XXIII. Vom hl. Nikolaus und den Wölfen. Wie die Mutter Gottes die Dörfer behütet.

 

Nicht nur die Menschen, sondern auch sonst alles, was da auf der Erde lebt, steht unter dem Schutz der Mutter Gottes. Sie kümmert sich in ihrer Güte um jedes Wesen, um die Mücke in der Luft, um das Fischlein im Wasser, um das Vöglein und seine kleinen Jungen, selbst um den Käfer, der aus der Erde hervorkriecht, wenn der Frühling erwacht. Sie ist die über alles gütige Mutter der Welt.

Das Vieh bewahrt sie vor Schaden, und selbst die gefräßigen Wölfe hält sie in den Winternächten mit ihrer schirmenden Hand von den Hütten der Menschen zurück.

Sonst hält der hl. Nikolaus die Wölfe in strenger Zucht und Ordnung, besonders dann, wenn der Schnee fällt und ein kalter Winter ins Land kommt. Jeder von ihnen muss sich nämlich auf das Geheiß des Heiligen ein besonderes Quartier aufsuchen, fern von den Menschen und auch nicht zu nahe seinen Genossen. Und es ist ihnen streng verboten, sich in Haufen den menschlichen Wohnungen zu nähern.

Aber am Fest Mariä Reinigung, da gibt die Mutter Gottes ganz besonders Acht auf die Wölfe. Da kommen sie nämlich aus den Wäldern hervor, rotten sich wie Räuber auf den Feldern zusammen und gehen auf Raub aus. Besonders wenn der Hunger sie quält, sind sie zu fürchten, denn dann möchten sie sich untereinander zerfleischen.

Die heilige Jungfrau stellt sich ihnen aber mit einer brennenden geweihten Kerze in der Hand mitten im ärgsten Schneesturm entgegen und schützt so das stille Dörflein. Dann weichen die wilden Tiere beim Anblick des Lichtes scheu und in Furcht zurück. Ihre grünen Augen funkeln vor Wut, aber sie trotten mit gesenkten Köpfen durch den Schnee in ihr Lager zurück.

Wenn in einer solchen Nacht die schlafenden Menschen in ihren Hütten durch das Geheul der hungrigen Wölfe aufgeschreckt werden, dann beten sie still und voll Vertrauen: „Nimm uns in deine Obhut, Maria!“ Und sie können ruhig schlafen; denn über das stille schneebedeckte Dörflein hält dann die heilige Jungfrau getreulich Wacht.