Maria nach der Lauretanischen Litanei

 

(Aus: Der christliche Bilderkreis von J. Hack)

 

Die besonderen Ehrentitel Marias

 

Wunderlieblich ist der Blumenkranz, den die Andacht, Liebe, Verehrung und Dankbarkeit der Gläubigen mit den verschiedenartigsten Ehren-Titeln in der allbekannten „Lauretanischen Litanei“ der glorreichen Himmelskönigin Maria geflochten. Und fast für jede dieser süßesten Blumen hat auch die christliche Malerkunst gar anziehende Abbildungen zu erfinden gesucht.

 

Als „Gottesgebärerin“ hat die allerseligste Jungfrau Maria die Geburt Christi unter sich. Über dem holdseligen Christkindlein sieht man sehr oft Gott Vater schweben, aus dessen Mund die Worte an den Eingeborenen Sohn erklingen: „Ego hodie genui te! Heute hab ich dich gezeugt!“

 

Tritt Maria als „Mutter Christi“ auf, dann pflegt sie sorgsam das göttliche Kind. – Aus ihr, der „Mutter der göttlichen Gnade“, gehen Quellen oder Ströme aus, diese Himmelsgabe bedeutend. – Als „allerreinste Mutter“ hat sie zum Symbol den Mond, und als „allerkeuscheste Mutter“ den verschlossenen Garten bei sich, der von einem Engel mit dem Flammenschwert bewacht wird; desgleichen erblickt man auch oft den versiegelten Brunnen neben ihr.

 

Einzig in ihrer Art ist die Darstellung der „unversehrten Mutter“. Über ihrem Haupt, von der Sonne umstrahlt, sieht man den Tierkreis so angebracht, dass die Sonne gerade in das Sternbild der Jungfrau zu stehen kommt, wodurch dann angedeutet wird: dass Christus, die Sonne des ewigen Lebens, von der Jungfrau empfangen wurde. – Als „unbefleckte Mutter“ erhebt sich Maria über dem Drachen, dem sie den Kopf zertritt, und der nicht einen einzigen Augenblick über sie, die „unbefleckt Empfangene“, irgendwelche Herrschaft übte.

 

Wird Maria als „liebenswürdige Mutter“ dargestellt, dann verbinden sich neben ihr ihre Vorbilder Rahel und Rebekka, erstere in ländlicher Tracht mit einem Hirtenstab, letztere auf einem Kamel reitend.

 

Unter Maria, der „wunderbarlichen Mutter“, der „neuen Eva“, gewahrt man ein ausgelöschtes Feuer, ein ruhiges Wasser, einen heiteren Himmel, einen fruchtbaren Landstrich. – Alles als Anspielung auf ihre große Macht über die Elemente. Desgleichen weisen die geheilten Kranken unter ihrem Bild auf ihre große Macht am Thron ihres Sohnes in der himmlischen Herrlichkeit hin.

 

Maria ist die „Mutter des Schöpfers“; denn ihr Sohn Jesus Christus, der Gottmensch, wird von St. Johannes dem Evangelisten als derjenige genannt, durch den alles erschaffen wurde, und ohne den nichts erschaffen worden ist. – Als Mutter des Schöpfers vorgestellt, trägt Maria das Jesuskind auf dem Arm, und dieses hält mit zwei Fingern eine Kette, woran die Weltkugel befestigt ist.

 

Hindeutend auf das große, gnadenreichste Erlösungswerk, sind um Maria die Kreuzigungswerkzeuge Christi angebracht; und auch er, als Kind, hält ein Kreuz, wenn sie als „Mutter des Erlösers erscheint.

 

Ist Maria als „Jungfrau der Jungfrauen“ gemalt, dann schwebt ihr Bild in einem Lilienkelch, und um sie her sind die heiligen Jungfrauen, wie Margaretha, Barbara, Agnes, Ursula, Katharina usw. gereiht.

 

Symbole der Weisheit und Klugheit sind die Schlange, der Hahn, wie auch die Ameise; letztere ob der Mahnung in der Heiligen Schrift: „Gehe zur Ameise hin und lerne Weisheit!“ (Sprichwörter 6) Und daher eine Schlange, ein Hahn und ein Ameisenhaufen bei ihr, als der „allerweisesten Jungfrau“, sich vorfinden. Auch Abigail, in der Heiligen Schrift als eine „sehr kluge Frau“ gepriesen (1. Könige 2), hat sie als Vorbild neben sich. Verschiedene Künstler setzen noch das Bild der „fünf klugen Jungfrauen“ unter sie.

 

Künstler, die Maria als „ehrwürdige Jungfrau“ abbildeten, malten einen leeren Thron, zur Linken des göttlichen Sohnes, auf den sie Jesus zu sitzen huldvoll einlädt. Es deutet dieses Bild jene Ehrenbezeugung an, die König Salomo ehedessen seiner Mutter erwies (3. Könige 2). Gegenstände, die sich auf die kirchliche Verehrung der gebenedeiten Jungfrau beziehen, wie Rosenkränze, Skapuliere, Bruderschafts-Büchlein usw. liegen auch neben ihr.

 

Vier Engel, Marias Bild umgebend, stoßen die Trompeten, nach den vier Himmelsgegenden gerichtet, wenn sie als lobwürdige Jungfrau abgebildet ist. Ihr Lob soll ja in allen Weltgegenden verkündigt werden, indem sie den Heiland der Welt gebar, den Schlangenzertreter. Auch einen Priester der Kirche, vor einer ungeheuren Volksmenge jeden Standes und Alters predigend, beziehungsweise, Marias Lob verkündigend, erblickt man auf solchen Bildern.

 

Als „mächtige Jungfrau“ wird Maria von uns begrüßt, weil derjenige große Dinge an ihr getan hat, der da mächtig ist; weil ihr mit jener starken Frau in der heiligen Schrift der Vergleich gilt, das als ein wohlgeordnetes Kriegsheer sich erweist (Hohelied 6,9), dessen Macht Himmel und Erde bewundern und die Hölle fürchtet. Deshalb sind um sie gruppiert – Waffen aller Art, ein Lager, eine allegorische weibliche Figur, mit einem Hammer auf die Schläfe eines geharnischten und auf dem Boden liegenden Soldaten schlagend (Joels Frau), und Judith, in den Händen des Holofernes Haupt und ein Schwert.

 

Wir sehen auf Bildern die Mutter des Herrn als „gütige Jungfrau“ mit dem Pelikan und der Henne, die sonst nur als Symbole auf den Christusbildern vorkommen. Die Hochzeit zu Kana zeigt deutlich die Güte Marias und ist darum auf Marienbildern unter dem obigen Titel in Miniatur angebracht. Besonders ist die Szene vorgeführt, wo Maria sich an ihren Sohn wendet und ihn mit der Not der Brautleute bekannt macht. – Auch Rebekka, dem Eleazar Wasser reichend, war ein Vorbild der gütigen Jungfrau Maria und ist zuweilen neben ihr zu sehen.

 

Mit Recht nennt man Maria die „getreue Jungfrau“. Denn ihr Versprechen, ausgedrückt durch die Worte an den Erzengel Gabriel: „Es geschehe!“ hat sie treulich erfüllt, indem sie ihren keuschesten Leib von aller Makel rein bewahrte und für ihren Sohn alle mögliche Sorge trug. Ferner verließ sie ihn auch dann nicht, als er am Kreuz auf Golgotha hing. Schließlich zeigt sie sich stets den Dienern gegenüber als eine treue Mutter. – Maria, als „getreue Jungfrau“ abgebildet, zieht ihre Verehrer zu sich hinauf in den Himmel. Ein Schwert in der Brust steht sie fürbittend vor ihrem Sohn. Auch hat sie die treue Michol bei sich, die den David von einem Fenster herablässt, damit er der Wut seiner Feinde entging.

 

Von jeher riefen die Gläubigen Maria um Beistand in den Krankheiten des Leibes an, und die vielen auf ihre Fürsprache an Kranken gewirkten Wunder bewogen die Kirche, sie mit dem Beinamen: „Heil der Kranken“ zu beehren. Unter diesem Titel vorgestellt, hat sie Apothekergeräte um sich (Mörser, Büchsen, Arzneigläser usw.), um ihre segensreiche Wirksamkeit in trostvollen Andeutungen zu bezeichnen. Auch Kranke, in Betten liegend, sind bei ihr. Und weil in dem bekannten Fischteich Bethesda zu Jerusalem die Kranken wunderbarer Weise gesund wurden, so wird er, als Anspielung auf die durch Marias Vermittlung an solchen gewirkten Wundern, neben sie gemalt.

 

Maria, „Zuflucht der Sünder“ genannt, wird mit Abigail verglichen, die Davids Zorn besänftigte. Daher man auf Bildern unter diesem Titel Abigail demütig vor David kniend erblickt (1 Kön 25). – Gleichfalls wird Maria als die Zufluchtsstätte der Sünder“ gepriesen und neben sie wird Adonias abgebildet, der, von Salomo verfolgt, zu einem Altar sich flüchtete, wo er Freiheit und Sicherheit fand (1 Kön 1). Der Leuchtturm, der die Schiffer vor Gefahren warnt, und der Anker, der das Schiff festhält und vor dem Untergang rettet, sind auch Symbole Marias in dieser Beziehung.

 

Ester, den Assuerus um Gnade für das jüdische Volk bittend, war ein Vorbild Marias, der „Trösterin der Betrübten“, weshalb jene, den König anflehend, auf Marienbildern oft angebracht ist. – Ebenso findet sich der Mond, der in der Nacht und in der Finsternis leuchtet, als Sinnbild bei ihr.

 

Waffen aller Art, und dann die Seeschlacht von Lepanto, durch Marias Fürsprache von den Christen gewonnen, sind auf Bildern, worauf sie als „Hilfe der Christen“ vorkommt.

 

Als „Königin der Engel“ ist Maria von Engeln umgeben. Zwei dieser himmlischen Geister krönen sie alsdann auch. – Patriarchen, jedoch nicht nur die des Altertums, wie Abraham, Jakob, Mose usw., sondern auch heilige Ordensstifter, wie St. Benedikt, St. Franziskus von Assisi, St. Dominikus usw. sind um sie geschart auf Bildern unter dem Titel: „Königin der Patriarchen“. – David krönt sie und Propheten des Alten Bundes, Daniel, Ezechiel, Jesaja usw., sind bei ihr, der „Königin der Propheten“. – Als „Königin der Apostel“ steht sie in einem Tierkreis, ihrem Symbol, und gewöhnlich ist dann noch die Sendung des Heiligen Geistes dabei, wo sie inmitten der Apostel kniet. – Maria, die „Königin der Martyrer“, den gestorbenen Sohn auf dem Schoß, sitzt am Kreuz, und der erste Martyrer St. Stephanus, setzt ihr eine Krone auf das Haupt, während andere Blutzeugen, worunter die Heiligen, Ignatius, Sebastianus, Laurentius, Georgius usw., kniend ihr huldigen. – Als „Königin der Bekenner“ bringt ihr die Schar der unter diesen begriffenen Heiligen, oft St. Joseph und St. Dominikus voran, die Huldigung dar. – Jungfrauen, denen das Lamm vorangeht (Apg 14,4), und unter denen besonders berühmte Martyrinnen aus der ersten christlichen Zeit hervorragen, umschließen Maria, und ein Engel krönt sie mit einem Kranz, wenn sie als „Königin der Jungfrauen“ erscheint. – Endlich wird sie von einer unermesslichen Schar von Heiligen umschwebt, wenn sie als „Königin aller Heiligen“ auftritt. Die Koryphäen der einzelnen Stände der Heiligen, wie von den Patriarchen Noah, von den Propheten Jeremias, von den Martyrern Laurentius, von den Bekennern König Stephan von Ungarn, von den Martyrinnen Cäcilia, bringen ihr auch Kronen dar.

 

Die Sinnbilder Marias

 

In der Lauretanischen Litanei wird Maria als „Spiegel der Gerechtigkeit“ angerufen. Christus heißt sie „Sonne der Gerechtigkeit“, denn wie dieses Gestirn gleichmäßig seine Strahlen auf königliche Paläste und auf niedere Hütten entsendet, so erteilt auch Christus allen ohne Unterschied die zum Seelenheil notwendige Gnade. Auch der Spiegel ist ein Symbol der Gerechtigkeit, weil er das Bild eines jeden gerade so aufnimmt und wiedergibt, wie es sich ihm vorstellt, und wie es ist. Maria wird aber deshalb ein „Spiegel der Gerechtigkeit“ genannt, weil sie ein Spiegel aller Tugenden des göttlichen Heilandes, und weil die Gerechtigkeit die erste von ihnen ist. Über Maria schwebt daher die Sonne der Gerechtigkeit, nach der das auf Marias Arm ruhende Jesuskind, symbolisiert durch die Sonne, aufblickt und empordeutet, so wie auch eine Wage. – Unter diesem allegorischen Bild befindet sich ein Spiegel, in dem ein Engel, ein Mensch und ein Teufel ihre Gestalten betrachten.

 

Maria, in Bezug auf das Haus, von dem Salomo sagt, „die Weisheit habe es sich erbaut“, ein „Sitz der Weisheit“ genannt, sitzt mit dem Jesuskind in diesem geheimnisvollen Gebäude. Über ihrem Haupt schwebt der Heilige Geist, und um sie her sind Symbole der Wissenschaft, wie Bücher, mathematische Instrumente, Globen und dergleichen. Unter ihr, gleichsam als Trägerinnen des Hauses, sind die vier Haupttugenden personifiziert: die Klugheit mit einem Schlangenstab, die Gerechtigkeit mit einem Triangel, die Mäßigkeit mit einer Wage und einem Buch, die Stärke mit einer Sturmleiter im rechten und mit einem zugemachten Buch unter dem linken Arm.

 

Weil Maria den Welterlöser gebar, wird sie als die „Ursache unserer Fröhlichkeit“ begrüßt. Daher die musizierenden Engel um sie, daher ist unter ihrem Bildnis die Heimsuchung gemalt, daher zu ihrer Rechten das Fegfeuer, daher Judith und Esther so oft als ihre Vorbilder bei ihr zu finden sind: denn jene war die Freude der Juden, diese der Stadt Bethulia.

 

Unter dem Titel „Geistliches Gefäß“ hat Maria einen Kelch und andere für den Gebrauch am Altar bestimmte Gefäße neben sich. Denn gleichwie im Speisekelch (Ciborium) der Gottmensch Jesus Christus unter der demütigen Brotsgestalt auf dem Altar aufbewahrt wird, so verweilte der Gottmensch neun Monate im unbefleckten, stets jungfräulichen Schoß der allerseligsten Jungfrau.

 

Als „ehrwürdiges Gefäß“ sieht man oft die heilige Muttergottes in einer Monstranz abgebildet. Denn wie diesem, ob seines kostbaren Inhalts, die höchste Ehre gebührt, so muss auch Maria auf besondere Weise verehrt werden, weil in ihrem Schoß das Wort Gottes Mensch wurde.

 

Der Ehrentitel der allerseligsten Jungfrau: „Vortreffliches Gefäß der Andacht“ weist auf ihr von der innigsten Liebe und kindlichsten Verehrung Gottes erfülltes Herz hin. – Das Rauchfass und das Schiffchen auf ihren Bildern bedeutet den Wohlgeruch ihrer Andacht, indem ja auch ihr Leben ein steter Umgang mit Gott im Gebet gewesen. Andacht aber ist die Quintessenz eines frommen Lebens und seiner Tugenden in der Nachfolge Jesu.

 

„Mystische Rose“ heißt Maria, weil sie all die anmutigen Eigenschaften dieser Blume in sich vereinigt. Bilder, auf welchen Maria unter dieser Benennung vorkommt, zeigen sie in einer Rose sitzend und eine Lilie in der Hand tragend.

 

Wie der von David erbaute und mit tausend Schilden versehene Turm eine Zierde der Stadt Jerusalem war, den Juden eine sichere Zufluchtsstätte darbot und als Bollwerk dem Feind trotzte: so ist Maria die Zierde des himmlischen Jerusalem, die Zuflucht der Menschen überhaupt und der Sünder im Besonderen, und eine Schutzmauer gegen die Feinde des Heils. Daher Maria – ein „Turm Davids“ genannt; daher ihr Bild, umgeben von Angriffs- und Verteidigungswaffen, auf einem Turm angebracht, der inmitten mächtiger Bastionen steht, und an welchem unzählige Schilde hängen.

 

Der Elefantenzahn ist das Symbol großer Tugenden. Das aus ihm gewonnene Elfenbein dient zum Sinnbild der Stärke, und besaß, nach dem Glauben der Alten, die magische Kraft, das tobende Meer zu beschwichtigen. – Maria besaß alle Tugenden im höchsten Grad, besonders aber die heilige Reinheit, die in dem blendend weißen Elfenbein ihren Ausdruck findet. Auch war sie jene starke Frau, die der Schlange den Kopf zertrat. Endlich führt sie die Gläubigen durch dieses stürmische Weltmeer in den Hafen der ewigen Glückseligkeit. Ob dieser Eigenschaften und dieser Bestimmung, besonders aber noch in Bezug auf die Worte der Heiligen Schrift, die auf sie gedeutet werden: „Dein Hals ist wie ein elfenbeinerner Turm!“ (Hoheslied 7,5) wird Maria als elfenbeinerner Turm begrüßt, und ein solcher, recht zierlich gearbeitet, neben ihr abgebildet.

 

Durch jenes goldene Haus Salomos (3 Kön 5) wurde auch die Mutter des Herrn bezeichnet, und eben deshalb nannte sie die Kirche: „“Goldenes Haus“. Und mit recht!, denn Maria war ja jenes Haus, das sich der göttliche Welterlöser zur Wohnung auserkoren hatte; und in dem Gold, dem edelsten der Metalle, sind alle Tugenden symbolisiert. Daher finden wir so oft ein prachtvolles Haus auf Marienbildern, und dessen geheimnisvoller Sinn mag wohl folgender sein: Das Fundament bedeutet ihre Demut, das Dach ihre Liebe, die vier Mauern bezeichnen ihre vier Haupttugenden: Gehorsam, Geduld, Weltverachtung, Barmherzigkeit, die Tür ist ein Symbol ihres Glaubens, weil man überhaupt nur durch den Glauben in das Reich Gottes eingeht, die Fenster endlich bedeuten ihre Hoffnung und ihr Vertrauen auf den Allerhöchsten: denn wie durch die Fenster das Licht in die Häuser dringt, so gelangt durch die Hoffnung aus dem Glauben das Licht der Gnade in die Seele.

 

Unter dem Titel „Arche des Bundes“ hat Maria die Bundeslade bei sich. Mit diesen Bildern ist gewöhnlich auch der Triumphzug verbunden, den die Juden nach der Wiedereroberung jenes Heiligtums veranstalteten. Richtig aber wird Maria mit der Bundeslade verglichen. Denn wie die Bundeslade die Gesetzestafeln in sich enthielt, so enthielt Maria die Verheißung und den Erben des Testaments; die Bundeslade enthielt das Gesetz, Maria das Wort; die Bundeslade strahlte innen und außen vom Glanz des Goldes, Maria hingegen glänzte innen und außen durch ihre unbefleckte Jungfräulichkeit; die Bundeslade wurde mit irdischen Gold geziert, Maria mit himmlischem.

 

Bezüglich der Worte des Herrn: „Ich bin die Tür; wenn jemand durch mich eintritt, wird er gerettet werden!“ ist Maria mit dem Titel „Pforte des Himmels“ geschmückt. Denn da Gottes eingeborener Sohn vom Himmel herab durch Maria in die Welt eintrat, so lehrte er uns gleichsam, dass wir durch diese Pforte, besonders durch die milden Fürbitten Marias bei Gott für uns, leicht in den Himmel gelangen können. – Auf Bildern, auf denen daher Maria als „Pforte des Himmels“ dargestellt ist, hat sie ein prachtvolles Gebäude mit offenstehender Tür bei sich. Von dieser tritt manchmal der Engel mit dem Flammenschwert zurück. Dadurch wird angedeutet, dass uns durch die Gottesgebärerin das verschlossene Paradies wieder geöffnet wurde.

 

Wie der Morgenstern alle anderen Sterne an Glanz übertrifft, so übertrifft Maria durch den Glanz ihres Ruhmes alle Heiligen. – Wie dann beim Aufgang des Morgensterns lichtscheue Tiere sich an dunklen Orten verbergen, so flieht beim Anblick der heiligen Muttergottes der Teufel. – Wie endlich der Morgenstern der Welt den Tag verkündet und das Verschwinden der Nacht anzeigt, ebenso konnte auch beim Erscheinen der allerseligsten Jungfrau die Menschheit der frohen Hoffnung leben: bald die Finsternis auf religiösem Gebiet verschwinden und jene Sonne aufgehen zu sehen, die da ist der Gottmensch Jesus Christus. Maria wird aus diesen Gründen als „Morgenstern“ angerufen, und ihr Bildnis ist in ihm angebracht. Unten geht die Sonne am Horizont auf, und die Fledermäuse und andere Nachttiere, so wie ein brüllender Löwe, ergreifen die Flucht.