Das Frauenbild zu Lacroma bei Ragusa in Dalmatien

 

Im Jahr 1160 hat König Ludwig aus England samt seiner Gemahlin ins Heilige Land und zum Grab Christi eine Wallfahrt angestellt, und auf der Rückreise auch in Italien etliche heilige Orte besuchen wollen. Als sie in das adriatische Meer gekommen waren, hat sie ein gefährliches Ungewitter angestoßen, also, dass das königliche Schiff in großer Gefahr nirgends konnte anlanden. Da nahm der König samt Gemahlin seine Zuflucht zur Mutter Gottes und gelobte, ihr zwei Kirchen zu bauen, eine an dem Ort, wo sie glücklich aussteigen würden, die andere, wenn sie nach Hause kämen, in England. Dazu haben sie einmal hunderttausend Dukaten bestimmt, worauf sich das Ungewitter alsbald legte und das Schiff von den Winden ganz sanft an einen Felsen, namens Lacroma, auf tausend Schritte von Ragusa getrieben wurde.

 

Die Einwohner von Ragusa, sobald sie des Königs Ankunft vernommen hatten, luden ihn durch zwölf Adelige ein und versahen ihn mit herrlicher Wohnung. Als es sich um Erbauung der Kirche handelte, haben die Ragusaner dafür gehalten, es würde der Stadt eine große Zierde sein, wenn die Kirche in der Stadt stände, und deswegen auch den König gebeten. Der König willigte in ihre Bitte ein, doch unter der Bedingung, dass sie an dem Ort, den er zuvor ausersehen hatte, eine andere Kirche samt einem Kloster aufbauen sollten. Und in dieser Kirche ist das wundertätige Bildnis von Lacroma. Auch werden hier auf Befehl des Königs, alle Festtage der Mutter Gottes Heilige Messen gelesen für die Könige Englands. Die Kirche in der Stadt hat man nach der Abreise des Königs herrlich aufzubauen angefangen, aber erst nach vierundvierzig Jahren, nämlich im Jahr 1169 vollendet. Der Bau dieser Kirche, der jetzigen Domkirche, kostete achtzigtausend Dukaten, die übrigen zwanzigtausend verwendete man auf Ornat und Kirchenzierde. In dieser Domkirche ist auch ein Muttergottesbild, dem jährlich am Festtag des heiligen Blasius, als Stadtpatron, mit besonderer Feierlichkeit ein Dankfest angestellt wird, indem von der Herrschaft Ragusa ein zierlich gemachter Drache mit Trompeten und Pauken geopfert wird, weil an dem Ort, Breno genannt, wo auch eine Marienkirche steht, ein Einsiedler den Drachen vertrieben hat, der ringsum so viel Schrecken einjagte, dass viele Einwohner die Heimat verließen.