Mutschekiepchen - Marianisches für Kinder 2

 

Die Texte auf der Seite "Marianisches für Kinder - Mutschekiepchen" basieren - hier und da neu formuliert - auf Beiträgen der Wochenschrift für Erstkommunikanten "Kommunionglöcklein".

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Mit Sehnsucht habe ich danach verlangt

 

Ihr wisst schon aus der biblischen Geschichte, was sich im Anfang zugetragen hat. Gott hatte die Welt ganz schön geschaffen. Nichts fehlte darin, und alles sollte für die Menschen sein. Die aber hatten so getan, als brauchten sie sich um Gottes Gebot nicht zu kümmern. Sie sündigten, und zur Strafe verloren sie alles wieder. Die schöne Welt wurde ihnen nun zur Mühsal. Da waren sie sehr traurig, sie stöhnten unter der Arbeit und litten unter Krankheiten und Plagen.

 

Als der liebe Gott so gequält sah unter den Folgen der Sünde, da hätte er sie am liebsten gleich wieder ins Paradies zurückgerufen. Aber das wäre für sie nicht gut gewesen. Dann hätten sie wohl gemeint, mit Gott könnte man machen, was man wollte. Nein, Strafe muss sein, dass wisst ihr auch schon. Aber er versprach ihnen, dass er ihnen einmal wieder gut sein würde. Dann würde er ihnen jemand schicken, der sie vom Fluch der Sünde erlöse. Wie das geschehen sollte und wann, das sagte er ihnen aber nicht. Das behielt er als sein Geheimnis für sich. Aber jetzt hatten die Menschen wenigstens eine Hoffnung.

 

So verlebten sie denn ihre Tage im Warten auf den Erlöser. Wenn es ihnen allzu schwer wurde, machte Gott ihnen wieder Mut. Er schickte ihnen Propheten, die sie an sein Versprechen erinnerten. Ach glaubt nur, dem lieben Gott wurde es selbst zu lang. Er hätte die Menschen so gern wieder zu sich geholt.

 

Endlich war es soweit. Als die Zeit erfüllt war, sandte Gott seinen Sohn in die Welt. Das ist Jesus, unser göttlicher Heiland. Ihm übertrug er die Aufgabe, das große Geheimnis der Erlösung zu verkündigen. Aber selbst die Apostel haben nicht immer alles ganz verstanden. Sie konnten sich gar nicht vorstellen, wie das geht, wenn man ein Gotteskind wird. Erst beim letzten Abendmahl, als sie ihre erste heilige Kommunion empfingen, da erkannten sie, wie Gott sein Versprechen wahr macht. Im Fleisch und Blut seines geliebten Sohnes gab er sich ihnen zur Speise, um ganz mit ihnen vereinigt zu sein.

 

Das war ein Geschenk! Da könnt ihr begreifen, dass der liebe Heiland sich schon lange auf diesen Augenblick gefreut hatte. So wie ihr euch freut, wenn ihr den Eltern etwas zu Weihnachten schenkt. Darum versteht ihr auch sein Wort, das er vor der Feier sprach: „Mit Sehnsucht habe ich danach verlangt, mit euch dieses Mahl zu halten.“

 

Seitdem ist die Tür zum Paradies wieder geöffnet. Aber immer noch ist Gottes Sehnsucht wach. Immer noch sucht der Heiland in seinem Auftrag Menschen, um ihnen Gottes großes Geheimnis mitzuteilen. Jedes Jahr holt er sich in der ganzen Welt eine große Schar von Kindern zusammen, um sie durch sein heiliges Fleisch und Blut mit dem göttlichen Leben der heiligmachenden Gnade zu erfüllen. In diesem Jahr steht ihr in dieser Kinderschar. Nun gilt euch das Wort unseres Erlösers: „Mit Sehnsucht habe ich danach verlangt, mit euch dieses Mahl zu halten.“ Betet darum in der kommenden Woche täglich folgendes Gebet:

 

Lieber göttlicher Heiland! Du hast Sehnsucht nach mir kleinen Menschenkind. Ich kann es gar nicht begreifen, dass du mich so lieb hast. Ich danke dir dafür und will mich bemühen, ein gutes Kommunionkind zu sein. Gib mir deine Gnade dazu! Amen.

 

Lesung

 

Als unser lieber Vater im Himmel die ganze weite Welt und den Menschen erschuf, da wollte er uns möglichst viel von seinem herrlichen Leben im Himmel auch hier auf Erden schenken. Hört einmal zu, was unser heiliges Buch, die Bibel, darüber erzählt:

 

„Im Anfang erschuf der liebe Gott aus lauter Liebe die Welt mit allen Pflanzen und Tieren und dazu noch den Menschen. Als er am siebten Tag ausruhte, da sah er, dass alles sehr schön geworden war. Wie konnte das auch anders sein! Wir finden noch heute soviel Schönes auf der Welt!

 

Die ersten Menschen waren Adam und Eva. Gott hatte sie erschaffen nach seinem Ebenbild. Wie schön und stark müssen diese ersten Menschen gewesen sein, die der ewige Vater des Himmels mit lieben Händen gebildet hatte! Sie konnten eigentlich für immer nur froh und glücklich sein. Alles sollte ja für sie zum Gebrauch da sein, ihnen fehlte gar nichts. Das ganze Paradies war ihnen zu Dienst und eine lautere Freude.

 

Und denkt euch das Allerschönste: Sie sollten nie sterben! Sie sollten mit Gott ewig leben und durch ihn glücklich sein!

 

Unser lieber Erdboden

 

Was wäre das eine Freude, wenn ich euch in der Vorbereitung auf die erste heilige Kommunion alle mitnehmen könnte, um euch das Paradies zu zeigen, von dem unser heiliges Buch, die Bibel, uns berichtet. Aber ich glaube, ich kann euch auf unserer Welt doch einiges zeigen, was aus dem schönen Paradies wohl übriggeblieben ist.

 

Seht unseren Erdboden an, da wollen wir beginnen. Er bringt auch heute noch viel Schönes hervor, obgleich er vom lieben Gott um der Sünde der Menschen willen verflucht ist. Er schenkt uns sogar noch so kostbare Dinge, dass wir sie zum lieben Gott hinbringen und ihm als eine Freude anbieten dürfen. Er schenkt uns nämlich Brot und Wein, wie wir sie in der Heiligen Messe zum Altar tragen. Das hätten wir ja nie gewagt, wenn uns nicht der liebe Heiland aufgetragen hätte: „Tut das zu meinem Andenken“, nachdem er selbst es am Gründonnerstag zuerst getan hatte. Dabei hat er uns ja auch versprochen, wir brauchten es nie allein zu tun, er werde immer mittun, sooft wir die Gaben in der Heiligen Messe opfern wollten. So Kostbares wie Brot und Wein schenkt uns also unser lieber Erdboden. Deshalb wollen wir auch in der Zeit unserer Vorbereitung an unseren lieben Erdboden denken. Auch die großen und klugen Menschen tun das viel zu wenig.

 

In den Städten und auch auf dem Land ist der Erdboden ganz grausam zugedeckt, so dass man ihn gar nicht mehr sieht. Damit die Autos schneller rollen können, ist er sogar mit dicken Pflastersteinen belegt oder mit Asphalt zugedeckt. Und weil wir kaum ohne Schuhe gehen, berühren wir ihn auch nur noch ganz selten. Wie anders war das beim lieben Heiland. 33 Jahre lang ist er über ihn hingegangen, nur mit ganz dünnen Sandalen oder auch mit bloßen Füßen. Er wusste, was der himmlische Vater mit dem Erdboden den Menschen Kostbares geschenkt hatte. Darum hat er ihn mit seinen Füßen ganz ehrfürchtig berührt, so wie man sonst nur etwas Liebes mit seinen Händen streichelt.

 

Ein Lehrer hat einmal seinen Kindern so gesagt: „Unser lieber Erdboden ist eine sehr kostbare Decke, die Gott über alle Länder gebreitet hat, kostbarer als Gold und Edelsteine. Ohne Gold und Edelstein können wir leben, aber ohne den Boden nicht. Alles Lebendige lebt von ihm, nur die Fische nicht, denen hat der liebe Gott das Wasser zugewiesen.“

 

Denkt bis zur nächsten Woche nach, liebe Kinder, was wir alles vom Boden geschenkt bekommen, und vergesst mir nicht, dem lieben Gott für diese kostbare Gabe zu danken, für unseren lieben Erdboden!

 

Unsere schöne Welt

 

Seht das große Sonnenlicht,

wie es durch die Wolken bricht!

Auch der Mond und Sternenpracht

loben Gott in stiller Nacht.

 

Erd und Himmel, Land und Meer,

was du siehst – wo kommt es her?

Alles das hat Gott gemacht.

Ihm sei Lob und Dank gebracht!

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Zum Altare Gottes will ich treten

 

Die Heilige Messe wird an einem Altar gefeiert. Der steht immer auf einem erhöhten Platz, zu dem Stufen hinaufführen. Manchmal ist es nur einer, aber in großen Kirchen führen zum Hauptaltar oft mehrere Stufen hinauf. Warum ist das wohl so? Seht, damit will die Kirche den Unterschied zwischen uns Menschen und Gott andeuten. Gott ist über alles hocherhaben, er ist heilig. Wir aber stehen unten in der Welt, und haben oft soviel Sünde im Herzen. Wer zum lieben Gott gehen will, der muss aus all dem Weltlichen hinaufsteigen zu ihm und alles Sündhafte unter sich lassen.

 

Darum beginnt der Priester auch die Heilige Messe vor den Stufen des Altares. Dort betet er erst das Stufengebet. Darin bittet er den lieben Gott, er möge ihn abtrennen von all dem Unheiligen, das ihn mit der Welt noch verbindet. Im Confiteor bekennt er seine Schuld und bittet um Vergebung seiner Sünden. Wenn er die Stufen zum Altar hinaufgeht, fühlt er sich noch nicht ganz sicher. Je näher er dem heiligen Gott kommt, um so bänger wird ihm. Darum betet er geschwind noch ein Gebet. Alles, aber auch wirklich alles Unrechte möge Er von ihm nehmen, damit er mit ganz reinem Sinn das heilige Opfer feiern könne.

 

An diesem Beispiel seht ihr, wie ernst die Kirche das Leben mit dem lieben Gott nimmt. Man kann nicht vor ihn hintreten, wie man von der Straße zur Mutter hereinspringt. Auf die Begegnung mit ihm muss man sich vorbereiten. Wir sollen „umdenken“, hat der Heiland dafür gesagt.

 

Auch ihr sollt am Tag der ersten heiligen Kommunion den Sohn Gottes am Altar empfangen. Mit Beginn des Vorbereitungsunterrichtes seid ihr gleichsam vor die Stufen des Altars gestellt worden. Nun muss diese ganze Zeit ein Stufengebet für euch sein. Abtrennen sollt ihr euch in den kommenden Wochen von allem weltlichen Betrieb, soweit das möglich ist. Bittet den lieben Gott, er möge eine Mauer um euch bauen, damit ihr nicht zu sehr abgelenkt werdet. Erfüllt euren Sinn mehr und mehr mit dem Gedanken an den göttlichen Heiland, der in euer Herz einkehren will. Und vor allem, bekämpft strenger als sonst eure Fehler. Richtig leidtun muss es euch, wenn ihr jetzt noch etwas Böses tut.

 

Aber ihr braucht dabei nicht ängstlich zu sein. Gott reicht euch ja mit seiner helfenden Gnade die Hand und geleitet euch von Woche zu Woche jedes Mal eine Stufe höher, bis ihr am Festtag oben seid. Wenn ihr es wirklich ernst nehmt mit eurer Vorbereitung, dann bleibt sicher auf jeder Stufe eine Unart von euch liegen. Und dann hat Jesus im Sakrament bestimmt Gefallen an euch. Betet darum fleißig um die Gnade einer guten Vorbereitung.

 

Gebet: Lieber Heiland! Wer zu dir kommen will, muss sich bessern. Hilf mir, dass ich mehr an dich denke und meine Fehler eifriger bekämpfe. Lass mich mit reiner Seele vor dich hintreten! Amen.

 

Lesung

 

Unser heiliges Buch, die Bibel, berichtet uns von Johannes, dem Täufer. Er war ein Prophet, ein Mann, der im Auftrag Gottes spricht. Zu der Zeit, da der Heiland noch in Nazareth als Unbekannter lebte, predigte er am Jordan:

 

„Bereut eure Fehler! Betet, dass Gott euch gnädig ist und verzeiht. Löst euch los von den Sünden, denn mit ihnen könnt ihr nicht Gott gehören, sondern nur dem Teufel. Wenn ihr aber dem Teufel gehört, werdet ihr unglücklich sein! Horcht auf, der Heiland selber naht!“

 

Und viele, sehr viele Leute hörten ihm zu, und sie taten auch, was er ihnen auftrug. Denn das musste ja etwas Besonderes sein, wenn da ein Mann vom Rand der Wüste kam, der dort mit wenig Nahrung und ohne Wohnung jahrelang gelebt und Buße getan hatte. Der musste von Gott kommen!

 

Was der liebe Gott uns durch den Erdboden schenkt

 

Unser Erdboden erinnert uns noch an vieles, was Gott uns im Paradies schenkte.

 

Aus dem Boden sprießt das grüne Gras. Aus dem Boden blühen die Blumen gelb und rot und weiß und blau. Aus dem Boden brechen die Sträucher und steigen die Bäume empor.

 

Vom Boden leben wir alle: der Wurm in der Erde nagt an den Wurzeln; der Hase pflückt Kräuter; Ziege und Rind und Pferd, Reh und Hirsch weiden im Gras; das Vöglein pickt den Samen von Kräutern und Bäumen.

 

Wir Menschen leben vom Boden. Er schenkt uns das Korn und den Weizen, aus dem man das Mehl mahlt und das liebe Brot backt. Er schenkt uns Gemüse, das die Wangen rötet. Er schenkt uns die Kartoffeln, die den Magen füllen. Er schenkt uns das süße Obst.

 

Der Boden nährt die Kühe, darum gibt er uns die süße Milch und die gelbe Butter. Der Boden schenkt uns das Fleisch der Tiere, denn die Tiere leben von ihm. Der Boden schenkt uns die Kleider, denn sie sind aus Flachs und Baumwolle gemacht, die aus dem Boden wachsen. Oder sie sind aus Wolle, die auf dem Fell der Schafe wächst, wenn sie tüchtig Gras und Kräuter fressen.

 

Der Boden füllt unser Bett mit den warmen Federn der Gans, die so gefräßig den ganzen langen Tag das Gras vom Boden rupft.

 

Aus dem Boden kommt auch das Haus, in dem wir wohnen, denn aus ihm sind die Steine gebrochen, sind die Ziegel gebacken, sind Sand und Kalk genommen, sind die Balken und Bretter gewachsen.

 

Wenn der Boden verdürbe, dann müssten wir alle sterben: der Wurm in der Erde, der Vogel auf dem Zweig, Hase und Hirsch und Reh im Wald, der Habicht in der Luft, Schwein und Ziege und Rind im Stall. Wenn der Boden verdürbe, dann müssten wir alle sterben: das Kindlein in der Wiege, die Mädchen und Jungen mit ihren Spielen, die Mütter mit all ihrer Liebe, die Väter mit all ihrem Fleiß.

 

Die Lüge

 

Manchmal springt wie eine Maus

die Lüge aus dem Mund heraus.

Ich mag sie nicht, ich will sie nicht,

sie hat ein hässliches Gesicht.

Jag, lieber Gott, die Lüge fort!

Klar wie ein Bächlein sei mein Wort.

 

Wollt ihr euch anstrengen?

 

Wenn ihr in die Kirche geht, müsst ihr meistens Stufen hinaufsteigen. Und dann kommen in der Kirche noch einmal Stufen, die zum Altar führen. Die alle können wir heute bequem ersteigen. Darum denken wir so selten daran, was die Stufen bedeuten sollen. Wenn wir aber einmal den fast 3000 Jahre alten Altar sehen würden, der in Berlin in einem Museum steht – den Altar von Pergamon, wären wir sehr erstaunt. Denn dessen Stufen sind jede einzelne so hoch, dass man richtig klettern muss, um eine nach der anderen zu nehmen und so hinaufzusteigen. Da denkt man daran, dass es von uns bis zum lieben Gott ein weiter Weg ist und auch ein beschwerlicher Weg.

Bedenkt einmal, wieviel Mühe es schon kostet, einen Berg zu besteigen, um hernach eine schöne Aussicht zu haben. Oft sind da Strecken, wo ein Großer euch Kinder richtig hinaufziehen muss. Aber das alles tut ihr gern, weil ihr denkt: Bald sind wir oben.

 

So ist es auch auf dem Weg zum lieben Gott. Was müssen wir in unserem Herzen nicht alles überwinden, bis wir wieder eine Stufe genommen haben. Einmal heißt diese Stufe: unser Trotz, ein andermal ist es unsere Unwahrhaftigkeit oder auch unsere Unverträglichkeit, weil wir immer nur an uns denken. Und freut euch, wenn jemand euch die Hand zur Hilfe reicht!

 

Wer von euch hat nun Mut, die hohen Stufen hinaufzusteigen, die jeder einzelne von euch bis zu seinem lieben Heiland überwinden muss? Wollt ihr nicht auch tüchtig klettern, auch wenn ihr dabei müde werdet? Wie heißt denn deine schwerste Stufe? Sag es still der Mutter oder jemand, der dir gern hilft, es ist dann ein wenig leichter, so wie beim Weg auf den Berg.

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Lasset uns beten!

 

Wenn ich euch fragen würde, ob ihr beten könnt, dann würdet ihr mich sicher alle auslachen. Wenn ich euch aber frage, ob ihr auch richtig betet, dann werdet ihr vielleicht unsicher. Darum will ich euch heute etwas vom rechten Beten sagen.

 

In der Vormesse spricht der Priester das Kirchengebet, das ist das Hauptgebet des Tages. Er leitet es ein mit der Aufforderung „Oremus“, das heißt: Lasset uns beten! Dann trägt er mit ausgebreiteten Armen im Namen der ganzen Gemeinde dem lieben Gott das besondere Anliegen des Tages vor.

 

Jetzt möchtet ihr sicher gern wissen, was die Kirche sich täglich erbittet. Das lässt sich ganz einfach sagen. Im Grunde ist es nur ein einziges Anliegen, das sie Gott immer wieder vorträgt. Sie bittet um die Bewahrung im Glauben, in der Hoffnung und in der Liebe und um die Hilfe gegen die Angriffe des Teufels. Um mehr nicht? werdet ihr fragen. Nein, um mehr nicht. Aber in dieser Bitte ist um alles andere mitgebeten. Denn wenn alle Menschen, die zur Kirche gehören, in der Gnade bleiben und wenn sie die Kraft erlangen, dem Teufel zu widerstehen, dann ist das Wichtigste in Ordnung. Und alles, was die Menschen sonst noch nötig haben, das gibt Gott ihnen hinzu. Essen und Trinken, Kleidung und Wohnung, Gesundheit und Arbeit. So hat es der Heiland selbst gesagt, und sein Wort ist gewiss wahr.

 

Vergesst das nicht, und sagt es euren Eltern, wenn sie sich zu viel Sorge machen um die Anschaffungen zur Erstkommunion. Erst gilt es um ein reines Herz zu beten. Wenn wirklich Not daheim ist, wird Gott sie schon zu wenden wissen.

 

Aber noch ein anderes lernt vom Kirchengebet. Darin heißt es nie „ich“ oder für „mich“, sondern immer „wir“ und für „uns“. Der rechte Christ nimmt in seinem Beten stets auch die anderen mit zum lieben Gott und trägt auch für sie seine Anliegen vor. Deshalb wollen wir von jetzt an alle Kommunionkinder der ganzen Welt in unser Wochengebet einschließen und nicht mehr „ich“ sagen, sondern „wir“.

 

Und noch ein Drittes könnt ihr von der betenden Kirche lernen. Bevor sie in der Messe das Tagesgebet spricht, erhebt sie im Gloria ihre Hände zur Anbetung. Durch dieses herrliche Gebet, das die Engel in der heiligen Weihnacht anstimmen, klingt ein rauschender Jubel von Lob und Dank darüber, dass Gott so groß und schön und zu uns so gut ist. Und mitten hinein ist ganz bescheiden die Bitte um Erbarmen eingefügt.

 

Nun wisst ihr, wie rechtes Beten beschaffen sein muss. Nicht immer nur bitten, sondern auch danken. Nicht immer nur um die irdischen Dinge flehen, sondern vor allem um das eine Notwendige: Gottes Gnade. Nicht immer nur „ich“ sagen, sondern auch die anderen miteinschließen.

 

Gebet: Gott, den die Engel anbeten! Segne in dieser Vorbereitungszeit mich und alle Kommunionkinder in der ganzen Welt. Hilf uns, dass wir uns nur um das eine Notwendige kümmern, dich würdig zu empfangen. Alles andere erwarten wir mit Vertrauen von deiner Güte. Amen.

 

Lesung

 

Unser heiliges Buch, die Bibel, erzählt uns ganz feierlich, wie unser lieber Herr und Heiland betete:

 

„Und am Morgen, als es noch Nacht war, überaus früh, stand er auf und ging hinaus aus der Stadt und ging weg an einen einsamen Ort. Und dort betete er.“ (Markus 1,35)

 

Er betete aus seinem göttlichen Herzen und mit den uralten Worten unseres heiligen Buches, der Bibel. Dann rief er Himmel und Erde auf zum Lob des himmlischen Vaters, der ja auch unser Vater ist:

 

„Lobt hoch vom Himmel her den Herrn,

lobt ihn dort in den Höhen.

Lobt ihn, all seine Engel,

lobt ihn, all seine Heere.

Lobt ihn, du Sonne und Mond,

lobt ihn, ihr Sterne und Lichter.

Lobt ihn, ihr höchsten Himmel,

ihr Wasser, hoch am Himmel hin,

lobt Gottes Namen!“ (Psalm 148)

 

Fronleichnam bei den Indianern

 

Womit beginnt das Kirchenjahr und wann hört es auf? Ich kenne ein paar kleine Geschwister, die sagen, es fängt mit St. Martin und St. Nikolaus an und hört auf, wenn der Heiland durch die Stadt getragen wird.

 

Ich glaube, ihr versteht es schon, mit dem Schluss des Kirchenjahres meinen sie das Fest Fronleichnam. Da trägt der Priester ja auch wirklich den lieben Heiland in einer goldenen Monstranz hinaus in die Natur und unter die Menschen, damit er alles segne und alle Welt ihn preise. Denn eigentlich hat der liebe Gott ja alles nur erschaffen, dass es ihn preise. Nicht nur wir Menschen beten, nein, die ganze Schöpfung betet mit uns das Lob Gottes!

 

Denkt einmal, als vor 350 Jahren Missionare der Jesuiten über das große Wasser nach Südamerika fuhren, kamen sie auch zu den Indianern nach Paraguay. Natürlich wollten sie denen auch erklären, wie man den Heiland verehrte. Um ihnen Fronleichnam ganz einfach zu zeigen, haben sie in die Prozession alles mit hineingenommen, was man dort kannte. Eine solche Fronleichnamsprozession könnt ihr euch wohl kaum vorstellen.

 

Da wurden Esel, Maulesel, Pferde und Rinder durch den Urwald mitgeführt. Sodann viele Vögel, die das Lob Gottes auf dem Weg sangen wie damals beim heiligen Franziskus. Ich glaube, es waren sogar Affen dabei, denn auch sie hat der Liebe Gott zu seinem Lob und Preis erschaffen. – Und Blumen und Früchte in Fülle! Kinder, die Prozession war fast zu einem lebendigen Garten geworden.

 

Aber mit all dem hatten die Indianer, die Kinder wie die Großen, es begriffen, was Fronleichnam bedeutet. Ihr auch? Dann lasst uns mit allen Geschöpfen wie an Fronleichnam fröhlich singen:

Macht hoch die Tür, die Tor macht weit,

es kommt der Herr der Herrlichkeit!

 

Der heilige Franz predigt den Vögeln

 

Einmal sah Franz auf den Bäumen am Weg viele Vögel sitzen. Er sagte zu seinen Gefährten: „Wartet, ich will meinen Geschwistern, den Vögeln, predigen.“ Und sogleich flogen die Vögel heran und blieben ruhig sitzen, bis er fertig war. Der Heilige aber sprach: „Vögel, liebe Brüderlein, sehr verbunden seid ihr dem Herrn, eurem Schöpfer. Ihr sollt immer und überall sein Lob singen. Ihr dürft fliegen, wohin ihr wollt. Er hat euch ein doppeltes und dreifaches, buntes und schmuckes Kleid gegeben. Ihr sät nicht und erntet nicht, und Gott ernährt euch doch. Er gibt euch Flüsse und Quellen, um daraus zu trinken, Berge und Hügel und Felsen als Schlupfwinkel, Bäume zum Nisten. Ihr könnt nicht spinnen und nähen, er aber kleidet euch und eure Jungen. Seid also nicht undankbar, ihr Brüderlein, sondern seid immer bedacht, Gott zu loben.“

 

Da begannen alle Vögel die Schnäbel zu öffnen, die Hälse zu recken, mit den Flügeln zu schlagen und die Köpfe ehrerbietig zur Erde zu neigen. Der Heilige aber schlug das Zeichen des Kreuzes über sie und entließ sie. Da schwangen sie sich mit wunderbarem Gesang auf und teilten sich nach dem Kreuz des heiligen Vaters Franziskus in vier Schwärme: einer floh nach Sonnenaufgang, einer nach Sonnenuntergang, einer nach Mittag, einer nach Mitternacht. 

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Herr, künde uns dein Wort!

 

Habt ihr schon gesehen, dass der Priester, wenn er am Altar oder auf der Kanzel das Evangelium verkündet hat, andächtig das Buch küsst? Beim feierlichen Hochamt ehrt der Diakon das Evangelienbuch sogar durch dreimaliges Schwenken mit dem Weihrauchfass, bevor er anhebt zu singen. Nach Beendigung seines Gesanges trägt der Subdiakon das Buch die Altarstufen hinauf zum Priester, um es ihm darzureichen zum feierlichen Kuss.

 

Warum wohl mag die Kirche solches angeordnet haben? Seht Kinder, einzig aus Ehrfurcht vor dem Wort Gottes, das in unserem heiligen Buch, der Bibel, enthalten ist. Es ist euch doch sicher schon einmal ein besonders liebes Wort der Mutter oder eine ernste Mahnung des Vaters lange im Gedächtnis geblieben. Und wenn eins von euch Vater oder Mutter schon verloren hat, dann mag es sein, dass es das letzte Wort vor dem Sterben wie ein Heiligtum in seinem Herzen aufbewahrt und mit rechter Ehrfurcht daran denkt.

 

Wenn wir nun schon Menschenworte so wichtig nehmen, dann könnt ihr verstehen, dass Gottes Wort uns ganz besonders heilig ist. Alles, was er gesagt hat, das hat die Kirche aufbewahrt in der Heiligen Schrift. Schon im Alten Testament ist viel zu lesen von dem, was Gott zu den Menschen gesprochen hat. Das hat er damals durch seine Propheten verkündigt. Aber da war so manches, was er durch andere gar nicht sagen lassen konnte. Deshalb kam der liebe Gott schließlich selbst auf die Erde. Er wurde Mensch, damit man ihn auch sehen und hören könnte. Das ist Jesus Christus, unser lieber göttlicher Heiland. Der hat nun alles gesagt und gezeigt, wie Gott es mit den Menschen meint. Und all seine Worte und Taten sind aufgeschrieben im Neuen Testament. Wer also richtig wissen will, wie Gott ist und was er uns gesagt und für uns getan hat, der braucht nur in unserem heiligen Buch, der Bibel, nachzusehen.

 

Beim Lesen dieses Buches geht es ganz komisch zu. Wenn man die Worte andächtig und aufmerksam in sich aufnimmt, wird es einem plötzlich warm ums Herz. Man spürt die Liebe Gottes zu uns Menschen wieder, und auf einmal ist es, als ob die Worte lebendig würden. Gott selbst spricht dann zu uns.

 

Wie reich sind wir Christen doch! Wir haben den lieben Gott nicht nur im heiligen Sakrament des Altares unter uns, auch in der Heiligen Schrift ist er verborgen. Er redet jeden an, der ihn hören will. Da versteht ihr, dass ihr ganz viel Ehrfurcht vor diesem Buch haben müsst. Lernt eure biblischen Geschichten gut auswendig, aber schnattert sie nicht so gedankenlos herunter. Sie sind Gottes Wort! Gewöhnt euch schon früh an das Lesen der Heiligen Schrift, damit ihr die Geschichte Gottes mit den Menschen immer besser kennenlernt.

 

Gebet: Göttlicher Heiland! Du hast in deinem Leben und Sterben gezeigt, wie groß deine Liebe zu uns Menschen ist. Flöße uns Ehrfurcht vor deinem Wort ein, dass wir dich immer besser erkennen und immer inniger lieben. Amen.

 

Lesung

 

Unser heiliges Buch, die Bibel, berichtet:

 

Unser lieber Herr und Heiland predigte vom Reich Gottes, vom Himmelreich. Das war eine frohe Botschaft, als er sagte:

 

„Gott liebt euch Menschen wie ein Vater seine Kinder! Habt Vertrauen zu ihm! Lasst ab von euren Sünden, seid fromme und frohe Kinder Gottes! Deshalb hat mich der himmlische Vater gesandt, dass ich euch dazu helfe!“

 

Eben darum war der Heiland so besonders gern bei den Kindern. Und als die Großen meinten, die Kinder seien ihm vielleicht lästig, da sagte er:

 

„Nein, lasst gerade die Kinder zu mir kommen, denn das Himmelreich ist für Kinder! Ihr Menschen, habt Vertrauen zu Gott wie ein Kind zu seinen Eltern! Werdet ganz wie die Kinder, dann seid ihr die Größten im Himmelreich!“

 

Und während er das sagte, nahm er die zwei Kinder, die neben ihm standen, in seine Arme und hielt sie lieb. Dann legte er ihnen die Hände auf und segnete sie.

 

Was eine Bibel wert ist

 

Ein Mann, der kürzlich aus russischer Gefangenschaft zurückgekehrt ist, erzählte mir folgendes:

 

Sie waren in einem großen Lager untergebracht, in der sie schwer arbeiten mussten. Einen Sonntag gab es dort nicht, und niemals kam einer, der ihnen ein gutes Wort sagte. Da erblickte er eines Tages im Bündel eines Kameraden eine Bibel, in der dieser überhaupt nicht las. Die hätte der Mann gerngehabt. Aber der Kamerad wollte sie nur gegen etwas Wertvolles abgeben. Schließlich einigte man sich auf folgenden Preis: Ein Brot, eine Nähnadel und eine Pfeife.

 

Nun werdet ihr sicher lachen. Aber fragt nur euren Vater, wenn der in Gefangenschaft war, wieviel diese Dinge dort wert sind. Und erst mal in russischer Gefangenschaft! Wer dort eine Nähnadel abgibt, der kann nicht mehr nähen, wenn er etwas zerreißt. Eine Pfeife verlieren bedeutet, nicht mehr rauchen zu können; und das ist für einen Mann oft ein hartes Opfer. Mit einem Brot muss man in Gefangenschaft 10 Tage auskommen. Außerdem gibt es nur Wassersuppe.

 

Aber der Mann gab diese drei Dinge gerne hin, nur um die Bibel zu erlangen. Er musste 10 Tage hungern und für lange auf das Rauchen verzichten. Die Nähnadel entbehrte er bald schmerzlich. Doch dieser Verzicht wurde reichlich aufgewogen durch die Freude, die ihm das Lesen des göttlichen Wortes bereitete. Von da an, so erzählte er mir, sei ihm das Lager viel heller erschienen. Alles war auf einmal leichter zu tragen. Und als er anfing einigen Kameraden aus der Heiligen Schrift vorzulesen, da wurde der Kreis der Hörer immer größer. Bald war jeden Abend Bibelstunde in seiner Baracke. Von da an kehrte ein froher Geist ins Lager ein. Daran könnt ihr sehen, wie reich Gott zurückzahlt.

 

Die Vielen Grüße Gottes an uns

 

Alles Schöne, das in der Schöpfung ist, preist den lieben Gott und betet ihn an. Da gebt ihr mir sicher recht, wenn ich euch sage, es ist uns ein Stück aus dem Paradies übriggeblieben. Das alles hilft mit, wenn wir Menschen beten. Aber ebenso spricht auch der liebe Gott durch all das Schöne zu uns: Sieh diesen Himmelsgruß, so gern habe ich euch Menschen! Jetzt lacht mich aber nicht aus, wenn ich euch erzähle, dass mir vor vielen Jahren eine Menge Maikäfer einen ganz lieben Gruß vom Himmel gebracht haben.

 

Das war so. Ich war auf einer Wanderung. Als Junge zog ich ganz allein den Bodensee entlang. An einem warmen Mittag war ich hoch oben auf dem Hohentwiel müde eingeschlafen. Der Schatten der alten Burg fiel auf die Wiese, wo ich unter einem Baum lag. Ich schlief sicher eine gute Stunde. Als ich erwachte, da brummte es über mir so stark, dass ich glaubte, der Zeppelin, das große Luftschiff, komme dahergeflogen. Aber ich sah im weiten Himmel nichts, gar nichts. Wie ich mich dann wieder zurücklegte, da war es mir, als ob der ganze Baum über mir lebendig wäre. Und dann sah ich schließlich, dass er über und über mit Maikäfern bedeckt war, die auf ihm saßen und um ihn herumflogen. Der ganze Baum wimmelte von Käfern.

Meine Freude könnt ihr euch gar nicht vorstellen. Ich war doch ein Stadtkind, wie sicher viele von euch, und hatte einen Maikäfer noch nie lebendig gesehen. Wohl hatte mein Vater mir in meiner Kindheit einmal einen Maikäfer aus Schokolade mitgebracht. Ich weiß noch heute, mit welcher Freude ich damals von dieser Wiese im Schatten der Burg einen Brief nach Hause schrieb. Es war mir, als hätte der liebe Gott mir an diesem herrlichen Sommertag eigens einen guten Gruß schicken wollen durch diese kleinen Geschöpfe, die lieben Brummer.

 

Wie sehr sah und verstand erst unser lieber Herr und Heiland diese Grüße seines Vaters, ob nun Wind oder Wasser, Blume oder Tier, Kind oder Greis sie brachten!

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Siehe, ich bin eine Magd des Herrn

 

Das wäre kein rechtes Kommunionkind, dass in dieser Zeit der Vorbereitung nicht auch die liebe Gottesmutter mitnehmen würde auf dem Weg zum göttlichen Heiland. Ihr könnt da von der Kirche lernen. Auch sie hält keine Feier ab, in der sie nicht an Maria denkt. Selbst beim heiligen Opfer, dass sie mit dem Heiland zusammen dem Vater darbringt, ruft sie mehrere Male die Mutter unseres Herrn an. Sie weiß wohl, weshalb sie das tut. Wir schulden Maria ja soviel Dank! Sie hat dem Sohn Gottes das menschliche Leben geschenkt. Sie hat ihn genährt, erzogen und behütet, bis er groß war und uns die frohe Botschaft der Erlösung verkündigen konnte.

 

Aber es gibt noch einen tieferen Grund, Maria dankbar zu sein. Als der liebe Gott sie zur Mutter seines Sohnes bestimmte, da hat er nicht befehlend zu ihr gesagt: „Maria, du sollst jetzt die Mutter Gottes werden.“ Nein, er hat sie durch den Erzengel Gabriel erst fragen lassen, ob sie das werden wollte. Bedenkt einmal, was das bedeutet: Der große Gott bietet einem schwachen Menschenkind eine Gnade an und fragt erst noch, ob er sie ihm auch schenken darf. So vornehm ist Gott.

 

Das war ein wichtiger Augenblick, als Gabriel vor Maria stand. Ich glaube, da haben die Engel im Himmel den Atem angehalten. Denn von der Antwort, die Maria gab, hing das Heil der Welt ab. Wenn sie „Nein“ gesagt hätte, konnte Gottes Sohn nicht Mensch werden und die Welt erlösen. Was wäre dann aus uns geworden?

 

Aber Maria sagte „Ja“. Sie antwortete dem Engel: „Ich bin die Magd des Herrn.“ Damit wollte sie sagen: ich bin bereit zu allem, was Gott von mir verlangt. Was meint ihr wohl, welche Freude da im Himmel herrschte! Nun konnte der ewige Plan Gottes verwirklicht werden.

 

Wieviel Dank gebührt Maria für diese Antwort! Der liebe Gott hat ihr bereits seinen Dank abgestattet. Er hat sie zur Königin des Himmels gemacht. Nun müssen auch wir Maria noch danken.

 

„Wie tut man das?“ werdet ihr fragen. Das ist sehr einfach gesagt und doch oft recht schwer getan. Ihr müsst dem lieben Gott gegenüber genau so handeln wie sie. Auch euch überfällt Gott nicht mit einer Forderung. Er zwingt euch nicht, Kommunionkinder zu werden, er ladet euch vielmehr liebevoll ein, zum Tisch der Gnaden zu kommen. Da müsst ihr es machen wie Maria und demütig sagen: „Ich bin bereit.“ Diese Bereitschaft muss sich zeigen durch ein gewissenhaftes Leben, durch ein wirkliches Verlangen nach dem Heiland. Und wenn ihr ihn in der heiligen Kommunion empfangen habt, dann müsst ihr ihn in euch behüten und bewahren, wie Maria das göttliche Kind behütet und bewahrt hat.

 

Seht, das ist echte Marienverehrung: so denken und tun wie Maria. Wir wollen in dieser Woche die liebe Gottesmutter recht innig bitten, dass sie uns die Gnade solcher Gesinnung erbittet.

 

Gebet: O Maria! Dich hat der liebe Gott berufen, Mutter seines Sohnes zu sein. Du hast „Ja“ gesagt und alles getan, was er von dir verlangte. Erflehe uns die Gnade, dass auch wir dem Ruf des göttlichen Heilands folgen und alles tun, um ihn würdig zu empfangen. Amen.

 

Lesung

 

Unser heiliges Buch, die Bibel, weiß nicht nur vom Heiland zu berichten, sondern auch von der lieben Mutter Maria, der Mutter Gottes. Sie war die größte und edelste aller Frauen. Wie stark und tapfer sie war, das hat sie bewiesen, als ihr liebster Sohn am Kreuz hing. Johannes der Apostel schreibt darüber in der Bibel:

 

„Es stand beim Kreuz Jesu seine Mutter.“

 

Jeder andere an ihrer Stelle wäre zusammengebrochen, sie aber hielt tapfer beim Heiland aus. Und weil sie eine so große Kraft zeigte, darum hat der Heiland sie damals seinem Apostel zur Mutter gegeben. Er sagte vom Kreuz herab:

 

„Liebe Mutter, nimm Johannes von nun an zu deinem Sohn, und du, Johannes, bleib bei Maria wie bei einer Mutter.“

 

So wurde Maria Mutter des Johannes und wohnte bei ihm. Aber wie der Heiland für uns alle lebte, so sollte auch die Mutter uns allen gehören. Es war der Wunsch des Herrn, dass Maria für uns alle die himmlische Mutter und wir alle ihre Kinder würden. Ist das nicht eine gute, eine frohe Botschaft?

 

Der himmelblaue Schutzmantel Mariens

 

Früher soll der Himmel nicht blau, sondern schneeweiß gewesen sein. Als nun die liebe Mutter Gottes ihre wunderbare Himmelfahrt in das ewige Reich ihres göttlichen Sohnes machte, da krönte er sie zur Königin des Himmels für alle Ewigkeit. Sie lebte in einer solchen Herrlichkeit, die könnt ihr euch gar nicht ausdenken. Man sollte nun meinen, Unsere Liebe Frau sei über alle Maßen selig gewesen. Aber nein, ein ganz leichtes Wölkchen der Trauer lag über ihren Augen. Zu dem Engel, der ihr zum steten Begleiter und Geheimsekretär gegeben worden war, sagte sie eines Tages: „Sag mal, kannst du mir nicht ein Himmelsfenster zeigen, durch das man auf die Erde hinabschauen kann?“ Der Engel war ganz bestürzt: „Auf die Erde, in dieses Tränental?“ „Das verstehst du nicht, mein lieber Geheimsekretär, denn du bist nie Mensch gewesen. Meinst du, ich dächte heute noch an alles Leid, das mir widerfuhr, zum Beispiel an die Armut des Stalles zu Bethlehem? Nein, nur noch an die Freude über mein Jesulein. Ich hänge an der Erde, glaub es mir. Da unten gibt es noch so viel Leid und Not zu lindern, und ich sitze hier oben in großer Pracht und Herrlichkeit.“

 

Dem Engel wurde es nachgerade schwül. Schließlich dankt sie noch als Königin des Himmels ab, um Erdenbürgerin zu werden, ängstigte er sich. „Bist du denn nicht glücklich?“ fuhr es aus ihm heraus.

 

„Ich habe ja alles, was der Himmel geben kann“, sagte Unsere Liebe Frau, „aber . . .“

 

„Meine liebe Mutter.“ Der Herr stand plötzlich vor den beiden Überraschten. „Hier im Himmel gibt es kein Aber, hier im Himmel sollen alle wunschlos glücklich sein und ganz besonders du. Deine Erdensehnsucht wird gestillt. Von dieser Stunde an bist du nicht nur Königin des Himmels, sondern auch der Erde. Deinem Schutz und Schirm, deiner Fürsorge und Liebe werden hiermit alle Menschen übergeben.“ Damit reichte der Herr ihr ein goldenes Zepter zum Zeichen ihrer neuen Würde.

 

Die liebe Mutter Gottes war nun ganz selig, und es fehlte nicht viel, so hätte sie vor Freude geweint, aber im Himmel gibt es keine Tränen.

 

Jetzt breitete Maria ihren blauen Mantel weit aus, so dass er die ganze Erde umfasste und alles, was darauf ist. So trägt sie uns alle in ihrem Schutz bis ans Ende der Zeiten.

 

Der Himmel über uns aber ist von jener Stunde an blau, weil ihn der Schutzmantel ihrer Mutterliebe umgibt.

 

Maria breit den Mantel aus,

mach Schirm und Schild für uns daraus,

lass uns darunter sicher stehn,

bis alle Stürm vorübergehn!

Patronin voller Güte,

uns allezeit behüte!

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Nimm an, o Herr, die Gaben

 

Wisst ihr, warum die Messdiener in der Heiligen Messe klingeln? Sie sollen damit den Leuten in der Kirche anzeigen: „Passt auf, jetzt kommt etwas Besonderes!“ Beim ersten Klingelzeichen sind wir aufgerufen, dem lieben Gott ein Opfer darzubringen. Wir sollen es dem Heiland nachmachen, der am Kreuz das höchste Opfer dargebracht hat. Mit seinem Opfer sollen wir das unsrige in der Heiligen Messe vereinigen, damit es Gott wohlgefällig werde.

 

Früher standen alle Leute auf und brachten ihre Gaben zum Altar. Das geschieht schon lange nicht mehr. Aber wenn der Priester auf dem goldenen Tellerchen, der Patene, die Hostie hochhebt, dann bietet er auch heute noch dem lieben Gott die Opfergaben all derer an, die die Heilige Messe mitfeiern. Nur sind das heute keine sichtbaren Gaben mehr, sondern unsichtbare, die aus dem Herzen kommen. Beim Klingelzeichen werden die Gläubigen eingeladen, eine solche bereitzuhalten. Die großen Leute wissen das. Sie bringen all ihre Anliegen und Sorgen, ihre Mühen und Plagen dem lieben Gott dar, mit dem Versprechen, geduldig zu sein und auf ihn allein zu vertrauen. Manchmal ist auch eine große Freude dabei mit viel Danksagung und Anbetung. Was meint ihr wohl, was alles zur Opferung auf der Patene und im Kelch liegt! Ganz schwer sind sie von all dem Leid der Menschen, von Anbetung und Dank.

 

Nun müsst auch ihr als Kommunionkinder lernen, in der heiligen Messe ein Opfer darzubringen. Wenn das Glöcklein zur Opferung erklingt, dann soll es von jetzt an euch mahnen, eine Gabe zum Altar zu bringen. Was soll das wohl sein? Nun, ein Sprichwort sagt: Liebe macht erfinderisch. Wer den Heiland richtig lieb hat, der weiß schon, was er ihm schenken soll. Aber ich will euch auf einiges hinweisen. Sagt bei der Opferung etwa: Heute will ich in der Kirche ganz andächtig sein, nicht abgelenkt sein. Oder ihr sagt: Heute will ich der Mutter helfen, will mich nicht streiten, will meine Hausaufgaben ordentlich machen, will ich kein Geld für Unnützes ausgeben, nicht so viel fernsehen. Und wenn ihr den Heiland besonders erfreuen wollt, dann könnt ihr sagen: Heute will ich das kranke Nachbarskind besuchen oder noch einmal still für mich zur Kirche kommen.

 

Das sind so einige Vorschläge von mir. Ihr selbst werdet sicher noch Besseres finden. Nun dürft ihr aber nicht meinen, mit so einem „Öpferchen“ wäre alles getan. Viel wichtiger ist, was dahintersteht; dass ihr dem lieben Gott damit sagt: „Mit diesem Opfer erkenne ich an, dass du mein Herr und Gott bist, ich will dir damit zeigen, dass ich dich liebhabe.“ – Denn nicht die Gabe ist das Wichtigste, sondern die Gesinnung, die erfreut erst den Beschenkten.

 

Nun fangt euer Opfern in der heiligen Messe an. Aber noch einen Rat muss ich euch geben. Überlegt schon vor der heiligen Messe, was ihr opfern wollt. Sonst klingelt das Glöckchen zur Opferung und ihr wisst noch nicht, was ihr auf den Altar legen sollt.

 

Gebet: Göttlicher Heiland! Du hast dem himmlischen Vater dein ganzes Leben als Opfer dargebracht und dadurch der Welt das Heil geschenkt. Lehre auch uns opfern, damit wir dem lieben Gott allezeit rechte Freude machen. Amen.

 

Lesung

 

Wie schön müsste das werden, wenn die Menschen dem Heiland folgten und das Himmelreich beginnen würde. Darauf freuten sich alle, die ihn liebten. Unser heiliges Buch erzählt uns, dass der Heiland nach dem Einzug in Jerusalem tatsächlich sagte:

 

„Die Stunde ist gekommen, dass der Menschensohn verherrlicht werde.“

 

Wie schön, denkt ihr, nun war es soweit. Aber ihr erschreckt, wenn der Heiland dann noch sagt, wie das geschehen soll: „Es geht nur, wenn ich für die Menschen sterbe, wenn ich dem Vater im Himmel sage: Nimm mich zum Opfer, damit die Menschen im Himmel glücklich sein können und nicht in der Sünde verderben.“

 

Dabei zeigt er auf das Feld hin und sagt:

 

„Seht das Weizenkorn, wie es in die Erde fällt und stirbt. Das ist nötig, damit im Frühjahr die Frucht neu und reich wächst. – Ebenso muss ich sterben, damit ihr alle das ewige Leben erlangen könnt.“

 

Zweierlei Brot

 

Heute hat Vater Titus vom Brot geredet, da saß der Martin voran und verschlang alle seine Worte, als wären sie selber auch Brot. Und Vater Titus sagte:

 

Es gibt zweierlei Brot, meine Kinder, das eine, sobald ihr davon esst, lässt euch die Kraft wachsen, einen starken Ast zu zerbrechen, ja selbst Eisen, wenn es nottut, das andere Brot, wenn ihr es genießt, lässt die Kraft wachsen, einen bösen Willen zu brechen, den eigenen bösen Willen. Das eine Brot lässt Lasten ertragen, die ihr seht, meine Kinder, das andere Brot aber lässt euch Lasten tragen, die keiner sieht, doch es sind die viel schwereren Lasten. Das eine Brot kommt aus der Erde für die Erde, für den Leib, der aus Erde gemacht ist. Das andere kommt vom Himmel herab auf die Erde als Zehrung auf dem Weg ins Himmelreich, dies schneeweiße Brot ist Er selbst, unser Herr. Und dies sollt ihr essen dürfen zum ersten Mal, dann aber, sooft euch danach verlangt. –

 

Dann langte sich Vater Titus den Martin her und stellte ihn schön vor sich hin und fragte ganz langsam: Brot und Brot, ist da ein Unterschied, Martin? Und Martin sagte ganz fröhlich: Ja gewiss, Vater Titus, auf das eine macht die Mutter mit dem Messer ein Kreuz, es ist eine Gottesgabe, so sagt sie, ich werfe es gewiss nicht zu Boden, ich passe gut auf. Vor dem anderen aber werfe ich mich selbst zu Boden! Und er machte es sofort vor. Da lag er in seinem grauen Röckchen wie ein Eselein da, und seine Augen waren vor Begeisterung noch einmal so groß.

 

Brot und Wein für den Herrn

 

In Italien lebt eine greise Lehrerin, die jedes Jahr mit den neuen Kommunionkindern draußen auf dem Feld den Weizen und im Garten die Weinrebe pflanzt. Zusammen mit ihnen pflegt sie beides bis zur Ernte. Sie bereiten dann den Weizen zu Mehl und das Mehl zu Brot. Ebenso gewinnen sie aus den Trauben Wein. Diese selbstbereiteten Gaben von Brot und Wein bringen sie am Weißen Sonntag zur Heiligen Messe und opfern sie am Altar auf. Was meint ihr wohl, wie sehr der liebe Gott sich über diese Kinder freut!

 

Wenn ihr aber nun meint, er freute sich über das Brot und den Wein, dann täuscht ihr euch. Denn Brot und Wein braucht Gott nicht. Es ist etwas anderes, woran er seine Freude hat.

 

Die Zubereitung dieser Gaben ist nicht so ganz einfach. Die Arbeit auf dem Feld und im Garten kostet manchen Schweißtropfen. In Italien ist es heißer als bei uns. Das Korn muss geschnitten, in Garben aufgestellt, eingebracht und gedroschen werden. Nachher werden die Körner gemahlen, und feinstes Mehl wird ausgesiebt. Zuletzt wird das Mehl zu Hostien verbacken. Das alles tun die Kinder selber. Und dazu kommt noch die Arbeit in den Weinbergen. Die Rebstöcke erfordern viel Pflege. Beim Traubenlesen darf nicht genascht werden; jede Traube ist ja für den Heiland bestimmt. Auch das Keltern ist mit Mühen verbunden. Ihr könnt glauben, dass es da manchem Kind schon mal zu viel wird. Aber die Lehrerin spornt sie immer wieder an und erinnert sie daran, dass alles für den lieben Heiland getan wird. Dann nehmen alle sich zusammen und tun die Arbeit wieder gern.

 

Wenn die Kinder nun am Weißen Sonntag das selbstbereitete Brot und den selbstbereiteten Wein zum Altar bringen, dann bringen sie all die Mühen und Selbstüberwindungen während der langen Arbeitszeit mit. Darin ist ihre ganze Liebe zum göttlichen Heiland eingeschlossen. Und diese Liebe ist ihre eigentliche Opfergabe am Weißen Sonntag. Sie erfreut den Herrn mehr, als selbst die kostbarsten Geschenke es tun könnten. 

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Lasset uns Dank sagen, dem Herrn, unserem Gott

 

Als unser lieber Herr Jesus am Abend vor seinem bitteren Leiden das letzte gemeinsame Mahl mit seinen Aposteln gehalten hatte, sprach er am Schluss ein feierliches Dankgebet. Er dankte darin dem himmlischen Vater für all seine Güte und sein Erbarmen mit den Menschen. Jetzt war ja die Stunde angebrochen, auf die der Himmel schon seit dem Sündenfall wartete. Jetzt endlich sollten die Menschen wieder mit Gott versöhnt werden. Gewiss, vorher waren noch viele Leiden und ein schmerzlicher Tod zu bestehen. Aber daran dachte der göttliche Heiland in diesem Augenblick nicht. Er sah nur den Gewinn seines Sterbens für die Menschen. Er freute sich schon im Voraus, dass er all das Böse in der Welt wiedergutmachen konnte. Darum strömte jetzt sein Herz über vor Dankbarkeit gegen Gott, der auf seinen Tod hin die Tür zum Paradies wieder aufschließen würde.

 

Dieses Danken hat die Kirche von ihrem Herrn Jesus Christus gelernt. Darum wird sie nicht müde, Gott dankzusagen für das große Werk der Erlösung. Besonders feierlich stattet sie diesen Dank in der Messe ab. Da ist ja auch der rechte Augenblick dafür, feiert sie doch in der Wandlung immerfort die Erinnerung an die Hingabe unseres Erlösers im Tod am Kreuz. So vereinigt sie ihren Dank mit dem Dank des göttlichen Heilandes.

 

Wenn sich der Priester mit ausgebreiteten Händen zum Volk wendet und spricht: „Lasset uns danksagen dem Herrn, unserm Gott!“ dann antwortet dieses: „Das ist würdig und recht.“ Und dann beten Priester und Volk gemeinsam das erhabene Dankgebet, das wir Präfation nennen. Es ist wie ein rauschender Chor, in dem sich zum Schluss die Engel mit den Menschen vereinigen zum Hochgesang auf den dreimal heiligen Gott. Dieses Lied stammt aus dem Himmel selbst. Der Prophet Jesaja hat es vernommen, als er einst den Himmel offen sah.

 

Nun bedenkt einmal: Diesen Lobpreis auf die Liebe des erhabenen Gottes zu uns sündigen Menschen stimmt die Kirche in jeder heiligen Messe an. Wieviel Messen aber werden täglich auf der Erde gefeiert! Wenn es bei uns Nacht ist, ist es anderswo Tag und umgekehrt. So erklingt jede Stunde, ja jede Minute irgendwo in der weiten Welt das Lob Gottes, sagt die Kirche Dank, weil er so gut zu uns ist. Das ist ein ununterbrochener Jubel, ein nie abreißender inniger Dank.

 

Es muss doch etwas Großes sein um die Erlösung. Vergesst darum nie in eurem Leben, dankzusagen für das, was der göttliche Heiland aus Liebe zu uns getan hat. Das Kreuz und das Sakrament, das sind die sichtbaren Zeichen seiner Liebe, und zum Empfang des höchsten Sakraments seid ihr jetzt berufen. Versucht einmal in dieser Woche, nur zu danken.

 

Gebet: Göttlicher Heiland, wir preisen dich mit allen Engeln des Himmels. Du hast am Kreuz dein Leben für uns dahingegeben und schenkst dich im Sakrament immerfort zur Speise. Lass uns nie aufhören, dir dankzusagen für deine Liebe. Amen.

 

Lesung

 

Unser heiliges Buch, die Bibel, erzählt: Ein Mann im alten Bund, Jesaja mit Namen, war ein Prophet. Er lebte in Jerusalem, in der Heiligen Stadt des auserwählten Volkes, der Juden. Als er einst in dem gewaltigen, herrlichen Tempel tief im Gebet versunken war, da erschien ihm Gott. Engel mit sechs Flügeln umgaben ihn. Mit zwei Flügeln bedeckten sie ihr Antlitz – so viel Ehrfurcht hatten sie vor Gott –, mit zwei Flügeln ihre Füße und mit zwei Flügeln flogen sie. Diese Engel sangen, wie ihr noch heute in der heiligen Messe hört:

 

„Der Heilige, der Heilige, der Heilige.

Der Herr der Heerscharen!

Die ganze Erde ist erfüllt von seiner Herrlichkeit!“

 

Der Prophet erschrak und rief aus: „Weh mir! Ich sterbe! Ich armer Mensch habe Angst vor Gott, denn mein Herz und meine Lippen sind von meiner Schuld befleckt!“

 

Da flog einer von den Engeln zu ihm hin und berührte seinen Mund mit einer glühenden Kohle, die vom Altar genommen hat. Im Namen Gottes sagte er dann zu Jesaja:

 

„Nun bist du wieder rein.

Gott verzeiht dir deine Schuld.

Zieh nun aus und sprich zum Volk im Namen Gottes!“

 

Die güldene Sonne

 

Zu den schönsten Dingen, die uns aus der Zeit des Paradieses geblieben sind, gehört auch unsere liebe, goldene Sonne. Sie ist wirklich ein immerwährendes Wunder, das der liebe Gott über uns leuchten lässt. Habt ihr sie einmal aufsteigen sehen? Vor langen Jahren habe ich einmal mit einer Gruppe von Jungen und Mädchen um Mitternacht eine Nachtwanderung gemacht – es war auf Rügen, der Insel in der Ostsee –, um die Sonne aus dem Meer aufsteigen zu sehen. Dafür sind wir gerne durch die Dunkelheit der Nacht gewandert und haben den Schlaf fortgescheucht. Was war das eine große Freude, ein so herrliches Erlebnis, als dann der feuerrote Ball aus dem Wasser des Meeres, an dessen Ufer wir standen, hervorging! Auch das war ein ganz feierlicher, wunderbarer Gruß Gottes an uns Menschen.

 

Kinder, da war es uns, als ob der liebe Gott uns ein Stück seiner eigenen Herrlichkeit zeigen wollte. Und tatsächlich sagt er ja auch jeden Morgen mit dem Aufgang der Sonne: „So lieb habe ich dich.“ Wisst ihr, woran man das ganz einfach merken kann, was uns daran immer erinnert? Das ist die Glocke, die am Morgen zum Engel des Herrn läutet. Sie erklingt, um uns wie damals der Mutter Gottes zu sagen: „Hier komme ich mit meiner Liebe und biete sie euch an. Wollt ihr sie?“ Und wie Maria geantwortet hat, das wisst ihr doch gewiss: „Siehe, ich bin eine Magd des Herrn.“ Das sollte heißen: „Lieber Gott, ich danke dir für deine Liebe, dass du zu uns Menschen selbst herniedersteigen willst. Ich bin bereit, alles zu tun, was du von uns erwartest.“

 

Seht, ebenso kommt täglich die Glocke, die den Engel des Herrn uns von neuem fragen lässt: „Siehst du meine Liebe, willst du sie?“ Und dann möge es aus unseren Herzen nur eine Antwort geben: „Ja, lieber Gott! Dein Wille geschehe, wir wollen, was du willst. Gerade jetzt, wo wir dem Heiland entgegengehen.“ Und nun denkt daran, dass die Glocke zu der Zeit zum ersten Mal erklingt, wenn die liebe Sonne über den Horizont heraufsteigt. Sie sagt eben das gleiche wie der Engel des Herrn. Hier ist wieder die Liebe Gottes, die wir in der Sonne sehen wollen. Und wenn die Sonne ihren höchsten Punkt erreicht hat und am wärmsten scheint, mahnt die Glocke wieder: „Sieh die Liebe Gottes über dir. Ja, sogar am Abend erklingt die Glocke noch einmal zu der Zeit, wo die Sonne untergeht. Wir wollen mit Maria antworten: „Wir danken dir, wir preisen dich, tue mit uns, wie du willst!“

 

Das Abendmahlsbild

 

Als der Maler Leonardo da Vinci das heilige Abendmahlsbild schaffen wollte, suchte er viele Jahre umher unter alten, heiligmäßig lebenden Männern, um sie als Apostel in sein Bild zu malen. Da brauchte er viele Jahre. Aber im Laufe der Zeit brachte er sie alle zusammen bis auf zwei: er fand keinen Menschen, der so rein und gütig war, dass er ihn als Heiland in das Bild zu malen gewagt hätte; er fand aber auch keinen Menschen, der so verworfen war, dass er ihn als Judas hätte malen mögen. Da, nach neunzehnjährigem Suchen sah er eines Tages in Florenz einen ganz unschuldigen Jungen, den malte der große Meister als Heiland in das Bild. Dann ging der junge Mensch fort. Meister Leonardo suchte nun weiter nach dem einen, der ihm allein noch fehlte, nach dem Judas; er suchte in Gefängnissen und Spelunken, wo Verbrecher zum Tode verurteilt wurden, überall war Meister Leonardo zu sehen. Endlich nach einigen Jahren fand er einen, wie er noch nie einen Menschen gesehen hatte, so hässlich und verworfen. Er nahm diesen Menschen mit in seine Werkstatt und fing an, ihn abzumalen.

 

Wie aber der Meister den Mann zeichnete, überkam ihn auf einmal ein Schrecken. Mein Gott, es war ihm, als habe er diesen Mann schon einmal gesehen, ihn in früheren Jahren schon einmal gemalt. Ja, dieser verlumpte Verbrecher war derselbe Mensch, den der Meister einige Jahre früher in Florenz als reinen Jüngling gefunden und als Heiland in sein Bild gemalt hatte.

 

So wohnen Heilige und Bösewichter in jeder Brust, auch in euch, Kinder. Wenn wir nicht die bösen Gesellen aus dem Gehäuse unserer Seele vertreiben, so ziehen die heiligen Gestalten fort von uns.

 

Sollten wir da nicht besorgt sein, die Bösewichter uns aus dem Haus unserer Seele zu halten und die Großen, Gewaltigen bei uns zu Gast zu haben, Tag für Tag? Für den Weißen Sonntag hat der Gast aller Gäste sich bei dir angemeldet. Sieh zu, wie du ihn empfangen kannst!

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Siehe, ich mache alles neu!

 

Die Wandlung ist der wichtigste Teil der Heiligen Messe. Das merkt ihr schon an dem häufigen Klingeln. Es muss wohl etwas Besonderes am Altar vorgehen, wenn die Kirche die Leute so oft zur Aufmerksamkeit mahnt. So ist es auch. Wenn der Priester über das Brot die Worte spricht: „Das ist mein Leib“ und über den Wein: „Das ist mein Blut“ – dann geschieht etwas ganz Geheimnisvolles. Der liebe Heiland steigt vom Himmel herab auf den Altar und geht ein in die weiße Hostie und in den Wein. Sehen kann man das nicht, das Brot verändert sich nicht und auch nicht der Wein. Und doch hat sich durch des Heilands Wort, das der Priester in seinem Auftrag spricht, etwas ereignet. Brot und Wein sind umgewandelt, sind heiliges Brot und heiliger Wein geworden. Wer davon isst und trinkt, der empfängt den göttlichen Heiland selbst. Jetzt versteht ihr, weshalb wir anbetend in die Knie sinken, wenn der Priester die Hostie und den Kelch hochhebt.

 

Wie ist das möglich, werdet ihr fragen. Nun, das ist deshalb möglich, weil der Heiland für uns gestorben ist. Durch sein Opfer am Kreuz hat er alles wieder gut gemacht, was die Menschen verschuldet haben. Seitdem sind die Sünde und der Tod besiegt. Das zeigte sich schon drei Tage später, als der Heiland von den Toten auferstand. Und so denken wir bei der Wandlung immer an den Tod und die Auferstehung unseres Herrn. Seitdem haben wir Menschen einen starken Helfer, der uns zu Gott führt. In jeder Wandlung steigt er herab, um auch uns den reichen Gewinn seines Todes zu schenken.

 

Kinder, merkt es euch gut, wo der Heiland erscheint, da macht er alles neu. Das sehen wir schon an Brot und Wein bei der Wandlung. Das ist jetzt nicht mehr gewöhnliches Brot und gewöhnlicher Wein, sondern eine göttliche Speise. Wer sie genießt, auch der wird umgewandelt. Das ist eine frohe Botschaft für die Kommunionkinder. Ihr seid bereits geheiligt durch die heiligmachende Gnade, die ihr in der Taufe empfangen habt. Aber am Tag der ersten heiligen Kommunion kommt der göttliche Heiland selbst zu euch. Er vereinigt sich mit euch, damit ihr ihm ähnlich werdet. Und nicht nur einmal kommt er zu euch, sondern ihr könnt ihn sooft in euer Herz aufnehmen wie ihr wollt. Wie einer durch den Umgang mit einem guten Menschen selbst auch allmählich gut wird, so könnt ihr durch die häufige Einkehr des lieben Heilandes in euer Herz immer besser und Gott wohlgefälliger werden. „Siehe, ich mache alles neu,“ hat Gott einst versprochen. Jetzt wisst ihr, wie das geschieht. Die Wandlung, bei der aus Brot und Wein der Leib und das Blut unseres Herrn wird, ist ein Zeichen und Unterpfand dafür, dass auch wir umgewandelt werden in einen neuen Menschen.

 

Gebet: Lieber göttlicher Heiland! Wir glauben, dass du im heiligen Sakrament des Altares wahrhaft zugegen bist. Wir freuen uns, dass du auch bei uns einkehren willst, um uns neu zu machen. Gib, dass wir dich würdig empfangen. Amen.

 

Lesung

 

Unser heiliges Buch, die Bibel, berichtet: Am Tag vor seinem Tod, am Gründonnerstag, schenkt uns der Heiland das heilige Abendmahl, das uns an seinen Tod und an seine Liebe erinnern sollte. Er nahm nach dem Genuss des Osterlamms Brot in seine heiligen Hände, segnete das Brot, brach es auseinander und gab es seinen Jüngern mit den Worten:

 

„Nehmet hin und esset!

Das ist mein Leib, der für euch hingegeben wird.

Tut das, was ich jetzt mit euch tue, immer wieder zu meinem Gedächtnis.“

 

Danach nahm er auch den Kelch mit Wein, segnete ihn, und sprach:

 

„Trinket alle daraus!

Das ist mein Blut, das einen neuen Bund Gottes mit euch bedeutet.

Für euch und für viele, viele Menschen der ganzen Welt wird es bald vergossen zur Vergebung ihrer Sünden.“

 

So aßen die Jünger zum ersten Mal dies heilige Brot und tranken den heiligen Wein, sie feierten mit dem Heiland zum ersten Mal das heilige Messopfer. Seitdem tun es alle Christen auf der ganzen Welt. Sie denken dabei an den Kreuztod und an die Liebe des Heilands. Und dann gehen auch sie mutig in ihr Leben, auch wenn es schwer ist. Denn die Liebe des Heilands geht nun mit ihnen bis in die ewige Heimat.

 

Warum Ochs und Esel bei der Krippe stehen

 

Es war kurz vor Weihnachten. Hans hatte das Amt, die Krippe aufzubauen. „Vater, ich hätte wohl Lust, es in diesem Jahr einmal ganz anders zu machen. In der Heiligen Schrift steht auch nur das Wichtigste. Von Ochs und Esel steht gar nichts drin. Die lass ich dieses Jahr weg.“

 

„Weißt du denn nicht, dass das Christkind auch Ochs, Esel und die Schafe erlöst hat?“ Hans wusste nicht zu antworte. Schließlich sagte er: „Der Heiland ist doch gekommen, um die Menschen zu erlösen.“

 

Da unterbrach der Vater seine Arbeit und setzte sich: „Das ist richtig. Aber am Schicksal der Menschen hängt auch das Schicksal der ganzen Schöpfung, der Tiere, der Pflanzen und Steine und wohl auch der Sterne.“ „Aber Vater, man kann doch nicht den Tieren und Pflanzen oder gar den Sternen predigen.“ „Sag das nicht! Der heilige Franziskus hat wirklich den Vögeln eine Predigt gehalten und der heilige Antonius den Fischen.“ Da meine Hans: „Das sind aber doch nur Legenden.“ „Was du klug bist!“ sagte der Vater, Wie oft habe ich gehört, dass du mit Nachbars Mietze geredet hast, und du willst nicht glauben, dass Franziskus den Vögeln gepredigt hat?“

 

„Aber die können doch nicht verstehen.“

 

„Ob die schwarze Katze dich wirklich nicht versteht? Gewiss nicht deine Worte. Aber sie spürt, dass du es gut mit ihr meinst. Und das werden wohl auch die Vögel gespürt haben, als der heilige Franz zu ihnen redete. Sie haben in den Worten des Heiligen den Erlöser selber vernommen. Da wurden die Tiere, die seit der Sünde des Menschen in große Angst geraten sind und vor dem Menschen fliehen, ganz zutraulich, - so, wie es einmal im Paradies gewesen war.“

 

Hans dachte wieder nach und fragte dann: „Warum sind es denn gerade Ochs und Esel und die Lämmer, die wir in die Krippe stellen?“

 

„Das Lamm war ein Tier, das man bereits im Altertum opferte. Und weil es so geduldig ist, erinnert es uns an den Heiland, der geduldig unser aller Sünden trug. Er heißt doch sogar das Lamm Gottes. Auch der Ochs war ein Opfertier. Und der Esel ist in aller Welt ein Lastträger, er deutet auch hin auf den Herrn, der unsere Sünden auf sich genommen hat.

 

Lass dich nur ruhig vom heiligen Franziskus belehren, setz Esel und Ochs und Schafe in die Krippe. Denn auch die Tiere wollen wie wir Menschen, dass der liebe Gott ihnen durch den Heiland ein neues, schönes, ewiges Leben schenkt.“ Da holte Hans auch die Tiere heraus und machte sie für die Krippe zurecht.

 

Mit dem Heiland tot und auferstanden

 

Da kamen in einem Kloster zwei Jungen an, die allein von ihrer Familie übriggeblieben waren. Vor sechs Jahren hatte die Mutter den Älteren auf die erste heilige Kommunion vorbereitet, und alle waren am Weißen Sonntag mit dem Heiland vereint worden. Dann aber kam das Furchtbare. Man holte die ganze Familie weg und brachte sie in ein schreckliches Lager, wo sogar Menschen getötet wurden. Die Kinder hatten es selbst mit ansehen müssen, wie auch ihre Eltern sterben mussten. Es war ihnen gegangen wie der Mutter Gottes unter dem Kreuz, die auch den Heiland sterben sah. Sechs lange Jahre waren sie in dieser Hölle geblieben. Und nun waren sie unter guten Menschen, die ihnen helfen wollten.

 

Der größere Junge, er war 14 Jahre alt, fragte bald, ob er hier in der Kirche zur heiligen Kommunion gehen dürfe. „Vor sechs Jahren bin ich das erste und letzte Mal zum Tisch des Herrn gegangen. Dann mussten wir die ganze Zeit soviel Furchtbares ertragen, dass ich immer nur an den lieben Heiland denken konnte, der am Kreuz hing. Und jetzt habe ich nur den Wunsch, bald den lieben Heiland wieder zu empfangen.“

 

So erzählte er.

 

Ein guter Priester bereitete ihn ganz liebevoll zu dieser heiligen Kommunion vor, zur zweiten nach sechs schrecklichen Jahren. Und am Morgen des nächsten Tages ging der Junge zum Heiland und es war ihm, als wenn er mit dem Heiland von den Toten auferstanden sei. Später wurde er Messdiener und diente täglich treu seinem lieben Meister, der ihn von neuem erlöst hatte.

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Unser tägliches Brot gib uns heute!

 

Das Vaterunser haben die meisten von euch sicher schon früh gelernt. Ihr habt es daheim mit den anderen gebetet, als ihr noch nicht zur Schule gingt. Und weil ihr es so gut könnt, darum geht es euch geläufig von den Lippen. Kinder, da liegt eine große Gefahr. Ihr gewöhnt euch leicht an, es herunterzuleiern, ohne etwas dabei zu denken. Das darf eigentlich bei keinem Gebet geschehen, und beim Vaterunser erst recht nicht. Denn dieses Gebet ist das einzige, was uns der göttliche Heiland gegeben hat. Es ist aus seinem Herzen gekommen und über seine Lippen gegangen. Was meint ihr wohl, wie andächtig er es seinen Jüngern vorgebetet hat. Ich glaube, seine Andacht hat auf sie einen so tiefen Eindruck gemacht, dass sie es niemals unandächtig beten konnten.

 

Nun werdet ihr staunen, wenn ich euch sage, dass ihr in der heiligen Messe das Vaterunser mit dem Heiland zusammen beten dürft. Er befindet sich ja seit der Wandlung unter uns auf dem Altar. Er vereinigt unsere Opfergaben und unsere Gebete mit seinem heiligsten Opfer und mit seinen Fürbitten. Darum dürfen wir es wagen, durch ihn und mit ihm und in ihm zu sprechen: Du, unser Vater! Ihr dürft sicher sein, dass der Heiland ganz andächtig betet. Da können wir doch nicht anders, als selbst auch andächtig mitzubeten.

 

Es hat aber das Vaterunser in der heiligen Messe eine besondere Bedeutung. Es ist sozusagen das Tischgebet der anwesenden Gläubigen, und zwar wegen der Bitte: Unser tägliches Brot gib uns heute! Für gewöhnlich hat diese Bitte den Sinn, den lieben Gott zu bewegen, er möge uns all das schenken, was wir an jedem Tag nötig haben. Das ist nicht nur Essen und Trinken, sondern alles, was wir an irdischen Dingen brauchen. Also auch Kleidung, Schuhe, Heizung, Geld, Arbeit, Gesundheit, fruchtbare Witterung, ja sogar gute Freunde und friedliche Nachbarn. Ihr wundert euch vielleicht, aber an all das hat unser lieber Herr sicher gedacht, als er uns bitten lehrte ums tägliche Brot.

 

Doch was würden all diese Dinge für den Leib uns nützen, wenn Gott uns nicht auch etwas zur Stärkung der Seele geben würde. Dafür hat er uns ein besonderes Brot bestimmt, den Leib seines Sohnes. Dieses Brot wird in der heiligen Messe bereitet, es liegt auf dem Altar und wird jedem gegeben, der danach begehrt. Aber wie wir uns nicht ohne Gebet zu Tisch setzen, so gehen wir auch nicht ohne Tischgebet zur Kommunionbank. Und so beten wir denn im Vaterunser der Messe nicht nur um das irdische Brot, sondern auch und ganz besonders um das Brot für unsere Seele.

 

Liebe Kommunionkinder, ich hoffe, jetzt hat das Vaterunser für euch eine besondere Bedeutung bekommen. Wenn ihr jetzt sagt: Unser tägliches Brot gib uns heute – dann denkt ihr nicht nur an all das, was ihr zuhause nötig habt, sondern ihr drückt damit auch eure Sehnsucht nach dem göttlichen Heiland aus. Weil er mit euch zusammen den himmlischen Vater anruft, dürft ihr der Erhörung gewiss sein. Nicht lange wird es mehr dauern, bis er eure Seelen mit dem Brot des ewigen Lebens nährt.

 

Deshalb schreibe ich euch in dieser Woche kein besonderes Gebet auf. Ihr betet vielmehr täglich einmal ganz andächtig, und das heißt langsam und mit Bedacht: Vater unser . . .

 

Lesung

 

Unser heiliges Buch, die Bibel, berichtet:

Wieder einmal hatte der Heiland in stiller Einsamkeit gebetet. Als er zu seinen Getreuen zurückkam, baten sie ihn:

„Lieber Meister, lehre uns auch beten.

Ebenso hat es Johannes mit seinen Jüngern getan.“

Gern erfüllte der Heiland ihre Bitte. Er ging mit ihnen vom Weg weg an den Berghang. Da erhob er seine Hände, schaute zum Himmel und sprach:

 

Wenn ihr betet, dann sprecht:

Vater unser im Himmel,

geheiligt werde dein Name.

Dein Reich komme.

Dein Wille geschehe,

wie im Himmel so auf Erden.

Unser tägliches Brot gib uns heute.

Und vergib uns unsere Schuld,

wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.

Und führe uns nicht in Versuchung,

sondern erlöse uns von dem Bösen.

Amen

 

Das war wie ein kostbares Geschenk, das bis an das Ende der Welt dauern soll. So haben es die Jünger aufgenommen, es gebetet und weitergegeben. Und voll Dank und Jubel gegenüber Gott, der solch ein Vater ist, setzten schon die alten Christen hinzu: „Ja, lieber Vater im Himmel, das alles glauben und hoffen und lieben wir. Dein, o Herr, ist das Reich und die Macht und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Ja, so glauben und bekennen wir in heiliger Freude.“

 

Das Königskind

 

Stella hieß sie, mit ihrem afrikanischen Namen „Schöner Stern“. Ihr Vater war ein einflussreicher Häuptling, wenn auch nur eine armselige Hütte den Königspalast darstellte.

 

Könnt ihr euch diese afrikanische Königstochter vorstellen? Sie war die klügste von den vielen Kindern dieses Königs. Dazu gewandt wie die zierlichen Gazellen ihrer Wälder. Und ihr Schmuck, so fragt ihr? Keine reichen, prächtigen Gewänder, nur gelbe Messingringe und weiße, rote oder blaue Perlenschnüre zierten die von Fett glänzende schwarze Haut unserer kleinen Prinzessin. Das krause Wollhaar war ebenfalls mit Perlen, Ringen und Federn durchflochten. Elf Jahre war sie alt, aber leider schon sehr eitel.

 

Stella schlief auf einer Binsenmatte mit einem Holzklotz unter dem Kopf. Frühmorgens, wenn die Sonne am Himmel aufstieg, sprang sie rasch vom Lager auf und eilte zur nahen Quelle, um sich dort zu erfrischen. Dabei sang sie heiter mit den Vöglein um die Wette und tanzte dazu.

 

Die kleine heidnische Prinzessin tat, was ihr gefiel. An andere brauchte sie nicht zu denken, im Gegenteil, die anderen sorgten sich um sie, die Königstochter. Bisweilen hütete sie die Ziegen oder half etwas auf dem Feld, aber zu lernen brauchte sie nichts und zu arbeiten nur wenig.

 

Das alles wurde anders, als die weißen Frauen in den Urwald kamen. Sie wollten die Kinder in die Schule holen, damit sie lernen könnten. Nach einer Unterredung mit ihnen sagte auch Stellas Vater, der Häuptling seines Stammes: „Ich will, dass meine Töchter bald lesen, schreiben, singen und auch den eisernen Zauberkasten treten lernen, aus dem die fertigen Hemden und Kleider nur so hervorspringen.“ Damit meinte er die Nähmaschine.

 

Unsere Prinzessin ging gern in die Schule, lernte viel, weil sie so klug war, und hörte auch von dem Reich, das Gott den Menschen bereitet hat über allen irdischen Reichen, ob es große oder kleine sind wie dies in Afrika.

 

In dieses Reich wollte sie gern bald eintreten. Sie war sogar bereit, auf ihren schönen Schmuck zu verzichten, den ihr ja kennt, den sie aber unter den Kleidern aus dem „Zauberkasten“, aus der Nähmaschine, doch nicht mehr tragen konnte. Wenn es ihr auch sehr schwerfiel, sie meisterte ihre Eitelkeit.

 

Josefa nannte sie der Pater in der Taufe, und nun war sie ein Kind Gottes, ein Kind des Königs des Himmels und der Erde. Und denkt euch, sie betete und lebte als Christin, damit auch die Verwandten durch das Reich Gottes glücklich werden sollten. Und zu ihrer Freude wurde ihr Vater in einer schweren Krankheit auf den Namen Balthasar getauft, auf den Namen eines heiligen Königs. Stella selbst aber, die Prinzessin aus dem Heidenland, wurde Ordensschwester und führte viele Brüder und Schwestern in das Reich Gottes.

 

O Jesu Christe, wahres Licht

 

O Jesu Christe, wahres Licht,

Erleuchte, die dich kennen nicht,

Und bringe sie zu deiner Herd`,

Dass ihre Seel auch selig werd`.

 

Den Tauben öffne das Gehör,

Die Stummen richtig reden lehr`,

Die nicht bekennen wollen frei,

Was ihres Herzens Glaube sei.

 

Erleuchte, die da sind verblend`t,

Bring her, die sich von uns getrennt,

Versammle, die zerstreuet gehn,

Mach feste, die im Zweifel stehn!

 

So werden sie mit uns zugleich

Auf Erden und im Himmelreich,

Hier zeitlich und dort ewiglich

Für solche Gnade preisen dich. 

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Schenk uns den Frieden!

 

Eigentlich sollte man meinen, nach dem Vaterunser würden Priester und Volk gleich zum heiligen Mahl schreiten, das Christus ihnen bereitet hat. Aber das tun sie nicht, sie trauen sich nicht recht. Sie fühlen ihre Sündhaftigkeit vor dem heiligen Gott in der Brotgestalt so tief, dass sie ihn erst noch einmal recht innig um Verzeihung bitten. Sie denken daran, dass er wie ein Opferlamm am Kreuz starb, darum beten sie: „Lamm Gottes, du nimmst hinweg die Sünden der Welt, erbarme dich unser.“ Das sprechen sie dreimal und schlagen dabei zum Zeichen ihrer Schuld an die Brust. Aber beim dritten Mal bitten sie nicht um Erbarmen, sondern um den Frieden.

 

Diese Bitte hat euch Kommunionkindern viel zu sagen. Ihr versteht sie vielleicht besser als jemals Kommunionkinder vor euch. Ihr alle hört von Kriegen in unserer Welt. Viele Kinder haben mit ihren Eltern die Freude empfunden, als keine Bomben mehr fielen und das Schießen aufhörte. Aber viele von euch haben bald gemerkt, dass damit der Friede für die ganze Welt noch nicht gekommen ist. Wenn auch wieder, wie gerade bei uns, alles friedensmäßig zu haben ist, so spüren Menschen doch bitter, dass der Krieg eigentlich immer noch fortdauert. Da sind die Kinder, deren Verwandte auf der Flucht oder in Gefangenschaft sind. Da sind die Kinder, die selbst aus ihrer Heimat vertrieben sind und da, wo sie wohnen, noch keine Heimat gefunden haben. Die Kinder spüren es, und an ihnen können die anderen es merken, dass wir noch keinen Frieden auf der Welt haben. Darum müssen wir inniger als je bitten: Lamm Gottes, schenke uns den Frieden!

 

Nun möchte ich euch noch auf etwas aufmerksam machen. In feierlichen Hochämtern, in denen drei Geistliche am Altar stehen, gibt der Priester, der die hl. Messe feiert, nach diesem Gebet seinem geistlichen Mitbruder den „Friedenskuss“, d.h. er wünscht ihm von Herzen den Frieden Gottes und als Zeichen seiner Liebe umarmt er ihn auf eine feierliche Weise. Dieser nun gibt den Gruß an den dritten Geistlichen weiter. Und in früheren Jahren war es dann so, dass der Friedenskuss anschließend auch noch weitergegeben wurde an die übrigen Christen in der Kirche, so dass nachher alle, Priester und Gläubige, eine innige Gemeinschaft bildeten.

 

Der Friede, um den wir den Heiland bitten, das ist nicht der äußere Friede, den unser Land und die Welt so nötig haben. Die Kirche meint hier den inneren, den Herzensfrieden, den der einzelne von Gott geschenkt bekommt. Den hat Jesus versprochen, als er seinen Jüngern sagte: „Frieden hinterlasse ich euch, meinen Frieden gebe ich euch. Nicht wie die Welt ihn gibt, gebe ich ihn euch.“ – Wenn den alle Menschen im Herzen trügen, dann gäbe es keinen Streit und keinen Krieg mehr. Wie schön wäre das! Darum wollen wir immer recht innig beten: Lamm Gottes, gib uns den Frieden!

 

Seht ihr nun, wie ihr Kinder durch euer andächtiges Gebet mithelfen könnt, dass in der Welt Frieden herrscht.

 

Gebet: O Jesus, du Lamm Gottes. Du hast denen, die an dich glauben, deinen Frieden versprochen. Erfülle uns mit diesem göttlichen Frieden, damit wir allen Zank und Streit meiden. Dann wirst du sicher bereit sein, auch der Welt den Frieden zu schenken.

 

Lesung

 

Unser heiliges Buch, die Bibel, erzählt: Oftmals war Isaias, der Prophet, in tiefer Betrachtung im Tempel versunken. Dann schaute er bis in ferne Zeiten voraus, die Gott ihm zeigte. So sagte er einmal in einer Zeit, die wie unsere jetzige voller Sorge und Not war:

 

„Einstmals wird der Messias kommen wie ein Reis aus der Wurzel.

Der heilige Geist Gottes macht ihn klug und stark.

Dann wird niemandem Unrecht geschehen,

sondern die Guten werden belohnt, die Bösen bestraft.

Selbst die wilden Tiere werden uns nicht mehr schaden.

Der Wolf wird beim Lamm liegen, das Kalb bei dem Löwen.

Ein kleiner Knabe wird sie hüten.

Die Kuh und der Bär werden sich vertragen,

und mitten zwischen allen Tieren spielen die Kinder.

Es wird Friede sein im ganzen Land!“

 

Solche Worte des Propheten waren wie eine liebe Hand, mit der die Mutter ihr Kind in der Not begütigt. Sie waren Trost für die Menschen damals und für uns alle, bis das Reich des Friedens in der Ewigkeit beginnt.

 

Das Licht des Friedens

 

In manchen Jahren waren Menschen aus 30, 40 oder 50 Völkern der Welt in Lourdes zusammen und beteten dort um den Frieden der Welt. Sie zündeten am Abend ihre Lichter an und zogen zu Tausenden in einer Prozession, die die Mutter Gottes, die Königin des Friedens, verehrte.

 

Bei diesen Leuten war auch einmal in den Jahren nach dem 2. Weltkrieg eine Gruppe von Georgspfadfindern aus München. Die haben in einer Versehlampe ein Licht aus Lourdes mitgebracht. Mit Liebe und Sorge haben sie das Licht gehütet, dass es nicht erlosch auf dem weiten Weg von Südfrankreich bis nach Süddeutschland. Dort brannte es dann in einer Kirche, bis sie es weiter trugen nach Altötting, wo ebenfalls viele tausend Christen um den Frieden beteten. Sie alle entzündeten wieder das Licht ihrer Kerzen an dem Licht von Lourdes. Und noch einmal erklang in der Prozession die Bitte: Maria, Königin des Friedens, bitte für uns!

 

Die ganze Nacht haben die Menschen dort gebetet um den Frieden. Und mit ihnen noch viele, die nicht dabei waren in Altötting, die in ihrer Kirche ebenso um den Frieden flehten.

 

Von Altötting ging das Licht weiter in die Schweiz und nach Österreich, ja in alle Gemeinden, die es wünschten, damit sie alle wussten: Wir flehen um den Frieden, niemand ist allein!

 

So kam es auch in unsere Kirche und brennt dort vor dem Bild der Mutter Gottes, der Königin des Friedens. Und jeden, der in die Kirche kommt, mahnt es: Bete für den Frieden! Vergiss nicht, dass viele Länder in der weiten Welt ihn entbehren. So beten auch unsere Kommunionkinder in jedem Unterricht: Heilige Maria, Königin des Friedens, bitte für uns!

 

Liebet eure Feinde!

 

Der Krieg ist etwas Furchtbares. Da fallen Soldaten aus fremden Ländern in ein Land ein und herrschen dort in harter Gewalt. Wie viel wird verwüstet, ja zerstört! Selbst das Leben der Menschen wird nicht geschont.

 

So ging es auch im letzten Weltkrieg. Damals kamen deutsche Soldaten nach Dänemark und verurteilten einen jungen Mann zum Tode, weil sie ihn als einen schlimmen Feind betrachteten. Er kann aber kein gefährlicher Mensch gewesen sein. Denn er hat einen Brief hinterlassen, in dem er seinen letzten Gruß und Wunsch an seine Mutter schrieb. Was stand wohl darin?

 

„Liebe Mutter! Heute schreibe ich dir zum letzten Mal, weil ich wohl bald zum Tod verurteilt werde. Vor dem Vater im Himmel habe ich gebetet und mein Leben ganz in seine Hände gelegt.

 

Ich bin mir keines Verbrechens bewusst. Aber ich kann gegen die Gewalt nichts machen. Auch weiß ich, dass in Deutschland viele gute Menschen wohnen, die nicht denken wie die grausamen Truppen, die mich hier verurteilen. Liebe Mutter, ich danke dir, dass du mich zum Heiland geführt hast, er ist und bleibt mein größter Reichtum. Und weil ich ihm ganz gehören möchte, bitte ich dich, liebe Mutter, nimm nach dem Krieg an meiner Stelle ein Kind an, das du als Mutter betreust. Und ich bitte dich, nimm ein deutsches Kind, denn in Deutschland wird nach diesem Krieg große Not sein. Wir wollen Christen sein und nicht ein Volk hassen, weil böse Menschen in ihm wohnen. Das ist meine letzte Gabe an den Heiland, der uns mahnt: Liebet eure Feinde! Auf Wiedersehen, liebe Mutter, im Himmel! Möge das deutsche Kind dir viel Freude machen!“

 

Vor einiger Zeit hat die gute Mutter, die um ihren Sohn sehr trauert, seinen Wunsch erfüllt. Sie hat ein armes deutsches Kind als ihr eigen angenommen. 

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Nun naht die sel`ge Stunde

 

So oft habt ihr schon zugesehen, wie der Priester die Tür des Tabernakels aufschließt und die heilige Speise herausnimmt für die Gläubigen, die sich zum Altar aufmachen. Nur noch ein paar Tage, dann öffnet sich auch für euch das goldene Türlein zum lieben Heiland, dann dürft ihr vor der ganzen Gemeinde zum Altar hintreten.

 

Denkt einmal zurück, was ich euch über die Sehnsucht Gottes nach den Menschen gesagt habe. Nun erfüllt sich durch eure erste heilige Kommunion die Sehnsucht Gottes nach euch. Christus, der ewige König, steigt vom Himmel herab in ein kleines Stücklein Brot und kehrt darin in euer Herz ein. Nun seid ihr nicht mehr die, die ihr vorher wart, nicht mehr der Fritz oder die Grete. Es ist jemand in euch und bei euch. Er ist so mit euch vereinigt, dass ihr ein neuer Mensch geworden seid. Man kann auch sagen, Christus ist in euch wieder Mensch geworden. Wenn ihr nach der Heiligen Messe nach Hause geht, dann geht er mit euch. Und alles, was ihr tut, das tut er mit euch. Die Gemeinschaft zwischen euch und Christus soll nach seinem Willen immer bleiben. Wenn ihr sie durch die Sünde zerstört habt, könnt ihr sie durch eine gute Beichte und erneute Kommunion wiederherstellen.

 

Aber noch etwas anderes bewirkt das heilige Brot. Nicht nur zu einem Kind kehrt der Heiland ein, sondern zu allen Kommunionkindern in der ganzen Welt. Mit jedem vereinigt er sich einzeln, und so sind umgekehrt alle in ihm vereinigt. Ihr wart bisher schon eine große Gemeinschaft durch euer gemeinsames Gebet und euer gemeinsames Verlangen nach dem Brot des ewigen Lebens. Jetzt aber werdet ihr alle miteinander auf eine neue geheimnisvolle Weise mit Christus verbunden. In euch allen ist sein göttliches Leben.

 

Und noch weiter geht die Wirkung dieser heiligen Speise. Da gehen Vater und Mutter und eure Geschwister mit euch an eurem Festtag zur heiligen Kommunion. Jeder einzelne nimmt Christus in sein Herz auf, dadurch werdet ihr alle zugleich in ihn hineingenommen. Alle lebt ihr durch sein göttliches Leben als neue Menschen. Wenn ihr später zu Hause seid, dann seid ihr über eure leibliche Verwandtschaft hinaus durch den Heiland in eurem Herzen noch viel mehr miteinander verwandt. Ihr könnt euch selbst ausmalen, wie all die vielen Menschen, die sich untereinander gar nicht kennen, durch die heilige Kommunion zu einer übernatürlichen Verwandtschaft verbunden werden. Seht, so Großes bewirkt das kleine weiße Brot vom Altar. Es macht euch zu neuen Menschen und lässt alle, die es genießen, zu Brüdern und Schwestern werden.

 

Gebet: Lieber, göttlicher Heiland! Immer näher rückt der Augenblick, da du in unser Herz einkehren willst. Wir öffnen es dir in herzlichem Verlangen. Mache uns zu neuen Menschen, dass wir uns untereinander immer besser verstehen. Amen.

 

Lesung

 

In unserem heiligen Buch steht, von Sankt Lukas geschrieben, ein Wort, das zum Tag der Erstkommunion passt:

 

„Heute ist diesem Haus Heil widerfahren.“

 

Hört die ganze Geschichte.

 

Als der Heiland mit seinen Jüngern in Jericho einzog, lief das Volk zusammen, denn alle wollten ihn sehen. Da war ein reicher, selbstsüchtiger Oberzöllner mit Namen Zachäus. Dieser wollte auch gerne den Herrn sehen. Doch weil er so klein war, stieg er auf einen Maulbeerbaum hinauf und wartete, bis Jesus dort vorbeikam. Tatsächlich kam der Herr an dieser Stelle entlang. Er blieb stehen und rief dem Zachäus auf dem Ast zu: „Steige schnell herunter, ich will heute in dein Haus einkehren.“

 

Da kletterte der Zöllner überrascht vom Baum herunter und ging verlegen neben dem Herrn her bis an sein Haus. Alle Leute schauten voll Erstaunen zu. Zachäus selbst wusste ja nicht, wie ihm geschah. Noch während sie auf der Straße waren, hörte er die Männer hinter ihm hersagen: „Was ist denn das? Zu dem Reichen, der nur an sich denkt, zu dem geht er. Da wäre er besser zu einem von unseren Frommen eingekehrt.“

 

Als der Herr sich in seinem Haus niedergelassen hatte, ging Zachäus still zu ihm hin und sagte ihm ehrlich: „Lieber Herr und Meister, ich habe es gar nicht verdient, dass du zu mir kommst. Darum weiß ich auch nicht, wie ich dir das danken soll. Ich will von heute an ein besserer Mensch werden. Von meinem Reichtum will ich gleich einmal die Hälfte den Armen geben. Und alle, die ich noch kenne, die ich einmal zu Unrecht besteuert habe, bekommen es vierfach von mir zurück. Verzeih mir meine Sünden!“

 

Da sagte der Herr zu ihm: „Ich kam nicht zu dir, weil du ein Gerechter warst, sondern weil ich wusste, dass du meine Bitte verstehen und dich bessern wolltest. Ich will dir aber auch Glück und Heil bringen für dein Leben in Zeit und Ewigkeit. Auch heute noch kommt der Heiland nicht, weil wir es verdienen, sondern weil er uns glücklich machen will.

 

Die kleine heilige Theresia

 

Schon oft habe ich euch von der kleinen heiligen Theresia erzählt. Damals durften die Kinder noch nicht so früh zur ersten heiligen Kommunion gehen wie jetzt. Aber Theresia liebte schon sehr bald den Heiland. Sie schmückte immer daheim das Altärchen mit dem Jesusknaben. So viel hatte sie schon zum lieben Heiland gebetet, und so oft hatte sie gesagt: „Alles für den lieben Heiland!“ Da hätte sie Jesus doch auch so gern bald empfangen.

 

Sie bettelte ihre Schwester an: „Nehmt mich doch mit zum Heiland! Ich will mich ganz klein machen, dass man mich kaum sieht. Ich will mich ganz dicht an euch halten. So werde ich neben euch knien und Jesus in mein Herz aufnehmen.“ Aber die Schwestern durften es nicht zulassen.

 

Die kleine Theresia konnte die Zeit kaum abwarten, dass sie zur ersten heiligen Kommunion gehen durfte. Aber wie hat sie sich vorbereitet, als der Tag endlich herankam! Jeden Morgen sprach sie von neuem: „Heute will ich dir zeigen, lieber Jesus, wie lieb ich dich habe.“ Und gerne brachte sie jeden Tag kleine Opfer. Endlich war der Tag gekommen. „Das ist kein Erdenkind mehr, das ist ein Engel“, sagten die Leute, als sie zur Kommunionbank schritt. Und als sie wieder an ihrem Platz kniete, den Heiland im Herzen, da hörte man sie leise beten: „Lieber Heiland, wie bist du so gut! Niemand hat uns Menschen so lieb wie du. Du hast mir deinen heiligen Leib gegeben. Sieh, ich schenke dir mein Herz dafür.“

 

Ja, von da an hat ihr Herz ganz dem Heiland gehört. Jeden Tag hat sie es ihm von neuem geschenkt. Sie wollte nur noch „Theresia von Jesus“ heißen. – Theresia ist nicht alt geworden. Der Heiland hat sie früh zu sich genommen in den Himmel. Als ihr letztes Stündlein gekommen war, empfing sie noch einmal den Leib des Heilandes. Dann betete sie ihre letzten Worte: „Ach, ich liebe dich! Mein Jesus, ich – liebe – dich!“ Dann war sie bei Jesus für immer.

 

Auf keinen andern wart` ich mehr:

Wer soll noch Lieb`res kommen mir?

Wer würde mild und doch so hehr

mir treten an des Herzens Tür?

 

Das Notizbüchlein

 

Ein Mädchen lag, von einer schleichenden Krankheit verzehrt, im Sterben. Kurz vor dem Heimgang bat sie die Mutter, sie möchte ihr das Notizbüchlein, das sie unter dem Kopfkissen habe, ins Grab mitgeben. Die Mutter versprach es unter Tränen. Die Kranke starb, und die Mutter erfüllte der Tochter letzten Wunsch. Zuerst aber warf sie noch einen Blick in das Büchlein. Auf der ersten Seite stand in schönen Kinderbuchstaben das Gebet: „Jesus, dir leb ich . . .“ Dann folgte auf einem eigenen Blatt der Eintrag: „Meine erste heilige Kommunion“, mit dem genauen Datum; dann war bis zum Jahr 1906 regelmäßig jeden vierten Monatssonntag ein Kommuniontag aufgezeichnet. Von da an mehrten sich die Einträge; zum Schluss, auf der letzten beschriebenen Seite stand mit zitternder Hand, mit Bleistift geschrieben: „Meine heilige Wegzehrung“, mit dem Datum, da die Sterbende zum letzten Mal den Herrn ins Herz aufgenommen hatte.

 

Die Mutter schloss still das Büchlein und gab es ihrem Kind mit ins Grab und zur Auferstehung. 

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Ihr seid gesendet in die Welt

 

Am Schluss der Heiligen Messe wendet sich der Priester zum Volk und sagt feierlich: Ite missa est. Das heißt auf Deutsch: Geht, ihr seid gesendet in die Welt! Danach ruft er auf alle den Segen des dreieinen Gottes herab.

 

Hierzu muss ich euch zu guter Letzt noch etwas ganz Wichtiges sagen. Ihr habt am Altar das größte Geschenk empfangen, das Gott den Menschen machen konnte. Im Fleisch und Blut seines Sohnes gab er sich euch zu heiliger Gemeinschaft. Dafür verlangt er aber auch etwas. Er gibt euch einen Auftrag. Er sagt: „Ich sende euch jetzt in die Welt, wie ich einst meinen lieben Sohn gesandt habe.“

 

Da seid ihr wohl ein bisschen erschrocken. Der kam doch in die Welt, um die Menschen zu erlösen! Richtig, nun sollt ihr ihm dabei helfen. Denkt daran, was ich euch bereits sagte. Wenn ihr nach der heiligen Kommunion aus der Kirche kommt, dann seid ihr nicht mehr nur der Fritz, nur die Grete. Ihr seid mehr, Christus ist ganz und gar mit euch vereinigt. Und dieser Christus denkt gar nichts anderes und will gar nichts anderes als Menschen erlösen. Ja, und da werdet ihr wohl mittun müssen.

 

Ihr braucht aber nun nicht ängstlich zu werden. Ich will euch zeigen, wie das mit der Sendung in die Welt in Wirklichkeit zugeht. Ihr sollt die Liebe, die Christus in sich trägt, an seiner Stelle den Menschen zeigen. Das versucht ihr zuerst einmal daheim in der Familie. Ihr wart sicher in der langen Vorbereitungszeit braver als sonst. Nun müsst ihr mit dem lieben Heiland im Herzen so brav bleiben. Das geht jetzt leichter, wenn ihr nur immer daran denkt, dass ihr nicht mehr allein seid, dass Christus alles mit euch tut. Und wie zu Hause, so sollt ihr auch auf der Straße, in der Schule immer daran denken, dass ihr ein neuer Mensch geworden seid. Dieser ständige Gedanke wird euch vom Bösen abhalten und zum Guten stärken. Wenn ihr jetzt einen Armen oder einen Schwachen trefft, seid ihr in der Zusammengehörigkeit mit Christus sicher viel eher bereit zu helfen als früher.

 

Nun hat der Heiland in euch viele Hunderttausende neuer Helfer gefunden, die er hinaussenden kann. Hoffentlich haltet ihr euer Versprechen, ihm immer treu zu sein. Nehmt eure Sendung in die Welt ernst und erfüllt sie gut. Dann helft ihr mit, eine neue Welt zu schaffen, in der Liebe und Friede herrschen.

 

Gebet: Göttlicher Heiland! Du schickst uns in die Welt, damit wir den Menschen deine Liebe zeigen. Gib uns die Gnade, dass wir immer mit dir vereint bleiben. Dann wollen wir gern deinen Auftrag erfüllen. Amen.

 

Lesung

 

Der heilige Johannes, ein Jünger Jesu, war im Alter auf einer einsamen Insel. Da dachte er nur an unseren Vater im Himmel, sehnte sich nach ihm und liebte ihn. Damals hat er in unser heiliges Buch, in die Bibel, hineingeschrieben:

 

„Und ich schaute einen neuen Himmel und eine neue Erde, ich schaute die heilige Stadt aus dem Himmel von Gott herniedersteigen, geschmückt wie eine Braut, in der Herrlichkeit Gottes. Ihr Glanz glich dem kostbaren Stein, der leuchtet wie Kristall.

 

Und ich hörte eine gewaltige Stimme vom Thron her sprechen: Die Menschen werden Gottes Volk sein. Und er wird abwischen aus ihren Augen jede Träne, und der Tod wird nicht mehr sein, noch Trauer, noch Klage, noch Mühsal.

 

Und der auf dem Thron sitzt sagte:

 

Siehe, ich mache alles neu,

Ich bin der Anfang und das Ende!“

 

Am Schluss hörte Johannes den göttlichen Heiland selber sprechen. Er sagte: „Ich bin der leuchtende Morgenstern. Wer mich hört, der sage: Komm! Und wen dürstet, der komme, und wer will, empfange lebendiges Wasser umsonst.“

 

Da war der Apostel von all dem, was er gesehen und gehört hatte, so überwältigt, dass er voll Sehnsucht ausrief:

 

„Komm, Herr Jesus! Komm immer zu uns und bleibe bei uns! Amen.“

 

Heiland, mit dir durch das ganze Leben

 

Im Jahr 1922 feierte man in Rio de Janeiro den Heiland im Allerheiligsten Sakrament. Man kam von weither zusammen. Tausende von Menschen aus aller Welt verehrten ihn, der sich uns im weißen Brot zur Speise der Seele schenkt. Höhepunkt der Tage war eine wunderbare Festprozession. Der Heiland sollte wie in einem Triumphzug durch die Straßen der Stadt geführt werden.

 

Dafür bot man alles auf. Die Straßen waren geschmückt und die Menschen nicht weniger. Man sang und betete und huldigte ihm, der da unter der Gestalt des Brotes seine Gottheit verbarg. Wie hatte man den Wagen geziert, auf dem das kleine goldene Haus der Monstranz seinen Platz gefunden hatte! Prächtige Pferde zogen ihn. Und in einem ununterbrochenen Blumenregen, wie man ihn nur in Amerika kennt, kam der Herzensjubel der Menschenmenge zum Ausdruck.

 

Mit einem Mal entstand eine Aufregung. Da brachen Soldaten durch die Reihen hindurch. Offiziere führten sie an und drängten sich mit ihnen bis dicht an den Wagen. Den Menschen, die das sahen, stockte der Atem. Was sollte das bedeuten? Sie spannten die Pferde vom Triumphwagen aus – was nun? Sie selber stellten sich an die Stelle der Pferde und zogen den Wagen bis zum Ende der Prozession!

 

Als man sie nachher fragte, warum sie das getan hätten, antworteten die Soldaten: „Am liebsten nähmen wir den Heiland immer so mit uns, durch unser ganzes Leben bis ans Ende!“

Wer Gott in allem Tun

von Herzen loben kann,

der fängt schon in der Zeit

das ew`ge Leben an.

 

Lasst uns erheben Herz und Stimm

 

Lasst uns erheben Herz und Stimm,

den großen Gott zu loben,

mit Cherubim, mit Seraphim,

mit allen Mächten droben!

Der Preisgesang der Herrlichkeit

durchtöne Erd und Himmel weit!

Singt: Heilig, heilig, heilig!

Gott Sabaoth, der große Gott,

der starke Gott, der ew`ge Gott,

Gott, unser Gott ist heilig!

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