II. Von der Empörung der bösen Geister und dem Kampf der bösen und guten Engel.

 

Während Adam mit Eva glücklich im Paradies dahinlebte, fanden im Himmel gewaltige Ereignisse statt.

Mit immer größerem Hass blickte der Fürst der Finsternis auf die Werke des Herrn des Lichtes, der Schönheit und der Güte. Besonders aber ergrimmte er beim Anblick der Gefährtin Adams. Lange sann er darüber nach, wie er die erste Frau und mit ihr das ganze Menschengeschlecht, dessen Mutter sie werden sollte, verderben könne.

Da sprach der Herr zu Satan:

„Nicht nur Eva erschuf ich, sondern auch eine zweite Frau, vor der die Erde und der Himmel sich neigen werden, denn sie soll den Gottmenschen gebären, meinen Sohn.“

Auf diese Worte erbebte der Fürst der Finsternis vor Hass und Empörung; in finsterem Stolz erhob er seine Stimme:

„Vor einer schwachen Frau soll ich mich beugen und sie als Gottesgebärerin erkennen? Niemals! Ich bin stärker in meiner nächtlichen Finsternis denn du in deinem Licht, und was du unternimmst, das mache ich zunichte. Ich bin die Kraft, ich bin die Zerstörung.“

Und er berief alle Engel der Linken an seiner Seite und sagte Gott den Kampf an.

Die geflügelten Heerscharen führte auf der einen Seite der Erzengel Michael an, auf der anderen Luzifer.

Da ertönten die Himmel zum ersten Mal von schrecklichem Schlachtgetöse.

Das Licht und die Finsternis rangen miteinander, zwei Gewalten maßen sich im Kampf, zwei Heerführer stürzten sich entgegen mit ihren Schwertern, von deren Funkeln ein lodernder Widerschein auf den ganzen Himmel fiel, und von deren Geklirr die ganze Erde wie vom Donner erschüttert wurde.

Die Entscheidung schwankte lange Zeit.

Als der Erzengel Michael sah, dass er seinen schrecklichen Gegner nicht bezwingen könne, da rief er aus:

„O Herr, hilf, ich kann ihn nicht überwinden!“

Und Gott antwortete ihm:

„Lass den Mut nicht sinken, ich bin bei dir!“

Nun hob der Erzengel mit neuem Mut sein Schwert. Und siehe da, mit einem gewaltigen Streich hieb er Luzifer beide Flügel ab. Der aber stürzte von den himmlischen Höhen hinab in den Abgrund. Und hinter ihm flohen in schrecklicher Verwirrung die Heerscharen der schwarzen Geister hinab in die unermessliche Tiefe.

In den Höhen aber stand triumphierend im Glanz der Morgenröte, der funkelnden Sterne und der aufgehenden Sonne der Herr des Himmels und der Erde. Er hatte die Feinde des Lichtes und der reinen Jungfrau, die zur Mutter des Gottmenschen auserkoren war, überwunden.

Und Himmel und Erde, die Gestirne und die Heerscharen der himmlischen Geister erhoben in harmonischen Akkorden ein lautes Lied der Freude, weil das Licht von nun an stets herrschen sollte über der Finsternis.