Das Marien-Rauchwerk

 

Bewunderungswürdig war die seltene Frömmigkeit des heiligen Gerhard, des Bischofs von Candia, des ersten Prälaten und Märtyrers in Ungarn. Auch der heilige König Stephan hatte gerade an ihm gefunden, was er wünschte, nämlich einen eifrigen Diener Mariä, der Himmelskönigin.

Unter anderen Zügen, die seine opferwillige Liebe zu der heiligen Mutter Gottes kundgaben, erbaute er ihr eine Kirche, in der er eine aufs Herrlichste ausgestattete Kapelle noch im Besonderen seiner huldreichen Herrin widmete. An jeglichem Samstag sang man darin das Offizium von neun Lektionen wie am Tag der Himmelfahrt Mariä. An den übrigen Tagen ging er zwei Mal mit seinem Klerus in Prozession dahin, gefolgt vom Volk, das sich in der Kirche befand, und zwar nach der Frühmette und nach der Vesper. Am Lieblichsten aber hat er seine Ehrfurcht gegenüber Maria dadurch bekundet, dass er eine Stiftung zum anständigen Unterhalt für je zwei Greise machte, die Tag und Nacht vor dem Altar der Gebenedeiten verweilten, oder, wenn sie nicht da sein konnten, durch andere ihre Stelle ersetzen lassen mussten, um dafür zu sorgen, dass nie das Rauchwerk und der angezündete Weihrauch in einem silbernen Weihrauchfass fehlte, das er zur Beräucherung des Bildes Mariä hatte verfertigen lassen. Wie von himmlischem Wohlgeruch blieb darum dieses Heiligtum immer durchduftet, und gleich süß von dem Wohlgeruch der Gebete, die hier Tag und Nacht aus frommen Herzen ausgehaucht wurden. –