Papst Leo I. - Das geheime Bekenntnis

 

Papst Leo I. (der Große): Papst vom 29. September 440 bis 10. November 461

 

Brief „Magna indignatione“ an alle Bischöfe in Kampanien usw. vom 6. März 459

Das geheime Bekenntnis

 

„Auch jene Dreistigkeit gegen die apostolische Regel, die, wie ich neulich erfahren habe, von einigen in unerlaubter Anmaßung begangen wird, ist, so bestimme ich, auf alle Weise zu beseitigen. Bei der Buße nämlich, die von den Gläubigen erbeten wird, soll das in ein Büchlein geschriebene Bekenntnis über die Art der einzelnen Sünden nicht öffentlich verlesen werden; denn es genügt, dass die Schuld der Gewissen allein den Priestern in einem geheimen Bekenntnis angezeigt wird. Obwohl nämlich die Fülle des Glaubens lobenswert zu sein scheint, die sich nicht scheut, wegen der Furcht Gottes bei den Menschen Beschämung auf sich zu nehmen, so soll doch – denn die Sünden nicht aller sind derart, dass diejenigen, die nach der Buße verlangen, nicht fürchteten, diese zu veröffentlichen – der so unannehmbare Brauch abgeschafft werden, damit nicht viele von den Heilmitteln der Buße ferngehalten werden, solange sie sich entweder scheuen oder fürchten, dass ihren Feinden Taten eröffnet werden, für die sie nach der Gesetzesbestimmung bestraft werden können. Es genügt nämlich jenes Bekenntnis, das zuerst Gott dargebracht wird, dann auch dem Priester, der für die Vergehen der Büßenden als Fürsprecher hinzutritt. Erst dann nämlich werden manche zur Buße aufgefordert werden können, wenn das Gewissen des Bekennenden nicht vor den Ohren des Volkes eröffnet wird.“