Aufkirchen - Pfarr- und Wallfahrtsort am Würmsee im k. Landgericht in Oberbayern

 

(Aus: Marianischer Festkalender, Regensburg 1866)

 

In freundlicher Lage erhebt sich auf des Berges höchstem Punkt, eine halbe Stunde vom königlichen Lustschloss Berg, eineinhalb von Starnberg, sechs Stunden von München, Aufkirchen mit seiner schönen Pfarr- und Wallfahrtskirche. Vom Entstehen der weitberühmten Wallfahrtskirche erzählt man:

 

„dass sie solches von der redlichen und herzlichen Andacht der Landleute erhalten habe. Das ehemalige uralte Kirchlein, erzählt man, war einfach und ärmlich und in rührender Dämmerung stand am einfachen Altärchen ein schmuckloses bleichendes Mariabild. Der Umstand, dass das Kirchlein zu eng wurde, um die Waller alle aufzunehmen, machte die Andacht noch dringender und süßer. Aber die Frömmigkeit des damaligen Zeitgeistes half jenem Umstand ab, und es brauchte mehr nicht, als anzukündigen, dass man eine neue größere Kirche bauen wollte, um an Geld, Baumaterialien und anderen Unterstützungen reichliche Beisteuer zu erhalten. Nun hatte der damalige Pfarrer Ulrich Hueber (vom Jahr 1495 bis 1501) noch überdies einen Einfall, dessen Ausführung dem Bau der Kirche den tätigsten Vorschub und der Wallfahrt eine neue glänzende Empfehlung gab, nämlich die Entscheidung – da sich die Teilnehmer über den eigentlichen Platz, auf dem die Kirche errichtet werden sollte, nicht einigen konnten – einer höheren Fügung anheim zu stellen. Dennoch wurde aus der Nähe der Taufstein, der als Hauptstein des Gebäudes betrachtet werden sollte, geholt, auf einen Wagen gelegt, und zwei Ochsen, die man auf der nächsten Weide fand, vorgespannt. Sie wurden aufwärts gegen eine Anhöhe getrieben und sodann ihrer eigenen Willkür überlassen. Die Folge davon war, dass die Ochsen eine Weile fortzogen, aber endlich, wie sie keinen weiteren Antrieb bemerkten, still standen. Der Stein wurde auf der Stelle abgeladen und als erster Grundstein gelegt.“

 

Es war nämlich einstimmig beschlossen, dass die Kirche an dem Platz erbaut werden sollte, wohin die Zugtiere den mit einem zum Fundament tauglichen Stein beladenen Wagen, sich selbst überlassen, ohne Führung und Antreiben ziehen würden. Das Paar Ochsen, das der Sage nach von der Weide auf der Wechselwiese bei den in der Niederung unter Aufkirchen am Weg nach Wolfratshausen gelegenen Dörfchen Aufhausen geholt und eingespannt wurde, nahm seine Richtung mit dem Wagen gegen die alte Kapelle auf der Anhöhe und blieb vor ihr stehen. Dieser Platz wurde nun als durch den Fingerzeig Gottes für die Stelle des Kirchenbaus angedeutet erkannt. Sogleich wurde danach eifrig zum Bau geschritten. Von allen Seiten her begann die Zufuhr von Baumaterialien. Der Bau der neuen Kirche ging ebenso rasch als glücklich vonstatten, denn schon am Sonntag nach St. Gallus des Jahres 1500 wurde sie zu Ehren und auf den Namen der allerseligsten Jungfrau Maria feierlich eingeweiht. Die alte Kapelle hatte man erst abgebrochen, als die Mauern der neuen Kirche fertig waren.

 

Vorzüglich zahlreich wurde Aufkirchen besucht an jenen Tagen, für die auf den andächtigen Besuch der Kapelle päpstliche Ablässe verliehen waren. Im Jahr 1625 am Sonntag nach Michaelis nachmittags zwischen drei bis vier Uhr ereignete sich das Unglück, dass entweder durch Unachtsamkeit oder aus Fahrlässigkeit im Innern der Kirche Feuer entstand, dass schnell um sich griff. Am Hochaltar waren schon die Säulen und die Figuren zweier Engel, die den Schleier des Gnadenbildes in den Händen trugen, von den Feuerflammen ergriffen. Desungeachtet aber blieb das Bild selbst ganz unversehrt. Noch heutigen Tages stehe die beiden halbverbrannten Engelstatuen unter dem Kirchenportal zur Erinnerung an dieses wundervolle Ereignis.

 

Im Jahr 1688 übergab Kurfürst Maximilian Emanuel die Pfarrei Aufkirchen dem Eremiten-Orden des heiligen Augustin der Bayerischen Provinz. Die Augustiner gründeten daselbst ein Hospitium. Nach der unglücklichen Schlacht am Schellenberg bei Donauwörth am 2. Juli 1704, hielten die Wallfahrtspriester das Muttergottes-Gnadenbild zu Aufkirchen nicht mehr für sicher und flüchteten es am 19. Juli 1704 in ihr Kloster, in die Augustinerkirche zu München, die gegenwärtig als Mauth- und Warenhalle benützt wird, und stellten es dort bis zum 24. März 1705 zur Verehrung aus. An dem Tag wurde das Bild in feierlicher Prozession wieder von München nach Aufkirchen zurückgetragen.

 

Das ehemalige Augustiner-Hospitium ist bei seiner Aufhebung im Jahr 1803 das Pfarrhaus geworden. Die Kirche ist im byzantinischen Stil erbaut. Des Hochaltares Hauptzierde ist das Gnadenbild, die heilige Jungfrau mit dem linken Arm das Jesuskind auf dem Schoß haltend, umgeben von Engeln. Zwei kleine Engel halten die Krone auf dem Haupt der heiligen Gottesmutter und zwei größere knien zu ihren Füßen. Das Ganze ist sehr sorgfältig aus Holz geschnitzt und nicht ohne künstlerischen Wert.

 

Neuen Reiz verlieh der Wallfahrtskirche der schöne großartige, am 26. Juli 1857 feierlich eingeweihte Kreuzweg, der mit seinen lieblichen vierzehn Stationen von der See-Seite zu ihr führt. 

 

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