Die Wallfahrt zu Unserer Lieben Frau in Buggenhofen in Schwaben

 

In dem fruchtbaren Kesseltal erhebt sich in stiller Einsamkeit von allen Seiten von bewaldeten Höhen umschlossen der freundliche Wallfahrtsort „Buggenhofen“ mit seiner schönen, der seligen Gottesmutter geweihten Kirche, von Donauwörth zwei Stunden entfernt.

 

Eine fromme Sage, die im Mund der Einwohner des ganzen Kesseltales lebt und sich von Geschlecht seit fast vierhundert Jahren vererbt hat, erzählt:

 

„dass dem Einödbauern zu Abtsholz, eine Stunde von Buggenhofen, im Jahr 1471 die seligste Jungfrau im Schlaf erschienen sei und ihn aufgefordert habe, an einem bestimmten Ort im Krautgarten zu Buggenhofen nachzugraben, indem er dort ein Bildnis von ihr unter der Erde verborgen sei. Da der Bauer dies nur für einen gewöhnlichen Traum hielt, so unterließ er, die erhaltene Aufforderung zu befolgen. Doch als die seligste Jungfrau zum zweiten und dritten Mal ihn ernstlich ermahnte nachzugraben, da machte er sich endlich an die Arbeit und fand glücklich das noch jetzt ganz gut erhaltene Gnadenbild Mariä mit dem Christuskind auf dem linken Arm und einem Bund verschiedenfarbiger Rohseide an der rechten Hand.“

 

So weit die altehrwürdige mündliche Überlieferung. Da es aber manche geben dürfte, die der Sage des umwohnenden Volkes doch weniger huldigen und mehr an schriftliche Urkunden sich halten wollen, lassen wir hiermit einen wörtlichen Abdruck der Stelle aus der Chronik des Klosters zum heiligen Kreuz zu Donauwörth folgen, womit sie die Entstehung der Wallfahrtskirche erzählt.

 

„Im Jahr 1471 hat es sich ergeben, dass die Inwohner zu Buggenhofen einen gar wilden und rauen Ort voll Disteln und Dornen ausreuten wollten. Da fanden sie in der Erde einen Altar, der aber an seiner Form etwas verfallen war. Indem sie aber tiefer graben, finden sie auch ein sauberes, ganz unversehrtes Marienbild mit dem Kindlein auf dem Arm mit meisterlicher Hand sauber geschnitzt. Sie reinigen deshalb den Platz, richteten den Altar auf und machen von Brettern ein Dach darüber und errichten so gleichsam eine Kapelle. Da wurde ein großer Zulauf von weit entlegenen Flecken und es fiel so viel Geld, dass man sich beriet, wie allda eine Kirche möchte erbaut werden. Der Platz war aber eine Hofstatt des Klosters zum heiligen Kreuz und damit der Bau nicht gehindert werden möchte, kaufte die Gemeinde dem Abt und Konvent den Grund zu der Kirche ab. Am Tag nach dem Fest des heiligen Remigius 1471 wurde nun vom Abt Johann Strehler von Wörth und dem Abt Georg Floß von Deggingen der erste Stein zur Kirche gelegt.“

 

Die Ausgrabung wird durch eine Vertiefung in der Erde unter dem jetzigen Choraltar bestätigt, die den Wallfahrern als der Ort bezeichnet wird, wo das Gnadenbild vielleicht Jahrhunderte verborgen lag. Im Dreißigjährigen Krieg unterlag die Kirche dreimaliger vollständiger Ausplünderung, so dass viele Jahre hindurch das Gotteshaus öde, verwüstet und vergessen stand. Als aber das heiligste Opfer wieder in der Kirche entrichtet werden konnte, stellten sich aufs Neue viele Wallfahrer ein, und auch die früher üblichen Kreuzgänge wurden von Neuem unternommen. Aber auch die himmlische Königin verherrlichte ihren Gnadensitz durch unzählige Wunder und Wohltaten. Für die huldvolle Hilfe, die in den verschiedensten Nöten den Verehrern Mariens in Buggenhofen zu Teil geworden, zeugt auch die Entstehungsgeschichte der Prozessionen, die sonst alljährlich von vielen Orten hierher gehalten wurden. So z.B. wurde vor der Stadt Donauwörth jährlich ein Kreuzgang zum Gnadenbild angestellt, weil die Stadt und Umgegend durch die Fürbitte Mariens aus einer großen Not errettet wurde. Es wurde nämlich die Stadt im Jahr 1530 nebst Umgegend von einer solchen Hitze befallen, dass sich die Wälder entzündeten. Sobald nun Rat und Geistlichkeit beschlossen hatten, vertrauensvoll sich nach Buggenhofen zu wenden, ließ plötzlich die Hitze nach. Und noch jetzt zur Stunde hat diese Stadt eine besondere Treue in ihrer Pietät für diesen Gnadenort bewahrt.

 

Die Kirche, reich an innerem Schmuck ist im edlen gotischen Stil in Kreuzesform erbaut. Der Hochaltar mit dem Gnadenbild und die beiden Nebenaltäre sind weiß in Alabaster und Gold gefasst. Sehr zahlreicher Besuch der Wallfahrt findet an allen Marienfesten, vorzüglich am Maria-Himmelfahrtstag, als dem Patrozinium, desgleichen am Sonntag nach Philippi und Jakobi, als dem Kirchweihfest, statt. An solchen Tagen muss wegen zu großen Volksandranges die Predigt im Freien gehalten werden.

 

(Aus: Marianischer Festkalender, Regensburg 1866)

 

 

Buggenhofen