Marienwallfahrtsort Absam in Tirol

 

Von den vielen Tiroler Wallfahrtsorten gehört Absam zu den bekanntesten und besuchtesten. Seine Lage ist von der Natur auch bevorzugt. Das freundliche Dorf im Unterinntal liegt malerisch am Fuß des Salzberges. 632 Meter über dem Meer, in der Nähe der historischen Stadt Hall und ist von Innsbruck zu Fuß in zwei Wegstunden zu erreichen. Abseits des Verkehrs liegt der Gnadenort verträumt im fruchtbaren Tal und nimmt die leidbedrückten Pilger tröstend zu sich auf.

 

Die dem Erzengel Michael schon seit dem zehnten Jahrhundert geweihte Kirche wurde in gotischen Stilformen erbaut, bis ein Brand im Jahr 1413 das Gotteshaus zum großen Teil vernichtete. Die neuerstandene Kirche mit gotischen Grundformen erhielt in den nächsten Jahrhunderten den in diesen Gegenden so beliebten Barockcharakter im Inneren. Im Jahr 1670 wurde die Inntaler Gegend von einem schrecklichen Erdbeben heimgesucht, wodurch auch die Kirche großen Schaden litt. Nach Restaurierungen strahlt die Kirche heute in ihrer neugegebenen Pracht. Sie wurde zu einer der schönsten Kirchen Tirols gemacht, ein wahres goldstrahlendes Gotteshaus, eine Zierde Tirols.

 

Das Presbyterium zeigt am Hochaltar den heiligen Erzengel Michael. Auf der Epistelseite im Seitenschiff befindet sich der Gnadenaltar mit einem vergoldeten Tabernakel, auf dem die Worte stehen: „Qui me invenerit, inveniet vitam – Wer mich findet, findet das Leben.“ In der Mitte des Tabernakels steht das wundertätige Glasbild der Mutter Gottes. Das im Jahr 1797 im Bauernhaus Nr. 85 im Fensterglas erschienene Muttergottesbild wurde später in die Kirche zu Absam überführt, wo es nun von vielen frommen Pilgern besucht wird. Die beiden großen Tränen der Madonna verkünden das Leid der Mutter Gottes über ihren gekreuzigten Sohn. Das eigentliche Altarbild stellt die Jungfrau Maria als „die fürbittende Allmacht“ für alle Nöte der Menschheit vor der allerheiligsten Dreifaltigkeit dar. Der Seitenaltar auf der Evangelienseite zeigt das Bild der Heiligen Familie.

 

Bei einer Restaurierung wurde ein gotisches Freskogemälde hinter dem Gnadenaltar auf der Epistelseite entdeckt. Es stammt aus dem Jahr 1470 und stellt als Hauptfigur die Madonna mit dem Kind dar, ihr zur Linken die heilige Apolonia, die Schutzpatronin gegen Zahnschmerzen, was aus dem Attribut der Zahnzange hervorgeht, zur Rechten der Madonna befindet sich die heilige Ursula mit der Krone. Links zu Füßen der Mutter Gottes steht die heilige Ottilia, auf der anderen Seite die heilige Margareta. Die aus dem gotischen Fenster einer Kirche herausragenden Engel tragen als Hintergrund für Madonna und Kind eine farbenprächtige Draperie. Die Unterschrift nimmt Bezug auf das damals schon vorhandene Salzbergwerk in der Nähe Absams wie auch die darunter sich befindende Darstellung der gekreuzten Bergwerkshämmer.

 

Neben der Bedeutung als Wallfahrtsort hat Absam noch eine schöne alte Sitte, nämlich den Tiroler Brautleuten den Segen für die Ehe zu spenden. Fast täglich fanden in der Kirche zu Absam Trauungen statt; ein wahrhaft schöner Brauch, den Lebensbund und das ganze Leben der trostspendenden Mutter Gottes von Absam in die Hand zu legen.

 

Du trautes Dorf im schönen Tal des Inn,

Sei immerdar der kranken Menschheit Labsam,

Erwirb durch Pilgertrost und frommen Sinn

Dir deinen Himmel so, du edles Absam.

 

Absam