Wie damals, so heute

 

Maria im Glaubenskampf der koreanischen Katholiken

 

Douglas Hyde, dessen Bekehrung vor einem Marienbild, von ihm selbst in seinem Buch „Anders als ich glaubte“ beschrieben wird, gibt in seinem weiteren Werk „Wem werden sie glauben?“ eine meisterhafte Darstellung über die Lage und das Schicksal der Kirche in Korea. Aus dem nüchtern und doch spannend geschriebenen Werk des gewandten Journalisten geht eines mit völliger Klarheit hervor: nur der Glaube kann den Irrglauben überwinden. Die Kommunisten wissen das viel besser als die westliche Welt es wahrhaben will und betrachten die Katholiken darum überall als ihre ärgsten Feinde. Voll Bewunderung neigt man sich nach der Lektüre dieses Buches vor den koreanischen Christen und ihren Missionaren, aber voll Beschämung muss man daran denken, wie wenig wir selber tun, um ihnen zu helfen – und damit letztlich auch uns vor der furchtbaren Bedrohung zu retten, die ihre Schatten je über die Christenheit warf.

Hier ein Abschnitt aus dem Buch, der von dem Vertrauen der koreanischen Katholiken auf Maria, die Hilfe der Christen, Zeugnis ablegt.

 

In Mokpo wie in jeder anderen größeren Stadt hatten die einheimischen Kommunisten des langen schon als Vorbereitung auf den Tag, da ihre Genossen aus dem Norden kommen und die Stadt „befreien“ würden, Listen mit den Namen und Anschriften aller Katholiken angelegt. Ein Teil des Befreiungsvorganges bestand in der Hinrichtung jedes einzelnen Katholiken.

 

Als die Nordkoreaner eintrafen, bekamen sie von der örtlichen Fünften Kolonne die Namenslisten und fingen an, ihr Vorhaben, die ganze katholische Gemeinde auszurotten, in die Tat umzusetzen. In den ersten Tagen nach dem Einmarsch der Kommunisten wurde zwar manche persönliche Rechnung aus früheren Tagen beglichen: die Hinrichtung der Katholiken aber sollte ganz planmäßig erfolgen.

 

Msgr. Brennan, der Columbanerpater, der das Amt des Apostolischen Präfekten ausübte, sowie P. Cusack und P. O`Brian, zwei seiner Geistlichen, wurden verhaftet und von den Kommunisten mitgeschleppt, als sie nach Norden zurückwichen. Es besteht der dringende Verdacht, dass sie zu den Opfern einer Massenhinrichtung in Taijon gehört haben, wo die Kommunisten kaltblütig Tausende von Gefangenen umbrachten und in Massengräbern verscharrten, bevor sie die Stadt räumten.

 

Als die Kommunisten die drei westlichen Geistlichen aus dem Weg geräumt hatten, machten sie sich in aller Stille daran, auch die führenden Laien zu beseitigen. Die Katechisten sowie der koreanische Hausboy und der Koch des Pfarrhauses wurden festgenommen und viele einfache Katholiken ebenfalls. Sie wurden alle in Reih und Glied aufgestellt, verhört und bekamen dann gesagt, sie würden, wenn sie ihren Glauben an Gott nicht aufgäben, hingerichtet. Nicht einer wurde wankend.

 

Zwei Tage darauf wurde der Alte Paul allein verhört, während die Kommunisten das Pfarrhaus ausplünderten. Aber der alte Mann war nicht kleinzukriegen und schalt mit ihnen, obwohl er ihr Gefangener war.

 

„Ihr dürft das nicht nehmen. Es gehört den Missionaren und der Kirche“, sagte er zu ihnen, als er sah, wie sie Anstalten machten, alles aus dem Haus fortzuschleppen.

 

„Das kann dir doch egal sein, Großväterchen. Du gehst ja sowieso in den Himmel.“

 

„Kann sein, und es ist mir auch einerlei. Aber mir gefällt es nicht, wie ihr dieses Land an die Russen ausliefert. Und mir gefällt auch nicht, wie ihr die Kirche behandelt.“

 

„Halt den Mund und mach dich für deinen wunderschönen Himmel fertig. Wir werden hier schon einen richtigen Himmel schaffen, wenn der Krieg vorbei ist.“

 

Doch bald erhielten die Nordkoreaner den Befehl, die Stadt zu räumen. Offenbar hatten sie aber beschlossen, die Katholiken dennoch zu beseitigen, bevor sie abzogen.

 

Ein Mann wurde beauftragt, den Alten Paul umzubringen. Einige übergossen das Haus mit Benzin und wollten es niederbrennen. Andere sperrten alle verhafteten Katholiken in eine Garage ein und übergossen auch die mit Benzin. John, der Koch, wurde gezwungen, sein eigenes Grab zu schaufeln, und stand, auf die tödliche Kugel wartend, daneben.

 

Aber weder der Alte Paul noch John kamen ums Leben: weder ging das Haus des Bischofs noch die Garage voll Christen in Flammen auf. Denn in eben diesem Augenblick erschienen südkoreanische Truppen, unterstützt von amerikanischen Luftstreitkräften, in der Stadt. Der Mann, der im Begriff stand, den Alten Paul umzubringen, wurde selbst, als er davonlief, durch eine amerikanische Bombe getötet, der Kommunist, der Vorbereitungen traf, John, den Koch, in das Grab hineinzuschießen, starb auf dem kurzen Weg zwischen Haus und Kirche mit einem südkoreanischen Messer im Rücken.

 

Die Kommunisten zogen ab, und die Frauen, die sich auf dem Land in der Umgebung der Stadt versteckt gehalten hatten, kehrten zurück. Die kleine katholische Gemeinde war, ihrer drei Seelsorger beraubt, wieder beisammen.

 

Dann geschah das Unerwartete. Die nordkoreanischen Kommunisten waren zurückgeschlagen und die Vereinten Nationen nach Norden vorgedrungen: jetzt aber traten die Chinesen in den Krieg ein. Sie standen Gerüchten zufolge bereits in dem Ruf, mit den Katholiken noch grausamer zu verfahren. Und sie stießen geradewegs nach Mokpo vor.

 

Die Nachricht klang wie Totengeläut für die Einwohner von Mokpo im Allgemeinen und für die Katholiken im Besonderen. Diesmal waren keine Columbanerpatres da, an die sie sich um Rat und Hilfe wenden konnten. Aber die katholischen Gemeindemitglieder begaben sich ganz aus eigenem Antrieb auf den Weg zur Kirche die Anhöhe hinauf, und einige der Heiden schlossen sich ihnen an.

 

Die Kirche, die bald bis an die Türen gefüllt war, vermochte nicht alle zu fassen, und bald war auch der weite Hof draußen gedrängt voll von Menschen, Heiden wie Christen. Angeführt von ihren Laienkatechisten, begannen sie den Rosenkranz zu beten und flehten zur Gottesmutter, sie möge Mokpo vor den Kommunisten erretten oder, wenn es nicht sein sollte, Gott möge ihnen die Kraft und die Gnade verleihen, als gute Christen zu sterben.

 

Während die chinesischen Roten weiter und weiter nach Süden vordrangen, verharrte diese vielköpfige bunt zusammengewürfelte Gemeinde die ganze Nacht hindurch im Gebet und bestürmte den Himmel mit ihrem Flehen. Der Feind rückte auf die Stadt zu, aber die große, pausenlose Gebetskanonade ging weiter. Dann, im letzten Augenblick, als es den Anschein hatte, als sei der baldige Fall der Stadt unvermeidlich, trafen die Truppen der Vereinten Nationen ein, trieben die Kommunisten zurück, fort von Mokpo und immer weiter weg, durch das ganze Land bis zum 38. Breitengrad hinauf. Obwohl der Krieg noch jahrelang andauerte, kamen die Kommunisten nicht wieder in die Nähe von Mokpo.

 

Man kann, wie ich es tat, den Leuten in Mokpo sagen: „Die Streitkräfte der Vereinten Nationen kamen gerade rechtzeitig, um eure Stadt zu retten, nicht wahr?“ Aber selbst die Heiden antworteten: „Die Mutter Gottes war es, die Mokpo gerettet hat.“