Papst Gregor I. - Das Recht, Heiligenbilder zu verehren

 

Papst Gregor I. (der Große): Papst vom 3. September 590 bis 12. März 604

 

Brief „Litterarum tuarum primordia“ an Bischof Serenus von Marseille vom Oktober 600

Das Recht der Gläubigen, Heiligenbilder zu verehren

 

„Uns war berichtet worden, Du habest Heiligenbilder mit der vorgeblichen Entschuldigung, sie dürften nicht angebetet werden, zerbrochen. Und zwar heißen Wir durchaus für gut, dass Du verboten hast, dass sie angebetet werden; dass Du sie aber zerbrochen hast, tadeln Wir. Es ist nämlich etwas anderes, ein Bild anzubeten, als durch das, was das Bild erzählt, zu lernen, was anzubeten ist. Denn was für die, die lesen können, Schrift ist, das leistet für die schauenden Ungebildeten das Bild, weil in ihm Unkundige sehen, wonach sie trachten sollen, in ihm lesen, die die Buchstaben nicht kennen; daher steht auch vornehmlich für die Völker anstelle des Lesens das Bild.

 

Wenn einer Bilder herstellen will, untersage es keinesfalls; Bilder anzubeten aber vermeide in jeder Weise. Vielmehr soll Deine Brüderlichkeit angelegentlich dazu ermahnen, dass sie aufgrund des Anschauens der Begebenheit die Glut der Reue empfangen und sich in der Anbetung der alleinigen, allmächtigen, heiligen Dreifaltigkeit demütig niederwerfen.“