Vorschriften der Kirche

 

Wir haben gesehen, dass der Pflanzenschmuck im Gotteshaus zunächst durch eingebürgerte Gewohnheit entstanden ist, dem später die kirchlichen Vorschriften folgten. Diese Gewohnheit hat dadurch eine gewisse rechtskräftige Bestätigung erlangt und dermaßen bei unserem Volk Wurzel gefasst, dass sie ohne Scandalum an höheren Feiertagen wenigstens schwerlich mehr unterlassen werden kann. Und wo Schmuck und Zier an solchen Tagen unterbleiben, schließen wir mit Recht auf einen nachlässigen Wächter des Heiligtums. Die Kirche hat die Sache akzeptiert, erlaubt und gutgeheißen, und das soll uns genügen. Das aber war auch genug, um den Eifer in diesem Punkt bis zum Übereifer anzuspornen, so dass die Kirche sich genötigt sah, Verordnungen zu erlassen, den Übereifer in die richtigen Schranken zurückzuweisen.

 

Die Erlaubtheit des Pflanzenschmucks nun geht bereits aus der angeführten Stelle hervor. Nur ist dort darauf zu achten, dass es heißt: „Nach Verschiedenheit und Forderung der Jahreszeiten.“ Daraus folgt, dass ebenda von natürlichen und nicht von gemachten Blumen die Rede ist. Die einzige Stelle, soweit mir bekannt, die auch gemachte, künstliche Blumen zulässt, ist die Nr. 12 ebendesselben Ceremoniale. Da ist von Aufstellung der Reliquien die Rede, wenn Anordnung und Länge des Altares dies gestatten, und dann heißt es weiter: „Aber auch Gefäße mit Blumen und wohlriechendem Laub oder aus Seide gewebt, können, schön verziert, Anwendung finden.“ Hierzu bemerkt das Prager Konzil von 1860: „Obwohl Gefäße mit künstlichen Blumen aus Seidenstoff eine dienliche Zierde des Altares abgeben können, so verdienen doch natürliche Blumen und wohlriechendes Pflanzenwerk den Vorzug.“

 

Demgemäß kommen Blumen aus Seide erst in zweiter Linie und dann erst sollen sie aus dem kostbaren Stoff der Seide hergestellt sein. Von diesem aber auf Seidenpapier, Blech und Pappendeckel schließen zu wollen, ist gewiss ebenso unerlaubt als von Öl auf Petroleum, von Leinwand auf Baumwolle, von Weihrauch auf Fichtenharz, von Wachs auf Stearin und Talg seine Schlüsse zu ziehen. Armut, die oft vorgeschützt wird, kann hier am wenigsten gelten, da lebendige Pflanzen billiger sind als gemachte und gekünstelte.

 

Das „studiose ornata“, schön verziert, bezieht sich auf die Gefäße. Dementsprechend wird man für schöne Vasen bei Straußblumen und für saubere und reinliche Töpfe bei Topfblumen zu sorgen haben. Papiernen und hölzernen Umhüllungen kann ich indes nicht das Wort reden, eher würde ich für brillante Übertöpfe stimmen, in die man gewöhnliche Blumentöpfe hineinsenkt. Aus dieser Stelle zu schließen, dass nur Vasen mit Sträußen am Altar erlaubt seien, scheint mir zu weit gegangen.

 

Hierin gehört dann zunächst eine Bestimmung, die vorschreibt, den Altar mehr zu schmücken als zu belasten. Darum gehört dazu vor allem auch eine schöne Schmuckverteilung und keine Überladung und Überfüllung. Einfach aber schön und geschmackvoll ist der beste Altarschmuck.

 

Eben hierhin gehört weiter die Entscheidung der heiligen Kongregation der Riten vom 3. April 1821 und vom 18. März 1836, die so lautet: „Die Gewohnheit ist nicht zu dulden, dass die Reliquien der Heiligen oder gemalte Bilder auf den Tabernakel gestellt werden, in dem das heiligste Sakrament aufbewahrt wird, so dass der Tabernakel als Grundlage dient. Ebenso passt es durchaus nicht, solche Dinge an der Öffnung oder am Eingang des Tabernakels anzubringen.“ Das hier Gesagte gilt offenbar auch vom lebendigen oder vom toten Altarschmuck. Denn Reliquien und dergleichen sind offenbar geheiligtere und heiligere Dinge als Pflanzen und Blumen. Dennoch ist es nicht erlaubt, den schönsten Strauß oder Blumenstock mitten auf den Tabernakel zu stellen, wie es so vielfach, so häufig und so gerne geschieht. Aber ebenso ist es unerlaubt, den Rand des Tabernakels mit „verzierten Kränzen“ zu umwickeln, was ebenfalls vielerorts zu geschehen pflegt. Diesen Schmuck verbietet offenbar die Feuersgefahr in der Nähe des Allerheiligsten. Endlich verbietet noch eine Rubrik, nichts auf die Mensa, den Tisch des Altares zu stellen, zu setzen oder zu legen, was unpassend ist, auch nicht des Benedizierens wegen. Das gilt voll und ganz von allen Dekorationsgegenständen. Die Mensa ist der Raum der heiligen Opferhandlung und muss dieser für alle Fälle reserviert bleiben.

 

Nach diesen Vorschriften bleibt einzig zur Dekoration des Altares die Kerzenbank und der Aufsatz desselben noch übrig. Das aber ist für unsere Zwecke auch gerade Platz genug. Hier gilt es seine Kunst zu entfalten, jedes geeignete und passende Plätzchen auszuspähen und das vorhandene Material geschmackvoll anzuordnen. Nur versteht es sich von selbst, dass man bei allem die nötige Vorsicht walten lässt, dass kein Material umfällt oder umgestoßen werden kann. Lieber keinen Schmuck als mit solcher Gefahr.

 

Der kirchlichen Vorschriften sind nicht viele. Daher ist es umso leichter, sie zu beobachten, und ihre Beobachtung soll uns Herzenssache sein. Mancherorts wird man auch hier mit eingerosteten Gewohnheiten zu kämpfen haben und nur langsam und mühsam werden sie vielfach auszurotten sein. Aber auch hier wird es gehen, wie fast überall. Sind die kirchlichen Vorschriften einmal durchgeführt, dauert es nicht lange und man findet es endlich so doch am schönsten. In der Tat aber kann es niemand schöner erdenken und ersinnen, als die Kirche es lange vor uns erdacht, ersonnen und vorgeschrieben hat.