Papst Leo X. - Ablässe

 

Papst Leo X.: Papst vom 11. März 1513 bis 1. Dezember 1521

 

Dekret „Cum postquam“ an Cajetan de Vio, den Legaten des Papstes

Ablässe

 

„... Damit künftig keiner mehr Unkenntnis der Lehre der Römischen Kirche in Bezug auf solche Ablässe und ihre Wirksamkeit geltend machen oder sich unter dem Vorwand einer solchen Unkenntnis entschuldigen oder sich durch eine erdichtete Bekundung helfen kann, sondern damit sie wegen offenkundiger Lüge als strafbar überführt und zurecht verurteilt werden können, meinten Wir, Dir durch das vorliegende Schreiben kundtun zu sollen, dass die Römische Kirche, der als Mutter zu folgen die übrigen gehalten sind, folgendes überliefert hat:

 

Der Römische Bischof, der Nachfolger des Schlüsselträgers Petrus und Stellvertreter Jesu Christi auf Erden, kann kraft der Vollmacht der Schlüssel, die dazu dienen, das Himmelreich aufzuschließen, indem sie seine Hindernisse in den Christgläubigen beseitigen (nämlich die Schuld und die für die aktuellen Sünden geschuldete Strafe, und zwar die Schuld mittels des Sakramentes der Buße, die für die aktuellen Sünden gemäß der göttlichen Gerechtigkeit geschuldete zeitliche Strafe aber mittels des kirchlichen Ablasses), aus vernünftigen Gründen ebendiesen Christgläubigen, die durch das Band der Liebe Glieder Christi sind – ob sie nun in diesem Leben seien oder am Reinigungsort -, aus dem Überfluss der Verdienste Christi und der Heiligen Ablässe gewähren; und indem er kraft Apostolischer Autorität sowohl für Lebende wie für Verstorbene einen Ablass gewährt, pflegt er den Schatz der Verdienste Jesu Christi und der Heiligen auszuteilen und auf die Weise der Lossprechung den Ablass selbst zu gewähren oder auf die Weise der Fürbitte ihn zu übertragen.

 

Und deswegen werden alle, sowohl Lebende wie Verstorbene, die wahrhaft alle diese Ablässe erlangt haben, von einem solch großen Maß der zeitlichen Strafe, wie sie sie gemäß der göttlichen Gerechtigkeit für ihre aktuellen Sünden schulden, befreit, wie es dem gewährten und erworbenen Ablass entspricht.

 

Und Wir entscheiden kraft Apostolischer Autorität aufgrund ebendieses vorliegenden Schreibens, dass es so unter Tatstrafe der Exkommunikation ... von allen festgehalten und verkündet werden muss.“