Zweijährige Gartenblumen

 

Mit Absicht habe ich den Gartenflor in ein- und zweijährige Pflanzen abgeteilt. Einmal müssen wir das wissen wegen der Aussaatzeit und das andere Mal sind die zweijährigen Blumen für unseren Zweck darum so wertvoll, weil bei aufmerksamer Pflege im zweiten Jahr manche sehr frühzeitig blühen, so dass man um Ostern und im Maimonat einen schönen Flor haben kann, nur muss man für diesen Fall die Pflanzen in Töpfen kultivieren. Ich muss gestehen, Ostern war mir früher viel schlimmer für eine schöne Dekoration als Weihnachten. Seit einigen Jahren aber bin ich gar nicht mehr in Verlegenheit. Die Auswahl solcher Blumen ist zwar nicht sehr groß, aber sehr schön. Auch sind nicht alle genau zweijährig, manche halten auch länger aus, blühen dann später aber nicht mehr so kräftig. Im Allgemeinen sät man die zweijährigen Blumen im Mai ins Freie und topft vor Herbst jene, die gefüllte Knospen zeigen, ein. Bei anderen wähle man nie die üppigsten, sondern eher die, die etwas krüppelhaft erscheinen, da diese eher Füllung haben. Bei Einfachen nehme man die kräftigsten Exemplare.

 

Der zweijährige Flor ist in seinen einzelnen Exemplaren sehr verschieden; manche mehr für den Topf, manche mehr für das freie Land bestimmt; darum wollen wir ihn etwas näher beleuchten. Die Topfüberwinterung geschieht im kalten frostfreien Zimmer, bei möglichst viel Luft und Licht. Einige vorübergehende Grade Kälte schaden in der Regel nicht, und die im Garten stehen, sind gehörig zu decken mit Streu, Flachsausfall, Tannenreisig etc. Hier sind für unsere Zwecke besonders empfehlenswert:

 

1. Calceolaria, Pantoffelblume. Ende Juni sät man den Samen in die Töpfe, die mit Heideerde und Sand gemischt, gefüllt sind und mit Glasscheiben überdeckt werden. Man gibt ihnen einen luftigen schattigen Standort und hält sie regelmäßig feucht. Sobald man die Pflanzen fassen kann, zwickt man die Wurzelspitzen ab und setzt sie um in kleine Töpfchen mit derselben Erde, und überwintert sie wie oben angegeben. Sie sind nur Topfpflanzen, ihre Kultur ist schwierig, aber großartig schön, wenn man sie davonbringt. Die Kultur ist nur den Meistern der Zimmergärtnerei anzuraten. Viel empfehlenswerter als diese ist: Calceolaria rugosa hybrida, strauchartige Calceolaria, mit gelben oder braunen Blumen. Dieselbe gedeiht bei mir vorzüglich, darf nie ins warme Zimmer, verlangt leichte fette Erde und pflanzt sich durch Ableger, im Winter eingesetzt, am besten fort. Licht und Luft auch im Winter, perenniert und ist viel leichter zu kultivieren, als obige zweijährige.

 

2. Cineraria, Aschenblume, den meisten durch ihre blauweißen Sternenblümchen in Doldenform bekannt und im ersten Frühjahr viel gekauft. Behandlung wie bei den Pantoffelblumen, nur verlangen sie recht mit Sand gemischte fette Garten- und keine Heide-Erde. Ihre Kultur ist leichter als die obige, nur dürfen sie gar nicht mit dem geringsten Frost in Konflikt kommen, sonst gehen sie sogleich zu Grunde. Gewöhnlich bilden sie eine herrliche Zier des Maialtares und sind meist sehr billig zu kaufen. Nur Topfpflanze! Man sät sie Ende Mai, bringt sie sobald es geht in kleine Töpfe und verpflanzt sie im Oktober noch einmal in größere. Dann werden sie ins kalte Zimmer gebracht und im Februar beginnt der Flor. Wenn die Farben der Blüten sich zeigen, dürfen sie auch unbehelligt ins warme Zimmer gebracht werden, aber nicht früher. Da sich im Zimmer gern Blattläuse ansetzen, muss man sie oft reinigen und flüssig düngen. Im Frühjahr sind sie mein erster Staat.

 

3. Cheirantus incanus, Winterlevkojen. Dieser treffliche Helfer in der Not ist eine bekannte, wohlriechende, schöne Pflanze, besonders in den gefüllten Sorten. Am besten sät man sie im Mai ins Freie aus, und dann zeigen sich bis zum Eintopfen im Herbst bereits die Knospen, wobei man die einfachen gleich ausscheidet. Als schönste Sorte sind die Kaiser-Winterlevkojen besonders zu empfehlen. Wenn die verblühten Stängel stets gleich abgeschnitten werden, blühen sie den ganzen Sommer. Beim Eintopfen ist große Vorsicht notwendig, dass sie gute Ballen behalten, sonst sind sie zäh im Anwachsen. Mehr Topfpflanzen als Gartenblumen. Sehr zu empfehlen!

 

4. Cheirantus Cheiri, Goldlack, Goldveil, Veil etc. benannt. Auch diese bestimmte Art sät man am besten ins freie Land, wo sie bei starkem Frost Schutz verlangen, sonst gehen sie zugrunde. In den gefüllten Arten auch eine prachtvolle Topfpflanze mit herrlichem Wohlgeruch. Für Töpfe bestimmte setzt man im September ein. Die jungen Pflanzen sind im Garten sobald als möglich an Ort und Stelle zu setzen, weil sonst die Wurzeln nicht leicht viel Erde behalten und dann schwerlich mehr anwachsen.

 

5. Collinsia, Collinsie, noch wenig bekannt. Man sät sie im August in Töpfen und überwintert sie wie oben bei Luft und Licht. Sie geben dann einen herrlichen Frühlingsflor und gedeihen in jedem Boden fast ohne alle Schwierigkeiten. Man kann sie auch im Frühjahr ins Freie säen, wo sie sich als Einfassung sehr gut eignen. Für unsere Zwecke weniger wertvoll, da man an ihrer Stelle Besseres haben kann.

 

6. Campanula medium, Glockenblume, eine prächtige Pflanze, fürs freie Land und für Töpfe. Viele dieser Species sind gefüllt und blühen in prachtvollen Farben. Zu dieser Gattung gehört auch die mancherorts viel gezüchtete Campanula pyramidalis, Pyramide genannt, die blau und einfach blüht und oft 1 ½ Meter hoch wird. Auch so ein Paar ist ein pompöser Altarschmuck. Die Kultur bietet wenig Schwierigkeit und blühen sie erst im zweiten Jahr. Überwintern schwach gedeckt gut im Freien und können kurz vor der Blüte ohne Störung in Töpfe gepflanzt werden, weshalb sie sehr praktisch sind. C. pyramidalis verlangt Topfkultur und je größer der Topf, desto größer die Pflanze und desto zahlreicher die Unzahl der kleinen Glocken.

 

7. Viola tricolor, Stiefmütterchen, Pensèe. Im August gesät, blühen sie im kommenden Frühjahr. Mehr eine Gartenblume als Topfblume und mehr geeignet die Rabatte als die Altäre zu zieren. Weil beliebt und auch „Dreifaltigkeits-Blume“ genannt, soll sie hier nicht stiefmütterlich behandelt sein durch Wegbleiben.

 

8. Dianthus caryophyllus, Gartennelke, Grasnelke, wohlriechende Nelke. Die zweijährige Pflanze ist eine Pracht in Topf und Garten, dabei meist hart und weniger empfindlich. Mitunter hält sie länger als zwei Jahre, ist dann aber meist nicht mehr so voll und kräftig. Man sät sie im Mai auf ein mit Kompost zersetztes Beet oder in Töpfe und gießt fleißig Wasser beim Aufgehen der Saat gegen Abend. Später verpflanzt man sie einmal und deckt sie bei starkem Frost im Winter. In Töpfen erfordern sie Luft und Licht. Auch gibt es gegenwärtig Remontant-Nelken, die nach dem Verblühen abgeschnitten, sofort neue Blüten treiben. Die unübertroffensten sind: Souvenir de la Malmaison, Gloire de Nancy, Prince d`Orange und de Grenadin. Diese blühen bei richtiger Behandlung fast das ganze Jahr. Zur richtigen Behandlung fast das ganze Jahr. Zur richtigen Behandlung gehört fette Erde und Entfernen aller verblühten Blumen. Aber auch die gewöhnlichen Landnelken sind einzig durch ihre Blütenpracht; und frühblühend und etwas niedriger die Wiener Zwerg-Nelken. – Letztere sehr zu empfehlen.

 

9. Lychnis Haageana, Lichtnelke, ist eine besonders schöne 2jährige Blume, die ebenfalls für Bindereien alle Empfehlung verdient.

 

10. Dianthus barbatus, die Bartnelke, Buschblume, Putschenblume, fälschlich Grasnelke mancherorts zubenannt. Auch sie ist eine zweijährige, wenn sie schön sein soll. – Am besten sät man sie im Juni. Sie sind winterhart und vertragen bei mir alle Unbilden. Nichtsdestoweniger liefern sie durch ihre herrliche Farbenpracht gutes Ziermaterial. Einmal im Garten, pflanzen sie durch Samenausfall meist sich selber fort.

 

11. Delphinium chinense, chineser Rittersporn, ist noch viel zu wenig verbreitet und doch ist er eine Prachtblume ersten Ranges. Wer diesen beliebten Rittersporn mit der niedlichen feingespitzten Belaubung und den in den verschiedensten blau und weiß variierenden Blumen mit langen Stielen einmal gesehen hat, der wird sich für sie begeistern und sie in jedem Strauß und Kranz gern verwenden. Hält oft auch länger als zwei Jahre aus.

 

Kulturregeln: Bei den zweijährigen Pflanzen ist zu merken, dass sie im ersten Jahr nur zu kräftigen, blütelosen, buschigen Pflanzen gedeihen, womit ihre Kultur erst halb vollendet ist. Große Sorge ist bei der Überwinterung anzuwenden. Ins frostfreie helle Zimmer gehören Calceolarien, Cinnerarien, Winterlevkojen; Bedeckung verlangen bei stärkerem Frost Goldlack, Collinsien, Gartennelken (feinere Sorten stets). Die übrigen kommen unbedeckt durch. Im Winter ist im Zimmer nur mäßig zu gießen. Im Februar entfernt man alle faulen Blätter, lockert die Töpfe, gibt Luft und Licht bei gutem Wetter und flüssige Düngung und bald wird die neue Vegetation und reichster Blütenschmuck sich entfalten.

 

Auch von diesen Arten sind bei größeren Gärtnereien stets Pflanzen zu haben und von jeder Sorte werden einige genügen, um im ersten Frühjahr nie in Verlegenheit zu kommen. Am besten kauft man diesen Vorrat Ende August bis Anfang September, damit die Pflanzen in Topf und Land vor Winter noch anwurzeln.