Dauer des Schmuckes

 

Nichts macht auf mich einen widerwärtigeren Eindruck, als wenn ich in eine Kirche komme, etwa am zehnten oder zwanzigsten Sonntag nach Pfingsten oder gar in der Adventszeit oder Fastenzeit, und sehe, wie bestaubte oder verschmutzte Papierkränze oder vertrocknete und vergilbte Moos- oder Buxkränze noch gerade so von der Decke oder an den Altären, oder in den Bögen, oder vor den Gewölben herunterhängen, wie sie am Fronleichnamsfest vor Jahren vielleicht aufgehängt worden sind.

 

Das ist leider in vielen Dorfkirchen gar zu häufig, besonders wenn zur Abnahme die Beschaffung einer Leiter oder gar der mühsame Gang auf den Kirchenspeicher erfordert wird. Auch sieht man nicht selten dieselben Papiersträuße, Papierkränze, Lilien etc., oft sogar noch mit einer Glasglocke bedeckt, Jahr und Tag auf denselben Altären, an derselben Stelle stehen, als wenn das ein Schmuck und eine Zierde des Altares und des Gotteshauses wäre. Das ist, gelinde gesagt, eine lächerliche Geschmacklosigkeit, ein bequemer nichtssagender müheloser Schmuck, der keines Lohnes würdig ist und kein Verdienst zu beanspruchen, das Recht hat. In solchen Fällen erinnere ich den Ordner des Schmuckes, den Hüter und Wächter des Heiligtums an seine Pflicht.

 

Alles hat seine Zeit, so auch der Kirchenschmuck. Und fürwahr leichter ist es, ihn wegzuschaffen, als ihn herzuschaffen.

 

Die Dauer des Kirchenschmuckes ist verschieden und hat auch hier der Pflanzenschmuck vor dem gemachten Flitter den großen Vorzug, dass er zur regelmäßigen Entfernung nach abgelaufener Festfrist von selber mahnt, bald weil er der notwendigen Pflege bedarf, oder bald, weil er der Verwerfung und dem Verwelken anheimfällt.

 

Bei der Abräumung muss man wieder praktisch zu Werke gehen. Schöne, seltene, diffizile und kostbare Pflanzen stelle man vor dem Gottesdienst auf und entferne sie gleich sie gleich nach ihm, gleichviel ob das Fest eine Oktav hat oder nicht. Genau so muss es in den Wintermonaten oft mit allen Altarblumen gemacht werden.

 

In der Regel aber rüste ich den Altarschmuck am Vorabend vor den Feiertagen und lasse ihn bis zum Abend des Festes, wenn es keine Oktav hat. Hat es aber eine, lasse ich den etwaigen Schmuck des Chores und Schiffes unberührt und räume die Seitenaltäre ganz ab und den Hochaltar teilweise. Sind Vasen und Sträuße verwendet, so bleiben diese die Oktav hindurch, wenn sie nicht früher verwelken und unbrauchbar werden. Von den Topfblumen lasse ich entweder keine oder nur einige wenige, etwa zwei auf beiden Seiten des Tabernakels. Wie die Festfeier während der Oktav keine so glänzende ist, wie am Hauptfest, so braucht auch die Dekoration keine so glänzende zu sein.

 

Nach abgelaufener Oktav aber wird jederzeit alles abgeräumt, und hat die Kirche wieder ihr gewöhnliches bauliches Aussehen. Das ist auch aus dem Grunde ratsam, weil sich in die verwesten Pflanzenreste gern allerlei Ungeziefer einnistet und die Kirche bevölkert, wenn Insekteneier etc. dort zum Ausschlüpfen gelangen.

 

So soll und muss es überall sein und gehandhabt werden, wo Ordnung zu Hause und der Ordner des Schmuckes am Platz ist. Wo die Sachen hängen und stehen bleiben, geht es gewöhnlich auch so mit Fahnen und Emblemen oft zu deren Schaden und Verderben, und gerade dadurch verwischt man mit der Zeit im Gotteshaus den Festcharakter und im Herzen des Volkes die feierliche und festliche Stimmung.