Konzil von Trient - Dekret über die Anrufung, die Verehrung und die Reliquien der Heiligen und über die heiligen Bilder

 

Konzil von Trient: 13. Dezember 1545 bis 4. Dezember 1563

 

25. Sitzung, 3. und 4. Dezember 1563

Dekret über die Anrufung, die Verehrung und die Reliquien der Heiligen und über die heiligen Bilder

 

„Das heilige Konzil trägt allen Bischöfen und allen anderen, die das Amt und die Aufgabe zu lehren haben, auf, sie sollen – entsprechend dem Brauch der katholischen und apostolischen Kirche, der von den ersten Zeiten der christlichen Religion überliefert ist, der übereinstimmenden Auffassung der heiligen Väter und den Beschlüssen der heiligen Konzilien – die Gläubigen vor allem über die Fürsprache und Anrufung der Heiligen, die Verehrung der Reliquien und den rechtmäßigen Gebrauch der Bilder sorgsam unterrichten und sie lehren: Die Heiligen, die zusammen mit Christus herrschen, bringen ihre Gebete für die Menschen Gott dar; es ist gut und nützlich, sie flehentlich anzurufen und zu ihren Gebeten, ihrem Beistand und ihrer Hilfe Zuflucht zu nehmen, um von Gott durch seinen Sohn Jesus Christus, unseren Herrn, der allein unser Erlöser und Erretter ist, Wohltaten zu erwirken; jene aber, die leugnen, dass die Heiligen, die sich der ewigen Glückseligkeit im Himmel erfreuen, anzurufen sind; oder die behaupten, sie würden für die Menschen nicht beten, oder ihre Anrufung, damit sie für uns auch einzeln beten, sei Götzendienst, oder sie stehe im Widerspruch mit dem Wort Gottes und widerstreite der Ehre des einen Mittlers zwischen Gott und den Menschen, Jesu Christi (vgl. 1 Tim 2,5); oder es sei töricht, die im Himmel Herrschenden mit Herz und Mund anzuflehen: die denken gottlos.

 

Auch die heiligen Leiber der heiligen Martyrer und anderer, die mit Christus leben, die lebendige Glieder Christi und ein Tempel des Heiligen Geistes (vgl. 1 Kor 3,16; 6,15 19; 2 Kor 6,16) waren und von ihm einmal zum ewigen Leben auferweckt und verherrlicht werden, sind von den Gläubigen zu verehren, wodurch den Menschen von Gott viele Wohltaten erwiesen werden; deshalb sind die, die behaupten, man schulde den Reliquien der Heiligen keine Verehrung und Ehrbezeugung, oder sie und andere heilige Denkmale würden von den Gläubigen nutzlos verehrt, und das Gedenken der Heiligen zur Erwirkung ihrer Hilfe würde vergebens begangen, ganz und gar zu verurteilen, wie sie die Kirche schon früher verurteilt hat und auch jetzt verurteilt.

 

Ferner soll man die Bilder Christi, der jungfräulichen Gottesgebärerin und anderer Heiliger vor allem in den Kirchen haben und behalten und ihnen die schuldige Ehre und Verehrung erweisen, nicht weil man glaubte, in ihnen sei irgendeine Gottheit oder Kraft, derentwegen sie zu verehren seien, oder weil man von ihnen irgendetwas erbitten könnte, oder weil man Vertrauen in Bilder setzen könnte, wie es einst von Heiden getan wurde, die ihre Hoffnung auf Götzenbilder setzten (vgl. Ps 135,15-17): sondern weil die Ehre, die ihnen erwiesen wird, sich auf die Urbilder bezieht, die jene darstellen, so dass wir durch die Bilder, die wir küssen und vor denen wir das Haupt entblößen und niederfallen, Christus anbeten und die Heiligen, deren Bildnis sie tragen, verehren. Dies wurde von den Beschlüssen der Konzilien, vor allem aber des zweiten Konzils von Nikaia, gegen die Bilderstürmer bei Strafandrohung festgelegt.

 

Folgendes aber sollen die Bischöfe sorgsam lehren: Durch die in Gemälden oder anderen Abbildungen ausgedrückten Geschichten der Geheimnisse unserer Erlösung wird das Volk darin erzogen und bestärkt, sich der Glaubensartikel zu erinnern und sie unermüdlich zu verehren; dann aber wird aus allen heiligen Bildern ein großer Nutzen gezogen, nicht nur, weil das Volk an die Wohltaten und Geschenke erinnert wird, die ihm von Christus erwiesen wurden, sondern auch, weil den Gläubigen durch die Heiligen Gottes Wunder und heilsame Beispiele vor Augen geführt werden, so dass sie Gott für diese Dank sagen, ihr Leben und ihre Sitten auf die Nachahmung der Heiligen ausrichten und dazu angespornt werden, Gott anzubeten und zu lieben und die Frömmigkeit zu pflegen. Wer aber diesen Beschlüssen Entgegengesetztes lehrt oder denkt, der sei mit dem Anathema belegt.

 

Sollten sich aber in diese heiligen und heilsamen Beobachtungen irgendwelche Missbräuche eingeschlichen haben, so wünscht das heilige Konzil nachdrücklich, dass diese völlig abgeschafft werden, so dass keine Bilder einer falschen Lehre oder solche, die den Ungebildeten Gelegenheit zu einem gefährlichen Irrtum geben, aufgestellt werden.

 

Sollte es aber einmal geschehen, dass die Geschichten und Erzählungen der heiligen Schrift, wenn dies dem ungelehrten Volk nützt, dargestellt und abgebildet werden, so soll das Volk belehrt werden, dass die Gottheit nicht deswegen abgebildet werde, weil sie mit den Augen des Leibes erblickt oder durch Farben oder Figuren dargestellt werden könnte. Ferner soll jeder Aberglaube bei der Anrufung der Heiligen, der Verehrung der Reliquien und dem heiligen Gebrauch der Bilder beseitigt, jeder schändliche Gelderwerb ausgeschaltet und schließlich jede Mutwilligkeit gemieden werden . . .

 

Damit dies treuer beachtet wird, legt das heilige Konzil fest, dass es niemandem erlaubt sei, an irgendeinem Platz . . . irgendein ungewohntes Bild aufzustellen oder aufstellen zu lassen, ohne dass es vom Bischof gebilligt wurde. Auch dürfen keine neuen Wunder zugelassen oder neue Reliquien aufgenommen werden, ohne dass ebendieser Bischof davon weiß und seine Zustimmung gibt.“