dem Fluss Laaber, der sich bei der Sinzing in die Donau ergießt, 3 Stunden vom Landgerichtssitz Parsberg und 5 Stunden von Amberg, zwischen zwei Bergen, dem Herz-Jesu-Berg und dem Schlossberg, auf dem man die Ruinen der ehemaligen Ritterburg erblickt. Das zum Bistum Eichstätt gehörige Rural-Dekanat des dortigen Sprengels trägt den Namen Velburg, und erstreckt sich über zehn Pfarreien. Die Seelenzahl der Pfarrei Velburg beläuft sich auf 1180. Der Pfarrer versieht die Seelsorge mit zwei Kooperatoren, und hat noch einen Frühmess-Benefiziaten neben sich. Die Pfarrkirche befindet sich in der Stadt. Nebenkirchen außer der Stadt sind die Wallfahrtskirche auf dem Herz-Jesu-Berg, dann die St. Annakirche auf dem Gottesacker, die Spitalkirche zu St. Leonhard, die Filialkirche zu St. Wolfgang an dem Dörfchen Hollenstein, eine Viertelstunde von Velburg, nordöstlich hinter dem Schlossberg, und die Filialkirche zu St. Colomann in dem Dorf Walkerswinn (Walkhertswünd), eine halbe Stunde von Velburg.

 

Velburgs Umgebungen sind mannigfaltig abwechselnd mit Berg und Tal, Wald und Feld. Ein angenehmer Weg führt zu dem ¾ Stunden entlegenen Dorf Lengenfeld bei Helfenberg.

 

Von den vielen vorhandenen Steinbrüchen liefern mehrere eine bedeutende Ausbeute. Reichlich finden sich manchfache Versteinerungen daselbst. Sehenswert sind die zwei großen Felsen-Berghöhlen zunächst an Hollenstein, die vordere vor Velburg am Weg nach St. Wolfgang, und die andere oberhalb dieser Kirche. Links von der ersteren, in der Mitte des Colomanni-Berges auf der Seite der Stadt unweit der Burgruinen, ziehen drei in Mannsgröße nebeneinander hochaufgestützte Felsen den Blick auf sich,  - genannt die drei steinernen Jungfrauen (Ein halbzerrissenes Blatt im Stadtarchiv auf dem Rathaus zu Velburg meldet das Märchen: Die drey Töchter eines Ritters uff Velburg seynd von etlich flichtigen Buem davon geführt worten. Der Vater, als er den Raub von weitem noch zuegesehen, ist entbrunnen, und hat über die Metzen gefluegt, so, das die Weibsperson seynd zu stain geworten, und haben Müessen sten bleim.). So mühsam auch auf den vielen steinigen Plätzen und felsigen Anhöhen der Feldbau in der Markung von Velburg ist, so wird er doch mit unermüdlichem Fleiß und ausharrender Unverdrossenheit so vorteilhaft betrieben, dass er neben dem Erwerb der zahlreichen Gewerbetreibenden einen Hauptnahrungszweig der Bewohner bildet. Selbst der Hopfenbau ist von mehreren mit sehr gutem Erfolg unternommen worden. Das alte mutwillig scherzhafte Sprüchlein aus der Vorzeit: „Velburg, ein Städtlein im Nordgau, - nährt sich vom Bettel und Feldbau“ hat die erste Hälfte seiner Bedeutung längst ganz verloren.

 

Der Schlossberg, an dessen Fuß Velburg liegt, überragt mächtig alle anderen benachbarten Berge, und besteht beinahe ganz aus Felsenmassen. Auf der südlichen Seite ist eine riesenhafte und unbesteigbare Felsenwand. In der Vorzeit soll die Burg ganz mit Buchenwald umgeben gewesen sein. Heutzutage erblickt man nur noch am östlichen Abhang einiges Gebüsch. Dort befindet sich auch eine Felsenhöhlung, die jetzt zur Aufbewahrung des Bieres dient. Auf der süd- und westlichen Seite erkennt man die Spuren von Gartenanlagen und Zisternen. Von der festen Burg, die sich ehemals auf des Berges Spitze erhob, und einst kühn jedem feindlichen Anfall trotzte, ist nichts mehr übrig, als eine 6 bis 8 Schuh dicke Ringmauer mit zwei großen Toren, innerhalb derselben einige Überreste von Gewölben, Kellern, Backofen usw. Erst vor ein paar Jahren stieß man auf ein Gewölbe, und nachdem dies durchbrochen war, erkannte man die Kapelle. An der östlichen Ringmauer fand man ein menschliches Skelett in sitzender Stellung. Auf der Nordseite der Ringmauer steht noch ein 19 Fuß breiter und bei 152 Fuß hoher, ins Viereck gebauter Turm, einst Wachturm. Die Figur des Hauptgebäudes hat ein gegen Süden spitzig zulaufendes Dreieck gebildet. So weit dessen Umfang aus den Ringmauern zu bemessen sein mag, dürfte die Länge auf 190 und die Breite auf 150 Schuh anzunehmen gewesen sein. Die weite Aussicht, die sich von der Burgruine nach allen Richtungen darbietet, ist genussreich. Gegen Osten erblickt man die höchsten Punkte oder Berge des Bayerischen und Böhmer Waldes. Gegen Westen Sulzbürg, Wolfstein und Helfenberg. Gegen Süden Parsberg, Daßwang, Adlburg und Petersberg, und gegen Norden den Habsberg, die Kirche in Trautmannshofen und die Berge bei Sulzbach und Amberg.

 

Die Entstehung der Burg zu Velburg verliert sich in das Dunkel des grauesten Altertums. Als der älteste bekannte Besitzer der Herrschaft Velburg wird im Jahr 1117 Chuno von Velburg genannt. Im Zeitraum von 1125 bis 1154 kommen die Grafen Walchau, Hermann und Otto von Velburg, im Jahr 1188 Otto II., Graf von Kalmünz und Velburg, endlich in den Jahren 1198 bis 1217 Ulrich ebenso als Graf von Kalmünz und Velburg vor. Letzterer wallte im Jahr 1217 nach Jerusalem. Mit ihm erlosch das Geschlecht. Nun gedieh Velburg unter Herzog Otto dem Erlauchten an Bayern. – Nach dem Krieg wegen der Erbfolge in den Länderteilen Georg des Reichen zu Landshut kam Velburg kraft des Kölner Friedensschlusses von 1505 zum Herzogtum der Neu-Pfalz oder Pfalz-Neuburg. Der pfälzische Feldhauptmann Ritter Georg Wispeckh hatte sich in diesem Krieg für die Sache seines Fürsten, des Pfalzgrafen Rupert, - so wie nach dessen Tod (20. August 1504) für dessen Söhne Otto Heinrich und Philipp so verdient gemacht, dass ihn der Vormund der letzteren, Pfalzgraf Friedrich, im Jahr 1507 mit der Herrschaft Velburg belehnte. Georg Wispeckh brachte den Rest seiner Lebenstage in Ruhe als Wohltäter der Armen auf dem Schloss Velburg zu, wo er starb, und seine Grabstätte in der Stadtpfarrkirche empfing, die an ihrer äußeren Wand seinen Denkstein andeutet. Ihm folgte als Besitzer der Burg sein Sohn Ritter Hanns Adam Wispeckh. Sein Geschlecht erlosch in seinem Enkel Georg Hektor Wispeckh, den 30. September 1574. Das Lehen Velburg fiel nun an die Landesherrschaft des Herzogtums Pfalz-Neuburg zurück. Zwar erhob der Gemahl der Schwester Georg Hektors, Ameley (Amalia), Hanns Heinrich von Notthafft, namens dieser Ansprüche auf die Herrschaft Velburg, begab sich aber derselben im Jahr 1584 gegen Abfindung im baren Geld völlig im Weg des Vergleiches. Der Gerichtsbezirk der Herrschaft Velburg umfasste 49 Ortschaften; in diesem Umfang verblieb er unter der Benennung „Pflegamt“ bis zur Umgestaltung in das „Landgericht Velburg“ im Jahr 1802. Der letzte Pfleger war Wilhelm Straßer, der im Jahr 1802 als Landrichter, Kastner, Ungeld- und Steuereinnehmer genannt ist, als letzter Nebenbeamte unter der Benennung Landgerichtsschreiber, Leheninspektor, dann Kasten- und Ungeldamts-Gegenschreiber kam damals vor Joseph Röckl, als Amts-Physicus Thaddäus Link. In der Folge wurde jedoch das Gericht zu Velburg aufgelöst und dem Landgericht zu Parsberg einverleibt, jedoch blieb der Sitz des Rentamts zu Velburg.

 

Ritter Hanns Adam Wispeckh bekannte sich im Jahr 1546 zur Lehre Luthers. Die Einwohner der Stadt Velburg und der ganzen Gegend folgten dem Beispiel ihres Herrn. Hanns Adams Sohn, Ritter Georg Hektor, trat jedoch zur Kalvinischen Konfession über. Der erste protestantische Pfarrer zu Velburg war im Jahr 1546 Georg Groll. Als im Jahr 1596 daselbst eine Superintendentur errichtet wurde, waren die dortigen Pastoren zugleich auch Superintendenten. Nachdem im Jahr 1614 Herzog Wolfgang Wilhelm zu Neuburg zur katholischen Religion übergetreten war, taten die Einwohner von Velburg vom Jahr 1618 an nach und nach ein Gleiches. In diesem Jahr erschien wieder ein katholischer Pfarrer daselbst – Matthäus Fleischmann.

 

Die Ritterburg wurde nach dem Erlöschen des Wispeckhischen Manns-Stammes nur noch einige Jahre von des letzten Lehensbesitzers Schwager, Heinrich von Notthafft, bis zum Ausgang der Erbsansprüche seiner Gemahlin bewohnt. Seit seinem Abzug blieb sie unbewohnt, und alterte ihrem Verfall entgegen. Im dreißigjährigen Krieg machten die Schweden einen Angriff auf sie. Im Jahr 1634 bemächtigte sich der schwedische Oberst Claus Haßner des Schlosses und der Stadt Velburg. Doch war die Beschädigung der Schlossgebäude durch das feindliche Geschütz nicht bedeutend, und wäre, wie der Pflegscommissär und Kastner zu Velburg in den Jahren 1724-1730 – Johann Rudolph von Windisch – berichtet, leicht mit einem Aufwand von 150 fl. wieder zu reparieren gewesen. „Allein,“ so schreibt Windisch in seinem Grundbuch, „ein pflichtvergessener Pflegsbeamte dahier, namens Valentin Praun (Pfleger und Kastner in den Jahren 1644-50), ließ eigenmächtig die Dächer abtragen, verkaufte die Ziegel und Taschen, und behielt das Geld für sich. Es wurde zwar dieser Dieb seines Vergehens wegen kassiert, jedoch an der Burg nichts mehr repariert, sondern selbe dem völligen Untergang überlassen. Damit verfiel auch die Schlosskapelle (dem hl. Pancraz geweiht), zu der noch das an dem Helfenbergischen Holzberg – Eichelberg genannt – gelegene Pancrazen-Hölzl gehört. Nicht minder wurden auch die Grabstätten der dortliegenden fürstlichen und anderer adeligen Personen, unter andern auch jenes des Heribert – Grafen von Lengenfeld (Burglengenfeld), nebst den dazu gehörigen Monumenten und Epitaphien verschüttet. Nachmals wurden mit gnädigster Consens viele Steine zur Reparation der Velburger Pfarrkirche 1720 verwendet.“ Späterhin nahm von den Schlossruinen jedermann Steine, wer ihrer bedurfte. So geschah es, dass von der stattlichen Burg nichts mehr übrigt, als die oben beschriebene Ruine.

 

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