Papst Alexander VII. - Die Unbefleckte Empfängnis Mariens

 

Papst Alexander VII.: Papst vom 7. April 1655 bis 22. Mai 1667

 

Breve „Sollicitudo omnium ecclesiarum", 8. Dezember 1661

Die Unbefleckte Empfängnis Mariens

 

 

 

„§ 1. Alt ist die Ehrerbietung der Gläubigen Christi gegenüber seiner seligsten Mutter, der Jungfrau Maria, die meinen, ihre Seele sei im ersten Augenblick der Erschaffung und Eingießung in den Leib durch die besondere Gnade und Bevorzugung Gottes im Hinblick auf die Verdienste ihres Sohnes Jesus Christus, des Erlösers des menschlichen Geschlechtes, von dem Makel der Ursünde unversehrt bewahrt worden, und in diesem Sinne das Fest ihrer Empfängnis mit feierlichem Ritus begehen und feiern; und die Zahl dieser wuchs nach der Herausgabe der Konstitutionen Papst Sixtus IV. seligen Angedenkens. Diese Ehrerbietung vermehrte und verbreitete sich wiederrum, so dass, da sich auch die meisten berühmteren Hochschulen dieser Auffassung nähern, schon fast alle Katholiken sie vertreten.

 

§ 2. Und weil sich anlässlich der entgegengesetzten Behauptung bei Predigten, Lesungen, Beweisführungen und öffentlichen Veranstaltungen, dass nämlich ebendiese seligste Jungfrau Maria mit der Ursünde empfangen worden sei, im christlichen Volk unter schwerer Beleidigung Gottes Ärgernisse, Zänkereien und Auseinandersetzungen erhoben, hat Papst Paul V. ehrwürdigen Angedenkens, auch Unser Vorgänger, verboten, dass die der vorgenannten Auffassung entgegengesetzte Meinung dieser Autoren öffentlich gelehrt oder verkündet werde. Dieses Verbot hat Papst Gregor XV. seligen Angedenkens, ebenfalls Unser Vorgänger, auch auf private Unterredungen ausgedehnt; überdies gebot er zugunsten ebendieser Auffassung, dass man bei der Feier des hochheiligen Messopfers und des göttlichen Offiziums sowohl öffentlich als auch privat keinen anderen Namen als den der „Empfängnis“ gebrauchen dürfe.

 

§ 4. In Anbetracht der Tatsache, dass die heilige Römische Kirche feierlich das Fest von der Empfängnis der unversehrten und immerwährenden Jungfrau Maria begeht und einst ein besonderes und eigenes Offizium dafür vorgeschrieben hat, und in der Absicht, diese lobenswerte Frömmigkeit und Ehrerbietung sowie das Fest und die Verehrung zu fördern, erneuern Wir die Dekrete, die zugunsten der Auffassung herausgegeben wurden, die behauptet, die Seele der seligen Jungfrau Maria sei bei ihrer Erschaffung und Eingießung in den Leib mit der Gnade des Heiligen Geistes beschenkt und von der Ursünde bewahrt worden.“