Getrocknete Blumen

 

In den letzten Dezennien hat sich in den Gärtnereien eine neue Kunst entwickelt und diese besteht darin, nicht allein die Immortellen und Strohblumen, sondern auch viele andere Arten unserer Garten-, Wald- und Feldflora durch Anwendung von Schwefel und anderer Chemikalien zu trocknen und zu dörren, so dass sie ihre natürliche Farbe behalten und sich sehr lange konservieren. Solche Bouquets mit Papiermanschetten oder gar mit echter Brüsseler-Leinwandspitze sieht man gegenwärtig gar nicht selten in den Händen der Bräute, bei Namenstagen und anderen festlichen Gelegenheiten. Insbesondere sieht man solche zur Winterszeit, wo unsere Lieblinge schlafen. Über den Gebrauch getrockneter Blumen hat die Kirche noch nichts entschieden. Jedenfalls gebührt ihnen als Kirchenschmuck der erste Platz nach den lebendigen Pflanzen, wenn man nun doch einmal zur Winterzeit Blumen auf dem Altar sein sollen.

 

Dann eignen sie sich insbesondere für mächtige Riesenbouquets, so dass man schönes Grün, Thuja, Bux, Moos, Laurus, Taxus etc. mit solchen durchflicht und an jeder Seite des Tabernakels einen solchen Strauß zwischen grünen Winterpflanzen aufstellt. Nachher kann man diese Blumen wieder ablösen und in einer Schachtel trocken aufheben. Es ist nicht zu leugnen, dass von Allerheiligen bis Ostern eine schlimme Zeit für lebendigen Kirchenschmuck ist, und dass hier eine gewisse Aushilfe wohl nicht entbehrt werden kann, wenn wir auch weiter unten sehen werden, dass es lange nicht so schlimm ist, als die Freunde künstlicher Blumen die Sache darstellen.

 

Will jemand von getrockneten Blumen Gebrauch machen, so bestelle er ja keine gefertigten Bouquets, die gewöhnlich sehr hohe Preise haben, sondern so und so viel getrocknete Büschel von Blumen in so und so viel Sorten. Die Ware ist dann um ein ganz Bedeutendes billiger, und die Anfertigung zu Kirchenbouquets besorgt man selbst. Jedenfalls bietet sie zur Winterszeit ein angenehmes Vergnügen. Solche Blumen kosten auf diese Weise lange nicht so viel als Papierschnitzel, sind leichter aufzuheben und viel haltbarer.

 

Praktische Leute können sich auch selbst daranmachen, Blumen künstlich zu trocknen, insbesondere Geistliche, die neben dem Amüsement auch Nutzen davon haben. Man kann sich den Apparat dazu bestellen und erhält daneben eine Gebrauchsanweisung.

Als Blumen benützt man hauptsächlich einfarbige, langstielige, wenig saftreiche, besser einfache und gefüllte. Bei solchen gelingt das Trocknen ausgezeichnet. Wer das nicht mag, der sei im Sommer auf die Aussaat der Immortellen bedacht und kultiviere fleißig die Strohblumen. Diese kann man in Büschel gebunden aufhängen, mit den Blumen nach unten an einem trockenen Ort des Hauses. Sie halten sich trocken sehr schön und können ganz wie oben angegeben, verwendet werden.

 

Zu diesem gesellen sich dann, um schöne trockene Bouquets zu machen, noch manche trockene Gräser. Zu dem Zweck sammelt man im Sommer ganze Büschel verschiedener Grassorten und trockne sie wie die Immortellen. Auch sie lassen sich zu Wintersträußen herrlich verwenden. Ebenso kann man die Samenköpfe der Clematisarten und die Früchte der Vogelbeere, die fast durch den ganzen Winter halten, zu Bindereien benutzen. Erstere sehen einem kleinen Federbusch ähnlich und bedecken im Freien oft ganze lebendige Zäune, letztere sind jedermann bekannt.

 

Schon oben habe ich auf das Trocknen der Immortellen hingewiesen. Es wird daher gut sein, sie auch mit Namen zu kennen, denn sie sind an Schnittblumen und Straußblumen für den Winter entschieden das Beste. Wer daher im härtesten Winter gern Sträuße am Altar haben will, verlege sich auf die Kultur der Immortellen, von denen mir folgende Arten bekannt sind:

 

1. Elichrysum bracteatum, einfache Strohblume. Sie ist weniger empfehlenswert, da man an ihrer Stelle etwas Besseres haben kann.

2. Elichrysum monstrosum flore pleno, gefüllte große und hohe Strohblume in allen Farben und Nüancen.

3. Elichrysum monstrosum nanum fl. pl., Zwergstrohblume mit niederem Stock und großen Blumen, ähnlich den Zwergastern.

4. Elichrysum composizum minimum fl. pl., die kleine Strohblume, wovon man sehr oft schöne Kränze auf Gräbern sieht. Auch sie existiert in allen Farben und ist sehr zu empfehlen.

5. Acrolinium roseum und album, eigentlich Sandimmortelle, ebenfalls in neuester Zeit durch Züchtung äußerst vervollkommnet, und getrocknet äußerst zierlich.

6. Ammobium alatum, eine meist weiße kleine Immortelle, die aber keinen langen Stängel hat und darum weniger gut sich eignet.

7. Gomphrena globosa, Kugelamaranth, auch Unsterblichkeitsblume genannt, ebenfalls in verschiedenen Farben, sehr geeignet für unsere Zwecke.

8. Statice incana nana und mehrere Staticen, die eine schöne Abwechslung mit den übrigen liefern.

9. Waitzia grandiflora, gelbe, großblumige Immortelle; in Bau und Haltung von den anderen Strohblumen verschieden.

10. Xeranthemum annuum, Papierblume, die in jüngster Zeit verschiedenfarbig und schön gefüllt erscheint.

11. Rhodanthe, sehr schöne Immortelle in verschiedenen Farben.

12. Antennavia margaritacea, eine schöne weiße Immortelle ausdauernd in trockenen Wäldern Nordamerikas. Die beiden letzteren seien den deutschen Gärtnern hiermit zur Anzucht empfohlen.

 

Bemerkungen zur Kultur der Immortellen:

Man sät sie Anfang April in Kästen oder Töpfe oder Mistbeete in sandige Erde und hält die Saat mäßig feucht und warm. Beim Keimen gibt man Luft und Licht und härtet die Pflanzen ab, um sie Ende Mai oder Anfang Juni auszupflanzen. Sie gedeihen nur gut in leichtem Boden, in schwerem Boden werden sie meist krüppelhaft. Hier und da ein Düngerguss ist vorteilhaft.

 

Fürwahr angesichts dieser Zahl von Immortellen hat man nicht notwendig, für den Winter nach Blech- und verzierten Blumen zu rufen. Diese Blumen müssen mit langen Stielen geschnitten werden, sobald sie den höchsten Grad der Vollkommenheit erreicht haben. Beim Trocknen gehen alle Blumen mit Ausnahme der Papierblume noch weiter auf. Auch darf man alle Immortellen nur an ganz trockenen Tagen abschneiden. Am besten trocknen sie luftig im Schatten, und sorgt man, dass sie einmal trocknen, nie mehr nass und feucht werden, dann halten sie viele Jahre lang. Am besten schneidet man, wenn sie halb geöffnet sind.