Heilige im Januar

1. Januar

 

Gedächtnis der allerseligsten Jungfrau Maria

 

Der heilige Odilo, Abt und Bekenner von Cluny, Frankreich,

+ 1.1.1049 – Fest: 1. Januar

 

Der heilige Odilo oder Olo stammte aus der edlen Familie der Mercoeur, einer der berühmtesten in der Auvergne in Frankreich. Schon von Kindheit an zeigte er eine besondere Frömmigkeit, die von Tag zu Tag zunahm.

 

Als Odilo das Alter erreicht hatte, wo er sich seinen Stand selbst wählen konnte, trat er in das berühmte Benediktinerkloster Clugny ein und empfing aus den Händen des Abtes Majolus das Ordenskleid. Majolus nahm 991 Odilo zu seinem Gehilfen in der Leitung des Klosters, obgleich der junge Ordensmann damals erst 29 Jahre alt war. 3 Jahre danach starb Majolus, und die Leitung des Klosters wurde Odilo allein übertragen. Früh schon hatte sich der heilige Abt mit der Betrachtung himmlischer Dinge so vertraut gemacht, dass nützliche äußere Unterhaltung und notwendiger Verkehr mit der Welt die Sammlung seines Geistes nicht zu stören vermochten. Odilo hatte eine zärtliche Liebe zur seligsten Jungfrau Maria und eine ganz besondere Andacht zum Geheimnis der heiligen Menschwerdung des Herrn. Wenn im Te Deum vom Sohn Gottes der Vers gesungen wurde: Du hast, um die Menschen zu erlösen, den Schoß der Jungfrau nicht gescheut, wurde er von den lebhaftesten Gefühlen der göttlichen Liebe durchdrungen und geriet einstmals sogar in heilige Entzückung. Oft vergoss er während des Gebetes reichliche Tränen, denn er besaß im hohen Grad jenen Geist der Buße und Zerknirschung, dessen Frucht solche Tränen zu sein pflegen. Strenges Fasten, ein raues Bußkleid, eine eiserne Kette mit kleinen Stacheln wandte er an, um seinen Leib zu züchtigen und in Dienstbarkeit zu bringen. Gegen andere aber war Odilo so voll der Güte und Sanftmut, dass man ihm wegen des Übermaßes derselben Vorwürfe machte. Er aber antwortete: Ich will lieber wegen der Barmherzigkeit barmherzig gerichtet werden, als wegen Hartherzigkeit ohne Erbarmen verdammt.

 

Der Ruf der Heiligkeit Odilos drang bald in weite Fernen. Die alte fromme Kaiserin, die heilige Adelheid, verlangte daher sehnlichst, ihn vor ihrem Tod noch zu sehen. Dieser Wunsch wurde ihr 999 auf dem Schloss Orbe gewährt. Die Heilige weinte vor Freude, als sie den Diener Gottes erblickte, sie küsste voll Ehrfurcht sein Gewand und sagte, nun werde sie bald sterben, wie es auch wirklich geschehen ist. Auch ein recht armseliger Aussätziger, der wegen seiner ansteckenden Krankheit abgesondert wohnen musste, hatte ein großes Verlangen, mit Odilo zu sprechen, und der Heilige weigerte sich nicht, sondern, während der elendste Bettler Scheu hatte, mit dem Aussätzigen in Berührung zu kommen, ging er furchtlos zu ihm hin, küsste ihn und ließ sich mit ihm in ein langes Gespräch ein.

 

Als der heilige Kaiser Heinrich II. 1014 nach Rom zog, um sich krönen zu lassen, nahm er auch Odilo mit. Nach der Krönung erhielt der Kaiser vom Papst einen goldenen Apfel, der mit zwei Reihen Edelsteinen besetzt war, und ein goldenes Kreuz. Er nahm es mit Freuden an und schickte es bald darauf dem Kloster Clugny zum Geschenk. Odilo benützte diese Reise, um seiner Verehrung gegen den heiligen Benedikt genug zu tun, indem er das Stammkloster des Ordens, Monte Cassino, besuchte. Dort bat er sich die Gnade aus, der ganzen Ordensgemeinde die Füße küssen zu dürfen. Als er nach Clugny zurückgekommen war, zog auch Kaiser Heinrich da vorüber und kehrte im Kloster ein und wohnte den gemeinschaftlichen Gebeten bei.

 

Der Verkehr mit den Großen der Erde vermochte der Demut Odilos nichts anzuhaben, und hätte man daran zweifeln können, so wurde es klar, als er sich 1031 standhaft weigerte, die Würde eines Erzbischofs von Lyon anzunehmen. Ebensowenig konnten seine Reisen der Liebe zur Einsamkeit Abbruch tun, weil er sie nur unternahm, wenn die Liebe des Nächsten ihn dazu nötigte, sei es, dass er in verschiedenen Häusern seines Ordens, die von der ursprünglichen Heiligkeit ihrer Stiftung abgewichen waren, eine Verbesserung einführen, sei es, dass er anderen Unglücklichen zu Hilfe kommen wollte. Der sein Leben beschrieben hat, sagt, der heilige Odilo sei gewesen der Stab der Blinden, die Speise der Hungrigen, die Hoffnung der Elenden, der Trost der Traurigen, und eine unbeschreibliche Barmherzigkeit und Freude, anderen wohlzutun, sei bei ihm allezeit gewesen. Einmal zur Zeit einer Hungersnot, 1016, fand Odilo an der Landstraße zwei nackte Kinder liegen, gestorben vor Hunger und Kälte. Er stieg vom Pferd, hüllte die Leichname der Kinder in sein Oberkleid und suchte ums. Geld einige Leute, die ihm die Kleinen begraben halfen; dann erst setzte er seine Reise fort. Wie der heilige Martin dem nackten Bettler die Hälfte seines Kleides schenkte, so schenkte der heilige Odilo sein ganzes Kleid den Toten. Die Hungersnot dauerte lange Zeit, und Odilo, unerschöpflich in Almosen, hatte allen Vorrat erschöpft; er ließ also, um den leidenden Gliedern Jesu Christi Hilfe leisten zu können, selbst die heiligen Kirchengefäße einschmelzen und auch die kostbaren Geschenke verkaufen, die Kaiser Heinrich der Kirche von Clugny gemacht hatte. Als schließlich alles nicht mehr reichen wollte, zog er hinaus und predigte überall denjenigen, die noch etwas besaßen, zu geben, und trieb so das edelste Betteln, das es gibt, das Betteln für den Mitmenschen.

 

Es steht geschrieben: Wer sich des Armen erbarmt, leiht dem Herrn auf Zinsen; er wird es ihm vergelten (Spr 19,17). Gewöhnlichen Menschen zahlt Gott oft mit zeitlichem Glück und Segen; recht heiligmäßigen Seelen aber schenkt er am liebsten die kostbare Perle der Leiden, die eine so unermessliche Herrlichkeit im Himmel einträgt. So hielt er es mit Odilo und suchte ihn die letzten fünf Jahre seines Lebens mit sehr schmerzlichen Krankheiten heim. Allein der Heilige blieb sich immer gleich und litt als ein wahrer Jünger des Kreuzes. Er machte eine Wallfahrt nach Rom zu den Gräbern der heiligen Apostel Petrus und Paulus, aber nicht um durch ihre Fürbitte geheilt zu werden, sondern um dort unter ihrem Beistand selig zu sterben. In Rom lag er vier Monate krank darnieder; aber anstatt zu sterben wurde er wieder gesund und kehrte nach Clugny zurück. Hier brachte er fast ein ganzes Jahr in strengem Fasten, Wachen und Beten zu, soweit dies die Schwäche eines 86jährigen Greises gestattete.

 

Odilo wollte mitten in der Arbeit sterben. Obwohl er sein nahes Ende vorhergesagt hatte, machte er sich noch einmal auf, die übrigen Klöster, die ihm unterstellt waren, zu besuchen und den Brüdern als sterbender Vater die letzten Worte der Ermahnung zu sprechen. Da er nun im Advent nach Souvigny gekommen war und dem Volk über die Ankunft des Heilandes gepredigt hatte, befielen ihn wieder seine heftigen Schmerzen, und diesmal in tödlicher Weise. Nachdem er die heiligen Sakramente verlangt und empfangen hatte, ließ er sich in die Kirche tragen und schloss dort ruhig die Augen und verschied in Frieden auf einem mit Asche bestreuten Bußkleid 1049. Odilo war 56 Jahre Abt gewesen und starb im 87. Jahr seines Alters.

 

Die Lebensgeschichte des heiligen Odilo erzählt auch viele Wunder. Wir wollen aber stattdessen hier noch auf zwei seiner besonderen Liebeswerke aufmerksam machen. Zu Odilos Zeiten waren Raub und Mord noch sehr verbreitet, und jeder Edelmann glaubte sich berechtigt, mit gewaffneter Hand seine besonderen Streitigkeiten zu schlichten. Dagegen wurde der sogenannte Gottesfriede eingeführt, nach welchem die Klöster für alle als Freistätten gelten mussten, jene ausgenommen, die selbst den Gottesfrieden verletzt hatten; und von Mittwoch bis Montagmorgen durfte gegen niemand Gewalt geübt werden, auch nicht unter dem Vorwand, wegen erlittener Unbilden sich Recht zu verschaffen. Gegen diesen Gottesfrieden erhoben sich mächtige Schwierigkeiten; aber den vereinten Bemühungen des heiligen Odilo und des gottseligen Richard, Abt von Vannes, gelang es, ihn an vielen Orten einzuführen.

 

Ein anderes Liebeswerk des heiligen Odilo gilt den Armen Seelen im Fegfeuer. Er führte in allen seinen Klöstern den Allerseelentag ein und feierte ihn durch Almosen, Gebete und Messopfer für die Verstorbenen. Wie sehr die Kirche das billigte, hat sie bewiesen, indem sie später diese Erinnerungsfeier allgemein einführte. Beginnen also auch wir das neue Jahr, in das uns der Tag des heiligen Odilo einführt, nach seinem Beispiel mit Gebet und einem namhaften Almosen für Lebendige und Verstorbene.

 

Die heilige Zdislava von Berka, Gräfin, Witwe von Mähren,

+ 1.1.1252 - Fest: 1. Januar

 

Wenn in dieser Beschreibung ein Heiligenbild gezeichnet wird und dies die erste Blüte aus dem dritten Orden des heiligen Dominikus genannt wird, so soll damit nur gesagt sein, dass diese Heilige, die selige Zdislava, die erste und älteste Tertiarin ist, der die Ehre der Altäre zuteilwurde. Zweifelsohne werden schon vor ihr zahlreiche Tertiaren durch musterhaftes Tugendleben den schönen Himmelslohn erlangt haben, da ja in den glaubenseifrigen Zeiten des 13. Jahrhunderts kurz nach der Stiftung des dritten Ordens vom heiligen Dominikus heiliger Wetteifer und geradezu heroische Tugendübung unter den vielen Tausenden von Dominikus-Kindern herrschte; aber deren Tugendgröße und Himmelslohn ist Gott allein bekannt. Zdislava ist die erste Tertiarin, die feierlich selig gesprochen wurde. Es geschah dies durch Papst Pius X. am 28. August 1907. Zdislavas seliges Hinscheiden fällt auf den 1. Januar 1252. Somit sind es jetzt gerade 760 Jahre, dass sie im himmlischen Paradies weilt, zusammen mit so vielen, vielen anderen, die nach St. Dominicis Satzungen ihr Leben geheiligt haben.

 

Es wäre sicher interessant, etwas vorauszuschicken über die Entstehung des dritten Dominikanerordens, seine Tätigkeit, seine Verbreitung, seine Satzungen zu Zeiten des heiligen Dominikus. Schon das ursprüngliche Verhältnis des Ordens von der Miliz (Streitmacht) Christi zu den Genossenschaften von der Buße, sowie die spätere Verschmelzung beider zu dem jetzigen dritten Orden vom heiligen Dominikus bieten viel Beachtenswertes. Miliz Christi und Buße, das ist die ganze Bedeutung des Dominikaner-Wahlspruches: Veritas (Wahrheit). Das sind die beiden hohen Ziele, die St. Dominikus allen drei Zweigen seiner großen Ordensstiftung vorstellte.

 

Zdislava ist eine herrliche Blüte des dritten Dominikanerordens. Ihr Leben und Wirken gleicht fast Zug um Zug dem der heiligen Elisabeth von Thüringen, die ja auch ihre Zeitgenossin war. Zdislava und Elisabeth sind beide aus hohem Geschlecht, werden beide jung verheiratet, finden beide in ihren Ehegatten kein oder nur wenig Verständnis für höhere Tugendübung und haben infolgedessen manche harte Behandlung zu ertragen. Beide wetteifern in der Liebe zu den Armen wie in der Strenge gegen sich selbst. Zdislava erhält sogar den ehrenden Beinamen „Mutter der Armen“. Die Wohltätigkeit beider mag wohl zuweilen die Grenzen einer kühl berechnenden Vernunft überschritten haben. Daher erleben sie Anfeindungen oder wenigstens strenge Überwachung. Aber Gottes Auge schaute wohlgefällig auf ihre liebevollen Werke der Barmherzigkeit. Das Wunder des verwandelten Kruzifixes findet sich im Leben beider Heiligen. Zdislava reichte schon in früher Jugend dem Grafen Gallus von Marquarde die Hand zum Ehebund. Wohl hätte sie lieber im jungfräulichen Stand Gott gedient, aber ihre Eltern verlangten von ihr die Einwilligung zum Ehestand. In dem Willen der Eltern glaubte sie aber Gottes Willen zu erkennen, und so nahm sie mutig das Ehejoch auf ihre Schultern. Ihr Ehegatte scheint ein rauer Ritter gewesen zu sein, der sie nichts weniger als zart und liebevoll behandelte, und der sie viele harte, kränkende Worte hören ließ. Trotzdem war Zdislava nicht missmutig, traurig oder ungeduldig. Im Gegenteil, freudig trug sie ihr schweres Ehekreuz und setzte der rauen Härte ihres Mannes unbesiegbare Sanftmut, Freundlichkeit und Liebe entgegen; Tugenden, die schließlich doch den Sieg über das barsche Gemüt ihres Gatten davontrugen. Der Ehe entsprossen vier Kinder, drei Jungen und ein Mädchen. Dieses, das jüngste der Kinder, nannte man wegen ihrer Anmut nur „die schöne Margaret“. Um diese Zeit lernte Zdislava zuerst den Dominikanerorden kennen, und zwar durch zwei hervorragende Männer: den heiligen Hyazinth und den seligen Ceslaus. Nun rastete und ruhte sie nicht, bis in der nordböhmischen Stadt Gabel, in deren Nähe ihr Schloss lag, eine Dominikanerniederlassung gegründet wurde. Mit großer Freigebigkeit spendete sie aus ihren reichen Mitteln zum Bau von Kirche und Kloster. Ja, sie soll sogar des Nachts mit eigenen Händen Baumaterialien zum Kloster- und Kirchenbau herbeigetragen haben. Endlich war der Bau vollendet. Aber Zdislava wollte noch mehr. Am liebsten hätte sie ihr gräfliches Schloss verlassen und wäre selbst ein Dominikuskind in einem strengen Kloster geworden. Indes das ging nicht. Sie war Mutter und Gattin und konnte den häuslichen Herd nicht verlassen. Da fand nun ihr glühender Eifer, verbunden mit kluger Beharrlichkeit, dennoch einen Weg, ihren Herzenswunsch zu befriedigen. Durch beständige, innige Bitten erlangte sie endlich von ihrem Gatten die Erlaubnis, in den dritten Orden des heiligen Dominikus einzutreten, und sie wurde im Jahr 1224 vom seligen Ceslaus selbst eingekleidet. Damals war es noch gestattet, dass auch die weltlichen Tertiaren das Ordensgewand öffentlich trugen, und so erschien denn die reiche Gräfin vom Schloss Lämberg im weißen Dominikanerhabit täglich in der von ihr gebauten Ordenskirche zu Gabel. Ohne auch nur im geringsten ihre Mutter- und Hausfrauenpflichten zu vernachlässigen, machte sie heiligen Ernst mit der Beobachtung der Ordenssatzungen. Nicht bloß dem Namen nach gehörte sie dem Orden von der Buße an, sondern sie übte auch eine straffe Selbstzucht in ihrem täglichen Leben. Was uns von ihrer treuen Beobachtung der Ordensfasten, von ihrer gewissenhaften Arbeitsfreudigkeit, von ihren verschiedenen strengen Bußwerken, von ihren großen Liebestaten berichtet wird, alles dies beweist, dass sie nicht bloß eine Edelfrau dem Geblüte nach, sondern auch der Gesinnung und Charaktergröße nach war. In der ganzen Umgegend nannte man sie nur „die Mutter der Armen“. Auf ihrer ganzen Erscheinung lag ein solch herzgewinnender Zauber, dass sie alle an sich zog, beglückte und beseligte. Selbst ihr rauer, gemütsarmer Ehegatte konnte auf die Dauer diesem Zauber nicht widerstehen. Eine völlige Gesinnungsänderung trat bei ihm ein. Er lernte das selbstlose, hingebende Wesen seiner heiligmäßigen Gattin schätzen, und ließ ihr nunmehr volle Freiheit, die reichsten Almosen zu spenden und auch sonst ihre mildtätige Liebe auszuüben. Trotz der fast grenzenlosen Freigebigkeit Zdislavas verminderte sich nicht das Stammvermögen ihrer Familie. Im Gegenteil, es wuchs, und noch jahrhundertelang waren die Grafen von Berka die Reichsten des Landes.

 

Während in den ersten Jahren ihres Ehestandes ihr Gatte sie kalt, ja abstoßend behandelte, waltete nun die innigste und edelste Gattenliebe zwischen ihnen. Zdislava war geschätzt und geliebt von allen, weil sie in allem nur Gott suchte, sich selbst vergaß, und jedem wohlzutun strebte. – Das Jahr 1251 ging seinem Ende entgegen, und mit ihm auch die irdische Laufbahn dieser großen Frau. Sie war reif für den Himmel, obschon sie nach menschlicher Berechnung noch lange hier auf Erden hätte wirken sollen. Das 40. Lebensjahr hatte sie kaum überschritten, aber sie fühlte ihr Ende nahe. In diesem Bewusstsein hatte sie in der von ihr gegründeten Dominikanerkirche zu Gabel sich eine Grabstätte herrichten lassen. Es war Ende Dezember. Von ihrem gräflichen Schloss Lämberg ließ sie sich herunterbringen nach Gabel in die Kirche. In ihrem Beisein wurde die Grabstätte eingesegnet. Sie empfing dann in der Kirche selbst die Sterbesakramente. Zurückgekehrt auf ihr Schloss, versammelte sie ihre ganze Familie um ihr Sterbelager. Ihr Gatte, der raue Ritter von ehemals, war untröstlich über den nahen Verlust seiner innigst geliebten Gattin. Heiße Tränen rannen über sein wetterhartes Gesicht. Aber Zdislava wusste ihn zu trösten mit der sicheren Aussicht auf baldiges Wiedersehen im Himmel, wo es keine Trennung mehr gibt. Sie verschied am 1. Januar 1252. Gallus, ihr Gatte, und mit ihm ihre Kinder und alle, die sie gekannt hatten, empfanden jetzt erst, was sie alles an Zdislava verloren hatten. Bei Gallus mögen auch brennende Gewissensbisse aufgetaucht sein. Er empfand es so bitter, dass er seine herzensgute, heiligmäßige, um ihn so besorgte Gattin früher nicht liebevoller behandelt hatte. Er grämte sich bei Tag und bei Nacht. Da erschien ihm, strahlend in himmlischem Glanz, angetan mit einem roten Gewand, seine verstorbene Gattin, tröstete ihn und bat ihn, nicht weiter über sie zu trauern. „Gallus, bald wirst du bei mir sein“, mit diesen Worten verschwand die Erscheinung. In der Tat starb Gallus zwei Jahre später eines seligen Todes.

 

In Böhmen wird die Zdislava als Schutzheilige der Armen und Leidenden verehrt. Bereits im 14. Jahrhundert berichtete der böhmische Chronist Dalimil über Zdislavas Heilungen von Kranken und die ihr zugeschriebene Auferweckung von fünf Toten. Franz Anton Graf Berka von Dubá errichtete zwischen 1699 und 1722 in Gabel zu Ehren seiner Ahnin, der hl. Zdislava, den Neubau der St.-Laurentius-Kirche. Sie wurde von Johann Lucas von Hildebrandt nach dem Vorbild der Wiener Peterskirche entworfen. In einer Gruft befinden sich die Reliquien der hl. Zdislava. Trotz der Bemühungen der Berka von Dubá erfolgte zunächst keine päpstliche Bestätigung der Erhebung Zdislavas zur Seligen der katholischen Kirche. Dies geschah erst 1907 durch Papst Pius X. 1908 wurden ihre Reliquien in diesen Stand erhoben. Auch nach der Machtübernahme der Tschechoslowakei durch die Kommunisten 1948 bemühte sich ab 1949 der damalige Bischof von Leitmeritz Stepán Trochta um Zdislavas Heiligsprechung, die jedoch erst am 21. Mai 1995 durch Papst Johannes Paul II. erfolgte. Am Wallfahrtsberg Svatá hora befindet sich eine Gedenkstätte. Eine Zdislava geweihte Kirche befindet sich seit 1994 in Lavičky. 1996 wurde die Laurentiuskirche von Jablonné v Podještědí, in der die Reliquien der Heiligen verehrt werden, zur Basilica minor erhoben und das Patrozinium der hl. Zdislava hinzugefügt.

 

Der heilige Almachius/Telemachus, Einsiedler im Orient, Martyrer in Rom,

+ 1.1.404(398) - Fest: 1. Januar

 

Telemachus oder Almachius, Einsiedler des Orients, wurde tief von Schmerz ergriffen bei dem Gedanken an die unmenschlichen Gefechte der öffentlichen Kämpfer, die Städte und ganze Provinzen mit in die Sünde dahinrissen, und die Verdammung so vieler Seelen verursachten; er verließ daher in der Absicht, einem so bedauernswürdigen Übel, wo möglich, Einhalt zu tun, seine Einöde, um nach Rom zu reisen. Sobald er die Kämpfer sich gegenseitig erwürgen sah, lief er zu ihnen hin, um sie auseinander zu reißen; allein sein Eifer kostete ihn das Leben. Er wurde auf die Erde niedergeworfen, und in Stücke zerhauen am ersten Januar 404 (398) (Stolberg sagt, das blutdürstige Volk habe ihn gesteinigt). Übrigens brachte jedoch die Vergießung seines Blutes die heilsamsten Wirkungen hervor, Weil Kaiser Honorius dadurch veranlasst wurde, die schauderhaften Kämpfe, die bis dahin, ungeachtet des Verbots der Kaiser Konstantin, Konstantius, Julian und Theodosius I. noch immer bestanden, ganz abzustellen. Der Name des hl. Almachius befindet sich in dem wahren Märtyrerverzeichnis von Beda, und in dem römischen. Die Märtyrerverzeichnisse von Beda, Adon, Usuard usw. tun Meldung vom heiligen Almachius, der zu Rom gemartert wurde, weil er sich kraftvoll den abgöttischen Gebräuchen widersetzte, die in der Oktav der Geburt unseres Heilandes, d.h., am Tag der Beschneidung, verübt wurden. Adon setzt hinzu, die Gladiatoren haben ihn, auf Befehl des römischen Präfekten Alipius, niedergemetzelt. Man findet auch wirklich einen Präfekten dieses Namens zu Rom unter der Regierung Theodosius I., Vater des Honorius. Aus allen diesen Umständen hat Baronius in seinen Anmerkungen über das römische Märtyrerverzeichnis geschlossen, unser Heiliger sei derselbe, von dem Theodoret unter dem Namen Telemachus redet, worin ihm Bollandus und Vaillet folgten. Allein Chastelain, in seinen Anmerkungen über das römische Märtyrerverzeichnis und Benedikt XIV. sind der Meinung, man solle sie beide unterscheiden, und Almachius habe lange Zeit vor Telemachus den Märtyrertod gelitten. Wir nahmen die Meinung der Ersteren auf.

 

Es geschah am 1. Januar 398

 

Der letzte Gladiatorenkampf

Von Paul Graff-Ederer

Aus „Der Volksbote“, Innsbruck 1959

 

Zehntausende von Zuschauern drängen sich im Amphitheater von Rom. Das Stimmengewirr tobt wie das Brausen der Meeresbrandung. In der Kaiserloge sitzt Honorius. Voll Ungeduld wartet der Kaiser auf den Spielbeginn. Zwei der berühmtesten Gladiatoren sollen heute in der Arena miteinander kämpfen. Obwohl das Christentum bereits seit Jahrzehnten als Staatsreligion gilt, wuchern noch immer die heidnischen Gebräuche und Spiele fort.

 

Da treffen die Blicke aller auf die Gestalt eines Greises, der soeben in der untersten Loge Platz nimmt. Es ist eine hohe, ehrwürdige Erscheinung mit wallendem Bart und edlen Gesichtszügen. Aus dem unterm Schnee des Alters schimmernden Antlitz brennen zwei dunkle, feurige Augen. Die braune Pergamenthaut verrät den Orientalen. Es ist der Mönch Telemachus. Still und voll Spannung harrt er der Dinge.

 

Nun hebt Honorius lässig die Hand. Das Spiel beginnt! Musik schmettert über das menschenvolle Rund. Zwei Ringkämpfer treten in die Arena und verbeugen sich nach allen Seiten. Prachtvolle, herkulische Gestalten. Der Netzkämpfer hält den Dreizack und das Fangnetz, sonst ist er leicht bekleidet und ohne Waffen. Der Verfolger muss dem Netzkämpfer im Laufen die tödliche Wunde beibringen – freilich kann dieser mit Kriegslist seinem Verfolger das Netz über den Kopf werfen und ihn so zu Boden zerren. Gelingt ihm dies, so ist der Kampf entschieden. Zum Abschluss durchbohrt der Dreizack die Brust des gestürzten Gegners. Voll Todesangst irren seine flehenden verquollenen Augen an den Sitzreihen der Zuschauer entlang – dann stürzt er in den Sand. Wie eine Flut braust die Begeisterung auf. Nun fließt Blut! Sie toben, sie brüllen, sie rasen. Der Höhepunkt ist gekommen: die Masse will den Tod des Opfers.

 

Mit einem Fuß steht der Netzkämpfer auf dem Nacken seines Gegners, den Dreizack gezückt; siegesgewiss schweifen die Augen stolz zur Kaiserloge, zu den Damen, zu den Gassenjungen auf den obersten Rängen. Überall sind die Arme ausgestreckt, sind die Daumen zur Erde gerichtet – der Netzkämpfer weiß, was er zu tun hat. Der besiegte Gladiator muss sterben, ohne Erbarmen und Gnade muss er sterben – das Volk selber verlangt seinen Tod! Allerdings, es soll langsam geschehen, möglichst langsam, damit sich der entfesselte Pöbel an den Qualen des Sterbenden weiden kann.

 

So ziert sich der Sieger etwas; er wendet sich hierhin und dorthin, prüft die Spitzen des scharfen Dreizacks – und dann setzt er das Mordinstrument an . . . Jetzt wird der Hüne den blinkenden Stahl in die wehrlose Brust des Unterlegenen rammen – da gellt ein markerschütternder Schrei durch das Amphitheater!

 

Telemach, der greise Mönch, ist über die Brüstung gesprungen! Er stürzt zwar in den Sand, doch schnell rafft er sich auf und springt auf die Beiden Gladiatoren zu. Mit Blitzesschnelle entreißt er dem Netzkämpfer den Dreizack und schreit: „Im Namen Christi, haltet ein! Heute sind es acht Tage, seit der Herr geboren wurde! Lasst ab von eurem heidnischen Gräuel!“

 

Der gewaltige Netzkämpfer hat schon Ungezählten den Dreizack in die Brust gebohrt. Könnte er nicht auch den schwachen Mönch jetzt niederstechen? Gewiss, aber – er flieht erschreckt dem Ausgang zu! Mit einem Lächeln löst Telemach das Netz des Gestürzten . . .

 

Totenstille herrscht – das Volk ist um ein Schauspiel betrogen! Nun flattert ein Wutgeschrei auf, das zum Orkan anschwillt: „Der Mönch hat uns das Spiel verdorben – er muss sterben! Er muss sterben! Er muss sterben!“ So plärren die Gassenjungen, so kreischen die Damen. Schon fliegt der erste Stein, der zweite, der dritte. Unter dem Steinhagel der rasenden Meute bricht Telemach zusammen und verröchelt im Sand der Arena an Stelle des Gladiatoren.

 

Kaiser Honorius soll sich erschüttert abgewandt haben, berichten die heiligen Akten der Kirche. Der Tod des greisen Mönches habe ihn veranlasst, die grausamen Gladiatorenkämpfe für immer zu untersagen. Die Kirche aber ehrt Telemach, den Mönch aus Ägypten, als heiligen Blutzeugen.

 

Aus einer anderen Legende:

 

 Der heilige Almachius, Einsiedler im Orient, Martyrer in Rom

 

 

Almachius wurde im Orient geboren und zeigte von frühester Jugend an einen heiligen Eifer für die Erhaltung der Reinheit der christlichen Religion. Als junger Mann begab er sich in ein Kloster, wo er sich unter allen seinen Mitbrüdern sowohl durch Demut als Gelehrsamkeit auszeichnete, und schließlich, vom Geist Gottes getrieben, den Entschluss fasste, die klösterliche Einsamkeit zu verlassen und nach Rom zu reisen, wo noch so viele Heiden in der Finsternis des Unglaubens lebten. Almachius kam im Jahr 395 nach Rom, der damaligen Hauptstadt der Welt, als Siricius auf dem päpstlichen Thron saß, und Theodosius als Kaiser das römische Reich regierte. Am Tag der Beschneidung Jesu, dem Fest das die Gläubigen mit strengem Fasten und ununterbrochenem Gebet feierten, wurden in Rom öffentliche Spiele zur Ehre der Götter gegeben und alles Volk strömte dahin. Almachius, der Gottbegeisterte, erblickte die schändlichen Wettkämpfe, wobei Menschenblut floss, und sah die abergläubischen Opfer, die falschen Götzen gebracht wurden, und unerschrocken drang er durch das Volk bis hin zum erhöhten Sitz des Stadt-Präfekten Alipius und sprach mit lauter Stimme: „Ihr Unglücklichen! Heute ist der Erinnerungstag, an dem einst Jesus, der Sohn Gottes, als Kind sein Blut zum Heil der Welt vergossen hat, und ihr entweiht dieses Fest durch blutige Schauspiele, durch unmäßige Gastmahle und abergläubische Opfer?“ Alles schwieg, und der Heilige predigte der horchenden Menge den wahren und einzigen Gott und zeigte den Wahnsinn, eingebildeten Götzen Opfer zu bringen. Da ergrimmte Alipius und befahl seinen Henkern, den Frevler gegen die Götter zu morden. Almachius erhob seine Hände und Augen zum Himmel, flehte um Verzeihung für seine Mörder und gab, zerfleischt am ganzen Körper, seinen Geist auf.

 

Als der Kaiser Theodosius, der den Christen gegenüber günstig gestimmt war, von diesem grausamen Mord erfuhr, erklärte er mit Übereinstimmung des Papstes den Almachius als einen heiligen Martyrer und verbot unter strengen Strafen alle heidnischen Spiele, bei denen Menschenblut vergossen wurde.

 

Der heilige Fulgentius, Bischof, Bekenner

und Kirchenvater von Ruspe, Afrika,

+ 1.1.533 – Fest: 1. Januar

 

Der große Kirchenvater der kleinen Seestadt Ruspe in Nordafrika mag uns über Land und Meer die Hand zum Geleit ins neue Gnadenjahr des Herrn reichen. In zweifacher Hinsicht war sein Name Fulgentius, „der Leuchtende“, von prophetischer Bedeutung. Vor der hörenden Kirche nämlich steht der strenge Mönch und fromme Bischof als Leuchte vorbildlicher Christentugend; die lehrende Kirche aber feiert den berühmten Kirchenvater und großen Gottesgelehrten – vielleicht den größten seiner Zeit – als Leuchte der heiligen Wissenschaft, als den Augustinus seines Jahrhunderts.

 

Fulgentius war Sprössling einer vornehmen Familie. Im Jahr 468 erschloss sich die Edelknospe im damals so blühenden Gottesgarten der nordafrikanischen Kirchenprovinz. Das Gnadenkind empfing aus der Hand der Vorsehung zwei für das spätere Leben besonders entscheidende Wiegengeschenke: eine fromme, verständige Mutter, Mariana mit Namen, die ihm durch die Kindheitstage und Jugendjahre den sicheren Weg wies; sodann eine ungewöhnlich reiche Geistesanlage, die sich unter dem befruchtenden Tau sorgfältiger Ausbildung zu rascher Blüte und reifer Frucht entfaltete.

 

Der edle Charakter und das tiefgründige Wissen eröffneten dem heranreifenden jungen Mann eine glänzende Laufbahn in der Welt. Noch in jungen Jahren wurde er der oberste Verwaltungsbeamte (Präfekt) seiner Vaterstadt Telepte. Doch ihn zog es zum Dienst Gottes in die Einsamkeit der Klosterzelle. Des heiligen Augustin wundervolle Erklärung des 36. Psalms hatte den Entschluss zur Reise gebracht. Er vertauschte die Amtsbinde mit dem Bußgürtel, den Glanz der Welt mit entsagender Aszese.

 

Gottes Gnade und menschliches Tugendstreben trugen nun den jungen Mönch wie mit mächtigen Schwingen rasch aufwärts zum Höhenpfad christlicher Vollkommenheit. Die Selbstheiligung erreichte jene selige Höhe, auf der die strengsten Bußübungen und herbsten Entsagungen nicht mehr sowohl als Opfer leiblicher Abtötung, sondern als Bedürfnis seelischen Genießens empfunden zu werden pflegen. Aber noch ein zweiter Gottesquell erschloss sich dem Heiligen in der Stille des Klosters, der tiefe Born der heiligen Wissenschaft. Seine Wasser strömten ihm aus den Werken der heiligen Väter zu, insbesondere aber aus dem „Buch der Bücher“, in die er sich von Tag zu Tag mehr vertiefte. Als den „treuesten Sachwalter und Ausspender des ganzen Neuen Testamentes“ feiert ihn darum gleich die erste Zeile seiner Lebensbeschreibung, wohl aus der Feder seines gleichnamigen Schülers Fulgentius Ferrandus.

 

Die schönste Doppelfrucht des stillen Klosterfriedens sollte sich freilich für den ahnungslosen Mönch und (seit etwa 500) Klosterabt zur starken Waffenrüstung wandeln für den „guten Kampf“, den er außerhalb der Klosterumfriedung gegen schwere Bedrückungen der Kirche und gefährliche Irrlehren zu führen hatte. Die Not der Zeit rief nämlich den Mann der Vorsehung in stürmischen Tagen um das Jahr 510 auf den lang verwaisten Bischofsstuhl von Ruspe. Das „nolo episcopari“ („ich will nicht Bischof werden“), das seine Vorliebe für das beschauliche Leben anfänglich so entschieden gesprochen hatte, musste dem Opfer des Gehorsams weichen, das er bringen musste. Schon in die Abgeschiedenheit seines Mönchslebens hatte einmal die gewaltige und gewalttätige Irrlehre des Arianismus, der die Leugnung der Gottheit Christi auf seine gottlose Fahne geschrieben hatte und gerade im vandalischen Nordafrika noch seine starken Ausläufer hatte, eine wilde Sturzwelle hineingeworfen. Auf offener Straße wurde Fulgentius und sein Abt Felix von fanatischen Häretikern überfallen und misshandelt, so dass sie blutüberströmt ins Kloster zurückkamen. Doch noch schwerere Kämpfe und Leiden harrten des Bekennerbischofs. Ihr „gutes, gerütteltes, geschütteltes und gehäuftes Maß“ (Lk 6,38) erreichten dieselben namentlich in jenen acht Jahren (515-523), in welchen er als Opfer seiner Rechtgläubigkeit und Glaubensstandhaftigkeit mit mehr als 60 anderen katholischen Bischöfen seiner Kirchenprovinz vom grausamen Vandalenkönig Thrasamund auf die Insel Sardinien verbannt war. Mit der Thronbesteigung des milderen Königs Childerich im Jahr 523 kehrte allerdings der Kirche der äußere Friede wieder. Doch der unerschrockene Vorkämpfer der katholischen Wahrheit setzte den einmal übernommenen Glaubenskampf wider den Arianismus und andere Irrlehren mit dem „Schwert des Wortes“ wie mit der Feder in der Hand bis zu seinem Lebensende (1. Januar 533) fort. Seine Schriften füllen heute noch einen stattlichen Band im reichen Schatz des altkirchlichen Väterschrifttums und sind Gemeingut der ganzen Christenheit geworden. Gerade in ihnen leuchtet der Name Fulgentius am hellsten mit ungebrochenem Strahl durch die Jahrhunderte herab in jedes neue Jahr hinein, das aus dem Zeitstrom auftaucht. Mit Recht ruft sein begeisterter Lobredner und Schüler am Schluss seiner Lebensbeschreibung aus: „Wer würde nicht voll Bewunderung zum gnadenvollen Lebensbild des seligen Fulgentius aufblicken?“

 

Das Mönchsleben wird von den Feinden der katholischen Religion so gern als „Weltflucht“ und „Lebensverneinung“ verdächtigt. Im Licht unseres obigen Lebensbildes verblassen solche nichtsagende Schlagworte. Der Jünger der christlichen Vollkommenheit flieht allerdings das Böse und die Gefahren dieser Welt, aber nur, um desto mehr dem Guten in der Welt nachzugehen. In seinem Vollkommenheitsstreben liegt die denkbar höchste Lebensbejahung, die selbst ins Kleinste, ins Widrigste in der Welt höheren Sinn und Ewigkeitswerte legt und das Erdenleben aus dem Vergänglichen ins Unvergängliche, aus dem natürlichen Bereich in die Sphäre des Übernatürlichen, Himmlischen und Göttlichen emporhebt.

 

Der selige Diener Gottes Valentin Paquay, Franziskaner-Ordenspriester,

+ 1.1.1905 – Fest: 1. Januar

 

Unsere heilige katholische Kirche wäre nicht die wahre Kirche Jesu, sie wäre nicht heilig, wenn sie nicht fort und fort ungezählte Heilige zum Himmel sendete. Unauffällig wie ihr frommes Erdenleben ist auch der Hingang der seligen Gotteskinder; weder Mitwelt noch Kirche schmückt sie mit dem Heiligen-Namen. Tritt die Heiligkeit aber augenfällig in die Erscheinung, so ist es zuerst das gläubige Volk, das seine Lieblinge gebührend ehrt, bis vielleicht später einmal, nach langer, reiflicher Prüfung, die Kirche mit gottgegebener Vollmacht die Stimme des Volkes bestätigt. Am 1. Januar 1905 verschied zu Hasselt, in der Provinz Limburg in Belgien, ein Mann, der in der Stadt und Umgebung nur unter dem Namen „der heilige Pater“ bekannt war, Pater Valentin Paquay (spr. Pakäh), also ein Heiliger unserer Tage.

 

Geboren zu Tongern am 17. November 1838, verdiente Ludwig Paquay sich schon als Student das ehrende Zeugnis seiner Studiengenossen, dass er für alle ein hellleuchtendes Vorbild großer Frömmigkeit, Demut und brüderlicher Liebe, ein vollkommenes Muster des Gehorsams gegen seine Lehrer gewesen sei. Schon im Seminar von St. Trond habe man ihn als einen Heiligen betrachtet. In der Haltung eines Engels sei er wie ein zweiter Johannes Berchmans in der Betrachtung des heiligsten Geheimnisses auf dem Altar ganz aufgegangen, ohne etwas zu sehen und zu hören von dem, was um ihn vorging. Als der tugendhafte junge Mann am 24. September 1849 bebenden Herzens an der Klosterpforte zu Thielt anklopfte, da führte ihn kein anderer Beweggrund, als das sehnlichste Verlangen, in der Familie des heiligen Vaters Franziskus leichter und rascher zur Vollkommenheit emporsteigen zu können. Mit Vorliebe wiederholte er später bei Exerzitien für Ordensleute die Worte: „Wer zu einem anderen Zweck Ordensmann wird, als um ein Heiliger zu werden, der ist wahrhaftig ein Narr in des Wortes vollster Bedeutung. „Um heilig zu werden, bin ich in den Orden getreten, sagte Johannes Berchmans. Und er sagte es ganz laut, damit jedermann es hören konnte. Wohl denn, sagen auch wir es ganz laut und alle mögen es hören. Bei unserem Eintritt ins Kloster haben wir gelobt, Heilige zu werden. Und eines Tages werden unsere Mitbrüder und die Welt erfahren, ob wir Männer von Wort gewesen sind. Arbeiten wir tüchtig, wappnen wir uns mit unbesiegbarem Mut und unerschütterlichem Gottvertrauen, dann werden wir sicher zum Ziel gelangen.“

 

Der so sprach, handelte auch so, und nur so gelangte er selber ans erstrebte Ziel. Denn auch unser Gottseliger hatte Widerstände und Schwierigkeiten zu überwinden, wie jeder Kämpfer um das Höchste. Sein Charakter hatte etwas von Heftigkeit an sich, weshalb während seiner jungen Jahre selbst die Sorge für seine Vervollkommnung einen Anflug von Überstürzung hatte. Aber nach vielen Mühen trug er den Sieg über seine Heftigkeit davon und alle seine Handlungen vollzogen sich in den von der Klugheit gezogenen Grenzen. Wie hütete Frater Valentin so sorgsam den kostbaren Schatz der Herzensreinheit! „Gott sei Dank“, sagte er einmal betreffs der schon im dreizehnten Lebensjahr Gott gelobten Keuschheit, „ich habe festgehalten, aber wie schwer war es, immer die Wachsamkeit über die Augen zu beobachten!“

 

Die Sünde hasste der Diener Gottes über alles, gleichviel ob es sich um schwere oder lässliche Sünde handelte. Da machte er für sich keinen Unterschied. Er musste denn auch einmal, im November 1897, auf Befragen eingestehen, dass er durch den besonderen Schutz Gottes niemals eine Todsünde begangen habe. „Dieser heiligmäßige Ordensmann“, schreibt einer seiner Mitbrüder, „der für andere so liebevoll besorgt war, war auch unnachsichtig streng gegen sich selbst und behandelte seinen Körper mit der Härte eines unerbittlichen Henkers.“

 

Heiligkeit wächst nur auf dem Grund der Demut. Diese schwere Tugend übte der Jünger des demütigen Heiligen von Assisi mit solcher Beflissenheit, dass er öfters absichtlich sich ganz töricht benahm, um bei anderen die hohe Meinung herabzusetzen, die man von ihm überall bekundete. Von zarter Kindheit an waren seine Träume auf die Priesterwürde als sein höchstes Erdenglück gerichtet. Und doch war sein Entschluss schon gefasst, nach dem Beispiel seines seraphischen Vaters Diakon zu bleiben. Am Vorabend seiner Ordination musste man wirklich Frater Valentin, der sich versteckt hatte, lange suchen, und nur kraft des Gehorsams fügte er sich darein, mit seinen Mitbrüdern nach Lüttich zu gehen, wo er am 10. Juli 1854 die heilige Priesterweihe erhielt.

 

Schlicht und einfach war das Leben des Priesters und Ordensmannes; nichts unterschied ihn äußerlich von seinen Mitbrüdern. Innerlich aber ging er ganz in Gott auf. Eine ganz außerordentliche Liebe zu Jesus verzehrte sein Herz. Diese Liebe belebte seine Handlungen, diese Liebe teilte sich seiner Umwelt mit. „Pater Valentin predigte uns ganz wunderbare Sachen. Woher schöpfte er sie. Sicherlich nicht aus Büchern, denn während der ganzen Dauer der Exerzitien öffnete er nie ein Buch. Alle freie Zeit verbrachte er, auf den Knien liegend, vor dem Tabernakel. Dort fand man ihn stets in Gebet und Betrachtung versunken.“ So schreibt eine Ordensoberin über ihn. Die Vereinigung der Seele mit Jesus, diese „begehrenswerte Vereinigung, diese geheiligte Vereinigung, diese Vereinigung voll unendlicher Süßigkeit“, pries er in den anziehendsten Bildern und Vergleichen. Darum empfahl er auch stets die tägliche Kommunion. Als ihm ein Beichtkind auf die Frage, warum es nicht täglich kommuniziere, antwortete, dass es sich nicht für würdig halte, entgegnete er lebhaft: „Würdig? Würdig? Aber du wirst nie würdig sein. Wenn du dessen würdig wärest, so wäre die heilige Kommunion für dich nicht mehr nötig. Warte, ich werde dich würdig machen! Von jetzt an gehst du alle Tage. Man muss kommunizieren, nicht als wenn man es verdiente, sondern um weniger unwürdig zu werden. Man gewährt dem lieben Jesus mehr Genugtuung, wenn man ihn oft aus Liebe empfängt, als wenn man aus Demut dem Tisch des Herrn fern bleibt.“

 

Einer Ordensfrau, die klagte, dass es ihnen nicht erlaubt sei, alle Tage zum Tisch des Herrn zu gehen, erwiderte Pater Valentin: „Es wird der Tag kommen, wo Ihr den lieben Gott alle Tage empfangen könnt.“ So kam es. Noch war der Eiferer für oftmalige Kommunion kaum ein Jahr tot, als Papst Pius X. das berühmte Dekret über die öftere Kommunion erließ.

 

Liebe zum Heiland erzeugt Liebe zu den Seelen. Pater Valentins Seeleneifer, seine Hingabe für die Rettung der Seelen war unbegrenzt. Diese Liebe war es, die ihm das Vertrauen von Tausenden erwarb, die seinen Namen weit über die Grenzen seiner Heimat getragen hat. Seelen zu retten, galt ihm als das Schönste auf Erden. Keine Mühe war ihm dafür zu groß. Zu dem Zweck verbrachte er sein Leben zum aller größten Teil im Beichtstuhl. Nur die ihn verzehrende Glut des Seeleneifers ließ ihn die unaufhörlichen Anstrengungen ertragen, denen er sich Tag und Nacht unterzog. Wie oft begehrten ihn die Sterbenden, die Sünder, die von Bekehrung nichts wissen wollten, als letzten rettenden Pförtner des Paradieses. War es ihm süßer Trost, dem Herrn die Herzen zuzuführen, so mag gar oft seine überaus zarte, reine Seele Marterqualen erduldet haben, wenn er so viel sittliches Elend anhören und heilen musste. Nur das Bewusstsein der Pflicht hat den an Selbstverleugnung Gewöhnten vermocht, das Widerstreben der Natur zu besiegen. Im Beichtstuhl hat er gelebt, dort hat er sich geheiligt. „Mein Lieber“, sagte er einem jungen Mitbruder, „wir Priester, wir müssen und sollen uns im Beichtstuhl heiligen“.

 

Wie der auserwählte Diener Gottes im Bußgericht wirkte, darin lag ein Geheimnis. Der Geist der Weisheit und allen Trostes muss durch seinen Mund gesprochen haben. Das bekundet die allgemeine Überzeugung. „Sonderbar, die Beichtkinder gehen zu ihm; er sagt fast nichts und trotzdem kommen sie umgewandelt und bekehrt zurück.“ Eine ganz kurze Ermahnung, ein Wort genügte, um den bittersten Schmerz zu lindern, die dichteste Finsternis zu erhellen, die größten Zweifel zu lösen, den Schwachen wunderbare Kraft und Stärke zu geben. In der Seelenleitung war es auch, wo Gott dem „äußerst fähigen Mann, einem Heiligen, übernatürliche Erleuchtungen gab“, wie Bischof Doutreloux (spr. Dutrelu`) von Lüttich bezeugt. Eine ganze Reihe von Tatsachen sind aufs glaubwürdigste und sicherste bekannt geworden, wo der heilige Pater von Hasselt den Beichtkindern genau nach Zeit, Zahl und Ort ihre verborgensten Sünden vorsagte, zukünftige Dinge, ein Leid, den Tod, oft den Beruf, oft ganz den jeweiligen Neigungen und Lagen entgegen, vorauskündete, wie er ihm völlig unbekannte Leute erwartete: „Warum kamen Sie nicht früher? Schon vor vierzehn Jahren wollten Sie kommen und haben es immer wieder verschoben.“ Oder: „Ach da sind Sie ja. Ich habe ganze Nächte lang für Sie gebetet.“

 

In dem Beileidsschreiben an den Ordensprovinzial beim Tod Pater Valentins nannte der Diözesanbischof „den heiligen Ordensmann“: „Apostel des Beichtstuhls“. Das wird sein Ruhmestitel bleiben. Die Macht seiner Fürsprache bei Gott hat sich bereits als wirksam erwiesen. Der Prozess zur Seligsprechung ist zu Anfang des 20. Jahrhunderts eingeleitet worden. Am 9. November 2003 wurde Pater Valentin Paquay von Papst Johannes Paul II. seliggesprochen.

 

Ausspruch des P. Valentin: „Was ist ein Kreuz? Es ist der Wille des Menschen, der dem göttlichen in die Quere kommt. Legt beide Willen nebeneinander, so habt ihr statt eines Kreuzes zwei sich gleichlaufende Linien, zwei Eisenbahnschienen, auf denen Ihr ohne Schwierigkeit mit vollem Dampf dahinrollt.“

 

Die heilige Euphrosyna, Nonne von Alexandria OCC,

+ 1.1.407 – Fest: 1. Januar

 

Die heilige Euphrosyna, in Alexandra geboren, war die einzige Tochter eines sehr angesehenen Mannes, Paphnutius mit Namen. Von Kindheit an empfand sie schon eine große Berufung, sich Jesus Christus in klösterlicher Einsamkeit zu weihen. Sie fand aber große Hindernisse in der Ausführung ihrer frommen Absichten von Seiten ihres Vaters. D sie schließlich sah, dass es ihr unmöglich war, die Hindernisse zu überwinden, entfloh sie heimlich in einem Alter von achtzehn Jahren, wie man sagt, in Männerkleidung, um sich besser verbergen zu können. Eine solche Verkleidung ist ohne Zweifel den natürlichen und den geoffenbarten göttlichen Satzungen der Kirche zuwider, wenn sie nicht die äußerste Not, wie die Rettung eines Menschenlebens, entschuldigte. Euphrosyna kam unter dem Namen Smaragdus zu dem Abt Theodosius, der einem in der Nähe von Alexandria gelegenen Kloster vorstand, in dem dreihundertfünfzig Ordensbrüder waren. Auf seinen Rat schloss sie sich allein in eine Zelle ein, wo sie, unter der Leitung eines weisen Führers, ihre Zeit mit Handarbeiten, Werken der Abtötung, und verschiedenen Übungen der christlichen Frömmigkeit zubrachte. Ihr Vater, der oft in das Kloster kam, besuchte auch sie, ohne sie zu erkennen, und erhielt wertvolle Weisungen von ihr, die ihm als Leitsterne auf der Bahn des Heils vorleuchteten. Erst auf dem Totenbett erklärte sie ihm, sie sei seine Tochter Euphrosyna, und starb in seinen Armen. Es war im 5. Jahrhundert. Sie hatte achtunddreißig Jahre in der Einsamkeit zugebracht. Paphnutius wurde durch ihr Beispiel so gerührt, dass er sich in dasselbe Kloster zurückzog, wo er noch zehn Jahre in der Zelle seiner Tochter lebte, und im Ruf der Heiligkeit starb. Das Meneologium der Griechen ehrt das Andenken der heiligen Euphrosyna am 25. September. Ihr Name ist aber im Märtyrerbuch und in dem von Evreux am 1. Januar verzeichnet. Ihre Reliquien, die aus Ägypten nach Frankreich gebracht worden sind, werden zu Reaulieu, bei Compiegne, aufbewahrt. 

 

Der heilige Augendus / Eugendus von Condat, Abt und Bekenner,

+ 1.1.514 - Fest 1. Januar

 

Die berühmte Abtei Condat, erbaut auf dem Berg Jou, sonst Jura genannt, in der Franche-Comté, trug den Namen des heiligen Augendus bis ins 13. Jahrhundert, nahm dann den Namen des heiligen Claudius an. Nach und nach hat sich eine Stadt bei dieser Abtei gebildet. Im Jahr 1743 errichtete Benedikt XIV. dort ein Bistum und erhob die Kirche zur Kathedrale. Die Kanoniker mussten, um aufgenommen werden zu können, sechzehn Ahnen, acht väterliche und acht mütterliche, zählen.

 

Augendus wurde von seinem siebten Lebensjahr an unter der Leitung der beiden heiligen Brüdern Romanus und Lupianus, der Stifter des Klosters Condat, erzogen. Nach Minausius Tod, dessen Gehilfe er war, wurde er Abt dieses berühmten Klosters. Er führte ein sehr strenges Leben, nahm am Tag nur eine Mahlzeit nach Sonnenuntergang, die dazu noch sehr dürftig war. Im Winter und Sommer trug er dasselbe wollene Kleid, und legte den Bußgürtel nie ab. Aus den gleichen Bußeifer härtete er auch seinen Leib gegen die strengste Kälte ab, und unterzog sich mehreren anderen Abtötungen. Die Heiterkeit seines Angesichtes war der sprechendste Ausdruck seiner Seelenruhe. Seine Sanftmut war unwandelbar, und keine Unannehmlichkeiten vermochten sie zu trüben. Er hatte die große Kunst erlangt, sich innig durch immerwährendes Gebet mit Gott zu vereinigen. Seine Andacht war so zärtlich, dass sie schon durch ein frommes Wort sichtbar entflammte, und er bis zur Entzückung hingerissen wurde. Diese heilige Seelenstimmung wurde sogar noch in seiner letzten Krankheit erhöht. Da schließlich der Augenblick sein Opfer zu vollenden angekommen war, ließ er einen Priester mit dem heiligen Öl rufen, empfing, nach dem Brauch jener Zeit, die heilige Salbung auf die Brust, und starb fünf Tage danach, in einem Alter von sechzig Jahren, um das Jahr 514.

 

Der heilige Augendus war nicht Priester, obgleich man ihn öfters dringend aufforderte, die heilige Weihe zu empfangen. Er war in der griechischen und lateinischen Sprache sehr bewandert, und besaß große Kenntnis der heiligen Schriften. Mit aller Sorgfalt strebte er danach, in seinem Kloster die auf die Religion sich beziehenden Studien zu begründen und zu erhöhen. In einer handschriftlichen Geschichte der ersten Äbte von Condat wird erzählt, man habe den Leichnam des Heiligen aus der Erde erhoben, um ihn auszuschmücken, und an einen anderen Ort zu übersetzen, was mit großer Feierlichkeit geschehen sei, bei der der Verfasser selbst zugegen gewesen, und einen Bericht darüber abgefasst habe. Diese Schrift ist aber nicht erhalten geblieben. Durch den Gürtel des heiligen Augendus, der aus einem Stück weißen Leder verfertigt, zwei Finger breit ist, sind mehrere wunderbare Heilungen geschehen. Im Jahr 1601 wurde Petronilla Birod, eine der Irrlehre Calvins ergebene Frau, weil sie nicht entbunden werden konnte, von einem nahen und gewissen Tod bedroht. Kaum aber hatte man sie mit der Reliquie des Heiligen berührt, als ihr sogleich geholfen wurde. Tief erschüttert durch dieses Wunder bekehrte sie sich mit ihrer ganzen Familie zum katholischen Glauben. 

 

Der heilige Clarus, Abt zu Vienne, Dauphine,

+ 1.1.660 – Fest: 1. Januar

 

Der heilige Clarus, geboren zu Vienne, war noch ein Kind, als er seinen Vater verlor. Seine Mutter, eine wegen ihrer Frömmigkeit sehr geschätzte Frau, bildete ihn früh zur christlichen Tugend heran; führte ihn oft mit sich in die Kirche und in die Klöster, übergab ihn schließlich ganz den Religiosen des Klosters St. Ferreol, und zog sich selbst in jenes von Ste. Blandine zurück. Der junge Clarus gelangte in der Folge zu einem solchen Ruf der Heiligkeit, dass er durch den Bischof von Vienne zum Abt von St. Marcel erhoben wurde, und man ihm auch die Leitung der Klosterfrauen von Ste. Blandine anvertraute.

 

 

Damals war im Bistum Vienne, dem der heilige Cadoldus als Oberhirte vorstand, eine große Anzahl von Klöstern. Man zählte vierhundert Ordensmänner in jenen von Grigni, wovon das vornehmste den Namen des heiligen Ferrutius trug. In dercAbtei zum heiligen Petrus in Vienne waren fünfhundert, dreihundertdreißig sowohl im Kloster zum heiligen Martinus, als in jenem zum heiligen Marcellus, zum heiligen Gervasius, zum heiligen Johannes und heiligen Vincenz. Die drei Klöster zum heiligen Andreas hatten jedes hundert Klosterfrauen. In jenem zum heiligen Nicetius waren fünfzig und in dem zur heiligen Columba dreißig. Die Abtei zur heiligen Blandina war von fünfundzwanzig Witwen bewohnt. Der heilige Clarus wurde das vollkommenste Muster eines heiligen Vorstehers. Auch war ihm die Gabe der Wunder erteilt, und der Verfasser seiner Lebensbeschreibung führt mehrere an. In der Krankheit, die ihn dem Grab überlieferte, sagte er seinen Schülern die Verwüstungen der Vandalen und Sarazenen voraus, die nach beiläufig zweiundsiebzig Jahren über das Land kamen. Man liest in seinen Akten, dass drei Tage vor seinem Tod die heilige Blandina ihm erschien, und den Augenblick, wo er von dieser Welt scheiden sollte, zu erkennen gegeben habe. Er ließ sich in die Kirche tragen, legte sich da auf ein härenes Bußkleid, und betete. Nach seinem gegen das Jahr 660 erfolgten Tod, wurde er in die Kirche der heiligen Blandina begraben. Später brachte man seine heiligen Überreste in die Kirche zum heiligen Petrus. Allerdings wurden im sechszehnten Jahrhundert seine heiligen Gebeine durch die Hugenotten zerstreut.

 

Gebet am 1. Januar

 

Lehre mich, o Herr, die schmerzhafte Beschneidung Deines eingeborenen Sohnes nützlich betrachten, der auch diese Demütigung für mich erlitt. Verleihe mir seiner großen Demut wegen, dass ich von nun an Dir allein lebe und jeden noch übrigen Augenblick meines Lebens zu Deinem Dienst anwende. Amen. 

 

Zu Jesus Christus am Beginn des neuen Jahres

 

O Jesus, Du Sohn der heiligsten Jungfrau Maria. Du heiligstes Ziel und Ende aller meiner Lebensjahre und der ganzen Ewigkeit: gib Dich mir zum neuen Jahres-Geschenk und mich Dir, auf dass nicht nur dieses Jahr, sondern alle Jahre, Monate, Wochen, Tage, Stunden, Minuten und Augenblicke meines Lebens und meines Todes zum Dienst Deines heiligsten Namens gewidmet seien. Dein sollen sie alle sein, und alle, vereinigt mit Deinen unendlichen Verdiensten, in das unendliche Meer der heiligen Ewigkeit hinfließen, damit ich die Jahre meiner Lebenszeit mit einem glückseligen Tod beschließe, und hierauf die niemals endenden, ewigen Jahre dieser Herrlichkeit beginnen möge, zu der Du mich erschaffen hast, und um deren willen, dass ich sie erlange, Du - mein Jesus - mein Heiland geworden bist. 

Ich glaube an Dich, ich hoffe auf Dich, ich liebe Dich über alles, und bete Dich an, mein bester und liebenswürdigster Gott. Und darum bereue ich, und wünsche, es noch mehr und über alles zu bereuen, dass ich Dich so undankbar beleidigt habe. Mein Gott und mein Alles, zur Danksagung und Genugtuung opfere ich Dir auf alle Handlungen und alle Augenblicke dieses Tages und meines ganzen Lebens. "O Jesus, sei mein Jesus, und rette mich!" (hl. Augustin)

 

Andenken an die seligste Jungfrau

 

Im Jahr 1492 eroberte an diesem Tag Ferdinand, König in Spanien, die für unüberwindlich gehaltene Stadt Granada auf ein Gelübde, die erste Kirche allda zu Ehren der Unbefleckten Empfängnis zu erbauen, und erhielt durch die Fürbitte der seligsten Jungfrau einen vollkommenen Sieg über die Mauren.

 

Andacht am 1. Januar:

 

Das Thema im Januar:

Von der Liebe Jesu

"Wer den Herrn nicht liebt, sei verflucht!" (1. Korinther 16,22)

 

 "Was suchst du, das du nicht in Christus fändest? - Bist du krank? Er ist der Arzt - Bist du in der Verbannung? Er ist dein Haupt. - Schmachtest du in Trübsalen? Er ist dein König. - Wirst du angefochten? Er ist dein Verteidiger. - Weilst du in Finsternissen? Er ist dein Licht. - Bist du verwaist? Er ist dein Vater. Er ist dein Bräutigam, er ist dein Freund und dein Bruder. Alles ist Christus, was immer du verlangen kannst und sollst." (Der heilige Bernard)

Ganze Stunden brachte der heilige Franziskus von Assisi in der Betrachtung der süßen Worte zu: "Mein Gott und mein Alles!"

Können wir nicht füglich mit dem heiligen Augustinus ausrufen: "Wie unglückselig, o Gott, ist, wer Dich nicht kennt; kennte er auch alle Dinge außer Dir. - Wie glückselig dagegen ist, wer Dich kennt und liebt; kennte er auch außer Dir nichts anderes auf Erden! O gib mir, dass ich Dich erkenne und liebe!"

Ein wunderbarer Liebhaber und Nachahmer des Sohnes Gottes war der heilige Apostel Paulus, der gleich einem Seraph im sterblichen Fleisch, vor Liebe glühte. Dies bezeugt das ganze Leben, dies alle Sendschreiben dieses großen Apostels. Hier nur wenige Funken dieses heiligen Feuers, das ihn verzehrte. "Doch was mir damals ein Gewinn war, das habe ich um Christi Willen als Verlust erkannt. Ja noch mehr: ich sehe alles als Verlust an, weil die Erkenntnis Christi Jesu, meines Herrn, alles übertrifft. Seinetwegen habe ich alles aufgegeben und halte es für Gassenkot, um Christus zu gewinnen und in ihm zu sein." (Philipper 3,7-8) Und abermals: "Ich aber will mich allein des Kreuzes Jesu Christi, unseres Herrn, rühmen, durch das mir die Welt gekreuzigt ist und ich der Welt. - Ich trage die Wundmale Jesu Christi an meinem Leib." (Galater 6,14 u. 17b) "Sie sind die Merkmale meiner Liebe zu Ihm; ja sie sind das Gepräge, dass ich sein Knecht und sein Leibeigener bin!" - Und wie feurig auch flammt diese Liebe in den Worten: "Was kann uns scheiden von der Liebe Christi? Bedrängnis oder Not oder Verfolgung; Hunger oder Kälte, Gefahr oder Schwert? Denn ich bin gewiss: Weder Tod noch Leben, Weder Engel noch Mächte, weder Gegenwärtiges noch Zukünftiges, weder Gewalten der Höhe oder Tiefe noch irgendeine andere Kreatur können uns scheiden von der Liebe Gottes, die in Jesus Christus ist, unserem Herrn." (Römer 8,35 u. 37-39) Und endlich: "Denn für mich ist Christus das Leben, und Sterben Gewinn." (Philipper 1,21) Er ist mein Alles und als die höchste Glückseligkeit achte ich den Tod, da er die Pforte mir öffnet, zu Ihm, meiner ewigen Lieb, zu gelangen!

Eine heilige Klosterjungfrau sprach, ihre Gefährtinnen zur Liebe Christi anzuregen, also zu ihnen: "Erschaffen wurden wir einzig, Gott zu lieben; und wir sollten Ihn nicht lieben? Wie, nicht lieben sollten wir unseren Gott, der die ganze Ewigkeit hindurch nicht einen Augenblick nachließ, uns zu lieben? - Nicht lieben sollten wir um Seiner selbst willen einen unendlich vollkommenen Gott, der uns mit so uneigennütziger Liebe liebte? - Nicht lieben sollten wir Ihn mit der zartesten Liebe, der uns mit der Liebe eines Vaters, einer Amme, einer Mutter liebte? - Nicht lieben sollten wir Ihn mit großmütiger Liebe, der uns so sehr liebte, dass er der größten Schmach, den unaussprechlichsten Schmerzen, ja dem Tod sich hingab? - Nicht lieben sollten wir aus der ganzen Kraft der Liebe, deren wir mit der Gnade fähig sind, einen Gott und Erlöser, der uns mit so wunderbarem Übermaß liebte?"

 

O liebreicher Erlöser, zerknirscht ist mein Herz, das Du so oft, ja täglich und allenthalben so schwer beleidigt wurdest, und es noch immerfort wirst! Nach Dir, und einzig nach Dir seufzt mein Verlangen. O gib uns Deine Liebe! Verleihe uns, dass wir auf eine Weise Dich lieben, die Deinem liebreichen Herzen auf die wohlgefälligste Weise entspricht! Amen.

 

Ein Gedanke heiliger Dominikaner am 1. Januar

 

"O, Mensch, warum jagst du nach einer Menge vergänglicher Güter?

Liebe die unendliche Güte, die alle anderen Güter in sich begreift."

 

hl. Thomas von Aquin OP

1225 bis 7.3.1274

 

Betrachtung am 1. Januar - Von der Beschneidung des Herrn

 

Dein Name, Herr, glänzt an des Jahres Spitze.

Dein Erstlingsblut gabst heut du für uns dar.

O lehre unsre Herzen uns beschneiden,

Und gib uns, dass durch Freuden und durch Leiden

Wir unbefleckt durchwallen dieses Jahr.

 

1. Preis und Anbetung dir, o Jesus, Sohn des lebendigen Gottes, der du, die unendliche Schuld der menschlichen Natur zu tilgen, bereit warst, das Gewand der Sünder anzuziehen, und dem schmerzlichen Gesetz der Beschneidung dich zu unterwerfen. Kaum ist dein heiligstes Blut in deinen zarten Adern gebildet, so hast du bereits unter Schmerzen seine Erstlinge als ein Unterpfand vergossen, dass du es einst bis auf den letzten Tropfen für unsere Erlösung vergießen wirst. Darum empfängst du auch bei dieser heiligen Beschneidung den Namen Jesus, den Namen eines Heilandes, eines Erlösers, den sich nicht Menschen erdachten, sondern den Gottes Engel aus den himmlischen Höhen gebracht hatten, noch bevor du in der menschlichen Natur empfangen warst.

 

2. Dies ist das große Geheimnis der göttlichen Milde, das von Anbeginn der Welt verborgen war, nun aber den Heiligen geoffenbart wurde (Epheser 1): dass der Allerhöchste sich selbst erniedrigte, unser Bruder im Fleisch zu werden, um in seiner, mit der göttlichen Natur persönlich vereinten Menschheit unendliche Verdienste zu erwerben, die unendliche Schuld der Menschheit zu tilgen. Darum, o Jesus, beten wir dich an und preisen deinen glorwürdigen Namen, vor dem die bösen Geister zittern, die Himmel jubeln, durch den die Erde neues Leben empfängt und vor dem alle Knie sich beugen, weil dies der einzige Name ist, durch den wir das ewige Heil erlangen können.

 

3. Nur Vorbilder der Erlösung waren alle Zeremonien des alten Bundes, die der Gottmensch Jesus durch die Wahrheit erfüllte. Auch die Beschneidung im Fleisch war ein Vorbild der geistigen Beschneidung. Jesus, unser Erlöser und allerhöchster Gesetzgeber, wandelte zwar die erste, die die Vergebung der Sünde vorbedeutete, in die Taufe um, in der die Sünde erlassen wird; verpflichtete uns aber dafür zur zweiten, nämlich zur christlichen Selbstverleugnung. Beschneiden wir also alle sündhaften Gedanken, Begierden und Werke ernsthaft in unserem Herzen, denn nirgends sonst werden wir zur Anzahl seiner Auserwählten gehören. Römer 2,29: "Dies ist die Beschneidung des Herzens, die im Geist, nicht im Buchstaben geschieht, und deren Lob nicht von den Menschen, sondern von Gott ist."

 

2. Januar

 

Der heilige Adalhard (Adelhard), Abt zu Corbie bei Amiens,

+ 2.1.826 – Fest: 2. Januar

 

Als Karl der Große nach harten und langwierigen Kämpfen die Macht der heidnischen Sachsen gebrochen hatte, war es seine Hauptsorge, durch Errichtung von Bistümern dem eingeführten Christentum dauernden Bestand zu geben, und ein Kloster als Pflanzstätte für tüchtige Missionare zu gründen. Während er zu Herstelle an der Weser im Jahr 797 sein Winterquartier hielt, teilte er den versammelten Bischöfen und Grafen seinen Plan mit, auf seiner königlichen Villa Huxori, dem heutigen Höxter, eine Abtei zu Ehren des heiligen Erzmärtyrers Stephan zu erbauen, um Gott für seine Siege in dieser Gegend zu danken. Die unermesslichen Reichsgeschäfte und der Wankelmut der Sachsen ließen vor der Hand den Plan nicht zur Ausführung kommen, indes bereitete der umsichtige Kaiser das edle Werk vor, indem er viele vornehme Sachsen in die fränkischen Klöster, insbesondere nach dem Kloster Corbie in der Picardie, verpflanzte, um sie nach tüchtiger Vorbildung als Missionare im eigenen Vaterland zu verwenden.

 

Damals stand dem Kloster Corbie der berühmte Abt Adelhard vor, ein Enkel Karl Martells, mit Karl dem Großen nicht nur leiblich, sondern auch geistesverwandt, ein Mann voll Frömmigkeit und Würde, voll Weisheit und Tatkraft, von Karl hochgeehrt und in den wichtigsten Reichsangelegenheiten zu Rate gezogen. Schon mit zwanzig Jahren hatte Adelhard die Welt verlassen, um sein Leben und seine Kräfte ganz Gott zu weihen, und seine vorzüglichen Geistes- und Herzenseigenschaften erhoben ihn zum Abt von Corbie. Auf den Wunsch des Kaisers verwaltete er eine Zeitlang das lombardische Reich, kehrte aber bald in sein geliebtes Kloster zurück.

 

Adelhards glühender Seeleneifer wünschte nichts mehr, als den neubekehrten Sachsen die Wohltaten eines Klosters zu gewähren und besprach sich öfters mit den im Kloster ausgebildeten Sachsen. Mit Begeisterung gingen diese auf den Vorschlag ein und einer von ihnen, namens Theodrat, sprach: „Ich weiß auf den Gütern meines Vaters einen passenden, einsamen, mit einer Quelle versehenen Ort, und will es bewirken, dass er zu der Stiftung überlassen werde.“ Theodrat wurde in seine Heimat geschickt, stieß aber auf unerwartete Schwierigkeiten. Adelhard ging in Regierungsangelegenheiten nach Italien. So verzögerte sich das Werk. Nach Karls Tod kehrte Adelhard nach Corbie zurück, geriet aber unschuldiger Weise in den Verdacht der Verräterei, wurde seiner Abtswürde entsetzt und auf die Insel Noirmoutier verbannt.

 

Nach dem Befehl des Kaisers Ludwig fand in Corbie eine neue Abtswahl statt, und man wählte einen Zögling und innigen Verehrer Adelhards, der seinen Namen und seinen Geist trug und sein geplantes Werk auszuführen gedachte. Walo, ein Bruder des älteren Adelhard, wünschte sehnlichst, die beabsichtigte Stiftung in Sachsen ins Werk zu setzen. Deshalb reiste der Abt im Jahr 815 nach Paderborn, wo der Kaiser gerade einen Reichstag hielt, um dessen Genehmigung und Hilfe zu erbitten. Gern gab der Kaiser im Einverständnis mit dem Bischof Hathumar von Paderborn und den versammelten Großen seine Einwilligung. Sofort begann Adelhard das Werk, und die Verwandten Theodrats schenkten ihm einen Platz auf ihren Besitzungen im Sollinger Wald, Hethi genannt, wo schon einige fromme Einsiedler gewohnt hatten und wo jetzt das braunschweigische Jagdschloss Neustadt liegt. Hier baute Adelhard im Jahr 816 ein kleines Kloster und ernannte Adelbert zum Vorsteher. Er selbst kehrte nach Corbie zurück und sandte von dort mehrere ausgezeichnete Benediktinermönche in die neue Stiftung. Jetzt wurde mit großer Mühe die öde Heide urbar gemacht, eine Schule eröffnet und die christliche Lehre nach allen Seiten hin verbreitet. Viele vornehme Sachsen traten in das Kloster ein und die Zahl der Mönche nahm bedeutend zu.

 

Unterdessen hatte sich die Unschuld des alten Adelhard herausgestellt, und vom Kaiser hochgeehrt, kehrte er aus seiner Verbannung nach Corbie zurück. Hier vernahm er, dass sein Zögling seinen Lieblingsgedanken ausgeführt habe und reiste sofort nach Sachsen, um das Werk zu sehen. Da fand er seine Brüder in den ärmlichsten Verhältnissen, den Boden trotz allen Anstrengungen unfruchtbar, die Gegend rau und unwirtlich, und als ein furchtbares Unwetter mit Erdbeben im Jahr 819 das urbar gemachte Land verwüstete und die Quelle verdarb, wandte sich Adelhard mit seinem Bruder Walo an den Kaiser mit der Bitte, dass sie eine andere, fruchtbarere Gegend für das Kloster wählen dürften. Die Bitte wurde gewährt. Adelhard, Walo und mehrere andere Mönche durchspähten die Gegend und entdeckten in der Nähe der königlichen Villa Huxori (Höxter) einen Platz, der mit Alt-Corbie an der Somme viel Ähnlichkeit hatte. Diese Stelle wählten sie zur Anlage des neuen Klosters. Alle Brüder versammelten sich hier, errichteten ein Zelt zur Aufnahme der Heiligtümer, sangen Psalmen und beteten zu Gott, dass er zum Werk Glück und Segen verleihen wolle. Der Bischof Badurad von Paderborn weihte den Platz ein, pflanzte das Kreuz in den Boden und an dieser Stelle wurde der Grund zum Altar gelegt. Der Ort wurde, wie das Mutterkloster, Corbie genannt, woraus in plattdeutscher Mundart Corvey wurde, und den Erzmärtyrer Stephanus wählte man zum Patron (822). Später wurden die Reliquien des heiligen Vitus feierlich dorthin übertragen und sein Fest mit großem Glanz gefeiert.

 

Im Herbst desselben Jahres (822) verließen die Mönche ihre erste Ansiedlung im Solling und zogen mit ihrem geliebten Haupt, dem ehrwürdigen Greis Adelhard, in das neue Corvey. In feierlicher Prozession, Loblieder singend, wallten sie durch den finsteren Eichenwald dem schönen Wesertal zu, wo sich das Volk der Sachsen zum Empfang seiner Lehrer und Wohltäter versammelt hatte. Welche Gefühle mögen beim ersten heiligen Messopfer die Herzen der Mönche und Zuschauer erfüllt haben!

 

Das neue Kloster erhob sich bald unter der Leitung Adelhards, der sich die Disziplin und die Einrichtungen des Mutterklosters zum Vorbild nahm. Um die neue Stiftung zur schönsten Blüte zu entwickeln, sandte er seinen Bruder Walo, den jüngeren Adelhard und Varin an den Kaiser mit dem Ansuchen, er möge dem neuen Kloster in Sachsen die Rechte und Freiheiten der fränkischen Klöster verleihen. Der Kaiser, der sich gerade in Ingelheim aufhielt, erteilte im Jahr 823 das gewünschte Diplom, stattete das Kloster in königlicher Freigebigkeit mit umfassenden Privilegien aus, und vermehrte diese noch im folgenden Jahr. Schnell verbreitete sich der Ruhm der neuen Stiftung, von allen Seiten eilten die Sachsen herbei, um die ausgezeichneten Lehrer zu hören, ihrem Tugendbeispiel zu folgen und sie mit Geschenken zu überhäufen. Corvey wurde eine Pflanzschule der religiösen und sittlichen Bildung, der Kunst und Wissenschaft und des Segens für die weitesten Kreise.

 

Als Adelhard am 2. Januar 827 im 74. Lebensjahr starb, konnte er mit Genugtuung auf sein Werk blicken, dem Deutschland zum größten Dank verpflichtet ist.

 

Der heilige Basilius der Große,

Erzbischof von Cäsarea, Ordensstifter, Kirchenlehrer,

+ 1.1.379 – Fest: 2. Januar

 

Der große Kirchenlehrer wurde 330 zu Cäsarea in Kappadokien geboren. Die wohlhabenden Eltern ermöglichten ihrem Sohn eine grundlegende Ausbildung in den damals berühmten Schulen in Konstantinopel und Athen, wo der den heiligen Gregor von Nazianz kennenlernte. Im Jahr 356 kehrte er nach Cäsarea zurück und lehrte dort Rhetorik. Während dieser Zeit beschäftigte er sich intensiv mit dem morgenländischen Mönchswesen und zog sich dann selbst in ein Tal zurück. Hier sammelte er Gleichgesinnte um sich, die mit ihm zusammen nach seiner Regel lebten.

 

Für Basilius dauerte die Zurückgezogenheit nur wenige Jahre. 360 begleitete er seinen Bischof nach Konstantinopel, 364 wurde er Priester und 370 Erzbischof von Cäsarea.

 

In dieser Eigenschaft bemühte er sich, den Armen und Kranken seines Bistums zu helfen. Er gründete Hospitäler, Heime und errichtete ein großes soziales Zentrum.

 

Jedoch noch mehr als die sozialen Probleme interessierten ihn die theologischen Auseinandersetzungen seiner Zeit. Unerschrocken kämpfte er für den Frieden und die Einheit der Kirche.

 

Er trat dem Kaiser Valens ebenso mutig entgegen wie den Arianern. Die Gefahr erkennend, suchte er mit allen Mitteln das antiochenische Schisma zu beseitigen und die morgen- und abendländische Kirche zu verbinden.

 

Basilius starb, noch nicht fünfzigjährig, am 1. Januar 379 in Cäsarea.

 

„Nach dem Tod des Bischofs von Cäsarea, der um die Mitte des Jahres 370 erfolgte, wurde Basilius, wie schon erwähnt, zu dessen Nachfolger gewählt. Diese neue Würde zeigte die Tugenden des heiligen Basilius in einem helleren Glanz als jemals; und er schien jetzt ebenso sehr sich selbst zu übertreffen, als er vorher die andern übertroffen hatte. Kein Bischof ging weiter als er in der Liebe zu den Armen, als deren Beschützer und Vater er sich betrachtete. Er gab aber nicht nur reichhaltige Almosen, auch stiftete er zu Cäsarea ein großes Spital, das von heiligen Gregor von Nazianz eine neue Stadt und wegen seines Gründers Basiliade genannt wurde, und lange Zeit nach dem Tod des heiligen Bischofs noch berühmt blieb.

 

Mit besonderer Teilnahme blickte er auf den bedauernswürdigen Zustand jener hin, welche durch Laster, durch Spaltung und Ketzerei, von dem Weg des Heils abgekommen waren, und flehte durch glühende Gebete und beständige Tränen um ihre Bekehrung zu dem Gott der Erbarmungen. Weder Mühe noch Gefahr konnten seinen Eifer aufhalten, wenn es darum zu tun war, die Verirrten zu Gott zurückzuführen. Nichts beweist besser die Kraft und Tätigkeit dieses Eifers, als der Sieg, welchen der Heilige über den Kaiser Valens davontrug.

 

Da dieser Kaiser sah, dass Basilius gleich einer unüberwindlichen Feste dastand, gegen welche alle Anfälle der Irrlehre nichts vermochten, entschloss er sich, Strenge gegen ihn zu gebrauchen; denn durch dieses Mittel hatte er schon mehrere rechtgläubige Bischöfe in Schrecken versetzt. Nachdem er mehrere Provinzen durchreist hatte, wo er jene, die der arianischen Irrlehre nicht huldigen wollten, seinen ganzen Zorn hatte fühlen lassen, kam er auch nach Kappadokien. Seine Absicht war, den Erzbischof von Cäsarea, der sich kräftiger als alle anderen Bischöfe seinem Willen widersetzt hatte, in den Untergang zu stürzen.

 

Der Präfekt Modestus musste schon vorher versuchen, Basilius durch Drohungen oder Versprechen zur Kirchengemeinschaft mit den Arianern zu bewegen; dieser hatte auch, auf seinem Richterstuhl sitzend, umgeben von den Dienern seiner Gewalt, Basilius vor sich berufen, der mit heiterem und ruhigem Angesicht erschien. Modestus empfing ihn mit Höflichkeit und drang mit schmeichelhaften Worten in ihn, dem Wunsch des Kaisers zu willfahren; als er aber durch dieses Mittel seinen Zweck nicht erreichte, nahm er eine drohende Miene an, und sagte in einem zornigen Ton: „Bedenkst du es auch, Basilius, dass du dich einem so großen Kaiser widersetzt, dessen Willen die ganze Welt gehorcht? Oder fürchtest du nicht die Wirkungen der Macht, mit der wir ausgerüstet sind?“

 

Basilius: „Worauf kann sich denn diese Macht erstrecken?“

Modestus: „Auf Einziehung der Güter, Verbannung, Folter und Tod.“

Basilius: „So drohe mir mit etwas anderem; denn nichts davon macht Eindruck auf mich.“

Modestus: „Was sagst du?“

 

Basilius: „Wer nichts besitzt, braucht die Einziehung der Güter nicht zu fürchten. Ich habe nichts als einige Bücher, und die Lumpen, die ich trage; ich glaube nicht, dass du mir diese wirst nehmen wollen. Zur Verbannung mag es dir nicht leicht sein, mich zu verdammen; denn ich sehe den Himmel und nicht das Land, welches ich bewohne, für meine Vatererde an; die Folter fürchte ich nicht sehr; mein Körper ist so abgezehrt und schwach, dass er sie nicht lange wird ertragen können; der erste Streich wird meinem Leben und meinem Leiden ein Ende machen. Den Tod fürchte ich noch viel weniger, da er mir als eine Wohltat erscheint, weil er mich eher mit meinem Schöpfer vereinigen wird, für den ich allein lebe.“

 

Modestus: „Mit solcher Kühnheit hat noch niemand zu Modestus gesprochen.“

 

Basilius: „Dies ist vielleicht das erste Mal, dass du mit einem Bischof zu tun hast. In den gewöhnlichen Verhältnissen sind wir Bischöfe die sanftesten und unterwürfigsten aller Menschen; bei dem gemeinsten Mann sind wir ohne Trotz, um wie viel mehr daher bei jenen, die mit einer solchen Macht bekleidet sind. Allein wenn es sich um die Religion handelt, haben wir nichts als Gott im Auge und verachten alles Übrige. Feuer, Schwert und wilde Tiere, eiserne Krallen sind dann unsere Wonne. Wende alle deine Drohungen und Folter an, nichts wird imstande sein, uns zu erschüttern.“

 

Modestus: „Ich gebe dir bis Morgen Bedenkzeit, zu wählen.“

Basilius: „Dieser Aufschub ist unnötig; ich werde morgen derselbe sein, wie heute.“

 

Der Präfekt konnte sich nicht erwehren, die Unerschrockenheit des heiligen Erzbischofs zu bewundern. Am folgenden Tag ging er zum Kaiser, der zu Cäsarea angekommen war, und berichtete ihm den ganzen Hergang der Sache. Dieser wollte nun, aufgebracht über den schlechten Erfolg der Unterredung, dass eine andere gehalten würde, welcher er mit Modestus und einem seiner Hofleute, Demosthenes genannt, beiwohnte. Dieser Versuch führte aber zu keinem glücklicheren Ergebnis, als der vorige. Der Präfekt stellte eine Dritte an, die ebenfalls wie die zwei andern zur größten Ehre des Heiligen ausfiel. Am Ende sagte Modestus zu dem Kaiser: „Wir sind besiegt, dieser Mann steht über den Drohungen.“ Valens ließ ihn daher auf einige Zeit in Ruhe; und als er an dem Fest der Erscheinung des Herrn in der großen Kirche sich einfand, ward er ebenso sehr überrascht als erbaut durch die schöne Ordnung und die Ehrfurcht, mit welcher der Gottesdienst gehalten wurde. Was ihn aber besonders ergriff, war die Frömmigkeit und die Geistessammlung, wovon der Erzbischof am Altar durchdrungen schien. Er wagte es zwar nicht, bei dem Abendmahl zu erscheinen, aus Furcht, man verweigere ihm dasselbe; seine Opfergabe brachte er jedoch dar, die wie jene der Rechtgläubigen angenommen wurde, da Basilius glaubte, dass es bei einer solchen Gelegenheit die Klugheit erfordere, die Kirchenzucht nicht in ihrer ganzen Strenge zu beobachten.“

 

Frühe Bilder zeigen Basilius im Bischofsornat der lateinischen Kirche mit Mitra und Stab. Auf späteren Darstellungen trägt er das bischöfliche Gewand der griechischen Kirche und hält eine Taube im Arm.

 

In der Ostkirche wird das Fest des heiligen Basilius am 1. Januar begangen. Da im deutschen Sprachraum an diesem Tag zugleich mit dem Hochfest der Gottesmutter Maria das Fest „Namengebung des Herrn“ gefeiert wird, wurde das Gedächtnis des Heiligen bei der Erneuerung des römischen Kalenders auf den 2. Januar verlegt.

 

Der heilige Gregor von Nazianz,

Erzbischof und Kirchenlehrer von Konstantinopel,

+ 9.5.391? – Fest: 2. Januar

 

Der Heilige wurde zwischen 328 und 330 in Arianz bei Nazianz als erster Sohn einer adeligen Familie geboren. Nonna, seine Mutter, die eine fromme Christin war, hatte großen Einfluss in der Familie; denn außer Gregor wurden auch seine Geschwister Cäsarius und Gorgonia heiliggesprochen, und sein Vater wurde zum Bischof von Nazianz gewählt.

 

Gregor studierte an den berühmtesten Schulen seiner Zeit: Cäsarea in Kappadokien und Palästina, in Alexandrien und mit dem heiligen Basilius zusammen in Athen.

 

Nach seinem Studium ließ er sich auf Wunsch der Eltern als Rhetor in Nazianz nieder. Sein Vater taufte ihn und weihte ihn, da er bereits betagt war und dringend bei seiner bischöflichen Arbeit Unterstützung brauchte, zum Priester. Gregor fühlte sich dadurch überfordert und floh zu Basilius.

 

Gestärkt kehrte er von dort nach Nazianz zurück, um seinen Vater zu unterstützen. Von seinem Freund Basilius wurde er zum Bischof von Sasima geweiht, trat aber dieses Amt nie an.

 

Nach dem Tod seines Vaters führte er dessen Arbeit weiter, ohne sein Nachfolger zu werden. 380/381 nach Konstantinopel berufen, leitete er dort die Kirche, ohne zunächst ihr Bischof zu sein. Auf dem Konzil 381 wurde Gregor offiziell zum Bischof ernannt. Dieses Amt legte er aber noch im selben Jahr nieder und zog sich nach Arianz zurück. Hier widmete er sich ausschließlich den theologischen Fragen seiner Zeit, der Philosophie und der Poesie. Er unterhielt eine umfangreiche Korrespondenz und schrieb Gedichte.

 

Er starb um 390 und trägt seit dem 5. Jahrhundert den Ehrentitel „Kirchenlehrer“.

 

„Zu Konstantinopel empfing man Gregor sehr übel. Die Einwohner dieser Stadt, die nur glänzendem Prunk huldigten, verachteten einen vom Alter gebeugten, kahlköpfigen Mann, dessen Angesicht auch von Tränen der Buße und des strengen Lebens abgezehrt war, und der ganz schlecht gekleidet, in allem die Merkmale der äußersten Armut an sich trug. Die Arianer spotteten seiner, überhäuften ihn mit Unbilden, und schwärzten sogar seinen Namen durch Verleumdungen an. Die Verfolgung wurde zuletzt allgemein; die Großen, wie das Volk, misshandelten den Mann Gottes auf die unwürdigste Weise. Allein sie bewirkten dadurch nichts anders, als dass sie ihm Gelegenheit gaben, sich den Ehrennamen eines Bekenners zu verdienen.

 

Gregor wohnte bei seinen Verwandten, die er zu Konstantinopel hatte, und in deren Haus war es auch, wo sich die Rechtgläubigen versammelten, um ihn zu hören. Einige Zeit später verwandelte er dieses Haus in eine Kirche, welcher er den Namen Anastasia oder Auferstehung gab, weil dadurch der katholische Glaube gleichsam auferstand, welcher bis dahin in dieser Stadt so sehr unterdrückt war. Ein Historiker berichtet, der Name dieser Kirche sei durch ein Wunder bestätigt worden. Eine schwangere Frau, die von einer Galerie herunterfiel und tot auf dem Platz liegen blieb, habe durch das Gebet der versammelten Gläubigen das Leben wieder erhalten.

 

Der Heilige führte ein sehr zurückgezogenes Leben; ohne Not machte er nie Besuche. Die Zeit, welche er nicht zu seinen heiligen Amtsverrichtungen verwendete, weihte er dem Gebet und der Betrachtung. Seine Nahrung war Brot und mit Salz zubereitetes Gemüse. Auf seinen Wangen sah man die Furchen der Tränen, die er beinahe unaufhörlich weinte. Tag und Nacht flehte er die göttliche Barmherzigkeit für seine Herde an. Wer ihn hörte, bewunderte seine tiefe Kenntnis, und die seltene Gabe, die er hatte, auch die abstraktesten Wahrheiten fühlbar hinzustellen und sich ebenso klar wie zierlich auszudrücken. Die Irrgläubigen und Heiden, die nach und nach menschlicher gegen ihn wurden, konnten sich der Neugierde nicht versagen, ihn zu hören, und obgleich so sehr gegen ihn eingenommen, waren sie dennoch gezwungen, sein überlegenes Verdienst anzuerkennen. Mit jedem Tag zeigte sich schöner die Frucht seiner Predigten, und die Anzahl der Rechtgläubigen nahm immer zu. Die Anhänger des Irrtums öffneten die Augen und bemühten sich, in den Schoß der Kirche zurückzukehren.

 

Die Tugenden und hohen Geistesgaben des heiligen Gregor zogen viele Zuhörer in seinen Unterricht. Der heilige Hieronymus verließ Syriens Einöden und kam nach Konstantinopel, wo er sich unter die übrigen Schüler des Heiligen reihte. Unter der Leitung dieses großen Bischofs verlegte er sich auf die Heilige Schrift und rühmte sich immer, wie wir aus seinen Werken sehen, einen solchen Lehrer gehabt zu haben.

 

Aber bei allem Trost und der großen Freude, die der Heilige hatte über den großen Segen, den der Herr über seine apostolischen Arbeiten ausgoss, wurde er in die größte Trauer versetzt durch das Ärgernis, welches der berüchtigte Maximus, der sich auf den erzbischöflichen Stuhl von Konstantinopel drängte, unter allen Gläubigen verbreitete. Der Heuchler hatte sich heimlich von ägyptischen Bischöfen zum Oberhirten der Kaiserstadt weihen lassen, und obwohl sich jedermann über die gesetzwidrige weihe empörte, obwohl sie Papst Damasus für nichtig erklärte, stand er doch als Erzbischof da und begünstigte die Arianer auf alle mögliche Weise.

 

Schon wollte der heilige Gregor die Stadt verlassen, als im Jahr 380 der Kaiser Theodosius nach Konstantinopel kam. Sogleich entfernte er den eingedrungenen Arianer Maximus vom erzbischöflichen Sitz, führte auf dringendes Bitten des Volkes den heiligen Gregor in die Sophienkirche, übergab sie ihm samt allen übrigen Gotteshäusern der Stadt, welche bisher die Arianer besessen hatten, und ernannte ihn zum Erzbischof von Konstantinopel. Im Mai des Jahres 381 berief der Kaiser die Bischöfe des Morgenlandes zu einer Kirchenversammlung nach der Hauptstadt, um den Frieden und die Eintracht in der Kirche Gottes wieder herzustellen. Der erste und wichtigste Gegenstand, mit welchem sich die versammelten Väter beschäftigten, war die Berichtigung der Angelegenheiten der Kirche zu Konstantinopel. Der heilige Gregor hatte sich immer noch geweigert, für immer das Erzbistum zu übernehmen; aber jetzt wurde er fast gezwungen auf den Patriarchenstuhl geführt. Da aber einige ägyptische Bischöfe diese Wahl anfochten und in der Versammlung eine Unruhe entstand, fasste Gregor den Entschluss, seine übrigen Lebenstage in stiller Zurückgezogenheit bei Arianz zuzubringen. Er war zwar schon sehr bejahrt und schwächlich; dessen ungeachtet konnte er noch der Kirche, und besonders jener von Nazianz, Dienste leisten. In seiner Einsamkeit hatte er einen Garten, eine Quelle und ein kleines Gebüsch, welches ihm den unschuldigen Genuss ländlicher Freuden gewährte; diese waren die einzigen, die er sich erlaubte. Da übte er alle Arten körperlicher Abtötung, fastete und wachte oft, und betete viel auf den Knien. Hören wir hierüber ihn selbst: „Ich lebe zwischen Felsen und unter wilden Tieren. Nie sehe ich Feuer, und bediene mich keiner Schuhe. Ein einfaches Oberkleid ist meine ganze Bedeckung. Stroh ist mein Lager, und zur Decke habe ich einen Sack. Mein Fußboden ist allzeit befeuchtet von meinen Tränen.“

 

In der Kunst der Ostkirche wird Gregor als Bischof mit der Taube als Symbol des Heiligen Geistes oder auch mit den Personifikationen der Weisheit und Keuschheit dargestellt. Er ist der Patron der Dichter.

 

Vor der Erneuerung des römischen Kalenders wurde sein Fest am 9. Mai gefeiert, weil man davon ausging, dies sei sein Todestag gewesen.

 

Die drei heiligen Brüder:

Argäus, Narcissus und Marcellinus, Martyrer zu Tomi im Pontus,

+ 308-324 – Fest: 2. Januar

 

Constantin der Große, der erste christliche Kaiser, hatte bereits, von den Christen über alle Maßen unterstützt, seine übrigen heidnischen Mitregenten besiegt, und nur Licinus war noch übrig, dessen Herrschaft ein Ende gemacht werden musste, wenn die christliche Religion ohne Verfolgung zur Staatsreligion heranblühen sollte. Im Jahr 323 rüstete sich Constantin zum Krieg und zog mit seinem christlichen Heer unter dem Schutz des Kreuzes dem Feind entgegen. Licinius setzte sein größtes Vertrauen auf die Hilfe der alten Gottheiten Roms, um so mehr, da ihm seine Götzenpriester einen vollkommenen Sieg vorhergesagt hatten, wenn er zuvor alle Christen, die unter seiner Herrschaft standen, ermorden lassen würde.

 

Sogleich eilten die kaiserlichen Herolde durch das Reich und verkündigten die Befehle des Regenten, dass alle Christen den Göttern opfern und im Weigerungsfall unter den grausamsten Martern hingerichtet werden sollten. Nur wenige Gläubige ließen sich dadurch aus Furcht vor einem gewaltsamen Tod zum Abfall von Jesus bewegen; die meisten blieben standhaft in ihrem Bekenntnis, und ohne Erfolg wüteten die kaiserlichen Beamten samt ihren Henkern mit Feuer und Schwert unter den unschuldigen Christen, umsonst flossen Ströme von Blut allenthalben. Je grausamer die Verfolgung wurde, desto heldenmütiger kämpften die Bekenner für ihre Religion. In diesen jammervollen Tagen wurde die Kirche Gottes mit unzähligen Martyrern bereichert.

 

Da sich die Heiden durch die Standhaftigkeit der Christen besiegt sahen und die Zeit herannahte, wo das Kriegsheer dem Feind entgegen rücken sollte, milderte man die Befehle des Kaisers und forderte von den Christen nur, dass sie gegen Constantin kämpfen sollten. Aber die christlichen Soldaten hielten dies für ein Verbrechen gegen die Religion und erklärten, dass sie lieber alle Peinen dulden, ja Blut und Leben opfern wollen, als gegen den christlichen Kaiser zu streiten, der das Zeichen der Erlösung, das heilige Kreuz, auf seiner Fahne führe. Da erneuerte sich die Wut der Heiden noch heftiger gegen die Christen, und wilden Tieren gleich überfielen sie diese und zerfleischten sie.

 

Die Legende aus uralter Zeit nennt besonders drei Brüder, Argäus, Narcissus und Marcellinus, die in der Stadt Tomis am Schwarzen Meer wohnten und in dieser Verfolgung als Opfer der heidnischen Grausamkeit fielen. Sie wurden als Christen aufgefordert, sich an das Heer des Licinius anzuschließen und gegen den christlichen Kaiser zu kämpfen. „Gegen unsere Glaubensbrüder“, antworteten sie, „und zur Erhaltung eines gottlosen, heidnischen Regenten ergreifen wir die Waffen nicht.“ Argäus und Narcissus wurden sogleich enthauptet; Marcellin aber, der jüngste Bruder, sollte durch Versprechungen und Drohungen gezwungen werden, bei dem Heer zu dienen. Als aber alles fruchtlos war und er standhaft bei seinem Entschluss beharrte, wurde er unmenschlich am ganzen Körper zerschlagen, dann in einen unterirdischen Kerker geworfen, wo er mehrere Tage ohne alle Nahrung schmachtete, und schließlich fand er den erwünschten Tod in den Fluten des Meeres.

 

Mehrere ungenannte Martyrer in Rom,

Fest: 2. Januar

 

Die Heilige Schrift war den Christen in den ersten Jahrhunderten die einzige Quelle ihres Trostes und ihrer Erbauung. Besonders aber schätzten sie das Neue Testament, als das kostbarste Vermächtnis ihres Heilandes und Seligmachers, der sie nach seiner Himmelfahrt nicht als Waisen zurücklassen wollte, sondern sorgte, dass ihnen, die er durch sein Blut erkauft und sie zu Miterben seines Reiches erklärt hatte, durch die Apostel die göttlichen Urkunden im Evangelium als der letzte Beweis seiner unendlichen Liebe in die Hände gegeben wurden. Ihnen war daher die Heilige Schrift das größte Kleinod, und in den Zeiten der fürchterlichen Verfolgung von Seite der Heiden, hinausgetrieben in die verlassensten Einöden und Wildnisse, blieb die Bibel ihre tröstliche Unterhaltung. Durch dieses Buch belehrten und erbauten sie sich, und daraus wurden sie im Glauben, Vertrauen und in der Liebe zu Gott und Christus gestärkt und befestigt. Dies wussten die heidnischen Kaiser Diokletian und Maximian. Deswegen drangen sie unter Androhungen der härtesten Todesstrafen darauf, dass die Gläubigen ihre heiligen Schriften ausliefern sollten. Sieben Jahre lang hatten sie mit Landesverweisungen, Kerkern und den ausgesuchtesten Todesstrafen gegen die Christen gewütet, und auf ihre Befehle wurden alle Kirchen verbrannt oder niedergerissen, um das Andenken an Jesus von der Erde zu tilgen. Und doch stand die Kirche Christi noch und die Gläubigen lebten ohne Furcht mitten unter ihren Todesfeinden.

 

Diokletian gab nun das Gesetz, das jedem Christen den Tod drohte, der seine Bibel nicht zum Verbrennen ausliefern würde. Aber diese neue Art der Christenverfolgung bewies, wie sehr die Gläubigen ihre heiligen Schriften, selbst mit Gefahr des Lebens, verehrten, denn die meisten wählten lieber den Martertod, als sie sich von diesem göttlichen Buch trennten, und wer feige genug war, es den Heiden auszuliefern, wurde verachtet und verabscheut, und konnte nur durch die schwerste, nicht selten lebenslängliche Kirchenbuße mit den standhaft gebliebenen Gläubigen wieder ausgesöhnt werden. Die Kirchengeschichtsschreiber nennen zu Anfang des vierten Jahrhunderts viele heilige Martyrer, die während dieser Verfolgung ihr Leben ließen. Zum Beispiel: Die heilige Irene und ihre Schwester. Aber die Namen aller derer, die Gott und die heilige Religion allen Erdengütern vorzogen, sind im Buch des Lebens aufgezeichnet, wie die Namen der römischen Martyrer, die die katholische Kirche am 2. Januar verehrt, und die im Jahr 303 unter Diokletian eines gewaltsamen Todes starben, weil sie ihre heiligen Schriften den Heiden zur Verunehrung nicht übergaben.

 

Der heilige Makarius der Jüngere,

Priester und Einsiedler-Abt in Alexandria, Ägypten,

+ 2.1.394 – Fest: 2. Januar

 

Im alten Schott fand man heute den Schluss der Achttagefeier des heiligen Erzmartyrers Stephanus. Nebenher begeht die Kirche das Gedächtnis des heiligen Makarius. Fremd klingt der Name im Ohr. Nur in Griechenland und in den angrenzenden Gegenden gibt es noch manche, die den Namen Makarius tragen, der übrigens ein sehr schöner Name ist, denn Makarius bedeutet auf Deutsch „Hans im Glück“.

 

Der heilige Makarius war wirklich ein rechter Hans im Glück, ähnlich und doch ganz verschieden von jenem Hans im Glück, der im Märchen vorkommt. Dieser vertauschte bekanntlich den Goldklumpen mit einem Pferd und das Pferd mit einem Schwein und das Schwein mit einer Gans, und schließlich hatte er nichts mehr. Das war nicht gerade klug, viel klüger war dagegen der heilige Makarius, der lebenslang auch tauschte, aber stets das Geringere gegen Besseres eintauschte.

 

Makarius, der ungefähr vor sechzehnhundertfünfzig Jahren in der Weltstadt Alexandrien am Mittelmeer geboren wurde, begann frühzeitig mit dem Tauschen. Als Zehnjähriger erhielt er einmal eine Schachtel voll süßer Feigen zum Geschenk. Was mag er mit den Feigen gemacht haben? Er aß sie nicht, sondern verkaufte sie, und für das Geld, das er dafür erhielt, kaufte er sich zwei andere Schachteln Feigen, die er wieder verkaufte, und für den neuen Erlös bekam er schon vier Schachteln Feigen, und so weiter im ständigen Einkauf und Verkauf. Das war der bescheidene Anfang des späteren großen und stadtberühmten Obst- und Feinkostgeschäftes Makarius & Co. zu Alexandrien.

 

Makarius war also ein Hans im Glück, der durch den Ein- und Umtausch von Waren mit der Zeit ein schwerreicher Mann wurde. Während er als Junge bettelarm war, besaß er mit dreißig Jahren bereits eine großmächtige Villa am Meer und nannte Kisten und Kästen voll Gold und Silber sein Eigen.

 

Makarius war wirklich ein Hans im Glück, glücklich war er aber trotzdem nicht. Wenn der Großkaufmann Makarius tagsüber mit den Händlern um den Wareneinkauf verhandelte oder die Bediensteten im Laden beaufsichtigte oder den Kunden den Hof machte, so fühlte er sich ganz in seinem Element. Anders aber erging es ihm an den betriebslosen, stillen, langen Abenden. Da saß der reiche Mann Stunde um Stunde trübselig neben dem trübseligen Öllämpchen, wie man sie damals hatte, und langweilte sich, und alles ekelte ihn an, das Geschäft, das Geld und überhaupt das ganze Leben. Wozu alle Unruhe und Unrast Tag um Tag, wenn zum Schluss nichts weiter übrigblieb als der öde Geldplunder?

 

Von dieser Art waren die Gedanken, die sich der Kaufmann Makarius mit jeder Woche mehr machte, und eines Tages war er es satt, er verschenkte alles, was er besaß, alles aus der Villa und alles aus dem Laden. Solch einen Ausverkauf hatte die Weltstadt Alexandrien noch nicht erlebt, und weil die Waren nichts kosteten, strömten die Kunden in Menge herbei. Hinter dem Rücken des Kaufmanns Makarius tippten sich die Leute auf die Stirn, aber um so lieber bedienten sie sich selbst kostenfrei in den reichen Auslagen des Großgeschäftes. Auf diese Weise wurde der reiche Kaufmann an einem einzigen Tag arm.

 

Gleich darauf verschwand Makarius aus der Stadt, und niemand wusste, wohin er gegangen war. Immer weniger redete man mit der Zeit von ihm, und schließlich war er vollständig vergessen. Erst dreißig oder vierzig Jahre später war sein Name plötzlich wieder in aller Mund, und man erzählte sich Wunderdinge von dem heiligen Einsiedler Makarius, der fern in der Wüste hauste, nur von Brot und Bohnen lebe, armselig in einer kleinen Höhle wohne, faste, bete, und büße, und wer den Wunsch hege, einmal im Leben einen wirklich glücklichen Menschen zu sehen, der solle zu Makarius gehen.

 

Auf dieses Gerücht hin gingen auch manche Leute in die Wüste und suchten den Einsiedler auf, und was sie da sahen und erlebten, war eine Bestätigung des Geredes, denn sie fanden einen rechten Hans im Glück, der ihnen in Wort und Beispiel die beseligende Wahrheit verkündete, dass das Glück nicht im Besitz der irdischen Dinge besteht, sondern im freiwilligen Verzicht auf sie um des himmlischen Lohnes willen.

 

Makarius ist ungefähr hundert Jahre alt geworden und als er starb, hatte er als kluger Lebenskaufmann so viele Verdienste erworben, dass ihm der liebe Gott dafür den Himmel eintauschte. Da war aus Makarius der ewige Hans im Glück geworden. 

 

Der heilige Konkordius von Spoleto, Subdiakon und Martyrer,

+ 2.1.178 – Fest: 2. Januar

 

 

Dieser Heilige wurde in einer Einöde unter der Regierung von Markus Antonius verhaftet und gegen das Jahr 178 vor Torquatus, dem Statthalter in Umbrien, der damals in Spoleto seinen Sitz hatte, geführt. Da Versprechungen und Drohungen nichts fruchteten, gab man ihm im ersten Verhör Stockschläge und spannte ihn im zweiten auf die Folter. Er litt mit heldenmütiger Geduld und sagte heiteren Sinnes unter den schrecklichsten Qualen: Gepriesen sei unser Herr Jesus! Drei Tage danach schickte Torquatus zwei Soldaten, um ihn im Gefängnis zu enthaupten, wenn er sich weigern würde, einem Götzenbild, das ein Priester trug, der ihn begleitete, zu opfern. Da Konkordius, um seinen Abscheu gegen ein solches Opfer zu bezeugen, das Götzenbild anspie, hieb ihm sogleich einer von den Soldaten den Kopf ab. Sein Name steht im römischen Martyrologium am 1., in einigen anderen aber am 2. Januar.

 

Gebet am 2. Januar

 

Gütigste und mildeste Mutter, ich bitte dich nicht um Reichtümer, um Ehren und andere Güter dieser Welt. Ich bitte dich nur um die Gnade Gottes, um die Liebe zu deinem Sohn, um die Erfüllung seines Willens, um den Himmel, damit ich Gott die ganze Ewigkeit hindurch lieben kann. Wäre es möglich, dass du mich nicht erhörst? Nein, nein, ich hoffe, dass du mich schon erhört hast, dass du schon für mich betest, dass du mir schon die Gnade, um die ich dich bitte, verschafft hast, dass du mich schon in deinen Schutz genommen hast. O meine Mutter, verlasse mich nicht, fahre fort, so lange für mich zu beten, bis du mich selig zu deinen Füßen im Himmel siehst, wo ich dich preisen, wo ich dir danken werde die ganze Ewigkeit hindurch. Amen.

 

Zu Gott

 

Wir bitten Dich, o Gott, lass uns aus den Versuchungen Vorteil ziehen, und bei den Schwierigkeiten dieses Lebens an die ewige Herrlichkeit denken, die du Deinen Dienern im Himmel bereitet hast, durch Jesus Christus, unseren Herrn. Amen. 

 

Andenken an die seligste Jungfrau

 

Die Kirche wollte zu dieser Zeit bis auf Mariä Lichtmess das Andenken der wundervollen Niederkunft der jungfräulichen Mutter erhalten, wie dies aus der für diese Zeit bestimmten Präfation in der Heiligen Messe und aus den in den priesterlichen Tagzeiten so oft vorkommenden Lobsprüchen hervorgeht: Dir, o Jesus, der du von einer Jungfrau geboren bist, wie auch dem Vater und Heiligen Geist sei Ehre in alle Ewigkeit. Amen. 

 

Andacht am 2. Januar:

 

Das Thema im Januar:

Von der Liebe Jesu

"Wer den Herrn nicht liebt, sei verflucht!" (1. Korinther 16,22)

 

"Die Kenntnis Jesu Christi, das heißt, die Kenntnis seiner Person, seiner Vollkommenheiten, seiner Liebe, seiner Wohltaten ist der Grund und Quell des ewigen Lebens." (Der heilige Cyrill)

Die heilige Theresia sprach: "Seit die Gnade mir zu Teil ward, Jesus Christus zu kennen und einige Züge dieser unnennbaren Schöne zu schauen, vermochte es kein erschaffener Gegenstand, in mein Herz sich zu drängen; ja, alles auf Erden ekelt mich an."

Der heilige Augustinus war ein Cherub an Wissenschaft, ein Seraph in der Liebe; und nicht ohne Grund wird er mit einem flammenden Herzen in seiner Rechten abgebildet. "Ich liebe Dich, Herr," ruft er aus, "und zwar nicht mit zweifelhaftem, sondern mit lebendigem Bewusstsein. Verwundet hast Du mein Herz durch Dein Wort, und geweiht habe ich dasselbe Deiner Liebe! Nimmer habe ich Deiner vergessen, seit Du meine Finsternisse zerstreutest und Dich mir zu erkennen gabst. Sobald die Glückseligkeit mir zu Teil ward, zu wissen, wer Du bist, prägte ich Dich meinem Gedächtnis ein, und dort finde, dort koste ich vollkommene Freude, und die süßesten Wonnen, wenn ich Deiner gedenke!"

Unauslöschlich auch war die Liebe Jesu dem Herzen des heiligen Dominikus eingeprägt; dies zeigte er in allen Handlungen seines Lebens, in seinen Bußwerken, in seinen Fasten, Nachtwachen, Gebeten, Tränen, und in jenem feurigen Eifer, der ihn antrieb, die Menschen zu seiner Kenntnis zu führen und Seine Ehre zu fördern. Dieser feurige Eifer führte ihn auch zu dem Vorsatz, in ferne Länder ungläubiger Heiden zu reisen, daselbst Ihm Anbeter und Diener zu erwecken. Seine ganz besondere Andacht zu dem heiligsten Altarsakrament war so groß, das er ganze Nächte in Gegenwart desselben zubrachte. Ward er aber vom Schlaf überfallen, so ruhte er mit dem Haupt auf den Stufen des Altars, um sich wenigstens nicht körperlich von ihm zu entfernen. Ebenso vergoss er auch während des heiligen Opfers süße Tränen, und ward, bei der Betrachtung der unendlichen Liebe des Herrn, in diesem heiligen Geheimnis nicht selten zu wunderbaren Entzückungen erhoben.

Was wirkte nicht die Kenntnis Christi in dem heiligen Apostel Paulus? Gleichsam ähnlich ward sein Herz dem Herzen Christi. - Was wirkte sie nicht in dem Herzen des heiligen Märtyrers Ignatius? So durchdrungen war er von feuriger Liebe zu Ihm, dass nach seinem Tod der Name Jesu mit goldenen Buchstaben auf seiner Brust gefunden ward. - Was in dem heiligen Hieronymus? Sein Leben wollte er bei der Krippe des Erlösers verhauchen! - Was in dem heiligen Augustinus? Ganz war sein Herz der Liebe Jesu geweiht! - Was in dem heiligen Franziskus von Assisi? Zu jeder Stunde flüchtete er sich in die heiligen Wundmale des Erlösers. - Was in dem heiligen Antonius von Padua? Ohne Unterlass bedachte er die heilige und süße Kindheit Jesu. - Was in dem heiligen Bernard? Mit welcher Salbung und Beredsamkeit sprach er von Christus! - Was in dem heiligen Carl Borromäus? Nimmer ließ er von der Betrachtung seines heiligen Leidens ab. - Was in einem heiligen Franziskus von Sales, in einem heiligen Ignatius von Loyola, in einem heiligen Philipp Neri? Bekannt und berühmt waren diese großen Heiligen wegen ihrer flammenden Liebe zu Jesus.

 

Tiefe Betrübnis ergreift mein Herz, o liebreicher Jesus, dass Du, die Liebe, so oft beleidigt und so wenig geliebt wirst. O Herr der Herzen, eigne Dir mein Herz an! Verleihe mir, dass ich Deiner immerdar gedenke, dass ich mich sehne, Dir zu gefallen, dass ich in allem Deine Ehre suche, und meine ganze Kraft verwende, Dich zu lieben und andere zu Deiner Liebe zu führen! Amen.

 

Ein Gedanke heiliger Dominikaner am 2. Januar

 

"Das Leben ist kurz und sein Weg mit Hindernissen und Widerwärtigkeiten besät.

Benutze alle Augenblicke des Lebens, so lange es verwertet werden kann.

Es kommt die Nacht, wo niemand mehr wirken kann."

 

hl. Ludwig von Granada OP

1504 bis 31.12.1588

 

Betrachtung am 2. Januar - Zum Anfang des neuen Jahres

 

Sieh, ein neues Jahr beginnt.

Auf denn, säume nicht, und eile:

Denn die edle Zeit verrinnt.

Nütze sie zu deinem Heil;

Denn die Aussaat in der Zeit

Reift zur Frucht der Ewigkeit.

 

1. Wie vom Gipfel eines hohen Berges blicke ich im Licht dieses neuen Jahres in den Abgrund der Zeiten hinab. Wie schnell verging das letzte Jahr, wie schnell meine ganze Lebenszeit, wie schnell alle Stunden, Tage und Jahre, die seit der Schöpfung verflossen sind. Alle eilten in den Ozean der Vergangenheit, wo nun Tage, Wochen, Jahrhunderte von gleicher Kürze sind. Wie viele aber nahm das verflossene Jahr auf seinen Flügeln mit sich in die Ewigkeit, die seinen Anfang noch froh erlebt hatten. Junge und Alte, Reiche und Arme, Könige und Bettler, ja wie viele meiner Freunde und Bekannten auch, die nichts weniger als eines so schnellen Endes gedachten. Kann aber, was im verflossenen Jahr ihnen widerfuhr, im laufenden Jahr nicht mir selbst widerfahren?

 

2. O Zeit, wie schnell ist deine Eile, wie unsicher deine Dauer, wie unendlich dein Wert. Du bist das Talent, das der himmlische König mir anvertraute. Von deiner Verwendung hängt das Los meiner Ewigkeit ab. Muss ich aber nicht zitternd auf das vergangene Jahr zurückblicken? Sammelte ich mir nicht Schätze des Zorns für den Tag des Gerichts? Und in der großen Anzahl meiner Werke: wie wenig Frucht für den Himmel, und wie viel Spreu zum Verbrennen.

 

3. Dank und Anbetung dir, o König der Ewigkeit, mein Schöpfer und mein allerhöchster Herr. Abermals führte deine Huld in ein neues Jahr mich ein, meinen unermesslichen Verlust zu ersetzen. Ach, wie würden so viele, die nun auf ewig von deinem Angesicht verworfen sind, diese kostbare Zeit verwenden, wenn sie für sie zurückkehrte. Und ich sollte noch länger säumen, mein ewiges Heil durch Werke des Lebens zu sichern? Ach, schon ist vielleicht das Ziel meines Lebens nahe. Ist aber dieses Jahr mein letztes: was möchte ich dann nicht alles darin getan haben. Vergeblich jedoch sind dann meine Wünsche. So will ich denn nun mit deiner Gnade, Herr, kräftig beginnen. Nun ist die Gegenwart in meiner Gewalt; "nun sind Tage des Heils; nun ist eine gute Zeit."

 

3. Januar

 

Die heilige Genoveva, Jungfrau und Nonne von Paris,

+ 3.1.512 - Fest: 3. Januar

 

Im Dorf Nanterre, zwei Stunden von Paris entfernt, wurde sie um 422 geboren. Fünfzehnjährig zog Genoveva zu ihrer Tante nach Paris, bei der sie auch, nachdem sie den Schleier der Braut Gottes empfangen hatte, wohnte. Sie führte ein ungemein strenges Leben und bemühte sich immer wieder, dem einzelnen und dem Volk helfend beizustehen. Auf ihre Fürbitte hin blieb Paris 451 vom Hunnensturm verschont.

 

Genoveva starb 502 oder 512 und wurde unter dem heutigen Pantheon in Paris begraben. 100 Jahre später wurden ihre Gebeine in die Kirche St-Etienne-du-Mont übertragen und in einem kostbaren Schrein beigesetzt.

 

„Genoveva wurde um das Jahr 422 geboren und war sieben Jahre alt, als der heilige Germanus von Auxerre und der heilige Lupus von Troyes, die sich nach Großbritannien begaben, um die Irrlehre des Pelagius zu bekämpfen, zu Nanterre ihr Nachtlager nahmen. Kaum waren die zwei Bischöfe angelangt, als sie sich von einer großen Volksmenge umringt sahen, welche ihren Segen begehrte. Unter den frommen Menschen befand sich auch Genoveva mit ihren Eltern. Allein der heilige Germanus wusste sie, durch höhere Erleuchtung, die ihm plötzlich vom Geist Gottes zuteilwurde, zu unterscheiden, hieß sie mit ihren Eltern näher kommen, und sagte diesen die künftige Heiligkeit ihrer Tochter voraus. Er fügte noch bei, dass sie den gefassten Entschluss, Gott zu dienen, ins Werk setzen und durch ihr Beispiel zur Heiligung anderer vieles beitragen würde. Da ihm Genoveva hierauf sagte, sie hege schon seit langer Zeit das Verlangen, in immerwährender Jungfrauschaft zu leben und keinen anderen Namen als den einer Braut Jesu Christi zu tragen, gab er ihr seinen Segen, um sie Gott von diesem Augenblick an zu weihen; dann führte er sie in die Kirche, begleitet von allem Volk, das sich um ihn versammelt hatte, und hielt während des Psalmengesanges und der Gebete seine Hand über ihrem Haupt ausgestreckt. Er behielt sie auch noch während der Mahlzeit bei sich und entließ sie erst, nachdem er vom Vater das Versprechen erhalten hatte, dass er sie am Morgen des folgenden Tages vor seiner Abreise noch einmal sehen könne.

 

Severus und Gerontia begaben sich mit ihrer Tochter zur bestimmten Stunde zu dem Heiligen, welcher Genoveva fragte, ob sie sich noch ihres Versprechens erinnere, das sie Gott gegeben habe: „Ja“, antwortete sie, „ich erinnere mich dessen noch und hoffe mit dem Beistand der Gnade ihm treu zu sein.“ Der Heilige, hoch erfreut über eine so schöne Antwort, ermahnte sie, in diesen Gesinnungen zu beharren. Dann gab er ihr eine kupferne Medaille, auf welcher das Bild des Kreuzes eingegraben war, und empfahl ihr, sie allzeit am Hals zu tragen, um sich stets zu erinnern, dass sie sich Gott geweiht habe. Er hieß sie auch noch, als eine Braut Jesu Christi, den Perlenhalsbändern, den Armbändern, den goldenen und silbernen Kleinodien und allem weltlichen Schmuck zu entsagen.

 

Der Hunnenkönig Attila fiel 451 mit seinen wilden Horden in Frankreich ein und marschierte mordend, brennend, alles verwüstend gen Paris. Die Bürger, vor Schrecken entmutigt und an der Möglichkeit eines Widerstandes verzweifelnd, wollten durch die Flucht sich und ihre Kostbarkeiten retten. Diesem Plan widersetzte sich Genoveva heldenmütig und prophezeite: „Flieht nicht, denn gerade jene Gegend, wohin ihr euch flüchten wollt, wird von Attila verwüstet werden. Nach Paris wird er nicht kommen, wenn ihr durch Gebet und Fasten euch des Schutzes Gottes würdig zeigt.“ Der Erfolg ihrer Bitten und Ermahnungen war, dass die Frauen ihr beistimmten und sich mit ihr zum Gebet vereinigten. Die Männer aber tobten, schimpften sie eine Verräterin, welche sie nur dem Mordbeil der Hunnen überliefern wolle, und drohten ihr mit dem Tod. Gerade rechtzeitig brachte der Archidiakon des heiligen German einige Geschenke, welche der heilige Bischof sterbend für Genoveva bestimmt hatte, nach Paris und nahm sich der verfolgten Jungfrau so kräftig an, dass die leidenschaftliche Aufregung des Volkes sich legte.

 

Als inzwischen Attila unverhofft seinen Marsch von Paris weg dorthin wendete, wohin die Bürger hatten fliehen wollen, und so die Prophezeiung Genovevas sich bewahrheitete, wurde sie als Dienerin Gottes anerkannt und als Retterin mit jubelndem Dank geehrt.“

 

Dargestellt wird Genoveva mit einer Kerze, über der ein Engel und ein Teufel schweben, in der Hand. Die Kerze, die ihr ein Teufel ausbläst, wird von einem Engel immer wieder angezündet. In der anderen Hand hält sie ein kelchartiges Gefäß und die Schlüssel von Paris. Der Kelch soll sich auf ihr Gebet hin solange gefüllt und den Durst der Bauleute von St. Denis gestillt haben, bis der Kirchenbau vollendet war.

 

Genoveva ist die Schutzpatronin der Stadt Paris, der Wachszieher, Frauen, Hirten und Weingärtner. Sie wird insbesondere zur Abwehr gegen Dürre, Krieg, Unglück und Seuchen angerufen.

 

Genoveva wird nur im Regionalkalender des französischen Sprachraums genannt. In der Diözese Straßburg wird der 3. Juli als nicht gebotener Gedenktag der vor allem früher als Namenspatronin auch bei uns sehr beliebten Heiligen begangen.

 

Der heilige Antherus, Papst und Martyrer von Rom,

+ 3.1.238 – Fest: 3. Januar

 

Antherus, dessen Vater Romulus aus Griechenland gebürtig war, zeichnete sich durch so hohe Tugenden und eine solche Gelehrsamkeit aus, dass er mit allgemeiner Übereinstimmung der Priester und des Volkes zu Rom zum Nachfolger des heiligen Papstes Pontianus gewählt wurde, der in Sardinien als Martyrer sein Leben geopfert hatte. Mit unermüdlichem Fleiß sammelte der heilige Antherus die Taten der Martyrer, und hinterließ sie der Nachwelt in einem Buch, weil es, wie er behauptete, eine Ungerechtigkeit wäre, wenn man das Andenken heldenmütiger Bekenner in der Kirche Gottes mit ihrem Tod erlöschen ließe. Noch hatte er dieses Werk nicht vollendet, als er selbst des Martertodes gewürdigt wurde im Jahr 238. Damals verfolgte der heidnische Kaiser Maximin mit unerhörter Grausamkeit die Bekenner Jesu, und auch der heilige Oberhirt Antherus wurde vor das Gericht der wütenden Statthalter Vitalinus und Sabinus geschleppt. Da er weder durch Drohungen noch Peinigungen zum Abfall vom Glauben bewogen werden konnte, wurde er hingerichtet.

 

Die Gläubigen beerdigten seinen Körper in der Stille auf dem Kirchhof des Callistus; in der Folge aber wurden seine Gebeine erhoben und in der Silvesterkirche auf dem Marsfeld beigesetzt. Sein Nachfolger in der päpstlichen Würde war der heilige Fabian, ein Mann, berühmt durch Heiligkeit und tiefe Gelehrsamkeit.

 

Der heilige Gordius, römischer Hauptmann und Martyrer von Cäsarea,

+ 4. Jhd. (304) - Fest: 3. Januar

 

Der heilige Basilius der Große hielt an einem 3. Januar eine Rede an seine Christengemeinde, in der er den Martertod des heiligen Gordius auf folgende Weise erzählte. Gordius war zu Cäsarea in Cappadocien gebürtig und hatte sich durch seine ausgezeichneten Tugenden und durch seinen Heldenmut bis zur Würde eines Hauptmanns beim kaiserlichen Kriegsheer aufgeschwungen. Galerius Maximian hatte nach dem Tod des Diokletian die Alleinherrschaft des morgenländischen Kaisertums an sich gerissen, und weil ihm von jeher die Religion Jesu verhasst war, beschloss er eine der grausamsten Verfolgungen gegen ihre Bekenner und ließ das Gesetz öffentlich bekanntmachen, dass bei Todesstrafe alle seine Untertanen Jesus verleugnen und die Götzenbilder anbeten sollten. Zugleich wurden alle christlichen Kirchen zerstört, die Altäre und heiligen Gefäße mit unheiligen Händen zerschlagen und alle standhaften Glaubensbekenner unmenschlich gemordet.

 

Mit blutendem Herzen sah Gordius diesen Gräuel der Verwüstung, und weil er den verfolgten Christen auf keine Weise ihr hartes Schicksal lindern konnte, tat er Verzicht auf seine Würde und Reichtümer, verließ die Stadt und floh in eine Wüste, wo er sich ganz dem Dienst Gottes und den Betrachtungen über göttliche Dinge weihte. Nachdem er sich durch Fasten und Gebet zum bevorstehenden Todeskampf gestärkt hatte, trat er aus seiner Einsamkeit hervor und erschien zu Cäsarea an eben dem Tag, wo auf dem Marsfeld feierliche Spiele zur Ehre der Götter gehalten wurden. Auf Befehl des Kaisers musste alles Volk dabei erscheinen und Heiden, Juden und Christen füllten den Schauplatz. Schon hatten die Spiele ihren Anfang genommen, als Gordius – ein schrecklicher Anblick! – mit verwildertem Angesicht, in zerrissenen Kleidern und einen großen Knotenstab in den Händen, mitten unter den Zuschauern auf einem erhöhten Platz erschien und laut Stillschweigen gebot. Dann trat er mutig zu dem Sitz des heidnischen Richters und sprach: „Ich bin Gordius, ein Hauptmann des Kaisers! und kehrte aus dem Ort meiner Zuflucht zurück, um Jesus öffentlich zu bekennen, und dir zu zeigen, dass ich deine Befehle verachte. Da ich hörte, dass du an Grausamkeit alle wilden Tiere weit übertriffst, so mache deinen Versuch an mir.“

 

Der Richter brannte vor Zorn und schrie wütend: „Henker, bereitet alle Arten von Marterwerkzeugen! Zündet Scheiterhaufen an und lasset die wilden Tiere los!“ Ihm entgegnete der heldenmütige Bekenner: „O wenn ich tausendmal sterben könnte zur Ehre meines Jesus, wie gerne wollte ich dies! denn Gott ist mein Schutz, und so fürchte ich die Übel nicht, die mir Menschen zufügen können.“ Mehrere Heiden, als sie den braven Hauptmann erkannten, redeten ihm zu, er möchte seinen Glauben verleugnen und den Göttern opfern. Ja selbst der Richter wendete alle seine Beredsamkeit an, ihn von seinem Vorhaben abzubringen und dem Heidentum den Sieg zu verschaffen. Aber der Heilige schrie, erfüllt vom sehnlichsten Verlangen, mit Jesus vereinigt zu werden, laut auf: „Warum zaudert ihr Unmenschen, mich zu morden! Zerstückelt meinen Körper zu kleinen Teilen und raubet mir meine selige Hoffnung nicht. Je mehr ich leide auf dieser Welt, desto größer ist mein Lohn jenseits.“ Als er schließlich die Christen zur Standhaftigkeit und die Götzendiener zur Bekehrung zum wahren Gott rührend ermahnt hatte, bezeichnete er sich mit dem heiligen Kreuz und ging mit heiterer und freudiger Miene dem Richtplatz entgegen, wo er nach vielen Martern schließlich enthauptet wurde am 3. Januar 304.

 

Die gottselige Stephana Soncina, Dominikanerin,

+ 3.1.1530 – Gedenktag: 3. Januar

 

An diesem Tag des Jahres 1530 ist selig zum ewigen Leben abgeschieden eine fromme Klosterjungfrau aus dem Orden des heiligen Dominikus Stephana Soncina.

 

Als sie Gott ihre Jungfräulichkeit verlobte, ist ihr Christus mit seiner lieben Mutter erschienen und hat sie mit einem überaus schönen Ring sich vermählt, dergleichen sie zuvor nie gesehen hat. Wie die Legende berichtet, ist sie auch von Gott vielfach begnadet und mit den heiligen fünf Wundmalen geziert gewesen.

 

In ihrer Liebe und Andacht, die sie zu Maria hegte, wallfahrtete sie einmal an den Gnadenort Loretto und es ist nicht zu sagen, wie viel wunderbare Dinge Gott und die heilige Jungfrau ihr hier geoffenbart haben.

 

Nach ihrem seligen Ableben hat sie mit Wunderzeichen geleuchtet. Unter anderem ist ein todkranker Junge durch Auflegung eines Rosenkranzes, der mit ihren Reliquien berührt worden war, alsbald wieder gesund geworden.

 

Der heilige Petrus Balsamus, Martyrer von Aulana, im Heiligen Land,

+ 3.1.311 – Fest: 3. Januar

 

Petrus Balsamus, geboren im Gebiet von Eleutheropolis in Palästina, wurde in Aulon während der Verfolgung des Kaisers Maximin verhaftet. Man führte ihn vor Severus, den Statthalter der Provinz, der das Verhör damit anfing, dass er ihn nach seinem Namen fragte. Petrus antwortete: „Mein Geburtsname ist Balsamus und in der Taufe nannte man mich Petrus.“

Severus: „Aus welchem Land und von welcher Familie bist du?“ – Petrus: „Ich bin ein Christ.“

Severus: „Was treibst du für ein Gewerbe?“ – Petrus: „Kann ich etwa etwas Ehrenvolleres treiben oder etwas Besseres in der Welt tun, als Christ sein?“

Severus: „Kennst du den Befehl der Kaiser?“ – Petrus: „Ich kenne die Befehle meines Gottes, des höchsten Gebieters der Welt.“

Severus: „Du sollst bald erfahren, dass die gnädigen Kaiser ein Gesetz gegeben haben, kraft dessen alle Christen den Göttern opfern oder des Todes sterben müssen.“ – Petrus: „Und du wirst einst erfahren, dass es ein Gebot des ewigen Königs gibt, welches spricht, wer den Teufeln opfert, soll vertilgt werden. Welchem rätst du mir zu gehorchen? Welches von beiden glaubst du soll ich vorziehen, - durch deine Hand sterben oder durch den König der Könige, den wahrhaften Gott, zu den ewigen Peinen verdammt werden?“

Severus: „Weil du meinen Rat begehrst, so sage ich dir, dass du den Gesetzen gehorchen und den Göttern opfern sollst.“ – Petrus: „Nie kann ich mich entschließen hölzernen und steinernen Götzen, wie jene, welche du anbetest, zu opfern.“

Severus: „Wisse, dass es in meiner Macht steht, die Beleidigung, die du mir zufügst, durch deinen Tod zu rächen.“ – Petrus: „Ich hatte nicht die Absicht, dich zu beleidigen; ich habe dir nur gesagt, was im göttlichen Gesetz geschrieben steht.“

Severus: „Habe Mitleid mit dir selbst, und opfere.“ – Petrus: „Nur dann, wenn ich nicht opfere, habe ich wahrhaft Mitleid mit mir selbst.“

Severus: „Ich will noch Nachsicht mit dir haben, ich gebe dir also Zeit dich zu bedenken, damit du dich entschließt, dein Leben zu retten.“ – Petrus: „Dieser Aufschub würde nutzlos sein, ich werde meine Gesinnung nicht ändern. Tue nur gleich, was du in der Folge tun müsstest und vollende das Werk, das der Teufel, euer Vater, angefangen hat; denn niemals werde ich tun, was Jesus verboten hat.“

 

Auf diese Worte ließ ihn Severus auf die Folter spannen, und da er so in der Luft hing, sagte ihm jener spottend: „Nun! Petrus, was sagst du dazu? Lernst du nun einsehen, was die Folter ist? Wirst du bald opfern?“ Petrus antwortete: „Zerreiße mich noch mit eisernen Krallen, rede mir aber nicht weiter zu, den Teufeln zu opfern. Ich habe dir ja schon gesagt, dass ich nur Gott allein opfern will, dem zu Liebe ich leide.“ Auf diese Worte hin befahl der Statthalter die Peinen zu verdoppeln; und Petrus, weit entfernt nur die geringste Klage hören zu lassen, sang vielmehr freudig die zwei Verse des königlichen Propheten: „Nur eins habe ich von dem Herrn begehrt, danach sehne ich mich, dass ich mein ganzes Leben hindurch im Haus des Herrn wohnen möge. (Psalm 27,4) Den Kelch des Heils will ich nehmen, und den Namen des Herrn anrufen. (Psalm 116,13) Hierauf gab Severus, von wilder Wut entbrannt, neuen Schergen den Befehl, die erste, die ermüdet waren, abzulösen. Plötzlich schrien alle Zuschauer, als sie von allen Seiten das Blut des Märtyrers herabströmen sahen: „Gehorche den Kaisern; opfere und befreie dich von diesen schrecklichen Qualen.“ Petrus entgegnete: „Was nennt ihr Qualen? Ich fühle keinen Schmerz; ich weiß aber, dass, wenn ich meinem Gott die schuldige Treue breche, ich wahrhafte Peinen und unaussprechliche Qualen zu erwarten habe.“ Zuletzt sagte ihm noch der Richter: „Opfere doch, Balsamus, oder du wirst es bereuen.“ – Petrus: „Ich opfere nicht und werde es auch nicht bereuen.“

Severus: „Ich spreche das Todesurteil.“ – Petrus: „Gerade was ich so sehnlich wünsche.“

Hierauf sprach Severus das Todesurteil in diesen Worten: „Wir verordnen, dass Petrus Balsamus, weil er sich geweigert hat, dem Gesetz der unüberwindlichen Kaiser Gehorsam zu leisten, und weil er hartnäckig das Gesetz des Gekreuzigten verteidigt hat, an das Kreuz soll geheftet werden.“

 

So empfing dieser großmütige Kämpfer die Märtyrerkrone zu Aulon um das Jahr 311, dem 3. Januar, an dem Tag sein Andenken auch im römischen Martyrologium und in dem von Beda verehrt wird.

 

Aus dem Beispiel der Märtyrer sehen wir, dass eine wahrhaft heldenmütige Standhaftigkeit nur in der christlichen Religion gefunden wird. Nur diese heilige Religion kann haltbaren Trost in den Gefahren und den härtesten Prüfungen gewähren, und über das ganze Leben des Menschen eine unwandelbare Ruhe, die ihn niemals verlässt, ausgießen. Wenn man mit Gott durch die Liebe verbunden ist, ruht man kummerlos unter den Flügeln seiner Allmacht, Weisheit und Güte. Weder die Schmeicheleien, noch die Verachtung der Welt vermögen etwas über den wahren Christen. Der innere Friede, die reinen Freuden, die man in der Übung der Tugend kostet, gewähren reichlichen Schadenersatz für die Entbehrung der vorgeblichen Güter, die das Laster gewährt. Der Tod selbst, der gewöhnlich so schrecklich den Augen der Menschen erscheint, bietet nur Trost dar, weil eine unsterbliche Krone und ein Glück, dessen Dauer ewig wie Gott ist, ihm folgen.

 

Gebet am 3. Januar

 

Meine himmlische Königin, Gott will, dass ich mich an dich wende, er will, dass ich deine Barmherzigkeit anflehe, damit nicht nur die Verdienste deines Sohnes, sondern damit auch dein Gebet mir helfe und mich vom ewigen Verderben errette. Ich nehme dann also zu dir meine Zuflucht, o Maria. Du betest für so viele andere, bitte doch Jesus auch für mich. Sage ihm, er möge mir doch vergeben, denn dann verzeiht er mir gewiss. Sage ihm, dass du dir mein Heil wünschst, denn dann werde ich sicher gerettet. Zeige der Welt wieviel Gutes du denen erweist, die auf dich vertrauen. Also hoffe ich, also sei es. Amen. 

 

Zu Jesus Christus auf die Fürbitte der heiligen Genovefa

 

Verleihe uns, o Herr Jesus Christus, durch die Fürbitte der heiligen Genovefa den Geist des Gebets und der Liebe, damit wir der Glückseligkeit teilhaftig werden, die Du den Nachahmern Deiner Auserwählten versprochen hast, der Du lebst und herrschst mit Gott dem Vater in der Einheit des Heiligen Geistes, Gott von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen. 

 

Andenken an die seligste Jungfrau

 

Ein schreckliches Erdbeben, das besonders in Italien alles erschütterte, wurde an diesem Tag durch die Fürbitte der seligsten Jungfrau im Jahr 1117 gestillt, wie ein unmündiges Kind, das plötzlich laut in der Kirche zu reden anfing, aussagte. Diese Geschichte bezeugen mit Trithemius viele angesehene Schriftsteller. 

 

Andacht am 3. Januar:

 

Das Thema im Januar:

Von der Liebe Jesu

"Wer den Herrn nicht liebt, sei verflucht!" (1. Korinther 16,22)

 

"Weisheit ist in Christus allein zu suchen." (Der heilige Thomas von Aquin)

Der heilige Paulinus spricht in einem Schreiben an den gelehrten Aper, der seinen Würden und allen weltlichen Wissenschaften entsagt hatte, dem Herrn im klösterlichen Stand sich zu weihen: "Mögen Redner in der Kunst eines glänzenden Vortrags sich üben; mögen die Weltweisen den Wissenschaften sich hingeben und die Reichen ihren Reichtum hüten: unser Reich ist Christus." - Eben derselbe Heilige spricht in einem anderen Schreiben an einen gewissen Jovius, der über dem Streben nach eitlen Kenntnissen seines Heils vergaß: "Zeit findest du, Dichter und Redner zu lesen; Zeit, dem Studium der Philosophie abzuwarten; und du fändest keine Zeit ein Christ zu sein? - Sei ein Liebhaber der Weisheit Gottes; studiere Jesus Christus, und lerne in seiner Schule!" - Befolgten wir doch den Rat dieses Heiligen!

Ein eifriger Christ schloss einst solchen den Mund, die durch böse Leidenschaften und das Lesen ärgerlicher Bücher dahin gekommen waren, gleich den Ungläubigen zu lästern. Und er sprach zu ihnen: "Wenn Jesus Christus nicht Gott ist, wie also gingen alle Weissagungen, die von dem Messias aufgezeichnet waren, so vollkommen an Ihm in Erfüllung? - Wie konnte Er je eine so erhabene Lehre ersinnen und verbreiten, wodurch die Menschen Gott, ihre ewige Bestimmung und ihre Pflichten so genau kennen lernten? - Wie tat Er, selbst nach dem Geständnis der Juden sowohl als der Heiden, so viele und so glänzende Wunder? - Wie auch vermochten es seine Jünger, in seinem Namen derselben so hocherstaunliche zu wirken? - Wie nahm der ganze Erdkreis das Christentum in so kurzer Zeit an? - Wie brachten alle Bemühungen der bewaffneten Ruchlosigkeit es nie und nimmer dahin, dasselbe zu vertilgen? - Sind die tugendhaftesten und glücklichsten Menschen nicht die wahren Christen, die nach der Lehre des Evangeliums leben und in der katholischen Kirche, der einzigen Kirche, gehorchen, die Christus gestiftet hat?"

 

O Jesus, Du bist mein Herr und mein Gott! Wärst Du nicht Gott, so hätte Gott selbst uns getäuscht. Erbarme Dich, Herr, derjenigen, die durch die Trugschlüsse und Lästerungen der Gottlosen die kostbare Gabe des Glaubens verloren; und erleuchte die Blinden, die in Finsternissen wandeln! Ich glaube an Dich, mein Gott, und ich liebe Dich! O verleihe mir, dass ich aus dem Glauben lebe und unablässig in Deiner heiligen Liebe zunehme! Amen.

 

Ein Gedanke heiliger Dominikaner am 3. Januar

 

"Das Gebet ist die Nahrung,

die allein dem Geist Freude und Kraft verleiht."

 

hl. Katharina von Siena OP

1347 bis 29.4.1380

 

Betrachtung am 3. Januar - Die erhabene Bestimmung des Menschen

 

Ich pilgre hier in fremdem Land,

Und ziehe eilig fort;

Im Himmel ist mein Ort.

Bald fällt des Fleisches Scheidewand,

Dann reicht mein Schöpfer mir die Hand,

Und nimmt nach meinem Lauf

Mich gnädig zu sich auf.

 

1. Wie kam ich in diese Welt? Und was soll ich in ihr? Verdanke ich vielleicht mein Dasein den leiblichen Eltern? Aber kennen denn diese Eltern auch nur die Hälfte der inneren Organe meines Leibes? Setzten sie den unendlich kunstreichen Bau meines Auges oder meines Gehirns zusammen? Und wie verknüpften sie meinen unsichtbaren Geist mit diesem sichtbaren Körper zu einem Wesen? Eine Kunst unendlicher Weisheit und Allmacht ist hierzu erforderlich. Dies sagt mir das Licht der Vernunft. Gott also hat, wenn auch durch die Vermittlung irdischer Eltern, mir das Dasein gegeben. Er ist der eigentliche Urheber meines Daseins.

 

2. Gab aber Gottes unerschaffene Majestät mir das Dasein, so gab sie es mir offenbar zu ihrer Verherrlichung und zu meiner eigenen Glückseligkeit. Denn alle Wesen schuf der Allerhöchste für sich, alle streben nach ihm, wie nach ihrem Mittelpunkt. Dazu auch ist mein Geist mit einer Erkenntniskraft begabt, die bis ans Unendliche reicht, ihn selbst zu erkennen, und mit einem Vermögen, zu lieben, das kein erschaffenes Wesen vollauf zu sättigen vermag. Schon hieraus erkenne ich klar, dass ich erschaffen bin, meinen Schöpfer zu erkennen, zu lieben und ihn zu besitzen, da nur er, der unendliche Urquell alles Guten, mein Ziel und meine einzig wahre, volle und unendliche Glückseligkeit ist.

 

3. Was also soll ich hier? Offenbar soll ich das Ziel erreichen, für das mein Gott mich erschaffen hat. Hierin aber erkenne ich seine unendliche Güte, die mich nicht erschuf, und dann mir selbst mich überließ. Er gab mir sein heiliges Gesetz als den Weg, auf dem ich zu ihm gelange. Nicht erschaffen wurde ich also, in dieser Welt reich zu werden, nach vergänglicher Ehre zu streben, sündhaften Lüsten mich zu ergeben. Vielmehr würden diese Dinge unendlich weit von dem Weg meiner himmlischen Pilgerschaft mich entfernen. Sondern erschaffen wurde ich, den Willen meines Schöpfers auf die Art und Weise zu tun, die seine heilige Vorsehung mir vorzeichnet, weil ich nur dadurch zu meinem erhabenen Ziel gelange. Psalm 119,73: "Deine Hände, mein Gott, haben mich gemacht und geformt. Gib mir Einsicht, damit ich deine Gebote lerne."

 

4. Januar

 

Der heilige Gregor, Bischof von Langres, Frankreich,

+ 4.1.541 - Fest: 4. Januar

 

Der heilige Gregor war einer der vornehmsten Ratsherren der Stadt Autun. Nach dem Tod seiner Gemahlin widmete er sich ganz der Übung der christlichen Vollkommenheit. Trotz seines Widerstrebens wurde er in seinem siebenundfünfzigsten Lebensjahr auf den bischöflichen Stuhl von Langres erhoben. Dreißig Jahre lang stand er seiner Kirche mit ebenso viel Eifer als Klugheit vor. Um jedoch des Himmels Segen noch reichlicher auf sein Wirken herabzuziehen, heiligte er seinen Dienst durch eine tiefe Demut, durch ununterbrochenes Gebet und außerordentliche Strenge sich selbst gegenüber. Der heilige Gregor von Tours, sein Urenkel, berichtet in seinem Geschichtswerk, dass er, nicht zufrieden damit, die freien Stunden des Tages in glühender Unterhaltung mit Gott zuzubringen, auch zur Nacht heimlich aufstand, um in die Kirche zu gehen, deren Türen ihm von Engeln geöffnet wurden, die man dann mehrere Stunden lang mit ihm Psalmen singen hörte. Seine Hirtensorgfalt erstreckte sich nicht weniger auf die Heiden wie auf die Christen. Wie er diese ihrem Lasterleben entriss, so befreite er jene aus der Todesnacht der Abgötterei. Bei seinem Tod am 4. Januar 541 sah man den Himmel sich öffnen, und auf seine Anrufung fühlten Gefangene ihre Ketten fallen und erlangten ihre Freiheit wieder. Sein frommer Sohn Betricus wurde sein Nachfolger auf dem Bischofsstuhl von Langres.

 

Der heilige Libentius, Erzbischof von Hamburg und Bremen,

+ 4.1.1013 – Fest: 4. Januar

 

Unter den Erzbischöfen von Bremen war einer der tüchtigsten und ausgezeichnetsten der heilige Libentius. An ihm ragte eine solche Herzensreinheit hervor, dass er nur selten in Gegenwart einer Frau erschien; seine Enthaltsamkeit war so groß, dass sein Angesicht von strengem Fasten erblasste und einschrumpfte, seine Demut und Liebe gewann ihm die Herzen seiner ihm untergebenen Ordensgenossen. Noch viele andere Tugenden übte er mit unermüdlichem Streben nach Vollkommenheit. Seine ganze Sorge wandte er an, die ihm anvertraute Herde zur genauesten Beobachtung der Ordensregeln anzuhalten und zum Himmel zu leiten.

 

Wegen seiner hervorragenden Geistes- und Herzenseigenschaften übertrug ihm Kaiser Otto III. das Erzbistum Bremen, Papst Johann XV. beschenkte ihm mit dem Pallium, und von seinen Suffraganbischöfen wurde er konsekriert. Als höchst wissenschaftlicher und tugendreicher Gottesmann war er einst aus Italien dem Bischof Adalgar zum deutschen Norden gefolgt, hatte sich nach dessen Lehre und Leben gebildet und längere Zeit der Kirche zu Hamburg vorgestanden, bis er zur bischöflichen Würde erhoben wurde.

 

Als Erzbischof setzte Libentius seine Fürsorge für Arme und Kranke fort, bediente selbst die Elenden und übertrug seinem Neffen Libentius das Krankenhaus zur steten Beaufsichtigung. Solange noch Friede im Land herrschte, besuchte er häufig sein geliebtes Hamburg und die slawischen Völker jenseits der Elbe.

 

In jener Zeit verfolgte der dänische König Sueno die Christen. Der Erzbischof Libentius schickte Gesandte an den grausamen Verfolger, um ihn durch reichliche Geschenke zur Milde gegen die Christen zu bewegen, der aber ließ von seiner Grausamkeit und Treulosigkeit nicht ab. Deshalb traf ihn die göttliche Strafe; denn er wurde von den Slaven in der Schlacht völlig geschlagen, gefangen genommen und in die Sklaverei fortgeführt. König Herik überflutete mit seinem unzählbaren Heer Dänemark, schlug Sueno zu Wasser und zu Land und setzte den Wüterich ab.

 

Eine schwere Prüfung kam über die Christen durch den Einfall der Normannen in die Länder zwischen Elbe und Weser. Das unbedeutende Heer der Sachsen stellte sich den räuberischen Eindringlingen entgegen, wurde aber geschlagen und aufgerieben. Der Markgraf Sigfried, der Graf Thiaderich und viele andere ausgezeichnete Männer wurden an Händen und Füßen gekettet auf die Schiffe geschleppt und die ganze Provinz verwüstet. Als es dem Markgrafen Sigfried gelang, bei Nacht zu entfliehen, schnitten die erbosten Seeräuber allen Gefangenen die Hände und Füße und Nasen ab und warfen sie halbtot ans Land. Später rächte Herzog Benno und Markgraf Sigfried diese Gräueltat an den besiegten Piraten, indem sie 20.000 von ihnen in die Sümpfe trieben und alle bis auf einen niedermetzelten.

 

Um die Stadt Bremen gegen die häufigen Einfälle der räuberischen Normannen zu schützen, umgab sie der Erzbischof Libentius mit einer starken Mauer, brachte die Kirchenschätze in Sicherheit und sprach den Bannfluch über die Seeräuber aus. König Sueno, von Gott und den Seinigen verlassen, irrte unstet umher, wurde von den Normannen und Engländern abgewiesen, und endlich aus Barmherzigkeit vom König von Schottland aufgenommen.

 

In seiner väterlichen Sorge, die Dänen und Schweden, die gleich ihrem König Herik noch dem Heidentum ergeben waren, für den christlichen Glauben zu gewinnen, weihte Libentius mehrere Bischöfe, die mit kaiserlichen Schutzbriefen versehen, das Evangelium Christi im heidnischen Norden verkündeten. Einer dieser Sendboten, der heilige und weise Missionar Poppo, bewies die Göttlichkeit seiner Heilslehre, indem er ein glühendes Eisen in seiner Hand trug, ohne sie zu verletzen. Ein anderes Mal hüllte er sich in ein wachsgetränktes Gewand und ließ es in Gottes Namen in Brand stecken. Die Augen und Hände zum Himmel gerichtet, pries er mit heiterem Gesicht seinen Herrn und blieb völlig unverletzt, während das Kleid rings um ihn zu Asche verbrannte. Die Zuschauer erkannten die Macht des Gottes der Christen und viele Tausende ließen sich taufen. Einen sehr reichen und angesehenen Dänen, namens Odinckar, weihte Libentius zum Bischof von Ripe und gewann durch ihn viele Norweger für die Religion Jesu Christi.

 

Unter Genehmigung des Erzbischofs Libentius gründete der Graf Heinrich in Rosafeld eine Propstei, die der Erzbischof einweihte. Jütland teilte er in zwei Bistümer, zu den Slaven schickte er den Bischof Folkquard, dann den Reginbert, die segensreich unter den Schweden und Norwegern wirkten und mit Freuden heimkehrten.

 

Nach diesen glücklichen Errungenschaften für das Reich Gottes starb der heilige Erzbischof Libentius am 4. Januar 1013 und wurde in der Mitte des Chores seiner Kathedralkirche vor den Stufen zum Allerheiligsten begraben. Der im Leben seinem Heiland so treu gedient hatte, sollte auch im Tod ihm nahe bleiben.

 

Der heilige Rigobert, Erzbischof und Bekenner von Reims,

+ 4.1.730 - Fest: 4. Januar

 

Rigobert war aus einem alten adeligen Geschlecht entsprossen gegen Ende des 7. Jahrhunderts und zeigte von Jugend auf schon eine solche gründliche Frömmigkeit und Liebe zu allen christlichen Tugenden und einen Eifer zu den geistlichen Wissenschaften, dass es jedermann voraussah, er werde einst als ein helles Licht in der Kirche leuchten. So nahm er täglich mehr an Kenntnissen und Liebenswürdigkeit vor Gott und den Menschen zu, bis er in sein männliches Alter kam, und nach dem Tod des Erzbischofs Reolus zum Oberhirten der Kirche in Reims erwählt wurde. Rigobert entsprach vollkommen den großen Hoffnungen und Erwartungen, die sich die Gläubigen von ihm gemacht hatten, und sein erstes war beim Antritt seines bischöflichen Amtes, dass er mit hoher Klugheit den Unordnungen entgegensteuerte, die sich in seinem Sprengel und besonders unter seiner Geistlichkeit seit einigen Jahren eingeschlichen hatten, während der Erzbischöfliche Sitz vakant war. Er führte unter seinen Domherren nach den alten Kirchengesetzen wieder ein gemeinsames Klosterleben ein, und vermehrte ihre Zahl, damit der Gottesdienst zum Heil der ihm anvertrauten Seelen feierlicher gehalten werden konnte. Durch die Freigebigkeit des damals mächtigen Pipin ordnete und vergrößerte er die Einkünfte seiner Kirche und Geistlichkeit und errichtete zuerst eine allgemeine Schatzkammer.

 

Der oberste königliche Haushofmeister Pipin schätzte den heiligen Erzbischof so hoch, dass er von ihm seinem Sohn Karl Martell nicht nur auf die feierlichste Art die heilige Taufe erteilen ließ, sondern es auch für eine große Ehre schätzte, dass Rigobert dabei die Patenstelle übernahm, diese Wohltat ihm aber Karl Martell in der Folge schlecht belohnte. Denn nach dem Tod Pipins entstand zwischen seinen Söhnen, Karl und Ramanfred ein schwerer Streit wegen der Oberherrschaft, und als Karl Martell durch List und Betrug sich der Stadt Reims bemächtigen wollte, verweigerte ihm der heilige Erzbischof den Einzug in die Stadt. Dadurch war er so beleidigt, dass er es mit einem Eid bekräftigte, er wolle mit der Zeit bittere Rache an dem Heiligen nehmen.

 

Bald darauf besiegte Karl Martell den König Chilperich und seinen Bruder in einer Schlacht und vertrieb sogleich den heiligen Rigobert von seinem bischöflichen Sitz, so dass er bis in sein Greisenalter im Elend lebte, bis er im Ruf der Heiligkeit starb. Die vielen Wunder, die sich bei seinem Grab ereigneten, bewogen den Erzbischof Hinkmarus, die sterblichen Überreste des heiligen Rigobert im Jahr 872 in die Klosterkirche des heiligen Theodoricus zu versetzen.

 

Der heilige Titus, Paulusjünger und Bischof,

+ 1. Jahrhundert – Fest: 4. Januar

 

Der Ruhm des Lehrers verjüngt sich im Lob des Schülers; von seiner Ehrenkrone fällt ein verklärender Strahl auch auf des letzteren Haupt. So erscheint uns denn auch der heilige Titus gerade deshalb so ehrwürdig, weil er ein unmittelbarer Apostelschüler ist: einer der bedeutendsten und verdientesten Paulusjünger, der „Wandergenosse“ (2 Kor 8,19) und „Mitarbeiter“ (ebd. 8,23) des Völkerlehrers und Heidenapostels. Nach seinen eigenen Andeutungen hat Paulus selbst den „geliebten Sohn“ (Titus 1,4), das Kind heidnischer Eltern, für das Christentum gewonnen, wie er ihm auch durch sein Sendschreiben (Titusbrief) das schönste Denkmal im Herzen der Christenheit gesetzt hat. Nicht viele Strahlen zwar fallen vom Tageslicht geschichtlicher Überlieferung auf das Lebensbild unseres Paulusjüngers, aber die wenigen leuchten hell und rechtfertigen die Verehrung, die ihm die ganze Kirche von den Tagen der Apostel an darbringt. Ihr Heiligenverzeichnis aber, das sogenannte „Römische Martyrologium“, setzte seinen Sterbe- oder Geburtstag für den Himmel unterm 4. Januar an. Die Griechen feiern den heiligen Titus am 25. August.

 

Die Wiege des Heiligen steht im Dunkel, doch weisen nicht undeutliche Spuren auf Antiochien in Syrien, die zweitgrößte Weltstadt des damaligen Ostens, die Heimat seines großen Mitschülers und Evangelisten Lukas. Zum ersten Mal treffen wir ihn auf der Reise zum Apostelkonzil um das Jahr 50 an der Seite des heiligen Paulus. Dieser selbst legte seiner Begleitreise noch nachträglich große Bedeutung bei (Gal 2,3). Er sollte nämlich als Muster eines glaubensfesten und sittenreinen Heidenchristen in Jerusalem, der Urgemeinde des Judenchristentums, erscheinen, um das Misstrauen zu zerstreuen, das man gerade in jüdischen Christenkreisen den neubekehrten Heiden entgegenbrachte. Seine Persönlichkeit scheint geradezu den Mittelpunkt der Auseinandersetzungen gebildet zu haben, welche der Hauptversammlung des Apostelkonzils vorausgingen. Sie endeten, wie die Entscheidung des Konzils selber, zugunsten der Heidenchristen. Den äußeren Ausdruck fand diese Tatsache, die in Antiochien, der Hauptgemeinde des Heidenchristentums, so viele Freude hervorrief (Apg 15,31), in dem Umstand, dass Titus auf Verlangen des heiligen Paulus nicht der Zeremonie der Beschneidung unterworfen wurde.

 

Während der zwei folgenden großen Missionsreisen des heiligen Paulus erfreute sich Titus bereits des besonderen Vertrauens seines Lehrers. Zweimal nacheinander wurde er von ihm mit schwierigen Aufträgen nach der Weltstadt und neugegründeten Christengemeinde Korinth abgeordnet. Die erste Sendung erfolgte von Ephesus in Kleinasien aus. Er sollte durch sein mündliches Wort das schriftliche des heiligen Paulus (1. Korintherbrief) näher erläutern und ergänzen und dessen Mahnungen darin Gehör und Folge verschaffen. Titus löste seine Aufgabe glänzend. Es gelang ihm in kurzer Zeit die durch Falschlehrer in große Verwirrung und leidenschaftliche Spannung versetzte Gemeinde durch sein ebenso taktvolles wie festes Auftreten wiederum in Ordnung zu bringen. In der Hafenstadt Troas, von wo aus Paulus zum zweiten Mal den Fuß auf das europäische Festland setzen wollte, harrte dieser seines Boten: „und ich hatte keine Ruhe in meinem Geist, versichert er, weil ich den Titus, meinen Bruder, nicht fand.“ Erst in Mazedonien fand er ihn und begrüßte ihn freudig wie einen Engel des Trostes (2 Kor 7,6). „In unserem Trost aber“, fährt er fort, „haben wir uns noch weit mehr gefreut über die Freude des Titus“, nämlich wegen des glücklichen Gelingens seines Auftrages. Dieser Herzenserguss beweist in rührender Weise, wie innig und vertraut das Verhältnis zwischen Lehrer und Schüler geworden war.

 

Die zweite Sendung erfolgte von Mazedonien aus. Der erprobte Jünger wurde mit der Doppelaufgabe betraut: den zweiten Korintherbrief des Apostels zu überbringen und die Sammlung milder Gaben für die notleidenden Christen der Mutterkirche in Jerusalem zu Ende zu führen. Paulus weiß, dass er die Doppelaufgabe in verlässliche Hände gelegt, und dankt förmlich Gott, dass er solchen Eifer in des Titus Herz gesenkt habe (ebd. 8,16). Das Lob, das aus diesem kurzen Dankeswort des Weltapostels klingt, wiegt schwerer als noch so ruhmredige Worte einer langen Beschreibung es vermöchten.

 

Nach seiner ersten römischen Gefangenschaft (61-63) hatte der heilige Paulus auch Kreta (jetzt Kandia) im Mittelmeer besucht und dort seinen Schüler Titus als ersten Bischof der Insel zurückgelassen. Er sollte hier an der Spitze eines selbstständigen Wirkungskreises das begonnene Missionswerk vollenden und insbesondere durch Weihe und Einsetzung von Priestern und Bischöfen eine feste kirchliche Ordnung schaffen (Titus 1,5), deren Oberleitung ihm oblag. Die Verhältnisse lagen, wie wir aus dem Titusbrief erfahren (1,10ff) außerordentlich schwierig, so dass es Paulus angezeigt hielt, ihm auch später noch durch erprobte Ratschläge und goldene Pastoralregeln an die Hand zu gehen. Er ließ ihn sogar einmal zu sich nach Nikopolis in Epirus kommen (Titus 3,12), um sich persönlich mit ihm noch des Näheren ins Einvernehmen zu setzen.

 

Wie wir aus glaubwürdigen, außerbiblischen Nachrichten erfahren, griff der apostolische Eifer des heiligen Bischofs von Kreta auch auf die benachbarten Inseln über, wo sein zündendes Wort ebenfalls mächtige Flammen schlug und das Christentum rasch zum Sieg über das Heidentum führte. Selbst nach dem entlegenen Dalmatien lenkt der begeisterte Missionar auf den Wunsch seines Lehrers Paulus (2 Tim 4,10) seinen Wanderschritt mit solchem Erfolg, dass die Dalmatiner ihn als ihren Apostel, als den Vater ihres Christenglaubens verehren.

 

Gar vieles, zum Teil Wunderbares weiß die spätere Überlieferung über das sonstige Leben und Wirken des heiligen Titus zu berichten. Doch ist sie so sehr von sagenhaften Zutaten überwuchert, dass Dichtung und Wahrheit darin für uns nicht mehr zu unterscheiden sind. Übereinstimmend aber lauten die Nachrichten dahin, dass er auf Kreta in hohem Alter eines ruhigen und friedlichen Todes starb und in der Bischofskirche (vielleicht zu Cortyna) beigesetzt wurde. Sein Haupt soll später aus Anlass der Araber- und Türkenkämpfe nach Venedig gebracht worden sein, wo es heute noch im Markusdom verehrt wird.

 

Wie tief wird der heilige Titus, der so innig an Herz und Mund seines geliebten Lehrers hing, in den goldenen Wahrheitsschatz seines Sendschreibens sich versenkt haben! Wie oft wird er es wiedergelesen haben, so dass er jedes Wort im Gedächtnis wahrte! Auch uns hat es Paulus nicht weniger tief ins Herz und Gewissen geschrieben. Auch für uns sollte jedes Blatt der Heiligen Schrift der nimmer versiegende Jungbrunnen sein, aus dem wir fort und fort neue Belehrung und Erbauung, christliche Weisheit und Vollkommenheit schöpfen. Denn aus ihm sprudelt uns „die Gnade Gottes unseres Heilandes, die allen Menschen erschienen ist, und sie lehrt uns, dass wir ... sittsam, gerecht und gottselig leben sollen in dieser Welt“ (Titus 2,11f).

 

Die heilige Angela von Foligno, italienische Witwe, Mystikerin,

+ 4.1.1309 – Fest: 4. Januar

 

Angela stammte aus einer guten Familie ab und wurde in aller Gottesfurcht erzogen. Da sie durch Schönheit des Körpers sich auszeichnete, fand sie frühzeitig einen Gatten, der sie mit aller Liebe behandelte. Angela, ihrer hohen Reize bewusst, ergab sich den weltlichen Vergnügungen, pflegte die Eitelkeit und vergaß bald, was sie ihrem Gemahl und ihren Kindern schuldig war. Doch erwachte alsbald in ihrem Herzen das Gefühl der Reue und von schrecklichen Träumen gefoltert, erkannte und bekannte sie ihre Sünden. Gott nahm die reuige Büßerin in Gnaden auf und schenkte ihr die Gabe einer innigen Betrachtung des Leidens Jesu Christi.

 

Von dem Augenblick an, da sie ihr Herz wieder zu Gott wandte, nahm sie auch ihre früheren Andachtsübungen zu Maria wieder auf, und diese Himmelskönigin lohne sie hierfür durch wiederholte Erscheinungen und Gesichte. Als sie eines Tages der Heiligen Messe beiwohnte, erschien ihr bei der Wandlung die seligste Jungfrau und zeigte ihr Jesus, den Gottessohn sichtbar auf dem Altar. Und in stille Anbetung versunken, hörte Angela, wie Maria über sie die frommen Segensworte aussprach: „Sei gesegnet von mir und meinem Sohn und wachse in der Liebe zu ihm und zu mir, denn auch du bist viel geliebt, dann wirst du eingehen ins ewige Leben.“

 

Ein anderes Mal erblickte sie Maria in der Glorie. Sie erschien ihr da in solchem Glanz und Ansehen, dass sie darob die höchste Wonne verspürte. Und auch Jesus zeigte sich ihr da, aber von Wunden entstellt und voll Wehe und doch empfand sie nicht Schmerz, sondern Freude darüber und sehnte sich, zu sterben.

 

Am Fest Mariä Reinigung wurde sie, da sie in der Kirche der minderen Brüder das Geheimnis jenes Tages betrachtete, im Geist entzückt und sie schaute die Gottesmutter mit dem Jesuskind zum Tempel kommen und das vorgeschriebene Opfer bringen. Es war ihr, als legte Maria das Jesuskind ihr in die Arme. Und voll heiliger Freude opferte sie ihrem Heiland all ihr Leben und Weben, all ihr Tun und Leiden auf.

 

In steter Vereinigung mit Jesus und Maria lebte Angela die Tage ihres Lebens dahin, immer vorwärts schreitend in Tugend und Frömmigkeit. Allgemach nahte der Tag, an dem sie dieses Leben verlassen sollte. Vor ihrem Hinscheiden rief sie aus: „Meine Seele ist jetzt eingetaucht, gewaschen, gereinigt im Blut Jesu Christi, das noch so frisch und warm aus den Wunden des Gekreuzigten fließt. Mein Gott, in deine Hände empfehle ich meinen Geist!“ Da wurde ihr geantwortet: „Du warst bei mir im Leben, wie sollt` ich im Tod dich verlassen?“

 

Am Tag vor ihrem Abscheiden hörten alle ihre Schmerzen auf, womit sie sich so lange gequält hatte. Dann sagte sie noch zu den Umstehenden: „Meine Seligkeit hat schon angefangen“, und nun hauchte sie ihre Seele aus. Dies war am 4. Januar des Jahres 1409.

 

Angelas Verehrung wurde von Papst Innozenz XII. 1693 gestattet und am 11. Juli 1701 wurde sie von Papst Clemens XI. seliggesprochen. Am 9. Oktober 2013 gestattete Papst Franziskus die weltweite Verehrung, was der Heiligsprechung gleichkommt.

 

Gebet am 4. Januar

 

Du barmherzigste Mutter Maria, sei meine Fürbitterin bei Gott und erwirb mir seine göttliche Gnade und Barmherzigkeit. Du bist ihm wegen deiner Heiligkeit ganz lieb und angenehm, ich aber bin ihm wegen meiner Sünden ganz zuwider und verhasst. Dass mir recht bald die Verzeihung meiner Sünden verkündigt würde. Dass ich durch die Gegenwart meines Heilandes in meinem Herzen von himmlischem Trost erquickt würde. Erbitte mir diese große Gnade bei Jesus, deinem göttlichen Sohn. Amen. 

 

Zu Gott auf die Fürbitte des heiligen Titus

 

O Gott, der Du den heiligen Titus durch Deinen heiligen Apostel aus den Finsternissen des Heidentums zum Licht Deiner Wahrheit gebracht hast, gib, dass wir, da wir eben diese Lehre empfangen haben, sie auch auszuüben und anderen beizubringen trachten, durch Jesus Christus, unseren Herrn. Amen. 

 

Andenken an die seligste Jungfrau

 

An diesem Tag wurde die Hauptkirche zu Arras plötzlich durch einen Donnerstrahl entzündet und verwüstet, aber wieder unter dem Namen der seligsten Jungfrau Maria von Bischof Girard im Jahr 1030 eingeweiht. Es verdient die Einweihung der Hauptkirchen unter dem Namen Mariä angemerkt zu werden, indem dadurch die allgemeine hohe Verehrung der seligsten Mutter Gottes in der ganzen Welt deutlich gezeigt wird. 

 

Andacht am 4. Januar:

 

Das Thema im Januar:

Von der Liebe Jesu

"Wer den Herrn nicht liebt, sei verflucht!" (1. Korinther 16,22)

 

"Wenn Gott die Weisheit ist, so ist der wahre Liebhaber der Weisheit jener, der Gott liebt." (Der heilige Augustinus)

"Wohl jeder Mensch soll dem Studium der Weisheit sich ergeben," spricht der heilige Justin; "das heißt," wie er selbst dies erklärt, "jeder soll seinen Fleiß dahin verwenden, Jesus Christus, die wahre Weisheit, zu erkennen und zu lieben." 

Der heilige Laurentius Justinian erzählt, es sei in seinem neunzehnten Jahr die Weisheit in der Gestalt einer majestätischen Jungfrau vor ihm erschienen, und habe zu ihm gesprochen: "Was suchst du Befriedigung bei den Geschöpfen? Sieh, ich allein besitze, was du suchst; und finden wirst du dies bei mir, wofern du mich zur Braut erwählst!" Da wurde er in seinem Innern von wundersüßen Empfindungen durchströmt, die er früher nie empfunden hatte, er ergab sich ihr ganz und auf immer und hing ihr bis auf den letzten Atemzug mit zarter und feuriger Liebe an. Also soll unsere Liebe zu Jesus, der ewigen Weisheit, bestellt sein.

"Je inniger du Gott liebst, je größeren Anteil wirst du an der wahren Weisheit erlangen. Der Unterschied zwischen Personen eines Standes, die die nämlichen äußerlichen Werke und die nämlichen Übungen der Frömmigkeit betreiben, entspringt der Verschiedenheit ihres Innern und ihrer ungleichen Liebe zu Gott." So der heilige Augustinus.

 

Vergib, o liebreicher Jesus, einem reuigen Herzen, dass es Dein göttliches Herz durch zahllose Sünden so unwürdiger Weise verwundete! Erbarme Dich meiner, und spende mir heilige Weisheit! Diese Gabe des Himmels, erleuchte meinen Verstand und verwunde mein Herz mit den Pfeilen Deiner heiligen Liebe! Amen.

 

Ein Gedanke heiliger Dominikaner am 4. Januar

 

"Wenn die Seele ganz von Liebe erfüllt ist,

bleibt für die Eitelkeit kein Platz in ihr."

 

hl. Vincenz Ferrerius OP

1350 bis 5.4.1419

 

Betrachtung am 4. Januar - Von Gottes Führungen

 

Herr, du bist meine Zuversicht.

Nicht Wohlfahrt und nicht Leiden

Soll je von dir mich scheiden;

Du ordnest meine Pilgerbahn,

Und führst darauf mich himmelan.

 

1. Wunderbar und tief verborgen sind oft Gottes Führungen. Immer aber gereichen sie zu seiner Ehre und zum Heil seiner Auserwählten. Joseph erhält durch Gottes Engel Befehl, mit dem göttlichen Kind und seiner jungfräulichen Mutter nach Ägypten zu fliehen, weil Herodes ihm nach dem Leben stellt. Scheint dies nicht Torheit und Schwäche? Konnte der Allerhöchste seinen Eingeborenen nicht auf andere Weise retten, dass er in ein so fernes Land ihn fliehen lässt, der Verfolgung dieses Tyrannen zu entkommen? Wohl spricht der Apostel in erleuchteter Weisheit: "Denn das Törichte an Gott ist weiser als die Menschen, und das Schwache an Gott ist stärker als die Menschen." (1. Korinther 1,25) Verherrlichen sollte Jesus seinen ewigen Vater durch Schwäche, Armut und Leiden. Vorbereiten sollte er durch den Sturz der Götzengebilde das Land Ägypten zum Glauben. Und seine Gegenwart heiligte dieses Land zu einem Aufenthalt zahlloser heiliger Einsiedler und jungfräulicher Seelen, die der schönste Flor der ersten Kirche waren.

 

2. Unerforschlich sind Gottes Führungen dem menschlichen Vorwitz. Und was ihm als Torheit vorkommt, ist oft die höchste Weisheit und Liebe. Gott erbaut, indessen er zu zerstören scheint. Er bereichert uns, wenn er uns in Armut zu stürzen, - er errettet uns, wenn er uns zu verderben, - er belebt uns, wenn er uns zu töten scheint. Er führt uns zum Frieden durch Kriege, zur Vollkommenheit durch Fehler, zur Herrlichkeit durch Schmach, zum Land der Verheißung durch furchtbare Wüsteneien. Er allein weiß, was uns notwendig ist und uns zum Heil verhilft.

 

3. Darum, o Herr, mein Gott, stelle ich deiner göttlichen Vorsehung mich gänzlich anheim. Leite mich, Herr, nach deinem Willen. Ohne Furcht schreite ich unter deiner Führung. Mit Ergebung und Freude füge ich mich allem, was deine göttliche Anordnung über mich beschlossen hat, denn ich weiß, dass du die unendliche Weisheit, Güte und Liebe bist. Ob du durch Ehre oder durch Schmach, durch Trost oder durch Widerwärtigkeiten, durch Überfluss oder durch Armut, durch Gesundheit oder durch Krankheit mich führst, sei dein heiliger Name in allen Dingen gebenedeit. Psalm 40,18: "Ich bin arm und gebeugt; der Herr aber sorgt für mich. Meine Hilfe und mein Retter bist du."

 

5. Januar

 

Der heilige Gerlach, Einsiedler des Prämonstratenserordens in Falkenburg,

+ 5.1.1172 - Fest: 5. Januar

 

Der heilige Gerlach war ein Krieger. Er stammte aus adeliger Familie in Falkenburg. Er war groß und stark, tapfer und mutig. Sein Leben war weltlich wie das seiner Standesgenossen. Einst ritt er mit anderen Rittern zu einem Turnier nach Jülich. Wie er so frohen Mutes und in der linken Hand den Schild, in der rechten die Lanze schwingend sich zum Kampfspiel begab, erhielt er plötzlich die Nachricht vom Tod seiner Gattin. Von Gott über die Eitelkeit alles Irdischen erleuchtet, stieg er vom Pferd, legte seine Rüstung vor allen anwesenden Rittern ab und beschloss, von nun an der Welt zu entsagen. Er setzte sich auf einen Esel und ritt so zum Erstaunen aller in sein Haus zurück. Nachdem er alles geordnet hatte, zog er barfuß aus, mit einem Bußgürtel unter dem eisernen Harnisch, und kam an verschiedene Wallfahrtsorte, zuletzt nach Rom, warf sich dem Papst zu Füßen, bekannte alle Sünden seines bisherigen Lebens und bat um eine Buße. Der Papst legte ihm auf, fünf (nach anderen Schriftstellern sieben) Jahre in Jerusalem die Kranken und Armen im Hospital zu bedienen. Gehorsam tat der edle Büßer, wie ihm geheißen.

 

Als die Bediensteten des Spitals sahen, dass Gerlach aus besseren Verhältnissen sei, wollten sie ihm leichtere Arbeiten übertragen. Er aber erklärte, er sei gekommen zu arbeiten und sich zu verdemütigen nach Christi Beispiel. Man beauftragte ihn sodann, das Vieh zu hüten. Gerlach übernahm es die ganzen fünf Jahre lang. Einst trat er sich einen Dorn in den Fuß und hatte große Schmerzen auszustehen. Da erinnerte er sich, dass er einmal im Zorn die Mutter mit dem Fuß gestoßen habe und dankte Gott, dass er nun Gelegenheit hatte, diese Sünde durch Schmerzen am Fuß abzubüßen. Als die Jahre um waren, kehrte er nach Rom zurück und beriet sich mit Papst Adrian IV. über seine zukünftige Lebensweise. An eine bestimmte Klosterregel wollte er sich nicht binden. Dagegen hatte er gelobt, nie Fleisch und Wein zu genießen und immer einen Bußgürtel zu tragen. Der Papst riet ihm, sich nicht als Besitzer, sondern nur als Verwalter des väterlichen Vermögens zu betrachten und für sich nur das Notwendige zu behalten, alles andere für die Armen und fromme Zwecke herzugeben. Gerlach hatte auf seinem Grund und Boden eine große Eiche von mächtiger Dicke. Diese höhlte er aus und nahm darin Wohnung. Jeden Morgen machte er sich zeitlich auf und wanderte bloßfüßig nach Maastricht in die Kirche des heiligen Servatius, jeden Samstag aber pilgerte er nach Aachen in die von Karl dem Großen gegründete Mutter-Gottes-Kapelle. Im Winter waren seine Füße oft von Eis zerschnitten, so dass Blut herausrann. Er aß Gerstenbrot, das ihm von einer Verwandten bereitet und von deren Tochter zugetragen wurde, und trank aus einer Quelle, die noch jetzt Gerlachquelle heißt. Wenn ihm Lebensmittel gespendet wurden, ließ er daraus schmackhafte Speisen bereiten, schenkte sie aber den Armen und Pilgern. Sein Lager in der Nacht war aus Steinen, über die er eine Matte breitete.

 

Von einigen Mönchen des Klosters Merssen wurde Gerlach beim Bischof von Lüttich verklagt und beschuldigt, dass er in seiner hohlen Eiche viel Geld versteckt habe. Der Bischof ließ die Eiche fällen, aber Geld wurde keins gefunden. Zu seiner Zeit lebte die heilige Hildegard. Diese sah einst in einer Vision einen herrlichen Thron im Himmel, der für den heiligen Gerlach bereitet war. Zum Zeichen ihrer Hochschätzung und Freundschaft schickte sie dem heiligen Einsiedler den Kranz, den sie zugleich mit dem Jungfrauenschleier vom Bischof von Mainz bekommen hatte. Statt der Eiche ließ der Bischof von Lüttich ihm zwei kleine Zellen erbauen, eine für den Gottesdienst und eine zum Wohnen. In der ersteren konnte mit Erlaubnis des Bischofs Messe gelesen werden und Gerlach bat öfters Priester, zu ihm zu kommen und das heilige Opfer zu feiern. Bei zunehmenden Alter konnte der fromme Einsiedler die Wege nach Maastricht und nach Aachen nicht mehr zu Fuß machen und bediente sich eines Esels. Über dem eisernen Wams, das den Bußgürtel verdeckte, trug er das weiße Ordenskleid der Prämonstratenser. Einmal war er bei Verwandten zu Besuch und blieb über Nacht. Man richtete ihm ein Bett her, er aber legte sich nicht hinein, sondern auf den Boden, und früh morgens, als man kam, Feuer zu machen, kniete er noch am Boden, tief im Gebet versunken. Als Gerlach dem Tod nahe und kein Priester zur Stelle war, erschien ein Greis in weißem Gewand, trat in die Zelle und spendete ihm die Sterbesakramente. Viele sagten nachher, es sei der heilige Servatius gewesen. Sein Todestag ist der 5. Januar 1172. Gerlach wollte in der kleinen Zelle, die er bewohnte, auch begraben sein. Sein Leichnam wurde einige Zeit nach seinem Tod auf wunderbare Weise aufgefunden. 1201 wurde ein Prämonstratenserkloster an der Stelle errichtet und die Gebeine in der Kirche beigesetzt. Das Kloster wurde 1786 aufgehoben, die Reliquien befinden sich noch jetzt in der als Pfarrkirche dienenden Kirche zu Houthen-St. Gerlach. Auch an anderen Orten entstanden Klöster und Gotteshäuser, die seinen Namen trugen, z.B. Gerlachsheim in Baden, das erst im Jahr 1803 dem Sturm der Säkularisation erlegen ist.

 

Auch nach der Lossprechung in der Beicht ist Buße notwendig. Wer den Weg der Unschuld nicht gegangen ist, muss den Weg der Buße gehen. „Wenn ihr nicht Buße tut, werdet ihr alle zugrunde gehen“, sagt der liebe Heiland.

 

Der heilige Telesphorus, Papst und Martyrer von Rom,

+ 5.1.154 - Fest: 5. Januar

 

Der heilige Telesphorus, neunter römischer Papst, war ein geborener Grieche, und lebte längere Jahre hindurch als Karmeliter-Mönch in der Einsamkeit. Aus Andacht machte er eine Wallfahrt nach Rom im Jahr 142, und da eben durch den Tod des Papstes Sixtus I. der päpstliche Stuhl erledigt war, wurde er am 8. April dieses Jahres zum Oberhirten der Kirche gewählt. Mit dem größten Eifer für die Ausbreitung und Reinheit der christlichen Religion verband er eine unermüdliche Wachsamkeit für das Seelenheil seiner ihm anvertrauten Gläubigen, und machte in dieser Hinsicht die nützlichsten Gesetze, die noch heut zu Tage in der katholischen Kirche beobachtet werden. Die vierzigtägige Fasten, die zu den Zeiten der Apostel schon gefeiert wurde, aber während den Verfolgungen in Abnahme geriet, erneuerte er, und verordnete, dass diese sowohl die Laien, vorzüglich aber die Geistlichen streng beobachten sollten. Um den Christen die hohe Feierlichkeit der Geburt Jesu recht nahe an das Herz zu legen, erlaubte er, dass in der Heiligen Nacht jeder Priester dreimal das heiligste Opfer verrichten dürfe. Er führte die schöne Gewohnheit ein, dass bei jeder Messe der englische Gesang „Ehre sei Gott in der Höhe“ gebetet und das heilige Evangelium laut gelesen wird. Er war der erste, der verordnete, dass weder die Bischöfe, noch andere geistliche Personen vor ein weltliches Gericht sollten gezogen werden. Damit der Gottesdienst und die Erteilung der heiligen Sakramente nicht unterbrochen wurde, weihte er dreizehn Bischöfe für verschiedene Kirchen, zwölf Priester und acht Diakonen.

 

Elf Jahre und neun Monate saß er auf dem päpstlichen Stuhl, als er unter der Regierung des heidnischen Kaisers Antonin am 5. Januar 154 gewürdigt wurde, sein Blut und Leben zur Verherrlichung der heiligen Religion Jesu zu opfern. Seine sterblichen Überreste wurden zu Rom neben dem Grab des heiligen Apostels Petrus beigesetzt, und nach sieben Tagen der heilige Hyginius zu seinem Nachfolger gewählt.

 

Die heilige Apollinaris, Prinzessin und Jungfrau in Ägypten,

+ 5.1. 5. Jhd. - Fest: 5. Januar

 

Unter der Regierung des Kaisers Arcadius zeichnete sich Anthemius, der die Würde eines römischen Bürgermeisters innehatte, sowohl durch seinen Eifer für die christliche Religion, als durch seine Tugenden und sein heiligmäßiges Leben aus. Er war Vater von zwei Töchtern, deren eine von einem bösen Geist besessen war, und die andere hieß Apollinaris, die von früher Jugend an eine seltene Neigung zur Einsamkeit und zum geistlichen Stand zeigte. Als die fromme Jungfrau, blühend wie eine Rose und geschmückt mit Liebreiz, in das erwachsene Alter kam, flogen ihr die Blicke aller adeligen jungen Männer entgegen und mehrere baten bei den Eltern um ihre Hand. Aber Apollinaris hatte sich längst schon ihrem Heiland geweiht und schlug standhaft alle Anträge aus. Durch ernstliches und unausgesetztes Bitten erhielt sie endlich von ihren Eltern die Erlaubnis, eine Reise in die heiligen Länder machen zu dürfen, und nachdem sie dort ihre Andacht verrichtet und allen Schmuck nebst ihren Reichtümern unter die Armen verteilt hatte und nach Alexandrien zurückkam, kaufte sie sich ein Mönchskleid, entließ ihre Dienerschaft bis auf einen Verschnittenen und einen alten Mann, und als diese eines Tages vor Ermüdung bei einer Quelle schliefen, warf sie eiligst ihre weiblichen Kleider von sich, zog die raue Mönchskutte an und entfloh.

 

Längere Jahre lang führte sie in der Einöde, die nahe bei dieser Quelle lag, die noch immer der Brunnen der heiligen Apollinaris genannt wird, ein so hartes und strenges Leben, dass ihr zarter Körper ohne Ungemach Hitze und Kälte ertragen konnte, und wegen Mangel an Nahrung sie mehr einem Toten, als einem Lebenden ähnlich war. Sie wurde endlich von Gott ermahnt, den Namen Dorotheus anzunehmen und sich in die Wüste Scete zu begeben, um unter der Anleitung des heiligen Abtes Macarius in der Gottseligkeit vollkommen zu werden. Macarius, der sie für einen Verschnittenen ansah, nahm sie gütig auf und wies ihr eine Zelle an, in der sie die harten Regeln der Genossenschaft mit einem solchen Feuereifer ausübte, dass sie in der Abtötung und Heiligkeit des Lebens bald alle Einsiedler übertraf.

 

Nach einiger Zeit verlangte die Schwester der heiligen Apollinaris auf Antrieb des bösen Geistes von ihren Eltern, sie in die Wüste Scete zu dem Einsiedler Dorotheus zu bringen, um dort geheilt zu werden. Anthemius, der nach dem Tod des Arcadius im Namen des unmündigen Kaisers Theodosius das Reich regierte, erfüllte das Verlangen seiner unglücklichen Tochter und schickte sie, begleitet von einer großen Dienerschaft, in die Wüste, wo sie durch das Gebet und die Händeauflegung der heiligen Apollinaris von dem bösen Geist befreit wurde. Ohne ihre heilige Schwester erkannt zu haben, kehrte sie gesund zu ihren Eltern zurück, die aber bald an ihr Spuren einer Schwangerschaft fanden. Bei dieser Entdeckung geriet Anthemius in eine solche Wut, dass er eine Schar Kriegsknechte abschickte mit dem Auftrag, die Einsiedler in der Wüste mit Feuer und Schwert zu verfolgen und den Verführer seiner Tochter ihm lebendig zu überliefern.

 

Wilden Tieren gleich fielen die Soldaten die heiligen Einsiedler an, um blutige Rache an ihnen zu nehmen. Aber Dorotheus trat hervor und sprach: „Ich bin die Person, die ihr sucht. Alle diese sind unschuldig: nur auf mich allein richtet eure Schwerter!“ Sogleich wurde Apollinaris in schwere Fesseln gelegt und vor das Gericht des Arthemis gebracht. Sie fiel ihrem Vater zu Füßen und sprach unter vielen Tränen: „Ich habe deine Tochter von dem bösen Feind befreit, und ihre Unschuld ist so rein, als die Sonne am Himmel. Zum Beweis rufe deine Tochter, damit ich durch das Zeichen des heiligen Kreuzes das Blendwerk des Satans zerstöre.“ Die Jungfrau erschien, und schrie bei dem Anblick des Einsiedlers laut auf: „O heiliger Mann, du hast mich von dem bösen Geist befreit; flehe zu Gott für mich Arme, dass er meine Unschuld aufdecken möge!“ Bei diesen Worten fiel sie auf ihre Knie, und Apollinaris hob ihre Augen und Hände zum Himmel und betete in der Stille. Dann bezeichnete sie ihre Schwester mit dem heiligen Kreuz, und zum Staunen aller Anwesenden wichen alle Anzeichen einer geheimen Sünde. Die Heilige gab sich nun ihren Eltern zu erkennen und zog wieder in ihre Wüste zurück, wo sie am Anfang des 5. Jahrhunderts im Ruf der Heiligkeit starb.

 

Erst nach ihrem Tod, als ihr Leichnam gewaschen wurde, entdeckten die Einsiedler ihr Geschlecht, und lobten Gott, der durch ein so schwaches Werkzeug so Wundervolles tat.

 

Der heilige Eduard der Bekenner, König von England,

+ 5.1.1066 - Fest: 5. Januar / 13. Oktober

 

Schwer hatte es während der irdischen Laufbahn der heilige König Eduard. Englands himmlischer Schirmer und Schutzherr, der um das Jahr 1000 lebte. Früh starb der Vater, die Dänen eroberten das Reich, und die Herrscherfamilie kam landflüchtig an den fränkischen Königshof. Wüste Sitten herrschten dort. Dass sich Eduard in dieser Umgebung in aller Lauterkeit erhielt, verdankt er neben dem besonderen Schutz Gottes und dem eigenen herrlichen Willen, dem aller Schmutz ein Ekel war, vornehmlich der innigen Verehrung und Nachahmung des heiligen Apostels und Evangelisten Johannes, des Lieblingsjüngers Jesu. Da sieht man, dass die Heiligen beim lieben Gott doch viel vermögen.

 

Eine Lilie, die weiß und rein am Straßenrand blüht, fällt allen, die vorübergehen, in die Augen, und auch Eduards Lauterkeit blieb im Schmutz des königlichen Hofes nicht unbeachtet, und während ihn die Gutgesinnten achteten und ehrten, wie es sich gebührt, hänselten ihn die anderen, die Dreck am Stecken hatten, und nannten ihn spöttisch den „Engel“. Das war gemein und unschön, aber Eduard fiel auf den Schwindel nicht herein, sondern war Manns genug, den Spott zu ertragen, und blieb, was er war, der edle, lautere junge Mann. Nur ein Schwächling lässt sich durch die Hänseleien zügelloser Jungen und Mädchen beirren, ein Held – nie!

 

Als Eduard volljährig geworden war, drängte man ihn, sich mit Waffengewalt sein angestammtes Reich zurückzuerobern. Da gab der König die wahrhaft königliche Antwort, er wolle keine Herrschaft, die mit Blut erkauft sei. Wenn alle hohen Leute so dächten, hätte es nie einen Krieg gegeben und unübersehbares Elend wäre der Menschheit erspart geblieben.

 

Dann jedoch fügte es sich, dass die Dänen aus England weichen mussten, und Eduard wurde auf den angestammten Thron zurückgerufen und am Ostertag des Jahres 1042 im Alter von dreißig Jahren unter großen Feierlichkeiten zum König gesalbt und gekrönt. Gut fünfundzwanzig Jahre führte er als Friedensfürst in der Nachfolge des Christkönigs, dessen Fest wir bald feiern, das Land, und brachte es zur Wohlfahrt und Ansehen vor allem dadurch, dass er die Ehrfurcht vor Gott im Volk hob. So war seine Regierung die denkbar glücklichste, weil er selbst das Gesetz seines Gottes im Herzen trug.

 

Vor allem ließ König Eduard es sich angelegen sein, wie der Heiland Wohltaten spendend einherzugehen. Unerschöpflich war seine Güte gegen die Armen, und schon zu Lebzeiten blühten Wunder an dem Weg, den er ging. Einmal beispielsweise, so berichtet die Legende, traf der König in den Straßen Londons einen Krüppel, dessen Beine so übel verwachsen waren, dass er sich nur mit Hilfe der Hände wie ein Tier fortbewegen konnte. Auf die Frage des Königs, wie er ihm wohl helfen könne, entgegnete der Krüppel: „Herr, es ist mir der Gedanke gekommen, dass ich sogleich gesund würde, wenn mich der König auf seinen Schultern zur Kirche tragen würde.“ Da hob Eduard den Bettler auf und trug ihn huckepack ins nächste Gotteshaus und setzte ihn vor dem Altar nieder, und da streckten sich die Glieder des Mannes, und in einem einzigen Augenblick war er ein wohlgewachsener Mann, stattlich und groß. Wunderbar ist Gott in seinen Heiligen.

 

Im Jahr 1066 vertauschte König Eduard die irdische Krone mit der himmlischen Krone, die über und über geziert war mit den Diamanten und Edelsteinen seiner Wohltätigkeit und seines heiligen Lebens.

 

Der heilige Johannes Nepomuk Neumann,

Redemptorist, Bischof von Philadelphia,

+ 5.1.1860 – Fest: 5. Januar

 

Das an Produkten der Natur und des menschlichen Fleißes reiche Böhmerland hatte in den letzten Jahrhunderten einen harten Kampf für die Erhaltung seines katholischen Glaubens zu führen, dem schon früher die hussitische Irrlehre so schwere Wunden geschlagen hat. Wie ist da der göttlichen Vorsehung gebührend Dank zu sagen, dass sie diesem Land einen neuen Fürbitter unter den himmlischen Scharen zu geben gewillt ist, einen Fürbitter, den zugleich auch sein zweites Heimatland, Amerika, in Anspruch nimmt. Noch hat die „Neue Welt“ mit ihrer kurzen Geschichte dem amtlichen Heiligenkalender kaum einige Namen gegeben. Der Seligsprechungsprozess war aber für Bischof Neumann mit gutem Erfolg im Gange. Am 19. Juni 1977 wurde er von Papst Paul VI. heiliggesprochen.

 

Johann Nepomuk Neumann ist in der alten Stadt Prachatiz im Böhmerwald am 28. März 1811 geboren. Sein Vater, ein Strumpfwirker und Gemeindebediensteter, war dorthin aus Bayern eingewandert. Er wie die Mutter waren kernhaft fromm und christlich. Streng und unnachsichtig strafte der Vater jede Lüge, die Mutter aber flößte den Kindern besonders Liebe zu den Armen ein und hielt sie zu täglichem Besuch der heiligen Messe an ihrer Seite und zu häufigem Kommunionempfang an. So schufen die Worte und noch mehr das treffliche Beispiel der Eltern die sicherste Grundlage für die gute religiöse Entwicklung des unschuldigen Jungen, von dem sein Religionslehrer schrieb: „Ich gedachte oft bei diesem Jungen der Worte, die von Johannes dem Täufer geschrieben stehen: Was wird wohl aus diesem Kind werden?“ Priester zu werden war Johanns Wunsch. Darum wurde er mit zwölf Jahren aufs Gymnasium nach Budweis geschickt. Die ersten Lehrer aber verleideten ihm das Studium so, dass er nach dem vierten Jahr daran war, es aufzugeben und ein Handwerk zu lernen. Der Vater war einverstanden, aber die Mutter und Geschwister vermochten Johann zur Rückkehr nach Budweis wieder umzustimmen. Ein völliger Umschwung trat nun ein; er überflügelte seine Mitschüler und lernte neben dem Vorgeschriebenen auch noch die neueren Sprachen, die er später so gut sollte verwerten können. Neben dem Studium erfasste der fromme Student aber auch schon damals die Bildung seiner Seele, den Dienst des Herrn. Abtötung und Selbstverleugnung waren ihm nichts Fremdes, ein Zeichen, dass kein gewöhnliches Streben ihn beseelte. Morgens und abends begnügte er sich mit einem Stück trockenen Brotes und legte sich noch überdies manche heimliche Entbehrung auf.

 

„Die erste Eigenschaft des schönen Charakters dieses später so berühmten Mannes war sein kindlich frommes Gemüt, sein anspruchsloses, demütiges Wesen. Dabei war er so freundlich, so gefällig, so leutselig und war jederzeit zu allen Liebesdiensten bereit, die man von ihm verlangte“, so urteilte ein Mitschüler über ihn. Als er sich mit zwanzig Jahren endgültig über den Beruf entscheiden sollte, da neigte der fromme Student auf einmal zum Studium der Medizin hin. Der Vater stimmte wieder zu, aber die Mutter, die das Herz ihres Sohnes kannte, riet zum Eintritt ins Klerikalseminar zu Budweis. Johann folgte dem mütterlichen Rat, und die Zukunft rechtfertigte aufs glänzendste den klaren Blick der Mutter und den Gehorsam des Sohnes.

 

Einst sprach der Professor der Schrifterklärung über den Flammeneifer des Weltapostels Paulus. Die Worte zündeten in dem Herzen eines Freundes Neumanns. Er entschloss sich für die Missionen und teilte dies Neumann mit. Dieser, schon durch die Berichte der Leopoldsgesellschaft für die auswärtigen Missionen eingenommen, entschied rasch die Unterredung: „Ich gehe mit dir nach Amerika.“ Dieser Erdteil war damals noch reines Missionsland. Nicht irdischer Lohn, nicht Ehre, nur reiner Seeleneifer zogen den jungen Mann und befähigten ihn zu den größten Opfern. Und Glied an Glied reihten sich nun die Opfer aneinander an dieser endlosen Kette des Missionsberufes. Es kostete Mühe, die Zustimmung der Eltern zu erlangen. Längeres Studium im Seminar zu Prag, wo er sich auf der Universität Gelegenheit zur Vervollkommnung in den neueren Sprachen erhoffte, brachten ihm viel Enttäuschungen, innere Kämpfe und schließlich auch großes Herzeleid durch einen verleumderischen Mitschüler. Zuletzt wurde ihm auch die Bitte um Empfang der Priesterweihe nicht erfüllt. Es war ein Säen in Tränen; doch stärkte es nur seinen Willen und festigte seinen Charakter.

 

Im Jahr 1836 verließ Neumann die Heimat. Unter vielen Entbehrungen machte er die Reise durch Frankreich zu Wagen und zu Fuß, in tiefer Niedergedrücktheit, als die gegebene Zusicherung der Aufnahme in die Diözese Philadelphia ganz ungewiss wurde. Doch eben diesen Sprengel sollte er einmal als Bischof segnen. Auf der Überfahrt erhoben sich auch die Elemente feindlich gegen ihn. An vier verschiedenen Tagen tobte der Sturm. Einmal lehnte der verlassene Auswanderer, in Gedanken an seine ungewisse Zukunft vertieft, an einem Mastbaum, ohne zu merken, wie der Sturm an Heftigkeit zunahm. Plötzlich, wie von unsichtbarer Macht ergriffen, kam Neumann zu sich und ging von seinem Platz weg. Im selben Augenblick brach die Segelstange und stürzte nieder. Wäre er noch am alten Platz gewesen, würde es ihm das Leben gekostet haben. Von diesem Vorfall an überließ er sich ganz der Vorsehung Gottes.

 

Vom Bischof von New York mit großer Freude aufgenommen, erhielt Neumann sofort die Abhaltung der Christenlehre in der dortigen deutschen Kirche übertragen. Schon am 25. Juni 1836 wurde ihm das Glück zuteil, die Priesterweihe, das Ziel seines Jugendstrebens, zu erhalten. Seinem Tatendrang und glühenden Seeleneifer wurde sogleich ein weites Feld der Betätigung eröffnet, indem er von seinem Oberhirten einen weiten Missionssprengel bei Buffalo zugewiesen erhielt, den er von Williamsville, später von Nordbusch aus leitete. Alle Mühen und Entbehrungen eines Missionspriesters erwarteten ihn hier. Die weiten Märsche durch Sümpfe, die vielen Gefahren von Seiten wilder Tiere und böser Menschen schreckten ihn nicht. Der Anblick der Verlassenheit so vieler Seelen, verbunden mit größter Unwissenheit in religiösen Dingen, machten seinem seeleneifrigen Herzen alle Opfer leicht. Gar oft erfuhr er wunderbar Gottes mächtigen Schutz. Immer mehr wuchs die Arbeitslast, ohne dass ihm, trotz dringender Bitten, ein Mitarbeiter hätte gegeben werden können. Dabei hatte er niemand, der zu Hause seine Wohnung und den Tisch besorgt und ihn gegen die furchtbare Kälte jenes Himmelsstriches genügend geschützt hätte. Viel sind der Dornen, die ein Missionsfeld birgt. Umso schmerzlicher müssen sie verwunden, wenn noch absichtliche Bosheit hinzukommt. So traf den edlen Priester eine schwere Verleumdung, die in aller Öffentlichkeit verbreitet wurde. Der Unschuldige lächelte nur darüber, bis schließlich der Anstifter selber der allgemeinen Verachtung anheimfiel. Neumann aber hatte nur Mitleid mit ihm. Ein anderes Mal wurde er mit Erschießen bedroht, und wieder einmal mit Kot und Steinen beworfen, er, der die Güte und Milde für seine Person selbst war. Galt es freilich die Ehre Gottes oder das Seelenheil des Nächsten, so bestand er allerdings fest auf den kirchlichen Grundsätzen.

 

Lange schon fühlte der Missionar schwer das Gefahrvolle seiner Vereinsamung. Um wieviel fruchtbarer gestaltete sich eine Wirksamkeit im Schutz und Rückhalt einer Genossenschaft! Neumann trat deshalb im Jahr 1840 bei den Redemptoristen in Pittsburg ein, zugleich mit seinem Bruder Wenzel, der ihm schon in letzter Zeit nach Art eines Laienbruders gedient hatte. Aber selbst im Noviziat hatte der Diener Gottes nur wenig Ruhe von apostolischen Arbeiten. Bei dem großen Priestermangel musste er in verschiedenen Städten, wie in Baltimore, New York, Rochester, Norwak, Buffalo bisweilen monatelang aushelfen. Durch Ablegung der Gelübde Mitglied einer Genossenschaft, deren Hauptziel die Seelsorgetätigkeit durch Missionen ist, schien sein Seeleneifer keine Rast und Grenzen mehr zu kennen. Die Liebe Christi, die ihm im Herzen flammte, trieb ihn unaufhörlich zu neuen Unternehmungen. Schon nach einem Jahr wurde Pater Neumann Oberer in Pittsburg. Allen alles zu werden, besonders seinen Mitbrüdern, war ihm Herzenssache. Mit ängstlicher Pünktlichkeit verlangte er die Beobachtung der Regel, denn er war der Überzeugung, dass das äußere Wirken nur dann gesegnet sei, wenn die Ordensregel gewissenhaft gehalten werde. Was er von anderen verlangte, übte er aber selbst aufs Genaueste. Lebendige Wegweiser in Ordenshäusern dürfen nicht wie Straßenzeiger die Richtung angeben und selbst stehen bleiben, sie müssen vorangehen. Das beachtete Pater Neumann.

 

Den erprobten Ordensmann, der kaum von einer schweren Krankheit, die er sich durch Überanstrengung zugezogen hatte, genesen war, traf bald die Ernennung zum stellvertretenden Provinzialoberen der Redemptoristen in Amerika. Sie besaßen damals zehn Niederlassungen mit dreißig Patres. Um dem ausgedehnten Arbeitsfeld neue Kräfte zuzuführen, errichtete der Provinzial neue Häuser in New Orleans, Cumberland, Buffalo und New York. Sehr wichtig erschien ihm auch die Abhaltung von Exerzitien für Priester und Ordenspersonen. Der Heranbildung der Priester seiner eigenen Kongregation galt sein besonderes Augenmerk. Den Novizen in Pittsburg gab er den heiligmäßigen Pater Xaver Seelos zum Novizenmeister, während er die Profess-Studenten bei sich in Baltimore behielt.

 

Überzeugt von der fruchtbaren Wirksamkeit und dem großen Einfluss der Ordensfrauen auf das Leben der Gläubigen durch Wort und Beispiel, besonders in der Erziehung der Jugend, nahm Pater Neumann sich ihrer überall an. Unter seiner väterlichen Fürsorge wuchs das Institut der verlassenen farbigen Schwestern, die Karmelitinnen in Baltimore förderte er sehr als ihr Beichtvater, den Armen Schulschwestern aber, die 1847 von München aus den Versuch einer Niederlassung in Amerika machten, ging er in ganz besonderer Weise an die Hand. Er sorgte für die erste Unterkunft, verschaffte ihnen Haus und Schulen und empfahl sie besonders den Bischöfen. „Dieser Mann Gottes“, so rühmte von ihm die Oberin der amerikanischen Schwestern, „war in der Tat das Werkzeug, dessen sich die göttliche Vorsehung bediente, dem Orden der Schulschwestern in den Vereinigten Staaten Verbreitung und Befestigung zu verschaffen, so dass wir ihn mit Recht als unseren Gründer in Amerika verehren.“ Übrigens gründete der Heilige später (1855) als Bischof eine neue Kongregation von armen Franziskanerinnen, die zu hoher Blüte gelangt ist. Zu ihrer Führung berief er auch Franziskanerpatres aus Deutschland.

 

Dem rastlosen und vielseitigen Arbeiter im Weinberg des Herrn wurde unerwartet eine hohe Auszeichnung und damit ein noch unvergleichlich weiteres Feld der Betätigung seines Glaubenseifers und seiner Seelenliebe übertragen. Erzbischof Kenrick von Baltimore sagte eines Tages scherzend zu Pater Neumann, der sein Beichtvater war: „Verschaffen Sie sich eine Mitra! Ich habe erfahren, dass sie Bischof von Philadelphia werden sollen.“ Da fiel der demütige Ordensmann auf die Knie nieder und flehte den Erzbischof unter Tränen an, er möge doch alles aufbieten, dass diese Bürde ihm nicht auferlegt werde. Er wandte sich auch an den Generalprokurator der Redemptoristen in Rom, betete viel und ließ viel beten, um die Würde abzulenken. Der Heilige Vater Pius IX. ließ jedoch den Befehl an den Erwählten ergehen, das Bistum Philadelphia aus Gehorsam anzunehmen, ohne ferner zu appellieren. Am Passionssonntag 1852 zum Bischof konsekriert, nahm der neue Seelenhirt sich zum Wahlspruch seines Wirkens die schöne Anrufung: „Leiden Christi, stärke mich!“ Vom göttlichen Erlöser erbat er sich immer Kraft zum überaus schweren Amt. Wie er selber gerne betete, so suchte er auch den Gebetseifer in den Herzen der Gläubigen zu mehren. Besonders leitete er sie zur Anbetung des Allerheiligsten an. Daher führte er das vierzigstündige Gebet und die Erzbruderschaft vom allerheiligsten Sakrament ein. Nach und nach besuchte er seine ganze ungeheuer große Diözese, aus der jetzt fünf neue Bistümer gebildet sind. Das war eigentlich eine fortgesetzte Mission. Mit großem Eifer predigte er selbst, hörte Beicht, unterrichtete die Kinder. Da er alle Sprachen, die in seiner Diözese gesprochen wurden, sprach, so konnte er allen genügen. O wie froh war da mancher, wieder einmal in seiner Muttersprache und dazu vom gütigen Vater der Diözese selber das Wort der Lossprechung und des Trostes hören zu dürfen! In den ersten fünf Jahren seiner bischöflichen Amtsführung eröffnete er über fünfzig neue Kirchen. Der Bau der Kathedrale in Philadelphia, eines großartigen Bauwerkes, fiel auch ihm als sorgenvolle Aufgabe zu. Philadelphia verdankt ihm auch das Priesterseminar. Überall sorgte er für katholische Schulen.

 

Auf Wunsch von Papst Pius IX. kam Bischof Johannes Neumann 1854 zur feierlichen Erklärung des Glaubenssatzes von der unbefleckten Empfängnis Mariens nach Rom. Zur Verherrlichung der allerseligsten Jungfrau etwas mit beitragen zu können, dieser Gedanke erfüllte den innigen Verehrer der Gottesmutter mit seligem Herzensjubel. Auf der Rückreise besuchte er auch seine liebe Heimat, zur größten Freude seines noch lebenden Vaters und seiner vielen Jugendfreunde. Es sollte ihm nicht gelingen, still und unerwartet einzutreffen, vielmehr wurde er im Triumph in seine Vaterstadt geführt und aufs glänzendste empfangen. Der Ruf seiner Heiligkeit war unter das Volk gedrungen, und so entstand während der sechs Tage, die er im Elternhaus zubrachte, bisweilen ein solches Gedränge, dass der Bischof buchstäblich in Lebensgefahr kam. Seine Sanftmut und Leutseligkeit, seine große Demut und Bescheidenheit, wie die Worte der Erbauung, die er sonntags an das Volk richtete, hinterließen den tiefsten Eindruck. So war es auf der ganzen Reise. Auch in Altötting, dem berühmten bayerischen Marienheiligtum, verweilte er einige Tage bei seinen Mitbrüdern in St. Magdalena, die damals dort die Wallfahrtsseelsorge innehatten.

 

Wieder in sein Bistum zurückgekehrt, nahm Bischof Neumann hervorragenden Anteil am Provinzialkonzil in Baltimore vom 9. bis 20. Mai 1855. Nur noch wenige Jahre der unausgesetzten Tätigkeit waren ihm beschieden. Wie sein Ordensvater Alphonsus hatte er das Gelübde gemacht, keinen Augenblick Zeit zu verlieren, ein Gelübde, das die gewaltigste Willenskraft und Selbstzucht zu seiner Ausführung erfordert. Der gottselige Alphonsusjünger hat es treu gehalten bis zum Tod. Oft nahmen ihn die Arbeiten bis Mitternacht in Anspruch, bisweilen bestand sein Schlaf nur in kurzem Ruhen, auf einem Stuhl sitzend. Trotzdem übte der Mann steter Selbstverleugnung noch harte Abtötung in bescheidener, unauffälliger Weise, um niemand lästig zu fallen. Fortwährend gebrauchte er einen scharfen Bußgürtel. Über des Heiligen innere Abtötung bekennt sein Seelenführer: „Durch beständige Wachsamkeit über seine Augen und durch die Sammlung des Geistes hat er jeder Leidenschaft den Zugang zum Herzen verschlossen. Seine jungfräuliche Seele beschäftigte sich stets mit Gott, er hatte einen hohen Grad des Gebetes erlangt.“

 

So wurde der fromme Diener des Herrn reif für den Himmel. Durch die ununterbrochenen Anstrengungen körperlich geschwächt, erlag er ganz unerwartet am 5. Januar 1860, mitten auf der Straße einem Schlaganfall. Er zählte noch keine vollen 49 Jahre. Pater Seelos schreibt später in einem Brief, er habe, als er tags darauf, am Dreikönigsfest, in Pittsburg seinen Predigtzuhörern die eben eingetroffene Trauerbotschaft verkündigte, in aller Augen Tränen sehen können. Bischof Neumann habe wie ein Heiliger gelebt, dies habe ihm großen Trost gegeben und ihn zuversichtlich hoffen lassen, dass er im Himmel sei. In heiligen Dienstgeschäften sei er auf der Straße verstorben und sein Fleisch bis jetzt noch unverweslich geblieben.

 

Über die Art des Todes äußerte sich Bischof Neumann einmal, vielleicht in Vorahnung des seinigen: „Ein Christ, noch mehr ein Ordensmann soll immer auf einen guten Tod vorbereitet sein, und in diesem Fall hat ein schneller Tod seine Vorteile. Wir ersparen uns und unseren Mitbrüdern, die uns in der Krankheit bedienen, so manche Gelegenheit zur Ungeduld. Und der Teufel hat nicht Zeit, uns zu versuchen. Jedenfalls ist die Art des Todes für uns die beste, die Gott uns zuschickt.“

 

Die heilige Synkletika, Nonne von Alexandria,

+ 5.1. um 350 – Fest: 5. Januar

 

Diese heilige Jungfrau vereinigte so viel Gutes in sich, dass es der menschlichen Sprache, so gewandt sie sein mag, an Kräften gebricht, es darzustellen. So beginnt ein neuerer Heiligenbeschreiber ihren Lebensabriss. Eine alte Beschreibung ihres Lebens aus der Zeit des heiligen Athanasius (+373) – man möchte sie sogar diesem großen Gottesgelehrten selbst zuschreiben, aber ohne festen Grund – erhebt sie mit hohem Lob. Ihr Leben war vorbildlich an heroischen Tugenden, ihre Weisheit und Einsicht ins geistliche Leben war hochgeschätzt von ihren Zeitgenossen, so dass ihre Aussprüche in einer alten Belehrung über die Tugenden, die im „Leben der Väter“ zu finden ist, gleich denen von Geisteslehrern zum Beweis angezogen werden, wie auch ihre umfangreichen Belehrungen gesammelt und so bis auf unsere Zeit erhalten wurden. Schließlich war Synkletika noch ein bewundernswertes Beispiel starkmütiger und ausdauernder Geduld im Leiden. Dieses mustergültige Lebensbild Synkletikas hat, in Anbetracht dessen, dass auch über die Zeit ihrer Geburt und ihres Todes keine näheren Angaben bekannt sind, sogar einige Kritiker in Versuchung gebracht, ihr Leben nur als eine einfache Ermahnung zur Tugend anzusehen, die man in die Form einer geschichtlichen Persönlichkeit eingekleidet habe. Indessen betrachtet sie unsere heilige Kirche nicht als ein Phantasiebild der Heiligkeit, sondern als ein lebendiges Vorbild im Kranz der Heiligen; denn sie feiert ihr Andenken im Morgenland am 4. Januar, im Abendland am 5. Januar und 1. März.

 

Synkletika, deren Eltern aus Mazedonien stammten, war nach Angabe ihrer Akten in Alexandrien in Ägypten geboren, in dem Jahrhundert, in dem Gott den heiligen Antonius (+ um 356) glänzen ließ, damit beide Geschlechter ihr Vorbild haben sollten in einem gänzlichen, rückhaltlosen Verzicht auf die Welt, wie ihn damals der Heilige Geist in Tausenden von Christenherzen zum Staunen der Mitwelt wachrief. Der Adel von Synkletikas Familie, die Schönheit ihres Leibes und Geistes, wie auch ihr Reichtum ließen sie sehr angesehenen Freiern der Stadt als begehrenswert erscheinen. Aber schon hatte der edelste und heiligste Bräutigam, Jesus Christus, als alleiniger siegreicher Bewerber Besitz von ihrem Herzen ergriffen. Den Spuren der heiligen Thekla folgend, kämpfte sie ihr ganzes Leben lang gegen die heftigsten Versuchungen, über die Gottes Gnade sie immer siegreich werden ließ. Sie war überzeugt, dass der Mensch den gefährlichsten Feind in sich selber hat, und oblag deshalb mit Bedacht jeglicher Art von Abtötung des Fleisches und des Herzens. Lange, strenge Fasten waren ihr so lieb, dass sie die Notwendigkeit, öfter als sie wünschte, Speisen nehmen zu müssen, als eine Qual ansah.

 

Nach dem Tod ihrer Eltern widmete sie sich zunächst noch der Pflege einer kränklichen Schwester. Dann aber schied sie sich gänzlich von der Welt, verteilte ihre großen Güter an die Armen und bezog als Wohnung eine jener Grabkammern, wie sie damals in Felsengräbern öfter errichtet wurden. Noch in voller Lebensfrische stehend, wollte sie schon das Sterben lernen und, der Erde tot, nur ihrem Gott leben. Das allein schien ihr das wahre Leben zu sein, denn das einzige Ziel des Menschen ist ja Gott. Die Betrachtung seiner Größe, Liebe und Barmherzigkeit, das Studium der himmlischen Weisheit, die Übung strengster Buße waren fortan ihr eigentlicher Beruf.

 

Um schon äußerlich sich als gottgeweihte Jungfrau zu bekennen, hatte sie sich den schönen Schmuck der Frau, das Haupthaar, durch einen Priester, also in kirchlich-zeremonieller Form, abnehmen lassen. Die Erneuerung des Gelübdes der Jungfräulichkeit, das sie schon früher für sich abgelegt hatte, band sie jetzt noch enger an Gott, den einzigen Gegenstand ihrer Liebe. Er allein war auch in der ersten Zeit der einzige Zeuge eines wahrhaft engelgleichen Lebens, eines wirklichen „Wandels im Himmel“, den diese gottbegeisterte Jungfrau in ihrer Grabeszelle führte.

 

Indessen ließ die göttliche Vorsehung nicht zu, dass ein solcher Schatz allzu lange verborgen blieb, ohne auch anderen durch äußere Anregung zu nützen, wenn auch schon das Gebet und die Bußwerke der Frommen allein die Kirche Gottes reichlich befruchten. Der Glanz ihrer Tugenden durchdrang das Dunkel, in das sie sich zu begraben sorglich bestrebt war. Mädchen und Frauen kamen, erbaten ihre Leitung und schöpften aus ihrem leuchtenden Beispiel und ihren hinreißenden Belehrungen gewinnreiche Förderung ihres geistlichen Lebens. Aus einem liebeglühenden Herzen, reich durch eigene Erfahrung und den Gnadeneinfluss des Heiligen Geistes, floss ihr die Rede mit himmlischer Ruhe, einnehmender Salbung und erhebender Begeisterung. Ihre Ermahnungen sind vortrefflich geeignet, den zeitlichen Wandel der in der Welt lebenden Frauen zu regeln. „O, wie glücklich würden wir sein,“ sprach sie bisweilen, „wenn wir, um Gott zu gefallen und den Himmel zu verdienen, nur tun würden, was die Weltmenschen tun, um vergängliche Güter zusammenzuhäufen. Zu Land setzen sie sich der Raubsucht der Diebe aus, auf dem Meer geben sie sich der Wut der Winde und Stürme hin; weder Gefahren noch Schiffbruch schrecken sie. Sie versuchen, sie wagen alles, und wir, wenn es darauf ankommt, einem so großen Herrn zu dienen, der uns unbegreifliche Güter verspricht, wir lassen uns schon durch den leisesten Widerspruch in Furcht setzen!“

 

Über die verschiedene Lage des geistlichen und weltlichen Lebens sprach Synkletika: „Auf dieser Welt sind wir niemals sicher. Darum sagt der heilige Apostel Paulus: „Wer da steht, der sehe zu, dass er nicht falle!“ Unser Schiff fährt auf unsicherem Element, wie der Psalmist sagt: „So ist diese Welt ein unsicheres Meer.“ Jedoch sind auch die Legen dieses Meeres unter sich verschieden, denn etliche sind voll von Gefahren, andere sind etwas sicherer. Dem gleicht, dass wir im geistlichen Stand an einer guten, windstillen Stelle, die Weltmenschen hingegen an einer gefährlichen Stelle fahren. Hinwiederum haben wir den hellen Tag und leuchtet uns die Sonne der Gerechtigkeit, die Weltlichen aber fahren in der Nacht der Unwissenheit. Nichtsdestoweniger kommt es mehrfach vor, dass die Weltmenschen, die in Finsternis und Ungewitter einherfahren, aus Furcht vor der Gefahr zu Gott rufen und so durch ihre Wachsamkeit glücklich ans Gestade gelangen; dass hingegen wir um unserer Saumseligkeit willen in der Unsicherheit zugrunde gehen, weil wir das Steuerruder der Gerechtigkeit verlieren und verlassen.“

 

So belehrte Synkletika die Ratsuchenden. Da mehrere von denen, die sich ihrer Führung anvertrauten, bei ihr zu bleiben wünschten, bildete sich eine Art klösterlichen Zusammenseins unter gemeinsamen Regeln und unter der lebendigen Autorität der Heiligen. Sie wurde dadurch die Lehrerin zahlreicher Klosterfrauen, weshalb sie auch in manchen Heiligenverzeichnissen den Namen Äbtissin führt. Wir haben hier die Anfänge des weiblichen Klosterlebens, wie zur selben Zeit auch die Schwester des heiligen Antonius eine Vereinigung von Jungfrauen nach dem Vorbild der Männerklöster veranlasste. Wie Antonius der Vater der Mönche, so wurde die heilige Synkletika die „Mutter der Nonnen“.

 

Schon war die Heilige hochbetagt an Jahren, als sie der Herr noch in seine Leidensschule nahm, damit sie auch hierin den Ihrigen ein ruhmvolles Beispiel hinterlasse. Erst litt sie dreieinhalb Jahre an einem langsamen Fieber, das an ihrem Inneren zehrte. Dann wurde sie von einem Krebsleiden ergriffen, das mit einem schrecklichen Geschwür am Mund begann, einen großen Teil des Gesichtes wegfraß und sich dann auf die übrigen Teile des Körpers verbreitete. So unerträglich war der Geruch, den dieses Übel aushauchte, dass niemand sich ihr auch nur auf kurze Zeit nahen konnte, ohne vorher ein Räuchermittel anzubrennen. Nur sie allein schrak nicht davor zurück, sie wollte nicht einmal besondere Heilmittel annehmen, indem sie das Leiden als von Gott gegeben tragen wollte, wie der Dulder Hiob, in vollkommener Gleichförmigkeit mit dem Willen Gottes. Den Arzt ließ sie nur auf seinen Einwand hin zu, dass er die schon abgestorbenen Teile unschädlich machen müsse, um ihre Pflegerinnen gegen Ansteckung zu schützen. Längst schon konnte sie nicht mehr reden, da ihr die Fäulnis Gaumen und Zunge zerfressen hatte; aber laut sprach und predigte noch ihre unvergleichliche Geduld und heilige Ergebung.

 

Gott, der ihr eine neue Art schwersten Martyriums auferlegt hatte, suchte sie zuletzt auch mit großem Trost heim. Er ließ sie erkennen, dass die glückliche Stunde ihrer herrlichen Belohnung nahe, und gewährte ihr im Angesicht des Todes fühlbare Freuden und eine Verzückung, in der sie sich schon im Voraus von den Engeln und den heiligen Jungfrauen umringt sah, mit denen sie für immer vereinigt werden sollte. Das Vorgefühl der nahen Glorie verriet sich in einem unaussprechlich schönen Lichtglanz. Ja im Tod wandelt sich ärgstes Erdenleid in köstlichste Himmelsfreud.

 

Über Leiden sagt die heilige Synkletika: Wenn dein Leib mit Schmerzen durchschnitten, mit Fieber entzündet und mit unerträglichem Durst geplagt wird, und du steckst in Sünden und Lastern, der du dieses leidest, so denke an das ewige Feuer, an die immerwährenden Strafen. So wirst du nicht kleinmütig werden; gib nur hin, was dir auf der Welt widerfährt. Überdies freue dich, dass dich Gott der Herr heimsucht. Führe jenes denkwürdige Wort des Büßers David auf der Zunge: „Der Herr hat mich gezüchtigt und gestraft und hat mich doch dem Tod nicht übergeben.“ Bist du ein Eisen, so wird dieses Feuer den Rost hinwegnehmen. Bist du gerecht und ohne Sünde und musst dennoch leiden, so wirst du an Verdienst nur desto höher steigen. Bist du ein Gold, so wirst du in diesem Feuer nur desto mehr bewährt werden.

 

Die ehrwürdige Maria Elisabetha vom Kreuz,

Stifterin des Ordens „Augustinerinnen

Unserer Lieben Frau von der Zuflucht“,

+ 5.1.1646 – Gedenktag: 5. Januar

 

Die ehrwürdige Maria Elisabeth von Ranfain, wegen ihrer Liebe zum Leiden Maria Elisabeth vom Kreuz genannt, erduldete schon von frühester Jugend an so viele und ungewöhnliche Leiden, dass man sie nicht glauben könnte, wenn sie nicht auf so viele öffentliche Beweise gestützt wären, und dass ihr jener Name nur mit zu gutem Recht gebührt. Aber Maria die Königin des Himmels und der Erde, zu der sie stets ihre Zuflucht nahm, wachte über sie, und durch ihren Beistand trug sie heldenmütig das Schrecklichste, und entging den tausendfachen Gefahren, denen nicht nur ihr Leben, sondern auch ihre Tugend ausgesetzt war.

 

Aus einem altadeligen Geschlecht geboren (1592), fühlte sich Maria Elisabeth von zartester Jugend an zur Frömmigkeit, Selbstüberwindung und mancherlei Abtötungen hingezogen, die von einem Kind ihres Alters nicht zu erwarten waren, und die im jungfräulichen Stand verdoppelt, erst von ihren Eltern bemerkt wurden, da sie, im Begriff ihre sehr schöne, geist- und talentvolle Tochter in die Welt einzuführen, deren demütige Erklärung vernahmen, sie fühle sich dem Ehestand durchaus abgeneigt und zum klösterlichen Leben berufen.

 

Gegen ihren Willen und sogar mit Bedrohung ihres Lebens nötigten die verblendeten Eltern ihre Tochter zur ehelichen Verbindung mit Herrn Dubois, einem bejahrten Edelmann, der Witwer war und viele Kinder aus der ersten Ehe hatte. Auf die Redlichkeit dieses Mannes vertrauend hatte Maria Elisabeth, nachdem sie Kenntnis von dem Ehekontrakt erhalten, den die Eltern ohne ihr Wissen geschlossen hatten, ihm entdeckt, dass sie nicht aus freiem Willen zur Heirat sich entschließen könne und überhaupt jeder ehelichen Verbindung abgeneigt sei, da sie den Beruf in sich fühle, sich ausschließlich Gott zu weihen. Nichtsdestoweniger drang er auf die Erfüllung des Ehekontrakts und die von aller menschlichen Hilfe verlassene Jungfrau brachte nun auch dieses Opfer, und reichte, in den Willen der Eltern sich fügend, Herrn Dubois die Hand am Altar.

 

Hatte sie vieles durch ihre Eltern erlitten, so erlitt sie noch mehr durch die grausame Gemütsart ihres Gemahls. Vom Anfang ihrer Verbindung an bewies er ihr seine Verachtung. Er besaß in ihr die schönste, tugendhafteste, liebenswürdigste Frau, und lebte doch im schändlichsten Verhältnis mit anderen Frauen, und zwar ohne Hehl vor seiner Gattin, um sie absichtlich zu kränken. Er nahm ihr die Führung des Hauswesens und gab die Schlüssel den Dienstboten, die unter ihren Augen die größte Verschwendung trieben. Ihre unerschütterliche Sanftmut, statt den Zorn des Gemahls zu mildern, steigerte ihn vielmehr zu den rohesten Beschimpfungen und endlich zu Schlägen und den grausamsten Misshandlungen. Öfters ließ er sie trotz ihrer zarten Konstitution, wenn er über Land ritt, zwei bis drei Meilen Wegs neben sich her zu Fuß gehen, oder er zwang sie, auch in hoher Schwangerschaft auf unbändigen Pferden, die er selbst nicht zu besteigen wagte, neben ihm her zureiten.

 

Alle diese Misshandlungen vermochten nie, ihr auch nur die mindeste Klage gegen andere zu entreißen noch ihre Liebe zu ihrem Gemahl zu schwächen, den sie als den von Gott ihr gegebenen Obern betrachtete und ehrte. Er lag oft wochenlang am Podagra (Gicht) krank zu Bett. Sie verließ ihn nie, sie diente ihm wie eine Magd und übte in allen seinen Launen einen Gehorsam gegen ihn so willenlos, als er je unter christlichen Gelübden geübt wird.

 

Gott krönte endlich ihre Sanftmut und Geduld mit dem schönsten Lohn. Er gab ihrem Ehemann die Gnade der Bekehrung, ihr Ringen und Beten um sein Heil wurde erhört. Er wurde sanftmütig, friedfertig und barmherzig gegen die Armen, und starb 1616 mit den Zeichen einer aufrichtigen Reue und Buße.

 

 Aus Dankbarkeit gegenüber der heiligen Jungfrau, der sie so viel verdankte und die sie so innig liebte, bemühte sie sich nun, ihrem göttlichen Sohn so viele Seelen zu gewinnen, als ihr nur immer möglich war, und mit Hilfe der Mutter der Barmherzigkeit gerade die verworfensten Geschöpfe dem Verderben zu entreißen. Sie öffnete in ihrem Haus jenen Mädchen, die sich einem ausschweifenden Leben ergeben hatten, und durch ihre Not in solch einem Leben zurückgehalten wurden, eine Zufluchtsstätte, wo sie ihren Unterhalt fanden und in Sicherheit Buße tun konnten. Sie behandelte diese Unglücklichen mit aller Liebe, besorgt für ihre geistliche und leibliche Wohlfahrt. Wenn sie nicht selbst bei ihnen sein konnte, so ließ sie sie von ihren drei Töchtern bedienen. Die eine kochte für sie, die andere diente ihnen zu Tisch, die dritte las ihnen aus erbaulichen Büchern vor und betete mit ihnen. Bald sah die edelmütige Witwe ihre Bemühungen mit dem glücklichsten Erfolg gekrönt, immer mehr Mädchen und Frauen suchten die eröffnete Zuflucht aus dem Verderben und bald bildeten sie eine kleine Gemeinde, die unter Anleitung Maria Elisabethas und ihrer Töchter durch ihren Bußeifer Gott erfreute und die Menschen versöhnte, dass der Bischof von Toul sich entschloss, sie in eine Ordensgenossenschaft umzuwandeln. So wurde auch jener Drang, Gott in einem Orden zu dienen, den Maria Elisabeth von Jugend auf in sich trug, noch erfüllt. Wie alle ihre Unternehmungen, so stellte sie auch diese, den Orden zur Bekehrung gefallener Mädchen und zur Rettung solcher, deren Tugend den meisten Gefahren ausgesetzt war, unter den Schutz der heiligen Jungfrau. Der Orden wurde „Maria von der Zuflucht“ genannt, und seine Mitglieder verbinden sich zur besonderen Verehrung der seligsten Gottesmutter, unter deren Schutz er auch bis jetzt sich in Frankreich erhielt, und großen Segen stiftet. Mit der Stifterin nahmen zugleich ihre drei Töchter das Ordenskleid und jedes Mitglied nahm zu dem neuen Ordensnamen noch den Namen Maria an. Die gute Mutter Maria Elisabeth verließ am 5. Januar 1646, in ihrem sechsundfünfzigsten Lebensjahr diese Erde, um dort in der Sicherheit des Himmels bei Jesus und Maria den Lohn ihrer Leiden und Tugenden ewig zu genießen.

 

Der heilige Simeon Stylites der Ältere, syrischer Asket,

der erste und berühmteste Stylit,

+ 25.7.459 (od. 2.9.) – Fest: 5. Januar

 

Aus: Lexikon für Theologie und Kirche:

 

„* im späten 4. Jahrhundert (389/390?) in Sis, an der Grenze zwischen Syrien und Kilikien, + 25.7. (oder 2.9.) 459. Als Sohn christlicher, begüterter Landleute hütete er die Herden der Eltern, wählte dann, durch die Bergpredigt mit den Seligpreisungen bewogen, den Mönchsstand, zunächst bei Asketen der Nachbarschaft, nach 2 Jahren im Eusebona-Kloster bei Tell´eda, begab sich 412 nach Telneschin. Dort ließ er sich für die Dauer der Fastenzeit einmauern, so im Ganzen 28-mal, ohne die geringste Nahrung. Drei Jahre später ließ er sich an einen benachbarten Felsen anschmieden. Seine Heiligkeit zog viel Volk an; es wollte ihn berühren und Stückchen seines ledernen Gewandes mitnehmen. Um dem zu entgehen, bezog er um 422 eine Säule, zuerst nur 3 m, zuletzt 20 m in der Höhe, jedem Wetter ausgesetzt; er wurde so der Begründer des Stylitentums. Auf ihr stand er die letzten 30 Jahre aufrecht, nur zum Gebet sich verneigend; an hohen Festtagen hielt er während der ganzen Nacht die Arme zum Himmel erhoben; 2 mal des Tages predigte er den Umstehenden und befasste sich anschließend mit den Nöten und Sorgen der einzelnen, in rührender Demut und Liebenswürdigkeit sich jedem widmend. Ein „Meer von Menschen“ strömte von überall her zu dem weltberühmten Styliten, alle kehrten mit reichem seelischen Nutzen zurück. Die Araber kamen zu Tausenden, um ihren Götzen abzuschwören. Auch Große der Welt und der Kirche holten seinen Rat ein. – Seine Gebeine wurden in Antiochien bestattet. Um die hochverehrte Säule erhob sich bereits Ende des 5. Jahrhunderts eine prächtige Kathedrale, Kalat Siman genannt (Simeonskastell oder -felsen). Fest 5. Januar im Abendland, 1. September in den Ostkirchen. Konnte auch Simeon wahrscheinlich nicht schreiben, dürften doch einige der unter seinem Namen gehenden Schriften echt sein.“

 

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Aus: Leben der Väter und Märtyrer, von Alban Butler, 1. Band, Mainz 1823, ab S. 100:

 

„Der heil. Simeon, der Stylite.

 

Jahr 459.

 

Wegen seines außerordentlichen Lebens wurde der heil Simeon, nicht nur in dem ganzen römischen Reich, sondern selbst bei mehreren ungebildeten und ungläubigen Nationen, als eine Wundererscheinung angesehen. Die Perser, Meder, Araber, Äthiopier, Iberier und Scythen hegten die tiefste Ehrfurcht gegen ihn. Man sah Perserkönige, die es sich zur größten Ehre rechneten, seines Segens teilhaftig zu werden, während die römischen Kaiser ihn um seine Fürbitte bei Gott anflehten, und in den wichtigsten Angelegenheiten um Rat fragten. Allein wir dürfen eine hier notwendige Bemerkung nicht außer Acht lassen. – Seine wundervolle Lebensweise, die so sehr geeignet war, unserem Heiligen die Verehrung aller Menschen zu erwerben, wird für uns mehr ein Gegenstand der Bewunderung als Nachahmung, ohne jedoch aufzuhören, unserer Erbauung und unserem Fortschreiten im geistlichen Leben förderlich zu sein. Und wie wäre es wohl möglich, ernstlich über das mächtige Streben nach Vollkommenheit von Seiten dieses heiligen Mannes nachzudenken, ohne selbst unsere Feigheit zu verdammen, und von Scham wegen unserer Lauigkeit im Dienst Gottes erfüllt zu werden!

 

Der h. Simeon war der Sohn eines armen Schäfers, geboren zu Sisan, einer kleinen Burg auf den Grenzen von Cilizien und Syrien. Seine erste Beschäftigung war die Herden zu weiden. Da er aber als Kind von dreizehn Jahren in der Kirche die Stelle des Evangeliums vorlesen hörte, wo von den acht Seligkeiten geredet wird, war er besonders durch jene Worte: selig diejenigen, die das weinen; selig diejenigen, die eines reinen Herzens sind, mächtig ergriffen. Er wandte sich deshalb an einen verständigen Greis, um von ihm darüber völlige Aufklärung zu erhalten, und die Mittel zu erfahren, die ihm diese versprochene Glückseligkeit verschaffen könnten. Der Mann antworte ihm, diese Worte der Schrift bedeuteten nichts anderes, als dass Beten, Wachen, Fasten, Weinen, Erduldung der Schmach und Verfolgungen der Weg seien, der zur wahren Glückseligkeit führe. Er fügte noch bei, in der stillen Zurückgezogenheit sei es leichter als anderswo, diese guten Werke zu üben, und sich in der Tugend fester zu begründen.

 

Simeon ging, erfüllt von dem, was er soeben gehört hatte, beiseite, warf sich vor Gott nieder, und bat ihn sein Führer zu sein auf den Bahnen der Heiligkeit und Vollkommenheit. Einen Augenblick nachher überfiel ihn ein sanfter Schlummer, in dem er eine Erscheinung hatte, die er so zu erzählen pflegte: „Es schien mir, ich grabe Fundamente, und einer sage mir, ich solle noch tiefer hinunter graben. Als ich ausruhen wollte, befahl er mir unablässig fortzugraben, was zu vier wiederholten Malen geschah. Endlich sagte er mir, die Fundamente seien tief genug, und ich könne ohne Besorgnis ein so hohes und großes Gebäude, als ich wolle, aufführen.“ Die Vorhersagung wurde auch wirklich, bemerkte Theodoret, durch die Tat bewahrheitet, und nur die tiefste Demut, und die glühendste Liebe konnten das Gebäude tragen, das dieser bewunderungswürdige Mann, dessen Handlungen so weit über die Kräfte der Natur erhaben waren, aufführte.

 

Sobald Simeon erwachte, eilte er dem Tor eines nahen Klosters zu, das unter der Leitung des heil. Abtes Timotheus stand, wo er mehrere Tage ohne zu essen und zu trinken auf der Erde hingestreckt liegenblieb, und keine andere Gnade begehrte, als in der Eigenschaft eines Dieners, der zu den niedrigsten Verrichtungen des Hauses bestimmt sei, aufgenommen zu werden. Als er endlich unter die Zahl der zu Prüfenden aufgenommen worden war, fing er an, den Psalter auswendig zu lernen, was man zuerst von den Novizen forderte. Er konnte dieses göttliche Buch, in dem er so viele Nahrung für seine mächtig himmelanstrebende Seele fand, nicht mehr verlassen, unterzog sich, seiner zarten Jugend ungeachtet, den durch die Regeln vorgeschriebenen strengen Bußübungen, und hatte bald alle Brüder gewonnen, die vorzüglich seine Liebe und Demut bewunderten.

 

Nachdem er zwei Jahre in diesem Kloster zugebracht hatte, verließ er es, um sich in ein anderes zu begeben, wo man ein noch strengeres Leben führte, und dem der Abt Heliodor vorstand. Dieser Heliodor war ein ehrwürdiger Greis, der seit zweiundsechzig Jahren in der Einsamkeit lebte, und in einem unaussprechlich hohen Grad den Geist des Gebetes besaß. Seine Seele lebte nur in Gott, und war so der Welt abgestorben, dass er, nach Theodorets Erzählung, der ihn genau gekannt hatte, von allem, was um ihn vorging, sogar von den gemeinsten Dingen, nichts wusste. Unter einem solchen Lehrer machte Simeon in kurzer Zeit die schnellsten Fortschritte. Auch war er bald ein Muster des ganzen Hauses durch pünktliche Beobachtung der Regel. Sein Hunger nach Buße war unersättlich, und wo seine Brüder nur alle zwei Tage Speise nahmen, aß er in der Woche nur ein Mal. Auf gleiche Weise erhöhte er noch alle anderen Bußübungen des Klosters, so dass seine Vorsteher ihm Schranken setzen mussten. Das Ansehen, das die frommen Exzesse seines Eifers zähmte, war zu ehrwürdig, als dass er sich ihm nicht hätte gänzlich unterwerfen sollen. Er gehorchte daher, begehrte aber und erhielt die Freiheit, geheimen Abtötungen sich zu unterziehen. Gott allein kennt die Strenge, mit der er gegen sich selbst verfuhr, und durch die er seinen Leib in des Geistes Dienstbarkeit brachte. Eines Tages kam er auf den Gedanken, das Brunnenseil, das aus zusammengedrehten Palmblättern gebunden und folglich sehr rau war, könnte für ihn ein Werkzeug der Buße werden; er umgürtete sich sogleich damit die bloßen Lenden, und dies ohne Wissen des Vorstehers der Gemeinde. – Allein durch die Länge der Zeit schnitt das fest gebundene Seil in das Fleisch, und verursachte ein Geschwür, dessen übler Geruch endlich Simeons Geheimnis verriet. Drei Tage lang nässte man seine von eiterndem Blut festklebenden Kleider, ehe man sie ihm ausziehen konnte. Die Ärzte mussten sogar noch tiefe Einschnitte machen, um das Seil aus dem Fleisch zu ziehen, das dem Heiligen so große Schmerzen verursachte, dass er einige Zeit wie tot dalag. Sobald er aber wieder hergestellt war, entließ ihn der Abt, aus Furcht, eine solche Sonderbarkeit dürfte auf die notwendige Gleichheit der klösterlichen Zucht einen schädlichen Einfluss haben.

 

Der Diener Gottes zog sich daher in eine Einsiedelei, am Fuß des Berges Telanissa, zurück. Da fasste er den Entschluss, die ganze Fastenzeit ohne irgendeine Speise zuzubringen, um Jesus vollkommen in seinem vierzigtägigen Fasten nachzuahmen. Diesen erstaunlichen Entschluss eröffnete er seinem Gewissensrat, einem tugendhaften Priester, Bassus genannt, unter dessen Leitung zweihundert Mönche standen. Da dieser fürchtete, solcher Heldenmut möchte eher aus dem Trieb seines glühenden Eifers, als aus genauer Prüfung seiner Kräfte herrühren, ließ er ihm zehn Brote und ein Krug Wasser zurück, um der Natur, im Falle sie unterliegen sollte, aufzuhelfen. Nach Verlauf der vierzig Tage kam Bassus zurück, fand die Brote und das Wasser unberührt, sah aber Simeon, beinahe ohne Lebenszeichen, ausgestreckt auf der Erde liegen. Sogleich befeuchtete er dessen Lippen mit einem Schwamm, und erteilte ihm die heilige Eucharistie. Simeon stand, gestärkt durch diese himmlische Speise, auf und aß einige Lattichblätter. Auf diese Weise brachte er in der Folge alle Fasten zu. Er war sechsundzwanzig Jahre alt, als Theodoret seinen Bericht niederschrieb. Von diesem Schriftsteller erfahren wir, wie er in dieser heiligen Zeit lebte. Im Anfang der Fasten betete er aufrechtstehend; wenn sein zu sehr geschwächter Körper sich nicht mehr halten konnte, betete er sitzend; endlich legte er sich auf die Erde nieder, wenn gänzliche Kraftlosigkeit ihm jede andere Stellung unmöglich machte. Auf einer Säule band er sich an einen Balken, um sich aufrecht zu erhalten; allein in der Folge bedurfte er dieser Stütze nicht mehr. Es ist wahrscheinlich, dass er in seinen letzten Lebensjahren von diesem strengen Fasten etwas nachließ. Es gibt Menschen, die in dieser Enthaltung von allen Speisen nichts Übernatürliches finden wollen, und sie einem starken Körperbau, dem allmähliche und stufenweise Angewöhnung zu Hilfe komme, zuschreiben.

 

Diesem sei nun, wie da wolle, unser Heiliger verließ seine Einsiedelei nach Verlauf von drei Jahren, und bestieg den Gipfel des Berges, um da seinen Aufenthalt zu wählen. Er verschloss sich, da zwischen ein von bloßen Steinen ohne Speiß errichtetes, dachloses Gemäuer, das ihn nicht gegen Regengüsse und brennende Sonnenhitze verwahren konnte. Und um dem Entschluss, den er gefasst hatte, an diesem Ort zu bleiben, unveränderlichen Bestand zu geben, ließ er eine große eiserne Kette machen, und ein Ende derselben an seinen Fuß, das andere an einen dicken Stein befestigen. Meletius, Chorbischof von Antiochia, der ihn in diesem Zustand sah, stellte ihm vor, es sei unnütz, seinen Leib anzuketten, weil der gute Wille, durch die Gnade unterstützt, genüge, ihn in diesem Gemäuer festzuhalten. Simeon ließ, ohne im Geringsten zu widersprechen, einen Schlosser rufen, der die Kette durchfeilte. Durch den Glanz seiner Tugenden wurde bald der Berg berühmt, und unzählige Menschen, sogar aus den entferntesten Ländern, strömten dahin zusammen. Die Heiden beeiferten sich, wie die Christen, des Heiligen Segen, der Heilkraft hatte, zu empfangen. Mehrere reisten dann erst vergnügt hinweg, nachdem ihnen vergönnt worden ist, ihn zu berühren.

 

Simeon ersann, um sich den Zerstreuungen, die ihn in seiner Einsamkeit störten, zu entreißen, eine Lebensweise, von der man bis dahin noch kein Beispiel gesehen hatte. Im Jahr 423 ließ er eine sechs Ellenbogen hohe Säule errichten, auf der er vier Jahre lang lebte. In der Folge ließ er eine andere zwölf Ellenbogen, und zuletzt eine dritte, zwei und zwanzig Ellenbogen hohe errichten. Dreizehn Jahre brachte er bald auf der einen, bald auf der anderen Säule zu. Die zweiundzwanzig letzten Jahre seines Lebens verlebte er auf einer vierten Säule, die vierzig Ellenbogen hoch war (Dadurch erhielt der Heilige den Beinamen, der Stylite – Säulensteher). Die Spitze dieser Säule, die mit einem Geländer umgeben war, hatte nur drei Fuß im Durchmesser, weshalb der Heilige weder liegen, noch sitzen konnte. Er lehnte sich, wenn er der Ruhe bedurfte, an das Geländer; öfter auch lehnte er sich in dem Gebet. In seinen glühenden Herzensergüssen sah man ihn öfters mehrere Stunden mit gegen Himmel gehobenen Augen in Gott versenkt. Zwei Mal des Tages hielt er an diejenigen, die ihn besuchten, Ermahnungen; dies war aber nur Männern gestattet, da die Frauen in den Umkreis seiner Säule nicht eingelassen wurden. Diesem Verbot musste sogar seine eigene Mutter, die gekommen war, ihn zu sehen, sich unterwerfen. Nachdem er aber ihren Tod erfahren hatte, betete er inbrünstig für das Heil ihrer Seele. Seine Reden betrafen gewöhnlich die Schwüre, die Beobachtung der Gerechtigkeitspflichten, das Laster des Wuchers, die Besuchung der Kirchen, und die Notwendigkeit, nicht nur für sich, sondern auch für alle Menschen im Allgemeinen zu beten. Jedes seiner Worte hatte eine unaussprechliche Salbung und eine unwiderstehliche Kraft. Er verfehlte auch selten bei der Überzeugung des Verstandes die Rührung des Herzens. Man konnte ihn nicht hören, ohne von Liebe zur Tugend und von Abscheu gegen das Laster erfüllt zu werden.

 

Eine so sonderbare Lebensweise konnte jedoch dem öffentlichen Tadel nicht entgehen. Eitelkeit, oder wenigstens Überspannung sollte, wie viele meinten, ihn dazu bewogen haben. Die Bischöfe und Äbte der Umgegend glaubten aber, sich zuerst von den inneren Gesinnungen des Heiligen überzeugen zu müssen, bevor sie über ihn aburteilen könnten. Sie kamen daher überein, jemanden an ihn zu senden mit dem Befehl, von der Säule herabzusteigen, und auf den gewöhnlichen Weg der anderen Diener Gottes zurückkehren. Kaum ward Simeon des Befehles kundig, als er sogleich, ohne die geringste Widerrede, sich anschickte hinabzusteigen. Der Abgeordnete begnügte sich aber, der empfangenen Weisungen gemäß, mit seinem Gehorsam, und sagte ihm: „Bleibe nur; dein bereitwilliger Gehorsam beweist die Reinheit der Beweggründe, aus denen du handelst: fahre fort dem Willen Gottes zu folgen, und treu deinem Beruf zu entsprechen.“

 

Simeon, mehr als jemals überzeugt, dass er auf der ihm von der Vorsehung gezeichneten Bahn wandle, beharrte auf seiner Lebensweise. Man fuhr fort, ihn zu den Stunden, in denen er sich mitteilte, zu besuchen, und die Kraft seiner Predigten, verbunden mit dem Glanz seiner Tugenden, bekehrten eine große Anzahl Perser, Armenier, Iberier, und das ganze Volk der Lazen, die aus Colchis, ihn zu hören, gekommen waren. Die Fürsten und Fürstinnen von Arabien pilgerten zu ihm, seinen Segen zu empfangen. Vararanes V., König der Perser, konnte ihm seine Verehrung nicht versagen, obgleich er ein erklärter Feind und Verfolger der Christen war. Die römischen Kaiser Theodosius der Junge und Leo fragten ihn oft um Rat, und empfahlen sich in seine Gebete. Der Kaiser Marcian verkleidete sich als Privatmann, um sich leichter das Vergnügen zu verschaffen, ihn zu sehen und zu hören. Auf seine Mahnungen schwor die Kaiserin Eudoxia einige Zeit vor ihrem Tod die Irrlehre des Eutyches ab.

 

So viele Ehrenbezeigungen, verbunden mit der Gabe der Wunder und der Weissagung, würden eine gewöhnliche Seele der leisesten, aber zugleich auch gefährlichsten Versuchung der Eitelkeit, der sie vielleicht auch unterlegen wäre, ausgesetzt haben. Allein Simeon war zu fest gegründet in der Demut, um auf sich die Ehren zu beziehen, die er von Seiten der Menschen empfing. Überzeugt, dass man die Zukunft vorhersagen und Wunder wirken könne, ohne deswegen ein Heiliger zu sein, sah er sich als den geringsten der Menschen und den größten der Sünder an. Seine Geduld war aber nicht minder bewunderungswürdig als seine Demut. Nebst dem, dass er mit Freude alle Leiden, Verspottungen und Schmähungen ertrug, hatte er es sich auch zum unumstößlichen Gesetz gemacht, nie davon zu reden. Lange Zeit verbarg er eine schauderhafte Wunde, die er am Fuß hatte, und als man sie entdeckte, wollte er nicht zugeben, dass man sie reinigte und verband, obgleich eine Menge Würmer herausfiel. Was hätten wir nicht noch zu sagen über seine Sanftmut und Liebe gegen alle, die ihn besuchten, über seine glühende Inbrunst für Gott, über seine gänzliche Lostrennung von allem Irdischen, über seinen Gebetseifer, und über alle anderen Tugenden, die er bis zur höchsten Stufe der Vollkommenheit brachte.

 

Es wird erzählt, dass ihm Domnus, Patriarch von Antiochia, der ihn besuchte, die heilige Kommunion auf der Säule erteilt habe; ohne Zweifel empfing er auch öfters von anderen Priestern dieses erhabene Sakrament. Endlich fühlte dieser bewunderungswürdige Büßer sein Ende herannahen. Er beugte sich nieder, um sein gewohntes Gebet zu verrichten, erhob sich aber nicht mehr, weil er sanft im Herrn entschlafen war. Erst nach drei Tagen bemerkte man, dass er tot sei. Es war, nach Cosmas, an einem Mittwoch, den 2. September 459, als dieser Diener Gottes in seinem neunundsechzigsten Lebensjahr in die bessere Welt hinüberging. Den folgenden Freitag brachte man seinen Leichnam nach Antiochia. Die Einwohner der ganzen Gegend und mehrere Bischöfe wohnten dem Leichenzug bei, und die Überzeugung, die man von der Heiligkeit des Verstorbenen hegte, wurde durch Wunder, die Gott bei dieser Gelegenheit wirkte, noch befestigt. Man beging seither sein Fest im ganzen Morgenland mit großer Feierlichkeit. (Majelli, römischer Prälat, erzählt in seiner Abhandlung über die Styliten, die Säule des heiligen Simeon sei oben mit einer Art Geländer umgeben gewesen, und beweist, dass nach dem heiligen Simeon bis zur Gründung des Sarazenischen und Türkischen Reiches, im Morgenland allzeit Styliten waren. Im Abendland konnte diese Lebensart wegen der rauen Witterung keine Nachahmer finden. Dennoch redet der heilige Gregor von Tours, in seinem 8. Buch, K. 15, von einem gewissen Vulfilaicus, der einige Zeit in der Nähe von Trier auf einer Säule lebte. Er war aus der Lombardei und ein Schüler des heiligen Abtes Aredius im Limousin. Er forderte das Volk der benachbarten Dorfschaften auf, dem Götzendienst zu entsagen, und die große Bildsäule der Ardennischen Diana, die seit der Regierung des Domitian verehrt wurde, niederzureißen. Sein Bischof befahl ihm, eine für diesen kalten Himmelsstrich zu harte Lebensart zu verlassen. Er gehorchte auf der Stelle, und zog sich in ein Kloster zurück. Es scheint, Vulfilaicus war der einzige Stylit des Abendlandes gewesen.)

 

Die außerordentlichen Wege, auf denen der heilige Simeon wandelte, zeugen von einem Mann, der in gänzlicher Lostrennung von den Geschöpfen Leben wollte, um sich einzig Gott anzuschließen. Nicht Liebe zum Sonderbaren hatte auch nur den geringsten Einfluss auf sein Betragen. Sein einziges Augenmerk war die Erfüllung des göttlichen Willens: daher diese Bereitwilligkeit seine Säule zu verlassen, sobald man ihm den Befehl seiner Obern bekannt machte. In seiner ungeheuchelten Demut sah er sich als einen Sträfling an, der gerechter Weise aus der menschlichen Gesellschaft verbannt, und dessen Leben ganz in Jesus verborgen sein sollte. Wehe demjenigen, der in der Absicht, groß vor den Augen der Welt zu erscheinen, nach der Tugend trachtete! Die christliche Vollkommenheit soll den Geist der Demut und die Liebe der Verachtung zur Grundlage haben. Wehe daher auch jenen Seelen, die durch einen verfeinerten Stolz in der Heiligkeit nur einen erhabenen und angesehenen Stand suchten! Man muss nach der Heiligkeit streben, weil uns Gott dazu beruft, und weil wir uns durch ein immer regeres Streben danach in seinen Augen angenehm und wohlgefällig machen. Nach diesen hohen Lehren richtete der heilige Simeon sein ganzes Betragen. Es ist wahr, er tat manches, was kein Gegenstand unserer Nachahmung sein könnte: allein können wir nicht, wie er, die Armut, Schmach, Kreuz und Leiden lieben? Ist es nicht auch für uns heilige Pflicht, Jesus Christus gleichförmig zu werden? Haben wir denn vergessen, dass diese Gleichförmigkeit mit unserm göttlichen Meister und unumgänglich notwendig ist, wenn wir des Verdienstes der Erlösung teilhaftig werden wollen? Hüten wir uns vor jenem geheimen Stolz, der unter eitlen Vorwänden uns verleiten wollte, glanzvolle Handlungen jenen vorzuziehen, deren Verdienst allein von Gott gekannt ist. Nie werden wir unserm Beruf entsprechen, wofern wir es nicht als eine der ersten und notwendigsten Pflichten ansehen, unser Kreuz auf uns zu nehmen und Jesus nachzufolgen. Ein, wenigstens dem Geiste nach, verborgenes Leben zu führen, unaufhörlich gegen unsere eigene Gebrechlichkeit misstrauisch zu sein, uns zu verdemütigen, und unser eigenes Nichts beim Anblick des unabsehbaren Abgrundes unserer Schwäche und Armseligkeit zu erkennen.

 

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Charles Lamb

 

Der heilige Simeon Stylites

 

(Dichter schreiben über Heilige, St. Benno-Verlag, Leipzig, 1963)

 

 

Der heilige Simeon war eine besondere Persönlichkeit, daran gibt es keinen Zweifel. Dreißig Jahre lang auf der Spitze einer Säule zu leben kennzeichnet einen Mann in der Geschichte, ganz gleich, ob er zufällig ein Heiliger ist oder nicht. Und so war der heilige Simeon mein Liebling, lange bevor ich Katholik wurde, lange auch, ehe ich wusste, dass er ein Heiliger war. Ich erinnere mich an einen Einakter in der Schule, in dem dieser geheimnisvolle Mann als Held auftrat. Ob es ein Lustspiel war oder nicht, habe ich nicht in der Erinnerung, aber wahrscheinlich ist es eins gewesen, da es sich um ein Schulstück handelte. Wie dem auch sei, es war meine erste Begegnung mit dem heiligen Simeon und mit der Tatsache, dass es in der Vergangenheit einige Menschen gab, die auf Säulen standen und jahrelang nichts taten. Aber dies alles liegt lange zurück: Diese Zeiten hüllten sich für mich in Nebel, und Simeon wurde für mich eine Gestalt aus der fernen, dunklen Vergangenheit, wie Alkestis, Orest, Hektor, der trojanische Krieg, Venus, Helena von Troja, Brutus und Cassius, und eine solche blieb er lange Zeit. Aber von Anfang an gab es einen kleinen Unterschied zwischen dieser besonderen Persönlichkeit und den wirklichen oder mythischen Helden des klassischen Altertums, die während des ganzen Winterhalbjahres jeden Dienstagnachmittag um vier Uhr vor einer vorgetäuschten Felsklippe auf den wackligen Brettern einer Schulbühne, in Schals oder nachgemachten Togen gehüllt, auftraten. Denn während alle diese berühmten Gestalten Männer der Tat waren, die große Dinge vollbrachten und für diese litten, schien Simeon durch absolutes Nichtstun berühmt geworden zu sein – wenn er überhaupt berühmt war, ich hatte nie zuvor etwas von ihm gehört. Er hatte nichts getan und erhielt dafür sozusagen doch seinen Lohn – und das machte Eindruck auf mich, denn ich hielt ihn für sehr schlau. In jener Zeit war ich von Natur aus faul – oder besser gesagt: ich war ein Junge -, und meine Vorstellung vom guten Leben waren ewige Ferien mit einem gelegentlichen Cricketspiel, um die Eintönigkeit aufzuheben, und ich dachte, der alte Simeon habe sich eine leichte Aufgabe gewählt, die ich in meinem späteren Leben nach besten Kräften nachahmen wollte.

 

Er war auch eine romantische Figur, denn die Einzelheiten seines Lebens waren in Geheimnis gehüllt. Es gab nur die eine nackte Tatsache, die Säule. Aber eine Menge listiger Fragen erhoben sich: Wie mag er dort gelebt haben? Wie bekam er zum Beispiel seine Nahrung? Wurde sie ihm in regelmäßigen Zeitabständen in einem Korb hinaufgeschickt, oder verließ er sich auf die Gutmütigkeit eines zufällig Vorbeikommenden? Eins schien sicher – er ist dafür nicht heruntergekommen. Es gibt jenen Ausspruch von Mohammed und dem Berg, und es scheint, in diesem Fall musste der Berg schließlich zu Mohammed gehen. Und es gibt auch jenen anderen, geheimnisvollen Ausspruch vom Glauben, der Berge versetzt, und es schien nicht die Grenzen des Möglichen zu überschreiten, dass dieser wunderbare alte Mann – ich stellte ihn mir wirklich alt und natürlich mit einem Bart vor – auf wunderbare Weise von Vögeln oder Engeln genährt wurde. Natürlich bestand auch jene einfachere Möglichkeit, dass er auf seiner Säule ganz ohne Nahrung lebte; aber diese Lösung schien mir zu prosaisch, um wahr zu sein.

 

Dann tauchte eine weitere Frage auf: Wie schlief er? War Simeon, von der Nacht ganz abgesehen, oft in Gefahr herunterzufallen? Aus irgendeinem Grund – heute glaube ich, wegen der Ähnlichkeit des Klanges von „Stylites“ und „Stelze“ – war ich geneigt, mir den alten Mann als eine Art Balancekünstler auf der Spitze einer wackligen Holzkonstruktion vorzustellen, als eine Art Varietékünstler. Als ich dahinterkam, dass die Säule ja aus Stein war, stellte ich sie mir sehr schlank vor, und Simeon saß nicht, sondern hockte auf ihrer Spitze. Ich vermochte mir beim besten Willen nicht vorzustellen, wie er auch nur eine ruhige Nacht dort oben verbringen konnte. Natürlich war er, da er den ganzen Tag über nichts tat, auch nicht sehr müde; aber vermutlich wird er trotzdem in jeder Nacht das Bedürfnis nach ein paar Stunden Schlaf gehabt haben, aber wie kam er zum Schlafen?

Die entscheidende und grundlegende, aber auch die listigste Frage war die: Was hat er mit seiner Zeit angefangen? Was konnte er den ganzen Tag über tun? Er hatte das Problem gelöst, wie man ohne Arbeit lebt, und deshalb bewunderte ich ihn ungeheuer; aber diese Lösung schien selbst der Einsicht meines jugendlichen Alters doch reichlich negativ – eine Existenz, die sich im Nichtstun erschöpfte . . . Gewiss, meine Vorstellung vom guten Leben schloss die Arbeit völlig aus; aber dadurch sollte sozusagen nur der Boden frei gemacht, Platz für endlose Spiele und Vergnügungen geschaffen werden; und die Zahl der Spiele, die auf der Spitze einer Säule möglich waren, dünkte mir doch sehr begrenzt zu sein, auch wenn, wie es nach dem Theaterstück wahrscheinlich zu sein schien, auf einer anderen Säule ein Nachbar hockte, nicht zu weit entfernt für ein nachbarliches Gespräch. Das Problem blieb: Was machte Simeon den ganzen Tag über?

 

Diese Frage, so kindlich sie auch war und so kindlich sie klingt, war nichtsdestoweniger die grundlegende Frage, die sich in Bezug auf diesen alten Mann, der dort oben saß, erhob. „Warum sollte der alte Adler seine Flügel ausbreiten?“ war eine spätere Frage, die Frage des Desillusionierten, des „Aufgeklärten“, die Frage all jener, die ein bestimmtes Alter erreicht haben und keinen Grund einsehen können, noch weiter vorwärts zuschreiten. Damals stellte sich mir diese Frage noch nicht. Für mich, faul wie ich war, bestand das Leben nur aus angenehmer Beschäftigung. Simeon blieb für mich eine Personifikation rühmlicher Nichtigkeit.

 

Und doch war mir klar, dass er, obwohl untätig, keineswegs vollkommen nutzlos war. Offensichtlich, jedenfalls nach dem Einakter zu urteilen, kamen oft Menschen zu ihm, manchmal sogar in Scharen. Das schien mir durchaus verständlich. Ich besuchte die Schule in den dreißiger Jahren, im „Sportjahrzehnt“, in dem täglich Rekorde gebrochen wurden. Da war zum Beispiel Malcolm Campbell, der in seinem „Bluebird“ auf irgendeiner Sandstrecke einen neuen Rekord aufstellte, irgendwo im fernen Kalifornien. Es mag auch in Daytona gewesen sein. Da gab es Non-stop-Tänze und -Klavierspiele, zu denen sich die Paare in irgendeinem Tanzsaal in Blackpool so lange drehten, bis sie entweder aufgaben oder erschöpft zusammenbrachen. Und wiederum in Blackpool gab es einen modernen Fakir, den Diener irgendeiner Religion, vermute ich, der in einer Tonne lebte oder in einer Tonne irgendetwas verrichtete und an dem die Polizei stark interessiert zu sein schien. Dann kam in den dreißiger Jahren Gandhi – mit Leinentuch und Brille -, der Mann, der phänomenale Zeit hindurch hungerte und immer am Ende sein Ziel zu erreichen schien. Der religiöse Inder Gandhi, der christliche Fakirpriester, die sportlichen und tanzenden Rekordbrecher, alle schienen sie etwas mit der mythischen Gestalt des alten Simeon auf seiner Säule gemeinsam zu haben, irgendetwas, was diesem Menschentyp wesentlich erscheint, der weiter kommen will als jeder andere, der in irgendeiner verrückten Richtung glänzt und in die Zeitungen kommen will. Simeon hatte Erfolg gehabt, wie Gandhi Erfolg hatte. Aber war ein solcher Erfolg es wirklich wert?

 

Ich zerbrach mir nie besonders den Kopf darüber, auf diese Frage eine Antwort zu finden. Mir genügte es, den alten Simeon richtig eingeordnet zu haben. Ich hatte auch Diogenes gehört, und mir schien, dass zu allen Zeiten und überall gewisse Leute etwas Besonderes getan und dafür Beifall geerntet hatten.

 

Dann vergaß ich den heiligen Simeon für lange Zeit. Ich kam in eine zivilisierte Welt, aus der echte Sonderlinge verbannt waren, in der nur die verlogenen Käuze, jene, welche die Spielregeln kennen und wenn sie sie brechen, genau wissen, wie man sie comme il faut bricht, mit offenen Armen aufgenommen werden. Simeon rückte in weite Ferne. Schließlich hatte er vor sehr langer Zeit gelebt und obendrein im fernen Zilizien. Inzwischen hatten sich die Zeiten geändert. Wir waren nicht mehr so ungebildet. Diese haarigen Männer der Vergangenheit, immer mit Bärten, immer grotesk in ihrer voluminösen Bekleidung (da gab es zum Beispiel in der Manchester Art Gallery ein präraffaelitisches Bild von Moses, der aufrecht gehalten wird, um aus der Ferne einen Blick auf das Gelobte Land zu werfen) oder geschmacklos unterbekleidet mit ihren Lendentüchern und kaum mehr – sie standen uns alle so fern! Im Gegensatz zu ihnen kleideten wir uns geschmackvoll, gebrauchten täglich unsere Gilette-Klingen, badeten, lebten in zivilisierten Häusern und nicht in Zelten, gingen ins Kino. Simeon wurde fast prähistorisch. Wir wären nicht überrascht gewesen, wenn wir erfahren hätten, dass er auf einem Dino-Saurier oder Pterodaktylus zu seiner Säule geritten sei.

 

Aber dann änderten sich die Zeiten wieder, die zivilisierte Welt bereitete sich auf den Krieg vor, sie zog in den Krieg. Der Samthandschuh wurde beiseite gelegt, die Eisenfaust erschien. Und wenn man von einer Welt, die mitten im Krieg steht, umgeben ist, beginnt Simeons rühmliche Nichtigkeit einem weniger nichtig zu erscheinen, dafür aber um so rühmlicher. Voll Freude entdeckte ich, dass einige Teile der zivilisierten Welt alte, sonderbare Männer mit Bärten wie Simeon ernst nahmen. Dann entdeckte ich auf einem schönen Bild der Wüstenväter, das jeden abgesondert auf einem kleinen Grundstück, umgeben von Blumen und gezähmten Tieren darstellte, eine blühende Wildnis, und sie schien mir ein gesegnetes Gegenstück zu jener Wildnis, in die unsere modernen Städte verwandelt wurden, als die Bomben dichter und immer dichter fielen. Ich begann mich verwundert zu fragen, ob diese alten Sonderlinge denn überhaupt so sonderlich waren, ob Simeon vielleicht gar nicht der Narr war, der er mir bis dahin zu sein schien.

 

Seitdem habe ich ein wenig mehr über den heiligen Simeon erfahren; nur ein wenig, aber genug, um meine jugendliche Verwunderung über diesen wunderlichen Mann eher zu steigern als abzuschwächen. Offenbar ist er nicht immer alt und bärtig gewesen. Als Junge wenigstens scheint er der ganz normale Sohn eines Schäfers gewesen zu sein – das heißt selbst ein junger Schäfer –, bis er eines Tages nach einem Kirchgang plötzlich die Überzeugung gewann, dass er ins Kloster gehen müsse. Über das Geheimnisvolle und Providentielle dieses Impulses lässt sich kaum etwas sagen.

 

Sein Eintritt ins Kloster vollzog sich auf ungewöhnliche, aber höchst charakteristische Weise: Fünf Tage und fünf Nächte lag er auf dem Boden vor der Klosterpforte, bis man ihn endlich einließ. An dieser Erfahrung scheint er Gefallen gefunden zu haben, denn im Kloster begann er ungewöhnliche Dinge ähnlicher Art zu verrichten. Als die anderen ihm Vorwürfe machten, lief er zu einer verlassenen Zisterne, versteckte sich dort, wurde entdeckt und gewaltsam zurückgeholt. Er sah weder ein, warum sie ihm Vorwürfe machen sollten, wenn er nur an einem Tag der Woche etwas aß und den Rest seiner Nahrung den Armen gab, noch warum er den Körper nicht mit einer festen Schnur umgürten sollte, so dass das Fleisch darüber hinwegwuchs, wenn er es für notwendig hielt, sein rebellisches Fleisch so zu züchtigen. In einem Kloster des fünften Jahrhunderts gab es nichts, was wir als Nachsicht gegenüber der eigenen Person bezeichnen könnten. Aber offensichtlich war es für Simeon noch zu sanft, denn nach einem Jahr verließ er das Kloster wieder, und zwar endgültig.

 

Er ging zu einem Berg in der Nähe, dem Telanassus, und hier wurde er schließlich, auf seiner Säule verborgen, berühmt. Er stieg nicht sofort auf die Spitze des Berges, sondern lebte in dem relativen Luxus – nach einem einleitenden vierzigtägigen Fasten – eines kleinen Hauses unterhalb des Gipfels. Plötzlich, vielleicht als er in einem Augenblick der Schwäche zu entkommen wünschte, mauerte er sich ein. Aber er sah darin keine Chance, und als er sich erinnerte, dass Steinwände noch kein Gefängnis ausmachen, verschaffte er sich eine große Eisenkugel, an der er sich festkettete. Eines Tages besuchte ihn Meletius, der stellvertretende Bischof von Antiochien. Wenn der Wille wirklich da sei, bemerkte er, erübrigt sich die Kette, und trotz all seiner Strenge wies Simeon den Wink des Prälaten nicht zurück, er kettete sich sorgsam wieder los. Der Wille bewies, dass er wirklich da war, denn der Heilige blieb auf seiner Bergspitze, bis er starb.

 

Nach dem Bericht seiner beiden Freunde, Schüler und Biographen, Antonius und Theodoret, war die Frucht seiner Absonderung eine ungeheure Anzahl von Bekehrungen unter den wilden arabischen Stämmen, welche die milderen Missionare des Christentums gar nicht beachtet hatten. Gott, sagt Theodoret, findet Gefallen daran, Heilige zu erwecken, die sich durch besondere Merkmale der Heiligkeit auszeichnen, den verschiedenen Zeiten entsprechend. Und die wilden Iberer, Perser, Ismaeliten und Armenier brauchten offensichtlich einen Mann, der in seiner Heiligkeit genauso unbändig war wie sie in ihrem Leben, ehe sie zu den Wassern der Taufe geführt werden konnten. Immerhin, sie waren von seiner Grimmigkeit gegen sich selbst so beeindruckt, dass sie in Scharen zu dem alten Mann auf dem Berg kamen, um sich bekehren zu lassen. Ich habe mich gefragt, ob hinter seiner Strenge vielleicht ein Sinn für sehr schlauen bäurischen Humor versteckt lag, denn Simeon bewegte sich, um seiner wachsenden Popularität zu entgehen, nicht horizontal, sondern vertikal. Der Wille war noch da, nicht einmal Berühmtheit konnte ihn brechen, und Simeons Säule, die am Anfang sechs Ellen hoch war, wuchs auf zwölf an. Am Ende erreichte sie eine Höhe von sechsunddreißig Ellen, und immer kamen noch raue Kerle, um sich bekehren zu lassen. Simeon scheint sich wenig auf seine Erhebung eingebildet zu haben, denn auf ein Wort seiner Vorgesetzten, der Bischöfe oder Äbte der Umgebung (man fragt sich, ob Meletius einer von ihnen war), zeigte er sich sofort bereit, zur Erde herunterzukommen. Aber die Würdenträger, die seinen Gehorsam und seine Demut erprobt hatten, beschlossen schließlich, dem alten Adler die Flügel nicht zu stutzen, und Simeon blieb auf seiner Säule auf dem Gipfel des Berges.

 

Von diesem hohen Platz aus predigte er, so wird erzählt, zweimal am Tag, manchmal stundenlang. Natürlich fastete und betete er auch. Er heilte die Kranken. Er war sogar eine Art Richter. Hier besuchte ihn seine verständnislose Mutter, hier starb sie, klagend, dass ihr eigen Fleisch sich so grausam selbst getötet habe; und ihr Sohn weinte mit ihr. Hierher kam auch ein Dieb namens Jonathan, um Schutz, Bekehrung und den Tod zu finden, alles innerhalb einer Woche. Und hier starb schließlich auch der alte Mann selbst, nachdem er drei Tage lang seine Säule im Gebet umklammert gehalten hatte. Den Körper holte der treue Antonius herunter und brachte ihn nach Antiochien. Dort wurde er unter großer Verehrung bestattet.

 

Ich habe das Gefühl, als ob dieser Heilige von den „Durchschnittskatholiken“ noch ein wenig von der Seite angesehen wird. Und in einer Zeit, in der ich den unbedingten Wunsch hatte, in jeder Hinsicht orthodox zu sein, im Großen wie im Kleinen, versuchte ich ebenso über ihn zu denken und mir vorzumachen, Heiligkeit werde besser in den Salons erreicht, wie es beim heiligen Franz von Sales der Fall war, als auf der Spitze einer Säule wie beim heiligen Simeon. Aber da die Zeiten sich stets ändern und immer wieder die gleichen werden, kehre ich allmählich mit größerem Eifer zu meinem alten Lieblingsheiligen zurück. Außerordentliche Zeiten erfordern außerordentliche Charaktere, außerordentliche Krankheiten außerordentliche Ärzte. Der heilige Simeon ist für mich die vollendete Gestalt eines außerordentlichen Heiligen. Ich glaube, wir brauchen mehr von dieser Art.

 

Weshalb eigentlich bewundern wir – bewundere ich – den heiligen Simeon so enthusiastisch? Wegen seines erschreckenden Talents, nichts zu tun. Der heilige Simeon steht – sitzt oder hockt – als der rein Kontemplative, der Adler, der in die Sonne schaut, hoch oben in seinem Horst, der Beobachter im Krähennest. Ich weiß, die Lehrbücher berichten – und das Leben der meisten Heiligen bezeugt es -, dass das Leben der Kontemplation nicht ein physisch untätiges Leben ist, dass die großen beschaulichen Menschen ebenso große Männer der Tat waren. Aber es ist eine andere Art des kontemplativen Lebens, eine andere Art der Heiligkeit, deren meiner Meinung nach die moderne Welt bedarf.

 

„Lehre uns sorgen und nicht sorgen,

lehre uns stillsitzen.“

 

Der heilige Simeon hatte sicher gelernt, stillzusitzen, und er kann uns wie kaum irgendeiner von den Heiligen der Christenheit lehren, wie wir das gleiche tun sollen.

 

Warum können wir denn nicht stillsitzen? Warum müssen wir immer etwas tun? Ich bin sicher, der größte Teil der Ruhelosigkeit des Westens geht aus dieser Furcht vor der Langeweile hervor, und Langeweile heißt, der eigenen Leere gegenübergestellt sein. Deshalb ist die kindliche Frage „Was machte Simeon den ganzen Tag über?“ in hohem Maße berechtigt. Wenn wir nicht mehr von ihm sagen könnten, als dass er der Langeweile entgegentrat, mit ihr kämpfte, ihr nicht unterlag – nicht von seiner Säule herunterstieg -, sondern sie besiegte und dort oben blieb, nichts tuend, dann, denke ich, wäre das genug, um ihn zum Thema einer lohnenden Studie und zum Gegenstück zu unserer Zeit zu wählen.

 

Simeon verließ die Stätten der Zivilisation nicht ganz und gar, so weit ging er und nicht weiter, weit genug, um aus allem heraus zu sein, aber nicht weit genug, um unbeachtet und vergessen zu werden. Simeon tat nichts – außer für Gott leben: und darum wurde er der heilige Simeon. Aber auch wenn wir seine vollendete Heiligkeit, die übernatürliche Frucht dessen, was er wirklich „dort oben“ tat, während er nichts zu tun schien, außer acht lassen – wenn wir das alles vergessen und uns nur auf die menschliche Geste konzentrieren, haben wir noch reichlich genug zu bewundern. Ich habe den heiligen Simeon zu meinem Lieblingsheiligen erwählt, weil er sozusagen am östlichsten Ende der westlichen Christenheit wohnt, weil er diese ganz anders geartete Welt des Ostens verkörpert, die nur mit Mühe für das Christentum gewonnen werden konnte. Ihm ist es, würden die meisten Menschen im Westen sagen, gerade noch gelungen, hineinzukommen. Es ist notwendig, werden sie weiter sagen, vor allem gewarnt zu werden, was in seinem Beispiel übertrieben ist, besonders vor dem geistigen Stolz, der leicht hinter einer solchen außergewöhnlichen Lebensart steht. Aber genau das Gegenteil scheint mir wahr zu sein, denn die christliche Religion wie die übrige Welt leiden an einer Überdosierung des westlichen Geistes: Wir brauchen eine mächtige Injektion vom Osten her, je stärker und spürbarer, um so besser. Simeon mag nicht wie Léon Bloy auf die Welt gespuckt haben, aber er wandte ihr den Rücken und kehrte sein Gesicht der Sonne zu. Simeon repräsentiert einen Typ, der mich immer fasziniert hat, den des Außenseiters, des Ismael, des Sündenbocks. Aber er ist ein Außenseiter von besonders nachgiebiger Art: Er geht nicht in die Wüste und verbirgt sich in einer Höhle, er geht eine gewisse Strecke aus der Stadt hinaus, nicht zu weit, und macht dort „einen Laden auf“.

 

Er ist – wenn man es so ausdrücken will – ein Aussteller im wahrsten Sinn des Wortes, er ist entschlossen, eine Ausstellung von sich selbst zu veranstalten. Vermutlich hatte er einen Grund dafür, und vermutlich war sein Grund – da er der heilige Simeon ist – triftig. Es gleicht einer Umwandlung aller Werte, wenn man die Erde verlässt und hoch oben in der Luft lebt, ununterbrochen die Füße vom Boden erhoben. Es ist ein Benehmen – genauso wagemutig wie das eines Ikarus, abgesehen von dem festen Fels der Heiligkeit darunter. Es ist eine Kühnheit damit verbunden, die zurückgezogenere Typen der Heiligkeit beleidigt. Eine orientalische Extravaganz, entblößt von allem orientalischen Glanz, die mich stark beeindruckt, da ich der Ansicht bin, dass sie unserer Zeit besonders angemessen ist.

 

Ich glaube, dass ich jetzt nicht mehr in Gefahr komme, den heiligen Simeon mit bloßen Rekordbrechern zu verwechseln. Ich glaube auch nicht mehr, dass er irgendeinen anderen ausstechen wollte. Aber ich bin noch immer fest davon überzeugt, dass er hervorstechen wollte – durch Heiligkeit. „Lasst euer Licht leuchten vor den Menschen . . .“ „Eine Stadt, die auf einem Berg steht, kann nicht verborgen bleiben.“ „. . . noch zündet jemand ein Licht an und stellt es unter den Scheffel.“ Und obwohl Heiligkeit den Förmlichkeiten und dem Klatsch eines Fünfuhrtees trotzen können, zu unserer Belehrung und Ermutigung, scheint unsere Welt trotzdem eine besondere Art von Heiligkeit zu erfordern, eine Heiligkeit, deren Impuls von menschlicher Seite her so außergewöhnlich und radikal ist wie die Welt, in der wir leben . . .

 

Aber nach alldem bewundere ich diesen Heiligen nicht nur, ich liebe ihn wirklich. Und warum? Der heilige Simeon ist das gewesen, was ich sein möchte, wenn ich statt der Feigheit des Sünders den Heldenmut des Heiligen besäße. Ich hätte gern jenen Mut, den Spott derer zu ertragen, die verspotten, was ich liebe. Ich möchte den Stein, mit dem man nach mir wirft, gern willkommen heißen. Ich wollte gern hoch oben auf einer Säule stehen, anstatt hier unten auf dem Boden in der Menge, während ich meine Sympathie für den Mann dort oben feige verstecke. Man fühlt sich sicher in der Menge, und darum ging Simeon allein dort oben hinauf. Dem Furchtsamen erfasst der Schwindel beim Anblick großer Höhen; aber Simeon bot ihm die Stirn.

 

Ich halte den Mann auf dem Felsen für einen Weisen, für einen Mann Gottes. „Kommt in den Schatten dieses roten Felsens.“ Ich sehne mich, in den Schatten seiner Säule und seiner Heiligkeit zu treten, weil er in meinem Geist mit der Stärke des Felsens, auf dem er thronte, lebt; weil er sich dort wie ein Leuchtturm aus einem besseren Land und einer besseren Zeit erhebt, in der Heiligkeit noch seltener, einfacher und heroischer war, als die von Ewigkeit Auserwählten noch deutlicher erkennbar unter den immer leuchtenden Sternen wandelten, Himmel und Hölle dichter beieinander lagen und das Schwert des Geistes erbarmungsloser zuschlug. Die Menschheit hat sich immer nach einem goldenen Zeitalter gesehnt, das sie in der Zeit entweder vor- oder zurückverlegt. Wenn sie es in die Vergangenheit verlegt, ist es die Zeit der großen Männer, die zehn Fuß groß waren; wenn in die Zukunft, die Zeit der Flügel. Simeon hatte keine Flügel; aber er hat sein Bestes getan, um von der Erde loszukommen. Er war nicht zehn Fuß groß; aber er hat es fertiggebracht, noch höher zu kommen. Mein Bild von ihm ist, wie Sie sehen, reichlich phantasievoll; er ist mein vollkommener geistlicher Vater.

 

Gebet am 5. Januar

 

Gebenedeite Jungfrau Maria, gib kund deine Milde der Welt, gib kund deine Gnade, die du bei Gott gefunden hast. Erbitte durch dein heiliges Gebet: Gnade dem Schuldigen, Genesung dem Kranken, Kraft dem Kleinmütigen, Trost dem Betrübten, und Hilfe dem mit Gefahr Bedrohten. Auch mir, deinem Diener, der ich deinen liebsten Namen anrufe, spende durch dich, mildeste Königin, seine Gnade dein Sohn, unser Herr und Gott Jesus Christus, der in Ewigkeit gepriesen sei. Amen.

 

Zu Gott

 

O Gott, lass Dir die Fürbitten der heiligen Büßer gefallen, um die wir sie anrufen, und gib, dass wir, obwohl wir nicht ihre leibliche Strenge nachahmen, doch ihren Geist annehmen mögen, durch Jesus Christus, unseren Herrn. Amen. 

 

Zu Gott

 

Erhebe unsere Herzen zu Dir, o Herr, damit wir in diesem Leben frei zu Dir hinstreben, und in Dir allein die wahre Freudenquelle suchen und finden, durch Jesus Christus, unseren Herrn. Amen. 

 

Zum heiligen Eduard

 

Heiliger Eduard, erlange mir die Gnade, dass ich jetzt für meinen Jesus so lebe, damit ich im Tod und am Letzten Gericht seinen Segen erhalte, und dann mit dir Jesus ewig lobe und preise. Amen. 

 

Andenken an die seligste Jungfrau

 

An diesem Tag, wie Cäsarius und andere Schriftsteller berichten, ist durch die Fürbitte Mariä einem Priester die Zunge, die ihm die Albigensischen Ketzer herausgeschnitten hatten, wieder hergestellt worden. 

 

Andacht am 5. Januar:

 

Das Thema im Januar:

Von der Liebe Jesu

"Wer den Herrn nicht liebt, sei verflucht!" (1. Korinther 16,22)

 

"Die Fülle der Gottheit wohnt wesentlich Christus inne. Er ist Gott; dein Gott ist Er! - O Mensch! wie irrt ihr doch allenthalben umher und sucht die Güter des Leibes und der Seele anders als in Ihm! - Liebt Ihn, die ewige Schönheit, liebt das Gut, das alle Güter in sich fasst. Verlangt nach Ihm, der alles Gute ist; dies genügt, und vollauf wird euer Verlangen gestillt werden." (Der heilige Anselm)

"Wer vermöchte es je," spricht der heilige Bonaventura von dem seraphischen heiligen Franziskus, "die Liebe zu beschreiben, von der Franziskus, dieser Freund des Bräutigams, durchglüht war? Gleich einer feurigen Kohle war er, der in dem Feuerofen der göttlichen Liebe brannte. Es waren seine Wonnen, Psalmen zu singen, worin das Lob, die Vollkommenheiten, die Liebe, die Wohltaten, die Wunder seines Herrn ertönten; oft zerfloss er in Tränen, und hielt in der Einsamkeit die süßeste Ansprache mit Ihm. Den Namen Jesus sprach und hörte er nie anders als mit innerlichem Jubel; ja er leckte seine Lippen, wenn er ihn ausgesprochen hatte, die Süßigkeit desselben kund zu geben; und von so zarter Andacht und Liebe wurde er dabei ergriffen, dass sein Äußeres gänzlich umgewandelt schien; gleich als ob er süßen Honig gegessen, oder die liebliche Musik gehört hätte." - "Flammend für die Ehre seines Vielgeliebten, und von Sehnsucht durchdrungen, für Ihn zu sterben, machte er sich dreimal auf den Weg die Heiden zu bekehren; und zwar stritt er mit so großem Eifer und Mut, dass er, ob auch sehr schwach und erschöpft von seinen strengen Bußwerken und Fasten, dennoch seinem Gefährten, der stark und kräftig war, voran eilte." "Ja, es flammte," spricht der heilige Bonaventura, "sein Herz so gewaltig von der Liebe Jesu, dass weder Beschwerden, noch Trübsale, noch die bittersten Leiden es vermochten, dies heilige Feuer zu löschen." 

Staunend über die göttlichen Vollkommenheiten, rief der heilige Augustinus aus: "Spät liebte ich Dich, o uralte und ewig neue Schönheit; spät liebte ich Dich!" Lieben wir diese allerhöchste Schönheit, und schön werden wir selbst werden, wenn wir lieben was immerdar schön ist. Die Schönheit nimmt im Verhältnis mit der Liebe zu, denn die Liebe ist die Schönheit der Seele.

In ihrem Buch von den Übungen der göttlichen Liebe lädt die heilige Gertrud die frommen Seelen ein, sich des Tages dreimal eifrig zur Liebe anzuregen; am frühen Morgen nämlich, dann gegen die Mitte des Tages und am Abend; und dies zwar, damit das Herz sich in etwas schadlos hält, dass es dem Herrn seinen Gott nicht immer mit unablässiger Inbrunst liebte. In diesem Buch nennt sie Jesus ihren allerhöchsten Herrn, ihr einziges Gut, die Treue ihres Herzens, und bittet Ihn bei der Liebe zu seiner Liebe um die Gnade, alles was nicht Er selbst ist, als ihm angehörig zu betrachten. 

Diese besagte Heilige weihte jede Woche der göttlichen Liebe einen Tag, den sie auch den Tag der Liebe nannte. Sieben Mal flehte sie an diesem Tag zu Gott, sie, als ihr allerhöchster Herr, zu beherrschen und in der Kunst zu unterrichten, Ihn zu lieben. 

 

Verleihe mir, o Gott, dass die Liebe überhand nehme, wo einst die Missetat überhand genommen hatte. Lass Deine Liebe herrschen in dem Herzen, worin einst die Liebe der Welt regierte. Ich liebe Dich, Herr, und zwar um Deiner unendlichen Schönheit willen; nichts auch will ich mit Dir lieben, außer um Deinetwillen. Amen.

 

Ein Gedanke heiliger Dominikaner am 5. Januar

 

"Wie viel Reue, wie viele Seufzer,

ja wie viele Tränen kostet uns zuweilen ein unbedachtes Wort!"

 

ehrw. Juliana Morell OP

1594 bis 26.6.1653

 

Betrachtung am 5. Januar - Wahre und falsche Weisheit

 

Die Taten aller Weisheit dieser Welt

Sind eitler Kinder Spiele;

Nur wen, Herr, deiner Weisheit Licht erhellt,

Der Kommt durch sie zum Ziele.

 

1. Wer das rastlose Treiben und die unermüdlichen Anstrengungen der Kinder dieser Welt mit erleuchteten Augen des Glaubens betrachtet, kann sich nicht erwehren, über ihre sonderbare Verblendung zu seufzen. Allen Fleiß und Scharfsinn bieten sie auf, neue Erfindungen und Einrichtungen zu ersinnen, wodurch sie zu Reichtum, Ehre und zu Mitteln gelangen, ihre Begierden zu sättigen. Und als klug und weise rühmen sie diejenigen unter ihnen, denen dies auf vorzügliche Weise gelingt. Indessen dienen alle diese Dinge nur dazu, die Not und die Armseligkeiten dieses Lebens zu lindern, denn sie sind nur Mittel. Sie aber halten sie in ihrer Verblendung für das Ziel selbst, nämlich für die Glückseligkeit des Lebens.

 

2. Lebten unter den Sterblichen dieser Erde auch solche, die unsterblich wären, sicher würden sie dann zu den ersten sprechen: Ihr kurzsichtigen Toren, wie bemüht ihr euch euer kurzes Leben hindurch um Erfindungen und Verschönerungen, da ihr nur so wenige Jahre euch hier aufhaltet. Überlasst uns diese Dinge, die wir ewig hier bleiben, und seid vielmehr um solche Dinge besorgt, die ihr in das Haus eurer künftigen Ewigkeit mitnehmt. Je mehr ihr von den sogenannten Gütern und Lüsten dieser Erde euch fern haltet, um so leichter auch wird euch der Abschied von dieser Erde werden, wo ihr keine bleibende Stätte habt.

 

3. "Die wahre Weisheit kommt von oben herab!" Sie ist himmlisch und führt allein zum Himmel. Sie ist nicht auf die verdorbene, sondern auf die erlöste Natur gegründet. Sie allein auch ist erhaben und unwandelbar, wie Gott selbst, von dem sie ausgeht. Sie ist überaus hellsehend, denn sie sieht Gott und die Ewigkeit, und betrachtet alle Dinge dieser Welt als Mittel, die, weise verwendet, zu dem wahren Ziel, zur unendlichen Glückseligkeit führen. Weise wirst du nur dann sein, wenn du diese Weisheit erlernst, die unendlich hoch über der Weisheit dieser Welt steht. 1. Korinther 3,19a: "Denn die Weisheit dieser Welt ist Torheit vor Gott."

 

6. Januar

 

Von den heiligen Dreikönigen

 

„Als die Heiligen Drei Könige von den Juden unterwiesen wurden, wo ihr König sollte geboren werden, und darauf mit ihrem Gesinde gen Bethlehem zogen und der Stern wieder vor ihnen herging, da kamen sie an die Stätte, wo der Engel den Hirten in der Christnacht erschienen war. Da fanden sie die Hirten, und die Hirten sagten ihnen, wie die Engel Gottes zu ihnen gesprochen hätten in der Christnacht, und von dem Licht, das sie umschien, und wie sie das Kind gesehen hätten. Das hörten die Herren gar gern und behielten auch die Worte wohl, beschenkten auch die Hirten reichlich und ritten fröhlich weiter und kamen gen Bethlehem. Da hielten sie still und legten ihr stattlich Gewand an und bereiteten sich, dass sie Königen gleich sahen. Als sie nun an die Straße kamen, an deren Ende die geringe Hütte lag, da blieb der Stern stehen und ging nicht weiter, sondern senkte sich herab mit solchem Glanz, dass die ganze Hütte, und alle, die darinnen waren, von dem Schein erleuchtet wurden. Dann stieg er wieder in die Höhe, stand unbeweglich und sein strahlender Glanz verblieb in der Hütte.

 

An dem Tag, da die drei Könige dem Kind das Opfer brachten, da war Jesus ein Kind von dreizehn Tagen und lag in der Krippe in geringe Tücher gewickelt. Maria, seine Mutter, war voll von Gestalt und bräunlich von Angesicht und mit einem blauen schlechten Mantel bekleidet. Die drei Könige aber waren herrlich gekleidet, und Melchior, der König von Nubien und Arabien, der dem Kind Gold opferte, war von Gestalt der kleinste, Balthasar, der König von Saba, der ihm Weihrauch opferte, war der mittelste, und Kaspar, der König von Tharsis, der ihm Myrrhen darbrachte, war der größte von Gestalt und war ein Mohr.

 

Auch ist zu wissen, dass die drei Könige große Schätze und köstliche Kleider mit sich führten aus ihren Landen, denn alle Gezierde, die der große Alexander nach seinem Tod hinterließ, und was die Königin von Saba dem König Salomo brachte, und alles was König Salomo Gott zu Ehren machen ließ, das war alles den drei Königen anheimgefallen, denn ihre Vorfahren hatten den Tempel zu Jerusalem zerstört, und nun führten es die drei Könige bei sich und meinten, sie wollten es dem neuen König verehren. Als sie aber in das arme Hüttlein kamen, da Jesus lag, da war darin so unaussprechlich große Klarheit, dass sie standen wie in einer Glut, und wussten nicht vor Schrecken woran sie waren. Also griffen sie geschwinde in ihre Säcke, und was ihnen zuerst in die Hände kam, das opferten sie und vergaßen aller Herrlichkeit, die sie mit sich brachten. Melchior opferte dreißig goldene Pfennige und einen goldenen Apfel, wie es ihm in die Hände fiel; Balthasar opferte Weihrauch, Kaspar Myrrhen, und was die liebe Maria zu ihnen sprach, das vergaßen sie allzumal, dass sie nichts behielten, als dass sie sich zu jeglichem König gar demütiglich neigte und sprach: „Gedanket sei Gott“.

 

Der goldene Apfel, den König Melchior opferte mit den dreißig goldenen Pfennigen, war des großen Königs Alexander gewesen, und er hatte ihn so gefüge machen lassen, dass er ihn mit einer Hand umgreifen konnte. Denn Alexander hatte die ganze Welt bezwungen und hielt sie in seiner Hand, und dessen zur Urkunde hatte er den Apfel machen lassen, weil die Welt rund ist, und meinte, dass er der Welt so gewaltig wäre als des Apfels. Und da der Apfel dem Kind in die Hand gegeben ward, da ward er zu Asche, zum Zeichen, dass alle irdische Gewalt vor Gott eitel ist und in Staub zerfällt.

 

Als nun die Herrn ihr Opfer löblich vollbracht hatten, da bereitete man die Kost für sie und ihr Gesinde, und als sie gegessen hatten, da legten sie sich nieder mit ihren Dienern und schliefen den Tag und die Nacht, und in der Nacht erschien ihnen der Engel Gottes im Schlaf und warnte sie, dass sie nicht zurück zögen zu Herodes. Das beschlossen sie gemeinsam zu tun, und fuhren einen anderen Weg heim in ihr Land, und auf dem Weg brachten sie zwei Jahre zu, ehe sie nach Hause kamen; auch mussten sie unterwegs in Herbergen einkehren, essen, trinken und schlafen, alles nach menschlicher Weise, denn der Stern schien ihnen nicht mehr. Wo sie aber Nachtruhe hielten, da sagte sie dem Volk des Landes, wie alles ergangen war, und also ward ihre Ausfahrt und Wiederkunft bekannt und offenbar durch alle Lande, dass es nie konnte vergessen noch getilgt werden, obwohl es dem König Herodes und den Juden sehr zuwider war. Und obwohl sie zwei Jahre unterwegs waren, ehe sie die Heimat erreichten, doch gebrach ihnen nichts von alledem, was sie unterwegs bedurften, denn sie hatten große Vorräte mit sich geführt und kamen gesund miteinander zu dem Berg Vaus, wo der Stern zuerst erschienen war.

 

Als nun die Heiligen Drei Könige alle Dinge wohl bestellt und Land und Leute versorgt hatten, da blieben sie beieinander in der Stadt Stulla, die unter dem Berg Vaus liegt und lebten danach nicht mehr zwei Jahre. Eines Tages, nicht lange vor Weihnachten, erschien über der Stadt ein schöner Stern, der nie zuvor gesehen wurde. Die drei Könige verstanden wohl, dass ihr Ende nahte, und Gott sie zu sich nehmen wollte in das ewige Leben, und ließen ein schönes Grab machen wie sie des wohl würdig waren. Und als sie das Weihnachtsfest schön und löblich begangen hatten, danach auf den achten Tag, da König Melchior Messe gehalten, da starb er und war hundertsechzehn Jahre alt. Da nahmen die zwei andern Könige seinen Leichnam und bestatteten ihn mit großen Ehren zur Erde. Danach am fünften Tag, am Erscheinungsfest des Herrn, als Balthasar der König von Saba Messe gehalten hatte, da starb er am zwölften Tag und war hundertzwölf Jahre alt. Da wurde er von dem überlebenden König neben Melchior in dasselbe Grab bestattet. Sieben Tage nachher starb auch Kaspar, der dritte König, nachdem er Messe gehalten, und war hundertneun Jahre alt. Da wurde auch er von dem Volk mit großen Ehren bestattet, und als er ins Grab gesenkt wurde, da rückten die beiden ersten voneinander und ließen ihren Gesellen zwischen sich liegen. Da sahen alle, die gegenwärtig waren, wie die Herren einander lieb gehabt im Leben, so sollten sie nun auch im Tod nicht geschieden werden. Der Stern aber, der vor ihrem Tod erschienen war, blieb unbeweglich über der Stelle stehen, bis sie hinweggeführt wurden, wie danach gesagt wird.“

 

Nachdem Kaiser Friedrich Barbarossa im Jahr 1164 Mailand erobert hatte, übergab er seinem Kanzler, dem Erzbischof von Köln, Rainald von Dassel, die Reliquien der Heiligen Drei Könige. Der Legende gemäß sollen sie zunächst durch die heilige Helena nach Konstantinopel gebracht worden und von dort nach Mailand gelangt sein.

 

Für diese wurde um 1181 von Nikolaus von Verdun und einheimischen Kölner Goldschmieden ein kostbarer Gold-Email-Schrein geschaffen, über dem wiederum der Kölner Dom als ihre Königskathedrale und zugleich als Wiedergabe des himmlischen Jerusalem sich erheben sollte.

 

Dargestellt werden sie als Könige mit ihren Geschenken, Gold, Weihrauch und Myrrhe, bei der Anbetung des Kindes; ursprünglich galten sie als Magier, als „Weise aus dem Morgenland“, die sich als Vertreter ihrer heidnischen Religionen dem Christentum unterwarfen. Im 12. Jahrhundert symbolisierten sie die Lebensalter; Kaspar den Greis, Melchior den Mann und Balthasar den Jüngling. Ungefähr ab 1300 wird der Jüngling als Mohr dargestellt. Diese Komposition lässt die Möglichkeit zu, dass diese drei Männer zu Vertretern der damals bekannten Erdteile werden, nämlich Kaspar als Europäer, Melchior als Asiat und Balthasar als Afrikaner.

 

Sie sind die Patrone der Stadt und des Erzbistums Köln sowie der Wallfahrer und der Reisenden. Spielkartenfabrikanten und Kürschner haben sich unter ihren Schutz gestellt.

 

Fürbittend werden sie angerufen gegen einen plötzlichen Tod und gegen Epilepsie.

 

* * *

 

Es war am Vigiltag vor Erscheinung des Herrn. Eine fromme Klosterfrau, die selige Veronika von Binasko (* 1445 in Binasko bei Mailand; + 13. Januar 1497 zu Mailand; Nonne und Mystikerin; Papst Leo X. erlaubte 1517 die Verehrung von Veronika Negroni von Binasco als Selige), kniete im Kirchlein von St. Martha in Mailand beim heiligen Messopfer. Es währte nicht lange, da wurde sie den Sinnen entrückt. Ein Engel führte sie im Geist gen Osten: ihr Auge sollte das Geheimnis des nahenden Festes schauen . . .

 

Weite Länderstrecken musste Veronika durchwandern, bis sie in die Heimat der heiligen Dreikönige kam. Sie hörte den Engel des Herrn an drei verschiedenen, weit entlegenen Orten die Freudenbotschaft verkünden, der Heiland der Welt sei geboren. Die Weisen möchten sich aufmachen und ihn anbeten.

 

Als es Abend geworden war, sah Veronika die drei Weisen an einem Ort beisammen. Sie hörte, wie sie miteinander sprachen. Ein jeder erzählte, was er gesehen und vom Engel gehört habe über die Geburt des neuen, großen Königs. „Wer wird unser Führer sein?“ fragten sie sich. Endlich beschlossen sie, gemeinsam die Reise anzutreten, um den neuen König anzubeten.

 

Die verzückte Jungfrau sah sodann, wie sie allerlei Vorbereitungen trafen, um mit königlicher Pracht aufzutreten. Sie sah, wie die Könige Dromedare bestiegen, gewaltig große und wild dreinschauende Tiere. Die drei Könige waren von stattlicher Gestalt und trugen golddurchwirkte Gewänder, die bis zu den Knien reichten.

 

Und sieh, ein Stern, hellleuchtender als die anderen, ging ihnen voran. Die Könige folgten ihm. Da sie aber den Stern erblickten, hatten sie eine übergroße Freude und sprachen: „Das ist das Zeichen des großen Königs!“

 

Veronika folgte dann unter Führung des Engels den heiligen Dreikönigen, die auf ihren Dromedaren eilig dahinzogen, weithin durch die Lande. Eine große Gefolgschaft von Männern und Tieren mannigfacher Art begleitete die Könige . . .

 

Unterdessen war der Festtag selbst angebrochen. Es war Zeit zur Heiligen Messe. Veronika begab sich zum Klosterkirchlein. Kaum hatte sie das heiligste Sakrament durch eine Kniebeugung angebetet, als sie wieder in Verzückung fiel.

 

Sie wurde im Geist nach Jerusalem versetzt. Dort herrschte König Herodes. Die Kunde läuft eben durch die Stadt, drei Könige aus dem Morgenland seien angekommen. Herodes geht ihnen entgegen. Als er aber von den Weisen vernimmt, ein neuer König sei geboren, da bäumt sich sein Stolz und Neid auf. Doch tief im Herzen verbirgt er seine Wut; nach außen bekundet er Freude über die Geburt des neuen Königs. Veronika sieht sodann, wie man sich im Königshof rüstet, wie Tische hergerichtet, Speisen zubereitet werden, um die fremden Könige gebührend zu ehren. Herodes und seine erlauchten Gäste setzen sich zu Tisch und sprechen vieles über den neugeborenen König . . .

 

Unterdessen hat im Kirchlein die Heilige Messe begonnen. Veronika kommt wieder zu sich, folgt andächtig der Opferhandlung und empfängt gemeinsam mit den Schwestern die heilige Kommunion. Dann fällt sie wieder in Verzückung.

 

Da sieht sie, wie die drei Weisen von Herodes sich verabschieden: „Geht und forscht sorgfältig nach dem Kind“, hört sie ihn sprechen, „und wenn ihr es gefunden habt, dann meldet es mir, damit auch ich komme, es anzubeten!“ Nach diesen Worten des Königs ziehen sie von dannen.

 

Als sie auf der Weiterreise waren, hörte Veronika, wie sie sich fragten: „Wohin sollen wir nun gehen? Wir haben den Stern verloren?“

 

Doch alsbald war der Stern wieder da, den sie im Osten gesehen hatten, und ging vor ihnen her, bis er über dem Ort stillstand, wo das Kind war.

 

Als die Weisen den Stern wiedersahen, waren sie voll übergroßer Freude. Schon von fern sahen sie, wie der Stern stillhielt. Da stiegen sie von ihren Reittieren und nahmen ihre Geschenke zur Hand. Ihre Gefolgschaft ließen sie zurück und gingen allein zu dem Ort hin, wo zu ihrer Verwunderung der Stern stillstand.

 

Unterdessen meldete der Engel des Herrn der Jungfrau und Mutter, dass die Könige angekommen seien, um das Kindlein Jesus anzubeten. Als die heiligen Dreikönige eintraten, erhob sich die Jungfrau und Mutter. Die Könige neigten sich ehrfurchtsvoll vor ihr. Dann setzte sich die Jungfrau und nahm das Jesuskind, das in ein Linnengewand gehüllt war, auf den Schoß. Die Füße des Kindleins waren bloß. In der Nähe standen Josef und ein Diener. Bevor die Weisen zum Kindlein traten, um es anzubeten, machten sie dreimal die Kniebeugung. Vorher unterhandelten sie, wer es zuerst anbeten solle. Da trat der Jüngste vor, küsste die Füße des Kindleins, nahm die Krone vom Haupt und legte sie dem Kindlein zu Füßen. Und das Jesuskindlein segnete ihn. Das alles sah Veronika in der Verzückung.

 

Als die Dreikönige aus dem Morgenland ihre Anbetung vollendet hatten, brachten sie Gaben dar: Gold, Weihrauch und Myrrhe. Josef nahm die Geschenke in Empfang. Der Engel Gottes eröffnete Veronika den tieferen Sinn dieser geheimnisvollen Gaben.

 

Nachdem die drei Weisen die geheiligte Stätte verlassen hatten, blieben sie nur eine Nacht lang in einer benachbarten Herberge. Veronika sah im Geist den Engel des Herrn, wie er im Schlaf den Königen erschien und sie warnte, zu Herodes zurückzukehren. Sie zogen deshalb auf einem anderen Weg heimwärts.

 

Veronika wurde hierauf vom Engel Gottes im Geist an den Ort geführt, wo sich Herodes aufhielt. Er und sein ganzer Hofstaat schienen sehr zornig darüber zu sein, dass die Weisen nicht mehr zu ihm zurückgekehrt waren. Er ließ durch Ausrufer allen ankündigen, wer die drei Könige aufspüre und sie ihm vorführe, werde mit reichen Geschenken bedacht werden . . .

 

In frommem Schauen verbrachte Veronika so den ganzen Tag. Im Chor der Kirche hatten die Schwestern unterdessen bereits den größten Teil der Vesper gesungen, als die verzückte Seherin zu sich kam und ihrer äußeren Sinne wieder mächtig war.

 

Nach alter, frommer Ansicht kamen die Leiber der heiligen Dreikönige in späteren Jahrhunderten über Konstantinopel nach Mailand. Als Kaiser Friedrich Rotbart diese Stadt eroberte, schenkte er die Dreikönigsreliquien seinem Kanzler Reinold von Dassel. Der brachte sie am 23. Juli 1164 in seine Bischofsstadt Köln am Rhein. Dort ruhen sie seitdem in einem kunstvollen, kostbaren Schrein, überwölbt vom herrlichsten Dom Deutschlands.

 

Der heilige Erminold, Abt und Märtyrer von Prüfening,

+ 6.1.1121 – Fest: 6. Januar

 

Wie die Apostel, dem Auftrag des göttlichen Heilandes gemäß, in alle Lande gingen und den Samen des Evangeliums ausstreuten, so fanden sich zu allen Zeiten apostolische Frauen und Männer, die keine Mühe und Opfer scheuten, um das Reich Gottes auszubreiten. Zu diesen hellen Leuchten gehört der heilige Erminold, der erste Abt der berühmten Benediktinerabtei Prüfening in Bayern.

 

Der heilige Erminold kam aus einer angesehenen Familie in Schwaben. Die frommen Eltern übergaben ihren Sohn, den ihnen Gott im hohen Alter geschenkt hatte, aus Dankbarkeit den Mönchen des Klosters Hirsau, damit sie ihn für Gott erzögen. Der edle Wunsch der beglückten Eltern erfüllte sich im reichsten Maß, denn der talentvolle Junge nahm von Tag zu Tag in Tugendübungen und Wissenschaften zu und hegte keinen anderen Wunsch mehr, als in den Orden des heiligen Benedikt einzutreten. Der Teufel suchte ihn von diesem Vorhaben abzubringen, aber mit den Waffen Jesu Christi schlug er den Widersacher in die Flucht. Gern wurde ihm die Aufnahme in das Kloster gewährt. Wie einst der Geist des Propheten Elias auf Eliseus überging, so prägten sich die Tugenden des berühmten Abtes Wilhelm von Hirsau dem jugendlichen Gemüt des Novizen Erminold ein, so dass er sich gar bald zum Führer einer geistigen Heeresschar befähigte.

 

Der Ruf seiner Heiligkeit und seiner vorzüglichen Geistesgaben verbreitete sich so weit, dass er von den Brüdern des Klosters Lorch mit Gutheißung des Kaisers Heinrich V. einstimmig zum Abt ihres Klosters gewählt wurde. Der treue und kluge Diener Gottes war in seiner neuen Würde mehr ein Untergebener, als ein Gebieter, und es lag ihm alles daran, durch Wort und Beispiel seine Brüder in Gottesfurcht und regem Tugendeifer zu befestigen. Als aber einst der leibliche Bruder Erminolds sich anmaßte, ohne Wissen und Willen desselben dem Kaiser von den Klostergütern Geschenke zu machen, legte der heilige Abt seine Würde nieder und kehrte mit 40 seiner Schüler in das Kloster Hirsau zurück, der Taube Noahs ähnlich, die in die Arche zurückflog, als sie draußen keinen reinen Boden fand. Wie ein Engel Gottes wurde er dort mit Ehren aufgenommen, weil seine Tugenden nicht verborgen bleiben konnten.

 

In jener Zeit hielt Kaiser Heinrich V. einen Reichstag zu Regensburg ab, zu dem auch der heilige Bischof Otto von Babenberg reiste. Da er wegen der Menge fremder Gäste in der Stadt keine Unterkunft fand, schlug er draußen zwischen zwei Nussbäumen sein Nachtquartier auf. Dort hörte er einen wundersamen Glockenklang und er sah, wie einst der Patriarch Jakob, von seinem Lager eine Leiter, die bis in den Himmel reichte und auf der die Engel Gottes auf und nieder stiegen. Der heilige Bischof beschloss, an dieser Stelle ein Kloster zu bauen, deren Bewohner engelgleich zum Himmel hinaufsteigen sollten. Nachdem der Bau vollendet war, sah er sich nach einem ausgezeichneten Vorsteher des neuen Klosters um, und er fand keinen geeigneteren und würdigeren, als den bewährten Erminold. Diesen erhob er zum ersten Abt des jungen Klosters Prüfening, damit er den unbebauten Boden mit Klugheit und Eifer urbar machte und eine reichliche Saat für den Himmel gewinne.

 

Erminold zierte seine Würde mit ebenso viel Heiligkeit, wie mit Entschiedenheit. Als einst der vom Papst exkommunizierte Kaiser Heinrich V. das Kloster Prüfening besuchen wollte, verweigerte ihm der Abt den Eintritt, und der Kaiser zog ab nicht mit Groll, sondern voll Ehrfurcht gegen den heiligen Diener Gottes, und er verbot seinen erzürnten Schmeichlern, dem Kloster irgendwie zu schaden. So streng der heilige Abt seine Rechte wahrte und für die Ehre Gottes eiferte, so sanft und liebreich behandelte er seine Feinde, lud sie freundlich zu Tisch und entließ sie mit Geschenken. So gewann er durch Milde und Geduld die Herzen seiner Gegner. Eine besondere Fürsorge wandte er den Armen zu. Als einst in Bayern eine große Hungersnot ausbrach, öffnete er alle Scheunen und Speicher des Klosters, teilte alle Vorräte an die Bedürftigen aus und veräußerte selbst die heiligen Gefäße, um die Not zu stillen. Als die Brüder ihm mitteilten, alles sei fortgegeben und sie müssten selbst Hunger leiden, flehte der Heilige inbrünstig zu Gott und zum heiligen Georg, seinem Kirchenpatron. Kaum hatte er sein Gebet vollendet, da schickte Gott einen edlen und reichen Herrn, der mit seinem Überfluss die Not der Mönche beendigte.

 

Als einst der heilige Abt in die Kirche gehen wollte und die Pforte verschlossen fand, eilte der Küster fort, um die Schlüssel zu holen. Zu seinem höchsten Erstaunen fand er den Heiligen bereits am Altar im Gebet. Als er sich erhob, verbot er dem Küster, mit irgendeinem vor seinem Tod von diesem Ereignis zu sprechen.

 

Wie ein Riese schritt der heilige Erminold unentwegt dem Himmel zu und zog eine auserwählte Schar gottbegeisterter Schüler mit sich fort, aber die Hölle ergrimmte über ihre Verluste und goss Gift in die Herzen einiger Boshaften, die sich gegen das Leben des Heiligen verschworen und eine günstige Gelegenheit abpassten, um ihren Mordplan auszuführen. Dem Heiligen wurde das verbrecherische Vorhaben der Verschwörer offenbart, aber er sprach, wie einst der Herr zu Petrus: „Warum soll ich den Kelch nicht trinken, den mir der Vater darreicht?“ Voll Ruhe ging er den Mördern entgegen, die beim Anblick des unverzagten Heiligen derart erschüttert wurden, dass der Dolch ihrer Hand entfiel.

 

Nicht lange danach lauerte ihm einer der Verschworenen, namens Aaron, wieder auf und schlug ihn mit einer hölzernen Keule auf den Kopf. Betäubt sank der Heilige zu Boden, kam aber nach einiger Zeit wieder zu sich, richtete seine Augen auf seine Brüder und sprach mit heiterer Miene, er sei zum himmlischen Thron erhoben gewesen und habe tröstliche Versprechungen vernommen. „Ich freute mich“, sprach er, „weil mir gesagt wurde, an diesem Ort werde man immer Gott dienen. Ich sah mit goldenen Buchstaben die Namen unserer verstorbenen, lebenden und künftigen Brüder im Buch des Lebens verzeichnet. Und dies soll euch das Zeichen sein, dass ich die Wahrheit rede: morgen, wenn im Hochamt das Gloria gesungen wird, werde ich von dieser Welt scheiden.“ Wie er vorhergesagt, so geschah es. Am folgenden Morgen, - es war das Fest der Erscheinung des Herrn – verließ seine Seele während des Engelgesangs das zerbrechliche Haus des Leibes, um unter Engelchören den himmlischen Jubelgesang anzustimmen.

 

Die Wunder, die das Grab des heiligen Abtes und Märtyrers Erminold verherrlichten, könnten ein ganzes Buch füllen. Ein wunderbarer Wohlgeruch strömte aus seinem Grab, Blinde erhielten ihr Augenlicht, Lahme gerade Glieder, Taube ihr Gehör, Kranke aller Art ihre Gesundheit, Teufel wurden ausgetrieben und unzählige Gebetserhörungen und Wohltaten gewährt. Deshalb wallfahrteten schon bald nach seinem Tod viele Hilfsbedürftige zum Grab des Heiligen, und kehrten erfreut, getröstet und erhört in die Heimat zurück voll Dank gegen den heiligen Wohltäter von Prüfening.

 

Die heilige Makra, Jungfrau und Martyrin von Reims,

+ 6.1.304 - Fest: 6. Januar

 

Während der heftigen Christenverfolgung des Kaisers Diokletian wütete Rictiovarus, der römische Statthalter in Gallien, mit unerhörter Grausamkeit gegen die Gläubigen, und, um sie alle zu vertilgen, durchzog er mit seinen Henkern alle Ortschaften, und suchte neue Opfer, seinen Blutdurst zu stillen. Im Jahr 303 kam er in die Stadt Reims, wo unter anderen bei ihm auch eine gottesfürchtige Jungfrau, Makra mit Namen, als Christin verklagt wurde. Als sie vor dem gottlosen Richter erschien und von ihm zum Götzenopfer aufgefordert wurde, bekannte sie ohne alle Furcht den wahren und einzigen Gott und wurde deswegen zum Feuertod verurteilt. Zum Staunen aller Heiden aber ging die Bekennerin unversehrt aus den Flammen hervor, und der Statthalter durch dieses Wunder beschämt, ließ ihr die Brüste aus dem Leib schneiden und sie zu noch größeren Peinen im Gefängnis aufbewahren.

 

Die heilige Martyrin lobte Gott und sang frohen Mutes heilige Psalmen, als zur Nachtzeit der Kerker mit einem glänzenden Licht plötzlich erhellt wurde, und ein freundlicher Greis ihr zur Seite stand, der sie so anredete: „Makra! Gott sendet mich zu dir, dass ich deine Wunden heile.“ Ihm antwortete die Jungfrau: „Nimmermehr wünsche ich die Gesundheit meines Körpers, wenn ich dadurch die Krone der Gerechtigkeit verlieren sollte. Doch der Wille des Herrn geschehe“, und bei diesen Worten ließ sie sich auf die Knie nieder, fiel in einen Schlummer und als sie erwachte, war sie geheilt.

 

Am anderen Tag wurde die Martyrin wieder vor den Richterstuhl des Rictiovarus gebracht, der von einer unzähligen Menge Heiden umgeben war, und alle schrien laut auf vor Verwunderung, als sie die Christin gesund und unversehrt erblickten. „Durch welche Zauberei“, fragte der Richter, „wurdest du geheilt?“ – „Dieses Wunder geschah“, antwortete Makra, „durch die Gnade und Macht meines Jesus.“ Im höchsten Zorn entgegnete ihr der Heide: „Wie, du belästigst neuerdings meine Ohren mit dem mir so verhassten Namen? Unter den schrecklichsten Peinen sollst du diesen Jesus noch verleugnen.“ Makra erwiderte: „So eile, damit meine einzige und seligste Hoffnung bald erfüllt werde.“ Nun wurde die Heilige auf spitzigen Steinen und glühenden Kohlen so lange herumgewälzt, bis sie den Geist aufgab.

 

Der heilige Melanius, Bischof und Bekenner von Rennes, Frankreich,

+ 6.1.530 - Fest: 6. Januar

 

Der heilige Melanius stammte aus einer vornehmen Familie; verzichtete aber aus Liebe zu Jesus auf alles Irdische und wählte das einsame Klosterleben, in dem er sich so hohe Tugenden auszeichnete, dass ihn wider seinen Willen der heilige Bischof Amandus von Rennes zu seinem Nachfolger ernannte. Wegen seines heiligen Lebenswandels liebte ihn der fränkische König Clodoväus sehr und bediente sich seines Rates in den wichtigsten Staatsangelegenheiten. Im Jahr 511 hatte Melanius auf der fränkischen Kirchenversammlung zu Orleans unter 32 Bischöfen den Vorsitz und durch sein Ansehen beim König wurden die trefflichsten Kirchenverordnungen gemacht und mehrere Kirchen und Klöster erbaut.

 

Er war ein unermüdlicher und wachsamer Seelenhirt und wirkte auf seinen Reisen durch seinen Sprengel viele Wunder an Kranken und Behinderten. Gregor von Tours erzählt, dass der heilige Bischof einst einen vom bösen Geist besessenen und aus Verzweiflung sich selbst erwürgten Menschen wieder zum Leben erweckte. Durch dieses Wunder wurden die Einwohner zu Vannes in der Bretagne, die noch Heiden waren, zur christlichen Religion bekehrt. So wirkte der heilige Melanius zum Seelenheil seiner Gläubigen und zur Ausbreitung des Christentums rastlos sein ganzes Leben hindurch, bis ihm Gott die Stunde seines Todes offenbarte. Er bereitete sich mit der innigsten Andacht auf die Ankunft des Herrn vor und nachdem er mit heiligster Sehnsucht die Sterbesakramente empfangen hatte, starb er im Jahr 530 in einem Kloster zu Plörmöl, das er selbst gestiftet hatte. Aus Dankbarkeit erbauten ihm die Gläubigen ein herrliches Grabmal in der Domkirche zu Rennes, das durch ein Wunder unversehrt blieb, als die ganze Kirche vom Feuer vertilgt wurde.

 

Der heilige Nilammon von Pelusium, Klausner,

+ 6.1.404 – Fest: 6. Januar

 

Dieser Heilige lebte, der Welt ganz unbekannt, in einer Zelle, in der Nähe von Pelusium in Ägypten. Die Stadt Gera wählte ihn zum Bischof, allein er weigerte sich standhaft seine Einwilligung zu geben, indem er alle Beweggründe aufbot, die seine Demut ihm zeigte. Schließlich nahm er seine Zuflucht zu den Tränen, um den Patriarchen von Alexandrien, Theophilus, der ihn auch des bischöflichen Amtes für würdig gehalten hatte, für sich zu gewinnen. Da alle seine Bemühungen fruchtlos waren und keineswegs seinen dringenden Bitten entsprechen wollte, wandte er sich, von Schmerz ergriffen, mit Vertrauen an Gott und bat ihn, eher ihm das Leben zu nehmen, als zuzulassen, dass ihm eine so furchtbare Last aufgebürdet wird. Sein Gebet wurde auch erhört, denn er starb, bevor er das Gebet völlig beendet hatte. Im 5. Jahrhundert. Sein Name ist im Märtyrerverzeichnis unter dem 6. Januar zu finden.

 

(Ein ähnliches Beispiel haben wir im Leben des Bruders Columban. Dieser heilige Mann zeichnete sich von Kindheit an durch seine Unschuld aus, durch seine Frömmigkeit und durch seine Liebe zu den Armen. Abbeville, seine Vaterstadt, und Marseille wurden erleuchtet durch den Glanz seiner Tugenden. Im Jahr 1710 trat er in Buonsollazzo, in der Toskana, in den Zisterzienserorden ein, der die verbesserte Regel der Trappisten angenommen hatte. Eine brennende Liebe, eine tiefe Demut, ein ungewöhnlicher Geist der Buße und des Gebets, eine heilige Begierde nach allen Übungen der Abtötung, zeichneten ihn bald vor den anderen Brüdern aus. Der Abt aber, der glaubte, ihn in diesem Fall von den gewöhnlichen Regeln freisprechen zu können, sagte ihm daher, er möge sich zum Empfang der heiligen Weihen vorbereiten. Seine Absicht war, sich durch ihn eines Teils der Klosterverwaltung zu entledigen, sobald er zum Priester geweiht wäre. Columban, der allzeit ohne Widerrede den Gehorsam ausgeübt hatte, nahm jetzt, um eine ihm so schreckliche Bürde von sich abzuwenden, zu den kräftigsten Warnungen und rührendsten Bitten seine Zuflucht. Er würde sogar, wäre er nicht durch sein Gelübde davon zurückgehalten worden, die Flucht ergriffen haben. Nichts aber half ihm, er musste, vom Abt genötigt, alle heiligen Weihen bis zum Priestertum empfangen, bei dessen Gedanken er schon von starrer Furcht befallen wurde. Wie wird er aber nun diese schreckliche Würde von sich abwenden? Er warf sich in die Arme Gottes und bat ihn mit engelhafter Inbrunst, doch nicht zuzulassen, dass er zum Priester geweiht werde. Bald wurde die Wirkung seines Gebets sichtbar, denn seine Hände wurden von einer Gicht befallen, woran er kurze Zeit später, im Jahr 1714, starb. Diese Beispiele sind bei Einsiedlern sehr erbaulich, würden es aber nicht ebenso bei Weltgeistlichen sein. Wenn sie die kirchlichen Würden fürchten, sie also nur genötigt annehmen, so folgen sie darin, wie Stephan von Tournay bemerkt, dem Geist der ersten Kirche. Aber sie sollen zugleich auch lernen, dass ein zu hartnäckiger Widerstand ein wahrer Ungehorsam wäre, der von einer sträflichen Kleinmütigkeit herkommt, und die Ordnung und den Frieden stört. Dies ist die Meinung des heiligen Basilius, des so sehr erleuchteten Lehrers.)

 

Gebet am 6. Januar

 

Du liebes Jesuskind, Du bist in Deinem Leben nie so reich gewesen, als heute, da Du einen königlichen Schatz besitzt. Deswegen komme ich arm und bedürftig zu Dir, und begehre demütig um Gottes Willen ein Almosen. Gib mir etwas von dem Gold Deiner göttlichen Liebe, von dem Weihrauch Deiner Heiligkeit und Andacht und von den Myrrhen der Bitterkeit Deines Leidens, damit ich Dir und Deiner jungfräulichen Mutter ähnlich und würdig werde, an der ewigen Seligkeit einst teilzunehmen. Amen. 

 

Zu den heiligen Drei Königen

 

Ihr heiligen Drei Könige, Melchior, Kaspar und Balthasar, bittet für mich, auf dass ich bei den Gefahren dieses Lebens dem himmlischen Licht des heiligen Glaubens und der göttlichen Gnade allzeit so bereitwillig folge, damit ich zu Christus Jesus, dem ich in der heiligen Taufe ewige unverbrüchliche Treue geschworen habe, sicher hingelange in der seligen Ewigkeit. 

 

Andenken an die seligste Jungfrau

 

Die herrliche Kirche zu Aachen, die Kaiser Karl der Große zur Ehre der seligsten Jungfrau hatte erbauen lassen, wurde an diesem Tag im Jahr 804 vom Papst Leo III. in Gegenwart des Kaisers und der Vornehmsten des Reiches eingeweiht. Was weiter die göttliche Mutter bei der Anbetung der Drei Könige, und bei Verwandlung des Wassers in der Hochzeit zu Kana für einen Anteil gehabt hat, ist aus dem Evangelium bekannt.

 

Andacht am 6. Januar:

 

Das Thema im Januar:

Von der Liebe Jesu

"Wer den Herrn nicht liebt, sei verflucht!" (1. Korinther 16,22)

 

"Wenn ich mich Gott gänzlich schuldig bin, weil Er mich erschaffen hat, womit soll ich Ihm vergelten, dass Er auf so erhabene Weise mich erlöste? - Bedenkt dies, ihr Christen! Reich wurdet ihr durch die Liebe Christi an allem was für euer Heil erfordert wird. Mit himmlischen Segnungen aller Art begabte euch Gott durch die Verdienste des Erlösers und um der Liebe willen, die Er für euch im Herzen trug." (Der heilige Bernard)

Der heilige Ambrosius regte sich selbst zur Dankbarkeit an, wenn er die Dankbarkeit der Haustiere gegen ihre Herren betrachtete. Wer würde nicht vor Scham erröten, sprach er, undankbar gegen Christus zu sein, da sogar die Tiere Dankbarkeit bezeugen? Vergisst je der Hund seines Herrn, der ihn ernährt? So hören wir denn auf, undankbar zu sein, und seien wir dankbar gegen Christus, der uns von der Tyrannei des Teufels erlöste und durch das Hochverdienst Seines Leidens die ewige Seligkeit erwarb.

Es erschien der heiligen Gertrud, als spräche Christus, der Vielgeliebte ihrer Seele, des Morgens bei ihrem Erwachen zu ihr: "Wache auf: Wie lange noch willst du dem Schlaf frönen? Sieh, der König des Himmels ist dein Bräutigam; Er glüht vor feuriger Liebe zu dir! Er wusch dich in Seinem Blut und erlöste dich vom Tod, dieweil Er dich liebte. Wie lange noch zögerst du, Seine Liebe mit der Liebe zu vergelten, deren dein Herz fähig ist? Konnte Er deine Liebe um einen höheren Preis erkaufen? Mehr liebte Er dich, denn seinen Leib; da er ihn um deinetwillen nicht schonte. Liebe fordert Liebe!"

Ein Priester des Herrn sprach oftmals, von heiligem Eifer glühend, zu den Seelen, die unter seiner Leitung lebten: "Euer ganzer Leib gehört Demjenigen an, der eure Seele durch seinen Leib ernährt; und all euer Blut Demjenigen, der sein Blut für euch vergossen hat. Ihm übergebt euer ganzes Leben, der sein Leben für euch gegeben hat."

 

O mein Erlöser, feierlich bitte ich Dir die Undankbarkeit so vieler ab, die durch dieses Laster sich an Dir versündigten! Ach, dass ich einst selbst ein solches Ungeheuer war! - Wird es mir aber nicht gestattet, Blut um Blut zu geben, so will ich Dir wenigstens Liebe mit Liebe vergelten. Amen.

 

Ein Gedanke heiliger Dominikaner am 6. Januar

 

"Vertraue dem Licht des Glaubens, das dir vom Himmel kommt,

nach dem Beispiel der hl. drei Könige,

die bei dem Erscheinen des Sterns alle Argumente

und alle Spitzfindigkeiten der menschlichen Klugheit beiseite setzten."

 

gottsel. Ludwig von Granada OP

1504 bis 31.12.1588

 

Betrachtung am 6. Januar - Die Weisen aus dem Morgenland

 

Die Weisen führt ein Wunderstern,

Der Glaube mich zu meinem Herrn.

Dies Kind, das göttlich sie belehrt,

Zeigt mir die Welt, durch ihn bekehrt.

 

1. Betrachte die Wunder deines Herrn, des allmächtigen Kindes, das in der Krippe weint. Sieh, wie der Glanz seiner göttlichen Majestät selbst durch die Armut und Demut dieses verlassenen Stalles hindurchstrahlt. Ein Erzengel kommt vom Allerhöchsten zur Jungfrau gesandt, die er zur Mutter seines Eingeborenen erwählte. Der ungeborene Täufer Johannes hüpft im Mutterleib vor Freude über die Gegenwart seines ebenfalls noch ungeborenen Herrn auf. Himmlische Heerscharen verkündigen frommen Hirten seine Geburt. Und indes Israel seinen Herrn verstößt, geht ein neuer Stern am Himmel auf und beruft ferne Könige und Weise, ihn anzubeten. Wo ist ein irdischer König, dessen Geburt durch solche Wunder verherrlicht wird?

 

2. Sieh, schon nahen diese Fremdlinge aus den Heiden der heiligen Stadt. Ein Stern hat ihre äußerlichen, das Licht Gottes ihre innerlichen Augen erleuchtet, den neugeborenen König Israels zu suchen. Eigens sendet Gottes Vorsehung diese Heiden, die schlummernden Juden aus ihrem Todesschlaf zu wecken, und ihnen zu verkündigen, ihr seit Jahrhunderten erwarteter Messias ist endlich geboren. Folgen sie ihnen etwa jubelnd nach Bethlehem? Was für eine schreckliche Blindheit und Gleichgültigkeit. Herodes erschrickt, und - wer sollte es glauben? - das ganze Volk mit ihm. Der grausame Kindermord dieses Wüterichs steht selbst in den Schriften der Römer aufgezeichnet, der Wahrheit des Ereignisses Zeugnis zu geben.

 

3. Was tut ihr, weise Fürsten? Wen betet ihr an in dieser elenden Hütte? Den eingeborenen Sohn Gottes, den alle Propheten verkündigten. Der seine Geburt durch einen neuen Stern am Himmel kund gibt. Der die stolzen Schriftgelehrten der Synagoge mitten im Licht blendet. Vor dem der Gottlose selbst auf dem Thron erbebt, und der seine Anbeter mit dem Licht und der Wonne himmlischen Trostes erfüllt. Wirkt er aber so als ein neugeborenes Kind: was wird erst geschehen, wenn er im Glanz seiner Majestät zum Weltgericht erscheint? Selig dann jene, die unter dem Schleier des Glaubens ihn anbeteten, und Wehe allen seinen ungläubigen Verächtern. Psalm 49,2: "Hört dies an, ihr Völker alle, vernehmt es, alle Bewohner der Erde."

 

7. Januar

 

Der heilige Valentin, Bischof und Bekenner von Passau,

+ 29.10.474 – Fest: 7. Januar

 

Wer die Eltern des heiligen Valentin waren und aus welchem Land er gekommen ist, weiß man nicht. Umso gewisser ist seine Wiedergeburt aus dem Heiligen Geist, wodurch wir Kinder eines himmlischen Vaterlandes werden. Dies beweist seine Liebe, die ihn um das Jahr 440 nach Passau trieb, um dort die Erbarmungen Gottes zu verkünden. Aber niemand wollte von Jesus, dem Gekreuzigten, hören und von der trostvollen Botschaft der unverdienten Vergebung der Sünden und dem Geschenk des ewigen Lebens.

 

Da ging Valentin nach Rom, um vom Papst Leo die apostolische Sendung zu erhalten, in der Hoffnung, dann mit mehr Segen zu predigen. Er tat es nach seiner Rückkehr nach Passau mit doppeltem Eifer, aber noch immer fruchtlos an einem rohen Volk ohne Bildung, das in die schändlichsten Laster versunken war.

 

Eingedenk der Worte Jesu: „Wenn euch jemand nicht aufnehmen und eure Reden nicht hören wird, so geht aus der Stadt heraus“ (Mt 10,14), beschloss er nun, das Feuer der göttlichen Liebe, das anzuzünden Jesus gekommen war, in anderen Gegenden zu entzünden. Er kam zum Erstaunen Papst Leos wieder nach Rom. Dieser ermahnte ihn aber mit dem Apostel: „Predige das Wort und höre damit nicht auf, sei es gelegen oder ungelegen, weise zurecht und bestrafe, ermahne nur mit aller Geduld und Belehrung!“ (2. Tim 4,2) Hierauf legte er ihm die Hände auf und weihte ihn zum Bischof, und gestattete ihm nur dann zu einem anderen Volk zu gehen, wenn auch der dritte Versuch fruchtlos sein sollte.

 

Mit der neuen Würde bekleidet und gestärkt durch die oberhirtliche Ermahnung und die erhaltene Gnade, ging nun Valentin mit neuem Eifer nach Passau. Er predigte und ermahnte mit aller Geduld und Langmut. Aber jetzt wollten ihn die Einwohner, teils Heiden, teils arianische Christen, immer weniger hören, misshandelten ihn am Ende und nötigten ihn, diese Stadt ganz zu verlassen.

 

Weinend, wie einst Jesus über das unbußfertige Jerusalem, das er so oft sammeln wollte, sah er zum letzten Mal auf die Mauern von Passau zurück, und verließ sie auf immer. Er zog nun in den Gegenden Rätiens umher, wo er überall seinen Jesus predigte. Schließlich begab er sich in das heutige Südtirol, wo er in der Gegend von Meran ein empfängliches Erdreich fand. Hier sammelte er bald eine zahlreiche Gemeinde zum Preis des Herrn und zu seinem Trost, und starb um das Jahr 474.

 

Seine Leiche wurde im Schloss Majes begraben. In der Folge wurden seine Gebeine durch Corbinian nach Passau gebracht, und von den dankbaren Einwohnern mit allen Ehrenbezeigungen empfangen, wo der früher von ihm ausgestreute Same nun reichliche Früchte brachte.

 

So prüft Gott noch oft den Glauben der Seelsorger und Eltern. Fahre nur fort, trauriger Vater oder betrübte Mutter, zu belehren und zu ermahnen in aller Geduld und Langmut, im Vertrauen auf den Herrn, wenn es auch immer an manchen Kindern fruchtlos zu sein scheint, wenn du auch hier ihre Besserung nicht mehr erleben solltest. Vielleicht erst spät nach deinem Tod werden deine vergossenen Tränen durch den Segen des Herrn deine Worte befeuchten, dass sie keimen und Frucht bringen.

 

Der heilige Tillo (Tillmann),

Sklave von Sachsen und Mönch in Solignac, Frankreich,

+ 7.1.700 - Fest: 7. Januar

 

Dieser heilige Abt von Solignac, ein geborener Westfale, wurde in seiner Jugend als Sklave verkauft. Der heilige Eligius kaufte ihn los, taufte ihn und ließ ihn von den Mönchen von Solignac erziehen und zum Goldschmied ausbilden.

 

Später trat Tillo selbst in das Kloster ein. Er stand diesem einige Jahre als Abt vor und zog sich dann auf eigenen Wunsch in die Einöde zurück. Er starb am 16. Januar um das Jahr 702 in Solignac.

 

Man erfleht seine Hilfe gegen Fieber und Kinderkrankheiten.

 

Der heilige Reinhold, Mönch und Martyrer von Köln,

+ 7.1.690 – Fest: 7. Januar

 

An den Namen des heiligen Reinhold knüpfen sich viele alte Sagen, die von seinem seltenen Heldenmut und seinen berühmten Taten ein ruhmreiches Zeugnis geben. Hier soll nur erzählt werden, was die Bollandisten, auf zuverlässige Zeugnisse gestützt, als echten Kern aus der Schale der Poesie gelöst haben.

 

Reinhold stammte aus der höchst angesehenen und reich begüterten Familie der Karolinger. Wer hätte nicht von seinem ritterlichen Vater Haimon gehört? Der hatte vier Söhne, deren Heldentaten in Liedern besungen wurden. Wie aber ein Stern an Klarheit die anderen überstrahlt, so übertraf Reinhold an Edelmut und Reinheit der Sitten nicht nur seine Brüder, sondern auch alle seine Zeitgenossen. Von seinen frühesten Jahren wuchs er mehr und mehr in der Erkenntnis und Liebe Gottes.

 

Von der Weisheit Gottes erleuchtet, verließ er sein irdisches Besitztum, um die dauernden Güter des Himmels zu gewinnen. Deshalb ging er nach Köln, nahm das Ordensgewand und widmete sich ganz der Liebe desjenigen, dessen Dienst Herrschaft ist. Dort leuchtete er bald durch so viele herrliche Tugenden, dass er von allen geliebt und von Gott mit der Wundergabe begnadigt wurde. In seiner Klause heilte er die Kranken, gab den Lahmen gesunde Glieder, den Tauben das Gehör und den Blinden das Augenlicht wieder. Augenzeugen berichteten, dass er durch sein Gebet einen Toten erweckte und ihn in Gegenwart vieler seiner trauernden Mutter zurückführte. Einen Jungen, der viele Jahre am Fieber gelitten hatte, heilte er so vollständig, dass er noch am selben Tag Gott lobend und mit Freuden nach Hause zurückkehrte.

 

Zu jener Zeit wütete unter dem Volk der Provinz die Pest. In ihrer höchsten Not wandten sich die Heimgesuchten an den heiligen Reinhold, warfen sich ihm zu Füßen und baten mit Tränen, er möge das Volk von jener schrecklichen Krankheit befreien. Der Heilige flehte sofort demütigst zum Herrn, dass er jenen Barmherzigkeit angedeihen lasse, denen das Bild des Todes schon aufgeprägt war. Gott erhörte seinen demütigen Diener und gab dem kranken Volk die erwünschte Gesundheit zurück. Alle dankten Gott, der sie auf die Fürbitte des Heiligen gerettet und die schreckliche Krankheit verscheucht hatte. Überall verbreiteten sie die Tugenden und Verdienste des heiligen Reinhold und sangen später alljährlich sein Lob.

 

Der Gottesmann Reinhold wurde später auf Befehl seines Abtes zum Steinmetzmeister gemacht. Da er aus Eifer für die Ehre Gottes mehr, als die übrigen Gesellen arbeitete und sie streng und öfters an ihre Pflicht erinnerte, hassten und beneideten sie ihn und verschworen sich heimlich gegen sein Leben. Der Diener Gottes hatte die Gewohnheit, häufig die Klöster und Kirchen in der Nähe und Ferne zu besuchen und unterwegs den Armen Almosen zu spenden. Diesen Umstand benutzten die lasterhaften Menschen, um ihn in ihre Gewalt zu bringen und nach Räuberart ihm aufzulauern und ihn heimlich zu ermorden. Der Heilige durchschaute ihren Mordplan und bereitete sich zum Tod, wie zu einem königlichen Festmahl. Den Räubern ging er wie seinen Freunden entgegen, um als Märtyrer zum Himmel emporzusteigen. Die gottlosen Männer überfielen ihn, schlugen ihm mit Hämmern den Schädel ein, beraubten ihn seiner Kleider und warfen den Leichnam in ein tiefes Wasser in der Nähe des Rheins. So fand der ausgezeichnete Märtyrer die Palme des Martertums. Himmlische Heerscharen trugen seine Seele unter Jubelgesängen zur ewigen Freude. Der Abt und seine Mönche suchten den Vermissten lange vergebens.

 

Der Herr wollte den Leib seines treuen Dieners nicht länger verborgen sein lassen. Eine Frau lag schon mehrere Jahre auf dem Krankenbett und alle ärztliche Hilfe erwies sich als fruchtlos. In einer Nacht nahmen die Schmerzen derart überhand, dass sie den Tod erwartete und zu Gott flehte, er möge ihrem Leben ein Ende bereiten. Nach Mitternacht fiel sie in einen Schlaf und im Traum sah sie einen hell glänzenden Mann, der zu ihr sagte: „Gehe zum Wasser, in dem der von den Steinmetzen gemordete heilige Reinhold liegt, dort wird es besser mit dir werden.“ Und er zeigte ihr die Stelle. Als die Frau erwachte, erzählte sie ihren Traum. Man trug die Kranke zu dem bezeichneten Ort. Sogleich erschien der heilige Leichnam an der Oberfläche des Wassers und gab der Frau die Gesundheit zurück. Sie erhob sich sofort von ihrem Krankenbett, half mit, den Leichnam herauszuziehen, und trug in demselben Bett, in dem sie hergebracht war, mit den übrigen Trägern den heiligen Leichnam zum Kloster.

 

Nach langer Zeit wandte sich die Stadt Dortmund an den Erzbischof von Köln, um die Reliquien eines Heiligen zu erhalten, damit das Land beruhigter und sicherer vor den Feinden würde. Um dem Begehren zu willfahren, berief der Bischof die Geistlichkeit der Stadt zu sich und befragte sie, welchen Heiligen er Dortmund schicken solle. Nach langem Zweifeln setzte der Herr vor der Kirche den heiligen Märtyrer Reinhold im Sarg aus. Da der verblendete Geist der Menschen noch zweifelte und den heiligen Leib in die Kirche zurücktrug, wiederholte sich die Erscheinung des Heiligen vor der Kirche öfters, so dass das Volk klar erkannte, dass nach Gottes Willen diese Reliquien für Dortmund bestimmt seien. Deshalb kam die Geistlichkeit mit dem Volk überein, legte den heiligen Märtyrer Reinhold in einen schön geschmückten Schrein, und eine ungeheure Volksmenge begleitete die heiligen Reliquien von Köln noch drei Meilen weit. In Dortmund kamen die heiligen Überreste am 7. Januar um das Jahr 1060 an und fanden ihre Ruhestätte in der prächtigen Kirche, die nach dem Namen des Heiligen St. Reinholdikirche genannt wurde. Das gläubige Volk verehrte ihn als Patron ihrer Kirche und ihrer Stadt, und der Herr wirkte durch die Fürbitte seines treuen Dieners viele Wunder: Blinde wurden sehend, Aussätzige gereinigt, gichtbrüchige Glieder geheilt zum Lobe Gottes und zur Ehre des heiligen Märtyrers Reinhold.

 

Der heilige Nicetas, Bischof und Bekenner in Dacien,

+ nach 401 - Fest: 7. Januar

 

Dieser Heilige arbeitete unermüdet an der Ausbreitung des Christentums unter den wildesten Völkern zu Ende des vierten und im Anfang des fünften Jahrhunderts. Es ist zu bedauern, dass uns die Kirchengeschichtsschreiber von seinem Leben so wenig hinterlassen und dieses Wenige noch dadurch entstellt haben, weil sie die Taten zwei verschiedener Bischöfe, die den gleichen Namen führten, miteinander vermengten. Selbst Baronius hat sich dieses Fehlers schuldig gemacht, indem er keinen Unterschied machte zwischen dem Bischof Nicetas von Romatiana, dessen Fest am 22. Juni, und zwischen dem Nicetas, Bischof von Aquileja, dessen Andenken am 7. Januar gefeiert wird. Dieser Letztere hatte sich durch seine Bekehrungen mehrerer heidnischen Völker unendliches Verdienst um die Kirche Gottes erworben. Er war Bischof in Dacien und nachdem er die Götzendiener in seiner Diözese zum wahren Glauben geführt hatte, begab er sich unter die barbarischen Völker, die uns unter dem Namen der Scythen, Geten und Thracier bekannt sind, und predigte ihnen unter den größten Lebensgefahren das Evangelium.

 

Im Jahr 397 machte er eine Wallfahrtsreise nach Rom, um bei den Gräbern der heiligen Martyrern seine Andacht zu verrichten und den päpstlichen Segen zu erhalten. Von da ging er nach Nola zum Grab des heiligen Priesters und Glaubensbekenners Felix. Dann nach Canosa in Apulien und endlich nach Kalabrien. Zuletzt durchzog er ganz Griechenland, Ungarn, Siebenbürgen und alle Länder, die am Schwarzen Meer lagen, und milderte die rohen Sitten dieser Völker und brachte unzählige Heiden zum Glauben an den wahren und einzigen Gott. Im Jahr 401 kam er nochmal nach Rom und von dieser Zeit an mangeln die Nachrichten von seinem übrigen Leben, wie von seinem Tod.

 

Der heilige Luzian,

Priester von Antiochien, Kirchenschriftsteller, Märtyrer von Nikomedia,

+ 7.1.312 – Fest: 7. Januar

 

Dieses Heiligenleben führt uns an die Ufer des Orontes. Das nahe Meer trägt, wie vor zweitausend Jahren, das Rauschen seines Wellenschlages über dessen reichgesegnetes Gelände. Weltgeschichtliche Erinnerungen weben darüber. Zu unsren Füßen das kleine Antakya – über einem großen Ruinenfeld. Das verfallene Dörfchen ist das alte Antiochien, Syriens Residenzstadt (1928), die einst so stolze Königin des Ostens, nach Rom eine der größten und schönsten Städte der Welt (ist heute eine Großstadt in der Südtürkei und Hauptstadt der Provinz Hatay). Ihre Mauern bargen die Wiege des sogenannten Heidenchristentums, denn hier sammelte sich die erste Christengemeinde aus heidnischen Neubekehrten, wie auch der Name „Christen“ als Bezeichnung der Christgläubigen hier zum ersten Mal den Bekennern der neuen Religion beigelegt wurde. Die ersten Heidenapostel Paulus und Barnabas weilen und wirken in ihrer Mitte, dem Mittelpunkt des weltweiten Missionsfeldes des großen Völkerlehrers. Ihr erster Bischof ist der heilige Apostelfürst Petrus, ihr dritter Oberhirte der berühmte Märtyrerbischof und Johannesjünger Ignatius. Der bekannteste unter den mehreren hochgerühmten Heiligen und Märtyrern nach ihnen ist wohl der heilige Luzian.

 

Seine Heimat lag im Zweistromland (Mesopotamien) zu Samosata am Euphrat. Seine gründliche Ausbildung in der heiligen Wissenschaft empfing er in der damals nach Alexandrien zweitbedeutendsten Hochschule im nachbarlichen Edessa, namentlich zu den Füßen des gefeierten Lehrers der Heiligen Schriften und der Gottesgelehrsamkeit, des heiligen Makarius. Gleichen Schritt damit hielt sein Fortgang in der christlichen Tugendschule. Noch bevor er seine Heimatstadt verließ, verteilte er sein väterliches Erbgut unter die Armen, um sich dafür das himmlische Erbe einzutauschen. Er fand die kostbare Perle, womit der Heiland einmal den Schatz des Gottesreiches vergleicht (Matthäus 13,45f), ging hin und gab alles weg, um sie zu erwerben.

 

Nach Vollendung seiner Studien siedelte Luzian nach Antiochien über, das eigentliche Feld seiner segensreichen Lebensarbeit. Sein wissenschaftlicher Ruhm fing hier an mit dem des sittenstrengen Aszeten zu wetteifern. Bald fiel des Bischofs Auge auf ihn, der ihn durch die heilige Priesterweihe in seinen Klerus aufnahm.

 

Eine zweifache wissenschaftliche Tat sicherte seinem Namen für immer das Lob der dankbaren Nachwelt. Er wurde zunächst der Begründer einer theologischen Hochschule, der sogenannten antiochenischen Exegetenschule, die an Verdienst und Bedeutung alle übrigen der nächstfolgenden Jahrhunderte überstrahlte. Der gesunde Sinn dieser Schule, welcher der Stifter die Bahnen wies, wusste in der Schrifterklärung zwischen der starren, geisttötenden Buchstabengebundenheit und der über den Wortlaut des Schrifttextes leichtfüßig hinausschweifenden Ungebundenheit (Allegorese) die glückliche Mitte zu halten. In dieser Mitte erwuchs jener fruchtbeladene Baum wahrer Bibelwissenschaft, der bald seine Äste über die ganze Kirche breitete, und dessen Segensfülle noch heute die kirchliche Schriftauslegung speist. Aus dieser Schule ging beispielsweise der gefeiertste Verkünder und Erklärer des Gotteswortes im christlichen Altertum hervor, der wort- und geistesgewaltige heilige Chrysostomus, dessen herrliche Lobrede auf unseren Heiligen am 7. Januar 387 noch erhalten ist.

 

Das zweite, mit dem ersten engverbundene Arbeitsverdienst lag in der Verbesserung des bis dahin stark entstellten umlaufenden Bibeltextes. Auch diese schwierige und langwierige Aufgabe löste der Gelehrte mit anerkanntem Geschick und glänzendem Erfolg, indem er den damaligen Text mit alten, guten Handschriften verglich und tunlichst auf den ursprünglichen Wortlaut der Heiligen Schrift zurückführte. Er trug damit zur Behütung des wahren Glaubensgutes und des echten Tugendgoldes in der Heiligen Schrift ein nicht unwichtiges Scherflein bei. Aber auch noch andere Schriften bezeigen seine umfassende und tiefschürfende Gelehrsamkeit. Inmitten dieser heiligen Gottessaat wucherten freilich zunächst gegen Wissen und Willen des Heiligen giftige Keime des Irrtums, aus denen sogar die größte Irrlehre des folgenden Jahrhunderts herauswachsen sollte, die gottlose Irrlehre seines Schülers Arius, der die wahre Gottheit Christi leugnete. Der Widerspruch, in den Luzian durch solche Falschlehren mit der christlichen Überlieferungslehre und dem kirchlichen Lehramt geraten musste, führte zeitweilig sogar zu seinem Ausschluss aus der kirchlichen Gemeinschaft. Trotz dieser beklagenswerten Tatsachen aber trug die Kirche kein Bedenken, dem irrenden Priester, der schließlich auf Gnadenwegen zur Gemeinschaft der Kirche zurückkehrte, die Ehren des Altares zuzuerkennen.

 

Seinen Gottesglauben und seine Christentugend besiegelte der Heilige mit dem Märtyrium am 7. Januar 312. Schon die grausame Christenverfolgung des Kaisers Diokletian brachte über ihn Leiden schwerer Kerkerhaft. Mehr der Not der Gläubigen in Antiochien als der eigenen gedenkend, suchte er jene durch ein rührendes Trostschreiben aus der dunklen Kerkergruft zu ermutigen. Wenige Jahre später fiel er dem neuen Verfolgungssturm unter Kaiser Maximin zum Opfer. Er wurde von Antiochien nach Nikomedien, der Residenzstadt des Kaisers, geschleppt, woselbst er unmenschlichen Foltern erlag. Berühmt wurde seine Verteidigungsrede, die er hier im Angesicht des Kaisers mit ebenso apostolischem Freimut wie glänzender Beredsamkeit hielt, so dass sie des überwältigenden Eindruckes auf alle Umstehenden nicht verfehlte. Der Vater der Kirchengeschichte, Eusebius von Cäsarea, hebt denn auch aus der großen Zahl von Blutzeugen gerade sein Märtyrium als besonders herrliches hervor: „Er habe in Gegenwart des Kaisers das himmlische Reich Christi zuerst in Wort und dann durch die Tat verkündet.“ Kaiser Konstantin ehrte den heiligen Märtyrer, indem er über seiner Todesstätte eine neue, nach seiner Mutter (heilige Helena) Helenopolis benannte Stadt erbauen ließ und derselben Steuerfreiheit schenkte (heute Hersek in der Türkei).

 

Das Leben des heiligen Luzian zeigt, wie selbst größte Gelehrsamkeit den Menschen nicht immer vor schwerer Verirrung zu wahren vermag. Höhere Erleuchtung als aus der Wissenschaft wird dem Menschen gerade an wichtigen Scheidewegen und dunklen Lebensstunden aus dem Licht der inneren Gnade zufließen. Gottes Gnade und eigenes Tugendstreben wurden denn auch für den irrenden Priester Luzian das rettende Engelpaar, das ihn wiederum in die kirchliche Glaubensgemeinschaft und schließlich durch Marter und Tod in die selige Gemeinschaft der Heiligen führte.

 

Der heilige Raymund von Pennafort, spanischer General,

+ 7.1.1275 – Fest: 7. Januar

 

Im politisch zerrissenen Spanien mit teils maurischer Bevölkerung wurde Raimund um 1175 auf Schloss Peñafort bei Villafranca del Panadés in der Nähe von Barcelona geboren.

 

Nach seiner Priesterweihe ging er nach Italien, um an der berühmten Hochschule in Bologna Kirchenrecht zu studieren und zu lehren. Nach Barcelona zurückgekehrt, wurde er zunächst Domherr mit allen Rechten und Pflichten und trat dann 1222 in den Dominikanerorden ein.

 

Auf Bitten des heiligen Petrus Nolascus, der Stifter des Mercedarierordens, der sich insbesondere um den Loskauf gefangener Christen aus mohammedanischer Haft kümmerte, schrieb er die Ordenssatzung. Papst Gregor IX. berief Raimund zu seinem Hauskaplan und Beichtvater. Im Auftrag Gregors sammelte er die Dekrete der Päpste des 12. und 13. Jahrhunderts.

 

Aus gesundheitlichen Gründen bat Raimund, nach Barcelona zurückkehren zu dürfen. Aus denselben Gründen lehnte er auch das ihm angebotene Erzbistum Tarragona ab. Als Ordensmeister gliederte er die Dominikanerkonstitution neu und wirkte als Berater bei kirchlichen Rechtsfragen mit. Er gründete Seminare zur Erlernung der arabischen und hebräischen Sprache, um die Christianisierung unter diesen Völkern voranzutreiben.

 

Fast hundertjährig starb er 1275, von allen hoch geachtet, in Barcelona.

 

„Der Papst Gregor IX., der unseren Heiligen 1230 nach Rom berief, machte ihn zu seinem Kaplan, das heißt, zunächst zum Besitzer in Rechtssachen des apostolischen Palastes, dann zu seinem Beichtvater. Voll Vertrauen in dessen Einsichten, fragte er ihn jedes Mal um seine Meinung, bevor er in wichtigen Angelegenheiten ein Urteil fällte. Er nannte ihn den Vater der Armen, wegen seines Eifers, mit dem er für ihre Bedürfnisse sorgte. Die Buße, welche ihm Raimund auferlegte, war, dass er alle Bittschriften, die eingereicht wurden, annehmen und lesen und dann ohne Aufschub darauf antworten musste. Dieser Oberhirt, der selbst in der Wissenschaft des kirchlichen Rechtes sehr bewandert war, beauftragte unseren Heiligen, die Dekrete der Päpste und Konzilien vom Jahr 1150, wo Gratians Sammlung endigte, zusammenzutragen. Raimund verwandte auf dieses Werk, das unter dem Namen der Dekretalien bekannt ist, drei Jahre. Es ist in fünf Bücher eingeteilt. Gregor befahl 1234 dessen Einführung in Schulen und Gerichtshöfen.

 

Da er im Eifer für das Heil der Seelen allzeit mehr erglühte, widmete er sich wieder den heiligen Verrichtungen des Priesteramtes. Das einzige Ziel aller seiner Gedanken war, für Jesus Christus, vorzüglich unter den Sarazenen, neue Eroberungen zu machen. In der Absicht, die Bekehrung dieser Ungläubigen zu erleichtern, bewog er den heiligen Thomas von Aquin, seine Abhandlung gegen die Heiden zu schreiben, führte den Unterricht in der arabischen und hebräischen Sprache in mehreren Klöstern seines Ordens ein, und stiftete sogar zwei Genossenschaften unter den Mauren, eine zu Tunis, die andere zu Murcia (Spanien), wo damals noch Sarazenen wohnten. Alle diese Mittel zusammen brachten so glückliche Wirkungen hervor, dass der Heilige im Jahr 1256 an seinen General schrieb, zehntausend Sarazenen hätten die Taufe empfangen.

 

Diese Reise, welche Raimund mit Don Jakob nach Mallorca machte, gab ihm Gelegenheit, die seit kurzem auf dieser Insel gestiftete Kirche fest zu begründen. Don Jakob, der ein ebenso großer Krieger wie Staatsmann war, liebte aufrichtig die Religion; allein eine verderbliche Frauenliebe verdunkelte den Glanz seiner erhabenen Eigenschaften. Seine Gelehrigkeit gegenüber den Ermahnungen, welche ihm der Heilige über seine Unordnungen gab, und selbst der schönsten Versprechen, womit er ihn auf eine sichere Lebensänderung hoffen ließ, ungeachtet, hatte er den Mut nicht, seinen unseligen Hang zu besiegen. Da sich das Gerücht verbreitete, er habe einen unerlaubten Umgang mit einer Hofdame, drang Raimund in ihn, sie zu entlassen, was er auch versprach, aber nicht hielt. Der Heilige, missmutig über diesen immerwährenden Aufschub, begehrte die Erlaubnis, nach Barcelona zurückzukehren; allein der König verweigerte sie ihm und verbot sogar unter Todesstrafe, ihn einschiffen zu lassen. Raimund, voll Vertrauen auf Gott, sagte zu seinem Gefährten: „Ein König auf Erden versperrt uns die Abfahrt; allein der König des Himmels wird uns helfen.“ Seine Hoffnung wurde auch nicht zuschanden; denn Gott wirkte für ihn ein Wunder, um ihm einen Weg nach Barcelona zu öffnen. Als Don Jakob das Ereignis gehört hatte, ging er in sich und befolgte hernach stets Raimunds Weisungen, sowohl in Betreff seiner eigenen Gewissensangelegenheiten, als der Verwaltung seines Reiches.“

 

Raimund wird auf einem Mantel, das Meer überquerend, oder auf einem Fluss in einem Kahn, dessen Segel sein Mantel ist, dargestellt.

 

Er ist der Patron Barcelonas, des Königreichs Navarra und der Kirchenrechtsgelehrten.

 

Der heilige Cedda / Ceddus, Bischof der Angelsachsen in London,

+ 7.1.664 – Fest: 7. Januar

 

Dieser Heilige war ein Bruder des heiligen Ceadda, (Bischof der Mercier zu Lindisfarne, England, OSB, + 2.3.673 – Fest: siehe 2. März) Bischof von Lichtfield, des heiligen Priesters Celin und Cimberts, die alle mit unermüdlichem Eifer an der Bekehrung ihrer Landsleute, der Angelsachsen, arbeiteten. Er zog sich in das Kloster Lindisfarn zurück, wo er lange Zeit der Welt unbekannt in den Übungen aller Tugenden lebte, und seiner großen Heiligkeit wegen zur priesterlichen Würde erhoben wurde. Als Finan, Bischof von Lindisfarn, den König Pead neben vielen Großen des Hofes, Hauptleuten und Soldaten, die ihm an den Hof Oswigs, des Königs von Northumberland gefolgt waren, getauft hatte, wurde dem Heiligen zusammen mit drei anderen Glaubenspredigern aufgetragen, das Evangelium in den Staaten des bekehrten Fürsten zu verkündigen. Bald sah man da die Tempel der Götzen verlassen. Das Volk entsagte nach gründlicher Belehrung dem heidnischen Aberglauben, und strömte haufenweise herbei, bittend um die Gnade der heiligen Taufe. Der König Penda, so sehr er selbst auch dem Heidentum ergeben war, hinderte den eifrigen Gottesprediger nicht, diesen Teil der March, der ihm unterworfen war, der Lehre Jesu zu gewinnen. Er beunruhigte auch diejenigen nicht, die Christen wurden. Wenn aber einige von ihnen nicht auf eine, ihrer Religion entsprechende, Weise lebten, pflegte er zu sagen: „Verdienen nicht diese Nichtswürdigen, die dem Gott, an den sie geglaubt haben, nicht gehorchen, die höchste Verachtung?“ Einige Zeit später öffnete sich eine neue Bahn dem Seeleneifer unseres Heiligen.

 

Oswy, der König von Northumberland, hatte Sigbercht, sonst auch Sigebert, den König der orientalischen Sachsen, der ihm einen Besuch abzustatten gekommen war, für die Religion Jesu Christi gewonnen, und der Bischof Finan ihn getauft. Als dieser Fürst darauf in sein Reich zurückgekehrt war, lag ihm nichts mehr am Herzen, als die christliche Religion da zu begründen. Er wandte sich daher an Oswy mit der Bitte, ihm eifrige Glaubensprediger zu schicken, und erhielt von ihm selbst unseren Heiligen mit noch einem anderen Priester. Gott segnete die Arbeiten dieser zwei apostolischen Männer und gab ihren Worten eine solche Wirksamkeit, dass sich eine beinah unzählbare Menge zum Christentum bekehrte. Ceddus erbaute mehrere Kirchen, um den Früchten seiner heiligen Sendung einen festen Bestand zu geben.

 

Als der Heilige darauf nach Lindisfarn kam, um Finan über einige wichtige Fragen um Rat zu bitten, weihte er ihn im Beisein zwei seiner Mitbrüder, die ihm zur Seite standen, zum Bischof der orientalischen Sachsen. Bei der Rückkehr in seine Diözese setzte er das so glücklich angefangene Werk mit neuem Segen fort, baute überall Kirchen, denen er heilige Priester vorsetzte, stiftete auch zwei Klöster, von denen eins an der Themse lag. Camden glaubt, dass er da nach der Gewohnheit der ersten Bischöfe Englands, die in Klöstern lebten, auch seinen gewöhnlichen Aufenthalt gehabt habe. Aber die meisten meinen, er habe, nach der Sitte seiner ältesten Vorfahren, zu London, der Hauptstadt dieses Reiches, gewohnt.

 

Edilwald, der Sohn von Oswald, der über die Deirländer in der Grafschaft Yorck herrschte, lernte Ceddus auf einer Reise in sein Vaterland kennen. Erstaunt über die tiefe Weisheit und hohe Heiligkeit des Mannes, bot er ihm einige Grundstücke an, um ein Kloster zu erbauen. Die Absicht dieses tugendhaften Fürsten war, sich öfters da, während seiner noch übrigen Lebenstage, bei den Mönchen im Gebet einzufinden, und dort den Ort zu seiner Ruhestätte nach dem Tod auszuwählen. Der Heilige suchte für das zu erbauende Kloster steile Berge aus, die eher zu einem Aufenthaltsort der Räuber und wilden Tiere, als zur Wohnung der Menschen geeignet waren. Aber bevor er etwas unternahm, entschloss er sich, diesen Ort gewissermaßen zum Voraus einzuweihen, indem er da die vierzigtägigen Fasten in Abtötung und Gebet zubrachte. Den Sonntag allein ausgenommen, genoss er täglich nur eine Mahlzeit. Ein Ei, neben einem Stück Brot, und mit Wasser gemischte Milch, war seine Nahrung. Weil ihn aber der König dringender Geschäfte wegen zehn Tage vor Ende der Fasten zurückberufen hatte, übertrug er seinem Bruder Celin, dem Edilwald die Leitung seines ganzen Hofes übergeben hatte, das von ihm Angefangene auszuführen. Und im Jahr 658 stand das Kloster ganz vollendet da. Es legte sich den Namen Lestingay zu. Unser Heiliger versah es mit Mönchen und einem Obern, die er von Lindisfarn kommen ließ, doch so, dass er immer der erste Vorsteher blieb, und dann und wann von London aus dort seinen Besuch machte.

 

Folgender Zug mag uns lehren, mit welcher Sorgfalt die Bischöfe dieser Zeit über die Aufrechterhaltung der Kirchenzucht wachten. Unser Heiliger hatte einen der Großen unter den orientalischen Sachsen, der in einer blutschänderischen Ehe lebte, von der Kirchengemeinschaft ausgeschlossen, und allen Gläubigen verboten, mit ihm Umgang zu haben oder mit ihm zu essen. Der König tat beides, ohne Rücksicht auf das Verbot. Ceddus begegnete ihm, als er von dem mit einem Bannfluch belegten Blutschänder zurückkehrte. Der unselige Fürst stieg ganz betroffen und zitternd von seinem Pferd und warf sich dem Heiligen zu Füßen, ihn um Verzeihung seines Fehlers zu bitten. „Fürst,“ sprach zu ihm Ceddus, indem er ihn mit einem Stöckchen, das er in der Hand hatte, berührte, „Sie werden im Haus dieses Exkommunizierten , wo Sie die Verwegenheit hatten einzukehren, sterben.“ Die Vorhersage wurde durch die Folge bewahrheitet. Das König wurde einige Zeit später durch diesen Großen, mit Hilfe eines seiner Verwandten, gemeuchelt.

 

Der heilige Ceddus wohnte der Kirchenversammlung bei, die zu Strenesnalch 664 gehalten wurde. Er schaffte da die Gewohnheit der schottischen Kirchen bei der Osterfeier ab, um sich nach der zu richten, die durch die Kanonen festgesetzt wurden. Nur kurze Zeit überlebte er diese Kirchenversammlung, indem er am 26. Oktober in seinem Kloster Lesingay an der schrecklichen Pest, die damals England verheerte, starb. Sein Leichnam wurde auf einen Kirchhof begraben, in der Folge aber wieder aus der Erde genommen, und zur rechten Seite in der Klosterkirche versenkt. Der Name des heiligen Ceddus wird in dem englischen Martyrologium am 7. Januar genannt.

 

Der heilige Aldrich / Aldricus von Mans, Bischof,

+ 7.1.856 – Fest: 7. Januar

 

Der heilige Aldrich empfing das Leben von einem Vater und einer Mutter, die beide durch hohe Geburt ausgezeichnet waren. Der Vater stammte aus Sachsen und die Mutter aus Bayern, beide aber waren Untertanen des Königs von Frankreich. Unser Heiliger erblickte im Jahr 800 das Licht der Welt. Kaum hatte er sein vierzehntes Lebensjahr erreicht, als ihn sein Vater an den Hof Ludwigs des Frommen brachte. Obgleich bei den Großen das Verdienst nicht immer erkannt wird, ließ man jedoch bald dem des jungen Aldrich Gerechtigkeit widerfahren. Sein unermüdliches Ausharren in ernsthaften Dingen, seine Gewissenhaftigkeit in der Erfüllung seiner Pflichten, und vor allem seine beispielhafte Tugend, erwarben ihm bald die allgemeine Hochachtung. Er fühlte zu sehr die Nichtigkeit irdischer Größe, als dass er sich durch ihren falschen Schimmer hätte sollen blenden lassen, und kannte keinen anderen wahren Ruhm, als den eines Dieners Gottes. Seine einzige Wonne wäre gewesen, in einer gänzlichen Abgeschiedenheit von der Welt zu leben, um sich nur mit der Ewigkeit zu beschäftigen. Wirklich folgte er diesem Drang der Gnade, die mit jedem Tag ihm eine größere Abneigung gegen die geräuschvolle und verführerische Welt einflößte, und verließ den Hof von Aachen etwa im Jahr 821, und wählte sich zum Ort seiner Einsamkeit das Haus des Bischofs von Metz, der mit seiner Geistlichkeit das erbaulichste Leben führte. Groß waren die Fortschritte, die er da in der Tugend machte, und man hielt ihn der Aufnahme in den geistlichen Stand würdig, machte ihn bald zum Diakon und später zum Priester.

 

Nicht so bald war der Ruf von Aldrichs Frömmigkeit und Weisheit Ludwig dem Frommen zu Ohren gekommen, als in ihm der Wunsch sich regte, ihn bei sich zu haben. Er berief ihn daher an den Hof, übertrug ihm die erste Kaplanstelle und wählte ihn zu seinem Beichtvater. Er glaubte sich aber in der Folge verpflichtet, ihn der Kirche wieder zurückzugeben, die seiner Dienste bedurfte. Der Mann Gottes wurde zum Bischof von Mans erwählt und am 22. Dezember 832 geweiht. Die Weihnachtstage brachte der heilige Oberhirt mit dem Kaiser zu, der nach Mans gekommen war. Auf dem Leuchter der Kirche stehend, war nun die Heiligung seiner Herde die einzige Sorge, die seine ganze Seele beschäftigte. Alle Tugenden eines wahren Bischofs, u.a. die bewunderungswürdigste Geduld und tiefste Demut, leuchteten aus allen seinen Handlungen hervor. Nur gegen sich selbst übte er eine unerbittliche Strenge aus, alle anderen Menschen behandelte er mit der zartesten Sanftmut und einer wahrhaft herzlichen Liebe. Sein Vermögen verwendete er einzig zu den heiligsten Zwecken. Er erleichterte die Not der Armen, kaufte Gefangene los, erbaute Kirchen, stiftete Klöster, und strebte überhaupt nach keinem anderen Ziel, als das Reich der Tugend immer mehr und mehr zu erweitern.

 

Nach all dem sollte man glauben, unser Heiliger hätte keine Feinde gehabt. Aber auch er musste durch das läuternde Feuer der Verfolgung gehen. Die Gelegenheit hierzu war folgende: Da die Flamme des Bürgerkriegs, unter der Herrschaft Ludwigs des Frommen und Karls des Kahlen, in Frankreich verheerend ausgebrochen war, erhob Aldrich, der diesen rechtmäßigen Fürsten mit unverbrüchlicher Treue ergeben war, kräftig seine Stimme gegen den Geist des Aufruhrs, um sein Volk in der Unterwürfigkeit zu erhalten. Hierdurch aber wurden die äußerst erbitterten Gemüter nur noch mehr erhitzt, und bald vereinigten sie alle ihre Kräfte, um ihren Bischof in den Untergang zu stürzen. Nicht zufrieden, ihn aus seiner Kirche verjagt zu haben, schändeten sie noch seine Ehre durch die schwärzesten Verleumdungen. Allein bald siegte die Wahrheit, und der Heilige wurde zurückberufen, nachdem er ungefähr ein Jahr in der Verbannung gelebt hatte.

 

Aldrich benützte die Ruhe, die er genoss, um eine strenge Kirchenzucht unter seiner Geistlichkeit wieder herzustellen. Dies bewog ihn, eine Sammlung der Kanons aus den Kirchenversammlungen und päpstlichen Verordnungen zu verfertigen. Der Verlust dieses kostbaren Denkmals, das unter dem Namen der Kapitularien Aldrichs bekannt war, ist nicht genug zu bedauern. Das neunte Jahrhundert hat in dieser Art nichts aufzuweisen, das mit mehr Weisheit und Scharfsinn bearbeitet wäre. Der Heilige traf auch noch weise Anordnungen in Betreff der Feier des Gottesdienstes. (Z.B. ist darin verordnet, dass man an den hohen Festtagen in der Kathedralkirche zehn Kerzen und neunzig Lampen anzünden soll.) Drei Testamente sind von ihm uns überliefert worden, wovon das letzte ein untrüglicher Beweis seiner Frömmigkeit ist. Man findet in den zwei anderen fromme Vermächtnisse und weise Vorschriften zur Erhaltung der guten Ordnung und der Liebe unter den Weltgeistlichen und Mönchen.

 

Die im Jahr 836 zu Aachen gehaltene Kirchenversammlung schickte unseren Heiligen mit Erchenrad, dem Bischof von Paris, zu Pipin, dem König von Aquitanien, der damals wieder mit seinem Vater, dem Kaiser, ausgesöhnt war. Er redete mit solchem Nachdruck zu dem Fürsten, dass er ihn bewog, die der Kirche während der Reichsverwirrung entrissenen Güter wieder zurückzugeben. Von seinem weiteren Leben wissen wir nichts mehr, als dass er dem achten Konzil, das 846 zu Paris, und einem anderen, das 849 zu Tours gehalten wurde, beigewohnt hat. Zuletzt befiel ihn eine Gicht, die ihn zwei Jahre lang an das Bett kettete. Seine Andachtsglut und sein Gebetseifer wurden hierdurch nur noch mehr angefacht. Schließlich starb er am 7. Januar 856, nachdem er vierundzwanzig Jahre lang Bischof war. Man setzte ihn in der Kirche des heiligen Vincentius bei, die er, neben dem Kloster, dem sie zugehörte, durch seine Freigebigkeit bereichert hatte. Seine Reliquien sind noch dort aufbewahrt. Die Diözese von Mans feiert seit undenklichen Zeiten das Fest des heiligen Aldrich.

 

Gebet am 7. Januar

 

Allerreinste Jungfrau Maria, allerliebste Jungfrau Maria, mach, das dein Name von heute an für mich der Lebensatem sei. O meine Gebieterin, stehe mir immer bei, wenn ich dich anrufe, denn in allen Versuchungen, die über mich kommen, in allen meinen Nöten will ich nie müde werden, dich anzurufen, und immer die Worte zu wiederholen: Maria! Maria! Amen.

 

Zu Jesus Christus

 

Herr, Du hast uns in Deiner Barmherzigkeit einen Tisch bereitet, an dem wir uns gegen die Macht unserer Feinde stärken können. Gib und erhalte in uns den geistlichen Hunger nach diesem Himmelsbrot, das Du selber bist, der Du lebst und herrschst mit Gott dem Vater in der Einheit des Heiligen Geistes, Gott von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen. 

 

Zu Gott auf die Fürbitte des heiligen Valentin

 

Wir bitten Dich, o Herr, schone Deine Diener durch die glorreichen Verdienste Deines heiligen Bischofs und Beichtigers Valentin, damit wir durch seine Fürbitte von allen Übeln befreit werden, durch Jesus Christus, unseren Herrn. Amen. 

 

Zu Gott auf die Fürbitte des heiligen Raymund

 

O Gott, der Du den heiligen Raymund zu einem treuen Diener des Sakramentes der Buße erwählt und durch die Meeresfluten wunderbar geführt hast, gib, dass wir durch seine Fürbitte würdige Früchte der Buße tun und das ewige Heil erlangen, durch Jesus Christus, unseren Herrn. Amen. 

 

Andenken an die seligste Jungfrau

 

Die Rückkehr Jesu Christi aus Ägypten, da er von seiner heiligsten Mutter und dem heiligen Joseph nach Nazareth überbracht worden ist, wurde auf den heutigen Tag gesetzt. 

 

Andacht am 7. Januar:

 

Das Thema im Januar:

Von der Liebe Jesu

"Wer den Herrn nicht liebt, sei verflucht!" (1. Korinther 16,22)

 

"Zu den wichtigsten Gründen, warum Christus auf Erden gekommen, und dem Menschen sich gegeben hat, gehört besonders auch: dass der Mensch erkennt, wie sehr Gott ihn liebt; und dass diese Erkenntnis ihm mit Liebe für Denjenigen entzündet, der ihn zuerst, und zwar in solchem Übermaß liebte." (Der heilige Augustinus)

Von der unbegrenzten Liebe durchdrungen, die Gott den Menschen bezeugte, rief der heilige Franziskus von Paula oftmals aus: "O Gott! Liebe! O Gott! Liebe! Wie überreich ist die Liebe, die Du uns bezeigt hast! Wie sehr verdient es Deine Liebe zu uns, dass wir von Liebe für Dich erglühen!" - Wann werden derlei Pfeile unser Herz durchdringen?

Ein Diener Gottes wandte sich an die göttliche Liebe und sprach: "O göttliche Liebe, sei mir eine Mutter! Tu an mir, was eine zärtliche Mutter an ihrem Kind tut; geleite mich und führe mich, wohin immer ich gehen soll! Sei meine Lehrerin, und lehre mich, meinen Gott mit reiner, zarter, feuriger, großmütiger, standhafter und bußfertiger Liebe lieben! Sei mein Leben; sei die Seele meiner Seele und beseele mich! Du selbst denke, rede und wirke an meiner Statt! Es erglühe meine Liebe vor Eifer, alle Herzen mit Deinem göttlichen Feuer zu entflammen!" 

Oft hört man den seligen Raimund Lullus, wenn er durch Wälder und Fluren ging, tief aufseufzen, und gleich feurigen Pfeilen seine Seufzer zum Himmel absenden, dass er noch im Gefängnis schmachten und fern von seinem einzigen Geliebten leben müsste. Als er einst von dieser innigsten Sehnsucht durchdrungen war, traf er bei einem Brunnen einen heiligen Einsiedler. Ihn fragte er, ob ihm kein Mittel bekannt sei, dem Gefängnis zu entkommen und zur seligen Freiheit zu gelangen. Der Einsiedler, der von dem erwähnten heiligen Feuer glühte, erriet ihn sogleich, antwortete ihm, er sei gleich ihm gefangen und für die nämliche Schönheit entbrannt; und beide fingen an zu weinen und teilten einander ihre Sehnsucht und ihre heiligen Empfindungen mit. - Kurz hierauf kam er zu einem Sterbenden, und als er sah, dass der Mann durchaus keine Freude empfand, zu Gott zu gelangen, sondern nur über sein Leiden jammerte, fiel ihm dies über allen Ausdruck schmerzlich, und er beklagte ihn als den Unglückseligsten aller Menschen. - Fragte man diesen heiligen Mann, wem er angehört, so antwortete er: der Liebe! Woher er kommt? - von der Liebe! Wohin er geht?  - zur Liebe! Von was er lebe? - von Liebe! Wo sein Aufenthalt ist? - in der Liebe!

 

Demütig bitte ich Dich, o Gott, um Verzeihung, dass so viele Menschen, statt die Triebe ihres Herzens Dir zu opfern, ihren verdorbenen Gelüsten folgen! Ach, wie oft nahm ich selbst sie zu Führern! O verzeihe, Vater der Barmherzigkeit, und verleihe mir, von nun an nur für Dich und aus Liebe zu Dir zu wirken. Amen.

 

Ein Gedanke heiliger Dominikaner am 7. Januar

 

"Die selige Jungfrau steht in gewisser Beziehung über den Engeln und Erzengeln,

nämlich durch die Fülle der Gnade, durch die göttliche Nähe und durch ihre Reinheit."

 

hl. Thomas von Aquin OP

1225 bis 7.3.1274

 

Betrachtung am 7. Januar - Von den göttlichen Einsprechungen

 

Lehre Herr, mich deinen Willen;

Sieh mein Herz, es ist bereit,

Ihn in Treue zu erfüllen

Meine ganze Lebenszeit.

 

1. Die innerliche Einsprechung ist ein Stern, der unseren Geist erleuchtet und ihn zu Jesus führt. Sie ist die Stimme Gottes in unserem Gewissen, die uns belehrt, ermahnt und bedroht. Sie ist ein Anhauch des Heiligen Geistes, ein Strahl seines Lichtes, eine Wirkung seiner Liebe, ein Samenkorn des Paradieses zu Früchten des ewigen Lebens, ein Keim der Ewigkeit. Sie ist eine Gnade, die Jesus durch sein Blut uns erworben hat. Sind wir aber zu dieser innerlichen Mahnung taub, so widerstreben wir dem Heiligen Geist, sündigen mit vorsätzlicher Bosheit, vergraben gleich jenem bösen Knecht das Talent unseres Herrn, und gefährden unser ewiges Heil.

 

2. Wären die heiligen Weisen dem Stern nicht gefolgt, so wären sie in den heidnischen Finsternissen und den Schatten des Todes verblieben. Folgst aber du der Einsprechung nicht, die deinen Geist erleuchtet und dein Herz zur Bekehrung drängt, so wirst du in deinen Sünden sterben. Denn verschmähst du die Stimme Gottes, so schweigt er. Hat er gerufen und du kommst nicht, so entfernt er sich. Hat er lange an deinem Herzen angepocht und du tust ihm nicht auf, so weicht er von dir. Und gerecht ist es allerdings, dass er die Seele verschmäht, die ihn verschmähte, und sie endlich bestraft, nachdem er ihren Trotz lange mit großer Geduld ertragen hat.

 

3. Wie lange schon pocht Gott an deinem Herzen! Wie lange schon ruft er dir zu, sucht, bittet und ermahnt dich, von jener Sünde abzustehen, dein Leben zu bessern, und der Stimme seiner Gnade Gehör zu geben? Zittere, dass sein gerechter Zorn plötzlich erwacht, dass das Reich der Gnade und Liebe, wohin du nicht eingehen willst, von dir hinweggenommen, dass sein Geist nicht mehr zu deinem Herzen sprechen, dass die Stimme deines Gewissens schweigen, und dass Gott dich verlassen wird. Nein, mein Gott, nicht länger werde ich deinem innerlichen Ruf widerstehen. Gehorchen will ich dir und deinen heiligen Willen tun. Preis dir, dass du, ungeachtet meines Undanks, mich noch nicht verlassen hast, und mich noch barmherzig ermahnst und bedrohst. 1. Samuel 3,9: "Rede, Herr, denn dein Diener hört."

 

8. Januar

 

Die heilige Gudila (Gudula), Jungfrau und Reklusin bei Brüssel,

+ 8.1.712 – Fest: 8. Januar

 

Zur Zeit, als Sigibert, ein Sohn des Königs Dagobert, auf dem fränkischen Thron saß, lebte zu Brüssel in den Niederlanden ein Graf, Witgerus mit Namen, der samt seiner Gemahlin Amelberga sowohl wegen hoher Geburt und großen Reichtümern, noch mehr aber wegen Frömmigkeit und seltener Tugenden allgemein berühmt war. Gott segnete ihre Ehe mit drei Kindern; nämlich mit einem Sohn, Eniebert, der als Bischof ein heiliges Leben führte, und mit zwei Töchtern, von denen die erstere, Reineldis, als Martyrin starb, und die andere, Gudila, wegen ihres engelreinen Lebens die Zierde der Heiligkeit genannt wurde. Nicht ohne Einwirkung der heiligen Vorsehung geschah es, dass dieses Kind, das später in der Kirche Gottes als ein helles Licht durch seine ausgezeichneten Tugenden leuchtete, bei der Taufe von der heiligen Gertrud, die damals schon im größten Ruf der Heiligkeit stand, auf den Händen gehalten und von ihr zur Gottseligkeit des christlichen Lebens geführt wurde.

 

Nach dem Tod der heiligen Gertrud begab sich Gudila, um getrennt von der Welt, Gott und ihrem Seelenheil desto ungehinderter dienen zu können, auf das zwei Meilen entfernte und ihren Eltern gehörige Landgut Morsellen, wo sich eine Kirche befand, in der sie Tag und Nacht ihren heiligen Betrachtungen und dem Gebet oblag und dabei in einer solchen Armut und Selbstverleugnung lebte, dass sie beinahe ihr ganzes Vermögen zur Unterstützung der Armen und Bedrängten verwendete. Mehrere Geschichtsschreiber des 7. Jahrhunderts erzählen von dieser heiligen Jungfrau unzählige Wunder, die sie in Heilung der Kranken wirkte, und erwähnen der heftigen Versuchungen, die sie vom bösen Geist auszustehen hatte, so zwar, dass sie ununterbrochen zu Gott flehte, sie aus diesem armseligen Leben zu befreien. Ihre Sehnsucht nach dem Himmel wurde erfüllt und sie starb am 8. Januar 712 als ein Muster der Heiligkeit. Ihr Leichnam wurde in der Kirche zu Ham feierlich beerdigt unter dem Wehklagen der Armen und Waisen, die an ihr eine so zärtliche Mutter verloren.

 

Bei ihrem Grab ereigneten sich so viele Wunder, dass die Kirche die vielen Wallfahrer nicht mehr fassen konnte, und man übertrug ihre Reliquien in die Kirche zu St. Salvator in Morselle, wo Kaiser Karl der Große an ihrem Grab selbst seine Andacht verrichtete und durch die auffallenden Wunder, die da geschahen, bewogen, ein Kloster zu stiften, damit zur Verherrlichung der christlichen Religion und zum Seelenheil der Gläubigen Gottes Lob Tag und Nacht verkündigt würde. Durch verheerende Kriege wurde dieses Kloster nebst der Kirche zerstört und der Leib der heiligen Gudila nach Brüssel gebracht, wo er noch heutzutage in einer herrlichen Kirche aufbewahrt wird.

 

Der heilige Severin, Abt und Bekenner von Norikum-Österreich,

+ 8.1.482 - Fest: 8. Januar

 

Am 8. Januar 482 starb irgendwo an der österreichischen Donau der heilige Severin. Er war ein Mann, dessen Leben von Geheimnissen dicht verschleiert ist. Was man aber von dem geheimnisvollen Mann Severin weiß, reicht aus, um ihn als einen großen Menschen und Heiligen zu schildern.

 

Es war um die Zeit, da von Asien her die Hunnen nach dem Westen vorwärts stürmten und die Germanen aus den Wohnsitzen verdrängten und flüchtend vor sich her trieben. Die Vertriebenen überschritten auf der Flucht an Donau und Rhein die Grenzen des alten großen Römerreiches, das, innerlich geschwächt, dem Untergang geweiht war. Da gab es vor den heranstürmenden Barbarenhorden keine Sicherheit mehr. Wie ein vernichtender Sturm fegten die wilden Völkerschwärme über das Land. Blut floss in Strömen, und in jeder Nacht rötete sich der Himmel im Schein brennender Dörfer und Gehöfte. Hoffnungslosigkeit, Verzagtheit und Verzweiflung bemächtigten sich der Menschen.

 

In dieser Not tauchte plötzlich ein Mönch auf, barfuß und in zerlumpter Kutte. Er war eine hohe, hagere Erscheinung, ein Mann ohne Furcht, der gleich alle Blicke auf sich zog. Von ihm redete man bald im bedrohten Land mit großer Ehrfurcht, von ihm gingen Mut und Kraft auf die bedrängten Menschen aus. Es war Sankt Severin. Niemand wusste, woher er kam, und nie ist etwas über seine Herkunft bekannt geworden. Aber aus der Art, wie er sich gab, war zu schließen, dass fürstliches Blut in seinen Adern floss.

 

Geheimnisvoll war auch Severins Auftreten. Man glaubte, er könne zu gleicher Zeit an verschiedenen Orten sein. Denn stets war er überall dort zur Stelle, wo eine Gefahr drohte. Er ermahnte die Menschen, rief zur Buße, zu Gebet und Besserung auf, beruhigte, tröstete und sorgte ausgiebig und nachdrücklich dafür, dass diejenigen, die noch etwas besaßen, den Besitz mit den Besitzlosen teilten.

 

Niemanden konnte sich den Forderungen des geheimnisvollen Mönchs entziehen. Aber alle fühlten, dass sich von ihm ein Kraftstrom über das Land ergoss. Wunder ereigneten sich, wo er sich aufhielt. Ein Segen von ihm mit dem Kreuzzeichen genügte, um die Donau, die in verheerender Weise über die Ufer getreten war, in das Flussbett zurückzuweisen. Wo anders öffnete ein Toter die Augen und beantwortete alle Fragen des heiligen Severin. Öl vermehrte sich wunderbarerweise, bis der letzte Arme seinen Krug gefüllt hatte. Auch die Augen des fremden Mannes waren so scharf, dass sie in das Dunkel der Zukunft schauen konnten. Weissagungen, die er machte, gingen in Erfüllung.

 

Am geheimnisvollsten war jedoch Severins Eindruck und Einfluss auf die Barbaren. Allein und ohne Waffen ging der mutige Mann ins Lager der Feinde. Er wies sie mit mutigen Worten zurecht, forderte die Gefangenen zurück und verlangte die Einstellung von Brandstiftung und Plünderungen. Bei solchen Gelegenheiten wollten sich die Feinde voll Wut auf ihn stürzen, aber keiner tat es. Und eines Tages gestand einer der heidnischen Anführer, dass er nie so erschüttert gewesen sei wie beim Anblick dieses Mönches.

 

Sonderbar ist bei Severin auch, dass er weder Bischof noch Priester war, aber der Abt von zwei Klöstern, die er gegründet hatte. Alles ist sonderbar in diesem Leben, auch die Tatsache, dass nach dem Tod des Heiligen die Barbaren, die er als einzelner Mann dreißig Jahre lang wie ein schützender Damm aufgehalten hatte, das Land überschwemmten und alles Bestehende vernichteten. Dreihundert Jahre später erst konnte das Christentum in Bayern und in Österreich wieder Fuß fassen.

 

Sankt Severins Andenken ist also von Geheimnissen umrankt wie eine Ruine von wildem Wein. Und doch liegt bei ihm die Lösung aller Rätsel in einem einzigen Wort, und dieses Wort heißt Heiligkeit. Der heilige Mensch regiert seine Zeit. Und nur deshalb siegt vielfach scheinbar das Böse, weil nicht genug Heilige da sind, um dem Bösen zu wehren.

 

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Nach Attilas Tod, 453, zog ein Mann von unbekannter Herkunft als Pilger zwischen Passau und Wien umher, um der dort ansässigen römischen Bevölkerung gegen die andrängenden Germanen zu helfen. Er unterstützte sie nicht nur in ihrem christlichen Glauben, sondern er war auch politisch tätig. Er organisierte den etappenweisen Abzug der Romanen – bedingt durch die zahlreichen Einfälle der germanischen Stämme – von Norikum in den Osten.

 

Mönch und Staatsmann zugleich, gründete er zwei Klöster: Boiotro (Passau-Innstadt) und Favianis (vermutlich Mautern in Niederösterreich). Eigentlich wollte Severin in der Abgeschiedenheit seiner Klöster sein Leben betend und fastend verbringen, aber die damaligen Verhältnisse zwangen ihn, ein Mann der Tat zu werden.

 

Hochgeachtet auch von Germanen, Arianern und Heiden, starb Severin 482 in Favianis.

 

Einige Jahre später nahmen Mönche seinen Leichnam nach Italien mit. Seit 1807 ruht er in der Pfarrkirche zu Fratta Maggiore bei Aversa (nördlich von Neapel).

 

„Die Predigten, welche dieser apostolische Mann an das Volk hielt, brachten die erstaunlichsten Wirkungen hervor. Wer ihn hörte, wurde von lebhaftem Abscheu gegen die Sünde erfüllt und fühlte sich hingezogen, Gott mit größerer Inbrunst zu dienen. Man sah ihn als einen Engel an, den der Himmel in seiner Barmherzigkeit auf die Erde geschickt hatte; und die Ehrfurcht, die man gegen ihn trug, wurde noch erhöht, als man ihn die Kranken heilen, die Gefangenen loskaufen, die Not der Unterdrückten erleichtern, den Armen beistehen, die allgemeinen Plagen abwenden, ihn mit einem Wort den Segen an alle Orte bringen sah, die er mit seiner Gegenwart beehrte. Mehrere Städte begehrten ihn zum Bischof; allein er weigerte sich stets, ihren dringenden Bitten zu willfahren. „Ist es nicht genug“, sagte er ihnen, „dass ich meine geliebte Einsamkeit verlassen habe, um euch zu unterrichten und zu taufen?“

 

Der hohe Ruf der Heiligkeit, in dem er stand, zog viele Menschen zu ihm hin. Könige und Fürsten verschiedener Völkerstämme besuchten ihn. So auch Odoaker (um 430-493), König der Heruler, der beim Anblick der Zelle des Heiligen, die so niedrig war, dass er nicht einmal aufrecht stehen konnte, tief erschüttert wurde. Severin sagte ihm den glücklichen Erfolg seines Feldzugs in Italien und die baldige Eroberung dieses Landes vorher. Odoaker, damals noch ein Jüngling, war in schlechte Kleidung gehüllt; Severin sprach zu ihm: „Gehe hin nach Italien, jetzt noch mit abgenutzten Fellen bekleidet, bald aber imstande, vielen gar viel zu schenken.“ Da diese Weissagung durch die Erfüllung bewahrheitet wurde, schrieb Odoaker dem Diener Gottes einen sehr ehrenvollen Brief, in welchem er versprach, ihm jede Bitte, die er an ihn richten würde, zu gewähren. Severin, dem die Gaben der Gnade genügten, begehrte nichts für sich selbst, sondern bat nur den herulischen Fürsten, einige Landesverwiesene zurückkehren zu lassen.“

 

Als Pilger mit Stab und Buch, oder mit Abtstab, das Kruzifix in der Rechten und dem Volk predigend, wird der Apostel von Norikum dargestellt. Manche Abbildungen zeigen ihn auch, wie er auf einem Grabmal betet.

 

Er ist der Fürsprecher der Leinweber, Winzer und der Gefangenen. Seine Hilfe wird bei Hungersnot erbeten.

 

In den Diözesen Passau, St. Pölten und Wien ist sein Fest am 8. Januar ein gebotener Gedenktag.

 

Der heilige Erhard, Bischof von Regensburg,

+ 8.1.707 ? – Fest: 8. Januar

 

Einer der eifrigsten Glaubensboten in deutschen Landen war im siebten Jahrhundert der heilige Erhard. Wahrscheinlich stammte er aus einer angesehenen Familie Schottlands und zog, wie so viele seiner Landsleute, über das Meer, um den heidnischen Völkern Deutschlands die Segnungen des Christentums zu bringen. Schon als Junge zeichnete er sich durch Lernbegierde und fromme Übungen aus und durch angestrengten Fleiß erwarb er einen reichen Schatz von Kenntnissen und Tugenden. Versuchungen und Prüfungen mancherlei Art blieben auch ihm nicht erspart, aber mit dem Beistand der göttlichen Gnade bezähmte er die Sinnenlust, überwand die Lockungen des Geistes der Finsternis, und verachtete die Reize der Welt.

 

Zum Priester geweiht, verdoppelte Erhard seinen Eifer für die Ehre Gottes und das Heil der Seelen. Hatte er während des Tages die Unwissenden belehrt, die Sünder mit Gott versöhnt, die Betrübten getröstet, dann warf er sich des Nachts auf seine Knie nieder, um in Gebet und Betrachtung mit Gott zu verkehren und neue Kraft für seinen apostolischen Beruf zu gewinnen. Die Unschuld und Herzensreinheit seiner frühesten Kindheit bewahrte er unverletzt bis zum letzten Lebenshauch. Um dieses unschätzbare Kleinod zu erhalten, empfahl er sich täglich dem Schutz der reinsten Jungfrau Maria, und im heiligen Messopfer legte er seine Seele ganz in die Hände seines Erlösers.

 

Wegen seiner Weisheit und Tugend zur bischöflichen Würde erhoben, arbeitete er mit verdoppeltem Eifer für das Heil der Seelen, stand seinem Bruder Hildulf, Bischof von Trier, würdig zur Seite und wanderte unermüdlich von einem Ort zum andern, um den Samen Gottes in die Herzen zu säen. Er hatte die Freude, eine reiche Frucht aus seiner Saat emporsprossen und gedeihen zu sehen. Sein mildes, eindringliches Wort erweichte die härtesten Herzen, sein erbauliches Beispiel fand Nachahmung. Da er bemerkte, dass das Volk besonders bei häuslichen Unglücksfällen noch häufig zu heidnischem Aberglauben und Zaubereien seine Zuflucht nahm, und bedachte, wie leicht oft den Leuten zu helfen wäre, wenn sie sich zu Gott wenden und die Segnungen der Kirche vertrauensvoll gebrauchen wollten, so gab er ihnen unter vielfachen Belehrungen und Ermahnungen geweihte Sachen, und zog sie damit von den Götzen zu dem allmächtigen Gott. Als sein heiliger Bruder Hildulf starb, richteten sich aller Augen auf Erhard als den würdigsten Nachfolger. Aus Furcht vor dieser Würde entfloh er heimlich aus Trier und begab sich mit seinem anderen Bruder Albert nach Bayern. Unterstützt von den Liebesgaben frommer Seelen gründete er vierzehn Klöster, unter diesen das nachmals berühmte Reichsstift Niedermünster zu Regensburg, wo er sich nach dem Tod Emmerams niederließ und das bischöfliche Amt verwaltete. Von Regensburg aus wirkte er unablässig in seinem apostolischen Amt, führte durch heilsame Belehrungen, durch sein aufmunterndes Beispiel und viele Wunder die Verirrten auf den rechten Weg, stärkte die Schwachen, belehrte die Unwissenden mit Geduld und Liebe und lieferte eine reiche Ernte für die Scheuer Gottes.

 

Einst erhielt Erhard in einem Gesicht die göttliche Weisung, sich zum Kloster Palma im Elsass zu begeben, um dort ein von Geburt an blindes Mädchen zu taufen und ihm das Licht der Augen wiederzugeben. Dieses Kind war die Tochter des elsässischen Herzogs Eticho und seiner Gemahlin Bereswinda und kam blind zur Welt. Der erzürnte Vater befahl, das Kind aus der Welt zu schaffen. Allein die fromme Mutter ließ ihr zärtlich geliebtes Kind durch eine treue Magd heimlich aus dem Schloss schaffen und aufs sorgfältigste verpflegen. Da sie aber immer noch fürchtete, es möge der Aufenthaltsort ihres Kindes ihrem jähzornigen Gemahl bekannt werden, ließ sie es zu einer guten Freundin, der Äbtissin im Kloster Palma, bringen. Unaufhörlich betete die fromme Mutter für ihr Kind und fand Erhörung. Eines Tages klopfte der Bischof Erhard an die Klosterpforte, unterrichtete die bereits zwölfjährige Herzogstochter sorgfältig in der christlichen Religion, erteilte ihr dann feierlich die heilige Taufe und gab ihr den Namen Othilia. In demselben Augenblick, wo Othilia mit dem Taufwasser begossen wurde, erhielt sie das Licht ihrer Augen wieder. Alle Umstehenden staunten und lobten Gottes Allmacht und Güte. Voll Dank weihte sich Othilia ganz dem Dienst Gottes, nahm auf den Rat des heiligen Bischofs den Schleier und stiftete das Kloster Hohenburg, dessen erste Äbtissin sie wurde. Sie lebte und starb als Heilige.

 

Der heilige Bischof Erhard kehrte nach Regensburg zurück, wo er nach einigen Jahren seinen ruhmreichen Lauf glücklich vollendete am 8. Januar um das Jahr 700. Sein Leib ruht in der Nonnenkirche Niedermünster zu Regensburg. Papst Leo IX. nahm ihn im Jahr 1052 in die Zahl der Heiligen auf. Bei Gelegenheit des elfhundertjährigen Jubiläums des Bistums Regensburg im Jahr 1840 wurden die Reliquien des heiligen Erhard feierlich erhoben und mit denen der Diözesanpatronen Wolfgang und Emmeram in feierlicher Prozession durch die Stadt getragen und nach beendigten Jubiläum im St. Erhardi-Altar zu Neumünster wieder beigesetzt. Die Bewohner der Stadt und des Bistums verehren noch heute dankbar ihren hochverdienten Bischof Erhard.

 

Der heilige Lucian, Priester und Martyrer von Beauvais, Frankreich,

+ 81-96 – Fest: 8. Januar

 

Der heilige Lucian war von Geburt ein Römer und wie einige Schriftsteller behaupten, ein Sohn des römischen Bürgermeisters Lucius. So viel ist gewiss, dass er vorher Lucius geheißen hat und erst bei seiner Taufe Lucian genannt wurde. Er war ein Jünger des heiligen Petrus und erhielt vom heiligen Papst Clemens den Auftrag, in Begleitung des heiligen Dionisius den heidnischen Galliern das Evangelium zu predigen. Auf seiner Reise dahin verkündete er allenthalben Jesus den Gekreuzigten und wurde schließlich zu Parma in Italien von den Götzendienern in das Gefängnis geworfen, aus dem ihn aber die Christen zur Nachtzeit wieder befreiten. Da er, um das Reich Gottes unter den Menschen auszubreiten, keine Gefahr achtete, predigte er neuerdings zu Pavia das Evangelium, bekehrte eine Menge Heiden zum Glauben an Jesus und schiffte sich schließlich nach Arles ein, von wo er nach Beauvais kam und diese Stadt zu seinem beständigen Aufenthalt wählte. Hier arbeitete er unermüdlich an der Bekehrung der heidnischen Gallier, wahrscheinlich als Bischof, unterstützt von dem Priester Maximian und dem Diakon Julian.

 

Durch den Eifer dieser heiligen Männer waren schon dreißigtausend Seelen für die Wahrheit des Christentums gewonnen, als sich unter der Regierung des Kaisers Domitian die zweite Christenverfolgung erhob und der heidnische Statthalter Fescenius Sisinius nach Gallien kam, der die Bekenner der christlichen Religion allenthalben aufsuchen und unter den heftigsten Martern töten ließ. Während dieser Verfolgung erhielten nicht nur die Gehilfen des heiligen Lucian, Maximian und Julian die Marterkrone, sondern auch er, der die Gläubigen öffentlich zur Beständigkeit ermahnte, wurde vor Gericht geschleppt, wo man ihm die Wahl ließ, entweder den Göttern zu opfern, oder eines gewaltsamen Todes zu sterben. Freudig bekannte der Heilige Jesus, als den wahren Gott und Erlöser der gefallenen Menschheit und hielt auch an die anwesenden Heiden eine eindringliche Predigt über die Torheit des Götzendienstes, wodurch er den Statthalter in eine solche Wut brachte, dass er ihn zuvor mit Peitschen den ganzen Körper zerfleischen und schließlich enthaupten ließ. Der Heldenmut des heiligen Martyrers während seines schrecklichen Leidens machte einen so starken Eindruck auf die Gemüter der Anwesenden, dass auf der Stelle ungefähr 500 Heiden das Christentum annahmen. In der Folge erbauten die Christen über das Grab des heiligen Lucian eine prächtige Kirche, in der sie auch die Reliquien seiner heiligen Gefährten beisetzten.

 

Der heilige Laurentius Justiniani, 1. Patriarch von Venedig,

+ 8.1.1455 - Fest: 8. Januar

 

Laurentius, der dem reichen Haus der Justiniani zu Venedig entstammte und im Jahr 1381 geboren wurde, war ein stiller und ernster Junge.

 

War denn Laurentius krank oder körperbehindert, dass er so still und ernst war? Nein, er war weder krank noch behindert, und ein Duckmäuser war er auch nicht; aber mit fünf Jahren verlor er den Vater durch den Tod, und die Mutter legte vom Sterbetag des Gatten bis an ihr Lebensende die schwarzen Trauerkleider nicht mehr ab. So kam es, dass Laurentius ein stiller und ernster Junge war, anders geartet als es die Jungen sonst sind. Der junge Justiniani war eher in einer Kirche beim Gebet als auf der Straße beim Spiel anzutreffen. Früh lernte er von der gutherzigen Mutter auch die Wege des Wohltuns.

 

Unter diesen Umständen ist es nicht verwunderlich, dass der Neunzehnjährige den Reichtum des elterlichen Hauses verließ, um arm, vergessen und weltverloren im Sankt-Georgs-Kloster auf der Insel Alga bei Venedig Gott zu dienen, und weil Laurentius nie im Leben ein Stümper war und das, was er tat, nicht halb, sondern stets ganz tat, war er unter den Mitbrüdern bald der eifrigste und beste, dem man mit fünfundzwanzig Jahren die Leitung des Klosters und später auch die des gesamten Ordens übertrug.

 

Höher noch stieg der heiligmäßige Ordensmann, als ihn der Papst zum Bischof und Patriarchen seiner Vaterstadt Venedig ernannte. Auf Seitenwegen hielt der neue Oberhirte ohne Prunk und Pracht seinen Einzug in die bischöfliche Residenz, und als man ihn darauf aufmerksam machte, dass er als Bischof der reichen Handelsstadt ein fürstliches Haus führen müsse, gab er die bezeichnende Antwort, es seien der Armen, für die er als Bischof zu sorgen habe, so viele, dass sich von seinen Einkünften auch nicht ein roter Heller erübrige, um Aufwand zu treiben.

 

In der Folgezeit war Laurentius Justiniani vor allem und zuerst ein Apostel der christlichen Caritas, der nicht nur persönlich Geld, Nahrungsmittel, Kleider, Wäsche und Möbel reichlich verschenkte, sondern auch, über die Stadt Venedig zerstreut, Caritasstellen einrichtete. Dabei war der Patriarch von Venedig ein prächtiger Mann, der klug und tatkräftig über zwanzig Jahre lang als „der gute und getreue Knecht“, wie es von ihm im Tagesevangelium rühmend heißt, sein Bistum verwaltete, bis er im Alter von vierundsiebzig Jahren am 8. Januar 1455 im Herrn entschlief.

 

Schön war das Sterben des ausgezeichneten Mannes, denn als man ihn in der letzten Not, da es mit ihm zu Ende ging, von der harten Pritsche nehmen und weicher betten wollte, schüttelte er den Kopf und wehrte sich dagegen, indem er sagte: „Der Heiland ist nicht auf Federn, sondern auf hartem Holz gestorben. Lasst auch mich so sterben!“

 

Zu teilen war nach des Bischofs Tod nichts, weil er selbst zu Lebzeiten schon alles verteilt hatte, damit auch nicht ein Pfennig den wirklichen Erben, den Armen, vorenthalten blieb. Es war noch immer so, dass, wenn ein Heiliger stirbt, keine Erbschaft vorhanden ist. Der heilige Laurentius Justiniani macht darin ebensowenig eine Ausnahme wie sein späterer Nachfolger auf dem Bischofsstuhl zu Venedig, der heilige Pius X., der, obwohl er Papst war, nicht so viel zurückließ, dass seine hinterbliebenen Schwestern davon leben konnten. Heilige schenken immer alles den Armen.

 

Der heilige Apollinaris Claudius, Bischof von Hierapolis in Phrygien,

+ nach 177 – Fest: 8. Januar

 

Claudius Apollinaris, der Bischof von Hierapolis in Phrygien, war eines der leuchtendsten Lichter des zweiten Jahrhunderts. Von seinen Taten haben wir jedoch nur sehr wenige umständliche Berichte. Allein das Lob, das ihm die alten Schriftsteller – Eusebius, Theodoret, Hieronymus usw. – erteilen, lässt uns nicht daran zweifeln, dass er alle Tugenden eines wahren Bischofs besessen hat. Die Irrlehrer fanden jeder Zeit einen furchtbaren Gegner an ihm. (Die bedeutendsten waren die Enkratiten, Anhänger Tatians, und die Montanisten, auch Kataphrygier genannt. Diese entstanden zuerst in Phrygien gegen das Jahr 171. Alle Schriften unseres Heiligen sind verlorengegangen. Das Altertum schätzte sie sehr hoch. Photius, der sie gelesen hatte, und der sie gewiss zu beurteilen imstande war, legte ihnen sowohl wegen der Schreibart, als der darin enthaltenen Themen hohen Wert bei.) Er verfasste mehrere gelehrte Abhandlungen, in denen er ihre gottlosen Systeme mit siegender Kraft widerlegte. Und um ihnen jede Ausflucht abzuschneiden, zeigte er, bei welcher philosophischen Sekte jeder von ihnen seine Irrtümer geschöpft hatte.

 

Der heilige Oberhirt sah mit tiefer Wehmut die Verheerungen, die durch die Verfolgung unter seiner Herde angerichtet wurden. Er ließ es aber nicht dabei bewenden, seine Klagen zu Gott zu erheben, sondern trat öffentlich als Verteidiger der Christen auf, denen das Heidentum gänzlichen Untergang geschworen hatte. Er verfasste eine Schutzschrift, die er an den Kaiser Marc-Aurel richtete, im Jahr 177. – In diesem Werk vernichtete er alle Vorwände, mit denen die Götzendiener ihre ungerechte Erbitterung gegen die Diener Jesu Christi zu bemänteln suchten. Dann erbat er des Kaisers Milde für die Christen an, die durch ihre Gebete dem Reich so heilsame Dienste geleistet hätten. Er meint nämlich damit jenen wundervollen Regen, der durch die Christen vom Himmel erlangt worden war.

 

Der Kaiser Markus Aurelius, ermüdet durch den langwierigen Krieg, den er mit den Quaden, einem germanischen Volk, führen musste, entschloss sich, ihn auf eine Weise zu beenden, dass er in Zukunft nicht mehr beunruhigt würde. Er zog daher im Jahr 174 nach Christi Geburt, und dem dreizehnten seiner Regierung, zu Felde, in der Absicht, nicht nur die Quaden, sondern auch ihre Bundesgenossen, und vor allen die Markomannen zu bekriegen. Nach einigen auf beiden Seiten erkämpften Vorteilen, gingen die Barbaren über die Donau und drangen in die Legionen ein. Die Römer setzten hierauf ebenfalls über diesen Fluss, um diese Schande zu rächen, überfielen unversehens den Feind, und richteten ein großes Blutbad an. Diese ließen aber bei ihrem Rückzug mehrere Abteilungen Soldaten zu Fuß mit einiger Reiterei zurück, um die Römer zu täuschen, und sie glauben zu machen, als wollten sie an dieser Stelle ein zweites Treffen versuchen. Die Sieger dachten an keine Kriegslist, sondern griffen mit schneller Hast diese Soldaten zu Fuß an, die nach dem ihnen erteilten Befehl die Flucht ergriffen, den Kaiser auf Anhöhen lockten, wo er plötzlich von einem fast unzählbaren Kriegsheer, das die Pässe besetzt hielt, sich umzingelt sah. Obgleich Mark-Aurel die Gefahr erkannte, in der er sich befand, schmeichelte er sich doch, durch den Mut seiner Legionen ihr zu entrinnen, und griff, trotz seines ungünstigen Standorts, die Feinde an. Diese Völker ließen sich aber in kein Treffen ein, sondern beschränkten sich bloß auf Verteidigung, und waren nur darauf bedacht, die Römer in diesem Ort eingeschlossen zu halten. Eine unerträgliche Hitze zwischen dürren, quellenlosen Gebirgen, der Schmerz brennender Wunden und quälender Durst nahmen den Römern Kraft und Mut. Sie konnten nicht vor-, nicht rückwärts lenken, noch im Kampf Rettung suchen, und sahen kein anderes Mittel, als entweder unter dem Schwert der Feinde zu sterben, oder sich ihnen auf Gnade oder Ungnade zu ergeben. Unterdessen durcheilte Markus Aurelius das ganze Lager, und versuchte durch seine Reden den Mut der niedergeschlagenen Soldaten aufzurichten, und durch Gelübde und Opfer, auf die sie in ihrer misslichen Lage kein Vertrauen mehr setzten, ihre Hoffnung zu beleben.

 

Jetzt warf sich die zwölfte Legion, die beinahe ganz aus Christen bestand, auf die Knie nieder, um nach Art der Christen zu beten. Ihre Absicht war, den wahren Gott zu beschwören, seine Allmacht offenbar werden zu lassen. Die Quaden, erstaunt über ein solches Schauspiel, stürzten auf das Lager der Römer zu. Allein in diesem Augenblick wurde der Himmel mit schwarzen Wolken überzogen, und ein starker Regen strömte hernieder. Die Römer, die vor Durst sehr erschöpft waren, tranken und kämpften zu gleicher Zeit. Manche Verwundete schlürften ihr eigenes Blut mit dem Wasser, das sie in ihren Helm aufgefangen hatten. Der Vorteil blieb jedoch immer auf Seiten der Feinde, bis sich plötzlich ein stürmender Wind erhob, der ihnen einen starken Hagel, mit Blitz und Donner begleitet, entgegentrieb, wodurch die Römer ihren Blicken entzogen wurden. Ein allgemeiner Schrecken bemächtigte sich ihrer, der noch stärker wurde, als sie sich auf die Erde niedergeworfen sahen. Sie ergriffen die Flucht, und bald wurde die Verwirrung allgemein. (Porphyrius und einige andere Heiden sahen diesen Sieg als eine Wirkung der Zauberei an: Andere, wie Dio Cassius, schrieben ihn den Götzen zu. Alle christliche Schriftsteller stimmen dahin überein, dass er ein durch das Gebet der melitinischen Legion erflehtes Wunder war. Der heilige Apollinaris, der diese Tatsache in seiner Schutzschrift anführt, setzt noch bei, der Kaiser habe dieser Legion aus Dankbarkeit den Namen „die Blitzende“ beigelegt. Eusebius, Tertullian, der heilige Hieronymus und der heilige Gregor von Nyssa sind derselben Meinung.)

 

Eine so ausgezeichnete, durch das Gebet der Christen erlangte, Wohltat verdiente ohne Zweifel die Dankbarkeit des Markus Aurelius. Er ließ einen Befehl ergehen, wodurch er unter Todesstrafe verbot, einen Christen wegen der Religion vor Gericht zu bringen. Allein er hatte den Mut nicht, die Gesetze, die gegen sie erlassen wurden, ganz aufzuheben, daher auch sogar unter seiner Regierung viele Christen des Märtyrertodes starben. (Zeugen sind der heilige Apollinaris und die Märtyrer von Lyon. Welcher Widerspruch im Betragen des Markus Aurelius! Man bestrafte die Ankläger der Christen mit dem Tod, und vergoss dennoch das Blut der Christen. Kaiser Trajan hatte in seinem so bekannten Brief an Plinius den Jüngeren, gleichfalls verboten die Christen anzuklagen, und dennoch verordnet, dass man sie strafen soll, wenn sie angeklagt würden. Tertullian hat die Ungerechtigkeit eines solchen Verfahrens durch ein unwiderlegliches Dilemma gezeigt.) Übrigens wurden durch diese zu Gunsten der Christen erlassene Verordnung die heftigen Verfolgungen, denen die Christen seit sieben Jahren preisgegeben waren, und die der Kaiser selbst teils aus falschem Religionseifer, teils aus Hass gegen das Christentum erregt hatte, sehr gemindert. Einige Zeit später brach aber das Feuer der Verfolgung desto schrecklicher los, wodurch der heilige Apollinaris veranlasst wurde, seine Schutzschrift zu verfassen. Er führte darin dem Kaiser zu Gemüte, dass er sein Reich und sein Leben dem Gebet der Christen zu verdanken habe. Welche Wirkung diese so gründliche Verteidigung hervorgebracht hatte, weiß man nicht. Es scheint jedoch, dass Markus Aurelius sie günstig aufgenommen, und noch zum Teil der Wut der Christenfeinde Einhalt getan habe, denn der heilige Apollinaris fuhr fort, mit Eifer der Leitung seiner Kirche vorzustehen, bis zum Augenblick, wo es Gott gefiel, ihn von dieser Welt wegzunehmen. Die Zeit seines Todes kann nicht bestimmt angegeben werden, es ist aber wahrscheinlich, dass er vor Markus Aurelius starb. Das römische Martyrologium feiert sein Andenken am 8. Januar.

 

Wir alle bekennen uns ehrfurchtsvoll zu den Wahrheiten, deren Verteidigung Apollinaris auf sich nahm. Wir haben denselben Glauben wie er. Vielleicht auch würden wir uns selbst gerne dazu überreden, dass wir auch den Mut hätten, sollte es uns auch das Teuerste kosten, ihn zu verteidigen. Allein wie lässt sich unser Glaube mit unserer Kälte in Ausübung der Tugend, mit unserer brennenden Gier nach den Dingen der Erde, mit dem ängstlichen Zurückhaltung beim Aufgeben unserer Leidenschaften, in Einklang bringen? Woher kommt es, Dass der Gedanke an Gott und Himmel, Hölle und Ewigkeit, so einen schwachen Eindruck auf uns macht? Ach! Die Ursache von diesem allen liegt darin, dass wir die Betrachtung dieser großen Wahrheiten vernachlässigen: da unser Geist nur flüchtig auf sie hinblickt, dürfen wir uns da noch wundern, dass sie leicht über unsere Seele hingleiten, ohne bleibende Spuren zu hinterlassen? Betrachten wir sie ernsthaft, und glühende Gefühle der Liebe und Furcht werden in unseren Herzen sich erheben. Hat uns die Erfahrung noch nicht belehrt, dass die Anliegen, und vor allem die, die nicht unter die Sinne fallen, nur wenig uns rühren, wenn wir nicht öfters durch ernstes Nachdenken auf sie zurückkommen? Wir sind gewiss unsere eigenen Feinde, wenn wir nicht einsehen, welchen Schaden wir uns selbst zufügen, da wir die Wahrheiten unserer heiligen Religion nur oberflächlich betrachten. Unser Glauben wird uns nur zur schrecklicheren Verdammnis gereichen, wenn er nicht in der Liebe tätig wird. Nun aber haben wir kein wirksameres Mittel zu diesem lebendigen Glauben, der durch die Liebe wirkt, zu gelangen, als wenn wir so oft wie möglich zur Betrachtung unsere Zuflucht nehmen, und immer tiefer und tiefer in die Wahrheit des Evangeliums eindringen, um darin das himmlische Brot zu finden, das die frommen Regungen der Seele nährt. Die Weltmenschen sehen die Betrachtung als eine überflüssige Übung an. Allein die Heiligen aller Jahrhunderte haben anders darüber geurteilt. Sie erschien ihnen als eine unerlässliche Pflicht für jene, die ihr Heil erringen wollen. Sie waren daher auch dieser heiligen Übung sehr ergeben, und suchten, um sich freier und wirksamer mit ihr beschäftigen zu können, die Einsamkeit, wo sie, so sehr es ihnen ihre Standespflichten erlaubten, abgeschieden von dem Geräusch der Welt, ihr Leben zubrachten.

 

Gebet am 8. Januar

 

Unbefleckte, heilige Jungfrau Maria, demütigstes unter allen Geschöpfen, die du erhabener als alle andere vor den Augen deines Gottes bist. Du erschienst dir selbst so gering, aber dennoch warst du so groß vor Gott, dass er dich sogar zur hohen Würde seiner Mutter erwählen wollte und dich deshalb zur Königin Himmels und der Erde machte. Ich armer überheblicher Mensch, der ich zugleich mit so vielen Sünden beladen bin, schäme mich vor dir zu erscheinen, die du ungeachtet aller deiner Vorzüge so demütig bist. Aber trotz meines Elends will ich dich doch mit den Worten begrüßen: Gegrüßet seist du, Maria, voll der Gnade! Amen. 

 

Zu Gott auf die Fürbitte des heiligen Laurentius

 

O Herr, der Du dem heiligen Laurentius eine so große Liebe zu den Armen gegeben hast, wir bitten Dich, schenke auf seine Fürbitte auch uns diese Liebe, damit wir dadurch Deinen Willen vollziehen, durch Jesus Christus, unseren Herrn. Amen. 

 

Zu Gott auf die Fürbitte des heiligen Severin

 

O Gott, der Du durch die Demut und die Bußfertigkeit Deines Dieners die Sünder zur Reue und zur Besserung ihres Lebens, und zur Anerkennung Deiner Herrlichkeit geführt hast, verleihe auf die Fürbitte des heiligen Severin uns Deine Gnade, damit wir unsere Armseligkeit einsehen, in demütigem und reuevollem Herzen vor Dir leben, und Deines Wohlgefallens würdig werden, durch Jesus Christus, unseren Herrn. Amen. 

 

Zum heiligen Laurentius

 

Heiliger Laurentius Justinianus, bitte für mich, der ich in der Tat leer an allen Verdiensten bin, damit am Tag des Todes und des Gerichtes Jesus Christus der Gekreuzigte, mein Richter, meine Leerheit mit seinen unendlichen Verdiensten ausfüllen wolle. Amen. 

 

Zu Gott auf die Fürbitte des heiligen Erhard

 

Allmächtiger Gott, wir bitten Dich um die Gnade, dass das feierliche Fest, das wir zur Ehre Deines heiligen Bischofs Erhard begehen, auf seine Fürbitte hin die Andacht in uns vermehre und unser Seelenheil befördere, durch Jesus Christus, unseren Herrn. Amen. 

 

Andenken an die seligste Jungfrau

 

Zu Neapel wurde feierlich begangen das "Fest der heiligen Maria vom Anfang", nämlich der von den heidnischen Verfolgungen befreiten christlichen Religion, unter dieser Benennung der heilige Papst Sylvester eine von der Kaiserin Helena daselbst erbaute Kapelle zur Ehre der seligsten Jungfrau heute eingeweiht hat. 

 

Andacht am 8. Januar:

 

Das Thema im Januar:

Von der Liebe Jesu

"Wer den Herrn nicht liebt, sei verflucht!" (1. Korinther 16,22)

 

"Das Geheimnis der Menschwerdung Christi ist das Siegel aller Wunder Gottes. Je tiefer das Wort dadurch sich erniedrigte, dass es Mensch wurde, je größer ist die Liebe, die es den Menschen erzeigte. Seit der Menschwerdung des eingeborenen Sohnes Gottes können wir wahrlich sprechen: Sieh, Gott ist geworden wie Einer von uns!" (Der heilige Bernard)

Als am heiligen Weihnachtsfest der heilige Petrus von Alcantara die Worte des Evangeliums singen hörte: "Im Anfang war das Wort!" wurde er von so gewaltiger Liebe ergriffen, dass er es nicht vermochte, ihre feurigen Wirkungen in sich zu verschließen. 

Der heilige Augustinus spricht in seinen Bekenntnissen, er habe sich nicht sättigen können, die Güte Gottes in dem wunderbaren Werk der Erlösung des menschlichen Geschlechtes zu bewundern. 

Auf dem Herzen der heiligen Maria Magdalena von Pazzi fanden sich die Worte eingegraben: Et Verbum caro factum est!

"Vergessen wir nie und nimmer," spricht der heilige Bernard, "dass Gott uns liebt: auf dass wir Ihn lieben! Vergessen wir des Alters, der Uneigennützigkeit, der Zartheit, der Gewalt und Großmut der Liebe Jesu nie! Uns liebt Er, die wir elende und unselige Sünder sind!"

 

Tief schmerzt es mich, o mein Heiland, der Du für alle kamst, dass so wenige Dich aufnehmen; ja dass sogar viele, die Dich aufgenommen hatten, Dich abermals verwarfen! Auch ich Unglücklicher beging diesen schändlichen Verrat! O verzeihe, geliebtester Jesus, mir diese so große Bosheit, und besuche mein Herz abermals; entzünde darin das Feuer Deiner Liebe und gestatte nicht, dass es jemals erlischt! Amen.

 

Ein Gedanke heiliger Dominikaner am 8. Januar

 

"Gott ist der Vater und Herr aller Dinge. Ist es nicht billig und recht,

dass der Diener seinen Herrn ehre,

ihm mit möglichster Treue diene und ihm gehorche?"

 

hl. Katharina von Siena OP

1347 bis 29.4.1380

 

Betrachtung am 8. Januar - Quellen des Unglaubens

 

Sieh, ohne Unterlass ergießt

Die Sonne ihr geliebtes Licht.

Doch wenn dein Auge sich verschließt

Und sagt, es seh` die Sonne nicht,

Und glaube nicht an ihren Schein:

Willst dann nicht selber blind du sein?

 

1. Woher der Schwindel so vieler, die mit einem Unglauben prahlen, der alle Vernunft beleidigt? Haben sie etwa mit ernsthaftem Nachdenken geforscht, und die Religion falsch befunden? Haben sie die unerschütterlichen Grundfesten untersucht, auf denen das Christentum ruht, das das Götzentum stürzte, die scharfsinnigsten Geister überzeugte, die Welt sich unterwarf, und während der Dauer von zwei Jahrtausenden so viele Erderschütterungen, Throne, Regierungen, Diktaturen und Revolutionen überlebte? Nein! Warum denn sind sie ungläubig? Darum, weil es bequemer ist, nicht zu glauben, als die Sitten nach dem Glauben zu ordnen.

 

2. Wer war je ungläubig, um besser zu werden? Wen führte je das Verlangen nach Wahrheit und Gottesfurcht zum Unglauben? Fragen wir die meisten Ungläubigen, wann das große Licht der Aufklärung anfing ihnen aufzugehen, so erfahren wir, dass dies zur Zeit geschah, als die Liebe zur sinnlichen Lust in ihnen erwachte, als sie ihren Leidenschaften freien Zügel ließen. Peinlich war ihnen damals das Joch des Glaubens, man musste es also abwerfen und Mittel suchen, das schreiende Gewissen zu beschwichtigen, dazu aber bot der Unglaube das trefflichste Mittel. Man suchte Bücher und Freunde, in diesem Unglauben sich zu stärken, und fand beide, und so wurde die blinde Leidenschaft die Führerin, der man blindlings folgt.

 

3. Viele indessen tragen eigentlich mehr die Larve des Unglaubens. Gern zwar fänden sie alles unwahr, was in ihrer Leidenschaft sie stört. Auch ist aller seichte und lügenhafte Spott irreligiöser Schriftsteller ihnen willkommen. Dessen ungeachtet aber ist der Glaube in ihrem Herzen, wie das Feuer unter der Asche verborgen. Manche Gelegenheit versetzt sie in Angst und Schrecken und zeigt ihnen, dass sie mehr Glauben haben, als sie meinen. Möchten sie doch bedenken, wohin dieser Unglaube sie führen wird. Wer befolgte je die Lehren des Glaubens getreu, und hätte dies auf seinem Totenbett bereut? Oder wer hätte diesem Glauben damals abgeschworen, um Gott zu gefallen? Sollte dies aber nicht allein genügen, alle Ungläubigen zum Glauben zurückzuführen! "Bekehrt euch zu mir, so wird euch Heil widerfahren." (Jesaja 45,22)

 

9. Januar

 

Der heilige Julian, Martyrer von Antiochia,

und seine Gattin Basilissa, Martyrin von Antiochia,

+ 9.1.311 - Fest: 9. Januar

 

Nach ihrer legendären Lebens- und Leidensgeschichte führten Julian und seine Frau Basilissa eine jungfräuliche Ehe. Julian starb unter Diokletian und Maximian zu Antiochia in Syrien. Er wurde 303 oder 313 nach langen Qualen mit dem Schwert enthauptet.

 

Der Name seiner Gattin wurde in der Schreibform Wassilissa zu einem der beliebtesten russischen Mädchennamen.

 

„Julian, zu Antinous in Ägypten geboren, war der einzige Sohn adeliger und reicher Eltern, die dem talentvollen Jungen eine sehr sorgfältige Erziehung in der Religion und in der Wissenschaft gaben. Zur hoffnungsreichen Blüte entfaltete sich Geist und Gemüt des frommen Jünglings, und die Eltern drängten ihn mit liebenswürdigem Ungestüm, sich eine Lebensgefährtin zu wählen, damit ihr Familienstamm nicht aussterbe.

 

Julian, der sich schon zur immerwährenden Keuschheit entschlossen hatte und doch auch die geliebten Eltern nicht betrüben wollte, flehte inständig zu Gott um Rat und Hilfe. Da offenbarte ihm Jesus in einer Erscheinung: „Gehorche deinen Eltern, handle männlich, dein Herz wird begnadigt sein.“ Wunderbar getröstet verlobte er sich mit der nach Körper und Geist ihm ebenbürtigen Jungfrau Basilissa. Am Vermählungstag unter dem Spiel der Musik und dem Jubel der Gäste war dem Bräutigam bang und weh ums Herz, in leisen Seufzern bestürmte er den Himmel um Rettung seiner Keuschheit. Als die Neuvermählten nach Beendigung des Festes ins Brautgemach traten, und zum gemeinsamen Gebet niederknieten, wehte sie ein wundersamer Duft von Lilien und Rosen an. Erstaunt fragte Basilissa, woher dieser Wohlgeruch käme. Julian nahm zärtlich ihre Hand in die seine und sprach: „Meine Teure, diese süßen Blumendüfte sind der Wohlgeruch der jungfräulichen Reinheit und ein Vorgeschmack der ewigen Freuden, die Gott denen bereitet, welche hienieden jungfräulich leben; o möchtest du dich doch entschließen, in mir nur deinen Bruder zu lieben!“ Basilissa, der eine Träne über die rotglühende Wange perlte, küsste ehrerbietig seine Stirn und gelobte, ihm eine treue Schwester zu sein. Sie lebten nun wie Joseph und Maria und heiligten ihre Tage durch frommes Gebet und gute Werke.

 

Nicht lange nach dem Tod ihrer Eltern, die ihnen ein sehr reiches Erbe hinterließen, verkündete Kaiser Diokletian das Gesetz, dass das Christentum in seinem Reich unter Todesstrafe verboten sei, und strengte seine Macht in allen Provinzen an, den Glauben an Christus gänzlich zu vertilgen. Seine furchtbaren Gewalttaten verbreiteten unter den Christen Angst und Bestürzung: sie zerstreuten sich und irrten umher, von Mühsalen und Leiden niedergebeugt. In diesen Tagen der Not erprobte sich Julians und Basilissas Frömmigkeit als echtes funkelndes Gold. Sie öffnete ihr Haus und ihre Vorräte den Trost- und Hilfebedürftigen, und litten gerne selbst Mangel, um desto reichlicher geben zu können; sie teilten sich in die ruhelose Arbeit dieser Verpflegung. Julian besorgte die jungen und älteren Männer, betete mit ihnen, unterrichtete sie in den Lehren des Evangeliums und stärkte ihren Glaubensmut bis zur Bereitwilligkeit, für Jesus den Martertod zu sterben; Basilissa tat dasselbe bei den Frauen. In kurzer Zeit gestaltete sich dieses gastfreundliche Zusammenleben wie von selbst zu zwei klösterlichen Vereinen, deren Seele, Lehrer und Führer Julian und Basilissa waren. Inzwischen kam als kaiserlicher Statthalter nach Ägypten Marcian, ein blutdürstiger Christenhasser, und mit ihm die von vielen nicht gewünschte Gelegenheit, ihren Glauben an Christus offen vor dem Richter zu bekennen und ihr Bekenntnis mit einem qualvollen Tod zu büßen.

 

Basilissa, gar mütterlich um ihre geistlichen Töchter bekümmert, kniete Tag und Nacht mit ihnen vor dem Altar im Gebet: „Nimm, o Jesus, deine Bräute aus den Gefahren dieses Jammertales zu Dir und lass sie nicht in die Hände deiner Feinde fallen!“ Wunderbar erhörte der göttliche Bräutigam ihr Flehen, Noch ehe die Heiden ihr Kloster angriffen, führte ein ansteckendes Fieber die noch jugendliche Basilissa mit ihren frommen Genossinnen hinüber zum ewigseligen Hochzeitsfest.

 

Unter den ersten, welche Marcian aufforderte, dem kaiserlichen Gesetz gemäß den Göttern zu opfern, war Julian und seine Genossenschaft. Er erwiderte: „Ich ehre den Kaiser als die von Gott gesetzte Obrigkeit, aber seinen Befehlen, wenn sie den Geboten Gottes widersprechen, gehorche ich nicht, und darum werden ich und meine Brüder nicht opfern.“ Marcian ließ das Kloster anzünden und mit sämtlichen Bewohnern verbrennen, den Julian aber an vier Pfählen ausspannen und furchtbar mit Prügeln schlagen. Dabei wurde einem Schergen, den der Statthalter besonders lieb hatte, zufällig ein Auge ausgeschlagen. Als Marcian hierüber sehr betrübt in grimmige Verwünschungen ausbrach, rief ihm Julian zu: „Wie magst du dich so sehr darüber erzürnen! Befiehl deinen Götzenpriestern, dass sie die Götter um Hilfe anflehen und deinen Freund heilen; wenn sie nichts ausrichten, so will ich meinen Gott bitten, dass er dem Verunglückten nicht nur das Licht des Auges, sondern auch das viel kostbarere Licht des Geistes gebe.“ Marcian nahm den Vorschlag an. Die Götzenpriester flehten mit Opfer und Gebet die Hilfe der Götter an; aber statt zu helfen, fielen die Götterbilder plötzlich von den Altären und zerbrachen in Stücke. Nun machte Julian das heilige Kreuz über das Auge des Verwundeten unter Anrufung des heiligen Namens Jesus. Sogleich erfreute dieser sich wieder des Augenlichtes und jubelte: „Der Gott der Christen ist der allein wahre und mächtige, ihm allein gebührt Anbetung, alle anderen Götter sind nur Lug und Trug!“ Wutentbrannt ließ Marcian den geheilten Freund – jetzt dankbaren Bekenner Christi – nicht ausreden, mit dem eigenen Schwert ermordete er ihn. Julian aber befahl er durch die Straßen der Stadt zu führen und auf den öffentlichen Plätzen erbarmungslos zu martern, um so die Christen zu entmutigen. Allein das Gegenteil geschah. Der Anblick der entsetzlichen Leiden, die Julian nur mit göttlicher Hilfe überleben konnte, und des Wunders, durch das Julian eine ihm vorgelegte Leiche zum Leben erweckte, bewirkte, dass viele Heiden sich zum Glauben an Christus bekannten. Marcian, einen Aufruhr befürchtend, wenn er die Peinigung des Julian weiter fortsetzen würde, befahl in ratlosem Ingrimm, ihn mit mehreren Christen zu enthaupten. Er selbst wurde wahnsinnig und bei lebendigem Leib von Würmern zernagt.

 

Die heilige Marciana,

Jungfrau und Martyrin von Cäsarea in Mauretanien,

+ 9.1.307 ? – Fest: 9. Januar

 

Die heilige Marciana wurde zu Cäsarea in Mauretanien aus einer adeligen Familie geboren und hatte sich schon in ihrer Kindheit der Tugend und dem Dienst Gottes geweiht. Da sie zur Jungfrau herangewachsen war und ihre Schönheit sie heftigen Versuchungen aussetzte, verließ sie die Stadt und lebte in der Einsamkeit nach Art der Einsiedler, indem sie von allem Irdischen entfernt, sich bloß mit dem Gebet und himmlischen Betrachtungen beschäftigte. Damals, es war im Jahr 302, verfolgte Diokletian die christliche Religion mit Feuer und Schwert und überall wurden die Bildnisse der Götter öffentlich ausgestellt mit dem Befehl, dass alles Volk bei Verlust des Lebens ihnen seine Verehrung bezeugen und ihnen Opfer bringen sollte. Während dieser für die Kirche Jesu so unglücklichen Zeit, wo so viele ihrer Bekenner aus Furcht eines gewaltsamen Todes abfielen, verließ Marciana ihre Einöde und kam nach Cäsarea, wo sie mit Schrecken und Abscheu die Bildsäule der Göttin Diana und um sie herum eine große Menge Volkes erblickte, das soeben Opfer brachte. Von heiligem Eifer begeistert, riss die christliche Jungfrau die Säule zu Boden und zertrat das Bild der Göttin mit Füssen. Über dieses heldenmütige Unternehmen gerieten die Heiden in Wut. Sie misshandelten die Bekennerin und halbtot schleppten sie sie vor den Richter, der ihr das schändliche Urteil sprach, dass sie den Soldaten zur Befriedigung der unreinen Lust solle ausgeliefert werden.

 

Drei volle Tage und Nächte lang war Marciana den Angriffen ausgearteter Kriegsknechte preisgegeben, und Gott der Allmächtige stärkte sie während dieses schrecklichen Kampfes mit einem solchen Mut, dass ihre Keuschheit unversehrt blieb. Als dem Richter dieses Wunder hinterbracht wurde, schwur er bei den Göttern, dass er den Schimpf, den diese Christin gegen sie verübt hatte, fürchterlich rächen wolle, und er verdammte sie zu den wilden Tieren. Sogleich wurde sie einem der wildesten Löwen vorgeworfen, der aber beim Anblick der Heiligen alle Wildheit ablegte, zu ihren Füßen sich legte und zur Verwunderung aller Zuschauer ihre Hände leckte. Gerührt durch dieses Wunder, verlangte das Volk die Freilassung der heiligen Jungfrau. Aber Burdarius, der Vorsteher der Juden-Synagoge, gab aus Hass gegen die Christin dem beschämten Richter den Rat, auf sie einen wilden Stier loszulassen, der nicht so schonend gegen die Martyrin sein würde. Sein Rat wurde befolgt und der Stier, begleitet von einem Leoparden, einem der blutdurstigsten Tiere, zerrissen in einem Augenblick die Heilige. Zur gleichen Zeit fiel ein Blitz vom Himmel auf das Haus des Juden Burdarius; es stürzte zusammen und erschlug seine Frau und Kinder. Er selbst starb bald darauf in voller Verzweiflung.

 

Der heilige Marcellinus, Bischof und Bekenner von Ancona, Italien,

+ 9.1.555 – Fest: 9. Januar

 

Marcellinus führte von frühester Jugend an ein stilles, heiliges Leben und verachtete irdisches Ansehen und Reichtümer. Sein einziges Verlangen war auf Gott gerichtet und sein rastloses Streben nach Vollkommenheit und Gottseligkeit eines christlichen Lebens. Wegen seiner hohen Tugenden wurde er zum Bischof von Ancona gewählt. In dieser Würde entsprach er vollkommen den Erwartungen, die man sich von ihm gemacht hatte. Mit einem brennenden Eifer verwaltete er das heilige Amt und war in Wort und Wandel, im Glauben und in der Liebe ein aneiferndes Vorbild für seine Gläubigen. In seinem Greisenalter litt er heftige Schmerzen an seinen Füßen, die schließlich seine Glieder ganz lähmten, und zwar so, dass er sich überall, wo er Geschäfte hatte, musste hintragen lassen.

 

Noch im Leben verherrlichte Gott seine Heiligkeit mit der Wundergabe, wie der heilige Gregor erzählt; denn als eines Tages in Ankona eine verheerende Feuersbrunst wütete und ihrer nicht mehr Einhalt getan werden konnte, ließ sich der heilige Oberhirt in der Gegend hintragen, wo es brannte, und auf der Stelle unterdrückte er durch sein Gebet die Flammen. Viele Jahre danach wurde in Ankona noch das Buch gezeigt, in dem er zu beten pflegte und das bei jener Feuersbrunst selbst angebrannt wurde. Bei seinem Grab, in dem er in der Kirche des heiligen Cyriacus beerdigt wurde, geschahen viele Wunder; besonders erhielten auf seine Fürbitte mehrere Blinde ihr Gesicht.

 

Die gottselige Pauline Maria Jaricot,

Stifterin des Vereins zur Verbreitung des Glaubens

und des Lebendigen Rosenkranzes in Lyon, Frankreich,

+ 9.1.1862 – Fest: 9. Januar

 

Pauline Jaricot ist eine jener auserwählten Seelen, die Gott in Frankreich zu einer Zeit berufen hat, wo die Mächtigen und Klugen in den Abgrund der Revolution versanken, um inmitten der Ruinen die Grundlage einer neuen christlichen Gesellschaft zu legen. Die Nächstenliebe, verbunden mit wirklicher Selbstaufopferung, ist diese Grundlage. Sie wird auch zum Neubau unseres zerrütteten deutschen Vaterlandes als sicheres Fundament sich bewähren.

 

Die „Märtyrerstadt“ Lyon barg die Wiege der Pauline Jaricot, die am 22. Juli 1799 einem frommen Kaufmannspaar geboren wurde. Das Kind entsprach der guten Erziehung der Eltern. „Liebe Mama“, seufzte es einmal mit bewegter Stimme, „ich hätte gern einen „Goldbrunnen“, um jedem Elend abzuhelfen, damit es keine Armen mehr gebe und damit niemand mehr weine“. Gerührt nahm die Mutter ihr erst sechsjähriges Töchterchen in die Arme, und was sie ihm zuflüsterte, wurde für Pauline einst selber Licht und Trost, als auch über sie schlimme Tage hereinbrachen: „Gewiss, wir würden uns überaus glücklich schätzen, wenn wir allen Notleidenden ungezählt geben könnten. Doch würde uns es nicht gelingen, dadurch alle Tränen zu trocknen, weil es eben Tränen gibt, die kein Gold zurückdrängen kann. Aber tröste dich: wenn du den lieben Gott recht gerne hast, so wirst du in deiner Seele Reichtum genug finden zur Linderung aller Schmerzen.“ Unverwandten Auges hatte das Kind der Mutter zugehört. Nun einen Kuss ihr auf die Wange drückend, lispelte es bewegt: „Nun denn, liebe Mutter, begehre vom lieben Gott, dass ich ihn gerne habe, damit ich alle Unglücklichen trösten kann.“

 

Und Pauline hatte Gott gerne. Das göttliche Herz Jesu im Tabernakel zog sie mit sanfter Gewalt an sich. Heilige Opferliebe zum Nächsten, besonders zu den armen Arbeitern, beseelte sie zugleich. Aber auch die Weltliebe pochte eindringlich an ihr Herz. Eitelkeit, Gefallsucht und die Anknüpfung einer weltlichen Verbindung nahm sie ganz ein. Es war ein langer Kampf zwischen Gnade und Welt, ein jahrelanger Seelenkampf, in dem die Gnade nur an der heiligmäßigen Mutter der Kämpferin, die Welt aber an den hohen Geistesanlagen, der Anmut und dem Reichtum Paulinens Helferinnen hatte. „Gott war mir Bedürfnis, ein unermessliches Bedürfnis“, so gestand sie. „Durch den Reiz seiner Verwundungen zog er mich zu sich heran und sagte mir, dass alles außer ihm Bitterkeit für mich wäre. Und dennoch ergab ich mich nicht! Mein Herz behielt seine Ketten und zog die Qualen der Knechtschaft dem dargebotenen Frieden vor.“ Wenn sich aber Pauline auch von den Lockungen der Eitelkeit und der menschlichen Liebe einnehmen ließ, so hielt sie sich doch von jeder Makel frei, gleich jenen Wasserblumen, die, wenn sie vom Strom fortgerissen werden, doch ihre weißen Kronen hochhalten und dem Himmel zuwenden. Zu alledem erkrankte Pauline an einem schweren Nervenleiden, so dass ihr alle Glieder den Dienst versagten und sie in allem von ihren Wärterinnen abhängig war. Auch die Mutter wurde schwer krank und starb als Opfer für ihr Kind.

 

Der himmlische Arzt wachte über diesem Kind der Auserwählung. Ein einziger Besuch von ihm, die heilige Kommunion, die Pauline nur auf strengen Befehl ihres Seelsorgers zu empfangen wagte, wobei sie aber aus innerster Seelenangst flehte, wurde ihr das einzig zuträgliche Heilmittel. „Etwas Unaussprechliches ging in mir vor“, gestand sie. Von Stund an konnte die Zunge wieder die Gedanken verständlich ausdrücken, die Glieder wurden lenksamer, die Nervenzuckungen hörten auf. Und doch, ihr Herz widerstand noch weiter dem Ruf der Gnade, bis auch der Seele die Stunde der Genesung schlug. Die Predigt eines heiligmäßigen Priesters, auf den Pauline aufmerksam gemacht wurde, ergriff sie tief. Kurz entschlossen fragte sie ihn hernach , worin die sündhafte Eitelkeit bestehe. Da er ihr die Herzensunschuld aus den Augen leuchten sah, gab er die entschiedene Erklärung: „Für die meisten Frauen besteht diese Eitelkeit darin, dass sie sich aufputzen, um die Blicke auf sich zu lenken und ein Abgott der Geschöpfe zu werden. Für andere beruht sie ganz allein schon in der Liebe dessen, was das Herz gefesselt hält, während Gott es zu höheren Bahnen ruft.“ Ein offenes Bekenntnis der führerlosen Seele im Bußgericht vollendete ihre „Bekehrung“.

 

Diese war eine vollständige, unwiderrufliche. Die bisher so zierlich gekleidete Pauline Jaricot ging jetzt in ärmlichem Gewand, das den Spott der Welt herausforderte, übernahm im Spital die widerlichsten Dienste für die Kranken, legte sich für die Kümmernisse, die sie ihrer frommen Mutter bereitet hatte, eine lange und ihre allzu große Empfindlichkeit überwindende Buße auf und begann überhaupt, im Verein mit armen Arbeiterinnen, eine werktätige Abbitte als Versöhnerinnen des verkannten und verachteten Herzens Jesu. Ein wahres apostolisches Leben, voll strenger Selbstheiligung und angefüllt von den ausgedehntesten Liebeswerken, ein Leben des Seeleneifers, dessen Wohltaten unberechenbar waren, war nun die Aufgabe und das Glück der gottbegnadeten Jungfrau. Dabei waren bei solch heroischer Überwindung schwere Anfechtungen und Leiden nicht verwunderlich. Da war dann der eucharistische Tabor der sichere Zufluchtsort ihrer Seele. Wie durch einen durchsichtigen Schleier nahm dort ihr fester Glaube denjenigen lebendig wahr, dessen Schönheit die ewige Freude der Heiligen ausmacht. Daher ihre raschen Fortschritte, ihre vollkommene Liebe zu Gott.

 

Ein heiliges Feuer trieb Pauline Jaricot für Gott und die heilige Kirche zu arbeiten. Angeregt und begeistert von ihrem Bruder Phileas für das Wohl der Missionen, sann sie eifrig nach einem Mittel, den Missionaren möglichst reichliche Mittel zukommen zu lassen. Da kam ihr eines Abends der Gedanke, wie leicht es wäre, dass jede ihrer Freundinnen unter den armen Arbeiterinnen zehn Genossinnen finden könnte, die für die Verbreitung des Glaubens wöchentlich einen Sou (vier Pfennig) geben würden. Zehn solcher Zehnergruppen (Dekaden) sollte eine Zenturie oder Hundertergruppe bilden, deren Vorsteher die gesammelten Beiträge von den Vorstehern der Zehnergruppen in Empfang nehmen würde. Ein Hauptvorsteher liefert das Sammelergebnis von zehn Zenturienvorstehern an die Zentralkasse ab.

 

Dieser Plan fand gleich anfangs neben ermunternder Zustimmung auch Ablehnung, bis ein Generalvikar von Lyon und hernach auch Pius VII. „den von Gott kommenden Plan“ in seinem ganzen Umfang billigte und der demütigen und gehorsamen Jungfrau, die so Großes zustande gebracht hatte, seinen zärtlichsten Vatersegen gab.

 

Drei Jahre trug Pauline allein die Lasten der Organisation dieses Werkes. „Pauline Maria Jaricot“, sagte später Leo XIII. im Breve vom 13. Juni 1881, „hat den Plan des sogenannten Werkes der Verbreitung des Glaubens entworfen und zur Ausführung gebracht. Es ist dies jene erstaunliche Geldsammlung, die aus dem wöchentlichen Beitrag der Gläubigen bestehend und von den Bischöfen und dem Heiligen Stuhl mit Lobeserhebungen überhäuft, den katholischen Missionen so reichliche Hilfsmittel zuführt.“ Da fand am 3. Mai 1822 in Lyon eine Versammlung von Missionsfreunden statt. Sie nahm den Plan Paulines auf, beschloss seine Ausdehnung auf alle Missionen, entwarf feste Satzungen und übertrug die Verwaltung des Werkes einem Zentralausschuss. An Pauline Jaricot stellte man aber das Ansinnen, ihr Vereinswerk an die neue Organisation abzutreten. Sie war demütig und großherzig genug, es zu tun, in der Überzeugung, dass ihr Werk in der Hand angesehener Männer rascher sich entwickeln würde als unter der Leitung eines jungen Mädchens. Daher kam es aber dann, dass ihre Verdienste in Vergessenheit gerieten und sie später vom Verwaltungsrat nicht mehr als Stifterin des Vereinswerkes anerkannt wurde.

 

Ein zweites Mal bediente sich Gott ihrer schwachen Hand, um Großes zu vollbringen. Tief bewegten die edle Seele die vielen sittlichen Schäden der Gesellschaft, der allgemeine Leichtsinn des Volkes und die geringe Gebetslust. Von 1826 an verließ Pauline fast gar nicht mehr den Tabernakel. Da sie von den wunderbaren Wirkungen des Rosenkranzgebetes hörte, so nahm sie den Gedanken auf, dieses Gebet so zu organisieren, dass immer fünfzehn Teilnehmer je ein bestimmtes Gesätz täglich beten, miteinander also den ganzen Rosenkranz täglich fertig bringen. Diese Übung wurde allmählich unter dem Namen „Lebendiger Rosenkranz“ von der ganzen Welt angenommen, wenngleich auch der böse Feind sich alle Mühe gab, sie in ihrem Entstehen zu unterdrücken. Auf Vermittlung und unter dem Schutz des Kardinals Lambruschini, der Pauline zeitlebens sehr gewogen war, gab auch der Heilige Vater seinen Segen und 1836 ließ der Ordensgeneral der Dominikaner allen Vereinsgenossen des Lebendigen Rosenkranzes die geistlichen Vorteile seines Ordens zuteilwerden.

 

Die Leitung dieses Vereins war Paulines hauptsächliche Aufgabe. Mündlich und schriftlich gingen immer wieder ihre Aufmunterungen hinaus an die zahlreichen Vereinsförderer. In ihr „Loretto“ auf dem berühmten Fourviére-Hügel von Lyon, wo sie mit einigen gleichgesinnten Jungfrauen, der „Gesellschaft Mariä“, beisammen wohnte, kamen Bischöfe, Ordensleute, Missionare, Rat- und Hilfesuchende aller Art. Sie hatten alle Anlass, die Freigebigkeit und Liebenswürdigkeit der geistvollen, seelenkundigen und bisweilen prophetischen Pauline Jaricot zu preisen.

 

Doch diese für Gottes Reich und des Nächsten Wohl so rastlos tätige Jungfrau wollte Gott auch noch in die Feuerglut der Leiden nehmen, um das Gold der Heiligkeit, das in dieser armen, zuletzt bitter armen und verlassenen Dulderin verborgen war, klar und rein herauszuschmelzen. Schon in dem Revolutionssturm 1834, wo die Kugeln der Aufständischen und der Verteidigungstruppen sich über dem Besitztum Paulines trafen, litt die noch dazu schwer erkrankte Dienerin des Herrn Unsägliches.

 

Ihr Herzleiden war damals nach dem Urteil der Ärzte hoffnungslos. Da entschloss sich die glaubensstarke Jungfrau zu einer Reise zum Grab der heiligen Philomena in Mugnano in Süditalien, wo damals viel Wunderbares sich ereignete. Schier leblos kam sie mit dem Wagen in Rom an. Zweimal empfing sie dort den Besuch des Vaters der Christenheit, Gregors XVI., der ihr in eigener Person für die zwei großen Vereinswerke dankte, wodurch sie sich um die Kirche wohl verdient gemacht hatte. In Mugnano aber fand die schwer Leidende zum Fest der heiligen Philomena, am 10. August 1835, die Gesundheit wieder. Das Wunderbare dieses Ereignisses ist über alle Zweifel sicher gestellt.

 

Ein anderes Leiden sollte die gottselige Pauline zur Märtyrin machen. Von klarem Blick getragen für die sozialen Übel der Zeit, die sich erst in unseren unglücklichen Tagen vollends auswirkten, wollte sie eine christliche Arbeiterkolonie schaffen, die vollen Anteil am Ertrag der Arbeit haben sollte. Hierzu kaufte sie ein großes Hüttenwerk an. Alle Bedingungen eines guten Gedeihens schienen gegeben. Aber der Leiter und Vertreter Paulines war ein treuloser Verräter und Schwindler, der die Gelder für sich verwendete. Nicht nur war das eigene große Vermögen verloren, auch viele andere, darunter arme Arbeiter, die ihre Ersparnisse in dem neuen Werk angelegt hatten, kamen zu Schaden. Darunter litt Pauline unvorstellbar, vierzehn Jahre lang hindurch. Nichts konnte den Ruin aufhalten, keine noch so schweren, verdemütigenden Bittgänge, keine hilfsbereiten Rettungsversuche angesehener Freunde. Sie konnten kaum die Zinsen decken. Auf das Zeugnis des Kardinals Villecourt, der Pauline von Jugend auf kannte und hochschätzte, erklärte sogar Papst Pius IX., es sei eine Gerechtigkeitspflicht des Vereins der Glaubensverbreitung, für das neue, bedrohte Liebeswerk seiner Gründerin einzutreten. Der Verwaltungsrat erlaubte nicht einmal eine freiwillige Sammlung der Mitglieder. Die einst so gefeierte Pauline Jaricot starb an ihrem großen Herzeleid, heilig und erbaulich, wie sie gelebt hatte, unter den Worten: „O Paradies, wie schön bist du! . . . O Glück ohne Ende! O göttliches Licht! . . . Verzeih deinen Kindern, wie wir denjenigen verzeihen, die uns beleidigt haben . . . Maria, meine Mutter, ich bin ganz dein!“

 

Die Vorarbeiten für den Seligsprechungsprozess wurden eingeleitet.

 

Kardinal Villecourt tat über Pauline Jaricot den Ausspruch: „Die Lage dieser wahren Tochter der Kirche ist ein Rätsel, das niemand lösen kann. In allem liegt etwas Außerordentliches, so dass man sich nicht des Gedankens zu erwehren vermag, so große Prüfungen haben wohl nur darin ihren Grund, dass Pauline in ganz besonderer Weise vorherbestimmt war, ein Schlachtopfer zu werden.“ Alle großen Werke, besonders die Werke der Liebe und Missionstätigkeit gedeihen nur unter großen Opfern.

 

*       *       *

 

Die gottselige Pauline Jaricot,

Wohltäterin und Vereinsgründerin in Lyon, Frankreich,

+ 9.1.1862 – Gedenktag: 9. Januar

 

In Pauline Jaricots Jugendzeit wäre wohl niemand auf den Gedanken gekommen, dass in ihr eine große Frau steckte, denn das Mädchen Pauline war sehr eitel. Die Schuld daran trug der eigene Vater. Pauline erhielt nämlich alle Monate ein neues Kleid, eines kostbarer als das andere. Prachtvolle Pelze besaß sie. Goldene Ketten, Spangen und Ringe schmückten des Mädchens Hals und Hände, und ein Krönlein aus echten Perlen gab ihm das Ansehen einer Königstochter. Wie sehr Pauline dieses Leben gefiel, zeigt jene Tatsache, dass sie sich bei der Hochzeitsfeier einer älteren Schwester die Schuhsohlen durchtanzte und auf den Strümpfen heimgehen musste.

 

Nein, Pauline Jaricot war damals noch keine Heilige. Ganz plötzlich trat dann bei ihr eine Wendung ein. Gold und Perlen wurden zu Geld gemacht, um für die Armen Brot zu kaufe. Aus den kostbaren Seidenstoffen ihrer Kleider entstanden Messgewänder. Im schlichten Gewand einer Magd ging das reiche Mädchen in die Spitäler, um die Kranken zu pflegen, und in die Fabriken ging es, um veredelnd auf die jungen Arbeiterinnen einzuwirken. Die vornehmen Leute schüttelten über Pauline den Kopf. Fräulein Jaricot kümmerte sich jedoch nicht darum.

 

Das alles war erst der Anfang des neuen Lebensweges, den die Millionärin eingeschlagen hatte. Nachdem sie nämlich fast ihr ganzes Vermögen verschenkt hatte, gründete sie das sogenannte Werk der Glaubensverbreitung, das ist ein Verein, der es sich angelegen sein lässt, aus kleinen und kleinsten Spenden Unterstützung für die Mission zu sammeln. Dieser Verein, der über die ganze Welt verbreitet ist, hat in über 150 Jahren gewaltige Leistungen vollbracht, und wenn heute in den Missionsländern stellenweise jeder vierte oder dritte gelbe oder schwarze Mensch ein Katholik ist, so fällt ein Hauptverdienst an den großen Erfolgen in der Bekehrung der Heiden Pauline Jaricot zu.

 

Pauline Jaricot hat ferner mitgeholfen, den Kindheit-Jesu-Verein zu gründen, dessen allererstes Mitglied sie war und der sich in überaus segensreicher Weise der armen Heidenkinder in den Missionsländern annimmt, sie loskauft, in Kinderheimen unterbringt, unterrichtet, tauft und christlich erzieht. In die Hunderttausende ging die Zahl der losgekauften Kinder, die ohne die Beiträge des Kindheit-Jesu-Vereins vielleicht für Zeit und Ewigkeit verlorengegangen wären.

 

Pauline Jaricot hat also an die Armen und die Heiden ein Millionenvermögen verschenkt, und so geschah es, dass die edle Frau in größter Armut starb. Aber als sie gestorben war, kamen ihr hunderttausend Engel entgegen und führten sie in einem mächtigen Triumphzug in den Himmel vor Gottes Thron, und es waren die hunderttausend Engel die Seelen jener verstorbenen Heidenkinder, die durch den Kindheit-Jesu-Verein losgekauft und getauft werden konnten.

 

 

1930 wurde das Verfahren zur Seligsprechung eingeleitet, Papst Johannes XXIII. erklärte sie 1963 zur "ehrwürdigen Dienerin Gottes". Nach der 2020 erfolgten Anerkennung eines durch ihre Fürbitte gewirkten Wunders ist ihre Seligsprechung für 2022 zum 200-jährigen Jubiläum des Missionsverein zu erwarten.

 

Der selige Murcherad (Muricherodachus), Einsiedler,

+ 9.1.1080 – Gedenktag: 9. Januar

 

Schon vor dem seligen Marianus war der Irländer Murcherad nach Regensburg gekommen. Er lebte in einer Klause, die an das Kloster Obermünster angebaut war, ein gottgeweihtes beschauliches Leben. Als Marianus in Regensburg angekommen, eine Wallfahrt nach Rom unternehmen wollte, gab ihm Murcherad den heilsamen Rat in dieser Stadt zu bleiben und ein Kloster für seine Landsleute zu gründen. So hat man die Entstehung der sogenannten Schottenklöster in Deutschland diesem seligen Diener Gottes zu danken. Marianus erkannte aber auch durch göttliche Erleuchtung, dass der Rat seines Freundes Gottes Wille sei. Murcherad blieb indessen in seiner Klause, verharrte in unablässigem Gebet und beschloss sein heiliges Leben noch vor dem Abt Marian, am 9. Januar 1080.

 

Der heilige Petrus von Sebaste, Bischof und Bekenner in Armenien,

+ 9.1.387 – Fest: 26. März / 9. Januar

 

Der heilige Petrus von Sebaste stammte von einem sehr alten und vornehmen Haus ab. Es zählt, nach dem heiligen Gregor von Nazianz, eine lange Reihe berühmter Helden. Aber seit vielen Jahrhunderten liegen ihre Namen im Dunkel der Vergessenheit begraben, und wir wüssten nicht einmal, dass es sie jemals gab, wenn ihr Stamm nicht Heilige hervorgebracht hätte, deren Andenken in den Jahrbüchern der Kirche ehrfurchtsvoll aufbewahrt wurden. Drei von ihnen waren zu gleicher Zeit Bischöfe. Und welch große Bischöfe! Ein heiliger Basilius, ein heiliger Gregor von Nyssa, ein heiliger Petrus von Sebaste! Sie wurden zur erhabensten Tugend herangebildet, durch ihre ältere Schwester Makrina, die die Sorge ihrer Erziehung auf sich genommen hatte. Ihre Eltern waren der heilige Basilius, der Ältere genannt, und die heilige Emmilia (Sie wurden beide des Glaubens wegen unter Maximian Galerius verbannt und genötigt, sich in die Einöden von Pontus zurückzuziehen. Das römische Martyrologium erwähnt ihre Namen am 30. Mai.). Ihre Großmutter war Makrina, mit dem Beinamen: die Ältere, die von dem heiligen Gregor, dem Wundertäter, in der Wissenschaft des Heils unterwiesen worden.

 

Petrus, den die Kirche heute verehrt, war das jüngste von zehn Kindern, aus der Ehe des heiligen Basilius und der heiligen Emmilia. Da er in seinen zartesten Jahren seinen Vater verlor, hatte er das Glück, in die Hände seiner Schwester Makrina zu kommen, die ihn nach den erhabensten Grundsätzen der christlichen Frömmigkeit erzog. Sie wollte nicht, dass er sich auf die weltliche Gelehrsamkeit verlege, und wusste seine verschiedenen Übungen so zu wechseln, dass ihm für nichtsbedeutende Dinge kein Augenblick übrigblieb. Durch diese Verschiedenheit der Beschäftigungen empfand der kleine Petrus nichts von verdrießlicher Langeweile, und gewöhnte sich unbemerkt an ein ernstes und tätiges Leben. Gelehrig auf die Stimme seiner verehrungswürdigen Schwester, die ihn mehr durch ihr Beispiel, als ihre Reden unterrichtete, machte er täglich neue Fortschritte in der Erkenntnis göttlicher Dinge, und auf den Wegen der Vollkommenheit.

 

Die heilige Emmilia hatte zwei Klöster gestiftet, eins für Männer, das andere für Frauen, und übertrug die Leitung des ersten ihrem Sohn Basilius, und die des andern ihrer Tochter Makrina. Petrus, dessen einziges Verlangen war, den Samen der Gottseligkeit, der früh in sein Herz eingestreut worden war, zu Früchten für die Ewigkeit heranwachsen zu sehen, vereinigte sich mit den Jüngern seines Bruders, dem er auch 362 als Abt der heiligen Genossenschaft nachfolgte. Mehrere Jahre stand er diesem Amt mit ebenso großer Weisheit als Heiligkeit vor. Und die schreckliche Hungersnot, mit der damals Pontus und Kappadocien so hart heimgesucht waren, gab ihm Gelegenheit, die glänzendsten Beweise seiner Nächstenliebe abzulegen. Ein Abt, der kein Heiliger gewesen wäre, hätte seine Almosen mit sogenannter klugen Sparsamkeit ausgeteilt, unter dem Vorwand, seinen Brüdern eine sichere Quelle gegen die schrecklichste aller Plagen offen zu halten. Allein Petrus hatte die Grundsätze der christlichen Nächstenliebe in einer anderen Schule, als der der menschlichen Klugheit geschöpft. Mit väterlicher Liebe nahm er alle Arme auf, die täglich zu ihm hinströmten, und verwendete zur Erleichterung ihres Elends nicht nur die Einkünfte des Klosters, sondern auch noch unermessliche Summen, die er von mehreren Menschenfreunden bezog.

 

Der heilige Basilius, der im Jahr 370 zum Bischof von Cäsarea in Kappadocien erwählt worden war, weihte ihn zum Priester, und der heilige Abt betrachtete diese erhabene Würde als eine neue Verpflichtung, immer mehr und mehr nach evangelischer Vollkommenheit zu streben. Mit doppeltem Eifer ergab er sich daher den Übungen der Frömmigkeit und der Erfüllung seiner Amtspflichten. Er lebte in seinem Kloster bis zu dem Tod des Eustathius (ein erklärter Arianer), dem er auf dem bischöflichen Stuhl von Sebaste 380 folgte. Dieses Bistum fand er in der traurigsten Zerrüttung. Der Arianismus, der von seinem Vorgänger öffentlich gelehrt worden war, hatte tiefe Wurzeln gefasst. Niemand war aber auch geeigneter als er, das Gebäude der Wahrheit auf den Trümmern des Irrtums wieder herzustellen, und man zweifelte nicht, dass seine Wahl die Wirkung einer besonderen Fürsorge Gottes gegenüber der Kirche von Sebaste gewesen sei.

 

Die Geschichte sagt uns zwar nichts von dem, was er während seines bischöflichen Hirtenamtes tat, nur wissen wir, dass er der allgemeinen Kirchenversammlung von Konstantinopel 381 beiwohnte, und mit den übrigen Bischöfen die Verdammung der Macedonianer, die die Gottheit des Heiligen Geistes leugneten, unterschrieben hat. Das ganze ehrwürdige Altertum spricht aber einstimmig von dem Lob seiner Heiligkeit, seines Eifers und seiner Klugheit. Er starb spätestens um das Jahr 387. Man rechnet ihn zur Zahl der kirchlichen Schriftsteller hinzu wegen eines Briefes, den er an den heiligen Gregor von Nyssa schrieb, und den man an der Spitze der Bücher dieses Vaters gegen Eunomius findet. Wir lesen beim heiligen Gregor von Nyssa (Es scheint, dass das schon in den ersten Jahren nach seinem Tod geschah.), dass die Einwohner von Sebaste sein Andenken mit dem mehrerer Märtyrer ihrer Stadt öffentlich verehrten. Das römische Martyrologium erwähnt am 9. Januar seinen Namen.

 

Nichts mag unserer Bewunderung würdiger erscheinen, als eine ganz aus Heiligen bestehende Familie. Allein wem sollen wir dieses Wunder zuschreiben? Gott, und dann den Beispielen, den Gebeten und Mahnungen der heiligen Makrina, der Älteren. Vor allem verpflanzte sie auf ihre Abkömmlinge jenen Geist der Abtötung, ohne den es kein wahres Christentum gibt. Und all die Heiligen aus ihrer Familie strebten, statt von ihrer verehrungswürdigen Großmutter in ihren Sitten sich zu entfernen, vielmehr ihr Leben in sich zu erneuern, und bemühten sich, auch anderen die Liebe zu einer Tugend einzuflößen, die die Seele aller ihrer Handlungen war. Hören wir den heiligen Gregor von Nyssa über die Abtötung der Sinne: „Wir dürfen keine Anhänglichkeit zu irgendetwas in uns tragen, vor allem, wenn zu befürchten ist, dass das erlebte Vergnügen eine Leidenschaft in uns entflammen könnte. Unsere erste Sorge sei, gegen die Sinnlichkeit im Essen, die Unverdorbenheit des menschlichen Geschlechts, die Mutter des Lasters, uns zu verwahren. Stets müssen wir die Vorschriften der strengsten Mäßigkeit beobachten, nie die Befriedigung der Sinne zu unserem letzten Ziel und Ende machen, und nur aus Notwendigkeit uns den Genuss der Dinge gestatten, mit denen Lust verknüpft ist.“ Er will ferner, dass man die Abtötung des Willens mit der Abtötung der Sinne verbindet. „Der Christ,“ sagt er, „der die Welt verachtet, soll sich selbst so entsagen, dass er nie aus seinem Willen handelt, um in allem nur den Willen Gottes zu suchen. Gott ist unser Herr, sein Wille soll also die unwandelbare Richtschnur unseres Verhaltens sein.“ Der heilige Basilius schärft ebenfalls sehr nachdrücklich die Pflicht ein, uns selbst abzusterben, damit Jesus Christus in uns lebt, und alle unsere Neigungen und Handlungen das Gepräge seines Geistes tragen.

 

Der heilige Felan/Fillan von Schottland, Einsiedler-Abt,

+ 9.1.750 – Fest: 9. Januar

 

Der heilige Felan gewann die Liebe zur Tugend sowohl durch den Unterricht als auch durch das schöne Beispiel Feriachs, seines Vaters, und der heiligen Kentigerna, seiner Mutter. Alle Vorteile, die ihm eine edle Gegurt und große Reichtümer versprachen, vermochten nicht, ihn in der Welt zurückzuhalten. Er wählte die klösterliche Einsamkeit bei der Stadt St. Andrews und empfing das Ordenskleid aus den Händen eines heiligen Abtes, Mundus genannt. Er liebte so sehr die Abgeschiedenheit von aller Welt, dass er mehrere Jahre in einer Zelle, die in einiger Entfernung vom Kloster erbaut war, verlebte. Und nicht ohne große Mühe konnte man ihn bewegen, sie zu verlassen, als er zum Abt erwählt worden war. Seine Tugend glänzte nun auf diesem Leuchter desto heller. Einige Zeit später legte er die Verwaltung der Abtei nieder, um sich zu Congan, seinem mütterlichen Oheim, an einen Ort, Siracht genannt, zurückzuziehen, der sich auf dem Berg Glendarchi, jetzt in der Grafschaft Fife, befand. Von sieben anderen frommen Personen unterstützt, erbaute er da eine Kirche, und führte lange Zeit bei ihr ein sehr frommes Leben. Er besaß auch die Gabe der Wunder. Er starb im siebten Jahrhundert und wurde zu Straphillin begraben, wo seine Reliquien stets verehrt wurden. Sein Name ist in dem alten schottischen und irländischen Kalender sehr berühmt (Alles, was vom heiligen Felan gesagt ist, ist aus dem Brevier von Aberdeen gezogen, und aus seiner handschriftlichen Lebensbeschreibung, die im schottischen Kollegium zu Paris aufbewahrt wird.). Schottlands Geschichtsschreiber ordnen dem Schutz des heiligen Felan den vollkommenen Sieg zu, den Robert Bruce über die Angelsachsen zu Bonnocborn, unweit von Sterling, erfochten hatte. Die Besiegten waren so geschlagen, dass Eduard II., ihr König, sich genötigt sah, über den Fluss Tweed, in einem Schiffernachen, mit einem einzigen Begleiter, zu setzen. Man darf aber diesen Heiligen nicht mit dem heiligen Finian, Bischof von Lindisfarn, verwechseln (16. März).

 

Gebet am 9. Januar

 

Große Mutter Gottes, rede, meine Königin, denn dein Kind hört dich an, und du erlangst alles, um was du bittest. Verwende dich auch für uns Elende, o Maria, unsere Fürsprecherin. Bedenke, dass du um unsertwillen eine so große Macht, eine so hohe Würde erhalten hast. Deshalb hat Gott dein Schuldner werden wollen, indem er nämlich von dir seine menschliche Natur annahm, damit du nach Belieben den Elenden die Schätze der göttlichen Barmherzigkeit austeilen möchtest. Wenn du allen Gutes tust, selbst denen, die dich nicht kennen und ehren, ja die dich sogar beleidigen und hassen: um wieviel mehr dürfen wir alsdann von deiner Barmherzigkeit hoffen, da du den Elenden aufsuchst, um ihm zu helfen. Um wieviel mehr dürfen wir alsdann von dir hoffen, die wir dich ehren, dich lieben, auf dich vertrauen. Amen. 

 

Zu den Heiligen Gottes

 

Bittet für mich, ihr Heilige Gottes, dass ich alle List des Teufels besiege, und mich so zur ewigen Glorie vorbereite, damit ich in das "Buch des Lebens" eingeschrieben werde, und mich selbst niemals durch irgendeine Sünde aus ihm vertilge. 

 

Zu Jesus Christus

 

Erwecke, o Herr, in allen Deinen Kindern den Eifer für Deine Ehre und das gemeinsame Heil, dann wird das Ansehen der Eltern allzeit heilbringend und heilig wirken, und die Folgsamkeit der Kinder allzeit gerecht und verdienstlich sein. Die ganze Gesellschaft wird in allen Ständen die wahren Jünger deines Evangeliums sich vermehren sehen. Amen. 

 

Andenken an die seligste Jungfrau

 

Im heutigen Leben der heiligen Basilissa wird berichtet, dass sie nach dem Entschluss, jungfräulich zu leben, die Himmelskönigin in einem Chor der Jungfrauen gesehen hat, die ihr Glück wünschten, und sie der ewigen Glorie fähig erklärt hat, wobei sie aus ein ihr in dem Gesicht vorgehaltenes, mit goldenen Buchstaben geschriebenes Buch gelesen habe: "Basilissa, die eines reinen Herzens ist, soll ihre Ehrenstelle unter den Jungfrauen haben, deren Haupt und Königin die Mutter Jesu ist!"

 

Andacht am 9. Januar:

 

Das Thema im Januar:

Von der Liebe Jesu

"Wer den Herrn nicht liebt, sei verflucht!" (1. Korinther 16,22)

 

"Ein Kindlein wurde uns geboren! Der Sohn Gottes ist es, der ein Kindlein wurde, auf dass du ein vollkommener Mann wirst. In Windeln liegt Er gehüllt, dass du aus dem Netz des Todes errettet wirst; auf Erden ist Er, damit Du im Himmel wohnen kannst." (Der heilige Ambrosius)

Der von Liebe flammende heilige Franziskus rief aus: "Lieben wir das Kindlein von Bethlehem, das, unsere Herzen zu gewinnen, uns so große Beweise Seiner Liebe gegeben hat! Und wenn wir es denn lieben, erweisen wir Ihm Liebe um Liebe; grenzenlose Liebe, um Seine unendliche Liebe für uns!"

Hegen wir lebendiges Verlangen, das Kindlein Jesus zu lieben, wie der heilige Täufer Johannes, der durch Ihn geheiligt wurde, als beide noch vom Mutterleib umschlossen waren; wie die Engel, die Seine Geburt frohlockend in den Lüften verkündigten; wie die Hirten, die eilig bis nach Bethlehem gingen, Ihn zu besuchen; wie die Weisen, die vom Morgenland kamen und Ihm Geschenke darbrachten; wie der heilige Greis Simeon, der Ihn in seine Arme nahm und liebreich umfing; wie Maria und Joseph, die Ihn mit dem Wohlgefallen der Liebe ansahen und freudig über die Dinge erstaunten, die von Ihm gesagt wurden. Bitten wir Maria, ihrem göttlichen Sohn uns vorzustellen, und uns zu gestatten, dass wir Ihm unsere tiefste Ehrfurcht und zarteste Liebe erzeigen. Opfern wir Ihn Gott dem Vater, und bringen wir durch diesen Gott in kindlicher Gestalt Ihm unsere Huldigung dar. Flehen wir endlich ohne Unterlass zu unserem gütigen Erlöser: o Jesus, sei mir ein Jesus!

 

Wer, o schönster und reinster Jesus könnte sich je erwehren, Dich zu lieben? Und, ach, wie vermochten es die, die Dich liebten, Deine Liebe so oft zu beleidigen! O verzeih, Du barmherzigstes Knäblein, und erbarme Dich meiner und meiner Brüder und Schwestern! Je tiefer Du um meinetwillen Dich erniedrigst, um so teurer bist Du meinem Herzen! Amen.

 

Ein Gedanke heiliger Dominikaner am 9. Januar

 

"Die wahre Liebe muss tätig sein;

wenn sie sich weigert tätig zu sein, ist sie keine Liebe."

 

hl. Thomas von Aquin OP

1225 bis 7.3.1274

 

Betrachtung am 9. Januar - Andere Quellen des Unglaubens

 

Des Glaubens Licht gab, Herr, uns deine Güte,

Dass es vor falschem Irrweg uns behüte.

Doch, ach, mehr liebt die Welt die Finsternisse,

Und flieht das Licht, das sie der Nacht entrisse.

 

1. Niemals vielleicht war der Unglaube höher gestiegen als in den letzten Zeiten. Den Ruhm eines gebildeten, aufgeklärten Menschen zu erlangen, genügte es, alle Geheimnisse der Religion zu verwerfen, die Priester zu schmähen und zu verleumden, und das Sittengesetz einer allgemeinen Emanzipation des Fleisches auszusprechen. Überströmt wird die Welt mit irreligiösen Schriften, falschen Legenden, Geschichten, Romanen, die alle auf mehr oder minder schlaue Weise dahin zielten, die Religion in einem lächerlichen oder verhassten Licht darzustellen. Und gierig griff die Jugend zu diesen Büchern, sog ihr Gift ein, und spottete dann ungläubig der Religionslehren. Welche Früchte dieser Unglaube brachte, dies zeigen uns die politischen Stürme und das Sittenverderbnis.

 

2. Manche Gelehrte auch, die nur darauf ausgingen, durch Erfindungen und neue Systeme berühmt zu werden, nahmen in ihren Schriften Wahres und Zweifelhaftes, richtige Beobachtungen und gewagte Vermutungen auf, und trugen mit allem Scharfsinn Systeme vor, die mit der mosaischen Schöpfungsgeschichte geradezu im Widerspruch standen. Junge Männer aber, die bereits einige Vorkenntnisse in den Wissenschaften besaßen, wurden über diesen falschen Schimmer entzückt und nahmen mit Vergnügen eine Theorie an, die von dem Joch eines geheiligten Ansehens sie befreite. Keiner aber bedachte, dass jene eitlen und falschen Geschichten, so wie diese philosophischen Behauptungen oft und mit größter Klarheit widerlegt wurden, und dass die Tatsachen, auf die das Christentum sich gründet, deutlicher erwiesen sind, als alle Tatsachen der römischen und griechischen Geschichte. 

 

3. Endlich brachte die unglückselige Neuerungssucht und die eitle Wut, immer weiter fortzuschreiten und sogar die Religion zu vervollkommnen, eine Unzahl Schriften hervor, die  viele Gemüter verwirrten, und gänzlichem Unglauben entgegenführten. Gleich als leuchtete nicht eine Sonne allen Generationen, als wäre die Wahrheit wandelbar wie die Lüge, und als ginge die Ewigkeit in der Zeit vorüber. Aber "die Wahrheit des Herrn bleibt in Ewigkeit". Würden alle Schriften, die dahin zielen, den Glauben zu vernichten, durch einen wohltätigen Brand vernichtet: wie viele Schriften echter Gelehrtheit würden wohl von der Hälfte des verflossenen Jahrhunderts erübrigen. Apostelgeschichte 19,19: "Und nicht wenige, die Zauberei getrieben hatten, brachten ihre Zauberbücher herbei und verbrannten sie vor aller Augen."

 

10. Januar

 

Der heilige Marzianus (Marcian), Priester von Konstantinopel,

+ 10.1.489 - Fest: 10. Januar

 

Der heilige Marzianus, Beichtvater, Priester und Ökonom der Kirche zu Konstantinopel zu den Zeiten des Kaisers Marzian, machte durch Fasten und Almosen sein Gebet wohlgefällig und angenehm vor Gott. Keinen Tag ließ er jemals einen Armen leer von sich gehen, und zur Nachtzeit besuchte er die Bedürftigen der Stadt, um ihnen helfen zu können. Einst hatte er nichts mehr als nur ein einziges Kleidungsstück, und selbst dieses gab er noch einem Armen hin. Dafür empfing er aber in einer Erscheinung ein goldenes Gewand vom Himmel im Jahre Christi 472. – Reiche dem Armen dar, wenn du Gott zu deinen Schuldner machen willst!

 

Aus dem Römischen Martyrologium:

 

Der heilige Marcian wurde im Anfang des 5. Jahrhunderts aus einem alten adeligen Geschlecht zu Rom geboren und kam mit seinen gottesfürchtigen Eltern nach Konstantinopel, wo er eine in jeder Hinsicht so treffliche Erziehung erhielt und als junger Mann durch so hohe Tugenden sich auszeichnete, dass er allgemein bewundert wurde und dass der Patriarch von Konstantinopel ihn für würdig hielt, ihm die Priesterweihe zu erteilen. In diesem heiligen Stand offenbarte sich seine Frömmigkeit von Tag zu Tag mehr, und er wurde schließlich mit Übereinstimmung der ganzen Geistlichkeit zum Probst der Patriarchalkirche gewählt, was die höchste Würde nach dem Erzbischof war, und in welchem Amt er die Verwaltung der ungeheuren Kirchenschätze auf sich hatte. Mit so großen Versuchungen dieses Amt verbunden war, so gerecht verwaltete er es, und um seine Sinnlichkeit gänzlich zu unterdrücken, führte er ein armes, abgetötetes Leben, und verwendete nicht nur die ansehnlichen Güter, die er von seinen Eltern geerbt hatte, sondern auch sein ganzes Einkommen dazu, das Elend der Armut zu lindern und unglückliche Verführte wieder auf den Weg der Tugend zu führen. Aus dieser Ursache suchte er unermüdet die Hausarmen auf und verbesserte ihre häuslichen Umstände mit größter Freigebigkeit, damit sie nicht gezwungen wurden, ihre Töchter dem Laster Preis zu geben.

 

Mit unermüdetem Eifer sorgte der heilige Marcian auch für den Schmuck und die Reinlichkeit der Gotteshäuser. Von seinem eigenen Geld erbaute er in Konstantinopel die prächtige und kostbare Kirche der heiligen Anastasia und die des heiligen Isidor, weswegen ihn Gott noch in seinem Leben mit der Gabe der Wunder verherrlichte. Denn als eines Tages in Konstantinopel eine heftige Feuersbrunst entstand, die eine ganze Reihe Häuser in Asche gelegt und auch die Kirche der heiligen Anastasia schon ergriffen hatte, begab sich Marcian auf das Dach der Kirche und von den Flammen umgeben, flehte er unter häufigen Tränen zu Gott und plötzlich war das Feuer gelöscht und so das herrliche Gotteshaus gerettet. In dieser Kirche der heiligen Anastasia ereignete sich das Unglück, dass eine Frau in gesegneten Umständen von dem hohen Säulengang herabstürzte und tot auf der Erde lag. Das laute Wehklagen der Herumstehenden rief den heiligen Marcian herbei, der, gerührt durch diesen schrecklichen Anblick, sich auf die Knie warf, einige Zeit in der Stille betete, dann die Unglückliche mit dem heiligen Kreuz bezeichnete und zum Leben erweckte.

 

So lebte und wirkte der heilige Marcian für die Ehre Gottes und für das Seelenheil seiner Mitmenschen bis in sein hohes Alter, wo er am 10. Januar des Jahres 472 im höchsten Ruhm seiner Heiligkeit starb. Sein Leichnam wurde im Kloster des heiligen Johannes des Täufers feierlich beigesetzt.

 

Der gottselige Gundisalvo von Amarantha in Portugal, Priester und Mönch,

+ 10.1.1259 – Gedenktag: 10. Januar

 

Im Land Peru, das dem Zepter Karl V. unterworfen war, hatte sich der Statthalter Gonzalez Pizarro empört und die Herrschaft über dieses große Reich an sich zu reißen gesucht. Einer seiner Genossen an diesem Verbrechen war Gundisalvo von Barcelona, der als General an der Spitze des Rebellenheeres stand. Die Empörer wurden geschlagen und Gundisalvo musste flüchten. Nachdem er sich verkleidet einige Tage im dichten Gesträuch am Saum der Wälder aufgehalten und kümmerlich sein Leben gefristet hatte, vernahm er an einem Sonntagmorgen die Glockentöne einer ziemlich nahen Kirche. Der Schall der Glocken bewegte sein Herz, es zog ihn hin in das Gotteshaus, um dort dem Gebot der Kirche Genüge zu leisten und im Gebet Trost zu suchen. Unbekannt und unbeachtet betrat er die Kirche und stellte sich dort hinter eine Säule, des Willens und der Hoffnung, nach beendigtem Gottesdienst in Sicherheit wieder weiter zu ziehen. Wie groß aber war seine Bestürzung, als er jetzt von der Kanzel herab eine Verordnung des Vizekönigs verlesen hörte, durch die allen, die an dem Aufruhr teilgenommen hatten, volle Begnadigung zugesichert wurde. Einer allein aber war von dieser Begnadigung ausgeschlossen, für vogelfrei erklärt und zum Tode verurteilt. Und dieser eine war – Gundisalvo. Totenblässe überzog sein Gesicht. Besorgt, der Ausdruck des Schreckens möchte ihn den Anwesenden kenntlich machen, zog er sich in eine kleine Seitenkapelle zurück, wo ein der „schmerzhaften Mutter“ geweihter Altar sich befand. Hier warf er sich auf die Knie und flehte aus der Tiefe seines Herzens zur Mutter der Gnade um Rettung aus der selbst verschuldeten Not. Da erwachte in seinem Innern plötzlich ein Lichtgedanke, der ihn völlig umwandelte und zu einem großartigen Entschluss beseelte.

 

Er verließ die Kirche, durchzog dann die finsteren Wälder, bis er endlich glücklich das unzugängliche Hochgebirge der Kordilleras (Gebirgsketten) erreichte. Dort wählte er sich eine Felsenhöhle zur Wohnung, wo er sich von Waldfrüchten nährte und in Reue und Buße sein bisheriges Leben beweinte. Nach Verlauf einiger Zeit fühlte er sich angetrieben, aus seiner Einsamkeit hervorzugehen, und den halbwilden Einwohnern, in deren Sprache er schon geübt war, das heilige Evangelium zu verkünden. Sein Eifer wurde von wunderbarem Erfolg gekrönt. Eine große Menge bekehrte sich, und der Ruf hiervon verbreitete sich bis in die Hauptstadt des Landes. Als der Vizekönig hiervon Nachricht erhielt, begnadigte er auch ihn, berief ihn zurück und gab ihm einen passenden Dienst. Gundisalvo wurde dann Missionar und ließ sich später im Spital verwenden, wo er gottselig starb.

 

Von jemanden, der sich über eine so schnelle und gründliche Bekehrung verwunderte, befragt, was er wohl in seinem vorigen Leben Gutes gewirkt, wodurch er eine so große Gnade erlangt haben mochte, erzählte ihm Gundisalvo: als er noch ein kleiner Junge war, habe ihn sein sterbender Vater zu sich ans Bett gerufen, und ihm folgende drei Stücke nachdrücklichst anbefohlen: erstens, dass er den Namen Gottes nie durch Schwören entheiligen, zum andern, dass er täglich der heiligen Messe beiwohnen, und drittens, dass er sich stets andächtig gegenüber der allerseligsten Jungfrau erzeigen und sie täglich mit dem heiligen Rosenkranz verehren sollte. Und stets habe er sich bemüht, diese drei Stücke, so viel möglich, zu beobachten.

 

Papst Pius IV. genehmigte 1560 Gundisalvos Verehrung für Portugal, Papst Clemens X. dehnte sie 1673 auf den Dominikanerorden aus.

 

Der heilige Melchiades (Miltiades), Papst,

+ 11.1.314 – Fest: 10. Dezember / 10. Januar

 

Der heilige Melchiades, Papst von 311 bis 314, ein Afrikaner von Geburt, hatte anfänglich unter der Regierung des Tyrannen Maxentius für den Glauben vieles zu leiden. Nachdem aber Konstantin der Große über ihn gesiegt hatte, erließ er die Beschlüsse, wodurch er den Christen die ungestörte Ausübung ihrer Religion erlaubte und die Freiheit gab, überall Kirchen zu erbauen. Der seeleneifrige Oberhirt sah mit Freude die Zahl der Kinder Gottes sich mehren und arbeitete mit rastloser Tätigkeit an der allseitigen Verbreitung des Reiches Jesu. Indes wurde diese seine Freude getrübt durch die inneren Zwistigkeiten, die die in Afrika entstandene Sekte der Donatisten hervorrief. Er versammelte ein Koncilium im Lateran, das am 2. Oktober 313 eröffnet wurde, und legte bei den Verhandlungen eine ebenso weise als friedliebende Verfahrensart gegenüber den Irrgläubigen an den Tag. Ungeachtet seiner milden Gesinnungen suchten ihn die Donatisten nach seinem Tod durch verleumderische Nachreden zu schwärzen. Der heilige Augustinus rechtfertigte ihn aber gegen diese Beschuldigungen der aufgeregten Bosheit.

 

Der heilige Wilhelm de Donjeon, Erzbischof von Bourges, Zisterzienser,

+ 10.1.1209 – Fest: 10. Januar

 

Wilhelm Berrüyer stammte von der adeligen Familie der alten Grafen von Nevers ab. Die Sorge um seine Erziehung wurde seinem mütterlichen Oheim anvertraut, Peter dem Einsiedler, dem Archidiakon von Soissons. Von diesem fertigen Meister lernte er bald die Reichtümer und vergänglichen Ehren der Welt verachten, ihre Vergnügungen verabscheuen, und das Gift fürchten, das unter verführerischer Lockspeise verborgen liegt. Wilhelm entsprach den Absichten seines Oheims auf das Vollkommenste. Nichts umfasste er mit größerer Begierde als die Wissenschaften und die Übungen der Andacht. Deswegen trat er auch in den geistlichen Stand. Er wurde zuerst Chorherr zu Soissons und dann zu Paris. Allein da ihn von Tag zu Tag die Welt immer mehr anekelte, entschloss er sich, sie gänzlich zu verlassen und sich in die Einsamkeit zurückzuziehen. Er wählte zu diesem Zweck die von Grandmont, wo er in den strengsten Bußübungen lebte. Da sich aber ein Zwist unter den Chorherren und den bekehrten Brüdern entspann, der den Frieden störte, den er seither genossen hatte, trat er in den Orden der Zisterzienser, der damals allenthalben den guten Geruch seiner Tugenden verbreitete. In der Abtei von Pontigny legte er feierlich das Ordensgelübde ab, und wurde bald ein vollendetes Muster der klösterlichen Vollkommenheit. Einige Zeit war er Prior dieses Hauses und wurde dann zum Abt von Fontaine-Jean (Im Bistum Sens. Diese Abtei war eine Tochter der von Pontigny. Peter von Courtenay, der Sohn Ludwigs des Dicken, hatte sie 1124 gestiftet.) und bald zum Abt von Châlis erwählt (Bei Senlis. Diese Abtei, die viel zahlreicher war, als die vorige, war ebenfalls eine Tochter von Pontigny. Ludwig der Dicke hatte sie ebenfalls gestiftet 1136 kurz vor seinem Tod.). Weit entfernt seine Würde fühlen zu lassen, sah er sich vielmehr als den letzten der Brüder an. Er lebte in gänzlicher Abtötung seiner Sinne und seiner Neigungen, verdiente aber auch dadurch, eine bewunderungswürdige Herzensreinheit und die Gabe des Gebetes im höchsten Grad von Gott zu erlangen. Mit einer unbegreiflichen Einfalt verband er die höchsten Einsichten. Seine innere Seelenruhe leuchtete aus der Heiterkeit seines Antlitzes hervor; und seiner strengen Lebensweise ungeachtet, verlor er niemals die heilige Freudigkeit, die der Tugend die wunderbarsten Reize gibt.

 

Während unser Heiliger die Freuden der Einsamkeit kostete, starb Heinrich von Sülly, der Erzbischof von Bourges. Da sich die Geistlichkeit über die Wahl seines Nachfolgers nicht einigen konnte, schickte sie Abgeordnete zu Eudo, dem Bischof von Paris, und Bruder des verstorbenen Prälaten, mit der Bitte, nach Bourges zu kommen, und ihnen in einer so wichtigen Angelegenheit hilfreich beizustehen. Eudo fand bei seiner Ankunft, dass man drei Zisterzienseräbte in Vorschlag gebracht hatte, die alle im Ruf der Heiligkeit standen, und unter denen auch Wilhelm war. Er ließ ihre Namen auf drei besondere Blättchen schreiben, und legte sie auf den Altar, auf dem er die heilige Messe feiern sollte. Nach Beendigung des heiligen Opfers betete er zu Gott, dass er seinen Willen offenbaren möge. Dann nahm er das erste Blättchen, das ihm in die Hand fiel, und siehe da, der Himmel fügte es, dass es gerade das Blättchen war, auf dem Wilhelms Name stand, der unter den drei Äbten auch die meisten Stimmen hatte. Diese Wahl geschah am 23. November 1200. Im Allgemeinen heißt es Gott versuchen, wenn man ein Wunder durch das Los begehrt, es müsste denn dies auf besondere göttliche Eingebung geschehen. Allein das Benehmen der Geistlichkeit von Bourges mag nicht wohl getadelt werden, weil ihr einziger Zweck war von Gott zu erlangen, dass er mittelst seiner weisen Vorsehung die Wahl unter den Vorgeschlagenen bestimme, die alle nach den Einsichten menschlicher Klugheit des Oberhirtenamtes gleich würdig waren. So weiß man, dass bei der Wahl des heiligen Matthias, die durch das Los geschah, die Apostel durch besondere Eingebung des Geistes Gottes handelten.

 

Als Wilhelm die Nachricht von seiner Wahl erhielt, wurde er von dem lebhaftesten Schmerz durchdrungen. Und nie würde er seine Einwilligung gegeben haben, wenn ihm das Gelübde des Gehorsams erlaubt hätte, gegen den vereinigten Willen des Papstes und seines Ordensgenerals zu handeln. Er verließ daher seine geliebte Einsamkeit unter vielen Tränen. Zu Bourges wurde er wie ein Engel vom Himmel empfangen. – Seine erste Sorge war nun sein Äußeres, wie sein Inneres, nach den Vorschriften des Evangeliums zu ordnen, denn er hatte die feste Überzeugung, dass jeder Mensch, und besonders ein Bischof, mit Gründung des Reiches Jesu an sich selbst anfangen muss. Er verdoppelte seine strengen Bußübungen, weil er, wie er sagte, nicht nur seine, sondern auch seines Volkes Sünden zu sühnen hätte. Unter seinem Klostergewand, das er nicht ablegte, und Sommer und Winter trug, hatte er beständig ein härenes Bußkleid an. Er untersagte sich für immer den Genuss des Fleisches, obgleich er es den Fremden, die mit ihm aßen, vorsetzen ließ.

 

Mit gleich zärtlicher Sorgfalt umfasste der heilige Erzbischof seine ganze Herde, ohne jedoch denjenigen, deren leibliche und geistliche Bedürfnisse er kannte, seine besondere Teilnahme zu entziehen. „Dieser wegen“, sagte er, „bin ich ganz besonders nach Bourges gesendet worden.“ Reuige Sünder fanden an ihm einen sanften und liebevollen Vater. Den Verstockten aber setzte er eine unerschütterliche Festigkeit entgegen, ohne jedoch den weltlichen Arm gegen sie zu Hilfe zu rufen, wie es in jener Zeit üblich war. Manche wurden auch durch seine bewunderungswürdige Sanftmut gerührt, gingen in sich selbst, und entsagten ihren Unordnungen. Einige der Mächtigeren wagten es daher, indem sie seine Sanftmut missbrauchen wollten, die Rechte der Kirche von Bourges zu schmälern, und schmeichelten sich mit dem Gedanken, der Heilige werde den Mut nicht haben, sich ihnen zu widersetzen. Allein bald sahen sie, dass sie sich geirrt hatten, denn Wilhelm verteidigte, auch mit Gefahr seine Einkünfte zu verlieren, kraftvoll die Rechte seiner Kirche, selbst gegen den König, dem er übrigens in allem, was das Zeitliche betraf, die höchste Unterwürfigkeit bewies. Er hatte außerdem einige Widersprüche seines Kapitels und einiger anderer Glieder seiner Geistlichkeit zu bestehen, die er aber bald durch seine Festigkeit, noch vielmehr aber durch seine tiefe Demut besiegte.

 

Beim Anblick der Verheerungen, die die Ketzerei der Albigenser verursachte, entbrannte sein heiliger Eifer. Es gelang ihm auch, mehrere zu bekehren, und er würde, hätte ihn der Tod dieser Erde nicht entrissen, eine Mission für sie veranstaltet haben. Als er mit diesem frommen Plan beschäftigt war, überfiel ihn eine Krankheit, die er anfangs nur für eine nichtsbedeutende Unpässlichkeit hielt. Ohne auf sein Fieber zu achten bestieg er noch die Kanzel, um von seinem Volk Abschied zu nehmen, bevor er seine Missionsreise antreten würde. Kaum aber hatte er die heilige Stätte verlassen, als sich das Fieber bedeutend verschlimmerte, und er musste sich ins Bett legen. Das schnelle Zunehmen des Übels ließ bald auf sein nahes Ende schließen. Er verlangte daher die letzte Ölung und dann die heilige Wegzehr, denn diese Ordnung befolgte man damals bei Erteilung der heiligen Sterbesakramente. Den unter Brotsgestalt verborgenen Gottmenschen empfing er auf den Knien liegend, unter Tränen zärtlicher Andacht. Seine Schwäche schien ihn verlassen zu haben: denn lange Zeit betete er in dieser Stellung, mit kreuzweise geschlungenen Armen. In der folgenden Nacht verlor er den Gebrauch der Sprache, als er seine Tagzeiten zu beten anfing; gab jedoch durch Zeichen zu erkennen, dass er auf Asche und auf sein härenes Bußkleid wollte gelegt werden. Man gewährte ihm seine Bitte, und gleich nach Mitternacht entschlief er sanft im Herrn am 10. Januar 1209. Seine Hülle wurde in die Kathedralkirche von Bourges begraben.

 

Die Überreste des Heiligen wurden bald durch Wunder, die Gott bei seinem Grab wirkte, verherrlicht, und deswegen im Jahr 1217 aus der Erde erhoben. Im folgenden Jahr setzte Papst Honorius III. den von Gott so begnadeten Oberhirten unter die Zahl der Heiligen. Einige Zeit später erhielt die Abtei von Châlis ein Armbein des Heiligen, das bis in die letzten Zeiten dort noch verehrt wurde. Im Jahr 1399 gaben die Kanoniker von Bourges der Kirche des Kollegs von Navarra zu Paris eine Rippe dieses Heiligen. Die Universität dieser Stadt verehrt ihn besonders als den Schutzheiligen der französischen Nation. Im Jahr 1562 verbrannten die Hugenotten den heiligen Leib, der in der Kathedralkirche von Bourges aufbewahrt wurde, und streuten die Asche in die vier Winde. Der heilige Wilhelm wird in mehreren Kirchen Frankreichs verehrt, obgleich sein Name nicht im römischen Martyrologium zu finden ist. Die Gräfin Mathilde, seine Nichte, hegte eine solche Verehrung für sein Andenken, dass sie der Kirche von Bourges mehrere Ländereien in Nivernois schenkte.

 

Die erhabenen Tugenden, die in allen Heiligen Gottes glänzten, waren die Früchte des Gebets, das sich durch den Geist Gottes in unaussprechlichen Seufzern zum Himmel erhebt. Dies ist es, das den Menschen in der Erkenntnis seiner Pflichten erleuchtet, und ihm jene Weisheit mitteilt, die unendlich über die Weisheit der Philosophen erhaben ist. Es läutert die Neigungen des Herzens, heiligt die Seele, schmückt sie mit einer ganz himmlischen Schönheit, und bereichert sie mit den köstlichsten Gnadengaben. Deswegen auch hat uns Jesus Christus das Beten so dringend anempfohlen. Nicht zufrieden unser Lehrer zu sein, wollte er auch noch unser Vorbild werden. Oft zog er sich auf die Berge und in die Einöden zurück, wo er ganze Nächte, während alle Geschöpfe in tiefem Stillschweigen begraben waren, innerlich mit seinem Vater sich unterhielt; nicht zwar, als habe er jemals sein Gebet unterbrochen, da er es bei seiner Menschwerdung anfing, und mit seinem letzten Atemzug am Kreuz beendigte. Seine treuesten Jünger wurden daher gerührt durch sein Beispiel, von innigster Verehrung für das Gebet durchdrungen, und man hat mehrere gesehen, die der menschlichen Gesellschaft entsagten, um allein des Umgangs mit Gott zu genießen. Andere, die die Vorsehung mitten in der Welt zurückhielt, wussten das Gebet des Herzens unter dem Geräusch äußerlicher Beschäftigungen ununterbrochen fortzusetzen. Was soll ich von so vielen heiligen Seelenhirten sagen, die in allen ihren Amtsverrichtungen von jenem Geist des Gebets durchglüht waren, und der sie würdig gemacht hat, die Kirche Gottes zu regieren? Allein obgleich sie allzeit in der Gegenwart Gottes lebten, unterließen sie doch nie, in bestimmten Stunden dem Gebet sich zu widmen. Sie entzogen sich sogar manche Stunde der nächtlichen Ruhe, um sich mit dem Herrn auf die engste und innigste Weise zu vereinigen, und dem Kaltsinn vorzubeugen, gegen den es so schwer ist, die Liebe zu bewahren. Glücklich all die, die das Gebet lieben! Sie gehören unter die Zahl der Auserwählten, weil sie den Fußstapfen derjenigen folgen, die jetzt schon im himmlischen Vaterland gekrönt sind. 

 

Der heilige Agatho von Rom, Bekenner und Papst OSB,

+ 10.1.681 – Fest: 10. Januar

 

Der heilige Agatho wurde in Sizilien geboren und gewann besonders alle Herzen durch eine tiefe Demut, eine bewunderungswürdige Sanftmut und eine besondere Neigung, anderen Gutes zu tun. Die kluge und gewissenhafte Verwaltung des Schatzmeisteramtes an der römischen Kirche, das er mehrere Jahre bekleidete, machte ihn würdig, dem Papst Domnus im Jahr 679 nachzufolgen. Im folgenden Jahr stand er durch seine Legaten der sechsten allgemeinen Kirchenversammlung vor, die zu Konstantinopel gegen die Menotheliten, auf Betreiben des Kaisers Konstantin Pogonatus, zusammenberufen worden. An diesen Fürsten schrieb er auch einen schönen Brief, in dem er die Gottlosigkeit der monothelitischen Irrlehre durch die Überlieferung der römischen Kirche an den Tag legte. „Die ganze katholische Welt,“ sagte er unter anderem, „erkennt diese Kirche für die Mutter und Lehrmeisterin aller anderen. Ihr Vorrang kommt von dem heiligen Petrus, dem Apostelfürsten, dem Jesus Christus die Leitung seiner ganzen Herde übertrug, mit dem Versprechen, dass sein Glaube niemals falsch sein würde.“ Da dieser Brief den Vätern des Konzils übergeben wurde, empfingen sie ihn ehrfurchtsvoll und erklärten einstimmig, Petrus habe durch Agathos Mund gesprochen. Dieser heilige Papst setzte auch den heiligen Wilfrid auf den oberhirtlichen Stuhl von Yorck, und überhäufte die Geistlichkeit und Kirchen Roms mit Wohltaten. Er starb im Jahr 682, nachdem er zwei Jahre und ein halbes der Kirche Gottes vorgestanden hatte. Durch die vielen Wunder, die er wirkte, gab man ihm, nach Anastasius, den Beinamen Wundertäter. Er wird von den Griechen, wie von den Lateinern verehrt.

 

(Wir finden in den Briefen des heiligen Agatho eine weniger reine Schreibart als in den seiner Vorfahren und Nachfolger. Dies leitet sich von den beständigen Einfällen der Barbaren her, die das Studieren beinahe unmöglich machten, und ein so schauderhaftes Elend verbreiteten, dass man kaum jeden Tag mit Handarbeit das nötigste Überleben erschwingen konnte. Unser Heiliger führte auch diese Ursachen an, um seine Legaten wegen ihrer geringen Beredsamkeit zu entschuldigen. „Allein,“ setzt er hinzu, „wenn wir auch in den Annehmlichkeiten der Sprache unkundig sind, bewahren wir doch, mit Einfalt des Herzens, den Glauben, den uns die Väter überliefert haben.“ Die Legaten führten dieselbe Sprache, und bekräftigten, was Agatho von der Unmöglichkeit, im Abendland sich den Wissenschaften zu widmen, gesagt hatte. „Unser Land,“ sagten sie, „ist der Wut der rohesten Nationen preisgegeben. Wir leben mitten in Schlachten und Plünderungen. Wir schweben unaufhörlich in Unruhe und Bestürzung. Die Handarbeit ist die einzige Quelle unseres Überlebens.“)

 

Der heilige Domitian von Melitene, Bischof in Armenien,

+ 10.1.600 – Fest: 10. Januar

 

Dieser Heilige fing an zu blühen unter dem Kaiser Justin dem Jüngeren. Seine Eltern hießen Theodor und Eudocia, die sowohl durch Frömmigkeit als durch Bildung ausgezeichnet waren. Er trat in den Ehestand und als er seine Gemahlin verloren hatte, widmete er sich ganz der Wissenschaft des Heils und erwarb sich einen solchen Ruhm, dass man ihn der Kirche von Melitene als Bischof vorsetzte, da er kaum das dreißigste Lebensjahr erreicht hatte. In dieser Eigenschaft erglühte seine Seele von himmlischer Sehnsucht, das Heil seiner Untergebenen, so viel an ihm lag, zu befördern. Durch seine Vermittlung verhalf der Kaiser Mauritius (Trat die Regierung am 14. August 582 an. Unser Heiliger soll mit ihm nahe verwandt gewesen sein.) dem persischen König Chosroes II., gegen den sich Varamus zum König aufgeworfen hatte, wieder auf seinen Thron: dies geschah 589 und zu Anfang des Jahres 590. Dadurch gewann er sich die Liebe des römischen Kaisers, der ihm große Summen an Gold schenkte, die er sämtlich für Kirchen und Spitäler verwendete. Als er einst nach Konstantinopel gereist war, ging er dort ins selige Leben hinüber, und erhielt vom ganzen Hof und der Clerisei die ausgezeichnetsten Ehren, worauf sein Leichnam mit Fackeln und Hymnengesang begleitet in sein Vaterland zurückgeführt wurde. Durch seine Fürbitte sind viele Wunder geschehen. 

 

Der heilige Johannes Camillus Bonus,

Erzbischof und Bekenner von Mailand,

+ 659 – Fest: 10. Januar

 

Johannes Camillus war aus Ligurien, dem heutigen Gebiet von Genua und Lucca, und führte den Beinamen Bonus, entweder weil dies der Familienname seiner Mutter war oder weil er ihm wegen seiner besonderen Herzensgüte und Sittenreinheit beigelegt wurde. Er bekleidete sehr lange eine Stelle am römischen Hof und stand beim heiligen Papst Gregor in so hohem Ansehen, dass er ihm eine Gesandtschaft nach Mailand an die Königin Theodolinde anvertraute, die ihn mit großer Achtung empfing. (Theodolinde ist eine Tochter Garibalds, des Herzogs von Bayern. Im Jahr 585 heiratete sie den Langobardenkönig Authar. Nach seinem Tod vermählte sie sich mit Agilulph, den sie mit dem ganzen Volk zum katholischen Glauben bekehrte. Als auch er starb, regierte sie mit ihrem Sohn Adalwald mit außerordentlicher Klugheit noch einige Zeit das Reich.) Wegen seiner Heiligkeit und seines Ansehens wurde Johannes Camillus auf den Stuhl von Mailand erhoben, wo er die Irrtümer der Monotheliten mit rastlosem Eifer bekämpfte. Er machte bald Bekanntschaft mit einem anderen Johannes, dem Bischof von Bergomum, in der Gallia Transpadana, heute Bergamo, der ebenfalls im Ruf der Heiligkeit stand. Mit vereinten Kräften widerlegten sie nun siegreich den genannten Irrlehrer. Unser Heiliger erbaute viele Kirchen, besonders zu erwähnen eine Prachtvolle im Städtchen Decium, wo er ein Priesterkollegium errichtete, das zu bestimmten Stunden dem Psalmengesang sich widmete und dann für das Heil der Seelen arbeitete. Auch nahm er teil am Konzil zu Rom unter Martin II. Der Sterbetag des heiligen Johannes Camillus lässt sich nicht ganz genau angeben. Bollandus glaubt, dies sei um das Jahr 659 geschehen. In jedem Fall muss er ein sehr hohes Alter erreicht haben, weil er schon mit dem heiligen Gregor, der im Jahr 604 gestorben ist, gelebt hatte. Sein Name steht unter dem 10. Januar im römischen Martyrologium.

 

Gebet am 10. Januar

 

O Maria, siehe du bist so mächtig bei Gott, es genügt, dass du ihm sagst, du bist seine liebe Mutter, du bist voll seiner Gnade. Was könnte dir der Herr alsdann wohl abschlagen? O allerschönste Königin, wir wagen es nicht zu hoffen, dich hier auf Erden noch einmal zu sehen. Aber wir wollen dich im Himmel sehen. Diese Gnade musst du uns erlangen. Wir hoffen ganz sicher, dass du es tun wirst. Amen. 

 

Zu Gott

 

Verleihe uns, o Gott, eine vollkommene Lostrennung von den Erdengütern. Du forderst zwar von uns nicht, dass wir aus der Welt hinausgehen, sondern willst nur, dass wir unsere Berufspflichten treu erfüllen, und Dich über alles lieben. Dies zu tun, sei jetzt unser fester Entschluss, zu dessen Vollführung wir Dich unablässig um den Beistand Deiner Gnade bitten. Himmlischer Vater, im Vertrauen auf Deine weise Vorsehung bitten wir, Deine Kinder, um das tägliche Brot für heute. Leben wir morgen noch, dann bist Du auch morgen noch Vater, und wir bitten wieder, wie heute, zu Dir. Amen. 

 

Zum heiligen Marzian

 

Bitte für mich, heiliger Marzian, auf dass ich mich auch durch leibliche und geistliche Werke der Barmherzigkeit auf meinen Tod vorbereite, damit, wenn meine Seele diese irdische Körperhülle wie ein Gewand ablegen wird, sie alsdann mit dem glänzenden Hochzeitskleid der Ewigkeit geziert wird. 

 

Andenken an die seligste Jungfrau

 

Der Orden des goldenen Fließes wurde im Jahr 1430 zum Lob Gottes, zur Ehre der seligsten Jungfrau und des heiligen Andreas von Philippus, vom Herzog von Burgund und Brabant, am heutigen Tag eingesetzt. (Philipp III. der Gute)

 

Andacht am 10. Januar:

 

Das Thema im Januar:

Von der Liebe Jesu

"Wer den Herrn nicht liebt, sei verflucht!" (1. Korinther 16,22)

 

"Der allerhöchste Herr über Alles nahm die Gestalt eines Knechtes an, auf dass der Knecht die Freiheit empfängt und ein Herr würde. Wie unschätzbar, o Gott, ist Deine Liebe, der Du den Sohn hingabst, den Knecht zu erlösen!" (Der heilige Ambrosius)

Sollten wir nicht mit diesem großen Heiligen ausrufen: "O mein Erlöser, ich bin Dein Diener! Dein Knecht bin ich, gestatte nicht, dass ich jemals von Dir getrennt werde! Dein bin ich, erlöse mich!" 

Oftmals sprach die heilige Katharina von Genua nach ihrer Bekehrung: "Keine Sünde mehr, o Gott, sondern Deine reine Liebe! O schreibe doch meinem Herzen das Gesetz Deiner Liebe mit der Flammenschrift des Heiligen Geistes ein!"

Die heilige Agatha, die Zierde Siziliens, wurde von dem Präfekt Quintianus gefangengenommen, der sie zwingen wollte, den Götzen zu opfern. Da er aber ihren unüberwindlichen Mut und ihre Standhaftigkeit sah, ihre Jungfräulichkeit zu bewahren, übergab er sie einer schamlosen Frau, die alle satanischen Künste aufbot, die Jungfrau zu verführen. Endlich sagte die Heilige zu ihr: "Approdisia, du verlierst deine Zeit; denn wisse, ich bin so fest und Unerschütterlich in der Liebe Jesu gegründet, dass ich durch seine Gnade hoffe, eher werde die Sonne ihre Klarheit und ihr Licht, und der Schnee seine Weiße, als ich meine Jungfräulichkeit verlieren!" - Von dieser unüberwindlichen Beharrlichkeit benachrichtigt, wendete nun der Tyrann Verheißungen und Drohungen an, und suchte auf alle Art und Weise die Jungfrau zum Abfall zu bewegen. Sie aber sprach zu ihm: "Quintanius, du verheißt mir Leben, Güter und Lüste; doch ich verlange weder ein anderes Leben, noch andere Güter und Wonnen als Jesus. Deine Drohungen magst du an andere richten, denn wisse, kein vom Jäger verfolgter und dürstender Hirsch verlangt so sehr nach den Wasserquellen, als mich nach der Marter verlangt, damit ich dadurch zur Vereinigung mit Ihm gelange. Willst du mich enthaupten: hier ist mein Hals; willst du mich geißeln: hier ist mein Rücken; willst du mich verbrennen: hier ist mein Leib; willst du reißenden Tieren mich vorwerfen: hier sind meine Hände und Füße und alle meine Glieder: Brenne, schneide, zerreiße, peinige wie du willst; je mehr du mir antust, je mehr Mittel reichst du mir, von meinem göttlichen Bräutigam geliebt und verherrlicht zu werden. Was also wartest, was zögerst du?" - Und hierauf ging sie in den finsteren Kerker, wie zu einem festlichen Gastmahl, und bereitete sich zum Kampf und zum Martertod, den sie, in Liebe siegend, glückselig vollbrachte.

 

Unglückselig und albern ist der Sünder, der lieber ein Leibeigener der Welt, der Begierlichkeit und des Teufels ist, als Dir, o Jesus, dem König der Könige, dienen will! Ach, wie strafbar bin ich selbst, der ich Deine Liebe so oft beleidigte! Doch vergib mir, gütigster Jesus, denn nicht mehr mein, sondern Dein bin ich! Ich liebe Dich, und werde Dich lieben immerdar! O lass in Deiner Liebe mich leben und sterben. Amen.

 

Ein Gedanke heiliger Dominikaner am 10. Januar

 

"Bestrebt euch der Sanftmut vor allen anderen Tugenden.

Seid freundlich und liebevoll zu allen und glaubt,

dass ihr durch die Sanftmut allezeit den Sieg über eure Feinde erlangt."

 

hl. Vincenz Ferrerius OP

1350 bis 5.4.1419

 

Betrachtung am 10. Januar - Gründe des Glaubens

 

Herr, erleuchte mild die Blinden,

Dass sie deine Wunder sehn,

Dich in deinem Lichte finden,

Und durch Buße zu dir gehn.

 

1. "Vermehre, Herr, den Glauben in mir!" Denn siehe, die Kinder dieser Welt führen durch gottlose Reden viele Schwachen irre, und verrufen deine göttliche Religion als eitel Menschenwerk und Schwärmerei. Bringen sie aber auch den Glauben deiner Getreuen nicht zum Wanken, so wirken sie doch immerhin dahin, sein Licht zu verdunkeln. Aber wer die Augen deinem heiligen Licht nicht vorsätzlich verschließt, der sieht klar, wie deine liebevolle Vorsehung das menschliche Geschlecht zu allen Zeiten an unsichtbarer Hand seiner ewigen, glorreichen Bestimmung entgegen führte.

 

2. Nicht wie eine fabelhafte Sage verliert sich deine göttliche Offenbarung in einem zeugenlosen Altertum, dein heiliger Dienst begann mit der Welt. Durch ein untilgbares Nationalwunder besteht, als einzige Ausnahme des menschlichen Geschlechtes, jenes Volk, das deine göttlichen Verheißungen in den frühesten Zeiten durch Mose empfing, selbst nach seiner Verwerfung fort, damit es der Welt zu allen Zeiten aus seinen eigenen Büchern seine Verwerfung zeige, weil es den verheißenen Messias tötete, dessen Geburt, Leben, Tod und Erlösung seine Propheten auf das Umständlichste durch deinen Geist geweissagt hatten. Öffentlich erschien dieser Erlöser. Alle Weissagungen gingen bis auf den letzten Punkt an ihm in Erfüllung. Und vor dem Anblick zahlloser Menschen aus allen Ländern vollbrachte er das Heil und die Erlösung der Welt durch seinen Opfertod.

 

3. Ja noch bis zur Stunde besteht zu Jerusalem sein glorreiches Grab, und wird von Pilgern aus allen Nationen verehrt. Noch sichtbar bis zur Stunde sind die Katakomben in der Hauptstadt der christlichen Welt, wo die Gebeine zahlloser Märtyrer ruhen, die den Glauben durch ihr Blut uns erhielten. Noch bis zur Stunde sehen wir Standbilder der alten Götzen, vor denen die Welt einst anbetend niederfiel. Noch bis zur Stunde ertönen auf dem ganzen Erdkreis die Schriften der Apostel, die die Welt bekehrten. Ja noch bis zur Stunde weidet der unsterbliche Petrus durch 20 volle Jahrhunderte die Herde des Herrn. Sprechende Tatsachen sind dies, die die lasterhaften Prediger des Unglaubens nimmermehr zu tilgen vermögen. Psalm 19,8: "Dein Gesetz, Herr, ist vollkommen und bekehrt die Seelen. Das Gesetz des Herrn ist verlässlich, den Unwissenden macht es weise."

 

11. Januar

 

Der heilige Paulinus, Missionar in Kärnten,

Patriarch von Aquileja, Italien,

+ 11.1.810 - Fest: 11. Januar

 

Bevor Paulinus Bischof wurde, war er Lehrer der Grammatik. Er gewann die Freundschaft Alkuins, der ihn auch an den Hof Karls des Großen holte.

 

Als Bischof nahm er an wichtigen Synoden teil und bekämpfte unerbittlich die Häretiker. Darüber hinaus wirkte er auch als Missionar in Kärnten. Er starb 802.

 

Der heilige Hyginus, Papst und Martyrer von Rom,

+ 11.1.140 – Fest: 11. Januar

 

Das Altertum hinterließ uns wenige Nachrichten vom Leben des heiligen Hyginus und in diesem Wenigen widersprechen sich die Schriftsteller, die ihn erwähnen. Er war, vom heiligen Petrus an gerechnet, der 10. Papst, aus Griechenland gebürtig und wahrscheinlich der Sohn eines heidnischen Weltweisen von Athen. Wer ihn bekehrt, im Christentum unterrichtet und getauft hat, ist unbekannt; aber aus all seinen Handlungen geht hervor, dass er ein wahrhaft apostolischer Mann und ein eifriger Kirchenhirt gewesen ist. Stets bemüht, alle Missbräuche in der Kirche Jesu abzustellen und die Reinheit der Lehre Jesu zu bewahren, führte er unter seiner Geistlichkeit die strengste Ordnung ein, predigte nach dem Beispiel der Apostel zu jeder Zeit und überall den Gläubigen das Evangelium und kämpfte heldenmütig gegen die Angriffe der Ketzer, die in jenen Zeiten wie brüllende Löwen das Heiligtum anfielen und die Christen zum Irrtum zu verführen trachteten. Es ist Tatsache, dass der heilige Hyginus es war, der den Ketzer Valentin gründlich widerlegte und ihn, weil er boshaft und halsstarrig in seinem Irrtum beharrte, aus der Kirchengemeinde ausschloss; ob ihm aber die Briefe und kirchlichen Gesetze, die wir noch besitzen, mit Recht zugerechnet werden, ist nicht erwiesen. Er regierte die Kirche Christi mit vollem Ruhm zwölf Jahre, drei Monate und sechs Tage und starb während der Christenverfolgung des Kaisers Antonin als Martyrer. Einige behaupten, dass er den Martertod nicht wirklich gelitten habe und nur deswegen unter die Blutzeugen gezählt werde, weil er unter den größten Gefahren die Religion Jesu verteidigt und deswegen große Verfolgungen erduldet habe.

 

Der heilige Leucius, Bischof und Bekenner von Brindisi, Italien,

+ 11.1.172 – Fest: 11. Januar

 

Dieser Heilige wurde unter der Regierung des Kaisers Theodosius zu Alexandrien geboren und erhielt von seinen gottesfürchtigen Eltern, Euprescius und Eufrodisia, eine fromme Erziehung. Er war ein Junge von 10 Jahren, als seine Mutter starb, und sein Vater, aus heftigem Verlangen nach christlicher Vollkommenheit, seine Güter unter die Armen verteilte und mit seinem Sohn sich in das Kloster des heiligen Hermes begab. Leucius, in dessen zartem Herzen die Frömmigkeit schon durch die Lehren seiner Eltern tiefe Wurzeln gefasst hatte, wurde durch das Beispiel der frommen Mönche ganz für die Tugend begeistert und machte solche bewundernswürdige Fortschritte in der Heiligkeit des Lebens, dass man ihn einstimmig, ungeachtet seines jungen Alters zum Vorsteher des Klosters erwählte. Aber der demütige Diener Gottes schlug diese Würde standhaft aus und lebte in seiner Einsamkeit in ununterbrochener Geistessammlung und steter Selbstverleugnung, bis er aus Gehorsam die Stelle eines Erzpriesters an der Kirche zu Alexandrien annehmen musste. In dieser Würde bewies er einen solchen Eifer in Bekehrung der Heiden und der Sünder, dass ihn der Statthalter Saturnin, der ein geschworener Feind jeder Tugend war, zu töten suchte, was aber durch die Gläubigen verhindert und der Heilige bald darauf zum Erzbischof erwählt wurde.

 

Nach einiger Zeit legte Leucius, durch eine Erscheinung von Gott ermahnt, seine Würde nieder und nachdem er für einen würdigen Nachfolger gesorgt hatte, begab er sich über Otranto nach Brundusium, einer Stadt am Ende Italiens nach Griechenland zu, wo er den Kriegsobersten, Armaleo, nebst 67 anderen vornehmen Männern zum Christentum bekehrte. Da dies großes Aufsehen erregte und die Götzenpriester mit allgemeinen Strafen der Götter drohten, wurde der heilige Bischof vor ein öffentliches Gericht zur Verantwortung gefordert, wo er mit einer solchen Begeisterung über den wahren Glauben an Gott und über die christliche Religion sprach, dass der anwesende Statthalter Antiochus dem Heidentum abschwor und sich mit 27.000 Menschen taufen ließ. Lange Jahre stand dieser ansehnlichen Christengemeinde der heilige Leucius als Oberhirt vor und starb schließlich als Greis voll sehnlichen Verlangens nach dem ewigen Vaterland.

 

Der heilige Theodosius, Erzvater der Mönche, Abt und Bekenner in Judäa,

+ 11.1.529 – Fest: 11. Januar

 

Vier vortreffliche Männer mit dem Namen Theodosius sind fast in einem Jahrhundert berühmt geworden, zwei Kaiser und zwei Ordensmänner. Waren jene ausgezeichnet durch Herrschertugenden und Eifer für die Kirche, wobei freilich der zweite Theodosius der Irrlehre nachgab, so diese durch große Heiligkeit des Lebens und reiche Verdienste um das Mönchswesen im Orient. Dieses, erst in den Anfängen der Entwicklung begriffen, nahm rasch einen solchen Umfang an, dass wir ungläubig lauschen, wenn wir von vielen Tausenden hören, die nach gemeinsamer Regel unter einem Vorsteher zusammen lebten. Theodosius, der jüngere der zwei Klostergründer gleichen Namens, ist weitaus der berühmtere, da er sich den Ehrentitel eines Zönobiarchen, d.h. eines Erzvaters oder Vorstehers der in Gemeinschaft Lebenden (der Mönche) sich erwarb.

 

Geboren um das Jahr 424 im Dorf Garissos in Kappadozien in Kleinasien und unter der Hut guter Eltern aufwachsend, wurde Theodosius in der Jugend Psalmensänger und Vorleser in der Kirche, wodurch er mit den Heiligen Schriften vertraut wurde. Angezogen vom Leben der Väter in der Wüste, verließ er seine Heimat und pilgerte nach Palästina. Unterwegs wollte er den heiligen Simeon, den vielbewunderten Säulensteher, besuchen, um seinen Segen und seine Gebetshilfe zu erbitten. Vom Heiligen Geist erleuchtet, rief der merkwürdige Mann schon von weitem den Ankömmling mit Namen: „Theodos, Diener Gottes, sei mir willkommen!“ Erstaunt und verwirrt über den unerwarteten Gruß, konnte dieser nur mit einer tiefen Verdemütigung erwidern, in dem er sich mit dem Angesicht auf die Erde warf. Aber Simeon hieß ihn zu sich auf die Säule kommen, umarmte ihn zärtlich, sagte ihm einiges voraus, was ihm begegnen werde, und bestärkte ihn in seinem Vorhaben.

 

In der heiligen Stadt wählte sich Theodosius zum Lehrer im geistlichen Leben den hochbetagten Mönch Longinus, der in einer Zelle des sogenannten Turmes Davids wohnte. Dieser pries sich glücklich, einen so tugendhaften Jünger gefunden zu haben, entließ ihn dann aber auf Drängen einer reichen Frau namens Ikelia, die eine prächtige Marienkirche an der Straße nach Bethlehem erbaut hatte, zum Dienst an dieser Kirche. Er wird also wohl schon damals Priester gewesen sein. Doch entsagte er diesem Amt, das er nur auf ausdrücklichen Befehl seines Oberen übernommen hatte, auch bald wieder aus Furcht, die vielen Lobeserhebungen, die seiner trefflichen Amtsführung und seinen Tugenden zuteilwurden, möchten sein Herz verderben. Er wanderte in der Wüste Juda weiter ostwärts und bezog auf einem Berg eine Höhle. Hier lebte er, ganz der inneren Sammlung ergeben, in solcher Zerknirschung des Herzens, dass bei seinen ganze Nächte währenden Gebeten häufige Tränen der innigsten Rührung flossen. Gemüse und wilde Kräuter waren seine ganze Nahrung. Den Genuss von Brot hatte er sich gänzlich versagt. Dreißig Jahre lang übte er diese große Entsagung, bis später eine Milderung gebeten erschien.

 

Gedachte so Theodosius sich den Blicken der Menschen zu entziehen, so gab Gott seiner Tugend einen Solchen Glanz, dass er wie ein helles Licht sich selber entdeckte, um anderen nützlich zu werden. Bei dem allgemeinen Zug nach einem vollkommenen Leben, der damals alle Wüsten bevölkerte, kamen Heilsbegierige auch zu dem heiligen Einsiedler und baten, sich ihm als ihrem Führer anschließen zu dürfen. Da er hierin den sichtbaren Willen Gottes zu erkennen glaubte, so konnte er nicht widersprechen. Nur bis sieben sollte die Zahl der Jünger gehen, aber wie gewaltig ist sie in der Folge gewachsen!

 

Als erste eindringliche Lehre wollte Theodosius unvergesslich die Nützlichkeit des Andenkens an das Ende, an den Tod einprägen. Daher ließ er eine für die ganze Gemeinde bestimmte Grabstätte machen. Als sie vollendet war, führte er seine Brüder dahin und sprach in seiner einnehmenden Art, mit der er die ernstesten Dinge durch gewinnende Freundlichkeit zu mildern wusste: „Hier ist uns allen das Grab bereitet; aber wer von euch wird es einweihen?“ Einer von ihnen, Basilius, ein Priester, nahm das Wort als ihm geltend auf. Er warf sich vor dem Vorsteher auf die Knie und bat um seinen Segen. Der Heilige, der in die Zukunft zu schauen vermochte, wusste, dass Gott wirklich das Opfer des Basilius annehmen würde, ließ ihn in die Grabstätte eintreten und für ihn die Gebete für die Verstorbenen verrichten, wie sie am Tag des Hinscheidens und am dritten, neunten und vierzigsten Tag üblich waren. Bekanntlich ist heute noch in der Kirche der Dritte, Siebente und Dreißigste in Gebrauch. Und merkwürdig! Nach Schluss dieser Gebete, am vierzigsten Tag, verfiel Basilius, ohne vorher ein Fieber oder sonst einen Schmerz gehabt zu haben, in einen sanften Schlaf, der ihm zum Todesschlaf wurde.

 

Diesem ersten Zeugnis, das Gott für die Tugendgröße seines Dieners Theodosius ablegen wollte, folgten noch mehrere. Das zog aber eine große Zahl von Schülern an und zwang schließlich den Vorsteher, ein geräumiges Haus zu ihrer Aufnahme zu bauen, nachdem er Gottes augenscheinlichen Willen hierzu erkannt hatte. Männer aus allen Ständen, Beamte, Gelehrte, Kaufleute, Militärpersonen entsagten ihren Stellen, und wie ein Wunder war es zu schauen, wie eine so große Verschiedenheit der Stände und Nationen sich eines Sinnes an einem Ort zusammenfanden. Was aber noch wunderbarer zu schauen war, das war die treffliche Ordnung und Einrichtung, die Theodosius, die Seele des Ganzen, dem scheinbaren Wirrwarr zu geben wusste. Zelle um Zelle, Gebäude um Gebäude wuchsen, so wie es das Bedürfnis verlangte, wuchsen zur Form einer Stadt in der Wüste, deren Ruinen noch heute den Namen Der-Dosi (Theodosius) führen. Die Mönche waren nach ihren Wohnräumen und teilweise auch im Gottesdienst in drei Abteilungen geschieden. Die griechisch Redenden aus dem Reich, die Armenier, zu denen auch Perser und Araber zählten, und als dritte, die Bessen, slavonische Völker aus Thrazien und den nördlichen Ländern, hatten jede ihre eigene Kirche. Darin hielten sie die sieben kirchlichen Tagzeiten und den vorbereitenden Teil der heiligen Messe bis zum Evangelium. Dann versammelten sich die Armenier und Bessen zur Feier der heiligen Geheimnisse und zum Empfang der heiligen Kommunion in der großen Kirche der Griechen. Eine vierte Kirche wurde errichtet für die Büßer, die Besessenen und Irrsinnigen, deren Heilung der Heilige mit besonders väterlicher Liebe und zartem Mitleid sich hingab. Mit dem Kloster waren dann drei Krankenhäuser verbunden für fremde Mönche und Einsiedler, für Laien besseren Standes und für Gebrechliche Arme. Ein Herbergshaus nahm die fremden Pilger auf, deren Zahl einmal so groß war, dass beinahe hundert besetzte Tische zu ihrer Speisung aufgestellt werden mussten. Da ereignete es sich auch mehr als einmal, dass Theodosius durch die Kraft seines Gebetes dem Mangel der erforderlichen Nahrungsmittel abhelfen musste.

 

Aus diesen Einrichtungen erhellt von selbst, dass die Brüder außer dem Gebet die Übung der christlichen Nächstenliebe und die Betätigung aller Handwerke und Arbeiten, wie man sie in einem so großen Haushalt brauchte, zu ihrer Pflicht gemacht hatten. Nie und nimmer, schon von Anfang an nicht, duldete man in den Klöstern den Müßiggang. Wo übrigens die Gottesliebe lebendig ist, da sucht und findet sie immer Wege, um auch das Wohl des Nächsten in opferfreudiger Liebe zu fördern.

 

Wegen der großen Verdienste um die Einrichtung des klösterlichen Lebens wurde Theodosius, dessen Kloster das größte in Palästina war, von den unter dem Vorsitz des Patriarchen Sallustius in Jerusalem im Jahr 493 versammelten Mönchen zum Archimandriten, zum Vorsteher aller Mönche des Heiligen Landes gewählt, während die Oberaufsicht über die Anachoreten oder Eremiten (Einsiedler) dem heiligen Sabbas (Fest 5. Dezember) übertragen wurde. Diese beiden Männer waren in treuer Freundschaft miteinander verbunden. Was sie aber so oft zusammenführte, das war die gegenseitige Erbauung, die Beratung in geistlichen Dingen und das Wohl der Kirche. In den damaligen Kämpfen gegen die Irrlehre des Eutyches, der die zwei Naturen in Christus leugnete, waren es diese beiden unerschrockenen Heiligen, die dem Eindringen des Irrtums in die Kirche von Jerusalem kräftig wehrten. Schon hatte der Erzbischof Johannes dem Treiben des hinterlistigen und gewalttätigen Kaisers Anastasius nachgegeben und der Kirchenversammlung von Chalcedon, durch die des Eutyches Irrlehre verworfen worden war, die Anerkennung versagt. Da bewogen Theodosius und Sabbas den Erzbischof zu öffentlichem Widerruf. Umgeben von den beiden Äbten, verkündete der Erzbischof von der Kanzel aus dem dichtgedrängten Volk die Verwerfung der Irrlehre und aller ihrer Anhänger. Als die drei von der Kanzel herabgestiegen waren, kehrte Theodosius in seinem Glaubenseifer nochmals dorthin zurück und rief feierlich aus: „Wer die vier heiligen Konzilien nicht wie die vier heiligen Evangelien annimmt, der sei im Bann.“ Der Plan, den mutigen Verteidiger der Lehre der Kirche in die Verbannung zu schicken, kam nicht zur Ausführung.

 

Dem so segensreich wirkenden Diener Gottes blieben auch die Leiden nicht erspart. Als ihm in seiner letzten, sehr schmerzhaften Krankheit jemand den Rat gab, von Gott Linderung zu erbitten, sprach er das schöne Wort: „Nein, nein, ein solches Gebet würde ein Zeichen der Ungeduld sein und mir meine Krone rauben.“ Sterbend konnte er auf 105 gottgesegnete Lebensjahre zurückblicken.

 

Er hat unserer heiligen Kirche viel Mühe und Kampf gekostet, die Lehre Christi in allen Stürmen rein und unverfälscht zu erhalten. Darum sei das Erbgut unseres Glaubens uns auch jederzeit ein treu zu hütendes Kleinod in den alles stürzenden Wirren unserer Zeit!

 

Die gottselige Maria Mörl, stigmatisierte Jungfrau,

+ 11.1.1868 – Fest: 11. Januar

 

Als die ägyptischen Zauberer zu Zeiten des Pharao es dem Mose gleichtun wollten an Wundern, es aber nicht vermochten, da mussten sie notgedrungen bekennen: „Das ist der Finger Gottes!“ Wie oft, auch in unseren Zeiten noch, erscheint Gottes Finger, ob er nun strafend erhoben ist oder gütig und barmherzig an einem Menschenkind seine wunderbare Macht zeigt. Durch eine innige, übernatürliche Liebesvereinigung mit dem Menschen hebt Gott bisweilen in der Ekstase die Betätigung der Sinne teilweise oder gänzlich auf. Nicht gar selten sind auch die Fälle, dass der Herr die Begnadeten an seinem Leiden fühlbar teilnehmen und an ihnen die Wundmale sichtbar werden lässt, die er in seinem Leiden getragen hat. Derartige im Leben der katholischen Kirche nicht überraschende Erscheinungen, wie weltunbekannt und arm die so Begnadeten auch immer sein mögen, dienen doch in besonderer Weise zur Verherrlichung Gottes, zur Stärkung des Glaubens und zur Verteidigung der katholischen Wahrheit.

 

Kaltern bei Bozen im katholisch-gläubigen Tirol, das merkwürdig viele Stigmatisierte aufweist, war die Heimat der so außerordentlich begnadeten Jungfrau Maria Theresia von Mörl, geboren am 16. Oktober 1812. Ein frommes Kind von Jugend auf, besaß sie gute Geistesanlagen, aber kein Zeichen einer besonders lebhaften Einbildungskraft. Sie tat auch nichts, eine solche durch Lesung von Büchern und dergl. hervorzurufen oder zu nähren. Was sie auszeichnete, war eine große Verständigkeit und Geschicklichkeit in allen Verrichtungen, eine liebreiche Gutmütigkeit, die sich besonders gegen die Armen äußerte, und ein seltener Eifer im Gebet. Schon von ihrem fünften Jahr an suchte sie Gott mit vielen Krankheiten heim, was sie immer nur noch ernster und religiöser machte.

 

In dem schweren Haushalt der Eltern Marias, die durch ihrer Hände Arbeit ihre vielen Kinder ernähren mussten, war nicht selten die Not zu Gast. Maria wurde in ihrem vierzehnten Lebensjahr nach Cles in Nonsberg über das Gebirge geschickt, um dort das Italienische zu erlernen. Doch starb bald die Mutter. Maria wurde zurückgerufen, dem Haushalt vorzustehen. Sie schien den harten Verlust nicht überwinden zu können. Kummer und Sorgen, wachsende Not bedrängten das arme Mädchen. Abermals, im achtzehnten Lebensjahr, erkrankte sie aufs heftigste. Krämpfe aller Art durchzuckten ihren schwachen Körper, häufiger Blutauswurf zeigte sich. Wohl trat wieder Besserung ein, doch blieb sie seitdem fortdauernd siech. Gott zuliebe und wohl auch mit Rücksicht auf die ärztlichen Kosten, verzichtete Maria auf die Linderung, die ihr der Arzt hätte verschaffen können. Mit heldenmütiger Ergebung ertrug sie die anhaltenden großen Leiden.

 

Zu den körperlichen Prüfungen gesellten sich auch geistige mancherlei Art. Doch da kannte sie eine wirksame Arznei, das heiligste Altarsakrament. Stufenweise schritt die fromme Jungfrau fort auf dem inneren Weg der Gnade, während äußerlich noch keine ungewöhnliche Erscheinung wahrnehmbar war. Vom zwanzigsten Lebensjahr an machte man aber die Erfahrung, dass Maria zu gewissen Zeiten, besonders so oft sie die heilige Kommunion empfangen hatte, auf gestellte Fragen keine Antwort gab und ganz abwesend schien. Bald prägten sich immer bestimmter die Erscheinungen der Ekstase, der Verzückung in Gott, aus. Stundenlang verharrte sie kniend im Gebet, ohne wahrzunehmen, was um sie her vorging. Das innere Schauen wurde ihr zur zweiten Natur. Am Fronleichnamstag 1832 blieb sie sechsunddreißig Stunden auf derselben Stelle kniend in Beschauung. Ihr Beichtvater, der Kapuzinerpater Kapistran, ein frommer, durch eigene Leiden geprüfter und in der Seelenleitung erfahrener Mann, sah sich veranlasst, diesen außerordentlichen Zustand in Kraft des Gehorsams, zu dem sich Maria durch ein Gelübde als Terziarin verpflichtete, zu regeln. Das innere Sehvermögen erstreckte sich auch auf natürliche Dinge ihrer Umgebung. Sie warnte vor Gefahren, deren Bestehen sich hernach als richtig erwies.

 

Der Ruf ihres ekstatischen Gebetes verbreitete sich allenthalben. Eine allgemeine Bewegung ergriff das Volk. Zu Tausenden, ganze Gemeinden mit Kreuz und Fahnen, wallfahrteten die Leute nach Kaltern, um sich an dem unbeschreiblichen und tief ergreifenden Anblick der betenden Jungfrau zu erbauen. Schließlich mussten geistliche und weltliche Obrigkeit dem Zudrang des Volkes, das sich auch willig fügte, ein Ziel setzen. Aber noch lange nachher wurden die guten Folgen des Eindrucks gerühmt, den die wunderbare Erscheinung auf das gläubige Gemüt ausgeübt hatte.

 

Um Lichtmess 1834 trat die Stigmatisation ein, die Bezeichnung mit den Wundmalen Christi. Ohne alles Aufsehen, ganz einfach ging es zu, wie bei allen Erscheinungen. Schon im Herbst vorher wurden inmitten der Hände Vertiefungen sichtbar. Als ihr Beichtvater dann einmal die Jungfrau traf, wie sie, kindlich erschrocken, sich mit einem Tuch die Hände wischte, und Blut daran bemerkte, fragte er, was das zu bedeuten habe. Sie erwiderte, sie wisse selber nicht recht, was ihr widerfahren ist, sie müsse sich wohl blutig gerissen haben. Es waren aber die Male, die sich mehr und mehr zeigten und nun bleibend befestigten. Auch an den Füßen und der Seite traten sie auf. Am Donnerstagabend und am Freitag drang meistens helles Blut in Tropfen aus ihnen hervor, an den übrigen Tagen deckte eine vertrocknete Blutkruste die Wunden, ohne dass die geringste Entzündung oder Geschwulst sich zeigte. Die Wunden heilten nicht, eiterten aber auch nicht, trugen somit wunderbaren Charakter. Der Unglaube macht geltend, solche Erscheinungen könnten durch Autosuggestion, das heißt durch kräftige Erweckung einer Vorstellung, durch Selbstbeeinflussung des eignen Willens, durch lebhafte Vorstellung besonders der Wundmale Christi, an sich herbeigeführt werden. Wenn auch eine starke Einbildungskraft bisweilen das Austreten einiger geringer Blutstropfen hervorzurufen vermag, so doch niemals ein anhaltendes Bluten und dauernde Wundmale. Die bescheidene, kindlich demütige Maria Mörl hatte von vornherein gar keinen Gedanken an derartiges, und nachdem einmal die Wundmale auftraten, suchte sie sie aufs sorgfältigste zu verbergen, wie gewöhnlich alles, was ihren inneren Zustand hätte verraten können.

 

Joseph von Görres, einer der scharfsinnigsten Geister, vielleicht der gelehrteste Mann seiner Zeit, beobachtete die ekstatische Jungfrau zu wiederholten Malen. Er berichtet ausführlich darüber, wie er sie den größten Teil des Tages in ihrem Bett kniend in der Ekstase gesehen habe. Die Hände mit den sichtbaren Malen waren vor der Brust gefaltet, das Angesicht war zur Kirche hingewandt und etwas erhoben, der Blick der Augen mit dem Ausdruck des tiefsten Versenktseins in die Höhe gerichtet, keine Bewegung an der knienden Gestalt stundenlang bemerkbar, außer ein leicht in der Brust spielendes Atemholen, manchmal auch ein kleines Wanken; ein Anblick, keinem anderen vergleichbar, als von ferne dem, den die Engel Gottes geben mögen, wenn sie in Betrachtung seiner Herrlichkeit versunken, vor seinem Thron knien. Kein Wunder, dass die Gestalt von der allerergreifendsten Wirkung auf jeden Beschauenden ist, so dass selbst die rohesten Gemüter ihm nicht zu widerstehen vermögen und Tränen der freudigsten Überraschung und Erhebung um sie her in Menge fließen.

 

Sie beschäftigt sich in diesen Ekstasen mit einer fortlaufenden inneren Anschauung des Lebens und Leidens Christi, mit Anbetung des allerheiligsten Altarsakramentes und mit einem wohlgeregelten, betrachtenden Gebet nach der Ordnung des Kirchenjahres. Die Ereignisse, die sie vorhergesagt hat, haben durchgängig zur Zeit der Vorhersage keinen irgend haltbaren Grund zur Erkenntnis gehabt, weil ihr viel späteres Eintreffen ausschließlich von der immer wandelbaren und nicht zu berechnenden Willkür und von höherer Fügung abhingen. Über ihre Gesichte hat sie sich nur ihrem Beichtvater gegenüber ausgesprochen, dabei wusste sie häufig bei ihrer geringen Erfahrung für die Dinge, die sie gesehen hat, keinen Namen zu finden. Deutlich aber spiegelt sich das Allgemeine des Bildes, das vor ihrer Seele steht, in der Haltung ihrer teilnehmenden Persönlichkeit ab. Am tiefsten drückt sich die Passion des Herrn in ihrem Äußeren aus. Die Handlung beginnt schon am Vormittag des Freitags. Im Verhältnis, wie sie im Vorschreiten weihevoller und darum ergreifender wird, treten auch die Züge des Todes kenntlicher hervor, bis zuletzt, wenn die Sterbestunde am Kreuz naht, außen das Bild des Todes aus allen Zügen spricht. Wenn sie dann, die Hände vor der Brust gefaltet, auf ihrem Bett kniet, die tiefste, kaum vom Atemzug der Anwesenden unterbrochene Stille um sie her, dann ist es, als ob nun ihre Lebenssonne im Niedergang steht und sich langsam unter den Gesichtskreis senkt. Bleich, wie sie während des ganzen Vorganges ist, sieht man sie dann immer mehr erbleichen, wie die Todesschauer häufiger ihr Gebein durchfahren und das sinkende Leben immer mehr verdämmert. Eben dieses Miterleben oder vielmehr Mitsterben des Todes Christi durch Maria muss ein innerlichst erschütternder Vorgang gewesen sein. Görres schildert es: Die verdickte Zunge scheint am lechzenden Gaumen zu kleben. Die vor der Brust gefalteten Hände, die anfangs nur unmerklich gesunken, gleiten nun schneller hinab, die Nägel beginnen sich blau zu färben und die Finger verschlingen sich krampfhaft ineinander. Bald wird ein Röcheln hörbar in der Kehle, der Atem immer gepresster, ringt sich nur mit Mühe aus der wie mit eisernen Banden umfangenen Brust, die Züge verstellen sich bis zur Unkenntlichkeit, der Mund des Schmerzensbildes ist jetzt weit geöffnet, die Nase zugespitzt, die starren Augen wollen brechen, in langen Zwischenräumen drängen noch einige röchelnde Atemzüge stockend sich durch die erstarrten Organe; endlich ist´s, als ob der letzte sich verhauchen wollte, dann neigt sich das Haupt, mit allen Zeichen des Todes bezeichnet, senkt sich in gänzlicher Erschöpfung, und es ist ein anderes, kaum mehr erkenntliches Gesicht, das jetzt gegen die Brust niederhängt.

 

Bei alledem bewahrte Maria Mörl ihre fröhliche, unbefangene Kindlichkeit; und das ist das Kennzeichen der Echtheit und Übernatürlichkeit ihrer Ekstasen. Nichts Trübes, Kopfhängerisches und Überspanntes war in ihrem ganzen Wesen zu entdecken, keine Spur eines heuchlerischen Gebarens oder irgend eines versteckten Hochmutes, überall nichts als der Ausdruck heiterer, unbefangener, in Einfalt und Schuldlosigkeit bewahrter Jugend. Über vierunddreißig Jahre lang lebte die begnadete Jungfrau, seit 1841 abgesondert im Tertiarinnenkloster, in ekstatischer Betrachtung der Glaubensgeheimnisse, im Fürbittgebet für allgemeine und besondere Anliegen und im Wohltun gegenüber den Armen.

 

Maria von Mörl ist nicht heilig und nicht selig gesprochen. Ihre wunderbare Begnadung war eine ihr für die Mitwelt gegebene Gnade, die sie freilich in Demut und Heiligkeit hütete. Aber auch ihr galt wie jedem schwachen Menschenkind die Mahnung: Wachet und betet!

 

Das Verfahren zur Seligsprechung Maria Mörls wurde im Jahr 2015 eingeleitet.

 

Und nochmals:

 

Die gottselige Maria von Mörl von Kaltern in Tirol,

+ 11.1.1868 – Gedenktag: 11. Januar

 

Wie überall in katholischen Ländern, so hat auch hier in Südtirol der fromme Sinn unserer Vorfahren an Straßen und Wegkreuzungen und besonders in den ausgedehnten Weinbergen zahlreiche Kreuze und andere Passionsbilder, sogenannte „Marterln“, aufgestellt, offenbar in der löblichen Absicht, dass die Wanderer und Arbeiter bei ihrem Hasten um des Leibes Unterhalt nicht ganz auf der Seele Sorge vergäßen, und dass sie beim Anblick auch ihr Gemüt doch manchmal zu demjenigen erheben mögen, der uns für sich erschaffen und erlöst und von dem alles Gute und aller Segen kommt.

 

Desgleichen pflegt auch Gott im Weinberg seiner Kirche und an der Heerstraße des Lebens von Zeit zu Zeit solch lebendige Kreuze oder blutige „Marterln“ aufzustellen, teils um die ganz ins Irdische versunkene Menschheit so recht eindringlich an höhere Wahrheiten zu gemahnen und ihr das schier vergessene erlösende Leiden und Sterben des Heilandes sozusagen lebendig wieder vorzustellen und ins Gedächtnis zurückzurufen, teils auch, um ein Mittel der Fürbitte und Sühne zu haben, um der sündigen und bußescheuen Menschheit Barmherzigkeit erweisen zu können. Eine solche auserwählte, begnadete Seele – wie Gott deren durch die Jahrhunderte schon viele erkoren – ist auch unsere Maria von Mörl, deren wunderbares und leidenvolles Leben ich hiermit im Auszug und in möglichster Kürze nach den wahrheitsgetreuen Aufzeichnungen ihres letzten Beichtvaters, p. Simon Prantauer vom hiesigen Franziskanerkloster (Kaltern), und nach Berichten von Augenzeugen, die sie noch gekannt haben, schildern will.

 

Dem aufmerksamen Leser ihrer Lebensgeschichte muss es auffallen, dass zwischen ihrem Leben und dem ihres göttlichen Bräutigams, unseres Herrn, eine große Ähnlichkeit besteht. Wie Christus der Herr seine Jugendzeit still und zurückgezogen im Haus seiner Eltern verbrachte, so auch Maria von Mörl. Als Tochter des Josef von Mörl zu Mühlen und Sichelburg und der Maria Sölva am 15. Oktober 1812 zu Kaltern als das zweitgeborene von neun Kindern geboren, zierten sie schon als Mädchen außerordentliche Frömmigkeit und zärtliche Liebe zu den Armen und Kranken. Mit 15 Jahren verlor sie durch den Tod ihre gute Mutter und musste nun bei ihren jüngeren Geschwistern Mutterstelle vertreten und das ganze Hauswesen leiten. Glühend war schon damals ihre Liebe zum leidenden Heiland und zur schmerzhaften Mutter, in deren Nachfolge sie sich abtötete und heiligte. Aber nicht immer sollte sie so still und unbekannt leben – ein Schauspiel sollte sie werden für Engel und Menschen, ein lebendiges Kreuz am Weg des Lebens, den einen Ärgernis und Torheit, den anderen aber Gottes Kraft und zum Heil! . . . Aber wie Christus, ehe er sein öffentliches Leben begann, „vom Geist in die Wüste geführt und vom Teufel versucht wurde“, so auch Maria. Im Jahr 1830 befielen sie verschiedene große und zum Teil außergewöhnliche Leiden und Krankheiten, die sie meist ans Bett fesselten, wozu sich endlich noch unsägliche Seelenleiden und Plackereien von Seite der bösen Geister gesellten. Sie sah sie in verschiedenen Schreckgestalten, als hässliche Männer, die sie fortschleppen wollten, als wilde Tiere, die sie zu zerreißen drohten, die bösen Geister versuchten sie zu verschiedenen Sünden, zum Fluchen und Gotteslästern, zum Ungehorsam gegen den Beichtvater, zu Verzweiflung und dergleichen mehr. Oft wurde sie von unsichtbaren Händen aus dem Bett geschleudert, unter die Bettstelle gepresst, der Kopf stundenlang an die Wand geschlagen. Glasscherben, Drahtstücke, Stecknadeln, Eisennägel und dergleichen wurden unter die Speisen gemischt, in den Mund gestopft, auf das Bett gestreut usw., kurz sie wurde auf verschiedene Weise gepeinigt. Aber wie einst der Herr selbst den Versucher mit dem allmächtigen Wort: „Weiche Satan!“ in die Flucht trieb, so machte auch hier das Machtwort der heiligen Kirche im Exorzismus, den der Beichtvater mit Erlaubnis des Fürstbischofs von Trient über sie anwendete, endlich diesen höllischen Plackereien ein Ende. Für die ausgestandenen Leiden und Ängsten belohnte sie nun der Herr mit außergewöhnlichen Gnaden und Tröstungen, mit der Gabe der Verzückung, der Beschauung, der Weissagung und Herzensdurchforschung und vor allem mit der höchsten Auszeichnung eines Menschen von Zeichen Gottes, mit den heiligen fünf Wundmalen, die sie am 4. Februar 1834 erhielt. Hiermit begann sozusagen ihr öffentliches Leben, denn der Ruf von diesen ihren außergewöhnlichen Zuständen zog bald Tausende aus nah und fern, aus hoch und nieder herbei, Neugierige und Hilfesuchende, und wie einst Christus umherzog „predigend und Wohltaten spendend“, so war sie auch bald all den Tausenden selbst eine stumme Predigt in ihrem Zustand oder ermahnte auch selbst infolge ihrer Herzensdurchschauung solche, deren Gewissen nicht in Ordnung war, erteilte anderen Rat und Trost, Armen und Kranken auch reichliche Almosen – ihre Pfründe einer Haller Stiftsdame verteilte sie auch fast ganz unter die Armen – und führte überhaupt nur ein Leben der Fürbitte, der Buße und Sühne für andere, für besondere und allgemeine Anliegen der ganzen heiligen Kirche. Wie einst der heilige Vater Franziskus von Assisi, dessen geistliche Tochter sie als Tertiarin und dessen getreues Nachbild sie infolge ihrer heiligen Wunden, ihres Buße- und Liebelebens war, so flogen auch ihr Vögel und Tauben beim Fenster herein zu, setzten sich zu ihr aufs Bett, auf Schultern und Arme, worüber sie sich kindlich freute.

 

Doch die größte Wonne, die Sonne ihres Lebens war das heiligste Altarsakrament. Nach der Kommunion, die ihr der Beichtvater alle acht Tage brachte, fiel sie gewöhnlich in lange, selige Verzückung, oft schwebte sie über dem Bett, mit den Zehen kaum die Bettdecke berührend, und bei Versehgängen und Prozessionen mit dem Allerheiligsten drehte sich ihr Leib in der Ekstase unwillkürlich – wie eine Blume nach der Sonne – nach der Richtung der Prozession. Jeden Donnerstag sah sie und betrachtete in der Entzückung die Einsetzung des heiligsten Altarsakramentes und vernahm alle Reden des Herrn. Abends sah sie dann und litt die Todesangst Jesu am Ölberg mit, wobei sie sich jedes Mal dreimal mit geschlossenen Händen in ihrem Bett aufs Angesicht niederwarf. Von da an in der ganzen Nacht und den ganzen Freitag betrachtete sie die verschiedenen Leidensstationen bis zur Grablegung. Besonders von 1 bis 3 Uhr war ihre Teilnahme an den Schmerzen des göttlichen Opferlammes ganz deutlich sichtbar. Ihr Antlitz wurde bleich, die Lippen blau, die Zunge vertrocknet, sie stöhnte und zuckte in unsäglichem Schmerz, der Atem wurde immer mehr gepresster, stockend, röchelnd wie bei einer Sterbenden – endlich nach 3 Uhr sank gewöhnlich ihr Haupt wie sterbend herab, und sie selbst mit wie am Kreuz ausgespannten Armen aufs Bett zurück. Jeden Donnerstagabend und Freitag bluteten ihre Wundmale. Dieses allwöchentliche Mitmachen der Leiden des Herrn war natürlich am Karfreitag noch viel peinlicher und ergreifender.

 

Der Prüfstein jeder Tugend – besonders außergewöhnlicher – ist der Gehorsam. Sie wurde von der geistlichen und weltlichen Obrigkeit verschiedenen Proben unterzogen, die sie glänzend bestand. Mochte sie noch so tief in der Ekstase und für äußere Dinge unempfänglich sein, ein einziges leises Wort ihres Beichtvaters, ja ein nur in Gedanken gegebener Befehl rief sie im Augenblick zurück. Sehr peinlich war ihr und ihrer Demut der große Zulauf des Volkes. Auch an Spöttereien und häuslichen Verdrießlichkeiten fehlte es nicht, darum sehnte sie sich nach einem ruhigen, verborgenen Plätzchen, das sie endlich gefunden zu haben glaubte. Als nämlich 1841 ihr Vater starb, übersiedelte sie samt ihrer Magd in das hiesige Tertiarinnenkloster, wo sie sich dicht neben der Kirche eine kleine, eigene Wohnung bauen ließ. Ein Fenster ihres Gemaches mündete gerade zum Tabernakel hinab. Hier verlebte sie noch 27 Jahre meist kniend auf ihrem Schmerzensbett in verzückter Betrachtung des Lebens und Leidens Jesu Christi und seiner heiligsten Mutter, im Gebet und in sühnenden Leiden für Kirche und Welt. Doch auch hier wurde sie noch von Besuchen belästigt, da auf Einflussnahme hochgestellter Personen das kirchliche Verbot ihres Besuches öfter wieder zurückgenommen wurde.

 

Aber wie einst Christus am Ende seines Lebens erst noch den Hauptzweck seiner Sendung zu erfüllen hatte, nämlich sein genugtuendes Leiden, so hatte auch Maria von Mörl erst noch kurz vor ihrem Ende das schrecklichste Leiden, den schwersten Kampf zu bestehen. In der Nacht zu Mariä Geburt 1867, so erzählt ihr Beichtvater, fühlte sie sich plötzlich mächtig angetrieben, für den Heiligen Vater in Rom und für den Kaiser von Österreich zu beten und hernach überfielen sie so schreckliche, körperliche und geistige Plagen, Angst und Trostlosigkeit, wie noch nie, sie konnte nicht mehr beten, keine Sakramente mehr empfangen, sie hielt sich für betrogen, verloren, ja ganz von Gott verlassen – wie Christus am Kreuz, so jammerte auch sie über Gottverlassenheit –, sie fand nicht einen Augenblick Ruhe noch Schlaf, weder bei Tag noch bei Nacht, sie litt schrecklichen Hunger und brennenden Durst – und konnte die ganze lange Zeit – von Mariä Geburt bis Mitte Oktober! – kein Bissen essen, keinen Tropfen Wasser trinken!

 

Endlich wie Christus der Herr in seiner Todesangst von einem Engel gestärkt wurde, so scheint auch ihr ihre zweite Namenspatronin, die heilige Theresia, zum tröstenden Engel geworden zu sein, denn seit ihrem Fest, 15. Oktober, wurde es wieder besser, die Angstbilder verschwanden, sie konnte wieder beten, kommunizieren, die Verzückungen stellten sich wieder ein, sie konnte endlich auch wieder leiblich etwas genießen. Schließlich kam sie in einen ganz außergewöhnlichen Zustand der Freude, sie hörte den ganzen Tag Triumphgeläute und Jubelgesänge und sang und jubelte selbst den ganzen Tag: „Gott sei gedankt, die Kirche hat gesiegt . . . wie groß – so hörte sie der Beichtvater einmal sagen – wie groß bist du o Gott, ein armes Mädel wie ich, hast du erwählt, um deine Feinde zu Schanden zu machen!“ –

 

Aber körperlich konnte sie sich nicht mehr erholen, es ging rasch ihrem Ende zu, das sie selbst schon längst für diese Zeit vorausgesagt hatte, ihre Aufgabe war erfüllt. Am Fest der heiligen drei Könige spendete ihr der Beichtvater die heiligen Sterbesakramente, und am Morgen des 11. Januar 1868 entschlief sie sanft und ruhig im Herrn, nachdem sie kurz vorher noch gesagt haben soll: „o wie schön, o wie schön!“ Ihr Leib ruht in einem Metallsarg in der von Mörlschen Grabstätte am hiesigen Friedhof. Im Jahr 2015 wurde das Verfahren zu ihrer Seligsprechung eingeleitet.

 

Gebet am 11. Januar

 

Ich grüße dich von Herzen, du Mutter und Gebärerin Gottes. Alle Geschlechter preisen dich selig, die Könige loben dich, die Fürsten huldigen dir, die Vornehmsten des Volkes tragen dir ihre Bitten vor, und die heiligen Jungfrauen rechnen es sich zur Ehre, dir zu folgen. O Maria, wenn ich auf dich vertraue, werde ich selig sein. Wenn ich unter deinem Schutz lebe, habe ich nichts zu fürchten, denn der Herr hat in deine Hände gelegt die Waffen des Heils, die er denen übergibt, die er selig machen will. Amen. 

 

Zu Gott

 

In allem bete ich, o mein Gott, Deinen heiligen Willen an und wünsche, dass alle meine Gedanken, Worte und Werke mit Ihm übereinstimmen mögen. Gib mir die Gnade, eher alles hinzugeben, als Dir ungehorsam zu werden. Mein Tod sei die Vollendung des Opfers, das ich Deiner göttlichen Gerechtigkeit darbringe, damit ich durch die Verdienste meines Heilandes des Glückes teilhaftig werde, Dich ewig zu besitzen. Amen.

 

Zu Gott auf die Fürbitte des heiligen Hyginus

 

Allmächtiger Gott, sieh auf unsere Schwachheit herab, und weil uns die Last unserer eigenen Handlungen zu Boden drückt, stärke uns durch die Fürbitte des heiligen Martyrers und Bischofs Hyginus, durch Jesus Christus, unseren Herrn. Amen. 

 

Andenken an die seligste Jungfrau

 

Das oben beim heiligen Theodosius erwähnte Wunder des vermehrten Brotes zeigte sich besonders an den hohen Festtagen der seligsten Jungfrau, wo eine unzählige Menge Volkes in seiner Kirche zusammenkam, indem der heilige Theodosius bei fortdauernder Hungersnot einen jeden zu Genügen speiste, und noch so viel mitgab, dass er unterwegs und zu Hause zehren konnte. 

 

Andacht am 11. Januar:

 

Das Thema im Januar:

Von der Liebe Jesu

"Wer den Herrn nicht liebt, sei verflucht!" (1. Korinther 16,22)

 

"Die Liebe Gottes zu den Menschen machte Ihn, wenn ich mich so ausdrücken darf, gleichsam zum Verschwender Seiner selbst. Denn ist nicht Verschwender Seiner selbst gegenüber den Menschen, wer nicht nur Alles für sie hingibt was Er hat, sondern auch das, was Er selbst ist?" (Der selige Abt Guerricus)

Es kam dem heiligen Augustinus so vor, als riefen Sonne, Mond und Sterne, Berge und Täler, Flüsse und Meere, ja alle sichtbaren Wesen der Schöpfung ihm zu: Augustinus, liebe Gott, denn um deinetwillen erschuf Er uns: auf dass du Ihn liebst! - "Sollen wir aber den Sohn Gottes lieben, weil Er uns gab, was immer wir haben: was sollen wir Ihm denn dafür geben, dass Er sich selbst uns gegeben hat?" spricht der heilige Bernard. Ganz hat Er sich uns gegeben, und ist gleichsam zu unserem Gebrauch da.

Ein gelehrter Diener Gottes sprach: "Gott machte den Menschen zwei wunderbare Geschenke; Er gab ihnen Sein Wort und Seine Liebe; diese beiden Dinge aber sind das ganze Vermögen Gottes und Sein ganzer Schatz. Der Besitz des Sohnes Gottes und des Heiligen Geistes sind unser höchstes Gut. Diese beiden Gaben zu erkaufen, sollen wir alles verkaufen, was wir sonst besitzen, und allen Habseligkeiten, als überflüssige Dinge, entsagen. Und dann werden wir das Reich Gottes in uns haben, und die Fülle Gottes besitzen."

 

O wie überaus dumm habe ich gehandelt, dass ich durch die Sünde meinem höchsten Gut, ja dem höchsten Gut Gottes entsagt habe, und es für bare Eitelkeit hintansetzte, die zu ewigem Verderben führt! Von Herzen bitte ich deshalb um Verzeihung, o Herr, mein Gott! O könnte ich für meine, ja für alle Sünden büßen, die je gegen Dich begangen wurden! O ewiger Vater, der Du auch mein Vater bist, gib mir Deinen Sohn und den Heiligen Geist!, denn wie sollte mir nicht genügen, was Dir selbst genügt. Amen.

 

Ein Gedanke heiliger Dominikaner am 11. Januar

 

"Wer Jesus Christus gefunden hat, besitzt einen kostbaren Schatz.

Er sei bedacht, ihn mit Sorgfalt zu bewahren."

 

sel. Heinrich Seuse OP

1298 bis 25.1.1366

 

Betrachtung am 11. Januar - Wie Gott verloren und wiedergefunden wird

 

Mein Heiland, geh mit mir nicht ins Gericht,

Wenn ich aus angeborener Schwäche fehle.

Ach, trauernd suche ich dein Angesicht.

Denn fiel ich auch, liebt doch dich meine Seele. 

 

1. Verloren wird Gott durch die Sünde. Wiedergefunden wird er durch die Buße. Die Todsünde bricht das Band der Liebe, die uns mit Gott vereint, und vertreibt ihn aus der Seele, in der sie herrscht. Zerknirschung aber, Seufzer und Tränen helfen uns ihn abermals zu finden. Suchen müssen wir ihn wie die jungfräuliche Mutter ihren göttlichen Sohn: schmerzlich, eifrig, demütig und andächtig. Auch müssen wir nicht ablassen, ihn zu suchen, bis wir ihn endlich gefunden haben. Vergeblich jedoch suchen wir ihn in der großen Welt, in Gesellschaften, unter Freunden und Verwandten. Er wird nur im Tempel, nur bei gottesfürchtigen Menschen gefunden. Wann, wo und wie suchst du ihn?

 

2. Die lässliche Sünde bricht zwar das Band der Liebe nicht, doch schwächt sie die Vereinigung. Gott weicht nicht gänzlich von der Seele, die durch solche Sünden ihn beleidigt. Aber er leitet und tröstet sie nicht mehr wie früher, und entzieht ihr seinen besonderen Schutz. Dadurch aber versinkt sie in Kaltsinn, verliert seine heilige Gegenwart aus den Augen, und neigt sich allmählich zu schwereren Sünden. Verloren wird seine heilige Gegenwart durch Zerstreuung der Sinne und des Geistes, durch den Lärm der Leidenschaften, durch den Umgang mit der Welt, durch eitle Begierden und Vorwitz. Wiedergefunden aber wird sie durch Entfesselung von den Geschöpfen, durch Einsamkeit und innerliche Sammlung.

 

3. O liebevoller Jesus, wo ist die Zeit, da du in meinem Herzen wie in deiner Wohnstätte, wie in einem freundlichen Wonnegarten wohntest. Ach, wie selig war damals meine Seele. Wie überaus wohl war mir in deiner liebevollen Gegenwart. Wie glühte mein Herz nach deinen lieblichen Worten. Wo bist du, Geliebter meiner Seele? Verlassen hast du mich, oder vielmehr verloren habe ich dich. Wie in einer öden Wildnis irre ich nun, die kein Tau des Himmels benetzt. Du Quell des lebendigen Wassers, wann wirst du meine lechzende Seele wieder mit deinem Trost erquicken? Suchen will ich dich, und nicht nachlassen, bis ich dich wiedergefunden habe. "Ich fand ihn, den meine Seele liebt. Ich packte ihn, ließ ihn nicht mehr los." (Hohelied 3,4)

 

12. Januar

 

Die heilige Tatjana, Martyrin von Rom,

+ 222-235 – Fest: 12. Januar

 

Über diese frühzeitig verehrte Glaubenszeugin ist – wie dies ja vielfach der Fall ist bei Märtyrerinnen und Märtyrern der frühchristlichen Zeit – nur wenig gesichert überliefert. Sie erlitt, das jedenfalls dürfte feststehen, unter Kaiser Septimius Severus (146-211) den Martertod; ihre früher vorwiegend für den slawischen Raum geltende Beliebtheit als Namenspatronin hat sich inzwischen auch bei uns verbreitet.

 

Der heilige Satyrus, Martyrer von Achaja, Griechenland,

+ 12.1.257 – Fest: 12. Januar

 

Satyrus, in Arabien geboren um die erste Hälfte des 3. Jahrhunderts, zeichnete sich unter allen seinen Zeitgenossen durch eine seltene Anhänglichkeit an die Religion Jesu und durch einen vorzüglichen Eifer aus, sie gegen die Angriffe der Heiden zu verteidigen, weswegen er schweren Verfolgungen ausgesetzt war. Aber freudig ertrug er alle Leiden um Jesu willen und sah mit inniger Sehnsucht der Zeit entgegen, wo er gewürdigt werden würde, für Gott und die heilige Religion sein Blut und Leben zu opfern. Sein Verlangen wurde erfüllt, als er in Begleitung seiner heiligen Gefährten, Cyriacus und Moscentius in Achaia vor einem Götzentempel vorbeiging und das darin sich befindliche Bild erblickte, dem soeben Opfer gebracht wurden. Ergriffen vom heiligen Zorn über den schändlichen Götzendienst, verfluchte er ihn und nachdem er sich mit dem heiligen Kreuz bezeichnet hatte, stürzte der Abgott samt seiner Säule zu Boden. Dieses Ereignis brachte die Heiden in Wut und Verzweiflung. Sie überfielen die heiligen Bekenner auf öffentlichem Platz, misshandelten sie unter den größten Gewalttätigkeiten und halbtot wurden sie schließlich enthauptet im Jahr 257.

 

Der heilige Tigrius, Priester und Martyrer von Konstantinopel,

+ 395-408 – Fest: 12. Januar

 

Tigrius kam am Ende des 4. Jahrhunderts als ein christlicher Sklave nach Konstantinopel, wo er sich durch seine Treue und Frömmigkeit so sehr die Liebe seines Herrn erwarb, dass er ihm die Freiheit schenkte und ihn wegen seiner hohen Tugenden und gründlicher Gelehrsamkeit dem Patriarchen empfahl. Der erteilte ihm nach einer langen und strengen Prüfungszeit die heiligen Weihen und stellte ihn als Priester an der Patriarchalkirche an. Tigrius machte seinem Stand durch sein heiliges Leben große Ehre, denn Gebet und die Lesung der heiligen Schriften, die Verkündigung des göttlichen Wortes und der Besuch der Kranken, Armen und Gefangenen, verbunden mit einem reinen, gottseligen Wandel, war sein Tagewerk. Geehrt und geachtet von allen Frommen als die Zierde der Geistlichkeit, wirkte der heilige Tigrius rastlos in seinem Beruf, bis zu der unglücklichen Zeit, wo unter der Regierung des Kaisers Arcadius in Konstantinopel eine Feuersbrunst unersetzlichen Schaden anrichtete und den Gläubigen die Schuld daran zur Last gelegt wurde. Optatus, damals Präfekt der Kaiserstadt, begünstigte die Ketzer und wartete schon lange mit Sehnsucht auf eine gute Gelegenheit, die wahren Gläubigen zu verfolgen und zu unterdrücken. Jetzt war sein Verlangen erfüllt und unter dem Schein der Gerechtigkeit wütete er wie ein Barbar und vergoss eine Menge unschuldiges Blut. Besonders traf seine Rache jene Priester, die bei ihm wegen ihres tätigen Eifers für die Erhaltung der Reinheit der christlichen Religion angeklagt waren. Unter vielen anderen wurde auch der heilige Tigrius von den Gerichtsdienern überfallen, in ein Gefängnis gebracht und nach einigen Tagen vor den Richter geführt. Als er auf seiner Unschuld beharrte und in einer rührenden Rede auch mit eindeutigen und guten Gründen die Unschuld der Gläubigen bewies, wurden ihm die Kleider vom Körper gerissen und auf einer Folter seine Glieder schmerzhaft ausgedehnt. Dann schlugen ihn die Henker so grausam, dass er unter den größten Schmerzen den Geist aufgab.

 

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Am selben Tag erhielt auch der heilige Eutropius, Lektor an der Patriarchalkirche zu Konstantinopel, die Marterkrone. Er war ein sehr junger Mann, der von seiner frühesten Jugend an sein Herz Gott und der Tugend geweiht hatte und durch seine seltenen Anlagen die schönsten Hoffnungen von sich gab, dass er einst ein ausgezeichnetes Licht in der Kirche Jesu werden würde.

 

Der gottselige Johann Kaspar Kratz, Märtyrer aus der Gesellschaft Jesu,

+ 12.1.1737 – Fest: 12. Januar

 

Golzheim, ein Dorf bei Düren im Rheinland, war der Geburtsort des Pater Johann Kaspar Kratz. Am 14. September 1698 erhielt er in der Dorfkirche die Taufe. Die Eltern hatten durch unglückliche Ereignisse ihr Vermögen verloren. Als nun noch der Vater früh starb, lebte die Mutter mit ihren Kindern in sehr beschränkten Verhältnissen. Deshalb musste Johann als der älteste Sohn bei den ländlichen Arbeiten mithelfen. Doch hoffte die Mutter immer, den talentvollen Jungen einst als Priester am Altar zu sehen. Als er fünfzehn Jahre alt war, gab sie ihm die Erlaubnis, im Jesuitenkolleg zu Düsseldorf seine Studien zu machen. Dort fand er nicht bloß Aufnahme, sondern sein Lehrer Pater Vrechen, der den unschuldigen, fleißigen Jungen bald liebgewann, erwarb ihm auch eine Freistelle. Nachdem Johannes den sechsjährigen Gymnasialkursus mit Auszeichnung vollendet hatte, ging er nach Münster in Westfalen, um dort Philosophie zu studieren. Aber seine Hoffnung, eine Stelle als Hauslehrer zu finden und so den nötigen Unterhalt zu verdienen, ging fehl. Deshalb kehrte er nach Düsseldorf zurück. Ein Franziskanerpater nahm sich seiner an und gab ihm Privatstunden in der Philosophie. Doch bald regte sich in ihm eine unwiderstehliche Wanderlust. Oder war es die Vorsehung, die sich der Neigung des jungen Mannes bediente und ihm nach manchen Irrfahrten bis nach Tonkin führte, damit er sich dort die Märtyrerpalme pflücke? Im Jahr 1721 nahm ein vornehmer Herr ihn als Begleiter mit nach Rom. Hier wurde er bedenklich krank. Doch er genas wieder. Unterstützt von seinem Gönner reiste Kratz nach Madrid, Lissabon und Paris. Überall blieb er wenigstens ein Jahr und lernte mit großem Eifer die Landessprachen.

 

In Paris bekam er eine solche Sehnsucht nach seiner Mutter, dass er den Wanderstab ergriff und nach der Heimat zurückkehrte. Wie freute sich die gute Frau, ihren Johannes wiederzusehen. Jetzt, hoffte sie, würde er sich auf die Priesterweihe vorbereiten. Wohl war er ernster geworden, aber die Wanderlust trieb ihn wieder hinaus. Er begab sich über Köln nach Amsterdam, um sich als Soldat für Batavia in Indien anwerben zu lassen. Als sprachkundiger Mann von 29 Jahren erhielt er die Stelle eines Offiziers im ostindischen Heer. Im Juni 1727 wurden die Anker gelichtet. Nach siebenmonatiger Fahrt langte er in Batavia an. Aber bald schrieb er seiner Mutter: „Es reut mich, diese Ufer betreten zu haben, wo man den Pflichten der Religion nicht genügen kann.“ Die katholische Religion war dort streng verboten. Die kalvinischen Holländer ließen alles zu: Lutheraner, Wiedertäufer, Juden und Mohammedaner, nur keinen katholischen Priester. Auch keine katholische Kirche. Deshalb sammelte der brave Offizier die wenigen Katholiken in seiner Wohnung und betete mit ihnen den Rosenkranz. Eines Tages hörte er, im Hafen liege ein Schiff, auf dem ein Priester der Gesellschaft Jesu sich befände. Sofort eilte er hin, um die heiligen Sakramente zu empfangen. Auch führte er die anderen Katholiken zum Missionar. Doch nach 14 Tagen segelte das Schiff wieder ab. Da Kratz auch als Offizier frei seinen Glauben bekannte, musste er bei seinen Kameraden vielen Spott hören. Er weile, schrieb er an Pater Vrechen, in einem Abgrund von Bosheit. Deshalb nahm er nach drei Jahren seinen Abschied und schloss sich einem katholischen Kaufmann an, mit dem er nach Makao in China fuhr. Hier vernahm er den Ruf der Gnade. Durch die Empfehlung des Paters, der ihn in Batavia hatte kennen und schätzen gelernt, erhielt er die Aufnahme in die Gesellschaft Jesu. Er stand im Alter von 32 Jahren. Nach Vollendung der Studien wurde er zum Priester geweiht und brachte am Tag vor Weihnachten 1734 zum ersten Mal das unblutige Opfer dar. Er ahnte wohl nicht, dass er drei Jahre später sein Blut für den Heiland opfern würde. Wegen seiner allseitigen Sprachkenntnisse hätten die Obern ihn gern in Makao gehalten; aber auf seinen inständigen Wunsch wurde er im März 1735 mit drei anderen Patres nach Tonkin geschickt, um in diesem heidnischen Land das Evangelium zu predigen. Kaum waren sie gelandet, als Häscher sie ergriffen und ins Gefängnis von Nau-chao schleppten. Von April bis September hielt man sie fest und brachte sie dann nach Makao zurück. Bleich und abgezehrt kamen sie am 24. Dezember bei ihren Mitbrüdern an. Schon im März des folgenden Jahres wagten sie von neuem die Fahrt. Doch sie wurden ergriffen und zur Hauptstadt gebracht. Die Häscher, fürchtend, die Christen möchten die Priester erkennen und befreien, deckten ihnen einen Kasten über den Kopf, so dass nur die Füße sichtbar blieben. Die Qual war entsetzlich. Im königlichen Palast wollte man sie zwingen, das Kreuz mit Füßen zu treten; aber sie küssten es ehrfurchtsvoll. Darauf legte man ihnen den gemeinschaftlichen Kang um den Hals. Dieser bestand aus zwei zusammengefügten Brettern, aus deren Löchern die Köpfe hervorragten. Neun Monate schmachteten die Bekenner, mit dem Kang beladen, in einem Gefängnis, das der Volksmund wegen seiner ausgesuchten Qualen die Hölle nannte. Und doch priesen sie Gott ob dieser Leiden. Da teilte ein Katechist ihnen mit, dass sie am 12. Januar sterben würden. Voll Freude über das Märtyrium, das ihm winkte, schrieb Pater Kratz an Pater Sibin: „O glücklicher Tag, o selige Stunde, von so vielen Heiligen ersehnt, und von so vielen, die besser waren als ich, nicht gefunden! Mit dem innigsten Frohlocken erwarten wir den Heldenkampf und wünschen aufgelöst zu werden und mit Christus zu sein.“ Am Morgen des 12. Januar 1737 wurden die Gefangenen zum Richtplatz geführt. Der heidnische Pöbel überhäufte sie mit Schimpfworten, während die Soldaten sie mit Faustschlägen vorantrieben. Auf dem Richtplatz waren die Augen der Menge besonders auf Pater Kratz gerichtet; denn auf seinem Antlitz strahlte eine himmlische Seligkeit. Auf das Zeichen schwangen die Henker das Schwert, und vier Märtyrerhäupter rollten in den Staub. Die heiligen Gebeine wurden später in der Jesuitenkirche zu Makao beigesetzt.

 

Pater Kratz stand im 39. Lebensjahr und im siebenten seines Ordenslebens. Er liefert ein herrliches Beispiel, dass ein junger Mann auch in den größten Gefahren der Welt seinen Glauben und seine Herzensreinheit bewahren kann. Möchten doch alle jungen Leute seinem Beispiel folgen und sich so wie er an Gott anklammern, wenn ihnen sittliche Gefahren drohen!

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Der gottselige Hanskasper (Johann Kaspar) Kratz, Jesuit, Missionar, Märtyrer,

+ 12.1.1737 – Gedenktag: 12. Januar

 

Hanskasper Kratz war lustig und trübselig, ulkig und ernst, wendig und windig, bescheiden und prahlerisch, nachlässig und tatkräftig. So war der Hanskasper Kratz, und wer nach dieser Beschreibung bei ihm auf einen Rheinländer tippt, der hat recht geraten. Aus dem Namen Hanskasper, was eigentlich Johann Kaspar heißen soll, kann man ferner schließen, dass der Namensträger nicht weit vom Kölner Dom geboren sein muss, denn in diesem herrlichsten Gotteshaus am Rhein haben die Heiligen Drei Könige Kaspar, Melchior und Balthasar die letzte Ruhestätte gefunden.

 

Zu Golzheim bei Düren stand Hanskaspers Wiege, auf einem Bauernhof, der einmal ein großes Gut war, mit der Zeit aber kleiner und kleiner wurde, so dass schließlich nur wenig Land übrigblieb, das nach dem frühen Tod des Vaters eine herzliebe Mutter mit viel Mühe und immerwährender Sorge für den Unterhalt der Familie bewirtschaftete.

 

Fünfjährig musste Hanskasper bereits das Vieh hüten. Eigentlich aber war es Karo, der Hund, der das Viehhüten besorgte, denn der Hütejunge selbst schnitzte sich im Frühling Weidenflöten, und im Herbst briet er Kartoffeln im offenen Feldfeuer. Mit acht Jahren musste Hanskasper der Mutter auf dem Acker helfen, und weil er nicht sehr sorgfältig schaffte, kam er auch schnell mit der Arbeit weiter. Vor den Alterskameraden protzte er dann mit dem, was er alles könne. Überhaupt würden sie später noch Augen machen, wenn sie erführen, was Großes aus ihm werde.

 

Der Mutter lag der Junge ständig in den Ohren mit der Bitte, sie solle ihn studieren lassen, denn er wolle Priester werden, und halbwegs war es ihm sogar ernst mit diesem Wunsch. Kurz und gut, eines Tages saß Hanskasper in der Lateinschule zu Düsseldorf. Weil er aber der Meinung war, dass das Lernen im Vergleich zu der bisherigen harten Bauernarbeit nur Spielerei sei, betrieb er denn auch das neue Gewerbe spielerisch und fiel bei der Prüfung am Ende des ersten Schuljahres durch, so dass er die Klasse zweimal machen musste. Diese an sich betrübliche Tatsache wirkte sich indessen sehr segensreich aus, denn Hanskasper entschloss sich daraufhin, mit seiner Sache ernst zu machen, und wurde ein prächtiger Student.

 

Da kam ein reicher Herr zu Hanskasper und fragte an, ob er wohl sein Reisebegleiter werden wolle. Natürlich sagte der Gefragte mit Freuden zu, und in den folgenden sechs Jahren wanderte der rheinische junge Mann mit offenen Augen und Ohren durch die weite schöne Gotteswelt, nach Italien, Spanien, Portugal und Frankreich. Schnell lernte er auch die Sprachen, die in diesen Ländern gesprochen wurden. Es war ein schönes Leben, das Hanskasper damals führte. Aber dann kam wie über jeden Kölner, der in der fremde weilt, auch über ihn mit Macht das Heimweh, und heimgekehrt war dem Weitgereisten die Heimat wieder zu eng.

 

Kaum hatte nämlich Hanskasper der Mutter und den Alterskameraden, die mit Ohren, Augen und Mund zuhörten, seine Reiseerlebnisse geschildert, da war er auch schon wie der Wind wieder fort. Der fahrtenfreudige junge Mann trat bei den Holländern, die ihn wegen seiner vielseitigen Sprachkenntnisse gern annahmen, als Offizier in Dienst, und bald fuhr er auf wackligem Schiff in siebenmonatiger gefahrvoller Reise genau dorthin, wo der Pfeffer wächst, nämlich nach Ostindien in die holländische Kolonie auf der Insel Java.

 

Das neue abenteuerliche Leben war ganz nach Hanskaspers Geschmack. Mit Lust versah er den Dienst, war wegen seiner rheinischen Aufgeräumtheit bei den Kameraden beliebt und stand bei den Vorgesetzten in Gunst. Nur das gefiel ihm nicht, dass es auf Java nicht einen einzigen katholischen Priester gab, denn die Holländer waren als strenge Kalvinisten den Katholiken spinnefeind und duldeten in den Kolonien weder katholische Priester noch katholischen Gottesdienst. Da endlich erwachte in Hanskasper Kratz der Katholik, der bisher in ihm geschlafen hatte, und er entwickelte sich allmählich zu einem Laienpriester, der die Katholiken auf der Insel um sich sammelte, mit ihnen betete und ihnen im Sterben auf katholische Weise beistand.

 

 

Bei dieser Tätigkeit regte sich in Hanskasper erneut der Wunsch nach dem Priestertum. Deshalb quittierte er den Dienst, ging nach China, trat dort in den Jesuitenorden ein, empfing die heilige Priesterweihe, feierte mit unsagbarer Freude das erste heilige Opfer, ging in die Mission und erlitt mit drei Gefährten am 12. Januar 1737 im Alter von knapp vierzig Jahren den Martertod um des katholischen Glaubens willen. Solch merkwürdige Wege führt Gott den Rheinländer Hanskasper Kratz bis zum glorreichen Martertod. Die Jesuiten in Macau erfuhren erst im August 1737 die Todesnachricht und leiteten sofort das Seligsprechungsverfahren ein, das bis heute nicht abgeschlossen ist.

 

Der heilige Bernhard von Corleone, Kapuziner-Laienbruder, Italien,

+ 12.1.1667 – Fest: 12. Januar

 

Zwei Wege führen die Menschenseele auf ihrer Erdenpilgerschaft heimwärts zum ewigen Vaterland – der Weg der Unschuld und der Weg der Buße. Weiße Lilien und rote Rosen umsäumen den Engelsweg der Unschuld, während auf dem schmalen Büßersteig viel Dornen und Passionsblümlein stehen. Doch aus den Dornen der wahren Buße blüht auch die herrliche Christrose echter Tugend und Vollkommenheit.

 

Da klopfte einst im Jahr 1632 an die Pforte eines armen Kapuzinerklosters der berühmte und berüchtigte Philipp Latini, der „beste Haudegen“ auf der Insel Sizilien.

 

Groß und stark, kühn und ehrgeizig, hatte ihm einst das ruhige Sitzen auf dem Schusterdreibein seines Vaters nicht behagt. Die friedliche Schusterahle gefiel ihm weniger als der klingende Degen. Mit dem Waffenhandwerk dachte er eher sich Ruhm, Reichtum und Weltglück zu erobern. Bald war der junge Mann als der beste Raufer weit und breit gefürchtet. Jeden Kampf nahm er auf und immer blieb er Sieger. Waffenruhm und Ehrgeiz berauschten den „tollen Philipp“. In dieser Selbsttäuschung betrachtete er die wilden und ärgerlichen Streiche seines unchristlichen Lebenswandels als „Heldentaten“, die immer mehr überboten werden mussten.

 

Und doch war in dem wilden Fechtmeister noch ein Fünklein christlicher Gesinnung. Zur Sühne seiner Sünden und Taten stiftete er eine stets brennende Lampe vor einem Kruzifixbild. Kaum hatte Philipp von Klagen gehört, dass arme Mädchen und Frauen, die abends von der Arbeit auf den Feldern in die Stadt zurückkehrten, von der verwilderten Soldateska schwere Übergriffe zu erleiden hätten, so übernahm er ritterlich ihren Schutz. Wo ein Hilferuf erscholl, war er zur Stelle. Klingen kreuzten, Funken sprühten. Mit schwerer Wunde bezahlte jeder Frevler sein Unterfangen. Allein Gottes Vorsehung hatte den Haudegen zu Höherem bestimmt. „Jedem ist sein Tag beschieden!“ und auch der Fechtmeister brachte Kampf und Streit zu rechtem Frieden. Bei einem Waffengang mit einem Gegner lieferte er noch ein Meisterstück, so dass dieser schwer verwundet liegen blieb. Philipp musste aus der Stadt Palermo flüchten – gerade in die Arme Gottes. Eine Gnadenerleuchtung ließ ihn erkennen, dass der Mensch nicht über dem Leib die Seele, nicht über der Erde den Himmel vergessen dürfe, nicht über der kurzen Zeit die lange, lange Ewigkeit. Auf demütiges und inständiges Bitten hin empfing dann der Haudegen das arme Ordenskleid der Kapuziner und wurde mit dem Ordensnamen Bernhard der großen Armee der Streiter Jesu Christi einverleibt, um unter dem sieghaften Zeichen des heiligen Kreuzes ein stilleres, aber noch rumvolleres Heldentum zu beginnen.

 

Mit heldenmütigem Erstlingseifer brach Bruder Bernhard mit seinen bisherigen Weltleben in Ehrsucht, Vergnügungssucht und dem Streben nach irdischem Reichtum. Die drei Ordensgelübde der heiligen Armut, des Gehorsams und der Keuschheit nahm er sich als Richtpunkte in dem schweren, langwierigen Kampf gegen den Weltgeist in seinem Leib und in seiner Seele. Auf diesem harten Kreuzweg der Buße musste er den Himmel mit heiliger Gewalt erstürmen.

 

In welche Gefahr hatte er doch bisher seine Keuschheit gebracht durch allzu große Weichlichkeit und Sinnlichkeit seines Lebens! Zur Buße dafür ließ er jeden Tag siebenmal seine schreckliche Bußgeißel auf das verweichlichte Fleisch niedersausen. Im Eifer der Selbstüberwindung und Abtötung verwandelte Bruder Bernhard sein ganzes Leben in eine beständige Fastenzeit, sühnte seine frühere Lüsternheit durch das Versagen jeglicher Ergötzung der Gaumenlust und freudige Hinnahme von körperlichen Schmerzen. Einige mitleidige Mitbrüder ersuchten den Büßer einst, sein Folterbett für die drei Stunden Nachtruhe etwas bequemer zu gestalten, allein der Heilige gab zur Antwort: „Der Weg zum Paradies ist auch eng und schmal.“ Strenge Behutsamkeit der Augen, Leben in Gottes Gegenwart, heilige Zurückhaltung und die körperlichen Bußwerke bildeten den Dornenzaun, in dessen Schutz die Lilie der Keuschheit wohlverwahrt blühte. Diese Tugend der Herzensreinheit gab dem demütigen Bruder auch oft eine heilige Energie ein und flammenden Eliaseifer, wenn er mit den Donnerworten prophetischer Strafdrohungen lasterhafte Menschen von ihrem Sündenleben abschreckte.

 

Stolz und selbstbewusst hatte der frühere Fechtmeister als „Herrenmensch“ sich aufgespielt, jede vermeintliche Beleidigung blutig gerächt und sich darob wegen seiner scheinbaren Selbstherrlichkeit bewundert. Im Orden des heiligen Franziskus lernte er nun allmählich die schwere Kunst, demütig und sanftmütig zu werden und sich unter das christliche Joch des freiwilligen Gehorsams zu beugen. Nicht als ob diese Umwandlung ohne Schwierigkeiten und Wehen bei Beleidigungen wieder auf, allein Bruder Bernhard strafte sich für gereizte Worte so schwer, dass diese Äußerungen des Hochmutes schließlich ganz verschwanden. Bei all seinem Tugendstreben ließ er sich von einer erleuchteten Klugheit leiten und vermied so die Gefahren des aszetischen Eigensinnes und Tugendstolzes, der oftmals vor dem Fall kommt. Sobald der Gehorsam ihm Fasten und Bußübungen verbot, ließ er mit heiliger Gleichmütigkeit davon ab. Wurde der Befehl wieder zurückgenommen, begannen sie wieder in heldenmütiger Freude.

 

Woher nun schöpfte der ungelehrte Bruder diese Wissenschaft der Heiligen? Unkundig des Lesens gab er sich einst auf den guten Rat anderer hin viel Mühe, die Anfangsgründe zu erlernen, um geistliche Bücher lesen zu können. Um die gleiche Zeit betete Bernhard vor einem Bild des Gekreuzigten, ganz in Andacht und mystische Ekstase versunken, da hörte er aus dem Mund des Gekreuzigten deutlich die Worte: „Bernhard, dein Buch seien meine Wunden!“ Diese Vision entfachte aufs Neue den Eifer, in dem großen Buch des Leidens Christi recht zu lesen, bis sich ganz die Loslösung von dem sündhaften Selbst und die Umbildung in Christus vollzogen hätten.

 

Einstmals suchte Philipp Latini sein Lebensglück in den Scheingütern dieser Welt, als Bruder Bernhard fand er das wahre Glück in dem geistlichen Reichtum der freiwilligen Armut. Aus dem Schatz dieser seiner christlichen Welt- und Himmelserfahrung teilte er gerne aus, um kleinmütige Seelen zu trösten und aufzumuntern. "Höret", sagte er bei einer geistlichen Unterredung einmal, „der Ordensstand ist ein schöner Garten, der den Augen der göttlichen Majestät in seiner Mannigfaltigkeit sehr angenehm ist. Unter den Religiosen soll darum der eine sich auszeichnen in der Demut, der andere in der Armut, jener in der Bußfertigkeit und Abtötung, dieser im Gehorsam und in der Unterwürfigkeit, einige obliegen den Werken der Liebe, andere der Betrachtung und dem hohen geistlichen Leben. Sei nun einer minder oder mehr, so sind doch alle dem himmlischen Gärtner angenehm und wohlgefällig. Lasst uns daher seinem göttlichen Willen uns ergeben und jenen geistlichen Weg gehen, den er selbst uns zeigt, auch zufrieden sein mit dem, was er uns gibt, das Verlangen aber nach dem, was er zu größerem Nutzen uns entzieht, ihm zum Opfer bringen.“

 

Fünfunddreißig Jahre büßte der frühere Fechtmeister in seiner heroischen Weise die Fehler seiner wilden Jugendjahre, schritt auf dem Weg der Buße stetig vorwärts, aufwärts, himmelwärts, bis er dann kurz nach seinem Tod einem großen Diener Gottes in strahlender Himmelsherrlichkeit erschien und jubelnd ausrief: „O selige Verleugnung des eigenen Willens! O seliges Fasten und Wachen! O selige Bußfertigkeit!“

 

Auf dem Weg der Unschuld oder auf dem Weg der Buße muss jede Seele zum Himmel pilgern. Ach wie viele lassen sich vor täuschenden Irrlichtern weglocken vom Unschuldspfad und müssen langsam und mühsam auf dem Bußweg sich emporarbeiten. Nur Mut und Vertrauen, liebe Seele! Du findest schon den rechten Himmelsweg:

 

„Hast den ersten du verlassen,

Walle standhaft auf dem andern!

Hier auch wird es einmal tagen,

Und die Friedenssonne grüßen.

Harre! Hoffe! Bald siegst du!

Selig sind, die reuvoll büßen!“

 

Bernhard von Corleone wurde am 5. Mai 1768 seliggesprochen und von Papst Johannes Paul II. am 10. Juni 2001 heiliggesprochen.

 

Der heilige Arkadius von Cäsarea, Martyrer,

+ 12.1.260 – Fest: 12. Januar

 

Der höllische Feind hatte die Verfolger mit unersättlicher Wut gegen die Jünger Jesu Christi entflammt. Auf den geringsten Verdacht, brach man in die Häuser ein und stellte die strengsten Untersuchungen an. Entdeckte man bei der Durchsuchung irgendeinen Christen, so wurde er auf die grauenvollste Weise misshandelt und dann erst vor den Richter geschleppt. Jeder Tag sah neue Gräueltaten. Man zwang die Gläubigen, abgöttische Gebräuche mitanzusehen, die mit Blumen geschmückten Opfertiere durch die Straßen zu führen, Weihrauch zu Ehren der Götzen anzuzünden und nach Art der Bacchantinen zu singen. (Lieder, die zu Ehren des Bacchus von Männern und Frauen, gewöhnlich zur Nachtzeit, in feierlichen Zügen mit der zügellosesten Ausgelassenheit, im Weinrausch, gesungen wurden.) Durch diese Mittel hoffte man den Glauben an Jesus Christus aus ihren Herzen zu tilgen.

 

Da Arkadius überall diese schaudervolle Verwirrung sah, und sie nicht steuern konnte, entschloss er sich seine Güter zu verlassen, und sich von einem so gefährlichen Aufenthaltsort zu entfernen. Er eilte daher aus der Stadt, in der er wohnte, um sich an einen abgelegenen Ort zurückzuziehen. Da diente er ungestört Jesus Christus in Wachen, Beten und allen anderen Übungen eines strengen Bußlebens. Seine Flucht konnte aber nicht lange verborgen bleiben. Der Statthalter schickte, als er hörte, dass er nicht mehr bei den Opfern erschien, Kriegsleute in das Haus des Jüngers Jesu. Diese standen nun, da sie die Türen aufgebrochen hatten, niemanden, als einen Verwandten des Heiligen, der alles aufbot, um die Abwesenheit des Arkadius zu rechtfertigen. Die Soldaten wollten aber seine Gründe nicht hören,

 

Der Heilige erfuhr, in welcher Gefahr sein Verwandter schwebt, zeigte sich daher unverzüglich, da er schon längst von heiliger Begierde nach dem Martyrertod erglüht war, in der Stadt, und stellte sich selbst dem Richter dar, mit den Worten: „Wenn du meinetwegen meinen Verwandten in der Haft behältst, so gib ihm die Freiheit. Ich bin jener Arkadius, die einzige Ursache seiner Verhaftung. Ich erkläre vor dir, dass er meinen Aufenthaltsort nicht wusste, und ich will in eigener Person alle Fragen, die du mir stellen magst, beantworten.“ – „Gerne“, erwiderte der Richter, „will ich euch beiden vergeben, mit der Bedingung, dass ihr den Göttern opfert.“ – „Was denkst du,“ erwiderte Arkadius, „mir dies vorzuschlagen? Kennst du die Christen, und glaubst, dass die Furcht vor dem Tod sie zu Verrätern an ihrer Pflicht machen kann? Jesus Christus ist mein Leben, und der Tod ist mir Gewinn. Denk dir für mich Qualen aus, welche du willst, nie werde ich meinem Gott untreu werden.“

 

Der Richter überlegte zornig eine außerordentliche Todesart, denn eiserne Krallen, mit Bleikugeln versehene Geißeln, das Pferdchen, schienen ihm zu leicht, um seine Wut zu sättigen. Schließlich brach er das Schweigen und sprach folgendermaßen zu den Schergen: „Ergreift diesen Gottlosen, er soll den Tod sehen, soll ihn wünschen, und lange umsonst darum bitten. Schneidet ihm ein Gelenk nach dem anderen entzwei, und zwar ganz langsam, damit er einsehen lernt, was es heißt, die Götter seiner Vorfahren zu verlassen, um eine unbekannte Gottheit anzubeten.“ Kaum hatte der Statthalter befohlen, als die Schergen den Arkadius an einen Ort schleppten, wo schon mehrere Schlachtopfer des Namens Jesu wegen erwürgt worden waren. Als der Heilige dort angekommen war, hob er seine Augen zum Himmel auf, erflehte seinen Beistand, dann bot er den Nacken dar, in der Meinung, man wird ihn enthaupten. Allein die Schergen schnitten ihm, wegen des erhaltenen Befehls, nach und nach die Gelenke durch, die Finger, die Arme und Schultern. Dann legten sie ihn auf den Rücken und zerschnitten ihm die Zehen, die Füße die Beide und die Schenkel. Der Blutzeuge gab seine Glieder eins nach dem anderen hin und bewies während dieser grauenvollen Hinrichtung eine mehr als heldenmütige Geduld. Seine Zunge, die man vergessen hatte, sprach oft diese Worte aus: „Herr, lehre mich Deine Weisheit.“ Allen Anwesenden presste der Anblick seines verstümmelten und ganz mit Blut bedeckten Leibes, Tränen des tiefsten Schmerzes aus. Sie konnten nicht genug eine so beispiellose Standhaftigkeit bewundern, und gestanden, dass sie nur aus göttlicher Quelle fließen könne.

 

Unterdessen brachte Arkadius, noch lebend, seine umhergestreuten Gliedmaßen Gott zum Opfer dar. „Glückliche Glieder!“ rief er aus, „jetzt seid ihr mir erst recht teuer und wertvoll, weil ihr nun wahrhaft meinem Gott gehört, da ihr ihm zum Opfer dargebracht worden seid. Und ihr,“ fügte er bei, sich an das Volk sich wendend, „ihr, Zuschauer dieses blutigen Schauspiels, lernt, dass alle Qualen ein Nichts für jenen sind, dessen Auge die ewige Krone geschaut hat. Eure Götter sind keine Götter. Entsagt daher ihrem schändlichen Dienst. Es gibt keinen Gott, als den, für den ich leide und sterbe. Er allein tröstet mich und hält mich aufrecht in dem Zustand, in dem ihr mich seht. Für ihn sterben, ist leben. Für ihn leiden, ist Wonnengenuss.“ So sprach er zu dem um ihn versammelten Volk, und gab sanft seinen Geist auf. Es war am 12. Januar. Die Heiden selbst konnten der unüberwindlichen Geduld dieses erhabenen Blutzeugen ihre Verwunderung nicht versagen. Die Christen aber priesen Gott, der jene, die ihn anbeten und lieben, so wunderbar kräftigt. Sie sammelten alle Teile des verstümmelten Körpers auf und verschlossen sie in ein Grab.

 

Das römische und mehrere abendländische Martyrologien erwähnen ehrenvoll den heiligen Arkadius an seinem Todestag. Wir lesen in der Aufschrift der Rede des heiligen Zeno und in den Martyrologien, dass er zu Cäsarea in Mauretanien gelitten hat.

 

Glückselig ist Arkadius, dass er Gott das Opfer seiner Freiheit, seines Leibes, seines Lebens und alles dessen, was er war und was er hatte, darbrachte! Er glaubte mit allem Grund, man kann nie zu viel tun, wenn es nur für einen Gott geschieht, dem wir in jeder Hinsicht ganz angehören. Möge das Beispiel dieses heiligen Blutzeugen uns wenigstens dahin bringen, dass wir ein unserer Berufung würdiges Leben führen, uns ohne Rückhalte dem Dienst Gottes weihen und in allem die Erfüllung seines heiligsten Willens suchen. Bemühen wir uns, bei jeder Gelegenheit nur der Tugend gemäß zu handeln. Unterhalten wir in uns vor allem mit möglichster Sorgfalt den Geist der Aufopferung, von dem alle Heilige stets beseelt waren. Denn dieser Geist gab ihnen den unüberwindlichen Mut, die heldenmütige Geduld in den Prüfungen ein, aus denen solche Taten hervorgingen. Hatten sie nicht äußere Leiden zu dulden, so fanden sie in der Abtötung ihrer sündhaften Neigungen immerdar Anlass, ihren Eifer zu üben. Da sie fest und unerschütterlich waren in dem Entschluss, Gott zu gefallen, waren sie immer bereit, alles zu unternehmen, alles zu leiden, um Ihm Beweise ihrer Treue zu geben. Sie sahen sich als Schlachtopfer an, die seiner Liebe geweiht waren, und mit denen er nach seinem Willen handeln kann. Täglich sah man sie den wahren Tugendsinn des inneren Menschen in sich erneuern und die Handlungen ausüben, die geeignet waren, immer mehr und mehr in ihren Herzen dieses heilige Feuer anzufachen, das Jesus auf die Erde brachte. Werden wir denn nie diesen großen Beispielen nachahmen?

 

Der heilige Benedict Biscop Baducing, Abt von Wearmouth, England,

+ 12.1.691 – Fest: 12. Januar

 

Seine hohe Geburt gab Benedict eine ansehnliche Stelle unter den Beamten Oswis, des Köngs von Northumberland. Dieser Fürst liebte ihn, überhäufte ihn mit Gütern und Ehrenstellen. Es kostet gewiss keine geringe Überwindung, wenn ein Mann, der in der Blüte seines Lebens nur Freude und lockende Reize in der Welt rings um sich erblickt, sein Herz nicht an sie heften soll. Allein Benedict kannte zu gut das Leere und Vergängliche aller sinnlichen Güter, als dass er sie seiner Liebe hätte würdig halten sollen: sein Herz hegte vielmehr tiefe Verachtung gegen sie. Das Verlangen, Gott allein zu leben, wurde so stark in ihm, dass er schon in einem Alter von fünfundzwanzig Jahren den Hof verließ, und sich dem Umgang der Menschen entzog. Zuerst bewog ihn seine Andacht zu einer Pilgerreise nach Rom. Nach seiner Rückkehr in sein Vaterland beschäftigte er sich ganz mit eifrigem Lesen und Betrachten der Heiligen Schrift und den anderen Übungen der christlichen Frömmigkeit. Einige Zeit später wünschte Alcfrid, der Sohn des Königs Oswi, die Gräber der Apostel Petrus und Paulus zu besuchen und bat den Heiligen, ihn zu begleiten. Da ihm aber sein Vater diese Wallfahrt untersagte, reiste Benedict allein nach Rom, in der Absicht, sich da immer mehr in der Wissenschaft des Heils zu vervollkommnen.

 

Auf seiner Rückreise aus Italien, besuchte er das berühmte Kloster von Lérins (Zwei Inseln im Mittelmeer, an den Küsten der Provence. Auf der kleineren stand ein vom heiligen Honoratus, dem späteren Erzbischof von Arles, gestiftetes Kloster. Es war eine reiche Pflanzschule von gelehrten und frommen Geistlichen.), wo er das Ordenskleid annahm, und zwei Jahre in der strengsten Zucht lebte. Dann kehrte er wieder nach Rom zurück, von wo ihn Papst Vitalian mit dem heiligen Theodor, dem erwählten Erzbischof von Canterbury, nach England sandte. Da wurde ihm die Leitung des Klosters zu den heiligen Petrus und Paulus, das nicht weit von dieser Stadt entfernt lag, übergeben. Er gab aber bald die Leitung dieses Klosters wegen seiner Verehrung des heiligen Adrian, der ebenfalls den heiligen Theodor begleitet hatte, wieder ab. Sein Aufenthalt im Königreich Kent dauerte ungefähr zwei Jahre. Die heiligen Theodor und Adrian verehrte er mit tiefer Demut und ergab sich ihrer Leitung beim Forschen in der Heiligen Schrift und bei den verschiedenen Pflichten des klösterlichen Lebens.

 

Benedict glaubte noch eine vierte Reise nach Rom machen zu müssen, um sich tiefere Kenntnis der Kirchenzucht und der verschiedenen Klostereinrichtungen zu erwerben. Dieser Ursache wegen hielt er sich auch geraume Zeit an verschiedenen Orten Italiens auf. Ehe er wieder in sein Vaterland zurückreiste, suchte er sich mehrere gut gewählte Bücher, Reliquien und Gemälde unseres Heilandes und der allerseligsten Jungfrau, und verschiedener anderen Heiligen zu sammeln. Als er darauf wieder in Northumberland zurückgekehrt war, stiftete er das Kloster von Weremouth (So genannt, weil es am Ufer der Were erbaut war. Es wurde im Jahr 674 unter der Anrufung des heiligen Petrus gegründet.), wozu ihm die Freigebigkeit des frommen Königs Egfrid, Oswis Sohn und Nachfolger, eine hilfreiche Hand reichte. (Egfrid schenkte dem Heiligen siebzig Hyden Land. Ein Hyde fasste so viel Feld in sich, als ein Pflug das Jahr hindurch bebauen konnte.) Nachdem das zum Gebrauch der Mönche bestimmte Gebäude vollendet war, reiste der Heilige nach Frankreich, um von dort Bauleute zu holen, die eine steinerne Kirche, im Stil derjenigen, die er zu Rom gesehen hatte, aufzuführen imstande wären. (Die steinernen Gebäude waren bis dahin noch sehr selten in England; selbst die Kirche von Lindisfarn war aus Holz gebaut und mit Stroh gedeckt; in diesem Zustand blieb sie bis unter dem Bischof Eadbert, der das Dach und die Mauern mit Bleiplatten bekleidete.) Er brachte auch Glaser mit sich, weil der Gebrauch des Glases in England noch unbekannt war. Eine fünfte Reise, die er nach Rom unternahm, gab ihm Gelegenheit, eine neue Sammlung nützlicher Bücher, und besonders der Schriften heiliger Kirchenväter zu machen. Er brachte auch neue Reliquien und mehrere fromme Gemälde mit sich.

 

Die Mönche von St. Peter zu Weremouth erbauten das ganze Königreich durch den Glanz ihrer Tugenden, und verbreiteten überall den guten Geruch Jesu Christi. Egfrid, der keinen anderen Wunsch hatte, als die Zahl der wahren Diener Gottes zu vervielfältigen, gab dem Heiligen noch einen anderen Strich Landes, auf dem er das Kloster von Jarrow unter Anrufung des heiligen Paulus erbaute. (Sechs Meilen von Weremouth. Es wurde erbaut im Jahr 677. Einst führte es den Namen Girwy.) Diese zwei Klöster bildeten sozusagen nur eins, und der heilige Benedict stand ihrer Leitung vor. Jedoch hatte jede Klostergemeinde ihren besonderen Abt, der über die Beobachtung der Regeln wachte. Die Einführung dieser untergeordneten Vorsteher war darum notwendig, weil die Reisen und verschiedenen Geschäfte des Heiligen, ihm nicht gestatteten, alles durch sich selbst zu tun. (Die Abteien Weremouth und Jarrow sind von den Dänen zerstört worden. Man stellte sie aber zum Teil wieder her, und sie bestanden noch bis zum siebenunddreißigsten Jahr der Regierung Heinrichs VIII. unter dem Namen Priorate. Beide waren der Abtei Durham seit dem Jahr 1083 untergeben.)

 

Benedict hatte einen besonderen Eifer für den Schmuck des Hauses Gottes. Er zierte die Kirchen beider Klöster mit schönen Gemälden aus. Diejenigen, die er zu Weremouth aufhängen ließ, stellten die allerseligsten Jungfrau, die zwölf Apostel, die Geschichte des Evangeliums, und die geheimnisvollen Gesichte der geheimen Offenbarung, dar. In denen von Jarrow sah man mehrere Vorstellungen aus der Heiligen Schrift, die so geordnet waren, dass sie die Beziehungen beider Testamente und die Vorbilder in Wirklichkeit darstellten. So erblickte man zum Beispiel Jesus Christus, der mit dem Kreuz, auf dem er sein Opfer vollenden sollte, belastet war, gegenüber Isaak, der das Holz trug, auf dem er als Opfer sollte verbrannt werden. Wir haben gesagt, unser Heiliger hat diese Gemälde von Rom mitgebracht. Allein, zu was hätte der schönste Schmuck der Tempel gedient, wenn er die Zierde und die Erhabenheit des äußeren Gottesdienstes nicht gleichfalls befördert hätte? Er bat daher Papst Agatho ihm zu erlauben, dass er Johann, den Abt von St. Martin, und Erzsänger (Praecentor) der Kirche zum heiligen Petrus, mit sich nehmen kann. Diesem übertrug er in der Abtei Weremouth den Unterricht im gregorianischen Gesang und in den Zeremonien der römischen Kirche bei der Feier des Gottesdienstes.

 

Der Heilige zählte unter seiner Ordensgenossenschaft einen seiner Verwandten, namens Easterwin, der gleich ihm ehemals am Hof von Northumberland gelebt hatte. Diesen ernannte er, bevor er seine letzte Reise nach Rom antrat, zum Abt. Seine Wahl hätte nicht besser ausfallen können. Easterwin war ein Mann, der alle Eigenschaften eines Vorstehers besaß. Unter anderem die zärtlichste Frömmigkeit, die tiefste Demut, und eine unwandelbare Sanftmut. Da er während der Abwesenheit des Heiligen starb (Am 6. März, in einem Alter von sechsunddreißig Jahren. Er war vier Jahre Abt.), wählten die Mönche an seine Stelle den heiligen Diakon Sigfrid, der seine Wahl aber nicht lange überlebte, denn nach einiger Zeit entriss ihn eine Entkräftungskrankheit, nachdem er die heftigsten Schmerzen erduldet hatte. Auf seinen Rat erwählte der heilige Benedict, zwei Monate vor seinem Tod, den heiligen Ceolfrild, zum Abt der beiden Klöster.

 

Die drei letzten Lebensjahre unseres Heiligen waren eine Reihe von Krankheiten und Leiden. Eine schmerzvolle Gicht hatte ihn des Gebrauchs seiner Glieder beraubt und an das Bett gekettet. Da er dem Chor nicht beiwohnen konnte, sangen täglich einige Mönche wechselweise die Tagzeiten zur geeigneten Stunde an seiner Seite. Da vereinigte er sich mit ihnen, soviel es ihm seine Schwachheit erlaubte, und stimmte mit kraftloser Stimme noch ein in den Lobgesang des Allerhöchsten. Sein Geist beschäftigte sich allein mit Gott und der Vervollkommnung seiner Schüler, die er öfters ermahnte, ihre Regel mit der größten Pünktlichkeit zu beobachten. „Meine Kinder“, sagte er ihnen, „wollet die Einrichtungen, die ich für euch getroffen habe, nicht als die Erfindung meines Geistes ansehen. Nachdem ich siebzehn Klöster, in denen gute Zucht herrscht, besucht, und mich bemüht habe, mir von den Satzungen und Gebräuchen derselben eine vollkommene Kunde zu verschaffen, habe ich eine Sammlung aller Regeln, die mir die besten schienen, veranstaltet und diese Sammlung habe ich euch gegeben.“ Benedict, der die Abnahme seiner Kräfte immer mehr spürte, begehrte die heilige Wegzehrung, und starb kurze Zeit nach deren Empfang am 12. Januar 690. Seine Reliquien brachte man 970 in die Abtei Thorney. Die Mönche von Glastenbury behaupteten, sie wären im Besitz eines Teils von ihnen. Das römische Martyrologium erwähnt den heiligen Benedict Biscop an diesem Tag. Die englischen Benediktiner verehren ihn als einen ihrer Patrone.

 

Der heilige Ailred von Rievaulx, Abt von Rieval in der Provinz Yorck,

+ 12.1.1267 – Fest: 12. Januar

 

Ailred wurde im Jahr 1109 in Hexham in England geboren. Seine Eltern waren in der Welt durch den Adel ihrer Geburt ausgezeichnet, und ließen sich die Erziehung ihres Sohnes ganz besonders angelegen sein, der denn auch ihren Absichten vollkommen entsprach. Da er durch den Ruf, in dem er stand, dem König David von Schottland bekannt wurde, wünschte dieser fromme Fürst ihn an seine Seite ziehen zu können, und vertraute ihm die Leitung des Palastes an. Ailred stand diesem Amt mit einer solchen Würde und Seelengröße vor, dass der Fürst und alle Hofleute hohe Achtung für ihn trugen. Die Verdorbenheit der Welt vermochte nichts über seine Seele. Der Glanz flüchtiger Ehren konnte ihn nicht blenden. Und er bewahrte immer die heilige Demut, die von Jesus so sehr geliebte Tugend, ohne die es keinen wahren Christen gibt. Er besaß auch noch in einem besonderen Grad die Sanftmut, die nach dem Geist des Evangeliums von der Demut unzertrennlich ist: ein oder zwei Züge werden das Gesagte ins hellste Licht stellen.

 

Eines Tages machte ihm eine Person von Stand die übelsten Vorwürfe in Gegenwart des Königs. Er hörte alles geduldig an und dankte für die Liebe, mit der sie ihn auf seine Fehler aufmerksam machte. Dieses machte so tiefen Eindruck auf seinen Feind, dass dieser ihn noch auf der Stelle um Verzeihung bat. Ein anderes Mal wurde er von jemanden aus der Gesellschaft, als er mit der Erörterung irgendeiner Sache beschäftigt war, unterbrochen und mit Schimpfreden überhäuft. Er hörte mit tiefem Stillschweigen zu, nahm dann, ohne den geringsten Unwillen zu äußern, den Faden seiner vorherigen Rede wieder auf. Welche Demut, welche Geduld war doch erforderlich, um so empfindliche Versuchungen gelassen zu besiegen!

 

Aired empfand aber mitten in dem zerstreuenden Hofleben immer eine brennende Begierde, die Welt zu verlassen, um sich einzig dem Dienst Gottes zu weihen. Allein die schönen Bande der Freundschaft, von denen er sein gefühlvolles Herz nicht so leicht losreißen konnte, hielten ihn noch einige Zeit zurück. Da er indes ernsthaft darüber nachdachte, dass ihn der Tod früher oder später doch einmal von denen, die er am zärtlichsten liebte, trennen würde, klagte er sich der Feigheit an und fasste schließlich den großmütigen Entschluss, diese Bande zu zerreißen, obgleich sie ihm unendlich angenehmer waren, als alle anderen Vergnügungen des Lebens. Hören wir ihn selbst, wie er die Lage seiner Seele beschrieb inmitten der Kämpfe, die die Gnade mit der Natur zu bestehen hatte:

 

„Jene, die mich nur nach dem äußeren Glanz, der mich umstrahlte, beurteilten und meine Lage einschätzten, ohne, was in mir vorging, zu kennen, konnten sich nicht erwehren, auszurufen: O wie beneidenswert ist das Los dieses Menschen! O wie glücklich ist er! Allein sie sahen die Betrübnis meines Geistes nicht. Sie wussten nicht, dass die tiefe Wunde meines Herzens mir tausend Leiden verursachte, und dass es mir unmöglich war, die Fäulnis meiner Sünden zu ertragen.“ Er fügte noch bei, da er von der Zeit spricht, in der er den Entschluss fasste, die Welt zu verlassen: „Damals war es, o mein Gott, dass ich durch Erfahrung das unaussprechliche Vergnügen kennenlernte, das in Deinem Dienst gefunden wird, und dass ich diesen lieblichen Frieden, der sein unzertrennlicher Begleiter ist, kostete.“

 

Der Heilige verließ schließlich, um sich immer mehr und mehr von aller Anhänglichkeit an die Welt loszuschälen, Schottland, und begab sich nach Rieval, wo er in den Zisterzienserorden eintrat, unter der Leitung Wilhelms, eines Schülers des heiligen Bernhard und ersten Abtes dieses Klosters. Er war erst vierundzwanzig Jahre alt, als er das Ordenskleid anlegte. Man hätte sagen sollen, der Andachtseifer habe seinen Körper, der von Natur schwächlich und zart gebaut war, gestärkt, eine so große Freude bewies er in der Ausübung der strengsten Bußwerke. Dem Gebet und Lesen frommer Bücher widmete er beinahe seine ganze Zeit, und die Glut himmlischer Liebe hatte so sehr sein Herz entflammt, dass er in dem, was den Neigungen der Natur zuwider war, die größte Süßigkeit fand. „Dieses Joch,“ rief er aus, „beugt mich nicht darnieder, es erhebt nur meine Seele: diese Bürde ist leicht, und hat nichts drückendes.“ Mit einer Art Entzückung redete er von der göttlichen Liebe, und man kann aus seinen oft wiederholten und glühenden Herzensergüssen schließen, dass es seine gewöhnlichste und angenehmste Beschäftigung war, diese göttliche Tugend zu erwecken. Hören wir ihn selbst: „Könnten doch, o Jesus, meine Ohren seine Stimme vernehmen, damit mein Herz dich lieben lernt; damit mein Geist dich liebt; damit endlich alle Kräfte meiner Seele, alle Empfindungen meines Herzens, vom Feuer deiner Liebe entzündet werden; damit alle meine Neigungen nur an dich sich heften, der du mein einziges Gut, meine Freude und meine Wonne bist! Was ist doch die Liebe, o mein Gott, sie ist, wenn ich mich nicht täusche, jene unaussprechliche Wonne der Seele, die desto süßer, je reiner, desto fühlbarer, je glühender sie ist. Wer dich liebt, besitzt dich, und besitzt dich in so weit er dich liebt, weil du die Liebe bist. Sie ist jener Strom der himmlischen Liebe, mit dem du deine Auserwählten berauschst, indem du sie in dich umwandelst durch deine Liebe.“

 

Da unser Heiliger in seiner Jugend auf die Studien mit Fleiß und glücklichem Erfolg sich verlegt hatte, und mit einem sehr feinen Geschmack begabt war, fühlte er besser, als irgendjemand, die Schönheiten der alten Schriftsteller. Daher dieses Vergnügen, das ihm ehemals das Lesen der Werke des Cicero gewährte. Sobald er sich aber ganz Gott in stiller Einsamkeit geweiht hatte, fand er in allen diesen Büchern, die nur von irdischen Dingen handeln, Missbehagen und Ekel: überall suchte er nur mehr das Wort Gottes, und den heiligen Namen des ewigen Sohnes. Er bezeugt uns das selbst in der Vorrede zu seinem Buch, das den Titel führt: die geistliche Freundschaft.

 

Der Anblick jener frommen Ordensmänner, die er mit heiligem Eifer nach den christlichen Vollkommenheiten ringen sah, erweckte schon einen edlen Wetteifer in seiner gottliebenden Seele. Einer in dieser Genossenschaft, namens Simon, erregte besonders seine Aufmerksamkeit. Dieser hatte aus Liebe zur Buße allen Vorteilen entsagt, die ihm in der Welt eine hohe Geburt, unermessliche Reichtümer, die seltensten Geistesgaben, und alle Vorzüge körperlicher Bildung versprachen. Allzeit sah man ihn in Gott versammelt und gleichsam versunken. Mit der bewunderungswürdigsten Genauigkeit beobachtete er das Stillschweigen. Er sprach nur sehr selten und dann in nur wenigen Worten, und niemals mit jemand anderen, als seinen Vorstehern. Und auch dazu konnten ihn nur dringende Ursachen bewegen. Bei all dem war sein Äußeres sanft, gefällig und erbaulich: „Der Anblick seiner Demut allein schon beschämte meinen Stolz und bedeckte mich mit Schamröte wegen meiner Nachlässigkeit in der Abtötung meiner Sinne. Das Gesetz des Stillschweigens, das unter uns beobachtet wird, hinderte mich, in eine ausführliche Unterredung mich mit ihm einzulassen. Da mir aber einmal aus Unachtsamkeit ein Wort entfuhr, nahm ich an seinem Gesicht wahr, welches Missfallen diese Verletzung der Regel bei ihm verursachte. Ich warf mich ihm zu Füßen, und er ließ mich da einige Zeit zur Abbüßung meines Fehlers liegen: ich habe mir nachher noch immer Vorwürfe darüber gemacht, und konnte mir ihn nie verzeihen.“ Dieser Heilige blieb sich während der acht Jahre, die er im Kloster Rieval zubrachte, allzeit gleich. Im Jahr 1142 starb er. Dies waren seine letzten Worte: „Herr, mein Gott, ewig werde ich deine Barmherzigkeit besingen, deine Barmherzigkeit, deine Barmherzigkeit!“

 

In demselben Jahr wurde Ailred, gegen seinen Willen, zum Abt von Revesby, in der Grafschaft Lincoln, gewählt, und im folgenden Jahr genötigt, die Leitung der Abtei von Rieval auf sich zu nehmen, wo damals dreihundert Mönche lebten. Ihre Lebensweise beschrieb er in diesen Worten: „Sie tranken nur Wasser und aßen ganz gewöhnliche Speisen, und wenig. Sie schliefen nur kurze Zeit, und zwar auf Brettern. Sie übten sich in harten und mühevollen Arbeiten. Sie trugen schwere Lasten, ohne die Ermüdung zu fürchten, und gingen überall hin, wo man sie hinführen wollte. Ruhe und Erholung waren ihnen unbekannt. Mit allen diesen Bußübungen verbanden sie ein strenges Stillschweigen. Sie redeten bloß mit ihren Vorstehern, und zwar nur dann, wenn es die Notwendigkeit erforderte. Sie verabscheuten Wortgezänk und Klagen.“ Der Heilige redet auch noch von dem Frieden und der Liebe, die sie durch die schönsten Bande untereinander vereinigten. Er drückt sich hierüber auf die rührendste Weise aus: man sieht, dass ihm die Ausdrücke fehlen, um einen Begriff von der Freude zu geben, die ihm der Anblick jedes Ordensbruders gewährte.

 

Man bot unserem Heiligen mehrere Bistümer an, allein aus Demut und Liebe zur Einsamkeit schlug er sie alle aus. Seine einzige Wonne fand er im Gebet und im Lesen frommer Bücher, die er zur Erhaltung glühender Andacht geeignet fand. Befiel ihn Geistesdürre, so öffnete er die heiligen Schriften, und alsbald wurde seine Seele ganz von den Lichtstrahlen des Heiligen Geistes durchdrungen. Seinen Augen entflossen Tränen und sein Herz fühlte die süßesten Empfindungen der göttlichen Liebe. Wir wollen, um den Heiligen besser kennen zu lernen, die Worte eines berühmten Abtes seines Ordens anführen: „Welches Leben war reiner, als Ailreds! Wer war je behutsamer in seinen Reden! Die Worte, die aus seinem Mund hervorgingen, waren süß, wie Honig. Sein Leib war schwach und hinfällig. Allein seine Seele war stark und kraftvoll. Gleich der Braut des Hohenliedes schmachtete er nach den ewigen Gütern. Sein Herz war wie ein geweihter Altar, auf dem er Gott unaufhörlich das Feuer seiner Liebe, die Abtötung seines Fleisches und die glühenden Wünsche seiner heiligen Begierden als Opfer darbrachte. . . . In seinem hageren und abgezehrten Körper wohnte eine Seele, die in Überfluss die Herrlichkeit himmlischer Gnade genoss. Daher die unaussprechliche Freude, mit der er Gott lobte. . . . Lästige Menschen ertrug er geduldig, er selbst aber fiel keinem Menschen jemals zur Last. . . . Willig hörte er andere an und übereilte sich nie in den Antworten, die er denen gab, die ihn um Rat fragten. Man sah ihn nie zornig. Seine Worte und Handlungen trugen immer das schöne Gepräge der Salbung und des Friedens, mit denen seine Seele erfüllt war.“

 

Der heilige Ailred starb im Jahr 1166, in einem Alter von siebenundfünfzig Jahren, nachdem er zweiundzwanzig Jahre Abt gewesen war. In der allgemeinen Ordensversammlung, die 1250 zu Citeaux gehalten wurde, ist er in die Zahl der Ordensheiligen gesetzt worden. Dieselbe Versammlung setzte auch sein Fest auf den 12. Januar, als den Tag seines Todes, und so ist es auch in dem Heiligenverzeichnis des Zisterzienserordens angemerkt. Allein in einem späteren Martyrologium, das Benedikt XIV. zum Gebrauch dieses Ordens herausgegeben hat, findet man es auf den zweiten März versetzt. Man liest darin ein schönes Lob der Kenntnisse, des reinen Wandels, der Demut und der Geduld des heiligen Ailred. Derselbe Papst fügt noch hinzu, Gott habe die Tugend seines Dieners durch die Gabe der Weissagung und der Wunder gekrönt. Den Namen unseres Heiligen findet man im römischen Martyrologium nicht aufgezeichnet. 

 

Gebet am 12. Januar

 

Ich bitte dich, geliebte Königin, tröste mich, wenn ich im Sterben liege, durch deine Gegenwart, denn du hast ja so vielen deiner Diener diese Gnade erwiesen, und deshalb erbitte und erhoffe auch ich sie. Es ist wahr, ich bin ein Sünder, ich verdiene nicht eine so große Gnade, aber ich bin auch dein Diener, der dich liebt und ein so großes Vertrauen auf dich setzt. O Maria, meine Augen werden dich in meiner Todesstunde suchen, lasse mich alsdann nicht trostlos und umsonst nach dir blicken. Wenn ich indes eine so große Gnade nicht verdiene, so stehe mir wenigstens vom Himmel herab bei, damit ich, von Liebe zu Gott und zu dir entflammt, dies Leben verlasse, um dich die ganze Ewigkeit hindurch im Himmel lieben zu können. Amen. 

 

Zu Jesus Christus

 

Entzünde uns, o Heiland, mit dem Feuer Deiner Liebe, die Du auf die Erde gebracht hast, damit sie uns heilige und beglücke, denn Dich in dieser und in der anderen Welt lieben, ist die höchste Seligkeit, der Du lebst und herrschst mit Gott dem Vater in der Einheit des Heiligen Geistes, Gott von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen. 

 

Zu Jesus Christus

 

Verleihe uns, o Herr, die Gnade, allezeit in Deiner Gegenwart zu leben, damit alle unsere Handlungen, in der Absicht, Dir zu gefallen und Deinen heiligen Willen zu erfüllen, verrichtet, für das ewige Leben nicht verloren, sondern uns verdienstlich werden, der Du lebst und herrschst mit Gott dem Vater in der Einheit des Heiligen Geistes, Gott von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen. 

 

Andacht am 12. Januar:

 

Das Thema im Januar:

Von der Liebe Jesu

"Wer den Herrn nicht liebt, sei verflucht!" (1. Korinther 16,22)

 

"Ein Mann der Schmerzen war der Sohn Gottes von dem Augenblick Seiner Empfängnis an bis zu dem Augenblick Seines Todes. Immer schwebte vor Seinen Augen das Kreuz, auf dem Er sterben sollte; immer war es Seinem Herzen eingeprägt. Herr, wo immer ich Dich suchen mag, finde ich Dich nur am Kreuz." (Der gottselige Thomas von Jesus)

Wenn der heilige Bernard die schweren Leiden des Herrn betrachtete, befragte er sich, wer dem liebevollsten Jesus so großes Leid zufügen konnte; und da kam es ihm vor, als höre er alsbald die Antwort: "Das hat die Liebe getan!" Wer würde nun nicht mit der heiligen Elisabeth ausrufen: "Von nun an soll Jesus, der Gekreuzigte, allein mein Anteil sein!"

 

O gekreuzigter Jesus, die Sünden der Menschen, ja, meine eigenen Sünden haben Dich an das Kreuz geheftet! Wer tödlich sündigt, der kreuzigt Dich aufs Neue in seinem Herzen. O dass ich nicht starb, bevor ich sündigte, doch lieber will ich tausend Mal sterben, als je wieder in eine Sünde willigen! Nicht mehr hinfort soll die Sünde in mir herrschen; Jesus allein und der Heilige Geist sollen herrschen in mir unumschränkt, vollkommen und auf ewig! Amen.

 

Ein Gedanke heiliger Dominikaner am 12. Januar

 

"Dass ein Engel einem Menschen Ehrfurcht erwies,

das war etwas Unerhörtes, bis ein Engel die allerseligste Jungfrau grüßte."

 

hl. Thomas von Aquin OP

1225 bis 7.3.1274

 

Betrachtung am 12. Januar - Von dem verborgenen Leben Jesu

 

O sieh, am ersten Lebensmorgen

Ist unterm Scheffel tief verborgen

Das Licht, das unsern Tag erhellt.

Am Mittag erst soll hoch es glänzen

Bis zu der Erde fernsten Grenzen

Am Kreuzesleuchter aufgestellt. 

 

1. O abgrundtiefe Weisheit Gottes, wie unendlich hoch stehen deine Ratschlüsse über allen menschlichen Begriffen. Dringe ein in die stille Hütte von Nazareth, und sieh dort den Sohn des himmlischen Vaters, der mit den demütigen Arbeiten eines Zimmermanns sich beschäftigt, dich zu lehren, dass die geringsten Werke, die nach den Absichten Gottes vollbracht werden, alle glänzenden Taten unendlich übertreffen, die die menschliche Eitelkeit vollbringt, und deren Ruf den Erdkreis erfüllt. Fürwahr, o Jesus, "du bist ein verborgener Gott und Heiland!" (Jesaja 45,15) Hier, menschlicher Stolz, lerne deine Wogen brechen, lerne demütige Verborgenheit lieben und dein Leben durch Arbeiten heiligen. 

 

2. Göttlicher Heiland, in andächtiger Zerknirschung bete ich dein heiliges, verborgenes Leben an. Aber, Herr, mein Gott, gestatte deinem Knecht eine Frage. Würdest du nicht die Absichten deiner heiligsten Menschwerdung besser erfüllen, wenn du, statt diesen niedrigen Arbeiten dich hinzugeben, die Welt durch den Glanz deiner Weisheit erleuchtetest, die Sünder bekehrtest, den Völkern dich offenbartest, und deinen himmlischen Vater durch Wunder verherrlichtest? O Seele, spricht er, die ich zu erlösen kam, "lerne von mir, denn ich bin sanftmütig und demütig von Herzen!" Nimmst du Ärgernis an meinen Arbeiten: wie weit mehr wirst du einst Ärgernis an meinem Kreuz nehmen. Nicht Stolz und Weichlichkeit, Demut und Abtötung kam ich dich zu lehren.

 

3. Dies also ist die Lehre, die dein Heiland durch sein verborgenes Leben dir gibt. Dringe ein in den Geist dieser heiligen Verborgenheit. Betrachte, wie Jesus seinem himmlischen Vater sich unterwirft, wie er in heiliger Geduld den Augenblick seiner Vorsehung abwartet, wie er zum Opfer für unsere Sünden sich ihm erbietet, und wie er durch sein Beispiel die Welt uns meiden lehrt, die voll der Täuschungen und Schlingen ist, wo zahllose Albernheiten uns beschäftigen und zerstreuen, und uns nie zu uns selbst kommen lassen. So folgen wir ihm denn, so oft nur möglich, in die heilige Verborgenheit, denn nur da können wir der Gnade getreu entsprechen, und die Vollkommenheit erreichen, zu der er uns beruft. Daniel 3,41: "Wir folgen dir jetzt von ganzem Herzen, fürchten dich und suchen dein Angesicht."

 

13. Januar

 

Der heilige Hilarius, Bischof und Kirchenlehrer von Poitiers,

+ 13.1.366 - Fest: 13. Januar

 

Um 315 kam Hilarius in Poitiers als Sohn einer vornehmen heidnischen Familie zur Welt. Er heiratete und hatte eine Tochter.

 

Ständig war er bemüht, sein Wissen zu erweitern und seinen Geist zu schulen. Die Heilige Schrift, die er während seiner Studien las, beeindruckte ihn so, dass er sich taufen ließ. Von den Mitgliedern seiner Gemeinde zum Bischof gewählt, bekämpfte er in Wort und Schrift den Arianismus.

 

Von Kaiser Konstantin II., der die Arianer begünstigte, wurde Hilarius 356 nach Kleinasien verbannt. Bereits in den ersten Monaten seines Exils begann er sein Hauptwerk über die Dreifaltigkeit, „De Trinitate“, niederzuschreiben. Dieses zwölfbändige Werk wurde zur Streitschrift gegen den Arianismus.

 

Hilarius konnte 360 nach Poitiers zurückkehren und kämpfte von dort aus unermüdlich für die Widerherstellung des rechten Glaubens.

 

Der Kirchenlehrer starb 367 in seiner Bischofsstadt Poitiers.

 

„Der heilige Hilarius verwandte die Zeit, welche er in Phrygien zubrachte, zur Abfassung mehrerer gelehrter Werke, wovon das vorzüglichste und am meisten geschätzte seine Abhandlung über die Dreieinigkeit ist. Es enthält zwölf Bücher. Der Heilige bewies darin auf die bündigste Weise die gleiche Wesenheit des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes. Er lehrt, dass die Kirche nur Eine ist, und dass alle Irrlehrer außerhalb stehen; dass sie sich dadurch von den verschiedenen Sekten unterscheidet, weil sie, ihre Einheit stets erhaltend, sie alle bekämpft und des Irrtums überführt, obgleich sie allein allen gegenüber stehen muss; und dass sie den Anlass zu ihren schönsten Triumphen in den immerwährenden Spaltungen findet, welche unter den Anhängern des Irrtums herrschen. Dann zeigte er, dass der Arianismus die wahre Lehre nicht sein könne, weil er dem heiligen Petrus nicht geoffenbart worden, den doch der Herr zur unerschütterlichen Grundfeste der Kirche bis zum Ende der Zeiten erwählt hat, dessen Glaube nie untergehen werde, weil Jesus Christus geboten hat, dass er nie aufhöre; dem die Schlüssel des Himmelreiches übergeben worden, und dessen Urteile Gott im Himmel bestätigt, obgleich sie auf der Erde ausgesprochen werden.

 

Als Hilarius auf seiner Heimreise aus der Verbannung zu Selencia in eine Kirche ging, schrie Florentina, ein heidnisches Mädchen, durch die Volksmasse sich drängend, mit lauter Stimme: „Ein Diener Gottes, ein Diener Gottes!“ Dann warf sie sich zu seinen Füßen und sprach: „Mann Gottes, ich weiche nicht von dir, bevor du mich gesegnet hast.“ Der Vater des Mädchens, der dieses sah, wurde so ergriffen, dass er sich mit seiner ganzen Familie taufen ließ.

 

Florentina verließ ihre Eltern, folgte dem Heiligen bis Poitiers, und ehrte ihn, so lange er lebte, als den Vater, der sie für den Himmel erzogen hatte. Auf derselben Reise kam Hilarius an einer Insel vorbei, die man wegen der vielen wilden Hühner die Hühnerinsel nannte. Ebendort waren sehr viele giftige Schlangen, so dass diese Insel allgemein gemieden wurde. Als der Heilige dies hörte, bestieg er ein Schiff, fuhr bis zur Insel hin und ließ sich ein Kreuz voraustragen. Kaum wurden die Schlangen desselben ansichtig, ergriffen sie die Flucht.

 

Bald nach seiner Rückkehr starb zu Poitiers ein Kind ohne die heilige Taufe. Die Mutter, deren einziges Kind es war, ging zu Hilarius, warf sich ihm zu Füßen und bat ihn unter Tränen, ihr Söhnlein lebendig zu machen, damit es die heilige Taufe bekäme. Der Heilige, von Mitleid gerührt, warf sich in Gegenwart einer großen Volksmenge auf die Erde nieder und betete. Unterdessen röteten sich allmählich die Wangen des Kindes, seine erstarrten Glieder wurden warm, endlich öffneten sich auch die Augen, es atmete und fing an zu schreien. Das Kind wurde sogleich getauft und ward in der Folge ein frommer Diener der Kirche.“

 

Hilarius wird oft mit Schlangen (Symbol für arianische Irrlehren), die er zertritt oder mit dem Bischofsstab durchbohrt, dargestellt.

 

Die Stadt Poitiers ernannte ihn zu ihrem Schutzheiligen. Hilarius hilft gegen Schlangen und ist der Patron der kleinen und schwächlichen Kinder.

 

Der heilige Agritius (Agricius, Agroecius),

Bischof und Bekenner von Trier,

+ 13.1.335 - Fest: 13. Januar

 

Die heilige Helena soll der Legende nach diesen heiligen Mann selbst zum Bischof von Trier vorgeschlagen haben.

 

Agritius beseitigte in seiner Diözese die letzten Spuren des Heidentums und predigte außerdem noch in Gallien und Belgien. Er starb 332 oder 335 und wurde in Trier in der Kirche Sankt Maximin beigesetzt.

 

Der heilige Agritius wird mit Buch und Kreuz dargestellt.

 

Die erste christliche Kaiserin, die heilige Helena, die Mutter des Kaisers Konstantin, hielt sich längere Zeit in der Stadt Trier auf, die damals schon eine der berühmtesten und ältesten Städte Deutschlands war. Ihre unablässige Sorge ging dahin, die heidnischen Bewohner jener Gegend für den christlichen Glauben zu gewinnen. Deshalb bat sie den damaligen Papst Silvester inständig, der hochansehnlichen Stadt Trier, die man das zweite Rom zu nennen pflegte, einen ausgezeichneten Bischof zu geben. Aller Augen richteten sich auf Agritius, den Patriarchen von Antiochien, als den ausgezeichnetsten und würdigsten Kirchenfürsten jener Zeit.

 

Obgleich sein ganzes Herz in Liebe an seinem bisherigen Kirchensprengel hing, folgte Agritius doch gehorsam dem Ruf des Papstes Silvester nach Rom und übernahm demütig die schwierige Stellung in Trier. Durch Vermittlung der gottbegeisterten Kaiserin erhielt der neue Oberhirt von Trier kostbare Reliquien, die sie selbst aus dem Morgenland mitgebracht hatte, z.B. das Haupt des heiligen Apostels Matthias, einen Nagel, mit dem der göttliche Heiland am Kreuz befestigt war, ein Messer, das der Herr beim letzten Abendmahl gebrauchte, eine Zahn des heiligen Petrus, das Haupt des heiligen Papstes Cornelius und viele andere kostbare Reliquien. Zudem erhob der Papst das Bistum Trier zu einer Metropolitankirche.

 

Als der heilige Agritius nach Belgien und an die Mosel kam, fand er vom Christentum nur zerstreute Trümmer; denn unter den blutdürstigen Kaisern Diokletian und Maximian, besonders unter der Verfolgung des römischen Statthalters Rictiovarus floss das Blut der Christen in Strömen. In Trier wurden Tausende von Christen ermordet, so dass sich die Mosel von Blut rot färbte und dass sich der Fluss vor der Menge der Leichen staute. Ein breiter und tiefer Brunnen war mit Gebeinen der heiligen Märtyrer gefüllt. Agritius tat alles, um die Religion Jesu Christi wiederherzustellen. Später legte der heilige Bischof Felix die heiligen Überreste der Märtyrer jener Zeit in der von ihm erbauten Kirche des heiligen Paulinus nieder, dessen Gebeine er von Phrygien erhalten hatte.

 

Der heilige Agritius fand ein mit Disteln und Dornen überwuchertes Feld vor, weil in den blutigen Verfolgungen nur wenige Christen übrig geblieben waren, aber wie ein fleißiger Landmann nicht ruht, bis er den verwilderten Acker in fruchtbaren Boden umgeschaffen hat, so ließ auch der unermüdliche Bischof nicht nach, bis er das Unkraut des Unglaubens und der Gottlosigkeit ringsumher ausgerottet und den Weizen des göttlichen Wortes mit dem besten Erfolg in die Herzen seiner Pflegebefohlenen gesät hatte. Was Wunder, dass Gott seinen Segen reichlich über seinen treuen Diener und dessen Wirken ausgoss.

 

Nahm sich der heilige Agritius den Apostelfürsten Petrus zum Vorbild in seinem unermüdlichen Wirken für das Reich Gottes, so blieben ihm auch dessen Leiden nicht erspart. Seine Sehnsucht nach dem Martyrium sollte sich in gewisser Weise erfüllen, denn auf seinen Missionsreisen erlitt er Mühsale, Schmerzen, Schmähungen aller Art, so dass er dem göttlichen Heiland ähnlich wurde, von dem er auch seinen Lohn erwartete.

 

In jener Zeit wagte es ein treuloser Küster, den heiligen Nagel zu entwenden. Siehe, da quoll aus dem eisernen Nagel eine solche Menge Blut, dass das Kleid des Kirchenräubers ganz davon erfüllt wurde. Mit Entsetzen sah der Gottlose das Wunder und bekannte öffentlich vor dem Bischof und dem versammelten Volk, das auf den ungewohnten Klang der Glocken herbeieilte, seinen Frevel und zeigte den bluttriefenden Nagel Christi. Eine vom Teufel besessene Frau aus Regensburg, namens Winniberga, hatte viele heilige Stätten besucht, um von ihren harten Banden befreit zu werden, jedoch ohne Erleichterung. Als in Trier der Exorzismus angewendet wurde, erklärte der Teufel, dass er dem Nagel, der den rechten Fuß des Heilandes durchbohrt habe, nicht widerstehen könne. Mit furchtbarem Gebrüll wich er aus der vielfach gequälten Frau.

 

Der heilige Bischof reinigte sein Bistum Trier so gründlich vom Schmutz des Unglaubens und der Gottlosigkeit, dass es im Lauf der Jahrhunderte nicht wieder in Ketzerei verfiel. Dazu trug seine himmlische Geduld, sein unüberwindlicher Eifer und seine geläuterte Klugheit wesentlich bei. Wie von einem Baum viele Äste und Zweige ausgehen und zahlreiche Früchte hervorbringen, so beschränkte sich die Wirksamkeit des heiligen Agritius nicht auf seine Stadt, sondern sie dehnte sich auf Belgien, Gallien und einen großen Teil Deutschlands aus. Den Palast der heiligen Kaiserin Helena wandelte er in eine Metropolitankirche um und weihte sie ein zu Ehren des Apostelfürsten Petrus. Um seinem Werk die Krone aufzusetzen, gesellte er sich zwei ausgezeichnete Schüler zu, die ihm im Oberhirtenamt folgen und wie zwei hellglänzende Sterne auf dem Bischofssitz des heiligen Agritius leuchten sollten, den Maximinus und Paulinus. Beiden flößte er seine Wissenschaft und seine Heiligkeit ein. Er selbst stand in ihrer Mitte wie eine Stadt auf dem heiligen Berg, auf ihn richteten sich bewundernd die Augen seiner Zeitgenossen. Seinen treuen Gefährten und späteren Nachfolgern im Amt sagte er voraus, dass sie schwere Kämpfe gegen die Irrlehrer zu bestehen haben würden, aber auf diesen beiden Säulen würde der Glaube und die Gottesliebe sicher ruhen.

 

Als der hochverdiente Agritius im vorgerückten Greisenalter seine baldige Auflösung fühlte, ernannte er nach göttlicher Aufforderung seinen älteren Schüler Maximin zu seinem Nachfolger, lud dann das ganze Volk zu sich, verkündete ihm mit großer Herzensfreude, dass ihm die Engel Gottes seine baldige Abberufung angekündigt hätten, und weihte mit eigener Hand seinen lieben Maximin zum Bischof. Nicht lange danach gab er seinen Geist auf, um von der himmlischen Heerschar die Krone der Vergeltung zu empfangen. Sein Todes- und Gedächtnistag ist der 13. Januar.

 

Das schöne Dreigestirn Agritius, Maximin und Paulin leuchtet glänzend am Himmel der Heiligen Deutschlands und mit Stolz nennt die uralte Stadt Trier jene drei heiligen Bischöfe die ihrigen.

 

Der selige Gottfried von Kappenberg, Graf, Priester,

+ 13.1.1127 - Fest: 13. Januar

 

Auf steiler Anhöhe an dem wiesengrünen Ufer der Lippe erhebt sich das prächtige, fensterreiche Schloss Kappenberg, das weit hinausschaut über das westfälische Land mit seinen zahlreichen Städten und Dörfern. Das war voreinst der Stammsitz der Grafen von Kappenberg, die von väterlicher wie von mütterlicher Seite mit dem Kaiserhaus verwandt waren. Dort erblickte der edle Graf Gottfried im Jahr 1097 das Licht der Welt. Von seinem Großvater, dem gottseligen Grafen Hermann, erlebte er tiefe Gottesfurcht, Demut, Sanftmut und Güte, womit er angeborene Klugheit, eine reiche Erfahrung und glänzende Beredsamkeit verband. Die Kriegsfehden jener Zeit nötigten ihn oft, zu den Waffen zu greifen, aber er schärfte seinen Mannen die Worte des Bußpredigers Johannes ein: „Tut niemand Gewalt an, beschuldigt niemand fälschlich, begnügt euch mit eurem Sold!“

 

In den Armen und Kranken erkannte Gottfried die leidenden Glieder des dornengekrönten Heilandes. Er brachte ihnen kräftige Speisen und Getränke, bereitete ihnen mit eigenen Händen ein weiches Lager, verband ihre Wunden, tröstete und ermutigte sie zur Geduld. Einem Aussätzigen, vor dem jedermann floh, wusch er die ekelhaften Wunden und trank sogar aus seinem Becher. Nie schlug er einem Bettler ein Almosen ab, und wenn er ausritt, nahm er eine gefüllte Börse für Notleidende mit, und kehrte stets mit leerem Säckel, aber immer mit frohem Herzen heim. Sein Hausgesinde liebte ihn wegen seiner Sanftmut und Leutseligkeit, und ehrte ihn überaus hoch. Mit seiner jungen Gemahlin Jutta, einer Tochter des Grafen Friedrich von Arnsberg, lebte er in der glücklichsten Ehe.

 

Um diese Zeit durchzog der heilige Norbert, der durch die Gnade Gottes aus einem genusssüchtigen Weltmann in einen demütigen Mönch umgewandelt war, als Prediger der Buße das Rheinland und kam, demütig auf einem Esel reitend, auch auf das Schloss Kappenberg. Gottfried wurde durch die Worte und Wunder des Heiligen so gewaltig ergriffen, dass er den Entschluss fasste, sein Leben als Ordensmann ganz Gott zu weihen und schein Schloss Kappenberg in ein Kloster umzubauen. Aber seinem Vorhaben standen viele Hindernisse im Weg. War zu erwarten, dass seine Gemahlin einwilligte, und dass sein Bruder Otto auf das Erbrecht verzichtete? Der vereinten Beredsamkeit Norberts und Gottfrieds gelang es, die irdische Liebe Juttas mit dem Feuer der himmlischen Liebe zu dämpfen und den Bruder Otto zu bewegen, dass er nicht nur das Vorhaben seines Bruders billigte, sondern sogar beschloss, dessen Beispiel nachzuahmen. Am 31. Mai 1122 beriefen die Grafen Gottfried und Otto ihre Verwandten und Vasallen und erklärten in ihrer Gegenwart feierlich, dass sie um ihres Seelenheiles willen die Burg Kappenberg samt allen Gütern und Höfen dem Bruder Norbert zum Nutzen des Prämonstratenser Ordens übergäben. Gleicherweise stiftete Gottfried aus seinen Gütern noch zwei andere Klöster, nämlich Varlar und Ilmstädt (Ilbenstadt) am Main.

 

Der Bischof von Münster weihte die Burg Kappenberg zu einem Prämonstratenserkloster feierlich ein. Der heilige Norbert übernahm als erster Abt die Leitung des Klosters, zu dem sich zahlreiche Novizen einfanden. Gottfried empfing die Tonsur und das geistliche Kleid. Sein Bruder Otto trat in das neue Kloster. Frau Jutta errichtete am Fuß des Berges ein Frauenkloster und nahm mit ihrer Schwägerin Beatrix ebenfalls die Regel des heiligen Norbert an.

 

Über die neue Ordnung der Dinge auf Kappenberg war Gottfrieds Schwiegervater, der mächtige Graf Friedrich von Arnsberg, höchst ergrimmt und wollte nicht hinnehmen, dass seine Tochter den Schleier nehme und dass die reichen Güter dem Kloster verfielen. Er drohte mit Gewalt, aber ein plötzlicher Schlagfluss zerstörte seinen Plan.

 

Während des Noviziates verrichtete Gottfried die niedrigsten Geschäfte, fastete streng, genoss fast nur noch Wasser und Brot, freute sich, wenn er gering geschätzt wurde und verabscheute alles Lob. Gegen alle war er liebreich, nur gegen sich selbst unnachsichtig streng. Beschwerten sich zuweilen die Novizen über die Strenge des Ordens, so ermahnte er sie ernstlich: „O meine Brüder, mit der menschlichen Trägheit durchschiffen wir den reißenden Strom des Lebens nicht. Behalten wir nicht das höchste Ziel im Auge und verfolgen wir es nicht mit aller Kraft, so werden wir bei einem sehr niedrigen Ziel landen. Deshalb wollen wir lieber die Strenge vermehren, als vermindern.“ Wenn der heilige Norbert die Begeisterung und tiefe Demut Gottfrieds beobachtete, rief er freudig aus: „Nun kann ich doch ruhig sterben; denn ich weiß, welchen treuen Nachfolger ich haben werde.“

 

Einige Zeit vor der Professablegung sandte der heilige Norbert die beiden Brüder nach dem Mutterkloster Prämonstrat in Frankreich. Dort legten sie die feierlichen Gelübde ab und kehrten dann nach Kappenberg zurück. Als dort infolge von Missernte Hungersnot und Seuchen ausbrachen, erbaute Gottfried neben dem Kloster ein großes Hospital, in dem die Ordensbrüder die Krankenpflege übernehmen mussten.

 

Als der heilige Norbert im Jahr 1126 auf den erzbischöflichen Stuhl zu Magdeburg erhoben wurde, berief er seinen lieben Freund Gottfried zu sich, um sich seines weisen Rates zu bedienen und ihm auf seine Nachfolge im Amt vorzubereiten. Aber schon nach wenigen Tagen erkrankte Gottfried und bat den heiligen Erzbischof um Erlaubnis zur Heimreise. In dem von ihm gestifteten Kloster Ilmstädt erkrankte er schwer und bereitete sich auf sein Ende vor. Sein Bruder Otto, der ihn begleitet hatte, war sehr um ihn bekümmert. Gottfried aber frohlockte, dass er bald zur Anschauung Gottes gelange, und sprach heiter: „Lass uns doch diese Stunde mit Freude annehmen und Gott Dank sagen, dass er uns von der Arbeit zur Ruhe, von der Armseligkeit zur wahren Glückseligkeit abfordert! Es gibt ja keinen anderen Weg zum letzten Ziel und Ende, als den Tod.“ Darauf empfing er mit seliger Wonne die heiligen Sterbesakramente, nahm von allen Klosterbrüdern Abschied und bat sie um Verzeihung. Als ihn Otto fragte, ob er gar keine Lebenshoffnung mehr habe, entgegnete er: „Ich habe eine große Hoffnung, aber um alles in der Welt möchte ich nicht länger in diesem Tal der Zähren leben.“ Nachdem er einige Augenblicke seine Augen geschlossen hatte, sprach er zu seinem Bruder: „Ich höre eine Stimme, die da sagt: geh ihm entgegen! Siehe, die Abgesandten meines Herrn eilen mir entgegen! Willkommen, willkommen, ihr himmlischen Boten meines Herrn!“ Mit diesen Worten verschied er am 13. Januar 1127, in seinem dreißigsten Lebensjahr.

 

In derselben Stunde sah ihn seine Base Gerberga mit einer Krone auf dem Haupt, auf der die Worte des Propheten standen: „Er hat mich bekleidet mit dem Gewand des Heils.“ Seine Gebeine wurden zwischen Kappenberg und Ilmstädt geteilt. Eine Menge Wunder geschahen am Grab und auf die Fürbitte Gottfrieds. Deswegen nahm ihn die Kirche unter die Seligen auf. Während des unseligen dreißigjährigen Krieges erbrachen hessische Soldaten die Gruft und zerstreuten die heiligen Gebeine, aber die Verehrung des Seligen konnten sie nicht aus den Herzen reißen.

 

Die heiligen Hermylus, Martyrer von Singidonum, Serbien,

und Stratonicus, Kerkermeister und Martyrer in Serbien,

+ 308-324 – Fest: 13. Januar

 

Licinius hatte sich auf den morgenländischen Kaiserthron emporgeschwungen, und als ein Feind des Christentums den schrecklichen Entschluss gefasst, das Andenken an Jesus, den Erlöser der Menschen, ganz von der Erde zu tilgen, und alle Völker zur Verehrung der Götter zu zwingen. Deswegen befahl er in seinem ganzen Reich eine allgemeine Christenverfolgung, und wer sich weigerte, erdichteten, falschen Götzen Weihrauch zu streuen, der wurde unter den schrecklichsten Martern zu Tode gequält. Es war im Jahr 316, wo die Verfolgung den höchsten Grad erreicht hatte, als Hermylus beim Kaiser als ein Christ verklagt und eingekerkert wurde. Der Kaiser saß auf seinem Thron, als der Bekenner vor Gericht erschien mit unerschrockener und heiterer Miene, den er so anredete: „Bekennst du dich zur christlichen Religion?“ Hermylus antwortete: „Ich bin nicht nur ein Christ, sondern auch ein Diener Gottes; denn ich bin durch die Händeauflegung des Bischofs zur Würde eines Diakons eingeweiht worden.“ – „Und ich“, entgegnete der Kaiser, „weihe dich ein zur Würde eines Priesters der unsterblichen Götter.“ Lächelnd antwortete der Bekenner: „Ich würde sehr töricht handeln, wenn ich die Stelle eines Dieners des wahren und lebendigen Gottes mit jener deiner Götter vertauschen wollte, die du aus Holz und Steinen hast verfertigen lassen.“ Schamröte übergoss das Gesicht des Kaisers bei diesen Worten und wütend befahl er dem Frevler den Mund zu zerquetschen und ihn drei Tage lang ohne alle Nahrung in einem finsteren Kerker schmachten zu lassen.

 

Der Heilige brachte diese Zeit im Gebet zu und himmlischer Trost stärkte wie Balsam seine lechzende Seele. Schon am vierten Tag wurde er wieder vor den Richterstuhl des Licinius gebracht, der ihn fragte, ob ihn Hunger und Durst nicht auf andere Gesinnungen gebracht hätten? „Nein“, erwiderte Hermylus, „ich habe mich Gott geweiht und von ihm trennt mich keine Marter.“ – „Also wird dich dein Gott wohl auch aus meiner Gewalt befreien“, sprach höhnend der heidnische Kaiser, und gab sechs blutdürstigen Henkern einen Wink, die sogleich den Heiligen zu Boden rissen und ihn grausam schlugen. Während dieser Marter erhob er seine Augen zum Himmel und flehte um Standhaftigkeit im Kampf für die Ehre Jesu, und eine laute Stimme ertönte: „Amen, Amen. Nach drei Tagen wirst du die Krone des ewigen Lebens erhalten!“ Bei diesen Worten stürzten die Henker vor Schrecken zu Boden und auch der Kaiser erschrak heftig; aber er erholte sich schnell, und da auf sein böses und verhärtetes Gemüt nichts mehr einen Eindruck machte, geriet er in Wut und ließ den Bekenner rücklings auf ein Marterwerkzeug werfen, das die größte Grausamkeit erfunden hatte. Denn spitzige Messer, die im Kreis herumliefen, zerfleischten den Rücken von unten, und oben wurde der Körper mit Ruten geschlagen.

 

Hermylus ertrug diese schreckliche Marter mit christlicher Geduld, und als er seinen verstümmelten Leib, aus dem die Gedärme drangen, ansah, betete er laut: „Mein Herz und mein Fleisch haben sich in dem lebendigen Gott erfreut.“ Hierauf wurde er wieder in das Gefängnis gebracht, wo Stratonicus, der im Geheimen ein Christ und der Aufseher über die Gefangenen war, durch den Anblick seiner Wunden so gerührt wurde, dass er in einen Strom von Tränen und in ein lautes Wehklagen ausbrach. Dieses bemerkte ein heidnischer Soldat von der Kerkerwache, entfernte sich und brachte dem Kaiser darüber Nachricht, dass Stratonicus selbst ein Christ sei. Sogleich wurde er in das Verhör genommen, wo er es auch frei und ohne Zaudern gestand, dass er an den wahren Gott glaube, der Himmel und Erde erschaffen habe. Licinius befahl, ihn bis aufs Blut zu geißeln, und weil er während dieser Marter standhaft Jesus bekannte, ließ er ihn zu noch heftigeren Leiden in ein Gefängnis werfen, wo er in der Nacht, als er zu Gott um Verzeihung seiner Sünden und um Standhaftigkeit in dem ihm bevorstehenden Kampf flehte, die Stimme vernahm: „Du hast deinen Lauf vollendet und den Glauben bewahrt. Auf dich und deinen Freund wartet die Krone der Gerechtigkeit, die euch morgen der gerechte Richter erteilen wird!“

 

Am andern Tag wurde Hermylus noch einmal im Namen des Kaisers gefragt, ob er den Göttern opfern wolle? Und als er mit wenigen Worten sich erklärt hatte, dass er lieber tausendmal sterben, als ein so großes Verbrechen gegen den wahren Gott begehen wolle, wurde er im Gefängnis halbtot an eine Säule gebunden und nochmal mit Ruten geschlagen, worauf ihm und dem Stratonicus das Urteil eröffnet wurde, dass sie in der Donau ersäuft werden sollten. Beide frohlockten vor heiliger Freude, des Namens Jesu willen den Martertod leiden zu dürfen, und wurden am 13. Januar des Jahres 315 in die Fluten gestürzt. Drei Tage danach fanden christliche Männer ihre Leichname am Ufer und beerdigten sie mit größter Ehrfurcht und unter heiligen Liedern außer der Stadt.

 

Die selige Ivetta (Jutta), Reklusin zu Huy in Belgien, Mystikerin,

+ 13.1.1227 – Gedenktag: 13. Januar

 

Eine alte Legende erzählt das Leben der seligen Ivetta oder Jutta, deren Todestag auf den 13. Januar 1227 fiel, folgenderweise:

 

In der Lütticher Diözese in den Niederlanden lebte auf einem Schloss, Hojo genannt, ein edles Jungfräulein, die Tochter vermöglicher Eltern, ausgestattet mit allen guten Eigenschaften. Als die das dreizehnte Jahr erreicht hatte, wollte ihr der Vater einen Mann geben, fand auch solchen, und wählte hierzu einen Jüngling aus der Familie Satanako. Zwar weigerte sich Ivetta, allein der Vater blieb bei seinem Entschluss und die Tochter musste gegen ihren Willen in den Ehestand treten.

 

Nach fünf Jahren nahm Gott ihren Gemahl aus diesem Leben hinweg. Ivetta war Witwe, obwohl erst achtzehn Jahre alt, und ihre drei Kinder waren Waisen geworden. Wieder redete ihr der Vater zu, sich einen Gatten zu nehmen, doch diesmal blieb sie standhaft und siegte über den Willen des Vaters. Dem himmlischen Bräutigam hatte sie sich jetzt verlobt, ihm wollte sie für immer ihr Herz weihen, ihm beständige Treue bewahren. Doch blieben ihr die Versuchungen nicht erspart. Ihr Vorsatz sollte geprüft und hierdurch gefestigt werden. Besonders lag ihr einer der Verwandten an, machte sich oft, der Kinder wegen, bei ihr zu tun, und suchte solcherweise die junge Frau für sich zu gewinnen.

 

Da geschah es einmal, dass sich Veranlassung gab, es sollte dieser besorgte Freund und Ivetta in demselben Haus die Nacht zubringen – eine teils erwünschte, teils höchst gefürchtete Gelegenheit. – Ivetta bereitete sich auf das Herandringen der Gefahr mit Eifer vor – sie brachte die ganze Nacht betend und wachend hin. Als sie merkte, dass sich jemand ihrem Schlafgemach näherte, rief sie mit aller Inbrunst zur glorreichen Jungfrau, um Rettung aus dieser Bedrängnis, wo einerseits ihre Tugend, andererseits ihr und des jungen Menschen guter Name der Gefahr ausgesetzt war. Da erschien eine ehrwürdige Frau, von den Stufen des oberen Hauses voll Majestät herabschreitend. Ivetta erkannte in ihr die glorreiche Himmelskönigin. Der Versucher wurde nicht gewürdigt, sie zu sehen, wohl aber vernahm er ihre Schritte, und ergriffen von Scham und Schrecken eilte er von dannen. Ivetta aber verharrte in Gebet und Dank gegen Gott und Maria, die Helferin aller Bedrängten.

 

Dies alles bekam der keuschen Ivetta sehr wohl. Wenige Tage danach aber hatte sie eine höchst eigentümliche Erscheinung. Es kam ihr nämlich, da sie schlafend im Bett lag, vor, sie sehe Christus den Herrn samt der seligsten Jungfrau Maria. Jesus erschien hier als Richter, fällte mancherlei Urteil, auch Ivetta kam an die Reihe und sollte ob ihrer Sünden willen zur ewigen Strafe verurteilt werden. Schon zittert die Arme vor Furcht und Bangen ob des strengen Gerichts, da wirft sich Maria ihrem göttlichen Sohn zu Füßen, fleht zu ihm für Ivetta und erwirkt Gnade und Erbarmen. Nach diesem Gesicht erwachte sie und voll Liebe und Dank gegenüber Maria unterließ sie ihr ganzes Leben hindurch nicht, ihre milde Fürsprecherin aufs eifrigste zu verehren und für ihre Fehler und Sünden Buße zu tun. – Nicht nur gegenüber Armen und Kranken zeigte sie sich barmherzig un gütig: die Elendesten erfreuten sich der größten Sorgfalt von Seite Ivettas. – Sechsunddreißig Jahre brachte sie von da an in einer abgesonderten Wohnung einer Klause zu, denn sie hatte die Regel der Zisterzienser angenommen. Sie wurde mit der Gabe der Prophezeiung beschenkt und sagte unter anderen ihren eigenen Tod vorher, der dann am obengenannten Tag und Jahr erfolgte.

 

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Die selige Jutta von Huy

 

Zu Huy, einer Stadt in Belgien, lebte gegen Ende des 12. Jahrhunderts eine Jungfrau, angesehen von Geburt, jung an Jahren, schön von Gestalt, geistreich von Angesicht, edel im Benehmen, rein in den Sitten, züchtig in der Kleidung, gottesfürchtig im Herzen. Sie war die Tochter sehr reicher Eltern, hieß Jutta und hatte eine lebhafte Abneigung gegen den Ehestand. Dennoch musste und wollte sie, obwohl erst dreizehn Jahre alt, den Eltern gehorsam, einem braven jungen Mann die Hand reichen. Allein bald nach der Hochzeit erwachte in ihr die frühere Abneigung gegen den Ehestand mit solcher Macht, dass ihr die Kräfte schwanden, das Leben zum Ekel wurde und sie dem Mann den Tod wünschte. Allen Zusprüchen und Trostgründen unzugänglich, hielt sie nur noch fest an ihrem von Kindheit an geübten Vertrauen auf Maria, die Mutter voll der Gnaden. Und Maria kam ihrer verirrten Tochter zu Hilfe, befreite sie von der drückenden Schwermut und beglückte sie mit erneuter Liebe zum Mann. Jutta fühlte sich wunderbar mit ihrem Stand versöhnt, wurde Mutter dreier Söhne und lebte fünf Jahre in zufriedener Ehe.

 

Mit achtzehn Jahren war Jutta schon Witwe. Die noch frische Blüte ihrer Schönheit, der Reichtum ihres Besitzes, mehrere neue Eheanträge und das Drängen ihres Vaters, eine zweite Heirat abzuschließen, waren harte Proben ihres Entschlusses, Witwe zu bleiben. Sie blieb Witwe im schönsten Sinn des Wortes. Sie kleidete sich ganz einfach, zog sich von der Öffentlichkeit in den engen Kreis ihrer zwei noch lebenden Söhne zurück, übte strenges Fasten in Nahrung, Schlaf und jeglicher Bequemlichkeit, pflegte fleißig das mündliche und betrachtende Gebet und teilte sehr reichliche Almosen aus in dem Maß, dass sie der Vater bitter beschuldigte, sie verschwende den Kindern das Vermögen.

 

Jutta, weil sie die vollkommene Liebe noch nicht hatte, die, wie der heilige Johannes schreibt, „alle Furcht austreibt“, teilte zuletzt die Besorgnis des Vaters, wurde sparsamer den Armen gegenüber und legte ihre Gelder zu möglichst hohen Zinsen an. Aber „der Gerechte, wenn er auch fällt, zerschlägt sich nicht; denn der Herr legt seine Hand unter ihn.“ Durch die Gnade Gottes erkannte Jutta ihre Täuschung und wurde nun um so freigebiger zu den Armen. Um Buße zu tun und vor neuen Gefahren sich zu schützen, übergab sie ihr Hauswesen dem Vater und widmete sich elf Jahre lang ganz der Pflege der Aussätzigen im Siechenhaus mit heldenmütiger Selbstaufopferung. Während dieser Zeit erbetete sie ihrem Vater, der vor den Augen der Welt ein sehr angesehener, rechtschaffener Biedermann war, die Gnade der Bekehrung, so dass er Zisterzienser-Mönch im Kloster Villars wurde und in strenger Buße sein Leben schloss. Auch der ältere Sohn trat in den Orden der Zisterzienser. Der jüngere aber, der in der Welt blieb und in schlechte Gesellschaft geriet, führte ein ausgelassenes Leben. Die unsäglich bekümmerte Mutter verschwendete Zusprüche und Ermahnungen, Bitten und Tränen an den Unverbesserlichen. Doch ihr Vertrauen auf die Macht des Gebetes und auf die Fürbitte Marias wankte nicht. Tag und Nacht lag sie auf den Knien, den beleidigten Vater im Himmel um Erbarmen anflehend für ihr unglückliches Kind.

 

Nach einiger Zeit hatte der Sohn einen lebhaften Traum. Er befand sich vor dem Richterstuhl Jesu Christi, erkannte die Menge und Größe seiner Sünden und sah, wie die höllischen Geister ihn ergreifen und ins ewige Feuer werfen wollten. In dieser entsetzlichen Angst und Furcht hörte er den Richter sprechen: „Lasst ihn noch, wegen der Verdienste und Bitten seiner und meiner Mutter will ich ihm noch drei Jahre zur Buße schenken.“ Der junge Mann erwachte zitternd vor Schrecken, tröstete die Mutter mit dem Gelöbnis, dass er in ein Zisterzienser-Kloster gehen werde, und heiligte sich durch beharrliche Buße und wirksame Frömmigkeit.

 

Jutta, von allen äußeren Sorgen nun frei, entsagte dem „Dienst der Martha“ und wählte den „Anteil der Maria“. Sie schloss sich in eine enge Zelle zu Huy ein, die an eine Kirche angebaut war, und lebte dort noch sechsunddreißig Jahre in bewunderungswürdiger Strenge im Gebet und der Betrachtung. Gott versüßte der treuen Dienerin die Einsamkeit und die vielen Anfechtungen mit der Gabe der Beschauung und mit himmlischen Erscheinungen. So erschien ihr Jesus selbst zweimal und in Ermangelung eines Priesters reichte ihr der heilige Johannes die heilige Kommunion. Vorzüglich berühmt wurde sie durch ihr inniges Erbarmen und Mitleid mit Sündern und Unglücklichen. Sehr vielen Personen geistlichen und weltlichen Standes, die ihr ihren gefährlichen Seelenzustand offenbarte, hat sie durch ihre Ermahnungen und Fürbitte, wie auch durch mehrere Wunder zu einer standhaften Besserung des Lebens verholfen. Ihr hellleuchtendes Beispiel zog auch mehrere geistliche Töchter an, die sie mit Rat und Tat auf dem Weg der Vollkommenheit förderte. Reich an Tugenden und Verdiensten starb sie an dem Tag und zu der Stunde, wie sie es vorausgesagt hatte, mit zum Himmel erhobenen Augen und fröhlichem Angesicht im Alter von siebzig Jahren, es war der 13. Januar 1228. Ihr Leichenbegräbnis und ihr Grab leuchtete durch viele Wunder.

 

 

Die selige Veronika von Binasko, Nonne von Mailand,

+ 13.1.1497 – Fest: 13. Januar

 

Schon in früher Jugend wendete Veronika, deren Verehrung als Selige Papst Leo X. bereits 1517 bewilligte, die Tochter eines einfachen Landmannes zu Binasko, einem Flecken in Italien, zwischen Mailand und Pavia gelegen, ihr ganzes Gemüt Gott und göttlichen Dingen zu, und sie hatte keinen sehnlicheren Wunsch, als in klösterlicher Einsamkeit ganz Gott und dem Heil ihrer Seele leben zu können. Nach langem inständigen Bitten erhielt sie endlich von der Vorsteherin des Klosters der heiligen Martha zu Mailand die Zusicherung einstiger Aufnahme. Zugleich wurde ihr aber auch empfohlen, vorher lesen zu lernen. Da ihr den Tag über von den häuslichen Geschäften und der Besorgung der Felder, wozu sie vom Vater angehalten wurde, keine Zeit übrigblieb, verwendete sie die Nacht dazu, die Buchstaben kennen und lesen zu lernen.

 

Man kann sich denken, welch ein mühseliges Geschäft dies war und wie gering ihre Fortschritte sein mussten, da sie größtenteils ohne Anweisung und sich selbst überlassen blieb. Die Jungfrau bestürmte jedoch den Himmel mit Bitten und betete zu Gott und der heiligen Gottesmutter, dass sie ihr in ihrem Vorhaben behilflich und ihre Bemühungen in Erlernung der Buchstaben mit dem erwünschten Erfolg segnen möchten. Da erschien ihr nun einmal die heiligste Jungfrau, von Glanz umflossen und angetan mit einem Kleid von himmelblauer Farbe. Veronika, noch nicht an überirdische Erscheinungen gewöhnt, die sich in ihrem späteren Leben so oft wiederholten, wusste sich anfangs vor Schrecken kaum zu fassen. Aber die liebreiche Himmelskönigin näherte sich mit mildem Angesicht der Bebenden und sprach, sie beruhigend, mit freundlicher Stimme:

„Fürchte dich nicht, meine Tochter, und mühe dich nicht gar so sehr ab in Erlernung der Buchstaben. Ich will, dass du nur drei Buchstaben ganz besonders verstehen lernst: der erste ist von weißer, der zweite von schwarzer, der dritte von roter Farbe. Höre ihre Bedeutung.

Der weiße Buchstabe bedeutet die Reinheit des Herzens, nach deren Erlangung du mit allen Anmutungen des Gemütes streben sollst. Hüte dich ja, je irgendetwas mit unordentlicher Neigung zu suchen. Alle deine Liebe soll mit ganzer Innigkeit auf meinen göttlichen Sohn und auf mich gerichtet sein.

Der schwarze Buchstabe lehrt, dass du niemals Ärgernis nehmen sollst an dem Tun und Lassen deiner Mitmenschen. Mögen sie auch Böses tun, so habe du doch immer Mitleid mit ihnen und suche alles aufs Beste zu deuten. Höre nicht auf, für die Irrenden und Fehlenden dein Gebet vor meinem göttlichen Sohn auszugießen. Hüte dich vor Murren und Klagen, wenn dir oder dem Nächsten ein Übel widerfahren ist.

Was den roten Buchstaben betrifft, so ermahne ich dich, täglich wenigstens einen Teil aus der Leidensgeschichte meines Sohnes mit aller Aufmerksamkeit zu betrachten. Kannst du die übrigen Buchstaben erlernen, so ist es gut. Wenn nicht, so lass dir diese drei nie aus dem Sinn entschwinden. Wer die Herzensreinheit bewahrt, der wird vor meinem Sohn in Reinheit glänzen. Wer sich aber dem Murren ergibt, dessen Seele ist wie von Schwärze entstellt und Gott kann an ihr kein Wohlgefallen haben. Ein Herz, das den grausamen Tod meines Sohnes erwägt, wird glühen von göttlicher Liebe, und es wird von Oben beschenkt werden mit höheren Gnadengaben (von denen freilich die Bösen keine Kenntnis haben.“ Und nach diesen Worten verschwand die göttliche Mutter.

 

Veronika legte von nun an kein sonderliches Gewicht mehr auf die Erlernung der Buchstaben.

 

Nach einer Vorbereitung von drei Jahren wurde sie endlich in das Kloster St. Martha aufgenommen. Hier zeichnete sie sich durch Eifer in allen ihren Übungen, und durch genaue Befolgung aller Punkte der heiligen Regel aus. Ihre Gewissenhaftigkeit erstreckte sich auf die unbedeutendsten wie auf die wichtigsten Dinge. Der Wille der Obern war die alleinige Richtschnur ihrer Lebensweise, weil sie überzeugt war, dass der Gehorsam das wohlgefälligste Opfer ist, das man Gott bringen kann, und weil sie Jesus Christus nachahmen wollte, der gehorsam war bis zum Tod, um den Willen seines Vaters zu erfüllen. Sie kam ihren Schwestern auf tausend verbindliche Arten zuvor, während sie sich als die letzte unter ihnen betrachtete. Ihre Unterwürfigkeit ihnen gegenüber war so vollkommen, dass man hätte sagen können, sie habe keinen eigenen Willen.

 

Sogleich nach ihrem Tod, der im Jahr 1497 erfolgte, offenbarte Gott ihre Heiligkeit durch mehrere Wunder. Lasst uns gleich der seligen Veronika die Lehren unserer göttlichen Mutter zu Nutzen machen, und Maria wird uns einst in die ewigen Wohnungen einführen. 

 

Gebet am 13. Januar

 

O meine Mutter Maria, erlange mir die Verzeihung meiner Sünden, die Liebe zu Jesus Christus, die heilige Beharrlichkeit, einen seligen Tod und endlich den Himmel. Erlange mir vor allem die Gnade, mich immer dir anzuempfehlen. Bitte Jesus für mich, sage ihm, dass du mir beistehen willst. Alsdann hat er gewiss Mitleid mit mir. Meine Mutter, auf dich vertraue ich, mit dieser Hoffnung will ich leben und sterben. Amen. Es lebe Jesus unsere Hoffnung, und Maria unsere Liebe. Amen.

 

Zum heiligen Gottfried

 

Heiliger Gottfried, mache mich durch deine Fürbitte würdig, zu eben der Glorie und Krone des Himmels, zu einer heiligen Sterbestunde, wonach du so sehr verlangt hast, und hilf mir, dass ich so durch dieses Zeitliche hindurch gehe, damit ich das Ewige nicht verliere. Amen.

 

Andenken an die seligste Jungfrau

 

Sehr nützlich war der seligen Veronika die zarte Andacht zur seligsten Mutter Gottes. Was sie von ihr gehört hat, sollen alle Diener Mariä sich gesagt sein lassen, nämlich die Reinheit des Herzens zu erlangen, Geduld gegenüber den Nächsten zu üben, und das Leiden Jesu Christi öfters zu betrachten. 

 

Andacht am 13. Januar:

 

Das Thema im Januar:

Von der Liebe Jesu

"Wer den Herrn nicht liebt, sei verflucht!" (1. Korinther 16,22)

 

"Das geringste Leiden, die geringste Demütigung Jesu Christi genügte für die Erlösung des menschlichen Geschlechtes, wegen der unendlichen Würde seiner Person." So der heilige Thomas von Aquin. Der heilige Chrysostomus fügt noch bei: "Was aber der Erlösung genügte, das genügte seiner Liebe nicht!"

Christus wollte bis zum Übermaß leiden, uns zu erlösen, wiewohl Er uns erlösen konnte, ohne zu leiden. Dieser Gedanke flößte so vielen Heiligen die größte Liebe zu allen Leiden ein. Die heilige Theresia sprach: "Entweder leiden oder sterben!"

Die heilige Magdalena von Pazzi sprach: "Nicht sterben, sondern leiden!"

Der heilige Johannes vom Kreuz sprach zum Herrn: "Um Deinetwillen leiden und verachtet werden!"

Bitten wir Jesus, den Gekreuzigten, um die Liebe zum Kreuz, und sprechen wir mit dem heiligen Bernardus: "Mein Herz am Kreuz, und das Kreuz in meinem Herzen!"

 

Lässt Du, o Herr, es zu, dass ich in Trübsalen schmachte, so lässt du dies um meines Besten willen zu, und ich bete Deine Ratschlüsse an und unterwerfe mich ihnen von Herzen. Verleihe mir nur die Geduld und Stärke, deren ich bedarf; und willig opfere ich Dir jedes Kreuz, das Du, zur Strafe meiner Sünden mir auferlegst. Nimm, o Herr, jede meiner Trübsale als ein Sühnopfer aus den Händen Jesu Christi auf, durch den alles, was Dir dargebracht wird, Deiner Majestät wohlgefällig ist! Amen.

 

Ein Gedanke heiliger Dominikaner am 13. Januar

 

"In der Niedrigkeit und dem Elend sich demütigen,

ist kein großes Verdienst,

es ist aber eine seltene und große Tugend

in Ehren und Würden demütig sein."

 

gottsel. Ludwig von Granada OP

1504 bis 31.12.1588

 

Betrachtung am 13. Januar - Das Geheimnis der göttlichen Menschwerdung

 

Die Liebe ist, o Gott, dein Siegel.

Es glänzt geprägt auf der Natur.

Sie zog dich, Herr, in unsre Flur.

Und deine Menschheit ist ein Spiegel,

Worin ihr Übermaß erscheint,

Das, Herr, dich mit dem Staub vereint.

 

1. Abgrund ewiger Liebe, es vergeht mein Geist in der Betrachtung deiner Wunder, die hoch über der Fassungskraft aller erschaffenen Geister stehen. Die Liebe bist du, und wesentlich ist es dir, auf göttliche, unerfassliche Weise zu lieben. Also liebtest du dein Gebilde aus Staub, das du zu deiner Erkenntnis und Liebe schufst: dass du, aus der rettungslosen Tiefe es zu erheben, in die es gefallen war, selbst Staub wurdest, es zu retten und abermals in seine ursprüngliche Würde einzusetzen. Aus ihren innersten Tiefen preist anbetend dich die Seele, die du durch dein Licht erleuchtet hast, dies abgrundtiefe Geheimnis zu erkennen. Der sinnliche Mensch aber lästert in stolzer Blindheit, was er nicht versteht, und weigert sich, zu glauben, dass die unendliche Liebe unendlich liebt.

 

2. Was, o stolzer Unglaube, ist hier der unendlichen Weisheit und Güte nicht vollkommen würdig? Dass der Unsichtbare seinem Bild sichtbar erschien? Dass er seinem Geschöpf, das er durch Vernunft, Freiheit und Unsterblichkeit geadelt und fähig erschaffen hatte, ihn ewig zu verherrlichen, das ihn aber noch nicht schauen konnte, ohne im Glanz seiner unendlichen Herrlichkeit zu vergehen, auf eine solche Weise erschien, dass es ihn erkennen und nachahmen konnte? Dass er den Weg zur unsterblichen Seligkeit ihm bahnte? Dass sein ewiges Wort durch die Aufnahme einer erschaffenen Natur in die Einheit seiner Person, "als der Erstgeborene aller Kreatur", (Kolosser 1,15) selbst der erste Ring in der Kette ward, der die Schöpfung bis zur Gottheit emporzog? 

 

3. 1. Timotheus 3,16: "Wahrhaftig, das Geheimnis unseres Glaubens ist groß: Er wurde offenbart im Fleisch, gerechtfertigt durch den Geist, geschaut von den Engeln, verkündet unter den Heiden, geglaubt in der Welt, aufgenommen in die Herrlichkeit." 1. Korinther 2,14: "Der irdisch gesinnte Mensch aber lässt sich nicht auf das ein, was vom Geist Gottes kommt. Torheit ist es für ihn, und er kann es nicht verstehen, weil es nur mit Hilfe des Geistes beurteilt werden kann." Er fürchtet, dies abgrundtiefe Geheimnis zu glauben, weil er zugleich an die ewige Gerechtigkeit glauben und sein Leben ändern müsste. Psalm 103,2-4: "Lobe den Herrn, meine Seele, und vergiss nicht, was er dir Gutes getan hat: der dir all deine Schuld vergibt und all deine Gebrechen heilt, der dein Leben vor dem Untergang rettet und dich mit Huld und Erbarmen krönt."

 

14. Januar

 

Der heilige Engelmar, Einsiedler und Martyrer im Bayerischen Wald,

+ 14.1.1100 - Fest: 14. Januar

 

Im Bayerischen Wald baute sich der aus der Gegend von Passau stammende Engelmar eine Hütte. Schon bald kamen die Leute der Umgebung zu ihm, um seinen Rat und seine Hilfe zu erbitten. Dies erregte den Neid seines Gefährten, und er erschlug Engelmar im Jahr 1110.

 

„Der heilige Engelmar war ein geborener Bayer und seinem Geschäft nach ein Landmann, aber aus Liebe zu Christus verließ er sein irdisches Besitztum und seine weltlichen Wünsche und wählte das Einsiedlerleben unter Anleitung des ehemaligen armenischen Erzbischofs Gregor, welcher in sehnsüchtiger Hoffnung auf himmlische Güter seine hohe Würde niedergelegt hatte und als armer Pilger nach Passau gekommen war. Nach dem Tod des heiligen Gregor, am 23. September 1093, wo eine von jenem angekündigte Sonnenfinsternis die damalige Welt in Schrecken setzte und zum Kreuzzug gegen die Türken anfeuerte, begab sich der heilige Engelmar in die Einöde, baute sich eine Klause, begann nach apostolischer Weise von der Arbeit seiner Hände zu leben und durch Nachtwachen, Gebet und Fasten die Gnade seines Schöpfers zu gewinnen.

 

Da er wegen seiner Güte und Frömmigkeit bei allen Bewohnern der Umgegend sehr beliebt war, beneidete ihn sein Genosse, ein zweiter Kain, um der ihm verliehenen größeren göttlichen Gnade willen, und voll Ingrimm, dass er dem Heiligen so unähnlich erschien, legte er in Abwesenheit von Zeugen Hand an ihn, erschlug ihn und deckte die Leiche mit Schnee und Steinen zu. Dieses Verbrechen verübte er am Tag nach der Oktav vom Fest der Erscheinung des Herrn und verheimlichte es unter verschiedenen Täuschungen und Ausreden bis Pfingsten. Über das Fest des Heiligen Geistes hinaus konnte die Schandtat nicht verborgen bleiben, weil derselbe die Welt der Sünde überführt. Das Blut des neuen Abel schrie zum Himmel, und der neue Kain irrte unstet in den Wäldern umher, nicht begünstigt und geliebt vom Volk, wie er erwartet hatte, sondern verflucht und verachtet und von seinem bösen Gewissen verfolgt.

 

Ein Priester fand die Leiche des Einsiedlers und Märtyrers und begrub sie in der Stille, ohne auf seine Heiligkeit Rücksicht zu nehmen. Aber als Rudbert, ehemals Weltpriester, dann erster Vorsteher des im Jahr 1125 neu errichteten Prämonstratenserklosters Windberg, für seine neue Kirche einen Schutzheiligen erwählen wollte, gedachte er des heiligen Märtyrers Engelmar, erbaute ihm ein würdiges Grab und übertrug die Überreste in die prächtige steinerne Kirche im Jahr 1131.

 

Vom Tag des Begräbnisses an eilte das gläubige Volk alljährlich mitten in der Pfingstwoche zu dem Grab des Heiligen und feierte andächtig das Patronatsfest des Märtyrers. Als einst noch der Leichnam des erschlagenen Einsiedlers in dem ärmlichen Hüttchen lag, erblickten bei Nacht Vorübergehende eine zahllose Menge Lichter voll wunderbaren Glanzes. Staunend gingen sie dorthin und sahen den Lichtglanz nicht nur in unmittelbarer Nähe, sondern wurden auch mit den süßesten Wohlgerüchen erfüllt. Viele Kranke erhielten dort Heilung, viele Heimgesuchte Trost und Hilfe. Der Name Engelmar ist im Lauf vieler Jahrhunderte nicht im Herzen und Munde des Volkes erloschen, viel weniger im Buch des Lebens.“

 

Engelmar ist der Patron der Bauern. Für die Bewahrung der Feldfrüchte und gegen Viehseuchen wird seine Hilfe erfleht. Das in der Legende genannte Kloster Windberg bei Bogen ist nicht nur ein bedeutendes Baudenkmal, sondern auch durch die Jahrhunderte berühmt wegen seiner wissenschaftlichen Arbeit; noch aus der Zeit des ersten Abtes Gebhard (1142 bis 1191) sind wertvolle Handschriften erhalten.

 

Der heilige Datius, Erzbischof und Bekenner von Mailand,

+ 14.1.552 - Fest: 14. Januar

 

Der heilige Datius war aus einem vornehmen Geschlecht entsprossen und wurde wegen seiner Frömmigkeit und Gelehrsamkeit nach dem Tod des heiligen Magnus zum Oberhirten der Kirche von Mailand erwählt. Er war der 28. Bischof und verwaltete mit einem seltenen Eifer das heilige Amt. Als ein Muster eines apostolischen Mannes leuchtete er seiner Geistlichkeit sowohl als seiner gläubigen Herde voran an Gottseligkeit und christlicher Tugend, an Demut und Selbstverleugnung. Ein liebevoller Vater der Armen, beschützte und tröstete er Witwen und Waisen, und ihr Elend zu lindern, erkaufte er bei einer Hungersnot Getreide zu ungeheuren Preisen und verteilte es unentgeltlich unter die Armen seines Sprengels. Während seiner Regierung erhielten die Gothen über Belisar, den griechischen Feldherrn, einen vollkommenen Sieg und eroberten Mailand wieder, bei der Gelegenheit der Heilige in die Gefangenschaft geschleppt wurde. Auf Verwenden seines Freundes Cassiodorus kam er wieder in Freiheit und in seine Diözese zurück. Er wurde aber bald darauf wegen seines Eifers für die Reinheit der christlichen Religion von seinem bischöflichen Stuhl vertrieben und in das Elend gestoßen, wo er seine übrigen Lebenstage zu Konstantinopel in Ausübung frommer Werke und in heiliger Einsamkeit zubrachte. Der heilige Papst Gregor sagt von ihm, dass er einer der eifrigsten Bischöfe war, der mit Papst Vigilius die heilige Religion gegen die Feinde der Wahrheit verteidigt habe.

 

Der heilige Datius starb zu Konstantinopel am 14. Januar 552, und erst nach seinem Tod wurden seine Reliquien nach Mailand gebracht und mit Erlaubnis der Kirche dem gläubigen Volk zur Verehrung ausgestellt.

 

Die 38 heiligen Mönche und Martyrer auf dem Berg Sinai,

Fest: 14. Januar

 

In der großen Wüste, die sich von Arabien bis nach Ägypten ausdehnt und von diesem Land nur durch das Rote Meer und den Jordan getrennt ist, lebte in den ersten christlichen Jahrhunderten ein wildes, barbarisches Volk in der größten Sittenlosigkeit und beinahe ohne alle Religion. Diese Wilden ernährten sich von der Jagd und von der Beute, die sie auf ihren Streifzügen machten, und zur Zeit der Not verzehrten sie das rohe Fleisch ihrer Kamele. Sie beteten die Sonne als ihren Gott an und brachten ihr das Beste von ihrer Beute als Opfer dar. Bei besonderen Festen aber schlachteten sie einen Knaben aus ihrer Mitte, opferten sein Fleisch unter abergläubischen Zeremonien der aufgehenden Sonne und verschlangen es dann bei einem festlichen Mahl.

 

Die andere Seite der Wüste bewohnten heilige Einsiedler, die durch gänzliche Abtötung ihrer Sinnlichkeit, durch ununterbrochenes Gebet und immerwährende Betrachtung himmlischer Wahrheiten nach Gottseligkeit strebten. Sie lebten nur von Wurzeln und Kräutern, die sie erst nach dem Untergang der Sonne aßen, und mehrere von ihnen enthielten sich die ganze Woche hindurch von aller Nahrung. Damit keiner den anderen in seiner Einsamkeit stören konnte, bewohnten sie Zellen, die weit voneinander entfernt lagen und die sie die ganze Woche nicht verließen, bis am Sonntag, wo sie sich gemeinschaftlich in der Kirche versammelten, während des Gottesdienstes heilige Psalmen sangen und von einem Priester die heilige Kommunion empfingen. Am frühen Morgen eines Sonntags, wo die frommen Einsiedler schon alle versammelt waren zum Lob Gottes, ritten die wilden Barbaren auf Raub aus und erblickten schon von weitem die Kirche. Aus Begierde nach Beute drangen sie in die Kirche ein und da sie nichts als Armut erblickten, gerieten sie in Wut, schleppten die Heiligen aus der Kirche, entblößten sie von ihren Kleidern und stellten sie nach dem Alter in die Reihe zum Martertod. Mit dem heiligen Sabbas, einem ehrwürdigen Greis, machten sie dadurch den Anfang, dass sie ihm befahlen, seinen Hals empor zu richten. Als er mit unerschrockenem und heiterem Angesicht sich ihnen dargestellt hatte, durchstach ihm einer der Unmenschen die Kinnlade und ein anderer stieß ihm das Schwert durch die Schulter bis in die Brust, worauf er sogleich seinen Geist aufgab. Mit einem so grausamen Blutdurst ermordeten sie die übrigen 37 Einsiedler, indem sie ihnen entweder den Rücken unter langsamer Marter aufschnitten, oder ihnen lebend die Haut vom Leib rissen, oder sie mit stumpfen Sägen entzwei schnitten. Einige Schriftsteller behaupten, dieser gräuliche Mord habe sich zu der Zeit ereignet, als Diokletian auf dem römischen Kaiserthron saß.

 

Der selige Odo, Priester und Prior von Tivoli, Italien, Kartäuser,

+ 14.1.um 1200 – Fest: 14. Januar

 

Der selige Odo ist geboren im Jahr 1100 in Novara in Italien und trat frühzeitig in die nicht fern von seinem Geburtsort befindliche Kartause von Casotta. Fast neunzigjährig wurde er Prior in der Kartause von Gairach (Gyrio) in Slavonien. Doch war er nur etwa zwei Jahre in diesem Amt. Der Bischof Districus (Theodosius) von Colnitz machte dem Kloster Verschiedenes streitig. Weil aber der Prior allem Streit und aller Rechthaberei gründlich abgeneigt war, begab er sich zu Papst Klemens III. (1188-1191), um seines Amtes enthoben zu werden. Nach Erlangung seiner Bitte wurde er durch Unpässlichkeit auf der Reise von Rom aufgehalten und verweilte im Benediktinerkloster von Trisulti, das 1208 eine Kartause wurde. Der Ruf seiner Heiligkeit gelangte auch zu den Ohren der Äbtissin Aduhisa im Kloster zum heiligen Kosmas und Damian in Tagliacozzo im Abruzzengebirge. Sie sandte alsbald einen Fürsprecher zum Papst, ihrem Oheim, um Odo als Beichtvater für ihr Kloster zu erlangen. Der Papst gestand diese Bitte seiner Nichte Aduhisa durch förmliches Breve zu. Die Äbtissin ließ nun auf Wunsch des Seligen eine Zelle an die Kirche anbauen, worin Odo noch etwa acht Jahre bis ungefähr 1200 lebte.

 

In diesem einfachen, äußeren Rahmen verbirgt sich aber ein sehr reiches, gottgefälliges Innenleben. Nachdem Odo im Kloster die heiligen Weihen empfangen hatte, zeichnete er sich bald aus durch die Strengheit seines Lebens, die Liebe zum Stillschweigen und zu den Ordensregeln. Seine Seele war so entleert von allem Weltlichen, dass er nach eigenem Eingeständnis vor seinem Beichtvater auch im Schlaf keine derartigen Vorstellungen hatte. Der Friede seiner Seele prägte sich in seinem ganzen Äußeren aus.

 

Nachdem er gewissermaßen auf Befehl des Papstes dem Orden entrissen war als Seelenleiter der Abruzzen-Nonnen, war dies für ihn nur eine Gelegenheit, noch strenger, als es im Orden gestattet ist, seine letzten acht bis zehn Jahre zu verleben. Er schlief auf einer Pritsche, auf der ein mit Reisig gefüllter Sack war. Unter seiner rauen, leinenen Kleidung trug er ständig auf bloßem Leib ein Bußhemd. Mit Ausnahme der Sonntage fastete er stets nach Art der Fastenzeit und geißelte sich täglich. Aus seiner Zelle ging er zur Kirche, wo er die heilige Messe in aller Andacht und unter reichlichen Tränen las; danach predigte er. Die freie Zeit zur Abspannung verwandte er zur Handarbeit, so dass er harte Schwielen an seinen Händen hatte.

 

Nach dem Sprichwort „Wie gelebt, so gestorben“ bietet auch der Tod unseres Seligen einen der Betrachtung würdigen Gegenstand. Für den 13. Januar hatte er den Klerus der Umgegend zusammengerufen, gab den Geistlichen Mahnungen und sagte: „Morgen um diese Stunde werde ich aus der Welt scheiden.“ Er verlangte sodann, dass ihm keinerlei weltliche Ehren erwiesen werden, dass er vielmehr in dem Kleid, das er am Leib hatte, beerdigt werden wolle, zu Häupten das Kreuz, das er sich selbst gemacht hatte. Natürlich waren viele Geistliche auch am anderen Tag zugegen, um dem Hinscheiden beizuwohnen. Als der Heilige in tiefster Andacht betete: „Erwarte mich, o Herr, siehe, ich komme zu dir!“ wurde er von den geistlichen gefragt, zu wem er dies gesagt habe. Darauf gab der Sterbende die Antwort: „Schon sehe ich meinen König, schon stehe ich vor seinem Angesicht“, und die Hände nach oben ausbreitend und vom Lager sich aufrichtend gab der fast hundertjährige Ordensmann seinen Geist in die Hand des Schöpfers zurück.

 

Nun sollten wir aber von den geradezu „unzähligen Wundern“ erzählen, durch die Gott die Heiligkeit seines Dieners bezeugt hat. Während seines Lebens schon hatte Odo durch das heilige Kreuzzeichen einen Mann augenblicklich von seinen Skrofeln geheilt, hatte Wasser in Wein verwandelt. Als er gestorben war, berührte ein Kranker seine Hand und war sofort geheilt. Vierzig Jahre später erschien der Heilige dem Erzpriester Oderisius und verlangte, dass die Äbtissin seinen Leib an einen ehrenvolleren Ort verbringen lassen solle. Und als der nicht gleich gehorchte, erschien er ihm noch zweimal. Bei der Öffnung des Grabes entströmte ihm ein gar lieblicher Wohlgeruch, der die Gemüter aller zur Andacht bewegte. Der Leib aber war unversehrt und nach Aussage solcher, die den Heiligen lebend gekannt hatten, von gleicher Gesichtsfarbe. Bei dieser Gelegenheit ereigneten sich auch viele Wundertaten, die sich in der Folge überaus vermehrten, da eine große Menge Menschen zu seinem Grab gingen. Nur auf ein Wunder aus den vielen Berichten sei noch hingewiesen. Ein Mädchen lag infolge seiner Fallsucht-Krankheit schon drei Tage fast bewusstlos da. Ihr erschien der der Heilige, machte über ihr das Kreuzzeichen und ermahnte sie, zu seinem Grab zu gehen. Das Mädchen tat dies und war geheilt.

 

Der Ruf von diesen Wundertaten drang bis zu Papst Gregor IX. (1227-1241). Er bestimmte zu ihrer Untersuchung eine Kommission von Priestern, im Jahr 1240, und leitete so den Seligsprechungsprozess selbst ein. Doch aus unbekannten Gründen wurde Odos Fest erst 1859 offiziell mit anderen Seligen von der Kirche genehmigt und im Kartäuserorden begangen.

 

Muss man nicht nach Betrachtung solcher Zierden der Menschheit mit dem Psalmisten ausrufen: „Wunderbar ist Gott in seinen Heiligen!“ Gleich Leuchtfackeln, ja gleich Leuchttürmen umsäumen sie den Weg, den die Kirche durch die Jahrhunderte geht, bis zur Stunde, und weisen durch ihr Tugendbeispiel, das alles Natürliche und gewöhnlich Menschliche weit überragt, auf die jenseitige Welt, auf Christus, auf den Heiligen Geist und seine Gaben hin, um derentwillen alles Irdische verächtlicher Kot wird. Und in diesem ihrem Tun sind sie von Gott durch die mannigfaltigsten Wunder als ihm wohlgefällig bezeugt! Und doch! Trotz dieser Leuchten, die bis zur Stunde in die Finsternisse der Welt hinausflammen, bleibt die Welt in ihrer Finsternis und schlagen sich die Menschen einander zu Tausenden tot um des bisschen Erdboden willen. Arme Welt! Auf! Organisiert im Volk das Apostolat der Heiligen durch das Beispiel der Guten! Lasst Christus wieder aufleben in den Christen: Dann findet die Welt wieder den Weg aus dem Dunkel nach oben!

 

Der selige Oderich, Franziskaner, Priester und Missionar,

+ 14.1.1331 – Gedenktag: 14. Januar

 

Der selige Oderich, gebürtig von Porto-Naone in Friaul, trat sehr jung in den Orden des heiligen Franziskus, und übte erstaunlich strenge Bußwerke. Nachdem er seine Gelübde abgelegt hatte, brachte er einige Zeit in einer Einsiedelei zu. Sein Seeleneifer bewog ihn dann, sich mit Zustimmung seiner Obern in den damals bekannten Teil Ostindiens zu begeben, um daselbst an der Bekehrung der Ungläubigen zu arbeiten, wo er während 17 Jahren mehr als 20.000 Personen bekehrte und taufte. Danach kam er nach Italien zurück, um sich evangelische Mitarbeiter auszuersehen. Allein er wurde, erschöpft von Arbeiten und strengen Bußwerken, zu Pisa von einer Krankheit befallen, und nach Udino gebracht, wo er am 14. Januar 1331 starb. Sein Leib, der einige Zeit nach seinem Tod vom Patriarchen von Aquileja untersucht worden ist, war so frisch und biegsam, als wäre er noch lebendig. Oderich wurde 1755 von Papst Benedikt XIV. seliggesprochen.

 

Der gottselige Pater Ripa Transon, Franziskanermönch,

+ 14.1.1595 – Gedenktag: 14. Januar

 

Nach Angabe der Franziskaner-Chronik starb am 14. Januar 1595 selig im Herrn der fromme Pater Ripa Transon. Er pflegte stets sein Gemüt in Betrachtung der großen Schmerzen Jesu Christi und seiner gebenedeiten Mutter Maria zu speisen.

 

Als er einmal die Mutter Gottes ganz eifrig zur Erlangung der Herzensreinheit gebeten hat, da erscheint ihm Maria. Weil er aber zweifelte, ob dies nicht eine List des Teufels sei, will er lieber entfliehen. Da sprach die göttliche Jungfrau zu ihm: „Wenn du vor mir fliehen willst, warum wendest du dich dann an mich?“ – Als er nun die mildreichste Mutter erkannte, warf er sich mit folgenden Worten demütig vor ihre heiligen Füße zur Erde und sprach: „O du gütige Mutter, woher kommt mir das?“ Darauf legt ihm Maria ihre allerreinsten jungfräulichen Hände über seine Brust und sprach: „Nimm hin die Reinheit des Herzens, die du dir so lange gewünscht hast.“ – Dann verließ sie den gottseligen Vater und verschwand. 

 

Gebet am 14. Januar

 

Allerseligste Jungfrau, liebe Mutter Maria, erlange uns die Liebe zum Gebet und zur Einsamkeit, damit wir, frei von aller Liebe zu den Geschöpfen, unser Herz ganz Gott und dem Himmel zuwenden, wo wir eines Tages dich zu sehen hoffen, um dich und deinen Sohn Jesus dort die ganze Ewigkeit hindurch zu lieben. Amen. 

 

Zu Jesus Christus

 

Gib uns, o Herr, dass wir uns niemals von der geistlichen Kindheit verirren, die so notwendig ist zur Erhaltung des Glaubens und zur Abwendung der Gefahren des Unglaubens. Wir wollen mit Deiner Gnade vor den Lehrern der Lüge fliehen, die uns in ewigen Untergang führen wollen, und nur Dein von der Kirche uns verkündetes Wort hören, der Du lebst und herrschst mit Gott dem Vater in der Einheit des Heiligen Geistes, Gott von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen. 

 

Andenken an die seligste Jungfrau

 

Klemens VII. hat ein besonderes Fest vom heiligsten Namen Jesus auf diesen Tag im Jahr 1530 gesetzt. Dieser Name, der der göttlichen Mutter vor der Empfängnis Jesu Christi geoffenbart worden war, wurde von Papst Urban IV. um das Jahr 1262 dem Englischen Gruß nach den Worten: "gebenedeit ist die Frucht deines Leibes" beigefügt.

 

Andacht am 14. Januar:

 

Das Thema im Januar:

Von der Liebe Jesu

"Wer den Herrn nicht liebt, sei verflucht!" (1. Korinther 16,22)

 

"Nichts ist so heilsam, als jeden Tag das Übermaß der Schmerzen zu betrachten, die der Gottmensch uns zu Liebe erlitten hat. Die Mahlzeichen Jesu Christi verwunden sogar die härtesten, und entzünden die eifrigsten Herzen." (Der heilige Bonaventura)

Als die heilige Magdalena von Pazzi die Leiden des Herrn betrachtet hatte, und das Kruzifix in der Hand hielt, fühlte sie sich von so feuriger Liebe zu Jesus, dem Gekreuzigten, durchdrungen, dass sie sich nicht erwehren konnte, auszurufen: "O Liebe! o Liebe! o Liebe! Nein, göttlicher Jesus, nimmermehr wird mein Herz aufhören, Dir zu sagen, dass Du seine geliebte Liebe bist!" Sprechen wir oftmals mit dieser Heiligen und mit dem heiligen Philipp Neri: "O Jesus, meine Liebe!" Ein eifriger Christ, der des Lesens nicht kundig war, sprach oftmals mit so großer Erleuchtung von den göttlichen Vollkommenheiten und der wunderbaren Liebe unseres Herrn Jesus Christus, dass fromme und gebildete Menschen darüber erstaunten. Nun war unter ihnen einer, der sich erbot, ihn lesen zu lehren, damit er aus frommen Büchern größere Andacht gewinnen könnte. Er aber dankte, und sprach, er wolle, bevor er diesen Antrag annähme, seinen göttlichen Herrn, Jesus den Gekreuzigten, darüber befragen. Als er nun dies getan hatte, berichtete er, was er vernommen habe und sprach: Dies ist die Antwort, die ich bekam: "Was für Bücher wird man dir übergeben? Und was wollen sie dich lesen lassen? Ich bin dein Buch! Wenn du Mich betrachtest, kannst du immerdar die große Liebe lesen, die Ich für dich hegte. Genügt ein Gott nicht, der für dich litt und starb, während deines ganzen Lebens, ja während der ganzen Ewigkeit dich zu beschäftigen?"

 

O mein göttlicher Heiland, jede Deiner Wunden ist gleich einer Stimme, die mir zuruft, wie sehr Du mich geliebt hast; wie strafbar ich bin, und wie feurig ich Dir danken soll. Wie soll ich Dir meine Liebe und meinen Schmerz über meine und meiner Brüder Sünden bezeigen? Was soll ich tun, Deiner unendlichen Liebe zu entsprechen? Amen.

 

Ein Gedanke heiliger Dominikaner am 14. Januar

 

"Wer den Mitmenschen durch seine Worte nützen und sie erbauen will,

soll vor allen Dingen selbst die Tugenden besitzen, die er ihnen einflößen möchte."

 

hl. Vincenz Ferrerius OP

1350 bis 5.4.1419

 

Betrachtung am 14. Januar - Vom Licht der Vernunft

 

Schön ist, o Mond, dein Silberlicht,

Das Lust dem Blick verschafft;

Doch wärmet es die Glieder nicht,

Und spendet keine Kraft;

Dies wirkt die goldne Sonne nur;

Nur sie gibt Leben der Natur.

 

1. "Herr, mit dem Licht deines Angesichtes hast du uns bezeichnet!", ruft der Psalmist. Dies Licht, Herr, wodurch du den Menschen hoch über alle Geschöpfe des Erdkreises erhöht hast, ist die Leuchte der Vernunft, durch die sein Geist sogar unsichtbare Dinge schaut, in die Höhen und in die Tiefen sich erschwingt, die Sterne des Himmels misst und wiegt, und in die verborgenen Geheimnisse der Natur eindringt. Groß und wunderbar ist dies Licht, und hat nichts mit dem Staub gemein, denn es ist ein Strahl aus dem Licht deines göttlichen Angesichtes.

 

2. Unsterblicher Dank dir, unser Schöpfer, für dies wunderbare Licht, das den Menschen an den Engel reiht, und durch das wir sogar dich selbst, den allerhöchsten Herrn aller Wesen, finden. Aber wie weit auch dies Licht reicht, ist es dennoch beschränkt wie der Mensch selbst, und beleuchtet nur seine irdische Pilgerbahn. Wunderbare Triebe gabst du den Vögeln des Himmels und den Tieren des Feldes. Mit scharfsinniger Kunst erbauen sie Nester und sorgen für ihre Jungen. Ja Staunen erregen die kunstreichen Fertigkeiten so vieler vernunftloser Wesen. Sie kennen sogar den Menschen, aber nimmer dringen sie in das ein, was des Menschen ist. Also erkennt dich, o Gott, auch die Vernunft. Nimmer jedoch dringt sie in dein dreieiniges, glorreiches Wesen, in die abgrundtiefen Eigenschaften deiner unerschaffenen Gottheit ein.

 

3. Doch, o unendliche Majestät, nicht bloß deine Allmacht sollte der Himmelspilger kennen, die das Licht der Vernunft ihm zeigt, sondern auch deine unendliche Heiligkeit, die sie ihm nicht zeigen kann. Darum auch reicht sie an ihren Grenzen deiner heiligen Offenbarung die Fackel, dass sie von dort ihn weiterführe. Nicht offenbaren kann sie selbst deine heiligen Geheimnisse, die hoch über sie erhaben sind, noch kann sie auch ihm Kraft geben, den Himmelsweg zu gehen. Wehe dem Stolzen, der seine Vernunft vergöttert. Sie führt ihn in rettungslose Abgründe, wie dies jene Weltweisen erfuhren, die dich, o Gott, aus deinen wunderbaren Werken erkannten, und Schlangen und Tiere anbeteten, und in die abscheulichsten Laster versanken. Psalm 119,135: "Lass dein Angesicht leuchten über deinem Knecht, und lehre mich deine Gesetze."

 

15. Januar

 

Der heilige Maurus, Jünger des heiligen Benedikt, Abt von Anjou,

+ 15.1.584 - Fest: 15. Januar

 

Angezogen von der faszinierenden Gestalt des heiligen Benedikt, wurde Maurus, der Sohn des römischen Senators Equitius, Schüler und Gehilfe des Ordensgründers.

 

Wahrscheinlich starb Maurus als Abt von Subiaco.

 

Seine Entsendung nach Gallien und die Gründung des Klosters Glanfeuil, später Saint-Maur-sur-Loire, und sein dortiger Tod sind legendäre Berichte.

 

„Maurus, aus Rom gebürtig, wurde von seinem Vater Equitius, der dem Rang der Senatoren angehörte, schon als Junge von zwölf Jahren dem berühmten Patriarchen der Mönche des Abendlandes, Benedikt auf Montecassino, zur wissenschaftlichen und religiösen Ausbildung übergeben. Der sehr lebhafte und talentvolle Junge wurde bald der Liebling seines großen Meisters, weil er nicht nur im Wissen, sondern auch in der Tugend, im Gebetseifer, im Fasten, Stillschweigen, Gehorsam und in der Bescheidenheit seinen Mitschülern weit voraneilte. Eines Tages sollte Placidus, sein Mitschüler, Wasser holen; dabei fiel er in den See und wurde von einer Welle weggeschwemmt. Benedikt sah die drohende Gefahr und befahl dem Maurus, schnell zu Hilfe zu eilen. Dieser bittet um den Segen, eilt zum See, schreitet – nur an den Auftrag des Meisters denkend – über das Wasser hin, als hätte er festen Boden unter den Füßen, und zieht den Sinkenden aus dem Wasser glücklich ans Land. Als er mit dem gerettet Placidus zurückkam, wurde dieses Wunder des Gehorsams durch ein neues Wunder der Demut verherrlicht. Es entstand nämlich ein frommer Streit zwischen dem Lehrer und dem Schüler, wem von beiden die Ehre dieses Wunders gebühre. Benedikt schrieb es dem vollkommenen Gehorsam des Maurus zu, dieser dem heiligen Segen des Benedikt. Beide hatten Recht; denn, wie der berühmte französische Prediger und Schriftsteller Bossuet sagt: „Der Gehorsam bewirkt die Gnade, das Befohlene treu zu erfüllen; der Befehl wirkt die Gnade, den Gehorsam erfolgreich zu machen.“

 

Der Heilige wird als Abt, mit Stab, Buch und Kreuz, dargestellt. Häufig wird er auch auf dem Wasser wandelnd abgebildet.

 

Maurus ist Patron von Badajoz und der Maurinerkongregation. Außerdem ist er Schutzheiliger der Köhler, Kupferschmiede Lastträger, Laternenanzünder und Lichterzieher.

 

Seine Fürbitte wird angerufen gegen Gicht, Heiserkeit, Kopfschmerz, Lähmung, Rheumatismus, Schnupfen und Skrofeln.

 

Der heilige Paulus von Theben,

1. Ordensgründer der Einsiedler in Ägypten,

+ 10.1.343 – Fest: 15. Januar

 

Nach der vom heiligen Hieronymus verfassten Lebensbeschreibung wurde Paulus, der „Ur-Einsiedler“, 228 in Theben (Ägypten) als Kind reicher Eltern geboren.

 

Während der decischen Christenverfolgung (249-251) floh er in die Wüste und lebte dort einsam in einer Felsenhöhle ein Leben in Meditation und Gebet.

 

Kurz vor seinem Tod suchte ihn der heilige Antonius auf, der durch einen Traum auf ihn, als den besseren Einsiedler, aufmerksam geworden war. Beide Greise führten lange Gespräche. Als der heilige Paulus bald danach im 113. Jahr starb, kam der heilige Antonius zurück, um ihn zu begraben.

 

„Paulus war erst zweiundzwanzig Jahre alt, als er in die Wüste ging. Seine Absicht war, da nur so lange zu bleiben, wie die Verfolgung dauern würde, aber nachdem er einmal die unaussprechlichen Süßigkeiten des bußfertigen und beschaulichen Lebens gekostet, nachdem er durch Erfahrung die Vorteile, die man in der Einsamkeit findet, erkannt hatte, fasste er den festen Entschluss, nie mehr in die Welt zurückzukehren, sondern desto eifriger für diejenigen zu beten, die in ihr wohnen. Er lebte bis zu seinem dreiundvierzigsten Jahr nur von der Frucht seines Palmbaumes. In seiner übrigen Lebenszeit wurde er wunderbar, wie ehedem der Prophet Elias, durch einen Raben genährt, der ihm jeden Tag ein halbes Brot brachte. Wir wissen die einzelnen Umstände des Lebens nicht, das Paulus neunzig Jahre lang in der Wüste führte; die Menschen erfuhren nur kurz vor seinem Tod etwas von ihm, und zwar durch folgende Begebenheit.

 

Der große Antonius, der damals neunzig Jahre erreicht hatte, wurde von eitlem Ruhm versucht. Er bildete sich ein, niemand habe so lange wie er, Gott in einer gänzlichen Abgeschiedenheit von der Welt gedient. Als er mit diesem Gedanken sich beschäftigte, schickte ihm Gott einen Traum, durch den er ihn von seinem Irrtum überzeugte. Er befahl ihm gleichzeitig, einen seiner Diener aufzusuchen, der tief in der Wüste wohne. Antonius trat unverzüglich mit Tagesanbruch die Reise an. Da ihm ein Ungeheuer in den Weg trat, machte er das Kreuzzeichen, und sogleich verschwand diese Truggestalt, die vielleicht vom Geist der Finsternis hergezaubert war; diese Erscheinung war ihm ein sicheres Zeichen, dass dies der Weg sei, den er einzuhalten habe. Kurze Zeit danach stellte sich ihm ein Satyr in den Weg. Er gab ihm zu verstehen, er bewohne diese Einöde, und gehöre unter die Zahl derer, die von den Heiden als Götter angebetet werden. Nachdem der Heilige zwei Tage und eine Nacht gereist war, gewahrte er in der Ferne ein Licht, das ihm die Wohnung desjenigen zeigte, den er suchte. Er trat an die Tür der Höhle und bat den Heiligen, sie ihm zu öffnen; aber erst nach vielem Zureden wurde ihm sein Wunsch gewährt und er von Paulus mit sanftem Lächeln empfangen. Sie umarmten sich wechselseitig und nannten sich bei ihrem Namen, den Gott jedem geoffenbart hatte. Paulus fragte dann den Antonius, ob sich die Menschen immer noch so um das Irdische plagten und dem heidnischen Aberglauben nachhingen.

 

Nach geendigter Unterredung kam ein Rabe herbeigeflogen und legte ein ganzes Brot zu ihren Füßen. „Sieh“, sagte Paulus, „Gott schickt uns unsere Nahrung. Schon viele Jahre sendet mir seine Güte jeden Tag ein halbes Brot; aber da du jetzt zu mir gekommen bist, hat der Heiland das Gericht verdoppelt.“ Sie dankten dann beide Gott, setzten sich an einen nahen Quell, um ihr Mahl einzunehmen.“

 

Die Begegnung der beiden heiligen Einsiedler war ein beliebtes Thema der Malerei. Die frühen Darstellungen bilden den heiligen Paulus und den heiligen Antonius unter einem Baum ab, bei einer Quelle sitzend mit dem Raben, der das doppelte Brot bringt. Als Einzelfigur erscheint der heilige Paulus barfuß mit Krückstock und in einen faltenreichen dunklen Mantel gehüllt. Manche Bildwerke zeigen den Heiligen auch mit einem Gewand aus geflochtenem Palmstroh bekleidet. Paulus von Theben ist der Patron der Korb- und Mattenmacher.

 

Der heilige Johannes Calybita, Akömeten-Mönch von Konstantinopel,

+ 15.1.450 - Fest: 15. Januar

 

Zu Anfang des 5. Jahrhunderts lebte in Rom Eutropius, ein reicher und angesehener Mann, der unter der Regierung des Kaisers Leo Oberster des römischen Kriegsheeres war, und mit Theodora seiner Gemahlin drei Söhne hatte, die sich unter allen Jünglingen ihres Zeitalters durch hohe Gelehrsamkeit auszeichneten. Besonders hatte sich Johannes, der jüngste von ihnen, durch seinen anhaltenden Fleiß eine solche wissenschaftliche Bildung erworben, dass er schon in seinem zwölften Jahr mehrere Sprachen beherrschte, und in philosophischen Gegenständen die dunkelsten Stellen zu erklären wusste. Die göttliche Vorsehung fügte es, dass Johannes vom Streben nach eitlen, menschlichen Kenntnissen zur Wissenschaft des Heils geführt wurde; denn er begegnete eines Tages einem Klostermann, der von einer Wallfahrt nach Jerusalem zurückkam, und dessen arme Kleidung, stille Geduld und Frömmigkeit den Jüngling so sehr rührte, dass er ihn begierig fragte, wer er sei und durch welche Wissenschaft er sich eine so gänzliche Verachtung alles Irdischen und eine solche Heiterkeit des Gemütes erworben habe? Der Mönch belehrte ihn nun über den Zweck des klösterlichen Lebens und über die seligen Früchte, die den Geist, losgerissen von allem Irdischen, in der Einsamkeit erquicken, und Johannes wurde durch diese Schilderung so sehr begeistert, dass er den heiligen Mann fußfällig bat, ihn mit in sein Kloster zu nehmen. Weil er aber voraussah, welche Hindernisse er von Seite seiner Eltern zu bekämpfen haben würde, entfloh er heimlich und kam glücklich mit seinem Begleiter im Kloster an, wo er auch nach einer strengen Prüfung unter die Ordensbrüder eingereiht wurde.

 

Zum Staunen seines Obern übertraf Johannes bald alle Ordensmänner an Demut und Abtötung, und er vertiefte sich so in den Betrachtungen göttlicher Wahrheiten, dass er oft mehrere Wochen hindurch keine andere Nahrung genoss, als das himmlische Brot im allerheiligsten Altarsakrament. Dabei wurde auch seine Tugend durch die schwersten Versuchungen geprüft; besonders quälte ihn eine Sehnsucht nach seinen Eltern so sehr, dass der vorher blühende Jüngling ganz ausgezehrt, jetzt einem Toten ähnlich war. Er erhielt deswegen die Erlaubnis, in sein väterliches Haus zurückzukehren, und um dort nicht erkannt zu werden, verhüllte er sich in die Kleidung eines Bettlers, und bat seine Eltern um einen finsteren Winkel außerhalb des Hauses, worin er ein äußerst abgetötetes Leben führte, und mit bewunderungswürdiger Geduld den Spott und die Misshandlungen der Dienerschaft seines Vaters ertrug. Die Nahrung, die ihm täglich Eutropius aus Mitleid reichen ließ, verteilte er unter die Armen, und so lebte er drei Jahre lang, ohne sich seinen Eltern zu erkennen zu geben, bis ihm durch eine Erscheinung die Stunde seines Todes geoffenbart wurde. Da ließ er seine Mutter zu sich bitten, eröffnete ihr, dass er ihr Sohn sei, und bat sie, ihn nach seinem Tod ebenso arm, wie er gelebt hatte, in jenem Winkel zu begraben, worauf er sogleich seinen Geist aufgab.

 

Unter Wehklagen und Tränen küsste die Mutter den Leichnam des Heiligen und bedeckte ihn mit einem kostbaren Sterbekleid. Sie wurde aber sogleich von einer heftigen Krankheit befallen, von der sie nur dadurch geheilt wurde, dass sie den Leichnam wieder mit seiner vorigen Bettlerkleidung umgeben ließ. Von dieser Stunde an entsagten die Eltern des heiligen Johannes allen Erdengütern, verteilten ihre Reichtümer unter die Armen, und nachdem sie über dem Grab des Heiligen ein herrliches Gotteshaus erbaut hatten, weihten sie sich dem Dienst Gottes und starben im Ruf der Frömmigkeit.

 

Der heilige Bonitus, Bischof zu Clermont, Frankreich,

+ 15.1.710 - Fest: 15. Januar

 

Dieser Heilige wurde zu Anfang des 7. Jahrhunderts zu Auvergne in Frankreich aus einem adeligen Geschlecht geboren. Sein Vater Theodatus war römischer Ratsherr und seine Mutter Syagria wurde schon vor der Geburt ihres Sohnes dessen künftige Heiligkeit durch eine Erscheinung geoffenbart. Beide Eltern wendeten alle Sorgfalt auf die Erziehung ihres Kindes, und Bonitus wurde ein so ausgezeichneter Jüngling, dass ihn der fränkische König Theodorich IV. an seinen Hof nahm und mit den höchsten Würden überhäufte. Nach dem Tod des Königs wurde er Statthalter von Marseille. In diesem Amt zeichnete er sich durch seine Liebe zur Gerechtigkeit und durch sein Erbarmen gegenüber den Armen und Gefangenen aus und erwarb sich dadurch die Achtung aller Menschen. Dabei führte er ein so heiliges Leben, dass sich der Ruf von seiner Frömmigkeit allgemein verbreitete, und dass bei dem Tod seines Bruders Avitus, der vierzig Jahre lang als Bischof mit seltenem Ruhm die Kirche zu Auvergne regierte, der König und die Geistlichkeit keinen würdigeren Nachfolger zu wählen wussten, als den heiligen Bonitus, der sich zwar wegen seiner tiefen Demut ernstlich weigerte, dieses heilige Amt zu übernehmen, aber endlich die feierliche Weihe empfing, als er Gottes Willen erkannt hatte.

 

Längere Jahre hindurch stand der heilige Oberhirt seiner Kirche mit apostolischem Eifer vor und lebte, so viel ihm seine Geschäfte erlaubten, einsam und in der größten Armut. Wegen Altersschwäche legte er schließlich seine Würde nieder und wählte das Kloster Manlieu zu seinem Aufenthalt, wo er die strengen Ordensregeln genau beobachtete und zur Verherrlichung der Kirche Jesu viele Wunder wirkte. Am Ende seines Lebens machte er eine Reise nach Rom, um an den Gräbern der heiligen Martyrer seine Andacht zu verrichten. Auf seiner Rückreise sagte er Aripert II., dem König der Longobarden, einen vollkommenen Sieg über seine Feinde vorher, versöhnte den Bischof zu Lion mit dem Herzog von Bourgogne, und starb schließlich zu Lion in Frankreich am Ende des 7. Jahrhunderts. Sein Leichnam wurde feierlich nach Auvergne übertragen und in der Kirche des heiligen Mauritius beigesetzt, wo durch die Fürbitte des Heiligen große Wunder geschahen.

 

Der selige Konrad, Abt von Mondsee und Märtyrer, Österreich,

+ 15.1.1145 – Fest: 15. Januar

 

Der selige Konrad Bosinlother, ein geborener Trierer, war zuerst Mönch in Siegburg, im Kölnischen, das damals unter Abt Kuno eine Hochschule der Heiligkeit und Gelehrsamkeit war. Kaum hatte Kuno (Konrad I.) den Bischofsstuhl von Regensburg bestiegen, berief er (1127) den gelehrten und in der Ordenszucht wohl erprobten Konrad als Abt des Klosters Mondsee, das als Stiftung des Agilolfinger Herzogs Otilo 8um 740) zu Bayern gehörte, jetzt in Oberösterreich. Durch Tausch war Mondsee 833 an den Bischof von Regensburg gekommen. Abt Konrad sollte das Kloster aus seinem traurigen Verfall wieder emporheben. Der Tatkraft und Klugheit des Seligen gelang das Werk auch in kurzer Zeit. Zur Sicherung für die Zukunft unterstellte er dann das Kloster unmittelbar dem Heiligen Stuhl und ließ sich von Papst Innozenz II. im Jahr 1142 das Recht der freien Abtwahl wieder bestätigen. Damit war dem Kloster die Grundlage für eine selbstständige Entwicklung gegeben. Abt Konrad Bosinlother war der letzte Abt, der vom Regensburger Bischof aufgestellt worden war.

 

Nach außen vertrat der ehrwürdige Abt mit aller Entschiedenheit die Rechte und Besitzansprüche seines Stiftes. Er musste es in guten Stand setzen und sichern, damit es sowohl seinen eigenen Ordenszweck wie die vielen Aufgaben für das Wohl der Mitwelt, die Seelsorgearbeit, die Erziehung der Jugend und die Wohltätigkeitswerke erfüllen konnte. Ungerechterweise entfremdete Klostergüter mussten zurückgefordert werden. Das brachte dem treuen Verwalter natürlich manche Feinde. Mehrere Zehentleute des Klosters verschworen sich gegen sein Leben. Als er am 15. Januar 1145 von einem Gottesdienst in der Pfarrkirche Oberwang heimritt, überfielen ihn die Mordgesellen und schlugen ihn mit Knütteln und Schwertern tot. Den Leichnam schleppten sie in eine nahe Hütte und zündeten sie an. Durch Gottes Fügung aber blieb sowohl die Leiche als das Brett, auf dem sie lag, unversehrt. Die Gebeine des seligen Konrad ruhen jetzt in einem Glasschrein über dem Hochaltar der alten Stiftskirche.

 

In einen argen Missklang scheint das Leben des seligen Konrad von Mondsee ausgelaufen zu sein. War es auch ein Missklang vor Gott? Es wäre ein arger Misserfolg gewesen, wenn der Mann der Tat und Festigkeit nicht auch immer voller Einfalt auf den Willen Gottes geschaut hätte, wenn er sich in seine Geschäfte nicht auch mit reiner Absicht, mit übernatürlicher Aufmerksamkeit, in Erfüllung des Berufes eingelassen hätte. Abt Konrad war aber ein ganzer Ordensmann, ein Mann der Innerlichkeit, des Gebetes. Auch ein Ordensmann, zumal ein Oberer, kann sich nicht in seine Zelle einschließen. Abt Konrad war als Reformator, als Erneuerer berufen. Er war ein Eiferer für die Verbesserung der geistlichen Verhältnisse seines Stiftes wie der weltlichen. Um deswillen hat auch sein Name im Heiligenverzeichnis als „ehrwürdig“ oder „selig“ Aufnahme gefunden, wenngleich er auch seliggepriesen werden mag, weil er um der irdischen „Gerechtigkeit willen Verfolgung gelitten“ hat.

 

Über die doppelte Tätigkeit des Ordensmannes, des Priesters, des Christen überhaupt lehrt der heilige Thomas: „Die Vereinigung des kontemplativen (beschaulichen) Lebens mit dem tätigen Leben stellt das wahrhafte Apostolat, den Hauptzweck des Christentums dar. Das Apostolat verlangt Seelen, die fähig sind, sich von der Begeisterung für eine Idee hinreißen zu lassen, sich zu opfern für den Triumph eines Prinzips. Wenn dann dieses Ideal ins Übernatürliche übertragen ist durch den Geist der Innerlichkeit, so haben wir das vollkommene Leben in seiner ganzen Größe; vollkommen sage ich, denn die Theologen ziehen dasselbe selbst der einfachen Kontemplation (der Beschauung, dem ausschließlich inneren Leben) vor.“ Der heilige Thomas will also einer rechten Vereinigung des geistlichen mit dem tätigen Leben die Vortrefflichkeit zusprechen. Die Wahrheit betrachten ist gut, sie anderen mitteilen ist besser. Erleuchten ist mehr als bloß unter dem Scheffel brennen. Immer aber muss für das ideale tätige Leben, für äußere Amtsgeschäfte, wie für das apostolische Wirken das Gebet die Quelle bleiben. Das Gebetsleben darf durch die Tätigkeit nicht unterdrückt werden. Die Seele muss bei ihren Werken die Wachsamkeit des Herzens so gut bewahren, dass sie nicht Gefahr läuft, sich in ihrem Tun dem Einfluss Jesu Christi zu entziehen. „Ein Apostel ist ein Kelch, voll von Jesus, der seine Überfülle auf die Seelen ergießt“ (Matheo Crawley). Der sogenannte Amerikanismus, dessen Anhänger von einem gemischten Leben träumen, bei dem das beschauliche durch das tätige erstickt wird, ist als moderne Irrlehre zu verwerfen und durch die Lehre des heiligen Thomas schon verurteilt.

 

Der heilige Romedius, Einsiedler in Südtirol,

+ um 400 – Fest: 15. Januar

 

Im Trentino liegt östlich von San Zeno bei Cles ein wildromantisches Tal. Erst vor ca. 60 Jahren wurde eine Straße dorthinein gebaut. Nach etwa vier Kilometern verbreitert sich der enge Talboden zu einem Kessel, in den fast senkrechte Felswände herabstürzen. Nur an einer Stelle werden die Felsmauern von besteigbaren und bewaldeten Felsen abgelöst, und dort erhebt sich über einer Grotte das Santuario di S. Romedio (die Wallfahrtskapelle des heiligen Romedius). Mit drei Franziskanern, die ständig dort wohnen, soll die Einsiedelei die kleinste katholische Pfarrei Europas sein. Das Trentiner Volk erzählt sich viel Wunderbares über diese Einsiedelei.

 

Im 4. Jahrhundert n.Chr. lebte dort ein frommer Eremit namens Romedius (Remedius) mit seinen beiden Schülern Abraham und David. Allerdings gab es damals noch nicht die Baulichkeiten wie heute, sondern die drei Gottsucher hausten in der Grotte, in die man auch heute noch durch ein Gitter im Boden der Kirche in die Einsiedelei hinabsehen kann. Es wird berichtet, dass Romedius aus einer vornehmen rhätischen Familie (der Grafen von Thaur bei Innsbruck, die mit dem Grafen von Andechs, Dießen und Hohenwart nahe verwandt waren) stammte, die im Inntal ansässig war. Er hatte seinen ganzen Besitz der Kirche vermacht und sich in die Einsamkeit der Berge zurückgezogen, um auf diesem Weg Gott näher zu kommen. Nur selten verließ Romedius seine unwirtliche Behausung, um in der Umgebung von Sanzeno und Cles Kranke zu heilen, Armen Trost zu spenden und zu predigen. Eines Tages nun, als Romedius schon alt war und krank darniederlag, fühlte er in sich den brennenden Wunsch, nach Trient zu reisen, um noch einmal vor seinem Tod den heiligen Vigilius zu sehen, der damals Bischof von Trient war. So befahl er seinen beiden Schülern, das Pferd zu holen, das unweit der Grotte am Waldrand weidete. Als aber Abraham und David auf die Weide kamen, blieben sie, von Entsetzen gebannt, stehen: ein großer Bär hatte das Pferd getötet und schmauste nun an dem Kadaver. Zitternd liefen die beiden zu ihrem Meister zurück und berichteten, was sie gesehen hatten. Da erhob sich der kranke alte Mann von seinem Lager und schleppte sich mühsam auf die Weide. Dort trat er auf den Bären zu, befahl ihm, sich niederzulegen, legte ihm den Zaum des toten Rosses an und setzte sich auf seinen Rücken. Dann trat er auf dem Bären den langen Weg nach Trient an, in weitem Abstand von seinen beiden Schülern gefolgt. Scharen von Waldvögeln folgten dem wundersamen Reiter und schützten ihn gegen Sonne und Regen. Überall strömte auf dem Reiseweg das Landvolk zusammen und ließ sich von Romedius segnen. Als er sich der Stadt Trient näherte, begannen dort alle Kirchenglocken, von unsichtbarer Hand gerührt, zu läuten. Vigilius empfing seinen Bruder in großen Ehren und segnete ihn. Dann ritt Romedius wieder auf seinem merkwürdigen Reittier heim und starb bald darauf.

 

Das berichtet uns die Überlieferung. Romedius wurde später heiliggesprochen – wann, weiß man nicht –, und über der Grotte wurden eine Kirche und einige Gebäude errichtet. Der älteste Teil der ganzen Einsiedelei sind die Grundmauern und das Portal der am höchsten gelegenen Kapelle, die in der Zeit Karls d. Gr., vielleicht auch noch etwas früher, also um die Wende des 7. Jahrhunderts, erbaut wurden.

 

Die schöne Legende von St. Romedius enthält sowohl für den Naturforscher als auch für den Kulturhistoriker hochinteressante Details. Das Trentino, namentlich dessen unwegsame und bewaldete Gebirge, sind ältestes Bärenland. Auch bis vor einigen Jahren noch lebten dort gerade in den Tälern um Sanzeno herum noch die letzten Bären der Alpen. Und zweifellos hat um die Zeit des heiligen Romedius und auch vorher der Bär in diesen Gegenden als erstrebenswerte Jagdtrophäe wie als zu bekämpfender Viehräuber eine große Rolle gespielt. Auch ist es durchaus denkbar, dass dort zu St. Romedius` Zeiten vielleicht noch Reste eines uralten Bärenkultes bestanden. Dafür spricht der Umstand, dass der Bär in dieser Legende gleichzeitig als furchtbares und als liebenswürdiges Geschöpf erscheint. Wie in anderen Legenden zeigt sich hier die deutliche Tendenz, heidnisches Gedankengut zu christianisieren.

 

Für den Naturforscher ist aber die Gestalt des heiligen Romedius aus einem ganz anderen Grund besonders fesselnd. Wir wissen heute, dass trotz des lustigen Aussehens der Bären im Zoo und Zirkus „zahme“ Bären zu den gefährlichsten Tieren gehören. Scheinbar ohne jeden Grund und gänzlich aus heiterem Himmel haben solch „süße“ Honigbärchen schon oft ihren vertrauten Pfleger, Wärter und Dresseur schwer verletzt und auch getötet. Was St. Romedius geglückt ist, scheint also zunächst gänzlich unmöglich zu sein. Es scheint aber nur so. Wir können davon ausgehen, dass St. Romedius einen Bären besessen hat, auf dem er geritten ist. Lassen wir einmal die Geschichte von der Umwendung des wilden Bären und dem Einzug in Trient außer Acht. Wer die Grotte gesehen hat, in der St. Romedius seinerzeit hauste, wird auch der Meinung sein, dass das ein typischer Platz ist, wo Bären ihr Winterlager aufschlagen. Vielleicht hat St. Romedius, als er von dieser Grotte Besitz nahm, dort ein verwaistes Bärenkind gefunden, dessen Mutter ein Trentiner Jäger getötet hatte. Und vielleicht hat er dann dieses Bärenkind mühsam aufgezogen. Ein so aufgezogener Bär aber, der sich nicht im Käfig befindet, was bei St. Romedius sicher der Fall war, schließt sich innig an seinen Pfleger an und lässt ihn auch eher die beim Bären so plötzlich wechselnden Stimmungen erkennen als ein Zoo- oder Zirkustier, ganz einfach weil der Pfleger ständig mit ihm zusammen ist und ihn nicht als einen Gefangenen hält. Bekannt ist, dass zu Ende des 19. Jahrhunderts ein amerikanischer Bärenjäger zwei aufgezogene Grizzly-Bären besaß, die er sogar als Lasttiere benutzte. Das Volk nannte ihn allgemein den „Grizzly-Adam“. Es scheint, dass St. Romedius ebenfalls ein solcher Mann gewesen ist.

 

Das fromme Altertum hat uns auch noch ein Gebet überliefert, das der heilige Romedius an den Gräbern der Apostel und an anderen Orten, die durch den Besitz von Reliquien berühmt waren, zu verrichten pflegte: „Herr Jesus von Nazareth, Sohn des lebendigen Gottes, durch die Fürbitte des lieben Heiligen, dessen Reliquien sich hier befinden, bitte ich Dich, Du wollest mich nicht verwerfen, sondern mich bewahren vor allen eitlen und gefährlichen Sorgen für diese Zeit, vor allem Bruch des geschworenen Seelenfriedens und vor allem, was meinem Heil hinderlich ist.“

 

Der heilige Arnold Janssen, Priester, Ordensstifter,

+ 15.1.1909 – Fest: 15. Januar

 

Wer hat nicht schon von dem Missionshaus Steyl an der deutschen Grenze in Holland gehört! Dort werden Missionare für die Heidenländer ausgebildet. Der Gründer der Anstalt, der zugleich auch der Ordensstifter der Missionare von Steyl ist, heißt Arnold Janssen. Er ist heiliggesprochen worden, denn durch ihn und seine Missionsordensgesellschaft sind die Grenzpflöcke des Reiches Christi auf Erden um Tausende von Kilometern weiter in die Heidenländer vorangetragen worden. Der heilige Arnold Janssen gehört zu den größten Missionaren der Neuzeit, obwohl sein Fuß nie heidnisches Gebiet betreten hat.

 

Nicht weit von Kevelaer, dem vielbesuchten Gnadenort der lieben Mutter Gottes am Niederrhein, liegt Arnold Janssens Heimatstädtchen Goch. Dort wurde er als zweites Kind in einer Reihe von zehn Geschwistern im Jahr 1837 als Sohn schlichter Bürgersleute geboren. Er war ein körperlich schwacher Junge, der es lange Zeit nicht fertigbrachte, wie die Altersgenossen auf die Bäume zu klettern, und der beim Wettlauf gleich Atemnot und Herzklopfen bekam. In der Schule allerdings verhielt sich die Sache anders, denn dort stellte es sich heraus, dass Arnold die Mitschüler an Wissen weit hinter sich zurückließ, und der Herr Kaplan ging zu seinen Eltern und sagte, der Junge müsse studieren. Vater und Mutter meinten daraufhin, dass es nicht so einfach sei, bei zehn Kindern eins studieren zu lassen, aber der liebe Gott werde wohl helfen, auch wollten sie noch besser sparen und sich einschränken, und dann könnte es wohl gehen.

 

Was war es doch ein Glück, dass Arnold Janssen solch kreuzbrave christliche Eltern hatte, denn wenn diese nicht so opferfroh gewesen wären, wie sie waren, so gäbe es in unserer Zeit vielleicht Millionen weniger Heidenchristen auf der Welt. So reichlich ist der damalige harte und tapfere Entschluss dieser prachtvollen Menschen von Gott gesegnet worden. Ehre sei für alle Zeiten den Eltern des großen heiligen Missionars Arnold Janssen!

 

Arnold Janssen besuchte also die höhere Schule, trat später zu Münster in das Priesterseminar ein, empfing die heiligen Weihen und war anschließend sechzehn Jahre lang Lehrer am Gymnasium zu Bocholt in Westfalen. Stramm, streng und gewissenhaft versah er den Dienst. Strenge Lehrer sind freilich nicht immer die angenehmsten, aber doch oft die besten.

 

Arnold Janssen war indessen nicht nur ein tüchtiger Lehrer, sondern auch ein frommer Priester. Vor allem ging ihm die Not der Heiden zu Herzen. Er betete viel für ihre Bekehrung; auch sammelte er in Wort und Schrift milde Gaben für die Missionare. Eines Tages entschloss er sich, sein Leben ganz in den Dienst der Heidenmission zu stellen. Ganz klein fing er an. Zu Steyl, in einem kleinen Wirtshaus an der Maas, richtete er die erste deutsche Missionsschule ein. In unvorstellbarer Armut begann das Werk, aber es ging schnell voran, und schon vier Jahre nach der Gründung zogen die ersten Glaubensboten nach China. Inzwischen ist das Samenkorn, das am Fest Mariä Geburt des Jahres 1875 in den Boden gesenkt wurde, zu einem mächtigen Baum geworden. Von Steyl aus hat sich ein missionarischer Ring rund um den Erdball gelegt, und mit den bereits verstorbenen Heidenchristen steigt die Zahl der Bekehrten in die Millionen. Der heilige Arnold Janssen, der am 15. Januar 1909 starb, darf den größten Missionaren der Welt beigesellt werden, obwohl er nie Missionsland betreten hat.

 

Die Pflicht, für die Missionen mitzusorgen, erstreckt sich aber nicht nur auf die Missionare, sondern auf alle Katholiken ohne Ausnahme, und um an diese Pflicht zu erinnern, stand in der Weihnachtszeit neben der Krippe in den Kirchen ein afrikanischer Junge, der dankend mit dem Kopf nickt, wenn man ihm eine Gabe spendet.

 

 

Am 19. Oktober 1975 wurde Arnold Janssen durch Papst Paul VI. seliggesprochen, die Heiligsprechung erfolgte am 5. Oktober 2003 durch Papst Johannes Paul II.

 

Gebet am 15. Januar

 

Maria voll der Gnaden! Weil du voll der Gnaden bist, so lass mich Teil an deinen Gnaden nehmen. Siehe, Gott ist dein Sohn geworden, damit dein Gebet die Kraft erlangen sollte, jeden Sünder, wer er auch sei, selig zu machen. Bitte also für mich, Maria, jetzt, da ich noch am Leben, so vielen Versuchungen und Heilsgefahren ausgesetzt bin. Besonders aber bitte für mich in der Stunde des Todes, weil ich alsdann die Welt verlassen und vor Gott erscheinen muss. Mach, dass ich durch die Verdienste Jesu und durch deine Vermittlung selig werde und dann einst im Himmel zugleich mit dir deinen göttlichen Sohn samt dem Vater und dem Heiligen Geist ewig loben und preisen kann. Amen.

 

Zu Gott

 

Gütiger Gott, Du kannst uns die Gabe schenken, zu jeder Zeit unser Gemüt in heiligen Betrachtungen zu Dir zu erheben. So gib uns denn diese Gabe, damit alle unsere Gedanken und Handlungen sich stets auf Dich beziehen, und uns des ewigen Lebens würdig machen, durch Jesus Christus, unseren Herrn. Amen.

 

Zu Gott auf die Fürbitte des heiligen Maurus

 

Verleihe, o Gott, dass wir durch die Fürbitte des heiligen Maurus beschützt werden, und seinen heiligen Lebenswandel nachahmen, durch Jesus Christus, unseren Herrn. Amen.

 

Andenken an die seligste Jungfrau

 

Man kann an diesem Tag sich des Namens Maria mit Andacht erinnern, da man gestern des heiligsten Namens Jesu gedacht hat, und die Christen nach altem Gebrauch beide Namen Jesus und Maria bei allen Vorfällen und Anliegen anrufen. Der heilige Bernhard und verschiedene gottselige Schriftsteller nach ihm haben viel Herrliches von diesen Namen geschrieben. Papst Innocenz IV. hat auf Ansuchen des heiligen Königs Ludwig um das Jahr 1244 drei Jahre Ablass denen erteilt, die andächtig lesen oder aussprechen: "Der herrliche Name unseres Herrn Jesus Christus und auch der Name der glorwürdigsten Jungfrau Maria, seiner Mutter, sei in Ewigkeit gepriesen! Amen." Ein besonderes Fest vom heiligsten Namen Maria wird in unserer Zeit am 12. September, 4 Tage nach dem Fest Mariä Geburt, gehalten.

 

Andacht am 15. Januar:

 

Das Thema im Januar:

Von der Liebe Jesu

"Wer den Herrn nicht liebt, sei verflucht!" (1. Korinther 16,22)

 

"Durch das Kreuz wurden wir erkauft und erlöst. Durch die Kraft des Kreuzes werden wir geheiligt, und einst verherrlicht werden." (Der gottselige Thomas von Kempen)

"O wenn du das Geheimnis des Kreuzes kennen würdest!" sprach der heilige Andreas zu dem Tyrannen, der ihn zwingen wollte, Christus zu verleugnen, weil er wie ein Übeltäter gekreuzigt wurde. - "Das Kreuz war nicht nur ein Werkzeug, worauf Christus litt; es ist auch eine Lehrkanzel, von der unser göttlicher Lehrer seinen Jüngern heilsame Lehren erteilt", spricht der heilige Augustinus.

"Von was immer für einer Versuchung ein Mensch geplagt wird, erkennt er bei dem andächtigen Aufblick zu dem Bild des Gekreuzigten alsogleich, was er zu tun hat." So der heilige Thomas von Aquin. 

Als der heilige Philippus Benitius auf dem Totenbett lag, verlangte er, man sollte ihm sein Buch bringen. Da nun die Umstehenden nicht wussten, welches Buch er begehre, brachte einer seiner Jünger, der seine Gedanken erriet, ihm sein Kruzifix. Da sprach der Heilige: Dies fürwahr ist mein Buch! Und er nahm es, küsste die Wundmale seines Heilandes in Andacht, und gab seinen Geist auf. Dies sei auch unser Buch. Lesen wir darin die große Liebe Jesu zu uns.

 

Ach, mein Gott, lieber sollten wir einwilligen, uns kreuzigen zu lassen, als eine Sünde zu begehen. Wie glücklich würde ich mich achten, gekreuzigt zu werden, wenn ich dadurch meine Sünden und die meiner Brüder und Schwestern tilgen könnte, Deiner Gerechtigkeit genug zu tun und Dir wohlzugefallen! Amen.

 

Ein Gedanke heiliger Dominikaner am 15. Januar

 

"Beeilt euch nicht zu sagen, was ihr denkt oder zu zeigen,

was ihr gelernt habt.

Sprecht wenig und antwortet nie mit allzu großer Eile."

 

hl. Thomas von Aquin OP

1225 bis 7.3.1274

 

Betrachtung am 15. Januar - Über die Einheit der Kirche

 

Herr, du gabst der Einen Kirche

Einen Glauben, der nicht irrt.

Lass dies Eine Licht den Blinden,

Die da irren, endlich finden:

Dich zu suchen, guter Hirt.

 

1. Ich preise dich, o Jesus, Sohn Gottes, Hirt deiner Herde, dass du in deine eine Kirche mich berufen hast, die mit denjenigen begann, die von Anfang an bei dir waren, die so zahllose Völker aus allen Zonen und Zungen vereint, von den apostolischen Zeiten an, in einem Glauben an deine göttlichen Offenbarungen, durch alle Jahrhunderte unter der Leitung eines sichtbaren Hauptes fortschritt, und ohne Unterbrechung bis auf unsere Zeit gelangte, ob auch in allen Jahrhunderten die mächtigsten Feinde sich gegen sie verschworen, und ihr mit dem Untergang drohten. Fürwahr, mein Heiland, dein Gepräge ist dies, das Gepräge deiner Gottheit, die Verbürgung deines Wortes, dass die Pforten der Hölle sie niemals überwältigen werden.

 

2. Noch deutlicher wirst du das Wunder dieser Einheit erkennen, wenn du die zahllosen Gesellschaften betrachtest, die beinahe in allen Zeiten von dieser Kirche sich losrissen, ihr feindlich gegenüber traten, die allein wahre Kirche sich nannten, und alle nacheinander verschwanden, indes diese heilige Kirche immer siegreich aus ihren schwersten Kämpfen hervorging. Ja auch die eine Gesellschaft, die am letzten von ihr sich lostrennte, zerfiel bereits in so viele Parteien, dass ihre Namen kaum sich zählen lassen, und die nur eins miteinander gemein haben, nämlich gegen diese Eine heilige Kirche sich zu vereinigen: der Unbesiegbarkeit derselben Zeugnis zu geben.

 

3. Erfreue dich und danke der Gnade deines Erlösers, dass er, ohne dein Verdienst, in diese Arche des Heils dich aufgenommen hat. Bitte auch aus ganzem Herzen ihn, dass er die Augen so vieler Irrenden erleuchte, damit sie endlich erkennen, dass die Wahrheit nur Eine ist, nur Eine sein kann, die vom Himmel kam, deren Stimme von Anbeginn ertönte, und die einfach und auf geradem Weg durch die Zeiten bis zur Vollendung fortschreitet, indes der Irrtum gleich dem Unkraut wuchert und auf unzähligen Wegen von der Wahrheit abirrt. Ach, sollte denn nicht schon diese Betrachtung genügen, sie zu heilen. Psalm 13,4: "Erleuchte ihre Augen, Herr, dass sie nicht im Tod entschlafen."

 

16. Januar

 

Der heilige Honoratus, Bischof und Bekenner von Arles, Frankreich,

+ 16.1.430 - Fest: 16. Januar

 

Honoratus war der Abkömmling einer römischen Konsularen-Familie. Seine heidnischen Eltern bildeten die natürlichen Anlagen ihres talentvollen, aber dabei äußerst eitlen Sohnes mit allen jenen Kenntnissen aus, die zum Antritt eines höheren Staatsamtes erforderlich sind; denn zu einem solchen hatte sein Vater ihn bestimmt. Doch der Mensch denkt, Gott lenkt. Durch eine besondere Gnadenfügung wurde Honorat mit den Wahrheiten des Christentums bekannt und mit solcher Liebe für sie eingenommen, dass er gegen den Wunsch seiner Eltern sich taufen ließ und, aller Lockungen seines Vaters zu einem üppigen Weltleben ungeachtet, sich in die Einsamkeit eines Landgutes zurückzog und dort mit seinem gleichgesinnten Bruder Venantius ein heiligmäßiges, die ganze Umgebung erbauendes und mit seinem Ruhm erfüllendes Leben führte. Dies bewog das demütige Brüderpaar jedoch, von dort weg nach Griechenland zu wandern, um dort Erkundigungen über das Leben heiliger Einsiedler einzuholen, in deren Fußstapfen sie zu treten gedachten. Vorher jedoch verteilten sie den größten Teil ihres von den inzwischen gestorbenen Eltern ererbten Vermögens unter die Armen. Kaum in Griechenland angekommen, verlor unser Heiliger durch den Tod seinen Bruder Venantius, kehrte nach Frankreich zurück und wählte auf den Rat des heiligen Leontius, Bischof von Frejus, die Insel Lerins zu seinem Aufenthalt. Dahin zogen dem neuen Einsiedler so viele Jünger nach, dass er zu ihrer Aufnahme ein Kloster bauen musste, wo man bald alle Tugenden der Einsiedler im Morgenland aufblühen sah, und welches durch mehrere Jahrhunderte eine berühmte Pflanzschule gelehrter und heiliger Bischöfe blieb. Der erste heilige Bischof, der daraus hervorging, war der Gründer selber. Als nämlich im Jahr 426 der bischöfliche Sitz zu Arles frei wurde, wurde Honorat ungeachtet seiner demütigen Weigerung darauf erhoben und versuchte nun dieselben Tugenden der Liebe, Sanftmut, Enthaltsamkeit und Geduld, die er seit 35 Jahren als Leiter seines Klosters geübt und die Seinigen üben gelehrt hatte, auch in seinem Bistum durch eine gründliche Herzensbekehrung seiner Diözesanen anzupflanzen, was ihm während seiner leider nur dreijährigen Amtsführung vollständig gelang. Eine tödliche Krankheit infolge allzu großer Anstrengungen versetzte ihn im Jahr 430 in die himmlische Welt. Noch acht Tage vor seinem Tod hatte er sich in seine Kirche tragen lassen, um darin zu predigen.

 

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Honoratus, der in der letzten Hälfte des 4. Jahrhunderts zu Arles aus einer der berühmtesten römischen Familien geboren wurde, gab schon in seiner Jugend durch seinen Eifer für die christliche Religion die deutlichsten Anzeigen seiner künftigen Heiligkeit. Denn obschon sich sein verblendeter Vater alle Mühe gab, den frommen jungen Mann mit den Freuden der Welt bekannt zu machen und ihn auf diese Art zu bewegen, von seinem Verlangen nach der heiligen Taufe abzustehen, ließ er sich doch im Geheimen von einem christlichen Priester taufen, widerstand allen Reizen zur Wollust und bewahrte sein Herz rein von den Sünden seines Zeitalters. Sein heiliges Leben machte einen tiefen Eindruck auf das unverdorbene Gemüt seines Bruders Venantius, und beide weihten sich der Gottseligkeit und dem Streben nach christlicher Vollkommenheit. Nach dem Tod ihres Vaters verteilten sie ihr Vermögen unter die Armen, verließen in Begleitung des heiligen Caprosius ihr Vaterland und besuchten mehrere heilige Orte. In Messinien erkrankte Venantius und starb, und der heilige Honoratus ging nach Italien und nahm seinen Wohnsitz auf der berüchtigten Insel Lerin, die wegen der Menge giftiger Schlangen unbewohnt war. Durch sein Gebet vertrieb er diese schädlichen Tiere, baute eine Kirche und ein Kloster, und bald verbreitete sich der Ruf seiner Heiligkeit so sehr, dass aus allen Gegenden Jünglinge und Männer zu ihm strömten, um von ihm in den Heilswissenschaften unterrichtet zu werden. Mit unermüdeter Geduld erzog er seine Jünger zum geistlichen Leben und behandelte sie so schonend und liebreich, dass ihn alle wie ihren Vater liebten und ehrten, wie der heilige Hilarius, einer seiner Schüler, von ihm sagt. Nachdem er die Insel Lerin, wie auch sein Kloster in den besten Stand gebracht hatte, wurde er wegen seiner herrlichen Tugenden zum Bischof von Arles erwählt, in welcher Würde er sich als der eifrigste Verteidiger der reinen Lehre Jesu, als ein wachsamer Seelenhirt und Beschützer und Vater der Armen ewige Verdienste sammelte. Er starb im hohen Ruf der Heiligkeit am 16. Januar des Jahres 430 und sein Leichnam wurde auf der Insel Lerin in der Kirche zum heiligen Kreuz beigesetzt.

 

Der heilige Marcellus I., Papst und Martyrer von Rom,

+ 16.1.309 – Fest: 16. Januar

 

Der heilige Marcellus war von Geburt ein Römer und wurde unter der Regierung der heidnischen Kaiser Constantius und Galerius wegen seiner Frömmigkeit und seines unerschrockenen Mutes in Verteidigung des Christentums auf den päpstlichen Stuhl erhoben. Diese Wahl geschah nicht ohne besondere Einwirkung der göttlichen Vorsehung; denn damals wurde die Kirche Jesu hart gedrückt und verfolgt, und wenn sie während diesem unglücklichen Zeitraum aufrechterhalten werden sollte, musste ein Oberhirt dastehen, der als ein Beispiel des Heldenmutes in Verachtung aller Martern und selbst des Todes die niedergeschlagenen Gemüter der Gläubigen aufrichtete und sie mit dem felsenfesten Glauben an einen allmächtigen Gott erfüllte. So ein gottbegeisterter, apostolischer Mann war der heilige Marcellus. Nicht die gewalttätigsten Verfolgungen, nicht die augenscheinlichsten Todesgefahren, die ihm allenthalben drohten, konnten ihn abschrecken, öffentlich Jesus zu bekennen, den Christen das Evangelium zu predigen und die Heiligen, die im Kampf für Gott und ihre Religion Blut und Leben opferten, nach christlicher Sitte zu beerdigen. Noch trauriger wurde das Schicksal der Gläubigen, als der wütende Maxentius, ein blutdürstiges Ungeheuer, sich auf den römischen Kaiserthron schwang. Der heilige Oberhirt hatte um diese Zeit von der frommen Lucina, einer christlichen Matrone, zur Unterstützung der armen Christen beträchtliche Güter erhalten, und arbeitete eben rastlos daran, schicklichere Gebäude zu Gotteshäusern, und tauglichere Plätze zu Kirchhöfen zu errichten, zu deren Aufsicht, und damit die heiligen Sakramente ungehindert erteilt werden konnten, er 21 Bischöfe, 25 Priester und zwei Diakonen weihte, als ihn Maxentius gefangen nehmen ließ und ihm mit den schrecklichsten Martern drohte, wenn er nicht sogleich den Göttern opfern würde. Der heilige Papst verachtete diese Drohungen und wurde deswegen verurteilt, im Stall als Knecht zu arbeiten, wo die wilden Tiere zu den Kampfspielen ernährt wurden. Neun Monate lang schmachtete Marcellus unter unausgesetztem Fasten und Beten in diesem jammervollen Aufenthalt, und schrieb während dieser Zeit rührende Briefe an seine Christengemeinde. Endlich befreiten ihn zur Nachtzeit einige Geistliche aus seiner harten Gefangenschaft und brachten ihn in das Haus der gottseligen Lucina, das er zu einer Kirche einweihte und da den Gläubigen das Evangelium predigte.

 

Sobald Maxentius davon Nachricht erhielt, entheiligte er dieses Gotteshaus zu einem Viehstall, verurteilte den heiligen Papst wieder zum Sklavendienst in dem Stall, wo er schließlich unter den größten Mühseligkeiten um das Jahr 309 seinen Geist aufgab, nachdem er die Kirche Christi fünf Jahre, ein Monat und fünfundzwanzig Tage ruhmvoll regiert hatte. Seinen Leichnam beerdigte Lucina auf dem Kirchhof der heiligen Priscilla an der Salarischen Straße.

 

Die heiligen Berard, Petrus, Akkursius, Adjutus und Otto,

Erstlingsmärtyrer des Franziskanerordens in Marokko,

+ 16.1.1220 – Fest: 16. Januar

 

Zu den erhabenen Tugenden des heiligen Franziskus von Assisi gehörte auch ein glühender Seeleneifer. Dieser trieb ihn an, seinem ersten Orden auch die auswärtige Mission als Arbeitsfeld zuzuweisen und er selbst ging hierin mit heldenmütigem Beispiel voran, indem er geradezu sich zum Sultan von Ägypten begab und diesem das Evangelium verkündete, freilich ohne den gewünschten Erfolg. Franziskus´ gottliebendes Herz war aber bei diesem Streben auch von einem noch edleren Verlangen erfüllt, nämlich: Für Christus sogar den Martertod zu erleiden. Ihm selbst war nun dies nicht beschieden. Aber er erlebte noch die Freude, eine ganze Schar seiner Brüder als die ersten oder Erstlingsmartyrer des Ordens selig preisen zu können, nämlich die fünf Ordensbrüder: Berardus, Petrus, Akkursius, Adjutus und Otto. Die hatte er nämlich ausgesandt, den in Spanien und Nordafrika wohnenden Mohammedanern den christlichen Glauben zu predigen, gleichwie er selbst dies im Orient zu tun gedachte. Und die fünf Brüder machten sich auch sofort voll glühender Begeisterung und Sehnsucht nach dem Martertod auf den Weg. Anfangs waren es übrigens ihrer sechs, da ihnen der heilige Franziskus den Bruder Vitalis als Führer und Vorgesetzten mitgab. Allein der wurde in Spanien krank und musste infolgedessen die fünf Genossen allein ziehen lassen. Der erste Schauplatz ihrer Glaubenspredigt war die spanische Stadt Sevilla, die wie überhaupt ein großer Teil des südlichen Spanien unter der Herrschaft der mohammedanischen Mauren stand. Gleich ihrem heiligen Ordensstifter drangen die fünf Brüder daselbst unerschrocken bis zum Thron des maurischen Herrschers vor und verkündeten ihm die christliche Wahrheit, während sie gleichzeitig die Lehre und das Gesetz Mohammeds als Irrtum und Betrug erklärten. Aufs höchste ergrimmt, gab der König den Befehl, die kühnen Prediger zu enthaupten und nur der Fürsprache seines Sohnes hatten sie es zu danken, dass der Blutbefehl nicht ausgeführt, sondern sie ins Gefängnis geworfen wurden. Dieses befand sich hoch oben in einem Turm, aber selbst von da herab setzten sie ihre Predigt mutig und gottbegeistert fort, diesmal aber mit dem Erfolg, dass der König ihnen sein Land verbot und sie nach Afrika hinüber und zwar nach Marokko bringen ließ. Hier herrschte der Sarazenenfürst Miramolin. Schon nach wenigen Tagen hatte er zufällig Gelegenheit, den Führer der fünf Brüder, den Vater Berardus, auf öffentlicher Straße predigen zu hören. Auch er gab nicht der Gnade, sondern der Wut Gehör und verwies die fünf Franziskussöhne aus Stadt und Reich. Und nun konnte man das Schauspiel eines förmlichen Wettstreites sehen zwischen dem Predigteifer dieser heiligen Männer und dem Bestreben des sarazenischen Herrschers sie zum Schweigen zu bringen und zu entfernen.

 

Denn als einige christliche Freunde sie wieder in christliche Gegenden zurückführen wollten, entzogen die Brüder sich ihnen durch die Flucht, eilten nach Marokko zurück und begannen sofort wiederum den christlichen Glauben zu predigen. Die Folge war abermalige Einkerkerung, verschärft durch Hunger und Durst.

 

Nun brach aber plötzlich ein gewaltiger Sturm über das ganze Land herein, den man als göttliches Strafgericht ansah wegen der grausamen Behandlung der fünf Ordensbrüder, weshalb sie der König aus dem Kerker entließ, höchst erstaunt, dass sie trotz der zwanzigtägigen Kerkerhaft und Hungersqual gesund und frisch vor ihm standen. Wiederum sollten und wollten christliche Freunde die Brüder in die Heimat zurückgeleiten – aber siehe da, wiederum kehrten sie in die Stadt und zu ihrer Predigttätigkeit zurück. Doch einer ihrer christlichen Freunde ließ es diesmal zu einem öffentlichen Auftreten der Brüder gar nicht mehr kommen, sondern verbarg sie in seinem Haus. Allein dies gelang nur auf kurze Zeit. Die Ordensbrüder wussten abermals die Aufmerksamkeit ihrer Freunde zu täuschen und als an einem Freitag König Miramolin die Gräber seiner Vorfahren besuchte, musste er neuerdings Zeuge einer Predigt des Fraters Berardus sein. Und wiederum geriet er, anstatt zu glauben, in die höchste Wut und gab den Befehl, die Diener Gottes sofort zu töten. Doch der damit beauftragte Fürst, Albozaido mit Namen, der einige Zeit vorher Zeuge eines großen Wunders gewesen war, das Frater Berard wirkte, vollzog die Todesstrafe nicht sofort, sondern ließ die furchtlosen Bekenner Christi ins Gefängnis werfen, wo sie übrigens ziemlich gut behandelt wurden. Allein nicht um es gut zu haben, waren sie nach Marokko gekommen, sondern um zu predigen und womöglich für Christus zu sterben! Und so verkündeten sie selbst in der Kerkerhaft den ihnen so teuren Glauben. Aber jetzt kannte auch Albozaido kein Erbarmen mehr. Er ließ die Missionare von dreißig Sarazenen so grausam geißeln, dass ihre Leiber ganz zerrissen waren und zuletzt auch noch Essig und siedendes Öl in die schrecklichen Wunden gießen. In der folgenden Nacht sahen die Wächter ein wunderbares Licht vom Himmel auf die fünf Glaubenshelden herabstrahlen. Hiervon wurde auch König Miramolin benachrichtigt, der sie deshalb vor sich kommen ließ und jetzt einmal auf andere Weise sie zum Abfall vom Glauben zu bewegen suchte. Er ließ einige schöne Frauen herbeiführen und versprach diese den Brüdern zur Ehe zu geben und sie selbst außerdem zu reichen und hochgeehrten Männern zu machen, wenn sie nur zur mohammedanischen Religion übertreten würden. Aber unsere christlichen Bekenner antworteten dem König: "Wir wollen weder deine Frauen noch dein Geld, denn wir verachten dies alles um Christi willen!“ Nun war des Königs Freundlichkeit und Geduld zu Ende. Eigenhändig hieb er den fünf Ordensbrüdern die Köpfe ab und verhalf ihnen so zur langersehnten Marterkrone. Es war dies am 16. Januar 1220. Die Leiber der Heiligen wurden vom Pöbel unter Schimpf und Spott durch die Straßen der Stadt geschleift, ganz in Stücke zerrissen und zuletzt außerhalb der Stadt liegen gelassen. Die Christen wollten sie ehrfurchtsvoll an sich nehmen, wurden aber von den Sarazenen daran gehindert, die alsdann nochmals über die heiligen Leiber herfielen und sie ins Feuer warfen, worin sie aber durch göttliches Eingreifen völlig unversehrt blieben. Endlich gelang es den Christen, die heiligen Reliquien in ihren Besitz zu bringen. Sie wurden in zwei kostbaren Schreinen beigesetzt und später nach Coimbra in Portugal gebracht, wo bei ihrem Anblick der junge Kanonikus Ferdinand Buglio so begeistert war, dass er den Entschluss fasste, ebenfalls ein Sohn des heiligen Franziskus zu werden. Und so geschah es auch, es ist aus ihm geworden: Der große, heilige – Antonius von Padua! Ja, ihn haben die fünf ersten Franziskanermärtyrer dem seraphischen Orden geschenkt und zwar waren es zunächst ihre heiligen Reliquien, ihre sterblichen Überreste, wovon diese so beglückende Wirkung ausging.

 

Hier haben wir demnach einen Beweis übernatürlicher Segenskraft der heiligen Reliquien. Mit Recht also verehrt sie die katholische Kirche und leitet auch die Gläubigen zu dieser Verehrung an, besonders dadurch, dass sie solche Reliquien auf den Altären ausstellt und den Gläubigen auch zum Kuss darreicht (Partikel-Kuss). Es ist klar, dass, wer eine heilige Reliquie also fromm verehrt, dadurch sowohl zeitliche wie übernatürliche Gnaden von Gott erlangen kann. Stets aber muss man Sicherheit darüber haben, dass die betreffende Reliquie echt ist. Dies darf jedoch der katholische Christ immer annehmen, wenn ihm eine heilige Reliquie von einer kirchlichen Amtsperson oder Behörde gezeigt oder dargeboten wird. Verehren wir also gerne und andächtig solche Reliquien, aber nicht ohne auch zugleich die Gesinnungen der Heiligen in uns aufzunehmen und zu betätigen, z.B. den Glaubensmut und die Standhaftigkeit dieser Erstlingsmärtyrer des Franziskanerordens.

 

Gebet am 16. Januar

 

Hilf, o Mutter der Barmherzigkeit, durch deine mächtige Fürbitte meiner Schwachheit ab, und erlange mir von deinem Jesus die Beharrlichkeit und die Kraft, dir bis an meinen Tod treu zu bleiben, damit ich dir hier auf Erden immer diene, und dich dann im Himmel die ganze Ewigkeit hindurch loben kann! Amen. 

 

Zu Gott

 

Herr, Du weißt es am besten, was dem Menschen gut und heilsam ist. Lass es uns nie an frommen und seeleneifrigen Männern fehlen, die das Herz und den Eifer haben, dem Verderben der Welt entgegen zu arbeiten, nie an Einrichtungen fehlen, solche Männer zu bilden, durch Jesus Christus, unseren Herrn. Amen. 

 

Andenken an die seligste Jungfrau

 

Die Rückkehr Jesu Christi, Mariä und Josephs aus Ägypten wurde an diesem Tag begangen, weil während der Oktav der heiligen Drei Könige kein Fest gehalten wird.

 

Andacht am 16. Januar:

 

Das Thema im Januar:

Von der Liebe Jesu

"Wer den Herrn nicht liebt, sei verflucht!" (1. Korinther 16,22)

 

"Christus wollte so viele Schmerzen leiden, als er sie zur Strafe verdient hätte, wenn Er alle Sünden begangen hätte, die bis dahin begangen wurden und in Zukunft begangen werden." (Der heilige Bonaventura)

Als die heilige Katharina von Genua den Herrn Jesus betrachtete, wie die Liebe, zur Versöhnung unserer Sünden, Ihn ans Kreuz geheftet hatte, rief sie aus: "O Liebe, o Liebe! keine Sünde mehr; keine Sünde mehr!" Sollten nicht auch wir so ausrufen?

Ohne Unterlass brachte sich die heilige Magdalena von Pazzi zum Brandopfer dar; opferte Ihm alle ihre Gedanken, alle ihre Worte und Werke; und beteuerte, sie wolle nichts tun, außer in den heiligen Wundmalen Christi. Oft erhob sie die Hände zum Himmel und sprach: "Herr, Du weißt es, dass es von meiner Kindheit an bis zu diesem Augenblick mein glühendstes Verlangen war, Dir wohlzugefallen!"

 

O Jesus, meine Liebe, sterben möchte ich aus Liebestreue, wenn ich bedenke, wie schamlos Du allenthalben beleidigt wirst; und wie oft ich selbst Dich beleidigt habe! Doch siehe! ich liebe Dich nun, und will Dich ewig lieben! Amen. 

 

Ein Gedanke heiliger Dominikaner am 16. Januar

 

"Der Weg ist kurz, die Mühe gering,

aber unermesslich ist die Ruhe,

der uns ein jeder Tag näher bringt."

 

sel. Jordanus von Sachsen OP

1200 bis 13.2.1237

 

Betrachtung am 16. Januar - Das menschliche Herz ein Tempel Gottes

 

Sieh, einen Tempel baut sich Gottes Geist,

Und schmückt ihn mit den reichsten Gaben aus;

Denn göttlich glänzen soll dies heil`ge Haus.

Er will, o Seele, dass sein Haus du seist.

Ergibst du dich an ihn, in dir zu wohnen:

Wird mit der Himmelsburg er dich belohnen.

 

1. Wie hoch, o Herr, erhebst du den Menschen, dass du ihn würdigst, zu deinem lebendigen Tempel ihn zu erwählen. Was fandest du in diesem Herzen vor, als ein Chaos von Sünden, öde Trümmer, eine finstere Höhle, wo die alte Schlange ihren Sitz genommen hatte. Dennoch ruft dein Apostel uns zu: "Wisst ihr nicht, dass ihr Gottes Tempel seid und der Geist Gottes in euch wohnt?" (1. Korinther 3,16) Geheiligt und geweiht wurde dieser Tempel durch das Licht und die Gnade des Heiligen Geistes. Und ohne Vergleich herrlicher glänzt dieser geistige Tempel, dem Gott innewohnt, als der materielle Tempel Salomos in seiner ganzen Pracht.

 

2. Erwäge diesen wunderhohen Vorzug, und bedenke, dass in deinem Herzen wie auf einem Altar beständiger Weihrauch des Gebetes zum Thron Gottes emporsteigen muss. Denn darum nennt der Fürst der Apostel die Gläubigen "ein königliches Priestertum", weil sie bestimmt sind, Gott ohne Unterlass Opfer der Liebe, heiliger Werke und inbrünstigen Gebetes zu opfern. Und Gottes würdig ist dies Gebet, da in einer Seele, die mit Gott vereint ist, "der Geist Gottes selbst mit unaussprechlichen Seufzern bittet, und begehrt, was Gott wohlgefällig ist". (Römer 8,26) Ja dieser göttliche Geist belehrt sie auch über viele Dinge des Heils, zeigt ihr das Geheimnis des Kreuzes und die unaussprechliche Liebe Gottes, und bekräftigt diesen Tempel, dessen Grundveste Christus ist, so sehr, dass er unerschütterlich in allen Stürmen besteht.

 

3. Unfasslich in diesem Leben ist diese Würde, zu der Gott die Seele, die er zu ewiger Vereinigung mit sich erschuf, schon in ihrer Pilgerschaft erhöht. Aber zu welcher heiligen Treue wird sie auch dadurch verpflichtet. Wehe der Seele, die durch den Geist der Unzucht und der Hoffart den Heiligen Geist aus diesem geheiligten Tempel vertreibt, den Altar des lebendigen Gottes umstürzt, dem Teufel des Geizes opfert, und das Gefäß der Auserwählung in ein Gefäß der Schmach umwandelt. Unendlich kläglicher ist ihr Sturz, als der Ruin des Tempels zu Jerusalem. 1. Korinther 3,17: "Wer den Tempel Gottes verdirbt, den wird Gott verderben. Denn Gottes Tempel ist heilig, und der seid ihr."

 

17. Januar

 

Der heilige Antonius der Große,

Mönchsvater, Einsiedler-Abt in Ägypten, Ordensstifter,

+ 17.1.356 - Fest: 17. Januar

 

In Ägypten, und zwar im Dorf Keman bei Heraclea, wurde Antonius um 251 geboren. Dem Wort Gottes folgend, verschenkte der Sohn wohlhabender Eltern sein Erbe und zog sich in ein Felsengrab zurück.

 

Seine Standhaftigkeit wurde durch Versuchungen verschiedenster Art immer wieder auf die Probe gestellt. Vor der großen Verehrung, die man ihm entgegenbrachte, floh er über den Nil und erst viele Jahre später, auf Drängen seiner ständig wachsenden Jüngerzahl, gründete er eine „Einsiedlergemeinde“. Er setzte an Stelle des asketischen Einsiedlerlebens das Leben in der Gemeinschaft. Im Laufe der Zeit entwickelte sich aus diesem Modell die Mönchsgemeinde.

 

Antonius starb 356. Ursprünglich wurde er vor allem von Kopten, Syrern und Byzantinern verehrt, seit dem 12. Jahrhundert dann auch in Rom.

 

„Antonius hatte neben seiner Zelle einen kleinen Garten, den er mit eigenen Händen anbaute, und dessen Früchte ließ er für jene bereiten, welche, um zu ihm zu gelangen, eine ungeheure Wüste mit tausend Beschwerden durchwandern mussten. Der Anbau des Gärtchens war aber nicht die einzige Arbeit, , womit er sich beschäftigte; er verfertigte auch noch Matten aus Binsen. Eines Tages, da er sich nicht anhaltend der heiligen Beschauung hingeben konnte, hatte er folgendes Gesicht. Er sah einen Engel, der eine Matte aus Palmblättern machte und von Zeit zu Zeit seine Arbeit verließ, um sich mit Gott im Gebet zu unterhalten. Nachdem er so öfters zwischen Arbeit und Gebet abgewechselt hatte, sagte er zu dem Heiligen: „Tu dasselbe, und du wirst selig werden.“ Antonius unterließ hinfort nie diese Übung; während seine Hände arbeiteten, blieb sein Herz mit Gott vereint.

 

Aus folgenden Zügen mag man von der Glut seiner Gebete und der Erhabenheit seiner Beschauung urteilen. Er stand um Mitternacht auf und betete auf den Knien mit gegen Himmel gehobenen Händen bis Sonnenaufgang, und oft bis um drei Uhr nachmittags. Zuweilen beklagte er sich, dass ihn die Rückkehr der Sonne zu seinen täglichen Beschäftigungen rief. „Was soll ich mit deinem Licht machen“, sagte er zur Sonne, wenn sie zu scheinen anfing. „warum kommst du, mich zu zerstreuen? Warum gehst du nur auf, um mir die Helle des wahren Lichtes zu nehmen?“

 

Die Verehrung, welche man gegen unseren Heiligen hatte, war so allgemein, dass Konstantin der Große und seine zwei Söhne, Konstantius und Konstans, ihm gegen das Jahr 337 schrieben, ihn um seine Fürsprache bei Gott baten, und das lebhafteste Verlangen äußerten, von ihm eine Antwort zu erhalten. Da die Jünger des heiligen Antonius über die Ehre staunten, die ihm der Beherrscher der Welt zeigte, sagte er ihnen: „Ihr dürft nicht staunen, dass ich einen Brief von dem Kaiser empfange. Es ist ein Mensch, der an einen anderen Menschen schreibt. Allein staunet, dass uns Gott seinen Willen durch die Schrift zu erkennen gab, und dass er durch seinen eigenen Sohn zu uns geredet hat.“ Anfangs wollte er keine Antwort geben, indem er als Grund anführte, er wisse nicht, wie man sich dabei benehmen müsse. Endlich aber gab er den wiederholten Vorstellungen seiner Schüler nach und schrieb an den Kaiser und seinen Söhnen einen Brief, in dem er sie ermahnte, die Welt zu verachten, und niemals den Gedanken an das letzte Gericht aus ihrem Auge zu verlieren.“

 

Seit dem 14. Jahrhundert trägt Antonius in den zahlreichen Darstellungen ein gegürtetes grobes Gewand und einen Mantel mit „T-Zeichen“ (Antoniuskreuz). Vor allem manche „Versuchungen des heiligen Antonius“ zählen zu den eindrucksvollsten Werken der europäischen Malerei. Oft sitzt auch der Teufel zu seinen Füßen oder er wird mit Feuerflammen neben sich, mit einem geöffneten Buch, in einer Höhle und mit Kreuzstab, an dem Glöckchen hängen, dargestellt. Das bekannteste Attribut des Heiligen ist das Schwein. Es weist offensichtlich auf seine helfende Macht bei ansteckenden Tier- besonders Schweinekrankheiten hin.

 

Äthiopien, die französische Landschaft Dauphiné, Hildesheim und andere Städte verehren den heiligen Antonius als ihren Patron.

 

Er beschützt auch das Vieh, insbesondere die Schweine, die Haustiere, die Schweinehändler und Hirten, die Metzger, Bürstenbinder, Glöckner, Handschuhmacher, Korbmacher und die Totengräber. Angerufen wird er in Feuersnot, gegen Hautkrankheiten, besonders die Gürtelrose, den Rotlauf und Seuchen.

 

Antonius verlässt seine Höhle

 

Eine Episode aus der Zeit der Christenverfolgung von Henri Queffélec, aus „St. Anthony oft the Desert“, Verlag Dutton und Co., New York 1954

 

Kaiser Diokletian, bestrebt, den römischen Staat in seiner alten Ordnung wiederherzustellen, konnte nicht begreifen, warum sein Programm auf Widerstand stieß, und ließ nach den dafür Verantwortlichen fahnden. Früher oder später musste man dabei auch auf die Christen stoßen, die sich weigerten, ihm göttliche Verehrung zu erweisen.

 

Diokletian war kein blutrünstiger Tyrann, sondern wog die verschiedenen Seiten des Problems klug gegeneinander ab. Er wusste, dass in manchen Teilen Ägyptens ein Viertel der Einwohner bereits Christen waren, dass die neue Religion einen starken Auftrieb erlebte und die Bekehrungen ständig zunahmen. Eines Tages trafen Berichte ein, dass sich in der Umgebung von Memphis ein merkwürdiger Mann namens Antonius aufhalte, der in der Wüste lebe und einen ungeheuren Einfluss auf die Bevölkerung ausübe.

 

Diokletian selbst hatte eine große Zahl neuer Götter geschaffen, und die Christen machten sich mit ihrer Weigerung, diese anzuerkennen und zu verehren, des Hochverrats schuldig. Das reizte ihn, sie zu verfolgen. Schon so viele Kaiser vor ihm hatten das getan, dass es beinahe etwas Selbstverständliches war. Aber er wusste auch, dass man eine einmal begonnene Verfolgung bis zum endgültigen Erfolg durchführen musste.

 

Die Verfolgung begann keineswegs mit einem Massenmorden. Im März des Jahres 303 wurden zwei kaiserliche Gesetze erlassen. Das erste befahl die Schließung aller christlichen Kirchen und Gebetshäuser und verlangte, dass alle religiösen Gegenstände den Behörden abzuliefern seien. Das zweite ordnete die sofortige Verhaftung der Vorstände dieser Kirchen an. Aber wenn auch eine große Zahl von Kirchen samt ihren heiligen Büchern verbrannt wurde, gelang es doch vielen Priestern zu entkommen. Sie fürchteten sich nicht vor dem Tod, der sie zu Märtyrern gemacht hätte, sondern wollten nur ihre Herde nicht im Stich lassen.

 

Die Verfolgung nahm zu. Nun waren die einfachen Anhänger des neuen Glaubens die Opfer. Nach dem üblichen Vorgehen forderte man sie auf, den heidnischen Gottheiten zu opfern. Viele gaben dem Druck nach. Ein Teil derer, die Widerstand leisteten, wurden hingerichtet, doch die meisten wurden wieder freigelassen. Nur keine Märtyrer machen! war Diokletians Bestreben.

 

Auch viele Soldaten Diokletians bekehrten sich zum Christentum und desertierten aus Gewissensgründen. Diokletian wurde wütend und griff zum Terror. In Phrygien, Kappadozien, Arabien, Phönizien und vor allem in Ägypten floss das Blut in Strömen. Die Henker lösten einander ab; ihre Äxte wurden stumpf vom vielen Gebrauch. Menschlicher Erfindungsgeist und Grausamkeit verbanden sich in dem Streben, die Martern zu verlängern und sie immer schrecklicher zu machen. Frauen hing man an einem Fuß mit dem Kopf nach unten auf. Den Männern brach man Arme und Beine und vierteilte sie.

 

Dann kam der Tag, an dem Antonius beschloss, seinen Brüdern und Schwestern zu Hilfe zu eilen, nachdem er 20 Jahre lang einsam in der Wüste gelebt hatte. Es hatte ihn nie zum Martyrium gedrängt. Nun aber wünschte er, das Schicksal seiner Brüder und Schwestern zu teilen. So machte sich dieser Gandhi des 4. Jahrhunderts auf die Reise. Sein Entschluss stand fest, nachdem er jahrelang gezögert hatte. „Kommt, lasst uns ebenfalls kämpfen, wenn wir gerufen werden, oder wenigstens die beobachten, die kämpfen!“ Zusammen mit anderen Mönchen erreichte er in der Nähe von Aphroditopolis den Nil, und die kleine Gruppe bestieg in Boot, das sie mit zum Meer nahm. Das damalige Alexandria musste dem Neuankommenden vorkommen wie uns heute eine Stadt von Wolkenkratzern. Unter der Menge, die die Ankommenden erwartete, waren Christen, die von der bevorstehenden Ankunft der Mönche wussten. Sie empfingen Antonius mit dem Friedenskuss. Sein Name ging von Mund zu Mund und erweckte die Neugierde der Müßiggänger. Ein Mann, der 20 Jahre in der Wüste gelebt und die bösen Geister besiegt hatte und dem 40.000 Menschen gehorchten!? Alles drängte sich, um diesen Aszeten und Wundertäter zu sehen.

 

Antonius und seine Gefährten wurden von der großen Mehrheit der Bevölkerung dieser Großstadt gleichsam wie Ehrenbürger aufgenommen. Es machte Eindruck auf Griechen, Juden, Syrier und Afrikaner, dass diese Männer aus der Wüste herbeigeeilt waren, um denen, die sie ihre Brüder und Schwestern nannten, zu helfen, aufrecht zu sterben.

 

In Sporthallen, Schenken und Theatern begann eine heftige Diskussion. Würde die Polizei ihre merkwürdige Nachsicht aufgeben und die Mönche in das Gefängnis werfen? Oder würden diese Sieger bleiben? Welches Ende würde der merkwürdige Kampf nehmen, bei dem Todesurteile als Auszeichnung galten und nicht Niederlage, sondern Triumph bedeuteten?

 

Der Kampf war in der Tat seltsam und drückte in beredter Sprache die Verwirrung der Machthaber aus. Man erkannte, dass das Blut der Märtyrer zum Samen des Christentums wurde! So sah man sich der gewohnten Überlegenheit des Mächtigen beraubt. Es galt zu zeigen, dass man rücksichtslos bleiben und die Kandidaten des Märtyrertums ihre Hartnäckigkeit noch bereuen würden.

 

Eine solche Haltung aber war gegenüber Antonius und seinen Gefährten völlig nutzlos. Gleich Streikenden, die sich einfach hinlegen und von den Pferden der Polizei niedertreten oder von Lokomotiven überfahren lassen, stellten sich die Mönche freiwillig und brachten Richter und Polizei in Verwirrung.

 

Zur gleichen Zeit, da das Christentum seine dunkelsten Stunden zu durchleben schien, stellten Antonius und seine Gruppe sich die Aufgabe, das Heidentum zu erschüttern. Sie gingen überallhin, in die Friseurläden, die Schulen der Philosophen, die Sporthallen und selbst in die öffentlichen Häuser. Sie besuchten berühmte Kurtisanen, von denen manche so beeindruckt waren, dass sie sich der Leere der weltlichen Lust bewusstwurden. An Entbehrungen gewöhnt, schliefen diese Männer irgendwo: auf öffentlichen Plätzen, auf Treppen, in überfüllten Karawansereien, in leeren Wagen usw.

 

Die Verhaftungen und Verurteilungen gingen weiter, aber die Behörden wagten es nicht, Hand an die Neuankömmlinge zu legen. Sie taten, als ob sie diese Wüstenmänner, die nicht einmal Griechisch sprachen, verachteten. Die Mönche aber stellten die Verbindungen zwischen den Gefangenen und ihren Familien, den Gläubigen und den Priestern, die in der Stadt oder ihren Vorstädten verborgen waren, sowie den Bischöfen, deren Prozess vorbereitet wurde, her.

 

Wenn sie auch keinen direkten Zugang zu den Gefängnissen hatten, so wurden ihre Botschaften doch irgendwie weitergegeben. Überall fanden sich sympathisierende Wärter. Dazu kam, dass nicht alle Gefangenen eingesperrt waren. Die Mehrzahl musste in Kupferbergwerken und Steinbrüchen arbeiten, und die Wächter taten, als ob sie es nicht bemerkten, wenn ein Mönch einen der Arbeitenden anredete.

 

Die Mönche versäumten auch nicht, bei den öffentlichen Verhören dabei zu sein. Sie bildeten eine Art christlicher Zuhörer, die entweder Beifall riefen oder ihr Missfallen kundtaten. Andere, die sich weder um den Richter noch um die Soldaten kümmerten, lenkten die Aufmerksamkeit der Christen beim Verhör auf sich und ermutigten sie in ihrem Widerstand.

 

Auch den Hinrichtungen wohnten sie bei, da sie sehen wollten, wie ihre Brüder und Schwestern das Martyrium ertrügen. Dabei hüteten sie sich, in den Verlauf der Dinge einzugreifen, die den Eintritt einer christlichen Seele in das Paradies begleiteten. Der Anblick der Leiden bewegte sie tief, aber sie bemühten sich, ihren Schmerz in Freude zu verwandeln. Nach der Hinrichtung sammelten sie die sterblichen Überreste und sorgten für ein ehrenvolles Begräbnis.

 

Dies ging so weiter, bis die Behörden die Geduld verloren. Man sollte ihre Nachsicht nicht als Schwäche auslegen. Daher erließ der Präfekt eine eigene Anordnung, die es den Mönchen verbot, den Gerichtsverhandlungen beizuwohnen. Schließlich befahl er ihnen, die Stadt zu verlassen. Wenn auch das Martyrium jetzt Antonius` Lieblingstraum war, so hatte er doch bisher noch keine ernstlichen Versuche gemacht, dieses Ziel zu erreichen. Nun konnte er seine vorsichtige Haltung aufgeben. Also stellte er sich am nächsten Tag dort auf, wo der Präfekt und seine Wache auf dem Weg zum Gericht vorbeikommen mussten. In seinem festen Blick lag nichts von Unverschämtheit, aber aufrecht und mit blendend weißer Tunika angetan, stand er da, etwas entfernt von der Menge, die ihn bewunderte.

 

Bald erschien der Präfekt in seiner offenen Sänfte. Die ihn begleitenden Soldaten schrien die Leute an, die nicht schnell genug zur Seite traten. Die weiße Tunika des Antonius erregte die Aufmerksamkeit des Präfekten. Beider Blicke trafen sich. Entsetzt hielt die Menge den Atem an. Aber es geschah – nichts!

 

In dieser Szene zeigte sich die wirkliche Macht des Christentums zu jener Zeit.

 

Wenn man vielfach auch nachsichtig war, wurden nun doch die angesehensten Gefangenen hingerichtet. Es schien, als ob der Präfekt sich selbst beweisen wollte, dass er noch ein Mann sei.

 

Die Christen aber sahen der Entwicklung mit Zuversicht entgegen. Ende des Jahres 311 flaute die Verfolgung ab. Die Strenge der Behörden ließ – teils aus Ermüdung, teils aus Angst, diese Politik könnte sich rächen – nach. Man verstümmelte zwar nach wie vor die Opfer, blendete sie und lähmte sie durch Zerschneiden der Sehnen, aber man zögerte, sie zu töten. Eine Anzahl Priester kehrte in die Stadt zurück und feierte heimlich die hl. Messe.

 

 

Schließlich wurde ein Edikt der Duldung erlassen. Antonius aber hatte Alexandria bereits verlassen. Er fühlte sich nicht wohl in dieser riesigen Stadt, nachdem der Friede wieder eingekehrt war. Erneut hatte er den Ruf der Wüste vernommen. Wenn ihm schon das Martyrium nicht vergönnt war, wollte er sich wenigstens der Aszese weihen, und er kehrte zurück in die Einsamkeit.

 

Der heilige Gamelbert, Pfarrer zu Michaelsbuch, Niederbayern,

+ 17.1.787 - Fest: 17. Januar

 

Die Großtaten sieggekrönter Feldherrn und berühmter Staatsmänner werden in Geschichtsbüchern der Nachwelt überliefert, aber ihre Namen und Werke sind zumeist mit Blut geschrieben. Was hingegen fromme Seelen im häuslichen Kreis, im stillen Kämmerlein oder in treuer Erfüllung ihres Berufes getan, geduldet und verdient haben, bleibt der Welt gewöhnlich verborgen, nur im Buch der ewigen Vergeltung ist alles aufgezeichnet und wird einst vor allen Völkern offenbar werden, wenn der Herr auch die geheimsten Gedanken und Werke ans Licht zieht.

 

In dem Dorf Michaelsbuch in der fruchtbaren Ebene Niederbayerns wohnte im 8. Jahrhundert ein adeliges, christlich-frommes Ehepaar, von dessen Söhnen sich einer, namens Gamelbert oder Amalbert, durch kindliche Unschuld und Herzensgüte, durch freudigen Gehorsam und tiefe Frömmigkeit auszeichnete. Seine Eltern bestimmten ihn zum Kriegsdienst, aber der friedfertige junge Mann verabscheute die blutigen Fehden, und zog es vor, die Herden seines Vaters zu hüten, weil er in der Stille der Fluren und Wälder seinen Geist zum Gebet und zu frommen Betrachtungen sammeln konnte. Einst war er draußen eingeschlafen. Als er erwachte, fand er ein Buch in seinem Schoß, und dies erschien ihm als ein Wink von Gott, sich dem Priesterstand zu widmen. Ein Geistlicher in der Nachbarschaft unterrichtete ihn und sein ausdauernder Fleiß, verbunden mit anhaltendem Gebet, überwanden alle Hindernisse.

 

Bald nachdem Gamelbert die Priesterweihe empfangen hatte, verlor er seine Eltern durch den Tod. Seine bedeutende Erbschaft verwendete er zur Stiftung einer Pfarrei in Michaelsbuch, in der er fortan fünfzig Jahre bis an sein Lebensende als Pfarrer wirkte. Unter Gebet und Betrachtung, unter Fasten und Abtötung, in väterlicher Sorge um seine geistigen Kinder, und treuer Erfüllung seines geistlichen Amtes brachte er seine Tage zu. Alle seine Einkünfte gab er für Arme und Notleidende hin und litt lieber selbst Hunger, als dass er andere in Not sah. Außer seiner unerschöpflichen Mildtätigkeit war ihm eine unverwüstliche Sanftmut eigen. In seinem eigenen Haus duldete er niemals Unfrieden und wenn er anderswo entzweite Gemüter fand, ruhte er nicht, bis er sie versöhnt hatte. Als einmal die Knechte in seinem Haus miteinander stritten und sich nicht vertragen wollten, entließ er sie mit den Worten: „Lieber keine Knechte, als Unfrieden im Haus.“ Sein Lieblingsaufenthalt war eine kleine Zelle neben der Kirche, wo er in allen freien Stunden im Gebet mit Gott verkehrte und frische Kraft und Freudigkeit in seinem Beruf schöpfte.

 

Nur einmal verließ der seeleneifrige Pfarrer seine geliebte Gemeinde, um zu dem Mittelpunkt der katholischen Einheit, zu den Gräbern der Apostelfürsten in Rom zu wallfahrten und frische Begeisterung für seinen heiligen Beruf zu gewinnen. Auf der Rückreise fand er gastliche Aufnahme in einem Haus, wo eben ein Junge geboren war. Die Mutter bat den Heiligen, ihr Kind schleunigst zu taufen, weil es sehr schwächlich war. Gern erfüllte Gamelbert den frommen Wunsch der Eltern und sah im prophetischen Geist die ganze Zukunft des Kindes. Vor seiner Abreise empfahl er den Eltern dringend, ihr Kind sorgfältig zu erziehen, denn es würde einst sein Nachfolger werden. Dann reiste er heim und wirkte mit unermüdlichem Seeleneifer in seinem Beruf fort. Wenige Tage vor seinem Tod kam der inzwischen zu einem stattlichen Mann herangewachsene Junge in Michaelsbuch an, sein Nachfolger zu werden. Es war der selige Utto, dessen sorgfältige Vorbereitung auf den geistlichen Stand zu den schönsten Hoffnungen berechtigte. Gamelbert stellte ihn seinen Pfarrkindern als seinen Nachfolgern vor, empfing dann die heiligen Sterbesakramente und entschlief gottselig im Herrn am 17. Januar 787. Zum Grab des Heiligen wallfahrteten viele Pilger und Hilfsbedürftige und es geschahen dort viele Wunder.

 

Was der heilige Gamelbert vorausgesagt hatte, erfüllte sich. Utto wurde sein Nachfolger als Pfarrer von Michaelsbuch und trat in die Fußstapfen seines Vorgängers. Als die barbarischen Horden der Avaren ins Land einfielen und das ganze Donaugebiet verwüsteten, flüchtete Utto in einen dichten Wald oberhalb Deggendorf. Als ihn dort Karl der Große auf der Jagd fand, beauftragte er ihn, dort ein Kloster zu bauen und schenkte ihm dazu alles Land ringsum. So entstand das Kloster Metten, dessen erster Abt Utto wurde. Papst Leo III. sandte ihm einen Hirtenstab mit der Inschrift: „Was der Herr dem Petrus, gibt Petrus dem Utto.“ Nachdem er 24 Jahre dem Kloster vorgestanden hatte, starb er hochbetagt am 3. Oktober 813, auf welchen Tag sein Gedächtnis gefeiert wird.

 

Der heilige Sulpitius, genannt der Fromme,

Erzbischof und Bekenner von Bourges,

+ 17.1.644 – Fest: 17. Januar

 

Ausgezeichnet durch eine hohe Geburt und ungeheure Reichtümer hatte Sulpitius in größter Frömmigkeit seine Jugend verlebt und weihte sich nun ganz der Tugend. Statt sich dem Genuss irdischer Freuden zu ergeben, wozu ihm sein Stand und seine Glücksgüter die schönsten Gelegenheiten darboten, unterdrückte er seine Sinnlichkeit mit Beten und Fasten, besuchte die Krankenhäuser und Gefängnisse, und linderte nicht bloß durch seine reichlichen Gaben, sondern vorzüglich durch die Trostgründe der heiligen Religion das Elend der Unglücklichen. Gewöhnlich durchwachte er, eingehüllt in das Kleid eines Büßenden, die Nacht in einer Kirche, die nahe bei seiner Wohnung war. So sehr übrigens der Heilige seine Tugenden und guten Werke vor den Menschen verbarg, so wurden sie doch öffentlich bekannt, und der Bischof von Bourges, der heilige Austergisilus, weihte ihn zum Diakon seiner Kirche und übertrug ihm das Predigtamt. Durch seine eindringlichen Reden und durch die Kraft der Wunder, die er zur Verherrlichung des Namens Jesus wirkte, bekehrte er in kurzer Zeit nicht nur die verhärtetsten Sünder, sondern auch eine Menge Juden, die mit sehnlichstem Verlangen nach der christlichen Religion sich taufen ließen.

 

Bald verbreitete sich auch der Ruhm des frommen Dieners Gottes am Hof des fränkischen Königs Childebert, der den Bischof von Bourges drängte, ihm den Heiligen zu senden, damit er als Feldprediger unter den Soldaten bessere Sitten einführen möchte. Da ereignete es sich, dass der König in eine tödliche Krankheit fiel und dass selbst die Ärzte ganz an seiner Genesung zweifelten. Die Königin fiel dem heiligen Sulpitius zu Füßen und bat ihn unter einem Strom von Tränen um seine Hilfe. Er gab ihr den Trost, dass der Kranke nicht sterben würde. Fünf Tage lang fastete und betete er für die Wiedergenesung des christlichen Königs. Und als die Hohen des Reiches ihn baten, er möchte eine Nahrung genießen, denn der Kranke sei schon dem Tod nahe, antwortete der Heilige: „Lasst euer Vertrauen nicht sinken! Nach zwei Tagen speisen wir alle mit dem König.“ Wirklich wurde der König wie der ein Wunder plötzlich gesund und ernannte beim Gastmahl, das er wegen der erhaltenen Gesundheit feierte, den Sulpitius zum Bischof von Bourges. In dieser Würde arbeitete er rastlos an dem Seelenheil seiner ihm anvertrauten Herde; er stiftete Kirchen und Krankenhäuser, beschützte die Armen und Unterdrückten und starb schließlich als ein lebensmüder Greis voll Verlangen nach der Krone der ewigen Seligkeit am 17. Januar 644.

 

Der heilige Speusipus samt zwei Brüdern

und seiner Großmutter Leonilla, Martyrer von Langres, Frankreich,

+ 17.1.166 – Fest: 17. Januar

 

Speusipus und seine Brüder Eleusipus und Meleusipus wurden in der Gegend von Langres von heidnischen Eltern geboren und mussten sich ihr Brot wegen Armut dadurch verdienen, dass sie die Herden reicher Landbewohner auf die Weide trieben. Sie würden vielleicht nie zur Erkenntnis des wahren Gottes gekommen sein, wenn sich ihre fromme Großmutter, Leonilla mit Namen, der verwahrlosten Kinder nicht erbarmt und sie im Christentum unterrichtet hätte. Nachdem sie die heilige Taufe empfangen hatten, wurden sie mit einem solchen Eifer zur Ausbreitung der Religion Jesu erfüllt, dass sie mehrere Heiden auf dem Land bekehrten und schließlich in der Stadt Langres die Götzenbilder zerschlugen. Wegen dieses Verbrechens wurden sie unter der Regierung des heidnischen Kaisers Marcus Aurelius vor Gericht geschleppt und aufgefordert, den Göttern zu opfern. Weil sie sich aber dessen weigerten und Jesus standhaft bekannten, befahl der Richter ihre Großmutter herbeizuführen, um die drei jungen Männer zum Abfall vom Christentum zu bereden. Aber sie gestand nicht nur freiwillig und ohne Furcht, dass sie selbst eine Christin sei, sondern sie ermahnte auch unter vielen Tränen ihre drei Enkelsöhne, lieber alle Peinen und Marter mit Geduld zu ertragen, als den wahren Gott zu verleugnen und ihre Seelen dem ewigen Verderben aufzubewahren. Deswegen wurde sie auf der Stelle enthauptet und die drei Brüder, durch ihren Heldenmut begeistert, starben so freudig und geduldig unter den grausamsten Martern, dass sich Neon und Turbon, heidnische Gerichtspersonen, auf der Stelle bekehrten, Jesus bekannten und am gleichen Tag noch von den Götzendienern gesteinigt und so der Marterkrone gewürdigt wurden.

 

Zu Elwangen, wohin in der Folge die Reliquien der drei Martyrer und Brüder gebracht wurden, werden sie als die Landespatronen verehrt.

 

Die selige Euphemia Domitilla,

Dominikaner-Ordensfrau, Priorin von Ratibor,

+ 17.1.1359 – Fest: 17. Januar

 

Die Zeit der sogenannten Mystik ist die Periode der Frömmigkeit. Man mag über das viele Außergewöhnliche denken, was man will, das macht ja die Frömmigkeit nicht aus. Das Wesentliche aber, die Liebe, der Opfermut und Gebetseifer, das beharrliche heroische Tugendstreben, prangt in einer solchen Vollendung, dass alle anderen Perioden bewundernd auf die Zeit der deutschen Mystik zurückblicken dürfen. Wie ein herrlicher Gottesgarten blühte damals die deutsche Ordensprovinz der Dominikanerinnen. Manch duftiges Blümlein dürfen wir daraus noch pflücken. In der schlesischen Stadt Ratibor an der Oder, damals polnisch, später zum Deutschen Reich gehörend, heute wieder polnisch, strebten die Ordensfrauen nach dem gleichen hohen Ziel. Ihrer edelsten eine verdient am heutigen Tag ein Gedenken, weil nicht nur ihr Hochgrab in Ratibor, sondern noch mehr ihre Frömmigkeit und Seelengröße sie nicht der Vergessenheit anheimfallen lassen: Euphemia Domitilla.

 

Im hohen Haus des Herzogs Lescek von Ratibor stand der Glücklichen Wiege. Schon in frühester Jugend weihte sie ihre Jungfräulichkeit dem Herrn. Mannigfache Tugenden schmückten ihre kindlich reine Seele, so namentlich eine aufrichtige, herzliche Frömmigkeit, die sich äußerte in der anhaltenden Neigung zum Beten und Betrachten, eine für das kindliche Alter außerordentliche Bußstrenge, womit sie den zarten Leib der Seele zu unterwerfen versuchte und ihm deshalb lange Fasten, ermüdende Wachen, die Schmerzen der Geißelung und des Bußgürtels auflud. In tiefster Demut wollte sie dem Ärmsten der Untertanen ihres Vaters bereitwillig dienen. Die größte Wonne bedeuteten für sie die Augenblicke, in denen sie vor dem Allerheiligsten weilen und traute Zwiesprache mit dem Erwählten ihrer Seele halten durfte.

 

Dieses fromme, selige Leben schien ein jähes Ende nehmen zu sollen. Zwei hohe Bewerber um ihre Hand harrten auf das Jawort, der Markgraf von Brandenburg und der Herzog von Braunschweig, beide reich, beide jung, beide ritterlich kühn und beide von stürmischer Liebe zu der jugendlichen Prinzessin entbrannt. Der Vater betrachtete die Sache als abgetan. Nur auf Drängen der Mutter überließ er der Tochter die Wahl. Wohl eine schwere Wahl für ein Weltkind! Euphemia wählte keinen von beiden. Die Mutter war sprachlos und brach in Tränen aus. Der Vater zürnte und drohte, mit Gewalt ihren Kopf zu beugen. Aber weder die Tränen noch die Drohungen vermochten Euphemia umzustimmen. „Ich will Jungfrau bleiben“, entschied sie. „Fort mit dir! Komm mir nicht mehr unter die Augen!“ So der Herzog. Euphemia ging in ihre Gemächer, das Herz voll Wehmut über den Schmerz der Mutter, voll Trauer über den Zorn des Vaters. Einen Augenblick wollten die Gefühle sie überwältigen. Dann kniete sie nieder vor dem Bild dessen, den sie erwählt hatte. Er musste sie trösten.

 

Unten liefen die Diener. Die Gesellschaft zerstreute sich. Euphemia betete. Erst als die Nacht hereinbrach, machte Müdigkeit sich bei ihr geltend. Sie war erschöpft von der seelischen Erregung und doch beglückt über den Ausgang, ohne Reue, wenn auch voll Wehmut. Nur eins noch wirkte störend: Sollte sie bleiben, hier, wo sich täglich ähnliche Auftritte wiederholen konnten? Sie trat ans Fenster. Verlangend blickte sie auf zum gestirnten Himmel. Da sah sie einen blendenden Schein. Sah drei hellleuchtende Strahlen wie eine Sonnenbahn sich hinziehen vom Himmel, hoch hinab zu dem stillen Klösterlein der Dominikanerinnen zu Ratibor. Zwischen den Strahlen auf der Sonnenbahn schwebte eine schneeweiße Taube himmelan. Da war das Schwanken entschieden. Die Prinzessin erbat und erhielt die Zustimmung der Eltern zum Eintritt in das arme Kloster vom Orden des heiligen Dominikus.

 

Während der feierlichen Messe, die bei ihrer Einkleidung gelesen wurde, war von allen Anwesenden zwischen der Wandlung und der Kommunion ein himmlischer Gesang vernommen und als ein Zeichen der Freude gedeutet worden, die in den Scharen der heiligen Engel herrschte über dies reine Opferlamm, das sich Gott darbrachte. Mit der Übernahme des Ordensgewandes überkam die Selige ein neuer Eifer, ihre Seele mit dem Gewand der Tugenden zu zieren. Mit den Schwestern teilte sie demütig Armut und Not. Von Gott war sie durch himmlische Tröstungen und Offenbarungen ausgezeichnet. Als sie am 17. Januar 1359 starb, begann das Volk sie als Heilige zu verehren.

 

Eine Sonnenbahn vom Himmel zur Erde! Ist es nicht Gottes heiliger Odem, der Liebeshauch des Heiligen Geistes, der in die arme Menschenseele sich ergießt? „Gott ist die Liebe“ (1 Joh 4,8). Durch den Propheten versichert er (Jes 31,3): „Mit ewiger Liebe habe ich dich geliebt und dich voll Erbarmen an mich gezogen.“ Unaussprechliche, geheimnisvolle Vermählung Gottes mit der menschlichen Natur! Gott, der himmlische Bräutigam – die Seele die erkorene Braut! „Als es Gott die Zeit deuchte und er Mitleid hatte mit dem Leid seiner Geliebten, da sandte er seinen eingeborenen Sohn auf die Erde herab in einen reichen Saal und einen glorreichen Tempel; das war der Leib der Jungfrau Maria. Der Priester, der die Braut traute, das war der Heilige Geist, der Engel Gabriel verkündete die Ehe, die glorreiche Jungfrau gab die Einwilligung.“ Nun magst du wohl fassen, dass auch die auserwählte Seele in ganz ausschließlicher, jungfräulicher Liebe auf der gottbereiteten Sonnenbahn entgegen dem Heiland ziehen und himmelan fahren will, folgend dem Ruf des Bräutigams im Hohen Lied (2,10): „Mache dich auf, eile meine Freundin, meine Taube, meine Schöne, und komm.“

 

Der selige Joseph, 3. Bischof und Bekenner von Freising,

+ 17.1.764 – Gedenktag: 17. Januar

 

Nach dem Tod des heiligen Corbinian wurde dessen Bruder Erimbert zum Bischof in Freising erwählt. Das Bistum hatte damals noch keine bestimmte Abgrenzung. Diese erhielt es erst durch den heiligen Bonifatius. Mit apostolischer Vollmacht teilte der Apostel Deutschlands das ganze Bayernland in vier Diözesen und setzte über jede von ihnen einen ständigen Bischof. Dem schon konsekrierten Bischof Joseph wurde die Diözese Freising übertragen, und Bischof Vivilo wurde in seiner Würde als Bischof von Passau bestätigt.

 

Nach dem Tod Erimberts im Jahr 749 übernahm Bischof Joseph die Leitung der Diözese Freising. Er stammte wahrscheinlich aus Tirol. Dass er dieser Erhebung vollkommen würdig gewesen ist, bewies er durch den großen Eifer, mit dem er sich um die Herstellung der kirchlichen Ordnung, um die Erbauung der Kirchen und um die Gründung des Klosters Isen annahm.

 

Damals war vor allem notwendig, den Bestand der neuerrichteten bischöflichen Kirche durch den Erwerb liegender Gründe zu sichern. Der fromme Bischof selbst hatte weder Gold noch Silber, noch anderes zeitliches Gut, womit er seine Kirche bereichern konnte. Allein durch seine Frömmigkeit und seinen Eifer für die Ehre Gottes gewann er einen Einfluss auf die Reichen und Mächtigen des Landes, den er zum Wohl seiner Kirche benützte. Unter ihm übergab ein Edler des Landes, namens Amilo, sein väterliches Erbteil, das er bei Freising besaß, an die Kirche der heiligen Jungfrau Maria zu Freising, durch die Hand des Bischofs Joseph, in Gegenwart des Herzogs Odilo. Wie er das Gebiet um Erching von Herzog Thassilo und anderen Edlen der Kirche zu Freising erworben habe, beschreibt der fromme Bischof in der Urkunde selbst. „Ich Joseph, Bischof, der ich im Namen Gottes die Herde des Herrn an der Kirche der seligen Gottesmutter Maria und der anderen Heiligen zu Freising als Hirt und Führer leite, habe den Ort Erching mir bei den rechtmäßigen Besitzern erbeten, weil die an des Herzogs Gebiet daselbst angrenzenden Weideplätze nicht ausreichten, und habe in diesen bisher unbebauten und verlassenen Gegenden nach Bedarf Wohnungen gebaut. Alle Besitzer dieser Gegend haben bereitwillig ihren Anteil mir übergeben und überlassen zum Heil ihrer Seelen. Darunter war vor allen Thassilo, der sehr glorreiche Herzog von Bayern. Er übergab mir mit Einstimmung des Alfrid und seiner Brüder und Verwandten alles, was zu Vöhringen gehört. Sie übergaben und übertrugen es nach bayerischem Recht in solcher Weise, dass ihr Gebiet von nun an festes Eigentum der seligsten Mutter Gottes Maria für alle Zeiten bleiben soll, so dass keine Rückforderung von Seite der Erben und der zukünftigen Nachkommen der Stifter Platz haben kann. Wer je gegen diese feste Urkunde etwas trügerisch unternehmen wollte, der hätte eine Streitsache wider die Mutter Gottes Maria“ . . . Im dritten Jahr der Regierung Thassilos, 750.

 

Im Jahr 764 starb Bischof Joseph und wurde in der von ihm erbauten Kirche des heiligen Zeno zu Isen begraben. Als sein Sterbetag wird der 17. Januar angegeben. Das gläubige Volk hatte große Verehrung für ihn und nannte ihn den „Seligen“. Der Bischof Johannes Franz Eckher ließ ihm erst im Anfang des vorigen Jahrhunderts (18. Jhd.) eine passende Grabschrift fertigen.

 

An diesem Tag, den 17. Januar 1566, ist zum römischen Bischof und Papst erwählt worden: Pius V., ein besonderer Liebhaber und Verehrer Unserer Lieben Frau. Denn 1. Hat er von neuem die Weise den heiligen Rosenkranz zu beten und dessen Erzbruderschaft nicht nur bestätigt, sondern auch mit vielen Ablässen und Freiheiten begnadigt. 2. Hat er nicht nur zu Loretto langandauernde Gebete gegen den türkischen Erbfeind angestellt, sondern durch tatsächliche Unterstützung und kräftige Aufmunterung der christlichen Fürsten den Sieg über die Türken herbeigeführt, der annoch durch das Rosenkranzfest im Andenken steht. 3. Hat er die Tagzeiten Unserer Lieben Frau verbessert und zum Abbeten derselben durch Ablässe eingeladen. Und hat endlich den Orden Unserer Lieben Frau vom Berg Karmel, wie ihn die heilige Theresia verbesserte, bestätigt.

 

Papst Pius V. starb im Jahr 1572 im Geruch der Heiligen. Papst Klemens XI. hat ihn im Jahr 1712 unter die Heiligen eingereiht. 

 

Gebet am 17. Januar

 

O Mutter der Barmherzigkeit, ich weiß, dass du deine Freude daran findest, dass du deine Ehre darein setzt, wenn du dem Elendsten helfen kannst. Und dem kannst du immer helfen, wenn er nur nicht hartnäckig sich dir widersetzt. Siehe, ich bin ein Sünder, aber ich will mich bekehren, ich will mein Leben ändern. Du kannst mir helfen, Maria. Nun so hilf mir und mache, dass ich selig werde. Heute noch übergebe ich mich dir ganz. Sage mir nur, was ich zu tun habe, um meinem Gott zu gefallen, und ich will es tun. Ja, ich hoffe, dass ich es mit deiner Hilfe tun werde, o Maria, die du meine Mutter, mein Licht, mein Trost, meine Zuflucht, meine Hoffnung bist. Amen. 

 

Zum heiligen Antonius

 

Bitte für mich, heiliger Antonius, dass ich immer wachsam und demütig bin, und dadurch die Nachstellungen des Teufels überwinde, und den Fallstricken der Welt entgehe, damit ich dann, wenn die Bande dieses Lebens zerreißen, auf immer von allen Gefahren befreit, und in die Freiheit der Kinder Gottes aufgenommen werde, durch Jesus Christus, unseren Herrn. Amen. 

 

Andenken an die seligste Jungfrau

 

Am heutigen Tag im Jahr 1235 wurde der Orden Unserer Lieben Frau von der Erlösung der Gefangenen vom Papst Gregor IX. gutgeheißen. Die seligste Jungfrau, die dem heiligen Raimund von Pennafort und Petrus Nolaskus, wie auch dem König in Aragonien Jacob I. erschienen ist, hat diesen Orden veranlasst.

 

Andacht am 17. Januar:

 

Das Thema im Januar:

Von der Liebe Jesu

"Wer den Herrn nicht liebt, sei verflucht!" (1. Korinther 16,22)

 

"Der Berg Calvaria ist der Berg Christi; die Liebe, die nicht dem Leiden entspringt, ist eine schwache Liebe." (Der heilige Franziskus von Sales)

"Betrachten wir unseren göttlichen Heiland am Kreuz, wie auf dem Altar der Liebe ausgespannt, wo Er aus Liebe zu uns stirbt. Warum, ach, schwingen wir uns nicht im Geist zu Ihm, dass wir an demselben Kreuz mit Ihm sterben, der uns zu Liebe sterben wollte!" So der genannte Heilige.

Als die Heiligen Marcus und Marcellinus an Händen und Füßen mit Nägeln fest geheftet waren, sprachen sie zu dem Tyrannen, der sie so hatte martern lassen: "Nie durchströmten uns größere Wonnen, als seit wir um der Liebe Christi willen hier sind!" Wenn das Kreuz Christi in unseren Herzen lebt, dann werden die schwersten Kreuze uns leicht vorkommen.

Der heilige Franziskus von Assisi sprach einst unter schweren Leiden zum Herrn: "Herr, mein Gott, ich danke Dir für alle Leiden, die Du mir zusendest! Lass mich hundert Mal mehr leiden, wenn es Dir also wohlgefällig ist. Sehr erfreulich wird es mir sein, wenn Du meiner hienieden nicht schonst, wofern dies Dein Wille ist, denn die Erfüllung Deines heiligen Willens ist mir ein überfließender Quell des Trostes."

 

Herr, ich habe gesündigt, und verdiene zu leiden und zu sterben! Nur einen Leib habe ich, und ich opfere ihn Dir als Dein Eigentum. Schlage, schneide, verbrenne dies Schlachtopfer; lass mich Buße tun für meine und meiner Brüder und Schwestern Sünden! - Schlägst Du mich jedoch mit Schmerzen, so verleihe mir sogleich die Gnade, sie mit Geduld auszuhalten. Amen.

 

Ein Gedanke heiliger Dominikaner am 17. Januar

 

"Wer nicht angegriffen ist,

kann nicht kämpfen und niemand kann ohne Kampf die Palme erringen,

die nur dem Sieger gebührt."

 

gottsel. Johannes Tauler OP

1300 bis 16.6.1361

 

Betrachtung am 17. Januar - Vom Eifer für die Religion

 

Steh mir, Herr, mit Kraft zur Rechten,

Deine Wahrheit zu verfechten

Wider jene blinden Rotten,

Die dein heil`ges Licht verspotten.

 

1. Wir alle, die wir unter die Fahne Jesu Christi uns gereiht haben, und mit dem heiligen Chrisam zu Streitern seiner Kirche gesalbt wurden, sind verpflichtet, jeder nach seiner Weise, Eifer für unseren Glauben zu bezeigen, und fest im Kampf wider seine Feinde zu stehen. Nicht mehr blutig zwar, wie in den ersten Jahrhunderten, sind nun diese Kämpfe. Aber eine andere, weit gefährlichere Verfolgung erhob sich mitten im Schoß der Kirche, da viele ihrer undankbaren Kinder ihre Gesetze verachten, und auch andere zu ihrer Verachtung verleiten. Dies Ärgernis aber wird immer allgemeiner, weil niemand sich widersetzt. Und selbst die aufrichtigsten Gegner verkennen diese Kirche, weil ihre Bekenner durch ihre Sitten sie entstellen und entehren.

 

2. Nicht jeder zwar hat Kenntnisse und Einsicht genug, das Irrgerede der Gottlosen zu widerlegen. Alle aber können wir durch ein frommes und aufrichtiges Leben die Feinde der Religion beschämen, und unser Missfallen an ihren gottlosen Behauptungen aussprechen, oder, gestatten Rücksichten auf Rang, Würde oder höheres Alter auch dies nicht, wenigstens durch ernstes Stillschweigen unsere inneren Gesinnungen kund geben. Schwer versündigen sich, die aus sogenannter Klugheit und Nachgiebigkeit mit den Feinden der Religion gleichsam übereinstimmen, obwohl sie auch im Herzen anders denken. Schlechte Kinder sind dies, die, um den Feinden ihrer Mutter nicht zu missfallen, selbst sie schmähen und beschimpfen. 

 

3. Viele verloren zur Strafe für diese Feigherzigkeit den Glauben, die beleidigte Gnade entzog ihnen ihr Licht und ihre Salbung, sie versanken in Gleichgültigkeit, und zuletzt in gänzlichen Unglauben. Wer vor einem Ungläubigen zittert, der wird vor einem Tyrannen den Glauben verleugnen. Tausende und abermals Tausende heiliger Märtyrer verteidigten den Glauben mit ihrem Blut und leben: was aber hast du bei der Verteidigung des Glaubens zu fürchten? Den Spott und die Verachtung der Welt. Großer Ruhm vor Gott ist das, ein Ruhm, den du mit den Aposteln, den Propheten und den Märtyrern teilst. Lukas 9,26: "Denn wer sich meiner und meiner Worte schämt, dessen wird sich der Menschensohn schämen, wenn er in seiner Hoheit kommt und in der Hoheit des Vaters und der heiligen Engel."

 

18. Januar

 

Die heilige Prisca, Jungfrau und Martyrin von Rom,

+ 18.1.64 - Fest: 18. Januar

 

Ihrer ungeschichtlichen Lebensbeschreibung zufolge war Prisca die dreizehnjährige Tochter eines römischen Konsuls unter Kaiser Claudius I. Während der Christenverfolgung verhaftet und zum Tod verurteilt, wurde sie nach langen Qualen mit dem Schwert enthauptet.

 

Dargestellt wird Prisca mit ein oder zwei Löwen, die ruhig zu ihren Füßen liegen. Andere Bilder zeigen sie im Grab liegend und von zwei Adlern bewacht. Häufig wird sie auch mit Palme und Schwert abgebildet.

 

Aus dem Römischen Martyrologium:

 

Prisca, die Tochter einer angesehenen Familie, wurde von zarter Kindheit an in der christlichen Religion erzogen, lebte so fromm und tugendhaft, dass man sie als eine Christin erkannte, und dem heidnischen Kaiser Claudius auslieferte. Sie war eine blühende Jungfrau und in einem Alter von 13 Jahren, als sie vor dem Richterstuhl des Kaisers erschien, der durch ihre liebliche Gestalt und ihre Sanftmut selbst gerührt wurde, und befahl, man sollte sie mit aller Schonung behandeln, und nachdem sie im Tempel des Apollo geopfert haben würde, ihr die Freiheit geben. Da sie sich aber standhaft weigerte, dem Götzen ein Opfer zu bringen, wurde sie bis aufs Blut mit Ruten geschlagen und in ein Gefängnis geworfen, wo sie durch die traurige Einsamkeit und durch den Schmerz ihrer Wunden zum Abfall vom christlichen Glauben bewogen werden sollte. Allein die Bekennerin stärkte sich während dieser Zeit durch ein inniges Gebet auf den ihr bevorstehenden Todeskampf und zeigte im zweiten Verhör einen solchen Mut, für Jesus ihren Heiland und Erlöser alles zu dulden, dass sie nach einer grausamen Geißelung zum Tode verurteilt wurde. Drei Tage schmachtete sie noch im Kerker, in dem sie, verwundet am ganzen Körper, heilige Psalmen sang, und dann wurde sie im Beisein einer unzähligen Menge Volkes einem heißhungrigen Löwen vorgeworfen. Zum Staunen aller Heiden trat das wilde Tier erschrocken von ihr zurück, aber diese, grausamer als der Löwe, banden die Heilige an eine Säule, zerfleischten mit eisernen Krallen ihren zarten Körper, und warfen sie zuletzt auf einen brennenden Scheiterhaufen, aus dem sie unversehrt hervorging. Die Wut der Heiden, die sich von einer schwachen Jungfrau besiegt sahen, stieg dadurch auf das höchste, und weil sie das Wunder dieses christlichen Heldenmutes für Zauberei hielten, führten sie die Martyrin aus der Stadt und enthaupteten sie. Ihren Leichnam beerdigten fromme Christen an der Straße nach Ostia, und ihre sterblichen Überreste werden zu Rom in der ihr zu Ehren erbauten Kirche aufbewahrt.

 

Die heilige Margarita von Ungarn, Prinzessin,

+ 18.1.1270 - Fest: 18. Januar

 

Im Diadem einer Königin glänzen neben den Edelsteinen kostbare Perlen, deren Wert manchmal Millionen aufwiegt. In dem Schmuck der Königin aller Heiligen bemerken wir einen strahlenden Kranz echter Perlen, die jungfräulichen Seelen darstellend, die ihrem erhabenen Vorbild treu nachgefolgt sind. War Maria die erste, die erhabenste und vollkommenste Jungfrau, die sich durch das Gelübde der steten Jungfräulichkeit und Keuschheit Gott verband, so haben ihr im Lauf der christlichen Jahrhunderte tausende und tausende edler Jungfrauen und Jünglinge nachgeeifert, um gleich ihr am Thron des makellosen Gotteslammes in weißen Kleidern stehen zu dürfen. Eine dieser edlen, reinen Jungfrauen war Margarita, die Tochter des Königs Bela IV. von Ungarn.

 

Als die Mongolen, wie einst bei der Völkerwanderung, das asiatische Steppenland verließen und Ungarn mit Feuer und Schwert verwüsteten, floh der bedrängte König mit den Seinigen nach Dalmatien. In seiner äußersten Bedrängnis gelobte er, das Kind, das seine Gattin bekommen würde, dem Dienst der Kirche zu weihen. Die Königin gebar eine Tochter, die in der heiligen Taufe den Namen Margarita (d.h. Perle) empfing. Der Name des Kindes entsprach ihrem späteren Leben, denn sie wurde eine Perle unter den Jungfrauen. Die Königstochter hatte noch nicht ihr viertes Lebensjahr vollendet, als ihre Eltern sie den Dominikanerinnen zu Vesprin übergaben. Nicht lange danach erbaute der König ein Kloster desselben Ordens auf einer Donauinsel zwischen Ofen und Pesth und ließ seine Tochter dorthin bringen. Hier legte Margarita in einem Alter von zwölf Jahren die Ordensgelübde ab.

 

Die junge Nonne bildete sich mit außerordentlichem Fleiß in den Wissenschaften und weiblichen Handarbeiten aus, besonders drang sie tief in die Kenntnis der Religion ein und übertraf darin viele Erwachsene. Ihre Andachtsglut und ihre Liebe zu göttlichen Dingen würdigte sie besonderer Erleuchtungen. In ihrer Demut und Selbstverleugnung wollte sie als niedrigste Magd angesehen werden und wurde immer betrübt, wenn man sie an ihre vornehme Geburt erinnerte. Mehrere Fürsten bewarben sich um die Hand der schönen Prinzessin und ihre Eltern wollten Dispens für sie erwirken, sie aber erklärte voll Entrüstung, sie wolle lieber ihr Leben verlieren, als ihr Ordenskleid.

 

Margarita war das Muster einer vollkommenen Ordensfrau. Obgleich sie ihre Seele von jedem Schatten der Sünde rein bewahrte, so betrachtete und behandelte sie sich als die größte Sünderin. Sie schlief auf dem Boden ihrer Zelle, nur mit einem rauen Fell bedeckt, einen Stein als Kopfkissen unter ihrem Haupt. Suchte sie Gott mit einer Krankheit heim, so verbarg sie sorgfältig ihre Schmerzen, damit man sie nicht nötige, die den Kranken gestatteten Erholungsmittel zu gebrauchen.

 

Behandelte Margarita sich selbst mit aller Strenge, so zeigte sie gegen andere eine außerordentlich zarte und wohlwollende Liebe. Erhielt eine ihrer Mitschwestern einen Verweis oder eine Strafe, so wünschte sie sehnlichst, anstatt ihrer diese Verdemütigung zu leiden. Schien eine Mitschwester auch nur die geringste Abneigung gegen sie zu hegen, so warf sie sich ihr zu Füßen und bat um Verzeihung. Erhielt sie von ihren königlichen Eltern Geschenke, so wandte sie diese den Armen zu. Den Kranken erwies sie die niedrigsten Dienste ohne Abscheu und Ekel. So wurde sie allen alles.

 

Eine besondere Verehrung hegte Margarita zum heiligen Kreuz. Von dem Kreuz, an dem unser Erlöser für die Sünden der Menschheit gestorben war, trug sie stets eine Partikel bei sich und küsste sie oft mit tiefster Verehrung. Vor dem Kreuzaltar der Klosterkirche kniete sie oft in tiefster Andacht nieder und rief voll Inbrunst den heiligen Namen Jesus an. Während der Anhörung der heiligen Messe und beim Empfang der heiligen Kommunion rannen gewöhnlich Tränen der Rührung von ihren Wangen. Am Vorabend des Tages, wo sie die heilige Kommunion empfing, nahm sie keine andere Nahrung zu sich, als Wasser und Brot, und brachte die Nacht im Gebet zu. Am Tag, wo sie sich mit ihrem göttlichen Heiland im Mahl der Liebe vereinigt hatte, genoss sie erst am Abend ein wenig Speise. Aus ihrer Liebe zu Jesus entquoll auch die innige Verehrung zu seiner heiligen Mutter. An den Festtagen der allerseligsten Jungfrau strahlte das Angesicht ihrer warmen Verehrerin von heiliger Freude und Inbrunst und in ihrem Herzen sprossen neue Entschlüsse auf, der Königin der Jungfrauen möglichst ähnlich zu werden.

 

Wegen ihrer vorzüglichen Tugenden wurde Margarita zur Äbtissin des Klosters erwählt. In ihrem Amt verdoppelte sie ihren Bußeifer, las eifrig in den heiligen Schriften, betrachtete andächtig die ewigen Wahrheiten und vervollkommnete ihre eigene Seele, wie die Seelen ihrer Mitschwestern. In der Blüte ihrer Jahre, in einem Alter von 28 Jahren, rief sie Gott im Jahr 1270 zu den ewigen Freuden des Himmels, um dort als auserwählte Perle zu glänzen im Ehrenkranz der Königin aller Jungfrauen. Das Kloster, das Margarita mit dem Glanz ihrer Tugenden erfüllte, wurde später von den Türken zerstört, aber heute noch wird die Insel nach ihrem Namen Margareteninsel genannt. Die Stadt Preßburg bewahrt voll Ehrfurcht ihre Reliquien.

 

Der heilige Deikola, Abt und Bekenner von Lure, Frankreich,

+ 18.1.625 – Fest: 18. Januar

 

Der heilige Columban hatte sich mit zwölf Mönchen von Irland nach Frankreich begeben, um dort unter der Regierung des Königs Siegeberts die Überreste des Heidentums zu vertilgen. Zu diesem Ende errichtete er zu Luxeu und Fontaines Klöster, um Glaubensprediger zu bilden und durch sie die Sitten der Landbewohner zu mildern. Nach dem Tod des Königs kam Theodorich zur Regierung, dessen rachgierige Mutter den heiligen Columban so heftig verfolgte, dass er mit seinen Jüngern das Königreich verlassen und sich nach Italien flüchten musste. Weil ihm Deikola, der sich unter der Zahl seiner Schüler befand, wegen Schwäche seiner Füße nicht folgen konnte, nahm er Dienste bei einem Hirten zu Lure und hütete die Schweine. Seine Tugenden und seine Treue und Redlichkeit erregten ihm Feinde, die ihm das Leben auf mancherlei weise verbitterten und schließlich sogar den Entschluss fassten, ihn zu ermorden. Aber er entging ihren Nachstellungen dadurch, dass er sich in einer Feldkapelle verbarg, in der ihn Waisarius, der Gutsherr dieser Gegend, auf die Anklage seiner Feinde hin, gefangen nehmen und in ein Gefängnis werfen ließ, um ihn über die ihm zur Schuld gelegten Verbrechen zu bestrafen. Aber plötzlich wurde Waisarius von einer schweren Krankheit befallen, von der er nur dann erst geheilt wurde, als der heilige Deikola ihm die Hände aufgelegt hatte, für welche Wohltat ihm die fromme Bertildis, die Gemahlin des Gutsherrn, den Ort Lure schenkte, und da auch seine Unschuld entdeckt wurde, ihn so reichlich unterstützte, dass er eine Kirche und ein Kloster errichten konnte, in dem er mehrere Schüler versammelte, die nach seinem Beispiel und unter seiner Aufsicht zur christlichen Vollkommenheit herangebildet wurden. Als er die ganze Einrichtung in Ordnung gebracht hatte, reiste er nach Rom, übergab sein Kloster dem Schutz des obersten Hirten der Kirche, der es mit vielen Gnaden auszeichnete und mit kostbaren Reliquien beschenkte, und nach seiner Zurückkunft wählte er den Columbinus als Abt an seine Stelle und starb im hohen Alter geziert mit Frömmigkeit und allen christlichen Tugenden.

 

Die gottseligen Diener Mariens Karl und Israel,

Sohn und Bruder der heiligen Brigitta von Schweden – 

Gedenken am 18. Januar

 

Die heilige Brigitta aus Schweden hatte einen einzigen Sohn, Karl genannt, der ihr überaus lieb war, und den sie aufs Trefflichste erzog. Nach dem Beispiel seiner Mutter erzeigte er der seligsten Jungfrau die innigste Verehrung, besonders betete er zu ihr den heiligen Rosenkranz.

 

Karl wurde ein ausgezeichneter Kriegsmann, nicht minder berühmt und geehrt auch in Zeiten des Friedens, doch unverhofft und in seinem besten Alter wurde er vom Leben abberufen und vor den Richterstuhl Gottes geladen.

 

Brigitta befand sich gerade auf einer Wallfahrt ins Heilige Land, erschrak ob dieser traurigen Botschaft gar sehr, war besorgt wegen des Heils seiner Seele, fiel nieder auf die Knie und bat die Jungfrau Maria inniglich mit Gebet, Weinen und Seufzern, sie wolle ihr doch offenbaren die Beschaffenheit und den dermaligen Wohnort ihres Sohnes Karl.

 

Die heiligste Gottesgebärerin erschien ihr alsbald im Gebet und erzählte ihr, wie ihr Sohn im letzten Augenblick des Lebens vom Satan angefochten wurde, dass aber sie und der heilige Schutzengel dem Sterbenden beigestanden habe und zwar besonders, weil Brigitta selbst stets eine große Verehrung zur seligsten Jungfrau getragen und immer ein frommes reines Leben geführt habe. Auf Maria Begehren wurde also die Seele Karls aller Schuld und Sünde ledig gesprochen, weil er selbe noch vor seinem Tod aufrichtig bereut hatte, obwohl ihm die Zeit zur Ablegung der Beicht gemangelt habe, und ist somit in die ewige Seligkeit aufgenommen worden.

 

Im Anschluss an diese lehrreiche Begebenheit und Offenbarung mag hier Platz finden noch die Erzählung von dem rührenden Tod des tapferen und mutigen Bruders der heiligen Brigitta, mit Namen Israel.

 

Dieser große Mann, der von der Mutter Gottes zum Anführer des Heeres erwählt worden war, das der König von Schweden gegen die Ungläubigen aufstellte, bekam durch die Vermittlung der gebenedeiten Jungfrau eine Verstärkung vom Himmel. Sie hatte nämlich Brigitta, seiner Schwester, die Verheißung gegeben, dass sie ihm als Führerin dienen und seinen Namen im Himmel wie auf Erden geehrt machen werde, so dass alle bekennen müssten, er habe sich edelmütig diesem Unternehmen hingegeben und sei ein treuer Diener des Herrn gewesen. Sie fügte hinzu, dass sie mütterlich für ihn sorgen und ihn auf einem Weg zu sich ziehen werde, woran er nicht denke, der aber für sein Heil der geeignetste sei. Sie erfüllte es ebenso getreulich, wie sie es wahrhaftig verheißen hatte. Denn als Israel mit seinem Heer ausgezogen war, um gegen die Ungläubigen, die Feinde Gottes und seines heiligen Namens, zu kämpfen, kam er nach einigen Jahren in die Stadt Riga, wo er erkrankte. Da er durch einen geheimen Wink erfuhr, dass er nicht mehr genesen werde, so begab er sich mit einigen von seinen Leuten in die Kirche, warf sich da demütig vor einer Statue der seligsten Jungfrau nieder, die wegen verschiedener Wunder, die da geschahen, sehr berühmt war, zog einen wertvollen Ring von seinem Finger und steckte ihn an den seiner süßesten Mutter, indem er sprach: „Du bist meine Herrin und Meisterin, du hast mir durch tausend Züge der Milde untrügliche Zeichen deiner Liebe gegeben, wofür ich keinen anderen Zeugen will, als dich selbst. Deshalb lege ich meinen Leib und meine Seele in die Arme deiner liebevollen Vorsehung und bitte dich, in dieser meiner traurigen Lage für den geringsten aber ergebensten deiner Diener eine besondere Sorge zu tragen.“ – Nachdem er das gesagt hatte, kehrte er in seine Wohnung zurück, wo er, nachdem er die heiligen Sakramente der Kirche empfangen hatte, mit so großer Gottergebenheit starb, dass alle Umstehenden davon gerührt und erbaut wurden. Um dieselbe Zeit erschien die glorreichste Jungfrau der heiligen Brigitta, und setzte sie von dem Abscheiden ihres guten Bruders in Kenntnis mit der Versicherung, dass er keiner von denjenigen gewesen sei, die sie mit einem geteilten Herzen lieben, sondern dass er ihr mit seinem ganzen Wesen zugetan war, und zum Zeichen dessen habe sie den Ring angenommen, den er ihr darreichte. Übrigens sei es nicht ohne eine ganz besondere Vorsehung geschehen, dass er außerhalb seines Landes gestorben ist, sondern es sei so verordnet worden, damit die Tränen und Leidbezeugungen der Seinigen sein Herz nicht erweichten und ihn nicht hinderten, die Welt mit all der Großmütigkeit zu verlassen, die sich für einen christlichen Ritter gezieme. 

 

Gebet am 18. Januar

 

Maria, stehe mir bei, Maria, hilf mir. Besonders wenn der Tag kommen wird, da ich den letzten Kampf mit der Hölle zu bestehen haben werde. Wenn die Stunde meines Todes schlägt, dann, meine Königin, dann stehe mir besonders bei, dann erinnere du mich selbst daran, dass ich dich oft mit Herz und Mund anrufe, damit ich, wenn ich den Geist aufgebe, deines heiligsten Sohnes Jesus Namen im Mund habe, und dich die ganze Ewigkeit hindurch im Himmel preisen und loben und nie von dir getrennt werden möge. Amen. 

 

Zu Gott

 

O Gott, schenke Deiner Kirche Hirten nach Deinem Herzen, die ganz für ihr erhabenes Amt leben, seine Beschwerden mutig ertragen, und in allem nur auf Dich sehen. Uns aber gib die Gnade, dass wir durch unser Leben ihre Krone und Freude werden, durch Jesus Christus, unseren Herrn. Amen. 

 

Andenken an die seligste Jungfrau

 

In Sizilien wurde heute die seligste Jungfrau sowohl wegen ihrer ausnehmenden Gnadenwahl, als wegen ihrer besonderen Fürbitte und Leistung wundertätigen Beistands hoch verehrt.

 

Andacht am 18. Januar:

 

Das Thema im Januar:

Von der Liebe Jesu

"Wer den Herrn nicht liebt, sei verflucht!" (1. Korinther 16,22)

 

"Wer da verlangt, beständig mit Gott vereint zu sein, der betrachte immerdar mit den Augen seines Herzens Christus, der am Kreuz stirbt. Aus den Wundmahlen des Erlösers gewinnt der Mensch die notwendige Stärke, nicht nur mit Geduld, sondern auch mit Freuden zu leiden." (Der heilige Bonaventura)

Als der heilige Ignatius, Bischof von Antiochien, verurteilt war, den reißenden Tieren vorgeworfen zu werden, schrieb er, bevor er noch an die Stätte seiner Marter kam, an die Römer einen Brief, worin sich ein lebendiges Verlangen nach Leiden ausspricht. "Lasst mich, meine Kinder," spricht er, "unter den Zähnen der Tiere zermalmt werden, auf dass ich ein wahrhaftes Getreidekorn Christi werde! Nichts suche ich, außer Denjenigen, der für mich gestorben ist. Der einzige Gegenstand meiner Liebe ist Er, der für mich gekreuzigt wurde; und die Liebe, die ich für Ihn hege, bewirkt das Verlangen in mir, für Ihn gekreuzigt zu werden."

Die heilige Gertrud sprach einst zu Christus: "O mein Erlöser, der Du mich so sehr liebtest, dass Du sogar für mich leiden und sterben wolltest, ich opfere Deiner Ehre aus Liebe alles, was ich bisher litt, was ich nun leide und künftig leiden werde! Sieh auf den Grund Deiner Liebe, die mich beseelt. Deine göttliche Liebe wirkt, dass ich mit Freuden leide. Leiden will ich, weil Du gelitten hast, und weil Du willst, dass ich leide; denn mehr liebe ich Dich, als ich mich selbst liebe."

 

O mein Erlöser, präge Dein heiliges und schmerzliches Leiden tief in mein Gedächtnis, in meinen Geist, in mein Herz und in mein Fleisch! Verleihe mir, nie zu vergessen, was Du für mich gelitten hast, und immerdar in Deinen heiligen Wundmahlen zu lesen, welch ein großes Übel die Sünde ist, und bis wohin Deine unermessliche Liebe ging! Gib mir, dass bei der Betrachtung Deiner Schmerzen mein Herz von Reue über meine Sünden und von Liebe zu Dir durchdrungen werde, und dass ich mich ohne Unterlass abtöte, Dir einigermaßen ähnlich zu werden! Amen. 

 

Ein Gedanke heiliger Dominikaner am 18. Januar

 

"Der Name Jesus ist eine unüberwindliche Schutzmauer.

Keine Perle und kein Schmuck ist dem Namen Jesu zu vergleichen.

Man glaubt, harmonische Harfentöne zu vernehmen,

wenn der Name Jesus ausgesprochen wird."

 

sel. Heinrich Seuse OP

1298 bis 25.1.1366

 

Betrachtung am 18. Januar - Von erlaubten Unterhaltungen

 

Herr, in Freuden wie in Leiden

Ziele unser Herz nach dir.

O lass nichts uns von dir scheiden;

Denn für dich ja leben wir.

 

1. Unser Gott, der uns zu einer ewigen Glückseligkeit in seinem Schoß erschaffen hat, gestattet uns auch gern Erholungen von den Arbeiten und Mühsalen dieses Lebens, da solche Vergnügungen Mittel sind, den Überdruss zu heben, Leib und Seele zu erquicken, und aufs neue zu arbeiten und uns in seinem Dienst zu kräftigen. Indessen verbietet sein heiliges Gesetz uns nicht nur Missbrauch und Sünde, sondern heiligen auch sollen wir nach seiner Absicht sogar das unschuldige und erlaubte Vergnügen. Darum spricht die Schrift: "Es sollen die Gerechten sich freuen", fügt aber alsbald bei: "Vor dem Anblick Gottes." (Psalm 68,4-5) Denn dieser heilige Anblick kann allein uns vor den Fehlern bewahren, die bei Unterhaltungen so leicht unterlaufen.

 

2. So wie wir jeden Augenblick Atem holen müssen, die natürliche Hitze zu dämpfen, also ist auch die beständige Erinnerung an Gottes heilige Gegenwart uns notwendig, die Glut unserer ungeordneten Neigungen zu dämpfen, die selbst bei dem unschuldigsten Vergnügen uns unaufhörlich zur Sünde reizen. Fordert der Wohlstand von dir, dass du einem Gastmahl, einer häuslichen Unterhaltung oder einem Freudenfest beiwohnst, so stelle dir die Sittsamkeit vor Augen, mit der Maria und Jesus selbst der Hochzeit zu Kana beiwohnten. Ebenso erwäge die Weisheit seiner Worte, wenn er sich herabließ, bei einem Pharisäer zu speisen, und betrachte seinen liebevollen Ernst. Denn Jesus, sprechen die Väter, begab sich dahin nur, uns zu lehren, wie wir sogar unsere Unterhaltungen heiligen sollen.

 

3. Bedenke, dass die Augen des Herrn immer auf dir ruhen. Er liebt dich, und er hört es mit Wohlgefallen, wenn du ihm oft und wiederholt beteuerst, wie innig du ihn liebst. Sage ihm also mitten unter dem Gewirr, dass du ihn als den Urquell aller Freuden liebst. Gedenke seiner Güte, die das Elend der Menschen durch so freundliche Arzneien mildert. Und der Anblick dieser irdischen Freuden erinnere dich an die Freuden des himmlischen Jerusalems. Also pflegten die Heiligen den Unterhaltungen beizuwohnen, dass sie beim Weggehen von ihnen getrost hätten vor Gottes Richterstuhl erscheinen dürfen. Habakuk 3,18: "Dennoch will ich jubeln über den Herrn, und mich freuen über Gott, meinen Retter."