Das Buch eines Heiligen über den englischen Gruß

 

In dem in der Mitte des achten Jahrhunderts (etwa um das Jahr 746) gestifteten Kloster Tegernsee blühte frühzeitig die Pflege der Wissenschaften.

 

In diesem Kloster befand sich auch die Handschrift eines Lobliedes auf die allerseligste Jungfrau Maria, als dessen Verfasser bis auf unsere Zeiten der Scholaster und Custos Wernher (+ 1197) genannt wurde. – Dieses Gedicht, laut der Mundart, des Reimes und der Weise der Zeichnungen, in unserem Land entstanden und nach dem fälschlich dem heiligen Matthäus zugeschriebenem Evangelium über das Jugendleben Marias bearbeitet, ist in Reimen ausgeführt, mit fünfundachtzig ornamentierten Federzeichnungen geschmückt und in seiner Anlage und Durchführung gleich bewundernswert durch die es durchdringende Klarheit, edle Einfachheit, Folgerichtigkeit des Gedankenganges und natürliche Aneinanderreihung der belebenden Handlung.

 

Nach der Äußerung des Dichters Wernher selbst – war er ein Priester, der im Jahr 1172 sein Gedicht ferfertigte während eines Aufenthaltes bei seinem Freund Manigold, der ihm auch den Stoff gab und ihn nicht eher aus dem Haus entließ, bis er seine Arbeit vollendet hatte. –

 

Wie rührend ist dieser Marien-Sinn Manigolds, und wie köstlich die Marien- Liedesblüte, die er durch die über seinen Dichterfreund Wernher verhängte Gefangenschaft so zu sagen mit erzeugte! –

 

(Aus: Denkwürdige Bayern von P. Stumpf)