Das Bistum Eichstätt 1845

 

(aus: Kalender für katholische Christen auf das Jahr 1847, Sulzbach i. d. Oberpfalz)

 

I. Entstehen und Stifter des Bistums Eichstätt

 

Seit die heilbringende Lehre Jesu bald nach seinem Tod und seiner glorreichen Himmelfahrt sich nach allen Richtungen zu verbreiten angefangen hatte, blieb auch Europa nicht mehr unbekannt mit dieser Lehre, nicht ausgeschlossen von ihren Segnungen. Durch die Machthaber des größten Teils der damals bekannten Welt, die Römer, wurden die ersten Samenkörner des Evangeliums ausgestreut, und sprossten allmählich im Verlauf von 4 Jahrhunderten zur lieblichen Saat empor. Sogar die Stürme der wütendsten Verfolgungen und der verheerendsten Kriege waren nicht mehr imstande, die Pflanzung einer höheren Hand in Italien, Frankreich, Spanien, Britannien etc. zu vertilgen oder auszurotten.

 

Selbst auch in einen großen Teil unseres deutschen Vaterlandes war das Licht des Evangeliums gedrungen, und von Italien her bis an und über die Donau, von Gallien bis an den Rhein und Main fanden sich einzelne Bekenner oder ganze Gemeinden, die inmitten der Heiden dem Christentum huldigten. Freilich waren dies nur schwache Anfänge, und Jahrhunderte waren erforderlich, bis sich hier die Kirche Christi zu einer festen, bleibenden Anstalt ausbilden konnte. Erst im 7. und 8. Jahrhundert gelang es christlich gewordenen Fürsten und eifrigen Glaubenspredigern, dem Christentum in einem großen Teil deutscher Lande allgemeine Geltung zu verschaffen, und die zur Sicherung und Erhaltung desselben nötigen Einrichtungen zu treffen.

 

Unter den Missionaren oder jenen unermüdlichen Glaubenspredigern, die das Christentum entweder zuerst bekannt machten, oder es durch ihren Eifer neuerdings belebten und befestigten, verdienen ganz vorzüglich angelsächsische (engländische) Mönche aus St. Benedikts Orden unsere Aufmerksamkeit und Dankbarkeit. Doch unter ihnen und über sie alle ragt hervor – Bonifazius, oder wie er früher hieß, Winfried. Ihm gebührt mit vollstem Recht der Name – Apostel Deutschlands.

 

Bonifaz war der Sohn hochangesehener, mit Königen verwandter Eltern, geboren um das Jahr 680 zu Crediton oder Kirton im angelsächsischen Königreich Westsex. Schon im zartesten Knabenalter überließ ihn sein Vater, durch sein unausgesetztes Bitten besiegt, der Leitung und Erziehung ausgezeichneter Äbte in den Klöstern Exeter und Nuthescelle. Der junge Mönch machte hier in den Wissenschaften und in der Frömmigkeit bewunderungswürdige Fortschritte, und, zum Priester geweiht, wurde er zu bedeutenderen Ämtern verwendet und mit wichtigen Aufträgen betraut. Allein ein glühendes Verlangen, auswärtigen heidnischen Völkern das Evangelium zu verkünden, trieb ihn an, diese beschwerliche Laufbahn anzutreten. Im Jahr 716 unternahm er in Begleitung zweier Gefährten die Reise, landete in Friesland, und wollte sein Bekehrungs-Geschäft beginnen. Allein Radbod, der Beherrscher des Landes, eben in Krieg mit den Franken verwickelt, gestattete dem Christentum keinen Eingang: er verweigerte den christlichen Lehrern die Erlaubnis zu Predigen und längeren Aufenthalt.

 

Bonifaz kehrte wieder in die klösterliche Einsamkeit zurück, ohne jedoch sein heiliges Vorhaben aufzugeben. Schon im Jahr 718 verließ er sein Vaterland wieder, und begab sich diesmal zuerst nach Rom. Von Papst Gregor II. gütig und freundlich aufgenommen, begehrte und erhielt er die Vollmacht und den Auftrag, wo immer er könne und wolle, heidnische Völker zu unterweisen und zu taufen. Aus Italien kam er durch Bayern und über die Donau nach Thüringen. Daselbst begann er sein Apostelamt mit allem Eifer, und ließ es sich angelegen sein, die seit einiger Zeit schon Bekehrten im Glauben zu stärken, und der Kirche Christi auch neue Mitglieder zu gewinnen.

 

Doch bald eröffnete sich seinem Eifer ein neues Feld: Radbod, der Fürst Frieslands, war bald darauf im Jahr 719 gestorben. Sogleich machte sich Bonifaz auf, und durch dreijähriges Zusammenwirken mit Willibrord, der schon früher daselbst gepredigt hatte, und auf einige Zeit vertrieben worden war, brachte er den größeren Teil des Volkes zur Erkenntnis der christlichen Wahrheit.

 

Nach dieser glücklichen Ernte begab er sich mit einigen Gefährten wieder in die ostfränkischen Provinzen, durchzog in den Jahren 722 und 723 Hessen, einen Teil Sachsens, predigte, taufte, zerstörte Götzenbilder, und pflanzte dafür das Kreuz.

 

Von diesen glücklichen Fortschritten des Bekehrungs-Geschäftes glaubte er dem allgemeinen Vater der Christenheit einen Rechenschaftsbericht erstatten zu müssen. Der heilige Vater, über den Inhalt dieser Nachrichten hocherfreut, berief Bonifazius nach Rom, um weiteres über diese wichtige Angelegenheit mit ihm zu besprechen und zu verhandeln. Der Papst weihte ihn – am 30. November 723 – zum Bischof, und übertrug ihm die Obsorge und Leitung über alle bereits bekehrte, oder noch zu Bekehrende in sämtlichen deutschen Ländern. Auch empfahl er ihn nachdrücklichst dem Schutz und der Unterstützung der über den größten Teil Deutschlands herrschenden fränkischen Regenten.

 

Bonifaz, nunmehr mit der bischöflichen Würde bekleidet, setzte seinen Eifer mit Anstrengung seiner geistigen und körperlichen Kräfte unermüdlich fort – für Bekehrung der Heiden in Hessen, Ostfranken Thüringen, und, obgleich in seinem heiligen Unternehmen vielfach beengt und gehindert, ließ er sich doch nicht schrecken, das unter Gottes Segen so glücklich begonnene und fortschreitende Bekehrungs-Geschäft in immer erweiterten Kreisen auszudehnen. Vor allem trachtete er, sich brauchbare Gehilfen zu verschaffen, indem er sie teils aus seinem Vaterland, Angelsachsen, herbeirief, teils nach und nach deutsche junge Männer heranbildete, Klöster und Schulen errichtete, Kirchen erbaute, - und so im wahren Sinn der Begründer sowohl der geistigen Bildung, als auch des zeitlichen Wohlstandes deutscher Völker, ihr größter und eigentlichster Wohltäter wurde.

 

Solch ungemeine Verdienste anerkennend und würdigend, schickte ihm Papst Gregor III. im Jahr 732 das Pallium (oder erzbischöfliche Ehrenzeichen), und ernannte ihn somit zum Erzbischof mit ausgedehnten Vollmachten zur Einrichtung des Kirchenwesens und vollkommenen Herstellung notwendiger Disziplin. Bonifaz richtete nunmehr ein besonderes Augenmerk auf Bayern, wo die Herzoge und viele Vornehme nebst dem größeren Teil des Volkes bereits die Lehre Jesu angenommen hatten, auch an einigen Orten Bischöfe ihren Sitz hatten, wo aber auch noch so viele Unordnungen, Irrlehren und heidnischer Aberglaube herrschte, dass das Christentum an seiner Ausbreitung oder seinem Fortbestand bedroht war. Das veranlasste den sorgsamen Glaubensprediger, dass er sich um das Jahr 736 persönlich nach Bayern begab, das Land durchreiste, die Missbräuche, so viel möglich, beschränkte oder vertilgte, und bessere Ordnung allenthalben  herstellte. Durch wohltätige Beihilfe der Herzoge und Edelleute errichtete er auch einige Klöster als Pflanzschulen brauchbarer Religionsdiener.

 

Aus Bayern wieder zurückgekehrt, hielt er sich noch einige Zeit in Thüringen auf, - und reiste dann zum dritten Mal nach Rom im Jahr 738, begleitet von vielen jungen Leuten, die sich aus Andacht als Pilger angeschlossen hatten und deren mehrere in Rom die Priesterweihe erhielten. Papst Gregor III. besprach oft lange mit ihm die deutschen Kirchenangelegenheiten, und wohl hauptsächlich die bleibende Errichtung ordentlicher Bistümer in Bayern. Denn als Bonifaz im Jahr 739 Rom wieder verließ, begab er sich unmittelbar nach Bayern zu Herzog Odilo, und nach den erforderlichen Beratungen und Voranstalten errichtete er für das ganze Land vier ordentliche Bistümer: Regensburg, Freising, Salzburg und Passau, setzte die Bischöfe ein, und ordnete die übrigen Angelegenheiten der neuen Kirchen. All diese wichtigen Geschäfte und die damit verbundenen häufigen Reisen verlängerten seinen Aufenthalt in Bayern bis in das Jahr 741.

 

Erst in diesem Jahr konnte er in den übrigen bekehrten Provinzen mit neuer Sorgfalt seine Bemühungen für Feststellung kirchlicher Einrichtungen fortsetzen und vollenden. Das erste, was er unumgänglich notwendig fand, war, dass auch hier neue Bischofssitze zustande kämen. Die Zahl der Gläubigen war allmählich so angewachsen, dass Bonifaz als einziger Bischof für die vielen seelsorglichen Geschäfte und die zum Teil verwickelten Kirchenangelegenheiten nicht mehr genügen konnte. Er setzte also nach eingeholter Bewilligung des Papstes drei neue Bischöfe ein: zu Büraburg (Fritzlar) für Hessen, zu Erfurt für Thüringen und zu Würzburg für das eigentliche Ostfranken. (Von dem etwas später errichtete Bistum Eichstätt wird weiter unten die Rede sein.)

 

Die folgenden Jahre setzte Bonifaz seine Bekehrungen fort, und bemühte sich rastlos, in den neuen Bistümern die Kirchenzucht herzustellen, oder einzuführen, nach innen und außen heilsam und kräftig zu wirken hauptsächlich durch Einführung und Haltung öfterer Synoden und Concilien, und durch Errichtung von Schulen in den Klöstern nicht nur des männlichen, sondern auch des weiblichen Geschlechtes.

 

Im Jahr 784 übernahm er die besondere Leitung des zu einem Erzbistum erhobenen Kirchensprengels Mainz. Aber nur beiläufig 4 Jahre lang behielt er dieses Amt, und übergab es dann einem seiner getreuesten und zuverlässigsten Schüler, - Lullus. Er selbst wollte die noch übrigen Tage seines tatenreichen Lebens dort beschließen, wo er einst seine apostolische Laufbahn angefangen hatte, - in Friesland. Dort, so beschloss es die Vorsehung, sollte ihm zur Würde eines Apostels auch die Krone eines Märtyrers zuteilwerden. Es war am 5. Juni des Jahres 754, als er einer Anzahl Neugetaufter die heilige Firmung erteilen wollte. Da stürzte eine Rotte fanatischer Heiden auf ihn und seine Gefährten los, und ermordeten sie grausam.

 

Der Leichnam des heiligen Bonifaz wurde nach dem von ihm gestifteten Kloster Fulda gebracht, wo die heiligen Gebeine noch jetzt ein Gegenstand dankbarer Verehrung sind.

 

Die heiligen Verwandten des heiligen Bonifazius verdienen eben auch unsere besondere Aufmerksamkeit.

 

St. Bonifaz hatte eine Schwester, Wuna genannt, die an einen vornehmen Angelsachsen, Richard, verehelicht war, dem man insgemein den Königstitel beilegt, sei es nun, dass er wirklich über eines der mehreren angelsächsischen Königreiche herrschte, oder dass er mit Königen nur nahe verwandt war. Unter den Kindern dieser frommen Eheleute sind uns namentlich bekannt Willibald, geboren im Jahr 700, Wunibald, geboren 701, und Walburga, geboren ums Jahr 710. Willibald hatte eine unwiderstehliche Sehnsucht, gleich vielen andern seiner Landsleute eine Wallfahrt nach Rom zu den Gräbern der heiligen Apostel zu unternehmen. Leicht machte er in seinem gleichgesinnten Bruder Wunibald dasselbe Verlangen rege. Aber mehr Mühe kostete es, den Vater Richard zu gleichem Entschluss zu bewegen. Endlich verstand auch dieser sich zur Pilgerreise. Die noch junge, zarte Walburg wurde entweder schon gleich damals, oder doch bald danach der Obsorge der frommen und verständigen Äbtissin des Klosters Winburn übergeben.

 

So traten nun im Jahr 720 Richard und seine beiden Söhne, mit zahlreichen Begleitern, ihre Pilgerreise an, und kamen glücklich bis Lucca. Aber hier überfiel den Vater eine schwere Krankheit, die ihm das Leben gekostet hat. Gleichwohl setzten die Söhne ihre Reise fort, und erreichten ihr Ziel, - Rom mit seinen Merkwürdigkeiten und Heiligtümern. Auch sie wurden hier von einer Krankheit befallen, wodurch ihr Aufenthalt in der Hauptstadt der Christenheit sehr verlängert wurde.

 

Willibald genas zuerst, und ungeachtet der bis daher so ungünstigen Ereignisse ließ er sich nicht schrecken, eine weitere Wallfahrt in diejenigen Länder zu unternehmen, wo einst der Gottmensch geboren wurde, die Heilslehre verkündet, und uns allen am Kreuz die Seligkeit erworben hat. Bald nach Ostern, im Jahr 722, verließ Willibald Rom und seinen Bruder Wunibald, und sieben ganze Jahre brachte er auf dieser Wanderschaft zu, währenddessen er alle merkwürdigen Orte des Heiligen Landes, manche auch öfter, mit begeisterter Andacht besuchte. Nach vielen ausgestandenen Mühseligkeiten und Gefahren landete er im Herbst 729 glücklich an den Ufern Italiens, begab sich nach Monte Cassino, erhielt dort die Aufnahme in das Kloster und den Orden St. Benedikts, und verharrte 10 Jahre daselbst – als Beispiel der Ordnungsliebe, Berufstreue und Frömmigkeit für alle Mitbrüder, bis ihn die Vorsehung zu Höherem berief.

 

Wunibald war indessen, weil noch nicht ganz genesen, in Rom zurückgeblieben, reiste aber nach einiger Zeit wieder nach England, - nicht, um dort bleibenden Aufenthalt zu wählen, sondern vielmehr, um mehrere Bekannte und Verwandte zu einem Pilgerzug nach Rom zu bereden. In ihrer Gesellschaft kam er neuerdings zur christlichen Hauptstadt, und befand sich daselbst, eben als St. Bonifaz im Jahr 738 zum dritten Mal gleichfalls dort eingetroffen war. Da dieser ohnehin beabsichtigte, bei dieser Gelegenheit neue Mitarbeiter für die Missions-Geschäfte in Deutschland zu gewinnen, so musste es ihm höchst willkommen sein, hier einen Neffen zu finden, der für den genannten Zweck tauglich und brauchbar erschien. Er erwirkte von Papst Gregor den Befehl, dass sich Wunibald unverzüglich nach Deutschland begebe. Willig folgte er diesem Auftrag, wurde von St. Bonifaz nach Thüringen abgeordnet, wo er auch die Priesterweihe empfing, und die Leitung mehrerer Kirchen übernahm, später aber in der heutigen Oberpfalz (namentlich an der Vils) für Verbreitung des Christentums tätigst mitwirkte.

 

Auch St. Willibald, den im Jahr 739 ein zufälliges Geschäft von Monte Cassino nach Rom geführt hatte, erhielt vom Papst die Weisung, nach Deutschland abzugehen, und sich unter der Leitung seines Oheims Bonifaz dem Bekehrungsgeschäft und der Seelsorge zu widmen.

 

Von St. Walburg wissen wir aus dieser Zeit weiter nichts, als dass sie in klösterlicher Verborgenheit lebte, ohne jedoch den Schleier genommen und die Ordensgelübde abgelegt zu haben.

 

Schon gleich im folgenden Jahr 740 war Willibald in Bayern eingetroffen, wo sich St. Bonifaz noch immer befand, und eben eine reichliche Schankung an Ländereien von einem gewissen Graf Suitger (Schweicker) im Nordgau in der Gegend um Eichstätt erhalten hatte. Eichstätt selbst war ein zerstörter Ort, wo aber noch eine Kapelle zu Ehren Mariä übrig geblieben war. Suitger, Bonifaz und Willibald begaben sich dahin, und da sie den Platz zur Anlegung einer christlichen Colonie geeignet fanden, wurde derselbe Willibald und seinen Gefährten alsbald eingeräumt, ein Kloster zu bauen angefangen, und die verödete Gegend urbar gemacht. St. Willibald wurde als Vorsteher oder Abt dieser klösterlichen Gemeinde ernannt, und in der Kapelle zu Eichstätt durch Erzbischof Bonifaz zum Priester geweiht am 22. Juli 740. Im folgenden Jahr 741 aber berief ihn Bonifaz zu sich nach der Salzburg (jetzt Schlossruine in Unterfranken, Landgerichts Neustadt a. d. Saale), und erteilte ihm die Weihe und Würde eines Bischofs.

 

Die Umgegend Eichstätts war von den Bistümern Augsburg, Regensburg und Würzburg umschlossen, aber von jedem dieser Bischofssitze ziemlich fern. Und Bonifaz fühlte wohl die Notwendigkeit, dass für die geistlichen Bedürfnisse der bereits christlich gewordenen Bewohner besser gesorgt werden müsse, so wie für die Bekehrung der noch häufigen Heiden vieles zu tun übrig sei. Darum fand er es sehr zuträglich, wenn er dem Abt des Klosters zugleich das Amt eines Hülfsbischofs übertrüge, bis etwa günstigere und friedlichere Zeitverhältnisse es möglich machen würden, in Eichstätt einen eigenen, förmlichen Bischofssitz zu errichten und eine neue Diözese zu bilden.

 

Dieser Zeitpunkt trat auch bald ein. Nachdem ein zwischen den Franken und Bayern im Jahr 743 ausgebrochener Krieg beendet, und durch den darauf erfolgten Frieden eine Territorial-Veränderung vor sich gegangen war, wurden von den drei umgebenden Diözesen Augsburg, Regensburg und Würzburg einige Distrikte abgetrümmert, und aus ihnen die neue Diözese Eichstätt gebildet, und St. Willibald als erster, ordentlicher Bischof durch den heiligen Bonifaz daselbst eingesetzt – im Jahr 745.

 

Von nun an war Willibald besorgt, durch persönlichen Eifer und durch Vermehrung neuer Mitarbeiter nicht nur das Seelenheil der ihm anvertrauten Diözesanen, sondern auch den physischen Wohlstand derselben auf alle mögliche Weise zu fördern. So wie das Christentum immer mehr ausgebreitet wurde durch Unterricht, Taufe, gottesdienstliche Einrichtungen, in eben dem Maße gewannen auch Ackerbau, Handwerke und Künste ihren ersten Anfang oder neuen Aufschwung. Neue Ansiedlungen entstanden, neue Ortschaften wurden aufgebaut, und Eichstätt, erst kürzlich noch eine Ruine, erwuchs in wenigen Jahren zu einem ansehnlichen Ort. Bei allen diesen Bemühungen hatte Willibald an Bonifaz einen treuen Ratgeber und tätigen Mithelfer. Einzelne kleinere Gaben oder beträchtlichere Schenkungen machten es nach und nach möglich, immer mehrere Kirchen aufzubauen, und die nötigen Anstalten für die Förderung religiöser Zwecke zu erweitern. So hatte Willibald eine bedeutende Schenkung an liegenden Gründen auf dem sogenannten Hahnenkamm um Heidenheim erhalten, und zur Vergrößerung dieser ursprünglichen Besitzung kaufte er aus den Almosen der Gläubigen noch manche Länderei hinzu. Weil es dort noch viele Heiden gab, so hatte Willibald den Plan, durch Errichtung eines Klosters die Bekehrung der Umgegend leichter zu bewirken. Nach deshalb gepflogener Beratung mit St. Bonifaz wurde Wunibald bestimmt, das heilsame Werk der Veredlung des Bodens und der Bewohner auf sich zu nehmen. Dieser baute um das Jahr 751 für sich und einige Mitbrüder Mönchszellen und ein Bethaus, und gewann in kurzer Zeit auch diesen Strich Landes für Christus und die katholische Kirche.

 

Um dieselbe Zeit sammelte auch Walburg, Willibalds und Wunibalds Schwester, die, dem Ruf ihres Oheims Bonifaz folgend, schon um das Jahr 748 nach Deutschland gekommen war, und seitdem als Nonne in einem thüringischen Kloster gelebt hatte, mehrere Gefährtinnen um sich, und übernahm die Leitung des neuen weiblichen Klosters in Heidenheim als Äbtissin – in heiliger Wirksamkeit durch Lehre und Beispiel, besonders für das weibliche Geschlecht.

 

So fügte es die anbetungswürdige Vorsehung, dass diese drei heiligen Geschwister, nach langer Trennung und vieljährigem Aufenthalt in den entferntesten Ländern, endlich wieder, obgleich außer ihrem Vaterland, vereinigt werden sollten, - zum Streben und Wirken für ein gemeinschaftliches, für das erhabenste Ziel. Mit vollem Recht und aus schuldigster Dankbarkeit verehrt sie die Diözese Eichstätt als ihre größten Wohltäter und als ihre besonderen Fürbitter bei Gott.

 

Ihr Hingang aus dem irdischen Leben zur ewigen Herrlichkeit wird in folgenden Zeitbestimmungen angegeben:

 

St. Wunibald entschlief am 18. Dezember im Jahr 761, im 61. Jahr seines Alters. Er wurde in der von ihm erbauten Kapelle zu Heidenheim begraben, und nachmals im Jahr 1483 wurde in der neuen, größeren Kirche ihm jenes Grabmal errichtet, das noch jetzt dort zu sehen ist. Ob sich unter demselben noch Überreste seiner heiligen Gebeine befinden, ist sehr zu bezweifeln.

 

Ihm folgte in die selige Ewigkeit seine Schwester Walburga am 25. Februar (höchst wahrscheinlich) im Jahr 779. Ein Monument, das sich noch in der Kirche zu Heidenheim befindet, wurde im Jahr 1484 errichtet.

 

Die Gebeine der Heiligen sind jedoch nicht darunter aufbewahrt, sondern ein Teil befindet sich – seit etwa 870 – in dem nach ihr benannten Frauenkloster zu Eichstätt, wo aus ihnen eine wundervolle Flüssigkeit, St. Walburgis-Öl genannt, hervorquillt. Der andere, weit beträchtlichere Teil dieser Reliquien musste dem neu errichteten Frauenkloster in Monheim im Jahr 893 überlassen werden, wo sie bis zur daselbst im Jahr 1542 erfolgten Kirchentrennung verehrt wurden, aber seitdem verschwunden sind.

 

St. Willibald, der seine beiden Geschwister begraben hatte, folgte ihnen am 7. Juli 781, im 81. Jahr seines Alters, nachdem er die Würde eines ordentlichen (des ersten) Diözesan-Bischofs von Eichstätt 36 Jahre lang bekleidet hatte. Er wurde anfangs in der von ihm erbauten Domkirche begraben, seine heiligen Gebeine mehrmals erhoben und versetzt, zuletzt aber, seit 1269, in einer eigenen, an den westlichen Teil der Domkirche angebauten und mit ihr in Verbindung stehenden Kapelle (St. Willibalds-Chor) untergebracht, wo sie noch jetzt zur Verehrung der Gläubigen aufbewahrt sind.

 

II. Feier des Jubiläums 1845

 

Die bisher erzählten Ereignisse und die Entstehungsgeschichte des Bistums Eichstätt verdienen allerdings die dankbare Erinnerung der Nachkommen. Denn dadurch wurde ja der Grund gelegt zu allen jenen Wohltaten Gottes, wodurch eine öde oder verwilderte Gegend angebaut und eine große Volksmenge den Finsternissen des Heidentums entrissen und mit dem göttlichen Licht des Evangeliums erleuchtet wurde. Gottes erbarmender Güte und dem mühevollen Eifer der Glaubensprediger sind alle jene zeitlichen und geistlichen Segnungen zu verdanken, welche von den Ahnen auf die Enkel seit elfhundert Jahren vererbt worden sind.

 

Deshalb feiert die katholische Kirche im Verlauf jeden Jahres nicht nur eine Reihe Feste zur Erinnerung an die wichtigsten Geheimnisse der heiligen Religion, sondern widmet auch besondere Tage dem Andenken jener Heiligen, die zur Verbreitung und Förderung des Christentums besonders tätig beigewirkt haben.

 

Selbst auch nach Verlauf bestimmter längerer Zeiträume (nach je hundert Jahren gewöhnlich) werden Feste angeordnet, wodurch ein vorzügliches, kirchliches Ereignis den Gläubigen in das Gedächtnis gerufen wird – durch äußerliche Feierlichkeiten, und noch mehr durch Aufmunterung zur Andacht, Buße und Besserung, Empfang der heiligen Sakramente und durch Erteilung besonderer Ablässe. Dass die Kirche von der Ansicht ausgeht, auch durch äußerliche, würdevolle Eindrücke auf das Innere ihrer Angehörigen zu wirken, und dadurch höhere, heilige Zwecke zu erreichen strebt, ist seit ihrer Dauer mit segenreichstem Erfolg immer beobachtet worden, und liegt in ihrer wesentlichen Einrichtung.

 

Von diesen Ansichten geleitet und dem Beispiel voriger Jahrhunderte folgend, hat dann der dermalige Hochwürdigste Oberhirt Eichstätts Carl August für das Jahr 1845, - als das elfhundertste, seit St. Willibald zum ersten Bischof des neu errichteten Kirchensprengels eingesetzt worden ist, - die geeigneten Feierlichkeiten in Form eines kirchlichen Jubiläums anzuordnen beschlossen.

 

Der Umfang und die Großartigkeit des zu veranstaltenden Festes erheischte es, dass rechtzeitig diejenigen Vorbereitungen getroffen wurden, wodurch jeder Störung, Verwirrung und Verlegenheit vorgebeugt wäre.

 

Der Anfang und die Dauer der Jubiläumsfeier wurde festgesetzt – für die Stadt Eichstätt vom 6. bis 14. September, für die übrigen Pfarreien der Diözese vom 20. bis 28. September.

 

Der Heilige Vater wurde von dem Vorhaben dieser Feierlichkeit in Kenntnis gesetzt, und nicht nur um die Genehmigung derselben, sondern auch um Verleihung eines vollkommenen Ablasses und um besondere Vollmachten der Beichtväter für diese Gnadenzeit geziemend gebeten.

 

Eben so wurden auch die Königlichen Stellen und Polizei-Behörden um Bewilligung und allenfallsige Beihilfe ersucht.

 

Nach erhaltener beiderseitiger Gewährung und Zustimmung erfolgte unterm 7. Juli die oberhirtliche Einladung an sämtliche Bistums-Angehörige, und Tags darauf noch eine besondere Instruktion für den Curat-Clerus. Damit letzterer für diese wichtige Feierlichkeit sich selbst würdig vorbereite und desto heilsamer auf die ihm anvertrauten Pfarrgemeinden wirken möge, verschaffte der Hochwürdigste Oberhirt jenen Geistlichen, die sich freiwillig dazu einfinden wollten, eine bequeme Gelegenheit durch Anordnung sogenannter geistlicher Übungen. In 2 Abteilungen versammelten sich die Priester zur heiligen Einsamkeit und Betrachtung auf dem Königlichen Schloss Hirschberg bei Beilngries: - vom 3. bis 9. August nahmen 70, vom 17. bis 23. August 68 Priester Anteil.

 

In der Zwischenzeit erging auch an die Hochwürdigsten Erzbischöfe und Bischöfe Bayerns und einige benachbarte, - so wie auch an die Hochwürdigen Herren Äbte von Metten und Scheyern die geziemende Einladung, dass sie dieses Fest durch ihre Anwesenheit und Teilnahme mit verherrlichen möchten.

 

Weil leicht vorauszusehen war, dass eine ganz ungewöhnliche Menge Volkes herbeiströmen würde, so wurde noch besonders dafür gesorgt, dass während der 8tägigen Feier in Eichstätt nicht Mangel an Beichtvätern und Ausspendern der heiligen Kommunion einträte. Deshalb wurden alle nur einigermaßen entbehrliche Curatpriester vom Land einberufen, um die nötige Aushilfe zu leisten. Dadurch waren – bei wirklichem Eintritt des Festes – immer eine Anzahl von 85 bis 90 Priestern für die Bedürfnisse der Andächtigen bereit, - acht Redemptoristen mitgerechnet, die mit ihren Pater Rektor von Altötting hierher berufen erschienen, und nicht nur mit unermüdlichem Eifer im Beichtstuhl heilsam wirkten, sondern auch von der Kanzel täglich dreimal zur Buße und Besserung mahnten.

 

Über die Zeit, Form, Anzahl der Gottesdienste in der Domkirche wurden vorläufige Dispositionen getroffen, so wie auch die Zeit und Ordnung festgesetzt, an welchen Tagen die Prozessionen vom Lande eintreffen dürften.

 

Für den äußeren Glanz der Festlichkeit und für Handhabung der Ordnung und Sicherheit wurden die vorsorglichen Anstalten mit aller Umsicht und regester Tätigkeit getroffen.

 

Die Domkirche, als der Zentralpunkt der ganzen Feierlichkeit, als der Aufbewahrungsort der heiligen Überbleibsel ihres ersten Bischofs, wurde, so viel es die beschränkten Mittel nur immer gestatteten, zur würdigen Feier des Festes zubereitet. Außer der Reinigung und frischen Übertünchung wurden sämtliche Altäre mit neuen Verzierungen versehen, der Chor oder Vorderteil mit geschmackvollen Häng- und Fußteppichen geschmückt, der Hochaltar daselbst erneuert und verschönert, und in Mitte der Kirche der bisherige Altar abgebrochen, und durch einen ganz neuen, ebenso prächtigen, als kunstreichen ersetzt, um auf ihm die Reliquien St. Willibalds während der Oktav auszusetzen.

 

Auch in der Pfarr- und Klosterkirche zu St. Walburg und in den übrigen Kirchen Eichstätts wurden Zurüstungen für das kommende Fest getroffen.

 

In jedem Haus der Stadt wurde mit emsiger Sorgfalt gearbeitet, um beim wirklichen Eintritt der festlichen Tage alle Straßen und Gebäude mit Blumengehängen, Kränzen, Bäumen, Bildern, Tapeten, Inschriften etc. zu verzieren. Die Fahnen und Standarten der Bruderschaften und Handwerks-Innungen wurden teils besonders schön verziert, teils ganz neu angeschafft.

 

Die Ortsobrigkeit und städtische Kommune bot alles auf, und scheute beträchtliche Kosten nicht, an den Stadttoren und öffentlichen Plätzen Triumphbogen, mit Inschriften versehen, aufzurichten, und allenthalben ihren religiösen Sinn und die freudige Dankbarkeit gegen den wohltätigen Begründer der Stadt und den eifrigen Apostel der Diözese zu bezeugen. – Bei dem großen Andrang des Volkes, der von allen Seiten her zu erwarten stand, trafen sie auch die zweckmäßigsten Vorkehrungen für Aufrechterhaltung der Ruhe und Ordnung, für Unterkunft und Wohnung so vieler Übernachtender, für hinreichenden Vorrat an guten Lebensmitteln, für Sicherung der Personen und des Eigentums gegen jede etwaige Gefahr. Das Landwehr-Bataillon übernahm freiwillig und uneigennützig das Amt, alle diese Maßregeln durch seine Dienste zu unterstützen.

 

Unter solchen vielseitigen Vorkehrungen und Anstalten waren auch mehrere der geladenen Gäste (Die Hochwürdigsten Herren Erzbischof von München, Bischöfe von Straßburg, Speier, Würzburg und Regensburg, und die beiden Hochwürdigen Herren Äbte von Metten und Scheyern waren teils die ganze Oktav, teils einige Tage hindurch anwesend.) eingetroffen, und der längst ersehnte Tag zur Eröffnung des Festes herangekommen.

 

Am Samstag, den 6. September, fing man schon mit anbrechendem Tag an, und fuhr den ganzen Vormittag fort, Straßen und Häuser zu schmücken.

 

Um 2 Uhr nachmittags verkündete das Geläute aller Glocken, 25 Kanonenschüsse und das Aushängen einer großen Fahne aus dem einen Turm der Domkirche – den Anfang der Jubelwoche. Darauf begaben sich in feierlichem Zug der Herr Bischof von Eichstätt und seine Hochw. bischöflichen Gäste, vom Domkapitel und dem Klerus begleitet, zur Domkirche, wo um 3 Uhr die solenne Vesper abgesungen wurde. – Die sämtlichen Beichtväter nahmen in den ihnen angewiesenen Kirchen die Beichtstühle ein, und begannen ihr beschwerliches, heilsames Amt.

 

Um 4 Uhr 30 hielt in der Schutzengel-Kirche der P. Rektor der Redemptoristen die erste (oder Vorbereitungs-) Predigt.

 

Um 7 Uhr war in der Domkirche Abendandacht mit Betrachtung und Gebet. – An diesem Tag traf die erste Prozession einer Landgemeinde ein, und die Teilnehmer wurden für die Nacht einquartiert.

 

Der Zulauf des Volkes war an diesem Vorabend schon so groß, dass wohl 5000 Fremde hierherkamen, und zum Teil übernachteten.

 

Sonntag, den 7. September, am frühesten Morgen waren bereits alle Kirchen, Häuser und Straßen in voller Regsamkeit, und neue Scharen strömten von allen Seiten herbei, so dass gegen 10.000 Fremde – einzeln oder in Prozessionen – zusammentrafen, wovon jedoch abends ein Teil wieder heimkehrte.

 

Morgens um 7 Uhr versammelte sich die Geistlichkeit im Chor der Domkirche, zog von da in den Willibalds-Chor, wo die Gebeine des heiligen Willibald, - seine Hirnschale, - ein Arm der heiligen Walburg, - und einige Reliquien des heiligen Deochar, reichlich verziert und zum Tragen hergerichtet, sich befanden. Nachdem daselbst einige Hymnen und Gebete verrichtet waren, setzte sich die Prozession durch die Hauptstraßen der Stadt in Bewegung.

 

Die ganze Ordnung und jede Einzelheit dieses Feierzuges zu beschreiben, liegt außer der Absicht dieses Aufsatzes, und es genüge zu bemerken, dass sich die verschiedenen Corporationen auf diese Weise folgten:

 

Die Schuljugend beiderlei Geschlechtes, - die bürgerlichen Zünfte mit Stäben, Standarten und Fahnen, - die Bruderschaften mit ihren Insignien, - Trompeten und Pauker, - die Kapuzinerpatres, - das bischöfliche Seminar, - zwei Priester mit St. Deochars Reliquien, - Land- und Stadtklerus, - Sängerchor, - Domvikare, - ein Priester mit der Hirnschale St. Willibalds, ein anderer mit dem Arm der heiligen Walburg, - das Domkapitel, - der Hochwürdigste Bischof Officiator, - Rauchfassträger, - die Reliquien des heiligen Willibald, von 4 Priestern auf einer Bahre getragen, - die Hochwürdigsten Herren Bischöfe, - die Königlichen Zivil- und Militärbehörden, - die Herzoglich Leuchtenbergischen Behörden, - der Stadtmagistrat und die Gemeinde-Bevollmächtigten, - das Volk männlichen und weiblichen Geschlechtes in unzählbarer Menge.

 

In der Kirche zu St. Walburg wurde einige Zeit Halt gemacht, und zu Ehre dieser Heiligen Hymnen gesungen und kurzes Gebet verrichtet.

 

Erst nach 2 ½ Stunden kam der Zug zur Domkirche zurück, woselbst die Reliquien St. Willibalds auf dem neuen (oben erwähnten) Altar, - die übrigen aber im Willibald-Chor abgesetzt wurden und die ganze Oktav hindurch blieben.

 

Hierauf hielt der Hochwürdigste Bischof von Eichstätt die erste Festpredigt und der Hochwürdigste Herr Erzbischof von München das Hochamt. Nachmittags um 3 Uhr war Vesper, um 7 Uhr Betstunde.

 

Die übrigen Tage dieser Jubel-Oktav, nämlich vom Montag, 8. September, bis Samstag, 13. September, wurden in der Domkirche auf ein und dieselbe Art begangen. Täglich fand der feierliche Einzug der Bischöfe und Äbte statt, einer von ihnen hielt die Predigt, ein anderer das Hochamt, ein dritter die Vesper. Abends um 7 Uhr war Betstunde.

 

In allen übrigen Kirchen wurde vom frühen Morgen bis in die späte Nacht zur Beicht gesessen, und viele empfingen – obgleich weiten Weges hergekommen und noch nüchtern, - die heilige Kommunion erst in den Nachmittagsstunden.

 

In der Schutzengelkirche hielten (nebst Ausspendung der heiligen Sakramente) die Patres der Redemptoristen eifrige und eindringliche Kanzelvorträge täglich dreimal, um 5 Uhr 30 morgens, und um 2 und 4 Uhr 30 nachmittags, bei so zahlreichen Zuhörern, dass die sehr geräumige Kirche sie nicht fassen konnte, und viele vor der Kirchentür, die Worte des Heils zu vernehmen, sich abmühten.

 

An jedem Tag trafen auch die (nach vorläufiger Anordnung) verteilten Prozessionen vom Land ein. Sie zogen mit Gesang und Gebet, mehrere auch mit besonderem Pomp ein, und mit Zurücklassung von Votivgeschenken wieder ab. Dergleichen Züge frommer Wallfahrer fanden 67 während der Jubelwoche statt.

 

Am letzten Tag, - Sonntag, 14. September, - wurde alles, wie bisher gehalten. Nach der Vesper aber wurde eine Prozession mit den heiligen Reliquien in ähnlicher Weise, wie die am 7. September, veranstaltet. Bei der Rückkehr in die Domkirche wurde das Te Deum angestimmt, und die Gebeine des heiligen Willibald wieder in ihren gewöhnlichen Aufbewahrungsort zurückgebracht und verwahrt.

 

Und somit war die achttägige Feierlichkeit in der Stadt Eichstätt beendigt. – Die zweite Woche danach begann die Feierlichkeit in den Landpfarreien – 20. bis 28. September.