Das "Stabat mater der Krippe"

 

Giacopone da Todi, dessen Tauf- und Familienname Jakobus de Benediktis, italienisch – Benedetti – heißt, ist geboren zu Todi im Herzogtum Spoleto. Er war Doktor beider Rechte und als solcher Advokat von hohem, weitverbreitetem Ruf. Geizend nach Reichtum und Ehre, glaubte er seinem Glück endlich die Krone aufgesetzt zu haben, als er sich unter sämtlichen Jungfrauen Todis eine vollendet schöne, mit vornehmer Geburt, Reichtum und Tugend ausgestattete Braut erwählt und ehelich heimgeführt hatte. Hier aber traf ihn einer jener furchtbaren Schläge, die den Menschen zwingen, sich zu erinnern, dass es auch noch einen Gott gibt.

 

Die Stadt Todi feierte nämlich an einem Tag des Jahres 1268 ihre öffentlichen Spiele. Auch die junge Gemahlin des Jakobus de Benediktis befand sich unter den Eingeladenen. Sie saß auf dem für die Edelfrauen bestimmten Gerüst, um sich an dem Fest zu erfreuen und eine seiner anmutigsten Zierden abzugeben. Da brach das Gerüst plötzlich zusammen. Ihr Gemahl stürzte bei dem Getöse der brechenden Balken und des aus ihnen herausdringenden Schreiens herbei, zu seinem größten Entsetzen unter den Opfern auch seine Frau erkennend. Er trug seine angstvoll und schwer atmende Frau davon und wollte sie von ihrer Kleidung befreien. Sie aber sträubte sich gegen sein Trachten, bis er sie nach Erreichen eines einsamen Ortes endlich entkleiden konnte. Da entdeckte er unter ihren reichen Gewändern ein härenes, als Kasteiung getragenes Bußkleid, und in demselben Augenblick gab die Sterbende den Geist auf.

 

Dieser so allplötzliche Todesfall, diese Bußübungen bei einer in allen Verfeinerungen des Reichtums erzogenen jungen Frau, und dazu die Gewissheit der einzige Strafbare bei den Vergehen zu sein, die durch dieses härene Gewand gebüßt werden sollten, trafen den Rechtsgelehrten von Todi wie ein Blitzstrahl. Es verbreitete sich alsbald das Gerücht, der übermäßige Schmerz habe diesen großen Geist gestört. Er hatte nach einigen Tagen lautloser Erstarrung alle seine Habe verkauft, um sie unter die Armen auszuteilen. Und man fand ihn in den Kirchen wie in den Straßen in Lumpen gehüllt und von Kindern verfolgt, die ihn Jacopone oder Giacopone, d.h. „Jakobus den Wahnsinnigen“ nannten. Man erzählt sogar, dass er, zur Hochzeit seiner Nichte eingeladen, auf dieser ganz mit Federn bedeckt erschienen sei, vielleicht um der flüchtigen Vergänglichkeit der Vergnügungen der Welt zu spotten, die er durch seine Anwesenheit störte. Als seine Verwandten ihm wegen dieser Verirrung Vorwürfe machten, soll er geantwortet haben: „Mein Bruder meint unsern Namen durch seine Pracht zu verherrlichen; ich versuche dies durch meine Narrheit!“ Wirklich war denn auch gerade dieser Tor dazu bestimmt, das reiche, aber ungekannte Geschlecht Benedetti (de Benedictis) unsterblich zu machen. Er verhüllte die ersten Ausbrüche heldenmütiger Buße unter die Irrsale der Verzweiflung. Der Gedanke an den Tod ließ ihm keine Ruhe, und er suchte den Frieden in der Heiligen Schrift, die er von einem Ende zum anderen durchlas. Aus ihr lernte er durch freiwillige Armut die Genüsse seiner ersten Lebenszeit verbüßen, und statt des Beifalls, den er allzu sehr geliebt hatte, Demütigungen, Verachtung und Kinderspott zu suchen. Aus ihr lernte er, das Unrecht einer, nur zu oft der Ungerechtigkeit der Menschen geliehenen Beredsamkeit dadurch wieder gut zu machen, dass er sich, prophetenähnlich, durch Zeichen, die noch mächtiger als alle seine Reden waren, lehrte und warnte. Gleichwie der Prophet Jeremias auf den Plätzen Jerusalems mit gefesselten Händen und den Nacken unter das Joch gebeugt erschienen war, als Vorbild der den Juden bevorstehenden Gefangenschaft, ebenso zeigte sich Giacopone halbnackt, auf Händen und Füßen kriechend, gesattelt und gezäumt wie ein Lasttier. Die Umstehenden aber entfernten sich nachdenklich, indem sie sahen, wohin ein so glanzvolles und so beneidetes Los geführt hatte. Ein andermal bat ihn einer seiner Verwandten, vom Markt kommend, wo er ein paar Hühner gekauft hatte, sie in seine Wohnung zu tragen. Giacopone aber ging zur Kirche des heiligen Fortunat, in der jener seine Familiengruft besaß, und setzte die Hühner unter deren Steinplatten. Einige Stunden später kam der andere zornig zu Giacopone, dass er beim Nachhausekommen seine Hühner nicht gefunden habe. Dieser aber erwiderte: „Habt ihr mich nicht gebeten, sie in eure Wohnung zu tragen? Welch andere Wohnung habt ihr denn, als die, in welcher ihr bis zum jüngsten Tag sein werdet? David hat gesagt: Ihre Gräber werden ihre Häuser für die Ewigkeit werden!“ (Psalm 49,12) Solche Bibelstellen waren im Mittelalter an ihrem rechten Ort in Italiens Städten, wo ein heißblütiges aber schlichtes Volk sein Leben größtenteils auf den öffentlichen Plätzen zubrachte, und es war der Predigt wohl gestattet, sich Freiheiten zu erlauben, zu denen das Beispiel der Heiligen berechtigte.

 

Oftmals wendete sich Giacopone, wenn seine Narrenstreiche das Volk herbeigelockt hatten, an dasselbe, um ihm zu predigen, und griff, vermöge des ihm zugestandenen Rechtes alles, was er wolle, zu sagen schonungslos die Laster seiner Mitbürger an. Und dennoch hatte dieser Volksredner damals noch keine Mission, er hatte sich nur dem Dritten Orden des heiligen Franziskus von Assisi angeschlossen, dieser „Landwehr für die Gläubigen aus dem Laienstand“, die, ohne aus der Welt zu treten, dennoch unter den Gelübden der Armut und der Keuschheit leben wollten. Unstreitig war es damals, dass Giacopone, von den Rücksichten auf die Welt befreit, und noch nicht durch die Ordensregel selbst gebunden, sich eifrigst in das Studium der Gottesgelehrtheit, in die Geheimnisse der Mystik und die Fragen vertiefte, deren Verwegenheit er später einsah.

 

Nach Ablauf eines Jahrzehnts begriff er die ganze Gefahr einer Lebensweise, die allzu nachsichtig gegen die Leidenschaftlichkeit seines Gemüts und die Zuchtlosigkeit seines Geistes gewesen war. Da klopfte er im Jahr 1278 an die Klosterpforte, und begehrte unter die Minderbrüder aufgenommen zu werden. Wohl zögerten die Mönche anfangs, dem Geisteskranken den Einlass zu gestatten und vertrösteten ihn von einem Tag zum andern, bis er ihnen schließlich seine Seelen-Gesundheit dalegte, indem er ihnen zwei seiner kleineren Gedichte brachte, das eine in gereimten Latein, das andere in italienischen Versen. Das erste dieser beiden Gedichte ist die bekannte schöne lateinische Sequenz von der „Verachtung der Welt“, beginnt mit den Worten: „Cur mundus militat sub vana gloria?“ u.s.w. und lautet in der Übersetzung des deutschen Dichters Lebrecht Dreves:

 

Warum doch kämpft die Welt so sehr um eitle Pracht,

Deren Glückseligkeit verschwindet über Nacht?

Denn schneller nicht zerbricht als ihre eitle Macht

Ein irdenes Gefäß, durch Töpferhand gemacht!

 

Magst lieber auf ein Wort – in Schnee geschrieben – trauen,

Als auf der leidigen Welt leere Verheißung bauen;

Trug ist, was sie im Schein der Tugend dir zu schauen

Als Lohn gibt; denn du darfst zu keiner Zeit ihr trauen!

 

Weit lieber sei zum Trauen dem Glas, das bricht, bereit,

Als der armseligen Welt schnöder Glückseligkeit;

All ihre Träume sind falsch, baue zu keiner Zeit

Auf ihrer Weisheit Trug, auf ihre Eitelkeit!

 

Sprich: Wo ist Salomon, der einst so mächtig war,

Wo Samson, welchen nie besiegt der Feinde Schar?

Oder: Wo Absalon mit seinem schönen Haar?

Oder: Wo Jonathan, der liebenswerte, gar?

 

Wo ist nun Cäsar, der die halbe Welt gewann,

Wohin ist Xerxes nun, der schwelgerische Mann?

Sprich: Wo ist Cicero, der schöne Reden spann,

Wo Aristoteles, der Großes einst ersann?

 

So vieler Ahnen Ruhm, solch eine Spanne Zeit,

So vieler Mächtigen Schar, so viel Gewaltigkeit,

So vieler Reiche Zahl, so viele Herrlichkeit:

In einem Augenblick ist es dem Staub geweiht!

 

Ach, welch ein kurzes Fest ist, was die Welt uns beut!

Schnell wie sein Schattenbild schwindet des Menschen Freud:

Sie, die den Lohn ihm kürzt, den ihm der Himmel beut,

Und auf den Irrweg führt, der ihn zu spät gereut!

 

O Würmerspeise du! o Staub! o Aschenhauf‘!

O Dunst! o eitles Nichts! warum blähst du dich auf?

Weißt du, ob morgen nicht endet dein Lebenslauf?

Drum bau, so lang du kannst, das Glück des Nächsten auf!

 

O diese Leibeszier, die sich so stolz aufbläht,

Ein Grashalm ist sie nur, wie in der Bibel steht;

Denn wie ein leichtes Blatt spielend der Wind verweht,

Also die Lebenszeit des Menschen schnell vergeht!

 

Was du verlieren kannst, das nenne nimmer dein,

Was dir die Erde reicht, zieht sie auch wieder ein:

Der Himmel sei dein Ziel, ihm lass dein Herz sich weihn,

Wer diese Welt verschmäht, glücklich ist der allein!

 

Es hatte den Anschein, als ob Giacopone in dem Augenblick, wo er Vermögen, Beifall und Treiben der Öffentlichkeit aufgab, auch allem entsage, was das Geistesleben nährt. Seine Freunde konnten beklagen, dass ein so reicher Geist sich in das Schweigen des Klosters, wie die Welt sich auszudrücken pflegt, begraben wolle. Aber seine Freunde täuschten sich, und dieser Mann, der sich aller Dinge zu entäußern schien, machte sich nur frei von ihnen. Für das Gemüt eines Dichters ist die Dichtung nur gleich der im Marmor schlummernden Bildsäule. Sie ist darin gefangen, und er befreit sie daraus. Gleichwie sein Meißel jene Steinsplitter absprengt, welche die vom Bildhauer erfundene Gestalt verbergen, ebenso hatte die Buße, in wiederholten Schlägen Giacopone treffend, die Hüllen der Sinnlichkeit, der Eitelkeit, des Eigennutzes, unter denen die Einbildungskraft Giacopones gefangen lag, eine nach der anderen entfernt. Dadurch, dass er sich dem Weltverkehr entzogen hatte, stand er Gott und der Natur nur um so näher, er liebte mit um desto uneigennützigerer, hellsehenderer Liebe, die in allen Werken der Schöpfung gegenwärtige, wenn auch verschleierte, ideale Schönheit. In seinen stärksten Verzückungen, wenn er von Gott allein erfüllt schien, rief er: „Ausgehen will ich auf’s Geratewohl, besuchen die Täler, die Berge und die Ebenen. Ich will sehen, ob mein guter Stern mich dort meiner so innigen Liebe begegnen lässt! Alles, was die Welt in sich schließt, drängt mich zu lieben! Die Tiere des Feldes, die Fische der Meere, alles, was in den Lüften schwebt, alle Geschöpfe singen von meiner Liebe!“ Wenn aber eine Seele diesen Lobgesang der Geschöpfe einmal versteht, währt es nicht lange, bis sie ihn wiederholt, und ihren bewegten Lippen entströmt dessen Weise von selbst. Dann aber fand Giacopone, als er ins Kloster trat, dasselbe bereits durchtönt von den Gesängen des heiligen Franziskus von Assisi und des heiligen Bonaventura. Es ist demnach nicht zu verwundern, dass er sie fortsetzte, sie übertraf, und dass dieser, in Fasten und Gebet versenkte, Bekehrte in ihnen unsterbliche Verse erfand.

 

Er hatte nun die Wahl zwischen seinen beiden in Gott geliebten Meistern, zwischen den italienischen Liedern des heiligen Franziskus und den lateinischen Sequenzen des heiligen Bonaventura. Die „Sequenz“ gefiel als Dichtungsform mit ihren gezählten Reimversen, den Ohren des Volkes durch einen Silbenfall, der leichter zu fassen war, als die gelehrte Prosodie der Alten. In der Kirche war jene schon seit der Zeit des heiligen Augustinus eingeführt, dann in den Schulen des Mittelalters gepflegt worden, und erreichte im 13. Jahrhundert ihre höchste Blüte. In ihr hatte der heilige Thomas von Aquin seine bewundernswerten Prosen für das hochheilige Fronleichnamsfest geschrieben, und der von Thomas von Celano gedichtete, das Herz des Herzens erschütternde Gesang vom Weltgericht (Dies irae, dies illa) ließ darin seine drohenden Strophen unter den Gewölben der Kirche dahinrollen. Giacopone ergriff diese Weise, um die schmerzhafte Muttergottes klagen zu lassen, und dichtete sein wunderbares „Stabat mater dolorosa“. Die ganze Liturgie der katholischen Kirche besitzt nichts Rührenderes, als diese Klage der allertiefsten Trauer, deren eintönige Verse gleich Tränen herabgleiten, die so sanft ist, dass man wohl in ihr einen göttlichen, durch die Engel gemilderten Schmerz erkennt, in ihrem Volkslatein so weich, dass die Frauen und Kinder sie halb durch die Worte und halb durch Gesang und das Herz verstehen.

 

Dieses unvergleichliche fromme Werk würde für den Dichterruhm Giacopones ausreichen, aber er hat gleichzeitig mit diesem allbekanntem „Stabat Mater dolorosa“ auch noch ein „Stabat Mater der Krippe“ gedichtet, in welchem die allerseligste Jungfrau Maria hochbeseligt durch die unbefleckte Mutterfreude erscheint. Er hat dieses letzte „Stabat der Muttergottesfreude“ in dem Versmaß und in genau den Reimen wie jenes „Stabat des Muttergottesschmerzes“ geschrieben, so dass man einen Augenblick zweifeln könnte, welcher Gesang der frühere sei, der Gesang der Trauer oder der der Freude. Diese beiden Proben der inniglichsten und ehrwürdigsten Poesie sind auf die Nachwelt gekommen. Doch ist das „Stabat mater dolorosa“ mehr bekannt, weniger jedoch das „Stabat mater speciosa“, das süße Lied von der Krippe.

 

Es folge hier dieser Freudengesang mit allem kaum wieder zu gebenden Reize der lateinischen Sprache, der Weise und der altertümlichen Einfalt in der schönen deutschen Übersetzung, verfasst von Melchior von Diepenbrock, weiland Kardinal und Fürst-Bischof von Breslau. Er lautet:

 

An der Krippe stand die hohe

Mutter, die so selig frohe,

Wo das Kindlein lag auf Streu.

 

Und durch ihre freudentrunkne,

Ganz in Andachtsglut versunkne

Seele drang ein Jubelschrei.

 

Welches freud’ge, sel’ge Scherzen

Spielt im unbefleckten Herzen

Dieser Jungfrau-Mutter froh’n!

 

Seel‘ und Sinne jubelnd lachten

Und frohlockend im Betrachten,

Dies ihr Kind sei Gottes Sohn.

 

Wessen Herz nicht freudig glühet,

Wenn es Christi Mutter siehet

In so hohem Wonnetrost?

 

Wer wohl könnte ohn‘ Entzücken

Christi Mutter hier erblicken,

Wie ihr Kindlein sie liebkost?

 

Wegen seines Volkes Sünden

Muss sie zwischen Tränen finden

Christum frosterstarrt auf Stroh;

 

Sehen ihren süßen Knaben

Winseln und Anbetung haben

In dem Stalle kalt und roh.

 

Und dem Kindlein in der Krippe

Singt der Himmelsscharen Sippe

Ein unendlich Jubellied;

 

Und der Jungfrau und dem Greisen

Fehlen Worte, um zu preisen,

Was ihr staunend Herz hier sieht.

 

Eja Mutter, Quell der Liebe,

Dass auch ich der Inbrunst Triebe

Mit dir fühle, fleh‘ ich, mach‘!

 

Lass mein Herz in Liebesgluten

Gegen meinen Gott hinfluten,

Dass ich Ihm gefallen mag!

 

Heil’ge Mutter, das bewirke,

Präge in mein Herz und wirke

Tief ihm Liebeswunden ein;

 

Mit dem Kind, dem Himmelssohne,

Der auf Stroh liegt mir zum Lohne,

Lass mich teilen alle Pein!

 

Lass mich seine Freud‘ auch teilen,

Bei dem Jesulein verweilen

Meines Lebens Tage all‘;

 

Lass mich dich stets brünstig grüßen,

Lass des Kindleins mich genießen

Hier in diesem Jammertal!

 

O mach allgemein dies Sehnen,

Und lass niemals mich entwöhnen

Von so heil’gem Sehnsuchtsstrahl!

 

Jungfrau aller Jungfrau’n, Hehre,

Nicht dein Kindlein mir verwehre,

Lass mich’s an mich ziehn mit Macht!

 

Lass das schöne Kind mich wiegen,

Das den Tod kam zu besiegen

Und das Leben wiederbracht‘!

 

Lass an ihm mit dir mich letzen,

Mich berauschen im Ergötzen,

Jubeln in der Wonne Tanz!

 

Glutentflammet von der Minne

Schwinden staunend mir die Sinne

Ob solches Verkehres Glanz!

 

Lass vom Kindlein mich bewachen,

Gottes Wort mich rüstig machen,

Fest mich in der Gnade stehn!

 

Und wenn einst der Leib verweset,

Lass die Seele dann, erlöset,

Deines Sohnes Glorie sehn!

 

Die Anmut dieses Liedes von Maria bei der Krippe erinnert unwillkürlich an ein altes Gemälde von Lorenzo da Credi, die hochheilige Geburt Christi im Stall zu Bethlehem darstellend. In diesem sieht man im Vordergrund das göttliche Christkind an der Erde auf wenigem Stroh liegend, neben ihm steht der heilige Josef auf seinen Stab gestützt, während die Jungfrau Maria, mit aller Andacht einer Heiligen und der vollen Freude einer jungen Mutter, vor ihm kniet. Zu beiden Seiten und im Hintergrund erscheinen die Engel; so wie denn auch der Maler das Öchslein und das Eselein, diese guten Freunde der Krippe nicht vergessen hat, denen das fromme, dankbare Volk auch ihr Teil an der Weihnachtsfreude spendete.

 

(Aus: Italiens Franziskaner-Dichter im XIII. Jahrhundert von A. F. Ozanam)