Bogenberg

 

Pfarr- und Wallfahrtskirche in Niederbayern

 

Der Bogenberg, am Vorsaum der Bergkette des Bayerischen Waldes, am linken Ufer des majestätischen Donau-Stroms, trägt auf seiner erhabenen Spitze eine schöne, im gotischen Stil erbaute Kirche, die der heiligen Jungfrau Maria geweiht ist und alljährlich von Tausenden frommer Wallfahrer besucht wird.

 

Er erhebt, drei geometrische Stunden östlich von Straubing entfernt, 1606 bayerische Fuße über der Meeresfläche sein aus Granit bestehendes Haupt und kehrt seine steile, nur noch spärlich mit Buschwerk bewachsene, meist kahle Front dem linken Donauufer zu, in das seine Granitfelsen sich senken. Überraschend ist das Panorama, das auf seiner Kuppe sich darbietet. Zwar ist der Norden durch eine Bergreihe verschlossen, nach den übrigen Weltgegenden aber liegt das Land völlig offen da. Gegen Süden streift das Auge über die Hälfte Altbayerns hin und erschaut Salzburgs, Tirols und Steiermarks mit ewigem Schnee bedeckte Alpengipfel. Ostwärts reicht der Blick den Abhängen der Bergkette entlang bis zu den Umgebungen von Passau; gegen Westen über die weite Ebene jenseits Straubing bis Regensburg.

 

Da wo jetzt die Wallfahrtskirche mit den Pfarr- und Schul-gebäuden in friedlicher Stille sich erhebt, stand in grauer Vorzeit die feste Stammburg der mächtigen und gefürchteten Grafen von Bogen, die von der Böhmischen Grenze bis an die Donau hin feste Schlösser besaßen, in ihrer Streitlust selbst den Herzogen von Bayern Trotz boten, und durch ihre Raubsucht und Fehden weithin das Land in Angst und Schrecken hielten. Sie geboten beinahe über den ganzen Bayerischen Wald. Zu Falkenstein, Mitterfels, Windberg, Weissenstein, Flinsberg hatten sie Schlösser. Auch Natternberg und Plattling waren ihnen zugehörig. Über mehrere Stifter besaßen sie die Schirmvogtei.

 

Die Erbauung der Burg, so wie das Entstehen der Grafschaft Bogen verliert sich im Dunkel der ältesten Zeiten. Als der erste bekannte Besitzer der Burg wird gewöhnlich Hartwich aufgeführt, den eine alte Sage von den Grafen von Abensberg abstammen ließ. Laut dieser Sage habe Graf Babo von Abensberg mit seinen beiden Gemahlinnen Judith und Irmengard zweiunddreißig Söhne und acht Töchter erzeugt und sie alle beim Leben erhalten und sorgfältig erzogen. Als Kaiser Heinrich II. der Heilige (als Bayerns Herzog Heinrich IV.), zu Regensburg Hof hielt, und im Jahr 1015 an alle Ritter in Bayern ein Aufgebot erließ: „sich zu einer großen Jagd einzufinden, jedoch nicht mehr als zwei Knappen zur Begleitung mitzubringen“, habe Babo alle seine Söhne standesgemäß zur Jagd gerüstet und sei an ihrer Spitze an den kaiserlichen Hof gezogen. Beim Anblick dieses zahlreichen Gefolges habe der Kaiser, aufgebracht über die Übertretung seines Gebotes, den Grafen mit strengen Worten getadelt, dieser aber habe sich ehrfurchtsvoll dem Thron genähert, mit den Worten: „Gnädigster Kaiser! Eure Befehle sind mir heilig; - diese alle“ – auf seine Söhne zeigend – „sind Eure Diener, meine Söhne; ich habe sie mit größter Sorgfalt erzogen, und gebe sie Euch zu eigen, damit sie im Frieden zu Eurer Zierde, und im Krieg zu Eurem Schutz sein mögen: ich weiß, sie werden Eurer Gnade würdig sein!“ Freudig überrascht habe sie der Kaiser zu sich gerufen, seiner Huld versichert und in der Folge reichlich mit Gütern begabt. – Hartwich soll einer dieser 32 Söhne des Grafen Babo von Abensberg gewesen und vom Kaiser mit der Grafschaft Bogen beschenkt worden sein. Bis zu ihm führt die gewöhnliche Geschlechtstafel dieser Grafen ihre bekannte Stammreihe zurück. (Einige Geschichtsforscher nehmen als den ältesten bekannten Grafen von Bogen – Hohenbogen -  Radepot, der um das Jahr 938 gelebt zu haben scheine, zu welcher Zeit er mit Herzog Berchthold von Bayern auf dem ersten Tournier zu Magdeburg gewesen sein soll, und setzten vor obigen Hartwich noch Aswin I., der als der in der Sage verminte Sohn Babos des Abensbergers und demnach als Hartwichs I. Vater anzunehmen wäre.) Er hatte seinen Wohnsitz zu Bogen und starb um das Jahr 1074. Seine Söhne Friedrich und Aswin (Aswein), aus seiner zweiten Ehe mit Bertha, des Königs Bela I. von Ungarn Tochter, teilten das väterliche Erbgut.

 

Friedrich blieb im Besitz von Bogen, und behielt die Schirmvogtei über das Hochstift Regensburg. Mit Zustimmung seiner Gemahlin Adelheid, des Herzogs Magnus von Sachsen Tochter, und seines Bruders Aswin erhob er das eine halbe Stunde von Bogen entfernte, im Hunnenkrieg zerstörte Benediktinerkloster zu Oberalteich am linken Ufer der Donau wieder aus den Ruinen, in denen es 195 Jahre gelegen war, stattete es mit reichlichen Schenkungen aus, und legte sich das Schirmrecht über dasselbe bei. Er starb auf einem Zug mit dem Bayerischen Herzog Welf ins gelobte Land im Jahr 1104 zu Jerusalem. Sein Sohn Friedrich II., ein heftiger, kühner Krieger, endete sein Leben bei der Belagerung von Pavia 1136; - sein Enkel Friedrich III., Sohn Luitgardens, des Herzogs Wladislaus von Böhmen Tochter, starb auf dem Kreuzzug in Palästina 1149, - und mit seinem Urenkel Albert, Sohn Judithens, des Markgrafen Thiemo II. von Vohburg, verschwand dessen Stammlinie von Bogen. Die Grafschaft kam ganz in die Hände der Nachkommen Aswins, wahrscheinlich durch freiwillige Abtretung. Die Geschichte bietet darüber keine Aufschlüsse.

 

Aswin, der Stammvater der zweiten Geschlechterlinie der Grafen von Bogen, empfing vom väterlichen Erbe unter anderem die Güter im Nordgau und nannte sich Graf von Zeidlarn-Bogen. Von seinen Söhnen aus der Ehe mit Luitgard, Gräfin von Windberg, wählte Berchthold I. das Klosterleben zu St. Blasien im Schwarzwald, wo er als Abt starb; Albert aber, der das Geschlecht fortpflanzte, schuf das Schloss Windberg, unweit Bogen, im Jahr 1125 in ein Kloster des Prämonstratenser-Ordens um, und erbaute einen Wohnsitz auf dem Schlossberg zu Bogen, wahrscheinlich auf dem Platz, den jetzt eine Maulbeer-Pflanzung schmückt. Er starb 1147 und hinterließ aus der Ehe mit Hedwig, Gräfin von Zilly, drei Söhne, wovon der ältere, Albert II., bei der Belagerung von Phaley im Jahr 1140 von einem Pfeil getroffen, starb, und Hartwig II., der Natternberg zu seinem Sitz gewählt hatte, in Wahnsinn verfiel; es folgte ihm daher Berchthold II. in der Grafschaft, der aus seiner Ehe mit Luitgarde, Tochter des Markgrafen Poppo von Kärnten, bei seinem Ableben im Jahr 1168 den einzigen Sohn Albert III. hinterließ. Er, kühn und kampflustig, trat im Jahr 1192 in heftige Fehde gegen die Grafen von Ortenburg, denen Herzog Ludwig von Bayern beistand, die in solch heillosen Krieg losbrach, dass ein großer Teil von Bayern mit Raub, Mord und Brand erfüllt wurde, bis Kaiser Heinrich VI. Ruhe gebot, des Grafen Alberts Bundesgenossen, den Herzog Ottokar von Böhmen absetzte, und Alberten nach Apulien verwies, wo er jedoch bald wieder des Kaisers volle Gnade und Gewogenheit erwarb und auch für Ottokar Vergebung erwirkte. Im Jahr 1197 zog er mit dem Heer der Kreuzfahrer nach Asien. Nach seiner Rückkehr bekriegte er erneut die Ortenburger, gegen die sein alter Groll nicht erloschen war, bis ein frühzeitiger Tod im Jahr 1198 seinem Leben in einem Alter von 33 Jahren ein Ende machte. Alberts Gemahlin war Ludmilla, des Böhmischen Königs Wladislaus II. Tochter. Sie gebar ihm drei Söhne, Leopold, Berchthold III. und Albert IV. Der erste trat in den Priesterstand und starb als Probst des Stifts zur alten Kapelle zu Regensburg 1221. Berchthold zog im Jahr 1217 mit dem Kreuzheer nach Palästina und ertrank vor Damiate in Ägypten. Albert IV. begleitete nicht nur ebenfalls diesen Kreuzzug, sondern auch den folgenden im Jahr 1220 und kam aus beiden wohlbehalten zurück; als er zum dritten Mal im Jahr 1234 ins Gelobten Land ziehen wollte, geriet er bei Venedig unter Seeräuber, und kehrte, nachdem er so glücklich war, sich von ihnen frei zu machen, wieder zurück. Nach vielen kriegerischen Waffentaten und Fehden verlebte er noch ein paar Jahre in Ruhe und starb 1242 kinderlos. Nun fiel die Grafschaft Bogen, die den Markt Bogen, Windberg, Falkenstein, Mitterfels, Weißenstein, Flinsberg, Plattling, Natternberg, Isarhofen und den ganzen oberen Wald begriff, - an das Bayerische Fürstenhaus.

 

Ludmilla, Alberts III. Witwe, des letzten Bogeners Mutter, wurde im Jahr 1204, sechs Jahre nach ihres ersten Gatten Tod, die Gemahlin des Herzogs von Bayern, Ludwigs I., des Kehlheimers. Wie dieser neue Ehebund geschlossen wurde, meldet in den alten Chroniken eine liebliche Sage. Oft besuchte der Herzog, - so lautet sie, - von Landau aus, während seines vielmaligen Aufenthalts daselbst die schöne, geistreiche, junge Witwe zu Bogen, und fand sich bald von leidenschaftlicher Liebe zu der holdseligen Königstochter angezogen. Züchtiglich widerstand die reizende Frau ungeziemendem Zudringen; nur als Gemahlin wollte sie sein Verlangen erfüllen. Als Ludwig nun eines Tages dringender und heißer als je um die Gunst ihrer Liebe warb, bestimmte sie ihm einen Tag zum Besuch, an dem sie der Gewährung seiner Sehnsucht nicht weiter widerstreben wolle. Inzwischen ließ sie nach dem Rat der Ihrigen drei Ritter auf einen Teppich malen, und, wie sie am bestimmten Tag den Herzog herbeireiten sah, drei Ritter als Zeugen sich wohl hinter dem Teppich verbergen. Da Ludwig alsbald sein Verlangen wiederholte, wies die schöne Frau auf das Bild mit den Worten: „Gelobt mir fröhlich die Ehe vor diesen Rittern, so will ich Eure Wünsche gewähren.“ Ludwig versprach es ungesäumt ohne Bedenken. Nun traten die Zeugen hinter dem Vorhang hervor. Darüber wurde der Herzog voll Unmut, dass sie ihm nicht allein glaubte; eilte von Bogen hinweg und kehrte ein ganzes Jahr nicht wieder. Doch Liebe siegte über den Zorn und führte ihn zur schönen Frau zurück. Er brachte Ludmilla als seine Gemahlin nach Kehlheim und lebte in glücklicher Ehe mit ihr, bis er im Jahr 1231 unter dem Dolch eines Meuchelmörders auf der Brücke zu Kehlheim fiel.

 

Otto der Erlauchte, sein Nachfolger, entspross dieser Ehe.

 

Ludmilla vertrauerte noch neun Jahre im Schmerz über den herben Verlust ihres geliebten Gatten und gründete das ansehnliche Kloster der Zisterzienserinnen zu Seligenthal vor den Toren von Landshut, in dem sie im Jahr 1240 ihre Ruhestätte fand.

 

Der Dichter Heinrich Döring besingt diese liebliche Sage wie folgt:

 

Die Blume der Frauen, des Landes Zier,

War Gräfin Ludmilla von Bogen,

Längst fühlte durch Neigung und Liebe zu ihr

Sich Ludwig der Bayer gezogen.

Ihr Gatte, Graf Albrecht, in Fehden gewandt,

Und rings als ein männlicher Ritter bekannt,

War jüngst mit dem tapfern Degen

Freund Hain, im Zweikampf erlegen.

 

Dem Herzog schien`s, als die Nachricht erklang,

Nicht länger daheim zu behagen;

Es trieb ihn, die Ufer der Donau entlang,

Zum Schlosse der Gräfin zu jagen.

Er pries auf des Berges waldigen Höh`n

Die Lage der Burg als bezaubernd und schön,

Und bat, ihm als Huld zu gewähren,

Bisweilen hier wiederzukehren.

 

Bestürzt stand Ludmilla, voll sittiger Scham,

Und ließ nur mit Müh sich erbitten.

Doch als er ihr Jawort errungen, da kam

Nun Ludwig fast täglich geritten,

Und fiel als ein loser und tändelnder Gast

Der Gräfin mitunter recht herzlich zur Last.

Die, weil sie im Stillen ihn liebte,

Sein Wesen verdross und betrübte.

 

„Fürwahr“, sprach sie einst, „ein vergebliches Spiel,

Mit leerem Geschwätz mich zu quälen.

Ihr werdet so, glaubt`s mir, auf immer das Ziel,

Wonach euch gelüstet, verfehlen.

Bekräftiget redlich, durch Trauring und Hand,

Gefühle, die längst euer Mund mir gestand!“

„Lass beides“, rief Ludwig, „als Zeichen

Der innigsten Liebe dir reichen.“

 

„Mit Gunsten, Herr Herzog, so weit sind wir nicht!“

Sprach lächelnd die Gräfin: „lasst hören,

Geliebt es euch morgen den Treueid der Pflicht

Vor diesen drei Zeugen zu schwören?“

Sie sprach es, und deutete links mit der Hand.

Dort wies sich, als Zierde der gotischen Wand,

Geschmückt mit Wappen und Fahnen,

Ein Kleeblatt von tapferen Ahnen.

 

„Ho, ho!“ rief der Herzog, und lachte fast laut:

„Welch wunderliches Begehren!

Ihr scheint mir bei Laune, holdselige Braut,

Und Unrecht wohl wär`s, sie zu stören;

Drum füg ich in seltsame Bitte mich gern,

Und leiste vor diesen gewappneten Herrn,

Euch morgen den Eidschwur der Treue,

Durch den ich mich ewig euch weihe!“

 

Drauf reicht er am Morgen Ludmillen die Hand,

Und sagte: „Ihr Ritter, seid Zeugen“,

Da dünkt`s ihm, als tönte dicht hinter der Wand

Ein hallendes Echo: „Wir zeugen!“

Sie rollte sich, leicht wie ein Vorhang empor;

Es traten drei stattliche Ritter hervor,

Und neigten mit ernster Gebärde

Sich vor dem Erstaunten zur Erde.

 

Der Herzog warf starr, mit geöffnetem Mund,

Den Blick auf die lebenden Büsten;

Es schien ihm, als hab er wohl reichlichen Grund,

Sich über den Schwank zu entrüsten.

Doch hielt von Ludmillen ein zärtlicher Blick

Gewaltsam den Ausbruch des Unmuts zurück;

Auch schien`s vor den peinlichen Zeugen

Gerat`ner, sein Leid zu verschweigen.

 

„Fürwahr!“ rief er lächelnd, „der Einfall gereicht

Dem weiblichen Scharfsinn zum Lobe;

Doch glänzt er in anderer Hinsicht vielleicht

Nicht eben als rühmliche Probe!

Dem sei wie ihm wolle! Hier reich ich die Hand

Der Holden, die längst ich mein eigen genannt,

Und schmück auf erhabenem Throne

Ihr Haupt mit der bayerischen Krone.“

 

Otto der Erlauchte, Bayerns Herzog, nahm nach dem Tod des Grafen Albert IV. von Bogen, seines Bruders von Mutter Seite, im Jahre 1242 als nächster Erbe von dem gesamten reichen Gut und Lehen des erloschenen mächtigen Geschlechts dieser Grafen Besitz. So kam die Grafschaft Bogen an das Bayerische Haus.

 

Die Stammburg Bogen war nun ihrem Verfall preisgegeben: davon retteten nur einen Teil die folgenreichen Wirkungen religiösen frommen Sinnes eines ihrer Besitzer. Im Jahr 1104 soll nach alter, auf einer in dem ehemaligen Benediktinerkloster Oberalteich und der ganzen Umgegend erhaltenen Überlieferung gegründeter Sage das Wunder geschehen sein, dass das noch gegenwärtig auf dem Bogenberg verehrte Marien-Bild aus schwerem Stein von den Wellen der Donau unbekannt von woher „von unten herauf“ stromaufwärts bis zu einem Felsen getragen worden sei, auf welchem es so lange verblieb, bis es vom Grafen Aswin in Empfang genommen und auf seine Burg gebracht wurde. Die Chronik des Klosters Oberalteich gibt die Sage mit den Worten:

 

„Im Jahre nach Christi Geburt 1104, als Graf Aswinus, ein Bruder unsers hochgräflichen Stifters Friedrich I., auf seiner festen Burg Bogenberg Hof hielt, ist das wundertätige Bildnis der Mutter Gottes auf der Donau dem Fluss zuwider heraufschwimmend ankommen, und hat auf einem Steinfelsen so lang Stand gehalten, bis es von den Inwohnern ersehen und dem Grafen aller Verlauf mit Verwunderung angedeutet worden. Aswin verordnete alsobald, dass das Wunderbild aus dem Wasser an das Land gebracht, dann mit höchster Ehr und Andacht in sein Residenzschloss getragen, und in dessen Kapelle eingesetzt wurde.“ (Siehe die Schrift: der Bogenberg berühmt als Grafschaft und Wallfahrt geschichtlich nachgewiesen von Augustin Kiefl, Pfarrer zu Haarbach, Passau 1819)

 

Der beim Spital außer Bogen an der Donau in beträchtlicher Höhe sich erhebende Fels ist es, von dem die Marien-Statue in Empfang genommen worden sein soll. Graf Aswin hat ihre Übersetzung in die Burg-Kapelle mit großer Feierlichkeit vollziehen lassen.

 

Diese in neuerer Zeit vielseitig angefochtene Sage wurde nach geläuterter Ansicht am besten in der Art erklärt, auf dem bezeichneten Felsen, der wegen seiner Höhe von der Donau nie überflutet worden sein soll, sei in der Vorzeit das steinerne Bild der heiligen Jungfrau aufgestellt gewesen, damit die Vorbeischiffenden an dieser gefährlichen Stelle zur Andacht erinnert wurden, oder in Lebensgefahren die Hilfe der Mutter des Heilandes anriefen. Durch den veränderten Lauf der Donau habe sich jedoch auch die Schifffahrt verändert und da die Gefahr beseitigt war, so sei die Statue vom Grafen von Bogen in seine Schlosskapelle versetzt worden.

 

Das Bildnis, aus einer weißen Steinart ausgehauen, stellt Mariä Heimsuchung vor, nämlich die heilige Jungfrau, wie sie über das Gebirge zum Besuch ihrer Base geht. Es ist gegen fünf Schuh hoch, wohlgebildet, mit einer Krone auf dem Haupt und bemalter, noch ganz gut erhaltener Kleidung. Die über den Mantel herabhängenden Haare sind goldgelb, der Rock blau mit Rosen besetzt, der Mantel rot mit eingewirkten Weizen-Ähren und die Aufschläge purpurschillernd, die von dem Mantel halbbedeckten Hände liegen auf dem gesegneten Leib. Unter dem Herzen ist eine mit Strahlen umgebene, länglich viereckige Öffnung, in der das fleischgewordene Wort in Kindesgestalt aufrechtstehend mit beigesetzter Bezeichnung des Namens Gottes in elf Sprachen, z.B. Eloa, Alla, Deus, Gott usw. dargestellt ist. In früherer Zeit scheint es, wie die älteren Votivtafeln erzählen, ohne Verhüllung zur Verehrung ausgestellt gewesen zu sein. Jetzt aber ist die Statue mit einem goldgestickten Kleid und Mantel bekleidet, und die anschauliche Vorstellung der Frucht des gesegneten Leibes dem Auge der Andächtigen verhüllt.

 

Als sich die Kunde von der Überbringung des Marien-Bildnisses in die Burg-Kapelle auf dem Bogenberg verbreitete, kamen bald fromme Verehrer Mariens herbei, um dort ihre Andacht zu pflegen. Mit jedem Jahr wuchs die Zahl der Besucher, die vor dem Bild die Fürbitte und den Schutz der göttlichen Mutter anriefen. Die Marien-Kapelle auf dem Bogenberg bekam nach und nach den Ruf eines ausgezeichneten Gnadenortes, an dem fromme Gläubige Trost und Hilfe in ihren Nöten gefunden haben. Das Kloster zu Oberalteich, dem die Kapelle zugehörig war, versäumte nichts, die Andacht auf dem Bogenberg zu befördern. Schon in den Jahren 1286 und 1294 verliehen die Bischöfe von Passau und Freising den Wallfahrern nach Bogenberg Ablässe, desgleichen vor ihnen schon die Bischöfe von Salzburg und Regensburg. Im Jahr 1295 bewirkte der Abt Conrad II. von Oberalteich auch einen Päpstlichen Ablass für diese Kapelle. Der Gottesdienst in der Kapelle wurde stets durch Religiosen der Benediktiner-Abtei Oberalteich versehen. Die bedeutende Zunahme der Wallfahrt machte eine Erweiterung der Kapelle notwendig. Die unbewohnte gräfliche Burg war in Verfall geraten. Aus ihren Ruinen wurde unter dem genannten Abt Conrad im Jahr 1295 eine herrliche Kirche und daneben ein Wohngebäude für Geistliche geschaffen. Reichliche Beiträge und Geschenke flossen zu diesem Unternehmen aus den Bezirken der umliegenden Dekanate des Regensburger Bistums-Sprengels auf die von dem Bischof ergangene Einladung. Schon im Jahr 1298 errichtete das Kloster daselbst ein Priorat für Ordenspriester, die die Wallfahrt und zugleich die dortige, zum Kloster gehörige ausgedehnte Pfarrei besorgten.

 

Durch die vielen Nachrichten von wundervoller Gnade und Erhörung, die den frommen Pilgern zuteilwurden, wuchs ihre Zahl fortwährend selbst aus fernen Gegenden und Ländern. Zur Aneiferung wirkte auch das Beispiel vieler hoher fürstlicher Personen, die den Bogenberg besuchten und mit ansehnlichen Geschenken bedachten, besonders aus dem bayerischen Regentenhaus. Im Jahr 1430 kam auch Kaiser Sigmund, im Jahr 1459 Kaiser Friedrich III., im Jahr 1630 Kaiser Ferdinand II. mit seiner Gemahlin Eleonore und seinem Sohn Ferdinand III., König in Ungarn, auf den Bogenberg. So erhob sich der Flor der Wallfahrt. Bogenberg galt vielen als das zweite Altötting in Bayern. Ganze Gemeinden zogen in Prozessionen dahin. Oft konnte man auf ihm an einem Tag gegen 15.000 Andächtige zählen.

 

Die Kirche zu Bogenberg besitzt neben dem wundertätigen Bildnis der seligsten Jungfrau noch ein anderes hochverehrtes Kleinod, nämlich einen sehr beträchtlichen Partikel des heiligen Kreuzes, der in der Größe außer Rom und Jerusalem wohl kaum irgendwo seines Gleichen hat, neun Zoll bayerischen Maßes lang, anderthalb breit, und ein Zoll tief, mit einem Querbalken sechs und einen halben Zoll lang, in Kreuzesform gefasst, der vom Fest der Kreuz-Auffindung – 3. Mai – bis zum Fest Kreuz-Erhöhung – 14. September – zur öffentlichen Verehrung ausgesetzt ist. Mit diesem großen Stück beschenkte Papst Honorius III. den Grafen Albert IV. von Bogen für seine vielen treuen Dienste gegen die Ungläubigen. Graf Albert brachte es mit anderen heiligen Reliquien von Rom nach Hause, und gab es im Jahr 1235 dem Kloster Oberalteich zum Geschenk, wo es als das köstlichste Kleinod aufbewahrt und nur zu gewissen Zeiten des Jahres auf dem Bogenberg zur öffentlichen Verehrung gebracht wurde. In der Folge wurde ungeachtet der Tatgeschichte der erwähnten Schenkung wegen der besonderen Größe dieses Kreuzpartikels Verdacht gegen seine Echtheit erregt. Um allen Zweifeln zu begegnen, beschloss man daher, den Partikel zur Prüfung nach Rom zu senden. Befürchtend, dass er nicht wieder in seiner ganzen Größe zurückkommen dürfte, wurde der beträchtliche Teil in Mitte der Kreuzung ausgeschnitten und an die Päpstliche Behörde gesandt. Er wurde bei der vorgenommenen Untersuchung als echt befunden und zurückgesendet. So hatte man dann vom Jahr 1700 an zwei Kreuz-Partikel. Der kleinere wurde kostbar gefasst und im Kloster Oberalteich behalten. Der größere aber verblieb der Kirche auf dem Bogenberg fortwährend bis jetzt als Gegenstand besonderer Verehrung, weshalb auch der Tag der heiligen Kreuz-Auffindung als ein dortiges Hauptfest begangen wird.

 

Die Wallfahrtskirche, zugleich die Hauptkirche der Pfarrei, ist ein ehrwürdiges Denkmal frommen Eifers und erfüllt den Eintretenden geheimnisvoll mit Ehrfurcht und Andacht. Das Gebäude hat im Innern bis zum Choraltar eine Länge von 163 Schuh, die Breite beträgt 78, die Höhe 56 Schuhe. Zwei Säulenreihen, die das Gebäude halten, teilen es in drei Teile, die in der vorderen Hälfte zusammenlaufen. Auf der Westseite steht ein sehr fester, aus Quadersteinen aufgeführter, 185 Schuh hoher Turm, dessen harmonisches Glockengeläute lieblich in die weite Ferne ertönt. Außer dem ringsum ganz freistehenden Choraltar, auf dem das Gnadenbild Mariä Heimsuchung ruht, schmücken die Kirche acht Nebenaltäre, wovon zwei gegen den Hochaltar, die übrigen je drei an den Seitenwänden stehen. Die Altarblätter stellen auf der Evangelienseite den heiligen Benedikt und Dominikus dar, denen die Mutter des Herrn den Rosenkranz reicht, den heiligen Joseph, die 14 Nothelfer und die büßende Magdalena, auf der Epistelseite die heiligen Erzleviten Stephan und Laurentius, die heilige Mutter Anna, die 7 Zufluchten und den weinenden Petrus. Hinter dem Choraltar ruhten einst in einer Gruft die Gebeine der Grafen Friedrich und Aswin von Bogen und andere Glieder der gräflichen Familie. Abt Poppo von Oberalteich ließ sie aber im Jahr 1279 in das Kloster versetzen. – Im Portal befindet sich das Grabmal eines geharnischten Ritters Wolf von Kampfstein vom Jahr 1488. Diesem Grabmal gegenüber ist in die Mauer eine Steinplatte befestigt mit der Inschrift:

 

                           H a e C      s e D e s      D e l p a r a e      I n s I g n I s.

(Deutsch:               Dieses hier der Sitz der erhabenen Gottesgebärerin.)

 

                                 Schon trug im Jahr eilfhundert vier

                                 Der Donau Fluth mit Gottes Segen

                                 Dein Bild, Maria! uns entgegen.

                                 In seiner Schloßkapelle hier

                                 Hat Aswin, Bogens frommer Held,

                                 Es dir zur Ehre aufgestellt.

 

Über dem Haupteingang liest man die Zeilen:

 

                                 Gottmensch! Hör an Deinem Gnadenort

                                 Durch Maria unser flehend Wort!

 

Die jetzige Gestalt im Inneren erhielt die Kirche hauptsächlich unter dem Abt Benedict II. von Oberalteich. Er ließ im Jahr 1722 an die Stelle des alten steinernen Chores neue Oratorien errichten; im folgenden Jahr den alten Choraltar, der die Kreuzigung Christi vorstellte, hinwegschaffen, den jetzigen Hauptaltar errichten, und auf ihm das wundertätige Marienbild, das vorher auf dem ersten Altar an der Donau-Seite stand, aufstellen. Die Altarblätter, zwei Orgeln, die Fenster, Speisgitter, Kirchen- und Beichtstühle und das Pflaster wurden neu hergestellt und die Kirche von den Gebrüdern Anton und Andreas März von Straubing durch Freskogemälde verziert.

 

Rings um die Kirche zieht sich der Gottesacker, den eine mit Quaderstücken belegte Mauer umgibt.

 

Die Hauptfesttage dieser Kirche, an denen der Andrang ihrer Besucher besonders stark ist, sind das Kreuz-Erfindungsfest am 3. Mai, das Fest Mariä Heimsuchung, das Fest Mariä Himmelfahrt, dann alle übrigen Frauentage und die Feste der dortigen beiden Bruderschaften am Rosenkranz- und Isidorfest.

 

Bei den meisten, der in Prozession herziehenden Gemeinden ist es üblich, als Opfer große schöne Wachskerzen darzubringen. Darunter zeichnet sich die Gemeinde Holzkirchen bei Ortenburg aus. In Folge eines alten Gelübdes opfert sie alljährlich eine über fünfzig Schuh hohe, mit rotem Wachs überwundene Stange, die aufrecht gehalten am Pfingst-Sonntag nachmittags bei der Prozession von einem starken geübten Mann durch den ganzen Markt Bogen und über den steilen Berg hinaufgetragen wird, und auf kurze Zeit in der Kirche aufgestellt bleibt. Zu diesem Ende wird in der genannten Gemeinde stets eine solche Stange das ganze Jahr hindurch zum Austrocknen bereitgehalten. Dieses Geschäft ist wie A. Kiefl in seiner oben angeführten Beschreibung des Bogenberges sagt, „in einer Familie der Gemeinde Holzkirchen gleichsam erblich geworden, jedoch versuchen sich auch andere junge Leute darin abwechselnd, und jeder rechnet es sich zur Ehre, sagen zu können, die lange Stange getragen zu haben. Während dem Zug ist der Träger von einigen Gefährten umgeben, um das mögliche Fallen zu verhindern.“

 

Im Jahr 1816 wurde das siebente Jubiläum der Wallfahrtskirche mit glänzender Pracht gefeiert. Es hätte schon 1804 begangen werden sollen, blieb aber wegen der damaligen kriegerischen Zeitumstände bis dahin verschoben. Ununterbrochen vom Entstehen der Wallfahrt an (1104) bis zur Auflösung des Klosters Oberalteich (1803) wurden die kirchlichen Dienste auf dem Bogenberg von Religiosen aus demselben besorgt. In dem Priorat daselbst befanden sich fünf Benediktiner, der Prior und noch vier Priester, die die dortige, zum Kloster gehörige Pfarrei versahen und erforderlichen Falls jedes Mal die nötige Aushilfe vom Kloster erhielten. An den Hauptfesten kam der Abt selbst mit dem ganzen Convent auf den Bogenberg, um die Vesper am Vorabend und das feierliche Hochamt am Festtag zu halten. Nach Aufhebung des Stiftes Oberalteich wurde die Kirche auf dem Bogenberg als Pfarrkirche beibehalten, das Priorat zur Pfarrei umgeschaffen, welche mit Einschluss der Gemeinde des Marktes Bogen dermal 1900 Seelen umfasst und mit einem Pfarrer und mit einem Hilfspriester bestellt ist. Das Pfarrgebäude steht neben der Kirche gegen Mitternacht und an demselben das Schulhaus. Das Häuschen gegen Osten bewohnt der Totengräber. Vor dem Eingang in den Kirchhof sind mehrere Buden von Stein erbaut, in denen an Tagen, an welchen Kreuzzüge kommen, Käufern verschiedene Waren feilgeboten werden. Dieses sind die Gebäude, welche nebst der Kirche die Fläche der Bergspitze einnehmen.

 

Viele harte Unglücksfälle hatte die Wallfahrtsstätte Bogenberg im Laufe der Zeiten zu erdulden. Durch die hohe Lage allen Unbilden des Wetters ausgesetzt, litt sie oft und viel durch Stürme und Gewitter. – Im Jahr 1373 am 21sten März schlug der Blitz in den Turm, zerschmelzte alle Glocken, verwandelte altes Balkenwerk in Asche, beschädigte die Kirchenwände und verbrannte die Ornate, Vier Jahre danach verzehrte ein in der Scheuer ausgebrochenes Feuer das ganze Priorat mit allen Fahrnissen. Im Jahr 1412 am 25sten November riss ein wütender Sturm die Dächer der Kirche, des Turmes, des Priorates und aller Nebengebäude ab. Drei Jahre danach am ersten Sonntag im Monat August gegen Mitternacht fuhr der Blitz in den Turm, zerschmelzte zwei Glocken, schleuderte die große Glocke in die Tiefe hinab, dass sie in 12 Trümmer zersprang, und brannte den Turm ganz aus. – Im Jahr 1507 war das Priorat durch Stürme und Gewitter so übel zugerichtet, dass es der Abt Georg von Oberalteich von Grund aus neu aufbauen lassen musste. Im Jahr 1518 riss der Sturm abermals die Scheune zusammen. Im Jahr 1592 zerstörte ein Gewitterschlag das ganze Glockengeläut. Am Pfingstmontag 1618 lagerten zahlreiche Wallfahrer nachts im Freien um die Kirche herum, als ein furchtbares Wetter heranbrach, vor dem dann sich alles in die Kirche drängte. Auf einmal erschütterte ein Schlag das Gebäude, der Blitz sprang aus dem Turm durch die von der Volksmenge vollgepfropfte Kirche, tötete zwei Personen und verletzte mehrere. Voll Schreckens wälzten sich die Haufen den Kirchentüren zu. Im Gedränge wurden vierzehn Personen erdrückt. – Unglücke anderer Art erlitt die Kirche in der Zeit des dreißigjährigen Krieges. Rohe, feindliche Krieger des schwedischen Heeres plünderten die Kirche rein aus, zerschmetterten die Altäre, beraubten das Marienbild seiner Zierde, stürzten es vom Altar und schleuderten es den Berg hinab. – Dazu kam noch, dass im Jahr 1652 ein Blitzschlag den Turm wieder in Brand setzte und die Glocken zerstörte. – Bei dem Einfall feindlicher Truppen im Jahr 1704, zur Zeit des Spanischen Successionskrieges wurde das Gnadenbild in die Karmeliter-Kirche nach Straubing geflüchtet, bis die größte Gefahr vorüber war. – Im Jahr 1776 am 10ten Mai schlug der Blitz abermals in den Turm, streckte die Person, die eben das Glockenzeichen zur Vesper gab, betäubt darnieder, und brach durch die Wand in die Kirche, jedoch ohne große Beschädigung; auch im Jahr 1783 fiel der Blitz auf den Turm, zerschmetterte zwei Säulen in der Kirche und verlor sich im Priorat. Blitzschläge auf diese Gebäude, mehr oder weniger nachteilig, ereigneten sich noch öfter und wiederholten sich nicht selten sogar in einem Jahr. Am 20sten April 1803, einem sehr stürmischen Tag, geriet kurz vor der Mittagsstunde das Priorat auf einmal in volle Flammen und in einer Stunde war es mit allen Nebengebäuden ein Raub derselben. Die Kirche blieb jedoch durch die Anstrengung der herbeigeeilten Hilfeleistenden und den Schutz des Himmels verschont, verlor aber alle ihre Ornate und Paramente, die im Priorat aufbewahrt waren. Das Marienbild wurde an diesem Schreckenstag in die Kirche im Markt Bogen geflüchtet, und am 24sten April wieder feierlich an seine Stelle zurückgebracht. Der Pfarrhof wurde in seiner jetzigen Gestalt auf Kosen des Staatsärars hergestellt. Ein Orkan zerriss in der Nacht auf den 1sten Juli 1813 alle Dächer. – Im Jahr 1817 wurden sämtliche Gebäude mit Blitzableitern bewaffnet.

Ehemals standen in den Umgebungen der Wallfahrtskirche an verschiedenen Punkten des Bogenberges fünf Kapellen. Östlich von der Kirche in der Nähe des Schulhauses war die im Jahr 1445 erbaute St. Alexius-Kapelle, deren Wände mit einer Vorstellung des Totentanzes bemalt gewesen sein sollen, und worin sich auch ein Grabstein des 1719 verstorbenen kurfürstlichen Pfleg-Verwalters von Mitterfels, Lict. Johann Gabriel Ertl befand, mit der Umschrift:

 

„Juri hin, Juri her,

Tod Recht gilt doch mehr!“

 

Die St. Michaels-Kapelle war ebenfalls in der Nähe der Hauptkirche. Diese beiden Kapellen wurden durch den Brand im Jahr 1803 zerstört. – Auf der Mitte des Bogenberges, am Hochweg bei den dermaligen Maulbeerpflanzungen, stand sie St. Jakobs-Kapelle, einst die Pfarrkirche des Marktes Bogen, die in neuerer Zeit ganz demoliert wurde. – Die St. Ulrichs-Kapelle am südöstlichen Abhang ist jetzt Privatgebäude des nächsten Hofbesitzers. Nur noch die im Jahr 1463 vom Kloster Oberalteich an der Stelle eines vormals hölzernen Kapellchens erbaute schöne freundliche St. Salvator-Kirche im Gehölz, am nordöstlichen Abhang des Berges, jetzt Eigentum der Gemeinde Bogen, ist neben der Wohnung eines Eremiten in gutem Zustand unversehrt erhalten. –

 

Mit Ausnahme der steilsten Abhänge ist der Berg kultiviert und bebaut. Einzelne Häuschen finden sich auf ihm an verschiedenen Punkten zerstreut. Ehemals zierten den Weg vom Markt Bogen aus auf den Bogenberg die gewöhnlichen Kreuzweg-Stationen, und schöne Linden boten dem Besteiger des Berges schattige Ruhepunkte. Davon ist jetzt nichts mehr sichtbar. In neuerer Zeit wurde der Kreuzweg demoliert, die schönen Linden schonungslos niedergehauen, bis auf eine, die noch, in der Nähe des Kalvarienberges stehend, an die frühere Verschönerung dieses Fußweges auf den Bogenberg erinnert.

 

Der Markt Bogen umgürtet den Fuß des Bogenberges in nordwestlicher Richtung, der hier mit den gegen Hunderdorf und Lintach sich erhebenden Ton- und Lehmhügeln ein Tal bildet, das ein Bach durchfließt, die Bogen genannt, der aus den Gebirgswässern bei Mühlbogen und Bürgl gesammelt, hart am Markt von Nordost nach Südwest vorbeifließt und sich in die Donau ergießt. Der Ort bestand schon zur Zeit der Grafen von Bogen und hatte sich schon im Jahr 1338 zum Markt erhoben, indem er vom Herzog Heinrich in Bayern durch eine in diesem Jahr am Tag der heiligen Scholastika gefertigte Urkunde mit einem Jahrmarkt begabt wurde. Des Marktes Wappen bildet ein silberner Schild, worin oben ein goldener Bogen und unten ein sechseckiger goldener Stern sich befinden.

 

Die Bewohner nähren sich zunächst von Feldbau und Viehzucht. Aber auch der Erwerb aus vielfachen bürgerlichen Gewerben ist beträchtlich, und es bestehen daselbst nicht weniger als zwölf Bierbrauereien. Ehemals wurde viel Bogener Bier wegen seiner Güte, die es vorzüglich den Granitfelsenkellern verdankte, auf der Donau verführt. Die Zahl der Häuser ist 182, die der Einwohner 1150. Das dortige Kranken-Spital, besonders auch zugleich der Pflege kranker Dienstboten und Handwerksgesellen gewidmet, verdankt seine Gründung dem Wohltätigkeitssinn der Markt-Bewohner. Die Kirche im Markt, dem heiligen Florian geweiht, ist ein Filial von Bogenberg. Im Jahr 1719 wurde sie mit der ganzen Seite des Marktes, auf der sie steht, durch Brand eingeäschert, aber nach drei Jahren aus den Mitteln des Klosters Oberalteich wiederhergestellt. Im Jahr 1836 verlor ihr Turm durch eine Feuersbrunst neuerdings seine hübsche Kuppel. Der Markt Bogen, der bis zum Jahr 1839 dem Landgericht Mitterfels einverleibt war, ist jetzt der Sitz eines neu errichteten Landgerichts, und hat sich seit einigen Jahren um vieles verschönert und in gewerblicher Hinsicht gehoben.

In der Nähe des Krankenhauses erblickt man in der Mitte des sogenannten Altwassers der Donau jenen nackten Granitfelsen, auf dem das Gnadenbild, das jetzt in der Kirche auf dem Bogenberg verehrt wird, gestanden haben soll. Die Sage erzählt von diesem Felsen, der den Namen Frauenstein führt, dass ihn das Wasser noch nie überflutet habe, daher die Dichtung Friedrich Müllers:

 

Schauet dort in Stromes Mitte

Jenen nackten Felsen an!

Der ist´s, dem mit milder Sitte

All die Wasser schweigend nah´n,

Den wir von der Berge Höh´n

Überflutet nie geseh´n.

Heilig hat ihn jede Welle

Für und immer anerkannt,

Weil auf der geweihten Stelle

Unser Berges Mutter stand,

Und so ehrt ihn ohne End

Selbst das kalte Element.

 

(aus: Kalender für katholische Christen auf das Jahr 1847, Sulzbach i. d. Oberpfalz)

 

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