Jubel-Grüße an Maria - St. Johannes von Damaskus, + 4. Dez. vor 754

 

Sei gegrüßt Maria, gleichsam eine Myriade wegen der zahllosen Menge deiner Vorzüge; denn wenn man auch unzählige große Dinge von dir sagte, man würde dich doch nicht nach Würdigkeit preisen! –

Sei gegrüßt, o Herrin, die du durch dein mütterliches Ansehen den Herrn aller Dinge dir untertan siehst, wie denn auch ohne Zweifel alle Dinge dir untertänig sind! –

Sei gegrüßt, wunderbar brennender Dornbusch, dem keine Sünde sich nahen durfte! –

Sei gegrüßt, du von Gott gebaute Arche, Obdach des Schöpfers einer neuen Welt, aus der Christus wie ein neuer Noah hervorgeht, um die Welt mit Unsterblichkeit zu erfüllen! –

Sei gegrüßt, du Reis, von Gott gepflegte Pflanze, einzige Mutter unter den Jungfrauen, die du ohne Samen den alles regierenden Sohn Gottes wie eine Blume geboren hast! –

Sei gegrüßt, du Urne, aus Gold gemachtes und vor allen anderen Gefäßen ausgezeichnetes Gefäß, aus dem die ganze Welt das wahre Manna, das in dem Feuer der Gottheit bereitete Brot des Lebens, erhält! –

Sei gegrüßt, du Zelt, das Gott selbst aufgerichtet hat, aus dem Gott in eigener Person zu uns kam, um mit uns zu verkehren, und uns die ewige Versöhnung zu bringen! –

Sei gegrüßt, du Rauchfass, ein Gehäuse von geistigem Gold, das eine göttliche Kohle in sich trägt und aus dem der liebliche Duft des heiligen Geistes ausgeht, um den Pestgeruch der Fäulnis aus der ganzen Welt zu vertreiben! –

Sei gegrüßt, du Tisch, von Gott selbst reichlich besetzt, auf dem wir die köstlichsten Güter aller Tugenden finden können! –

Sei gegrüßt, du Tempel, ganz rein erbautes Haus Gottes, von dem David singt: „Heilig ist dein Tempel, wunderbar in Gerechtigkeit!“ aus dem Christus sich seinen Leib als Tempel seiner Gottheit bildete, um alle Sterblichen zu Tempeln des lebendigen Gottes zu machen! –

Sei gegrüßt, du Bad, himmlisches Wasser, sprudelnde Quelle, voll von aller Heiligkeit, aus dem der Heilige der Heiligen hervorging, um durch sein Blut die Sünden der Welt abzuwaschen! –

Sei gegrüßt, du Haus Gottes, das von den Strahlen der Gottheit erglänzt, erfüllt von der Herrlichkeit Gottes! Keuschheit ist deine Schwelle, die nie zerstört noch verlegt werden kann! –

Sei gegrüßt, du nach Morgen liegende Pforte, aus der der Aufgang des Lebens erschien, um den Untergang des Todes zu vertreiben! –

Sei gegrüßt, du Himmel, der erhabener ist als jenes sichtbare Gewölbe und im Glanz aller Tugenden wie in Sternen funkelt: aus dem die Sonne der Gerechtigkeit aufging, um den nie untergehenden Tag des Heils den Menschen zu bringen! –

Sei gegrüßt, du hochherrlicher Thron und Sitz Gottes, auf dem Gott würdiger ruht, als selbst in den Chören der himmlischen Mächte, der Thronen und Herrschaften! –

Sei gegrüßt, du Mutter, die allein keinen Mann gekannt, die allein unter den Müttern unbefleckt geblieben, die allein auf jungfräuliche Weise die Mutterwürde erlangt, du aller Wunder erhabenstes Wunder! –

Sei gegrüßt, du königliches Siegel, das dem König aller Dinge sein Bild aufgedrückt hat, indem du als Mutter seinen Leib nach deinem Bild gebarst! –

Sei gegrüßt, du versiegelte Quelle, aus der Christus, der Strom des Lebens, ohne Verletzung der Siegel deiner Jungfräulichkeit entsprungen ist; durch dessen Gemeinschaft wir die Unsterblichkeit erlangen und in den immer blühenden, nie verwelkenden Garten des himmlischen Paradieses eingehen! –

Sei gegrüßt, du verschlossener Garten, dessen Fruchtbarkeit deiner Jungfräulichkeit keinen Nachteil bringt, dessen Wohlgeruch – nach dem Ausspruch des Propheten – ist wie der Duft eines vollen Ackers, den der Herr, der aus dir hervorgegangen ist, gesegnet hat! –

Sei gegrüßt, du unverwelkliche Rose, an deren unaussprechlichem Wohlgeruch der Herr sich so erfreute, dass er in ihr ruhen wollte; aus der er selbst hervorblühte, um den verderblichen Geruch der Welt zu verdrängen! –

Sei gegrüßt, du Lilie, deren Sprössling – Jesus Christus – alle Lilien des Feldes bekleidet! –

Sei gegrüßt, du Blume, die in dem reichsten, mannigfaltigsten Farbenschmuck aller Tugenden prangt, aus der eine neue ganz ähnliche Blume als ihr Abbild hervorsprosst, auf der – nach des Propheten Verheißung – die sieben Gaben des heiligen Geistes ruhen! –

Sei gegrüßt, du Salbe, von unschätzbarer Kostbarkeit, die überall hin den lieblichen Duft der Keuschheit verbreitet! Denn von deinem Namen gilt dasselbe, wie von dem Namen deines Sohnes: „Ausgegossenes Öl ist dein Name!“ –

Sei gegrüßt, du Weihrauch, der vor dem Allerheiligsten aufsteigt und die Gebete der ganzen Welt in lieblichem Duft emporträgt! Darum rufen die Engel aus: „Wer ist diejenige, die da aufsteigt aus der Wüste der Erde, wie eine lichte Rauchsäule?“ –

Sei gegrüßt, du lauteres Gold, das durch das Feuer des heiligen Geistes in dem Glühofen dieses Lebens so bewährt worden ist, dass nie die geringste Schlacke daran gefunden wurde; weshalb denn auch alle goldenen Gefäße der alten Bundeslade nur deine vielbedeutenden und lieblichen Vorbilder gewesen! –

Sei gegrüßt, du unverwesliches Holz, das nie von dem Wurm der Sünde angegriffen wurde: Jungfrau, aus deren ungeschwächtem Leib der wahre und geistliche Altar Gottes erbaut wurde! –

Sei gegrüßt, du königliches Purpurkleid, aus deren jungfräulichem Blut jener König entspross, der sein Königreich sich durch sein eigenes Blut erkämpfte, und, mit seinem Blut bekleidet, glorreich in dasselbe einging! –

Sei gegrüßt, du leichte Wolke, denn du warst nicht gebunden von der Schwerfälligkeit des Fleisches und wohntest darin nur, wie in einem leichten Zelt! –

Sei gegrüßt, du Paradies, schöner als Eden, in dem alle Blüten der Tugend hervorwachsen und der Baum des Lebens emporsteigt, zu dem du uns hinleitest, damit wir, nicht mehr zurückgehalten durch das Flammenschwert des Engels, die Frucht der Unsterblichkeit genießen! –

Sei gegrüßt, du herrliche Stadt des großen Königs, in dem sein königlicher Palast ist und alle Himmelsbürger sich erfreuen, die von allen Zungen und Herzen verherrlicht und gepriesen wird! –

O Maria, könnte ich dich so immer fort preisen und loben! Denn deiner Herrlichkeit ist kein Ende! – Ach, führe mich denn ein in die ewigen Gefilde, die du als der Mond und dein göttlicher Sohn als die Sonne unaufhörlich erhellst; damit ich in der beständigen Anschauung deiner und seiner Herrlichkeit euch ohne Unterlass loben und verherrlichen kann! Amen. –

 

(Aus einer Festrede von St. Johannes von Damaskus)