XVII. Von dem Himmelspalast. Von den Heiligen und Engeln. Von der heiligen Dreieinigkeit und von den Ehren der heiligen Jungfrau.

 

Die Seele des Menschen muss einen gar weiten Weg zurücklegen, ehe sie an die Grenze des Himmels kommt. Hat sie das Fegfeuer verlassen, so betritt sie zuerst die Straße nach dem Paradies, auf der sie schließlich bis zu einem der sieben Tore gelangt, die in das Innere des Himmelspalastes führen.

Aus den kostbarsten Kleinodien hat Gott der Herr den Himmelspalast der Welt gebaut. Seine Ziegel bestehen aus lauter Rubinen und Brillanten, und als Mörtel verbinden sie die glänzendsten Perlen. Seine Größe ist ungeheuer. Tausende von Meilen ist er lang, Tausende breit. Seine Wände strahlen ein so glänzendes Licht aus, dass die Sonne, der Mond und die Sterne daneben ganz erbleichen.

Dem Menschen ist es nicht vergönnt, dieses Licht zu sehen, denn sein Auge müsste von seinem Glanz erblinden. Darum hat Gott auch einen Vorhang aus Wolken davorgehängt.

Von den sieben Toren, die in den Himmel führen, ist das wichtigste das Tor Abrahams. Bei ihm sitzt St. Peter zusammen mit dem hl. Paulus als Torhüter.

Inmitten des Palastes erheben sich sieben Stufen übereinander, auf denen die Würdenträger des Himmels sitzen.

Auf der ersten von unten sieht man die frommen Prälaten und Mönche, die schon auf Erden von der Kirche selig gesprochen wurden. Auf der zweiten höheren sitzen die Begründer der geistlichen Orden, auf der dritten Päpste und Bischöfe mit goldenen Tiaren und Infuln, auf der vierten die Einsiedler, die die Nichtigkeit der Welt schon auf Erden erkannten und ein Leben freiwilliger Armut führten. Auf der fünften Stufe stehen Reihen von seligen Jungfrauen und Jünglingen in weißen Gewändern und hinter ihnen Scharen von Märtyrern, die ihr Leben für ihren Glauben dahingegeben haben. Die siebente Stufe hat Gott hauptsächlich den Aposteln Christi eingeräumt, und hier sitzt auch St. Peter mit seinen goldenen Schlüsseln, der das Pförtneramt des Himmels verwaltet.

Mit Schriften in der Hand stehen am Fuß des Thrones die vier Evangelisten, ganz so, wie man sie in den Kirchen beim Hochaltar stehen sieht.

Die Häupter der Heiligen sind von einer Glorie umgeben, wie die goldene Sonne von glänzenden Strahlen umgeben ist, und von diesen Glorien ergießen sich unaufhörlich Kaskaden von Strahlen über alle Stufen und hüllen sie in ein Meer von Licht.

An der Spitze dieser Pyramide von Heiligen des Herrn ist es ganz voll von weißen Engeln, und diese tragen, wie aus Alabaster gemeißelte Säulen, auf ihren Flügeln den prächtigen Thron Gottes, auf dem der Monarch der Welt, der Herr und Schöpfer des Himmels und der Erde, Gott Vater, mit einem Zepter in der Hand, in der ganzen Gewalt seiner Majestät thront.

Ihm zur Seite sitzt sein Sohn mit den blutigen Zeichen seiner Leiden bedeckt, an ein Kreuz gelehnt und mit einem Lamm auf dem Schoß. Er blickt mit einem Antlitz voll von Liebe und Trauer in die Tiefe, wo in dem unendlichen Raum die kleine Erde schwebt.

Wie ein Lieblingskind schmiegt sich an Gott Vater die heilige Jungfrau, die Gottesmutter Maria. Und wie ein Vater seine geliebte Tochter, so hält er sie mit väterlicher Zärtlichkeit fest, damit der ganze Himmel es sehe, dass sie seine größte Gunst besitze und seinem Herzen am nächsten stehe. Die heilige Jungfrau, die Königin des Himmels, hat ihre Hände wie zum Gebet gefaltet, schlägt dabei die Augen nieder.

Zu Häupten der heiligen Familie schwebt eine weiße Taube, der Heilige Geist, von solcher Helligkeit umleuchtet, dass nicht einmal die Engel diesen Glanz auf die Dauer ertragen können.

Die Chöre der Seraphine und Cherubine stimmen jubelnde Gesänge zum Ruhm Gottes an, und die himmlischen Sphären erklingen dazu wie Orgeln und Glocken aus Silber.

Und ihr Hymnus ertönt in alle Ewigkeit:

„Heilig, heilig, heilig!“