Das Bergkirchlein Maria-Hilf bei Lam in Niederbayern

 

Vom Markt Kötzting aufwärts gegen Osten, nahe der böhmischen Landesgrenze, liegt in einer der wildschönsten Gegenden des bayerischen Waldes am Fuß des Offa das ansehnliche Dorf Lam und zwischen ihm und Lambach, eine halbe Stunde entfernt, erhebt sich eine der allerseligsten Gottesmutter geweihte Kapelle, „das Maria-Hilf- oder Bergkirchlein bei Lam“. Dahin ziehen fast täglich fromme Seelen, um Trost im Leiden zu öffnen. Aber alle Samstage durchs ganze Jahr, wo von der Pfarr-Geistlichkeit von Lam Heilige Messe gelesen wird, strömen Andächtige in Menge herbei. Vorzüglich stark ist der Zudrang katholischer Christen aus weiten Gegenden Bayerns und Böhmens an den heiligen Unseren Lieben Frauenfesten. Da werden Hochämter mit Predigten gehalten, und es ertönt, weil das Kirchlein der Hörer Menge nicht zu fassen vermöchte, aus des Predigers Mund das Wort Gottes draußen im Freien. Von dem Glöckchen des Bergkirchleins werden die größeren Züge der Waller in dem freundlichen Marien-Tempel eingeläutet. Nach dem Gottesdienst betreten die Andächtigen wieder meistens singend und betend den Rückweg zur fernen Heimat. Doch bleiben viele zurück, der Buße inniger zu genügen, und ihren Leib kasteiend, verbinden sie Beten mit langer und mühsamer Kniebewegung, Rutschen genannt, um Kirche oder Altar. Viele Andächtige, im Drang des Eifers und der Buße, legen sogar den steilen Berg auf und ab auf den fortrutschenden Knien zurück.

 

Über die Zeit des Ursprungs dieser Wallfahrtskirche lässt sich nichts Bestimmtes angeben. Es besteht die Sage, dass vor vielen Jahren das Muttergottesbild, das sich am Altar befindet, in einem Baum gehangen habe, und dass ein Holzbauer, der seinen Hohn und Spott damit trieb, urplötzlich von einem großen Unglück betroffen worden sei. Er habe hierauf seine Sünde bereut, sei büßend dahin gezogen und es wäre ihm Hilfe geworden. Gewiss ist, dass das Kirchlein im Jahr 1752 in jetziger Gestalt hergestellt wurde.

 

Noch steht die Kirche und schaut mit ihrem roten Türmlein freundlich in die Gegend hinein. Im Sommer des Jahres 1851 wurde sie durch fromme Spenden der Pfarrkinder, nebst einem Zuschuss aus der Pfarrkirche in allen Teilen solid ausgebessert, und ihr schönster Schmuck, der in edler Einfachheit wahrhaft schöne Altar, auf dem das wundertätige Marienbild in einem großen vergoldeten Rahmen als Altarblatt glänzt, vollständig renoviert.

 

(Aus: Marianischer Festkalender, Regensburg 1866)

 

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