Die Pflanzen in der Heiligen Schrift

 

Die Bücher des Alten und des Neuen Testaments sind mit der Pflanzenwelt gewissermaßen auf das Innigste verwoben. Zwischen Blumen, Sträuchern und Bäumen wandelten unsere Stammeltern im Paradiesgarten, den Gott selbst zu ihrem Aufenthalt gepflanzt hatte. Nicht die Tiere waren es, sondern die Pflanzen, die den ersten Menschen die notwendige Nahrung liefern sollten. Daher der Befehl: „Ihr dürft von allen Bäumen essen, nur nicht von dem, der in der Mitte des Gartens steht!“

 

Beim ersten Opfer auf Erden opfert Kain von den Früchten des Feldes.

 

Dann war es Noah, der durch einen grünenden Ölzweig die Botschaft erhielt, dass die Zeit gekommen ist, die Arche zu verlassen und auf der aufs Neue grünenden Erde dem Herrn ein Dankopfer darzubringen.

 

Im Schatten des Baumes fiel Abraham zur Erde nieder und betete die drei Männer an, die zu ihm kamen, Sodom zu vertilgen.

 

Im Dornbusch blieb der Widder hängen, der an Isaaks Stelle auf Moria geopfert wurde.

 

Um ein Gericht von Linsen erhielt Jakob Esaus Recht der Erstgeburt und den Segen des Vaters.

 

Im Binsenkörbchen wurde Moses wunderbar gerettet, der im brennenden Dornbusch den Befehl erhielt, Israel aus der ägyptischen Knechtschaft zu führen. Mit bitteren Kräutern musste das Osterlamm gewürzt werden, die Türpfosten mussten mit Lammesblut bestrichen werden. Ungesäuertes Brot musste genossen werden, und mit Stäben in den Händen musste Israel des Auszugs aus Ägypten gewärtig sein. Der blühende Aaronstab kam in die Bundeslade als jüdisches Heiligtum.

 

Das Laubhüttenfest dauerte acht Tage. Die Laubhütten der Juden mussten aus Pflanzenlaub errichtet werden nach der Vorschrift: Levitikus 23. „Am ersten Tag sollt ihr Früchte von den schönsten Bäumen nehmen und Palmzweige und Äste von dichtbelaubten Bäumen.“

 

Olivenöl und Schaubrote, Produkte der Pflanzen, fanden symbolische Verwendung im jüdischen Tempel.

 

Der Erlöser selbst wird voraus verkündet als ein Reis aus der Wurzel Jesse und als eine Blüte aus seiner Wurzel. Und vom Gerechten singt der heilige Sänger, dass er gepflanzt sei, wie ein Baum an Wasserbächen, dass er blühen werde, wie eine Palme, und gedeihen werde wie eine Zeder auf dem Libanon. Wie wunderbar schön sind die zahllosen Stellen im Hohenlied, in den Sprüchen, Psalmen und Propheten, die dem Pflanzenleben entlehnt sind?

 

Aber auch im Neuen Testament spielt die Pflanzenwelt eine wichtige Rolle. Betlehem heißt Brothausen, und Nazareth hat unter anderem auch die Bedeutung Blumenstadt. Eigentümlich ist es auch, dass der Pflegevater Jesu gerade ein Zimmermann war.

 

Aus dem Pflanzenleben nahm der Heiland viele Beispiele und Gleichnisse. Ich erinnere an den Feigenbaum, an die Blumen des Feldes, an das Senfkörnlein, an den ausgesäten Samen, an Weizen und Unkraut, an den Weinstock und die Reben, an Splitter und Balken, an die Lilie des Feldes, an die Ernte etc.

 

Er selbst tritt zu solchen Dingen in vielfache Beziehung. Bekannt ist, wie einst die Jünger Ähren rupften, wie er am Feigenbaum vergebens Frucht suchte, Zachäus von einem solchen herabruft, auffordert: Betrachtet den Feigenbaum und alle Bäume! Wie er vom Gewächs des Weinstocks nicht mehr trinken wird, wie er im Ölgarten seine Leiden anfängt, wie er auf dem Holz des Kreuzes sein Erlösungswerk vollendet, um im Garten des Joseph von Arimathäa, in Leinwand gehüllt, Grabesruhe zu finden.

 

Wunderbar sinnreich aber ist die Einsetzung des heiligsten Sakramentes unter Brots- und Weingestalten. Das Edelste, was die Pflanzenwelt zu bieten vermag, wählt der Herr hier als Grundlage. Beide Produkte sind zusammengesetzt, das Brot aus dem Mehlstaub von Millionen von Weizenkörnern und der Wein aus den Tröpflein von Millionen von Traubenbeeren. Und hier sind sie in Brot und Wein zu einem Ganzen auf das Innigste und Unzertrennlichste vereinigt. Fürwahr, die Communio der Substanzen ist ein großartiges Bild der Communio der Gläubigen und ihrer Gemeinschaft zu Christus und zu ihren Mitchristen. Gewiss passt hier dazu das schöne Wort des Psalmisten: A fructu frumenti, vini et olei multiplicati sunt.

 

Aus all dem geht hervor, dass Gott selbst die Pflanzenwelt vielfach bevorzugt hat. Nach Anleitung vieler Geisteslehrer aber hat das darin seinen Grund, dass in der Pflanzenwelt mehr das reine, lautere und keusche Element sich in den Vordergrund drängt, das in der Tierwelt nicht der Fall ist. Darauf beruhen auch mehrfache kirchliche Vorschriften über kirchliche Leinwand und anderes.

 

Ich denke, das Gesagte wird genügen, um einzusehen, dass von Seite der Heiligen Schrift nichts im Wege steht, um die Pflanze als Schmuck und Zier des Allerhöchsten zu verwenden. Im Gegenteil fordert sie auf: Benedicite universa germinantia in terra Domino! „Alles was auf Erden grünt, benedeie den Herrn!“