Papst Nikolaus I. - Das Geständnis eines Verbrechens darf nicht durch Folter erpresst werden

 

Papst Nikolaus I.: Papst vom 24. April 858 bis 13. November 867

 

Antworten „Ad consulta vestra“ an die Bulgaren vom 13. November 866

Das Geständnis eines Verbrechens darf nicht durch Folter erpresst werden

 

„Ihr sagt, dass bei Euch, wenn ein Dieb oder Räuber ergriffen wurde und er geleugnet hat, was ihm zur Last gelegt wird, der Richter seinen Kopf mit Ruten schlage und seine Seiten mit anderen eisernen Stacheln steche, bis er die Wahrheit heraushole; dies lässt weder das göttliche noch das menschliche Gesetz in irgendeiner Weise zu, da ein Geständnis nicht ungewollt, sondern freiwillig sein muss und nicht gewaltsam herauszulocken, sondern willentlich vorzubringen ist; wenn es schließlich geschieht, dass ihr auch nach Anwendung jener Qualen überhaupt nichts von dem findet, was dem Gefolterten zum Vorwurf gemacht wird, errötet Ihr nicht wenigstens dann und erkennt, wie gottlos Ihr richtet?

 

Ebenso aber, wenn ein beschuldigter Mensch, der solches erlitten und es nicht ertragen kann, sagt, er habe begangen, was er nicht begangen hat: auf wen, frage ich, fällt die Wucht solch großer Gottlosigkeit zurück, wenn nicht auf den, der diesen zwingt, solches lügnerisch zu gestehen? Gleichwohl weiß man, dass nicht gesteht, sondern redet, wer das mit dem Munde vorbringt, was er nicht im Sinn hat!

 

Wenn ferner ein freier Mensch wegen eines Verbrechens belangt wurde und – falls er nicht schon früher irgendeines Vergehens für schuldig befunden wurde oder, durch drei Zeugen überführt, der Strafe unterliegt, oder falls er nicht überführt werden konnte beim heiligen Evangelium, das ihm entgegengehalten wird, schwört, er habe es keineswegs begangen, so wird er freigesprochen und hernach dieser Angelegenheit ein Ende gesetzt, wie der häufig erwähnte Völkerapostel bezeugt, wenn er sagt: „Als Ende jedes Streites unter ihnen dient zur Bekräftigung der Schwur“ (Hebr 6,16).“