Verteilung des Schmuckes auf dem Altar

 

Hier habe ich speziell den Hochaltar im Auge, denn der Schmuck der Seitenaltäre ergibt sich meist von selbst, oder kann ebenfalls bei ausreichendem Vorrat nach dieser Verteilung angeordnet werden. Diese Verteilung muss stets in den beiden Grenzen gehalten werden, nicht zu viel und nicht zu wenig.

 

Zunächst verteilt sich der Schmuck in einen grünen Schmuck, einen Blumenschmuck oder in einen gemischten Schmuck. Damit soll gesagt sein, dass es am Platz ist, den Altar mit reinem puren Grün zu schmücken und davon muss man im Winter häufig gebrauch machen. Dabei ist vor allem zu sorgen, dass man ein recht verschiedenes Grün hat, helles und dunkles, schmales und breites, einfarbiges und buntes. Besonders durch letzteres, wohin Aucuba, Evonymus, Ilex-Arten etc., ja selbst Winterastern mit bunter Belaubung gehören, erhält das Grün einen blumenartigen Anstrich und Leben.

 

Mitten im Sommer aber, wo die ganze Natur in Blumen prangt, wäre ein solcher reiner Blattschmuck nicht am Platz, da kann man zur Abwechslung auch einmal zum puren Blumenschmuck greifen, von dem ich am Fronleichnamstag, wo ich die Topfpflanzen am Fronleichnamsaltar, an Seitenaltären, Hausfenstern etc. notwendig brauche, regelmäßig Gebrauch mache. Ein Altar, vollgestellt mit vielen, schönen und geschmackvollen Blumensträußen, die schön geordnet und in herrlichen Vasen prangen, ist nach meiner Ansicht wohl die schönste Altardekoration.

 

Im Übrigen wird man den Schmuck meist gemischt anbringen, Schnittblumen in Vasen und Topfblumen.

 

Zweitens ist der Schmuck auf dem Altar dreifach zu verteilen möglich: In einen hohen Schmuck, in einen niedrigen und in einen hohen und niedrigen. Die erste Art besteht darin, dass man seine Pflanzen so anbringt, dass sie gleichsam eine geschlossene Wand bilden bis zur Höhe des Kerzenleuchters etwa so, dass rechts und links vom Tabernakel gleichsam eine schöne geordnete Pflanzengruppe sich erhebt. Aber auch das ist nicht immer notwendig, obwohl man bei Mangel an Platz auf der Kerzenbank und bei Vorrat von höheren Pflanzen meist auf diese Dekoration angewiesen ist. Ebenso gut und schön aber kann man die Dekoration auch niedrig etwa Fuß hoch halten und doch prachtvoll dekorieren. Das geschieht durch niedrige, und wo möglich blühende Pflanzen. Wer z.B. ein Freund ist von Blumentreiben, der könnte an Ostern, wenn er nichts hätte als Hyazinthen, Tulpen, Maiblumen, Primeln, prachtvoll mit ihnen dekorieren, wenn er die Pflanzen in zwei Reihen gruppierte und die hinterste etwas erhöhte.

 

Die schönste und feinste Dekoration aber besteht nach meinem unmaßgeblichen Geschmack darin, dass man den niedrigen Schmuck mit dem hohen vereinigt, dazu braucht man Blumenbäumchen. Hat man deren etwa vier, die zusammenpassen und durch schöne Blüten oder durch Laub sich auszeichnen, so stellt man sie frei in den niedrigen Schmuck, so dass die Kronen oder die Blüten allseitig sich erheben. Beim niedrigen Schmuck muss man stets darauf bedacht sein, ihn in kleinen Töpfen zu halten. Darin blühen die meisten Pflanzen früher und man kann am Altar mehr anbringen. Weiter verteilt sich der Schmuck am Altar in Gruppenpflanzen und in Solitär- oder Einzelpflanzen.

 

Die Gruppenpflanzen sind solche, die man braucht, um ein Ganzes zu formieren, die Solitärpflanzen sind solche, die allein frei und einzelnstehend von bester Wirkung sind. Nach geeigneten Plätzen für solche muss man bei jedem Altar Umschau halten. Wohl bei jedem lässt sich wenigstens ein Paar anbringen. Nur darf der Platz nicht gar zu hoch sein, weil sie dann in der Regel verschwinden. Meist lassen sie sich bei Tabernakelaltären vorteilhaft verwenden. Auch bei höheren Aufsätzen findet sich meist ein Absatz, auf dem sie angebracht werden können, und ist hie und da der Platz zu klein, so ergänzt man ihn durch Anbringung eines Brettes, eines Sockels, einer Konsole etc. Unten wird von den Arten und Sorten all dieser Pflanzen die Rede sein. Nur möchte ich hier erwähnen, dass doch jeder Seelsorger sich ein Paar echte Palmen halten soll. Wir werden sehen, dass es Sorten genug gibt, die im Zimmer prächtig gedeihen und durchaus nicht so teuer sind. Für ein paar Mark bekommt man schon recht hübsche Pflanzen. Jesus, der einst unter Palmen wandelte, wird gewiss seine Freude daran haben, wenn er in unserem nordischen Klima auch im Schatten der Palmen wohnen darf. Und für den Winter ein schönes Zedernpaar wäre ebenso am Platz, als Erinnerung der so oft in der heiligen Geschichte genannten Zedern auf dem Libanon.

 

Endlich teilen wir den Schmuck des Altares noch ein in Stehpflanzen, Schlingpflanzen und Hängepflanzen. Letztere empfehle ich am Hochaltar nur dann, wenn man sehr geeignete Plätze dafür hat, von denen aber ein für allemal die Oberfläche des Tabernakels, auf die solche so gerne platziert werden, ausgeschlossen werden muss, weil es kirchlich verboten ist. Schlingpflanzen können, um drei Stäbe gewunden, sehr wohl in Pyramidenform in Gruppen und als Solitärpflanzen Verwendung finden. Am geeignetsten aber halte ich solche, um als lebendige Kränze in zwei Töpfen durch einen Bogen verbunden vor Bildern und Statuen, Öffnungen und Nischen von Seitenaltären etc. verwendet zu werden. Versuche das einmal einer mit zwei im Mai blühenden Clematis am Maialtar und bald wird das Volk allen Geschmack an derlei verzierten Bogenkränzen verlieren. Blattpflanzen schließlich können je nach ihrer Höhe überall Verwendung finden, selbst die neumodischen Teppichbeete dürfen, vereinzelt in Töpfen auf den Altar gebracht, nicht allein Abwechslung, sondern auch gut geordnet, einen herrlichen Schmuck bieten.

 

Wenn dieses Kapitel gehörig studiert wird, wird die Altardekoration bald jedem Seelsorger zu einer höchst interessanten Beschäftigung werden und das Wort: Varietas delectat, ihn und das Volk ergreifen.