Der Ordner des Schmuckes

 

Hier erhebt sich zunächst die Frage: Wer hat die Ausschmückung des Gotteshauses etc. zu besorgen? An dem einen Ort geschieht das durch Ordensschwestern und fromme Seelen, am andern Ort durch den Küster oder Kirchendiener und noch an andern Orten durch einen braven oder leichtsinnigen Schullehrer oder gar durch herbeigelaufene Schulkinder.

 

Diese alle sind geeignet und passend, um das Material anzufertigen und in die Kirche zu schaffen, um es herzureichen und befestigen zu helfen, soweit es sich um das Schiff und die Seitenaltäre der Kirche handelt, aber der Schmuck des Hochaltars soll Herzenssache des Priesters sein. Seine Aufgabe ist es, den Kirchenschmuck anzuordnen, zu überschauen und zu beaufsichtigen und gewiss ist es seiner Ehre nicht zu nahegetreten, selbst mit Hand an das Werk zu legen, besonders am Hochaltar in unmittelbarer Nähe des Allerheiligsten.

 

So habe ich für meine Person es von jeher gehalten und niemals habe ich geduldet, dass ohne mein Wissen, ohne meine Anordnung und Vorschrift irgendetwas in meiner Kirche dekoriert oder verändert wurde. Ebenso habe ich während all meiner Priesterjahre die Schmückung und Zierung des Hochaltars eigenhändig vollzogen, und ich muss gestehen, manch heiliger, frommer und gottesfürchtiger Gedanke ist mir dabei durch die Seele gezogen. Das zeugt von Lust und Liebe zum priesterlichen Beruf und erhöht in den Augen des Volkes die Erhabenheit und Heiligkeit des Hochaltars, an dem niemand als der Priester etwas zu tun haben soll und zu tun hat.

 

Dann aber ist der Priester nächst Gott Herr in seiner Kirche und er allein muss darin alles beherrschen. Allerdings will ich zugeben, dass da, wo Ordensschwestern sind, der Priester mit dem Anordnen und Beurteilen sich begnügen kann, aber in allen anderen Fällen muss er schon selber Hand mit anlegen, oder Schmuck und Zier des Gotteshauses werden selten schön, würdig und geschmackvoll ausfallen. Wenn man das fremden und unerfahrenen Händen überlässt, dann geschehen meist durch Plaudern, Poltern und Unfug mehr Sünden bei der Dekoration als dieselbe auf der anderen Seite zur Hebung und Förderung der Andacht beiträgt. Nur zu schnell vergisst der Laie bei solchen Beschäftigungen die Würde und Heiligkeit des Ortes, wo er sich befindet, und profaniert die geheiligte Stätte. Die unwürdigsten Szenen habe ich bei solchen Gelegenheiten schon zu beobachten Gelegenheit gehabt. Darum muss der Priester dabei sein.

 

Aber auch deshalb muss er dabei sein, damit die Dekoration nach Vorschrift der Kirche geschieht. Von all diesen Vorschriften ist dem Laien nichts bekannt. Darum sieht man fast überall die Tabernakel mit Blumen überladen. Ja, ich sah das selbst in solchen Fällen, wo Ordensschwestern die Dekoration ausgeführt hatten. Ich sah Altäre selbst mitten im Sommer, ausgeziert mit winterlichem Tannenreisig, ich sah solche, auf denen gebrochene, bestaubte und beschmutzte verzierte Sträuße standen, die statt zu schmücken, den schönen Altar verunstalteten. Überall gab ich im Stillen dem Geistlichen die Schuld, der sich um all diese Sachen offenbar nicht bekümmerte, denn wo das nur ein wenig geschieht, sind solche Karikaturen eines Kirchenschmuckes nicht möglich. – Auch hier heißt es gewöhnlich: Ich verstehe das nicht! Um dem abzuhelfen, habe ich mich dran gemacht, vorliegendes Werkchen zu schreiben. Die Ehre Gottes, dem der Kirchenschmuck dient, war meine erste Absicht, die zweite aber, um meine Mitbrüder zu befähigen, auch Ordner des Schmuckes sein zu können, wenn sie wollen.

 

Und schließlich fordert das der Stand und Beruf des Priesters. Er ist ein studierter Mann und soll auf allen Gebieten sich umgesehen haben. Er hat ästhetische Gefühle und Anlagen und muss sie haben in höherem Grad, als alle jene, die ich oben anführte. – Unter gewöhnlichen und geordneten Verhältnissen hat auch jeder Zeit genug dazu. Am besten geschieht die Kirchenzierung am Samstagmorgen oder Abend und an den Vortagen von hohen Festen. Während des Beichthörens soll man das niemals gestatten. Am besten gleich nachher, während man noch in der Kirche ist, dann braucht man deshalb nicht einmal einen besonderen Gang machen.

 

Das Wenigste, was man daher verlangen muss, besteht darin, dass der Seelsorger dabei ist, dass er Ruhe und Stille aufrecht erhält, dass er zeigt und weist, wie es schön und geschmackvoll ist, dass er unschönes und unwürdiges Material zurückweist und den Hochaltar eigenhändig dekoriert.