Verteilung des Schmuckes auf die Feste und Zeiten

 

Je nach der Höhe des Festtages soll der Schmuck des Gotteshauses schön, reichlicher und am umfangreichsten sein. Dann aber soll die Entfaltung des Schmuckes in seiner größten Entwicklung sich nach der Ehre richten, die dem heiligsten Sakrament, dem zu feiernden Geheimnis, der heiligen Gottesmutter oder den Heiligen angetan werden soll. An gewöhnlichen Sonntagen schmückt man die Kirche entweder gar nicht, oder man stellt ein paar schöne Blumenstöcke, oder ein paar Sträuße in Vasen auf. Schmuck ist zwar an diesen Tagen nicht geboten, aber durch eine geringe Schmückung, den Sonntag vom Werktag zu unterscheiden, ist besonders im Sommer, wo es bei gutem Willen an solchem Schmuck ja niemals fehlt, schön und erbaulich.

 

An Festen zweiter Klasse, die am Sonntag gefeiert werden, schmückt man etwas reichlicher. Man stelle zwei Blumenstöcke in Töpfen und vier Vasen mit Sträußen auf und umgekehrt.

 

An den Festen erster Klasse kommt es auf den Rang an, der ja kirchlich genau fixiert ist. Hier gelten die Feste des Herrn höher, als die der heiligen Gottesmutter und diese höher als die der Heiligen. Und unter den Heiligen ist es dann wieder der Kirchenpatron, der eine besondere Auszierung der Kirche erfordert. Ferner aber gehören zu jenen Festen, wo wir den schönsten Schmuck entfalten sollen, das Fest der Kirchweihe und der Tag des 12- und 40stündigen Gebetes.

 

Demnach würde sich die Sache so gestalten. Das Menschenmögliche wäre zu leisten am Fronleichnamstag. Das Beste und Schönste an Ostern, Pfingsten, Maria Himmelfahrt, Weihnachten, Bettag, Kirchweihe, Patronatsfest. Schön und gut am Weißensonntag, Christ Himmelfahrt, Peter und Paul, Allerheiligen, Dreikönigsfest. Weniger reich nach obiger Angabe.

 

Am Fronleichnamstag schmückt man die ganze Kirche. An den Hauptfesten Kirche und Chor, an den andern Hochaltar und Seitenaltäre, und an den weiteren den Hochaltar allein in abnehmenden Grad. Auf diese Weise trägt man bei zur Hebung des Festgeistes und der festlichen Stimmung. Dann aber wird dadurch auch Plan und Ordnung geschaffen und steht die kirchliche Schmückung in Einklang mit den Paramenten und ihrer Verteilung, mit der Musik und der Entfaltung des Fahnenschmuckes etc. An Muttergottesfesten weniger feierlicher Art, die an Sonntagen gefeiert werden, pflege ich den Muttergottesaltar besonders zu zieren, und solange es Blumen gibt, bekommt er wenigstens seinen Strauß, der Samstagabend vor dem Salve aufgestellt zu werden pflegt. Ist ein solches Fest mit dem Titel solemnitas versehen, wird der Schmuck etwas reichlicher, indem dem Strauß noch zwei, vier oder sechs Blumenstöcke beigefügt werden. Öfters kommt es daher vor, dass in solchen Fällen der Muttergottesaltar reichlicher geschmückt ist als der Hochaltar, ja, dass letzterer gar nicht geschmückt ist. In Kirchen, wo es keinen Muttergottesaltar gibt, kann man wo möglich einen Strauß vor dem Bild der allerseligsten Jungfrau anbringen. An höheren Muttergottesfesten ziert man Hochaltar und Muttergottesaltar.

 

Am Patronatsfest ist es dann auch in der Ordnung, den Altar oder das Bild des Patrons durch einen besonderen Schmuck zu ehren.

 

Auch andere Altäre sollen ihren Strauß bekommen, wenn die Feier der betreffenden Heiligen auf den Sonntag fällt.

 

Bei anderen Anlässen im Monat März, Mai, Juni gilt es dann nicht selten dem heiligen Joseph, der Maienkönigin, dem heiligen Herzen Jesu einen ganzen Monat lang einen besonderen Schmuck zu bereiten. In solchen Fällen ist es ratsam, den Schmuck zu wechseln, die Szenerie zu ändern, damit nicht dieselben Pflanzen dadurch leiden, dass sie zu lange in der Kirche sind. – In der Advents- und Fastenzeit unterbleibt, mit Ausnahme von größeren einfallenden Festen, der Kirchenschmuck gänzlich. Nur erfordert der Sakramentsaltar am Gründonnerstag eine entsprechende Verzierung, ebenso das heilige Grab bei der Auferstehungsfeier. Endlich ist es auch Gewohnheit, schön, geschmackvoll und sinnreich zu dekorieren bei außerordentlichen Veranlassungen, Missionen, Wallfahrtskirchen, Einzug des Bischofs etc.

 

Natürlich lässt sich diese Schmuckverteilung nicht mathematisch abgrenzen und richtet sich in erster Linie nach der Jahreszeit und dem Vorhandensein des Schmuckes. Ich habe die Verteilung von mir und meinen Blumen hergenommen, und glaube, dass es auf diese Weise wohl am schönsten und praktischsten wäre. Bei einigem Blumenvorrat und gutem Willen wird sich übrigens diese Stoffverteilung recht gut handhaben lassen und gewiss überall den besten Eindruck machen.