Mutschekiepchen - Marianisches für Kinder 1

 

Bewahre dir deinen „Kinder-Glauben“!

 

Was ist der großen Sonne zu klein und zu gering? Sie neigt sich und streichelt mit ihrer Strahlenhand das armselige Würmlein im Staub und das kümmerlichste Kraut, das sich mit ängstlichen Wurzeln in die Mauerspalte klammert. Alles wahrhaft Große nimmt sich gern und liebevoll des Kleinen an, und wenn es uns nicht ausdrücklich überliefert worden wäre, so würden wir es aus dem ganzen Wesen des Herrn erschließen können, dass er die Kinder lieb gehabt hat. Die Evangelien sagen und zeigen es auch mit klaren Worten.

 

Ein Kind stellte der Meister in die Mitte seiner Jünger, als sie ihn fragten: „Wer ist der Größte im Himmelreich?“ „Wenn ihr nicht werdet wie die Kinder, so werdet ihr in das Himmelreich nicht eingehen.“ Das war seine Antwort. Im reinen, unberührten Kinderherzen spiegelt sich das Angesicht seines Vaters. Er versichert, dass Gottes Engel darum die kindlichen Seelen mit schützender Liebe und Sorge umgeben. Wer ein Kind ärgert, dem droht er die schwerste Strafe; wer ein Kind aufnimmt, dem will er es so anrechnen, als habe er ihn selber aufgenommen. Die Jünger meinten es gut, aber trafen es schlecht, als sie die Mütter, die ihre Kinder vom Herrn segnen lassen wollten, zurückhielten. Gewiss war dem Meister die Ruhe wohl zu gönnen, bei den weiten Wegen seiner mühevollen Wanderung, bei den großen Beschwerden seines Lehramtes, aber sein eigenes Herz ließ ihm keine Ruhe. Es öffnete sich in überströmender Liebe für die Kleinen. Er trat zu ihnen heraus und tadelte das Verhalten der Apostel: „Lasset die Kinder zu mir kommen und wehrt es ihnen nicht, denn ihrer ist das Himmelreich.“ Dann schloss er die Kinder in seine Arme und segnete sie. Auf jedes junge Haupt legte er seine gnadenreiche Hand, und in jedes klare Auge senkte er seinen freundlichen Blick, und wie die Blumen sich zur Sonne wenden, so drängten sich die Kleinen zu ihm hin, mit dem sicheren Gefühl, das der Unschuld die Erfahrung ersetzt.

 

Diese kleine, liebliche Szene bringt uns Jesus nahe, näher, als manche große, gnadenreiche Tat, in der seine Liebe sich machtvoll offenbart. Die kleinen Züge geben oft einen Einblick in das innerste Herz. Wie gütig und sich niederbeugend, wie zart und liebevoll muss doch die Seele des Herrn sein, die mitten in der weltumfassenden, ernsten und schweren Aufgabe, mitten in der heißen, undankbaren Arbeit des verantwortungsvollsten Lebens sich lächelnd zu den Kindern neigt und sich mit ihnen so eingehend befasst, als sei sonst nichts für ihn auf der Welt. Wenn die gelehrten Pharisäer und die vornehmen Sadduzäer kommen mit ihren großen Fragen, so werden sie kürzer abgefertigt als diese stammelnden Kleinen, die ihn mit frohen Augen herzinnig anschauen. Jede dieser unerschlossenen Seelenknospen ist ihm wert und lieb genug, um den Sonnenstrahl seiner Gnade auf ihr ruhen zu lassen, dass sie heimlich wachse und erstarke unter seinem Segen. Wer ihm im Geist zuschaut, wie gut er ist zu den Kleinen, der muss ihn umso herzlicher liebgewinnen, je mehr er seine Seele in diese selige Begegnung des Herrn mit den Kindern versenkt.

 

Diese kleine, liebliche, scheinbar unbedeutende Szene, die sich damals in Peräa abspielte, wirkt mit segenbringender Macht durch alle Zeiten fort. Hat der Herr seine Liebe wie eine Sonne aufgehen lassen über die Kinder, so sollte diese Sonne nicht wieder untergehen. Tausend und abertausend Herzen haben aus der Kinderfreundlichkeit Christi nicht bloß gelernt, ihn selber inniger zu lieben, sondern auch den Kindern ihr Herz und ihre Hilfe zu schenken. Der göttliche Kinderfreund hat die Seelen entzündet zu heiligem Eifer, dass sie den verlassenen, halbverlorenen Kindern rettend nachgehen. Er hat die Häuser gegründet, in denen die Kleinen Zuflucht finden. Er hat dem Unterricht, der Erziehung und Fürsorge neue kraftvolle Impulse gegeben. Er hat nicht aufgehört, die Kinder in seine Arme zu schließen und zu segnen, und ewig erschallt sein Wort: „Lasset die Kinder zu mir kommen und wehret es ihnen nicht, denn ihrer ist das Himmelreich.“

 

Die Texte auf der Seite "Marianisches für Kinder - Mutschekiepchen" basieren - hier und da neu formuliert - auf Beiträgen der Wochenschrift für Erstkommunikanten "Kommunionglöcklein".

Matthias Hergert

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Ein Fahrplan für Paul

 

Pauls Vater war ein Eisenbahner. Eifrig im Dienst, aber freundlich Bahnreisenden. Und zu Hause war er der beste Vater von der Welt. Er freute sich, als Paul sagte: „Morgen fängt unser Kommunionunterricht an.“ Gleich fragte er seinen Jungen: „Hast du dir dafür schon einen richtigen Fahrplan gemacht?“ Er sagte nämlich gern alles in der Sprache der Mitarbeiter der Bahn.

 

Paul wusste nicht, was sein Vater meinte und sah ihn verwundert an: „Bei uns gibt’s doch keinen Fahrplan wie bei dir am Bahnhof.“ Aber der Lokführer wusste wohl, was er sagte und erklärte: „Paul, pass auf. Der Kommunionunterricht ist etwas ganz Besonderes. So richtig ein Sonderzug, der euch alle zu Jesus bringen soll. Und eingesetzt wird der Zug in unserer Kirche. Wenn früher ein Zug vom Bahnhof abfuhr, wurde mit einer kleinen Glocke geläutet. Du weißt, das ist jetzt nicht mehr so. Aber die Bahnhöfe unseres Gottes, die Kirchen, die haben die Glocke noch. Auf die müssen wir jetzt besonders hören. Also höre morgen früh gut hin.“

 

Am nächsten Sonntagmorgen, als Paul noch fest schlief, rief es plötzlich laut: „Aussteigen aus dem Schlafwagen. Einsteigen in den Sonderzug nach Jerusalem. Es wird nicht noch einmal ausgerufen.“ Ziemlich schnell war Paul aus dem Bett gesprungen. Und weil sein Vater zum Dienst musste, gingen Pauls Mutter und Großmutter mit in die Kirche. Das wurde nun an keinem Sonntag und an keinem Feiertag versäumt. Und wenn Pauls Vater keinen Dienst hatte, ging er natürlich auch mit.

 

Unterwegs sprach Pauls Vater gern vom kommenden Fest am Tag der Erstkommunion. Einmal sagte er: „Dein Zugführer ist übrigens der Pfarrer. Auf den musst du genau hören. Er sorgt für Ordnung auf der Reise und passt auf, dass keiner unter die Räder kommt. Er kennt alle Stationen bis zum Himmel. Das Kursbuch in seiner Hand ist der Katechismus. Also jetzt gut alles gelernt, was er sagt. Er verschafft euch die Gnade Gottes. Das ist die Fahrkarte, die jeder haben muss. Sonst, ja sonst kommt er am Ende oben an der Himmelstür nicht durch die Sperre.

 

Paul, du musst dich jetzt auch vor Fehlern, vor bösen Gedanken, vor bösen Worten und vor bösen Taten hüten. Wer so etwas leichtsinnig tut, der kommt mir vor wie einer, der während der Fahrt die Waggontür aufreißt und hinausstürzt. Kein Wunder ist es dann, wenn er überfahren wird. Tue also nichts, wovor Gott gewarnt und was Gott verboten hat. Da gilt auch das Wort, das man an den Bahnübergängen lesen kann: Halt, wenn die Schranke geschlossen ist. Wer auf die Kirche nicht hört und alles besser wissen will, der gleicht einem, der in einen verkehrten Zug steigt. Er kommt nicht ans Ziel und wird vielleicht noch bestraft. Also Paul, mach deine Sache gut. Wir helfen alle mit und fahren selber auch mit. Und die Endstation muss unbedingt der Himmel sein.“

 

Da nahm sich Paul vor, alles nach dem Fahrplan zu tun, den sein Vater aufgestellt hat: Am Sonntag und an manchen Wochentagen in die Messe gehen. Täglich mit Freude Maria, die himmlische Mutter grüßen. Eifrig viel über Gott, über die Heiligen und die Kirche lernen. Auf den Pfarrer hören. Und auf keinen Fall absichtlich Böses tun. So kannst du es auch, so kann es jedes Kind tun, denn alle sollen mitfahren.

 

Wer Kinder zum göttlichen Heiland führt,

Der ist einem wirklichen Schutzengel gleich.

Wer Herzen mit himmlischen Tröstungen rührt,

Verdient sich selber das Himmelreich.

Er wird einst hören vor ewigen Toren:

Wer Seelen gerettet, geht selbst nicht verloren.

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Vom Schöpfer der Welt

 

Gott ist unsichtbar. Du kannst ihn also so wenig malen wie die Seele, die auch ein Geist ist. Aber wir wissen uns schon zu helfen, um uns Gott vorstellen zu können. Einmal sagte Jesus zu den Aposteln: „Wenn ihr zu Gott beten wollt, müsst ihr sagen: Vater!“ Du kannst also beten: Herr, wir sind dir wirklich dankbar, dass du uns das gesagt hast. Wie wir auf der Erde alle einen Vater haben, so haben wir einen Vater im Himmel. Und weil der Vater im Himmel von Ewigkeit da ist, dürfen wir ihn liebevoll malen, so wie wir ihn uns vorstellen: Er trägt die Weisheit in unhörbaren Gedanken, er hält die Allmacht in unsichtbaren Händen, er brauchte nur zu wollen, und eine Welt war da.

 

Du wunderst dich auch nicht darüber, dass der Geist Gottes unsichtbare Geister um sich haben wollte. Er wünschte allen den Geschöpfen seiner Allmacht etwas zu schenken von seiner Kraft und Herrlichkeit. So umgab sich der ewige König der Herrlichkeit mit unzähligen Engeln. Dann gefiel es ihm, auch eine sichtbare Welt zu schaffen. Er brauchte nur zu sagen: „Es werde!“ und es wurde alles, was wir sehen: Stoffe und Kräfte, Licht und Wärme, Meer und Land, Pflanzen und Tiere. Dann hauchte er einem sichtbaren Geschöpf eine unsterbliche Seele ein. Damit schuf Gott die ersten Menschen. Adam und Eva sind zwei von diesen ersten Menschen, die in der Heiligen Schrift ausdrücklich genannt werden. Damit waren die ersten Menschen und die Stammeltern aller Völker geschaffen.

 

So geht auch dein Stammbaum und der aller anderen Menschen bis auf die ersten Menschen und auf Adam und Eva zurück. Und weil Adam und Eva Kinder Gottes waren, sollst auch du ein Kind Gottes sein. Du kannst beten:

 

Mein Gott, du Anfang von allem Sein,

Hast alles erschaffen, drum sind wir dein.

Wir danken dir alles auf Erden hier,

Drum sagen wir Gott und Vater zu dir.

Du schufst auch einst eine Seele für mich:

Mein Schöpfer und Herr, ich glaube an dich.

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Etwas vom Paradies

 

Ach wie lange ist das her. Es mochten wohl Milliarden und Millionen von Jahren verflossen sein, bis Gott die ersten Menschen erschuf. Erst mussten auf der Erde Pflanzen wachsen, Kräuter tragen, von denen sie sich nähren konnten. Erst musste die bunte Tierwelt erschaffen sein, die der Mensch hegen und pflegen sollte. Aber alles, was Gott in Milliarden Jahren erdacht und gemacht hatte, war wunderschön und gut. Da wuchsen Bäume, gegen die unsere höchsten Palmen nur Zwerge sind. Da gab es auch Tiere, weit größer als der Elefant und der Wal im Meer.

 

Irgendeine Gegend auf der Welt aber war ganz besonders schön. Da gab es Blumen, wie wir noch keine blühen sahen. Da wuchsen Früchte, wie keiner von uns sie je gegessen hat. Dieser herrliche Garten heißt in der Heiligen Schrift das Paradies. Und das Paradies sollte die glückliche Heimat der Menschen sein. Auch wir hätten ein Paradies hier auf der Erde gefunden, wenn die Menschen Gott treu geblieben wären. Leider ist es anders gekommen. Diese traurige Geschichte kommt aber erst später.

 

Hier wollen wir nur vom Glück der ersten Menschen reden. Der liebe Gott hatte all seine Weisheit, Allmacht und Güte zusammengenommen, um die ersten Menschen recht schön und vollkommen zu erschaffen. Sie sollten ihrem Schöpfer so ähnlich sein, als das den geschaffenen und irdischen Menschen nur möglich ist. Er gab ihnen, nachdem sie sich durch seinen Willen über Jahrmillionen hinentwickelt hatten zu Menschen, eine Seele mit großem Verstand und starker Kraft des Willens. Diese Seele ist ein Geist. Und dieser Geist sollte wenig hinter den Engeln zurückstehen. Er sollte zugleich den Leib des Menschen beleben. Er sollte dafür sorgen, dass dieser leibliche Mensch nicht sich benehme und lebe wie das Tier. Er sollte vielmehr sich und die Tiere und die ganze Natur pflegen, hegen und im Guten regieren. Der mächtige Elefant sollte mit ihm leben treu und gut, das Pferd ihn sogar gerne auf dem Rücken tragen. Kurzum, der Mensch durfte wirklich wie ein guter König der irdischen Welt sein und alles mit Bedacht regieren.

 

Aber eins sollten die ersten Menschen nie vergessen. Sie sollten stets daran denken, dass Gott ihr Schöpfer und Herr war und blieb. Wie die Geschöpfe, die Tiere und Pflanzen auf sie hören, so mussten sie unbedingt auch selber mit Leib und Seele Diener und Dienerinnen Gottes sein. Sie durften um keinen Preis den Gehorsam Gott gegenüber vergessen. Hörten die Menschen auf Gottes Wort und handelten sie nach seinem Willen, so war alles gut und schön und blieb es auch. Adam und Eva und all die anderen ersten Menschen hätten es sich genau merken sollen: es ging um ihr Leben und um das Paradies.

 

Wie war es schön im Paradies.

Kein Habicht auf die Taube stieß.

Dem Menschen schenkte Milch die Kuh,

Das Bienlein trug ihm Honig zu.

Sein Mundschenk war der frische Quell,

Ihm Reh und Löwe Spielgesell.

Das Vöglein auf dem Blütenast

Sang süß und hell im Sonnenglaft.

O Mensch, sing mit. Die Welt hört zu:

„Mein Gott, wie groß und gut bist du.“

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Der erste Kampf im Land des Friedens

 

Ein Retter und Erlöser ist ja erst nötig, wenn jemand in so großes Unglück gekommen ist, dass er sich selber nicht daraus befreien kann. Und dieses Unglück, dieses Elend und Unheil kam durch eine schwere Sünde in die schöne Schöpfung Gottes hinein.

 

Manche Leute sagen: Ja, durch den Teufel ist alles so gekommen. Wo kam aber nun der Teufel her? Gott hatte doch alles gut erschaffen. Gott hatte natürlich nur gute Engel erschaffen und auch die Menschen, die aus seiner Schöpferhand hervorgingen, waren gut. Engel und Menschen hatten Vernunft. Sie konnten also wohl unterscheiden, was böse und gut, was erlaubt oder unerlaubt war. Sie hatten auch einen freien Willen. Sie konnten also das Gute oder das Böse tun. Hörten sie freiwillig auf Gott, so bekamen sie dadurch Lob und Lohn. Wurden sie aber böswillig ungehorsam, so verdienten sie mit Recht Tadel und Strafe.

 

Die erste Sünde geschah nun nicht im Land der Menschen, sondern im Reich der Engel. Auch sie sollten sich wie die Menschen ihre übernatürliche Seligkeit erst durch das Bestehen einer Probe verdienen. Viele von ihnen bestanden die Probe schlecht. Sie wollten sich offenbar von Gott nichts mehr sagen lassen. Sie wollten sich nicht unter seinen Willen stellen, sondern ihm selber gleich sein. Das war sicherlich eine sehr schwere Sünde.

 

Aber, Gott sei Dank, machten nicht alle diese Empörung mit. Der Erzengel Michael stellte sich an die Spitze der getreuen Engel und mit dem Ruf: „Wer ist wie Gott?“, zog er gegen die Treulosen in den Kampf. Gott war mit ihnen. Sie besiegten die bösen Geister. Sie stürzten den Satan und seinen ganzen Anhang aus der Höhe hinab in den Abgrund. Seitdem gibt es Teufel. Die bösen Engel haben sich selbst dazu gemacht. Sie haben ihr eigenes, ewiges Unglück verschuldet. Ihre Liebe hat sich in Hass verwandelt. Ihre Empörung dauert ständig fort. Sie kennen nur den einen teuflischen Wunsch, auch andere Geschöpfe Gottes zur Empörung und zum Abfall zu bringen. Sie gönnen der Unschuld nicht ihr Glück. Sie sind höllisch eifersüchtig auf die, die sich noch durch Treue und Hören auf Gott den Himmel verdienen können.

 

Seit dem Sturz der bösen Engel stehen sich also nun Himmel und Hölle gegenüber. Der Himmel ist das letzte Ziel des Guten. Selige Engel und selige Menschen haben dort himmlische Gemeinschaft mit Gott, dem Allerhöchsten. Sie finden ihr ewiges Glück in der Anschauung Gottes und in der Liebe zu ihm. Und dahin kannst auch du kommen, wenn du es dem Teufel nicht nachmachst und dich nicht von ihm verführen lässt.

 

Wer aber freiwillig Gottes Gebot übertritt und seinem himmlischen Herrn den Gehorsam verweigert, der begibt sich aus eigener Schuld auf den Weg der bösen Engel. Und wenn derjenige sich nicht bekehrt und unbußfertig dahinstirbt, stürzt auch er in die Hölle. Aus der aber gibt es keine Rettung mehr.

 

Wir werden uns also alle Mühe geben müssen, immer dem bösen Feind zu widerstehen. Darum schrieb schon der heilige Petrus an die ersten Kinder der Kirche in Asien: „Seid nüchtern und wachsam! Denn euer Widersacher, der Teufel, geht umher wie ein brüllender Löwe und sucht, wen er verschlingen könne.“ Denke also jedes Mal in Versuchung an diese Warnung. Sonst geht es dir wie Adam und Eva.

 

Auch Engel vergaßen einst Gott zu lieben

Und wünschten voll Hochmut, Gott gleich zu sein.

Sie wurden vom Wege zum Himmel vertrieben

Und stürzten sich selbst in die Hölle hinein.

Der gottlose Mensch tut´s ihnen gleich

Und bringt sich selbst um sein Himmelreich.

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Der Lügner und Betrüger am verbotenen Baum

 

Bisher haben wir die Herrlichkeit Gottes, die Macht des Schöpfers und das Glück seiner Geschöpfe angesehen. Was Gott erschaffen hatte, war gut. Dass er Engel und Menschen einen freien Willen gab, war auch gut. Wenn sie diesen freien Willen dazu benutzten, Gott als ihren Herrn anzuerkennen und auf ihn zu hören, so konnte er sie noch glücklicher machen, als sie schon waren. Er konnte ihnen seinen Himmel dafür geben.

 

Dann aber kam plötzlich ein schriller Missklang in das harmonische Miteinander. Wir haben vorher gehört, dass viele Engel ihren freien Willen missbrauchten und sich gegen Gott empörten. Da musste zum ersten Mal die göttliche Gerechtigkeit in Kraft treten. Sie mussten seine Macht fühlen und anerkennen, dass keiner ungestraft sich gegen Gott erheben kann. Die große Sünde verwandelte ihr Glück und ihre Hoffnung auf den Himmel in ewige Schande und Hölle. Sie verwandelte ihr Licht in Finsternis, ihre Liebe in Hass und ihre engelfrohe Zufriedenheit in teuflischen Neid. Dieser Neid des Satans wurde nun auch das Verhängnis für die ersten Menschen.

 

Der Satan konnte es nicht mit ansehen, dass die ersten Menschen, dass Adam und Eva in der Liebe und Gnade Gottes lebten. Er wusste sicher auch, dass sie durch ihr Hören auf Gott ihr zeitliches Glück schließlich in ewige Seligkeit verwandeln konnten. Das ertrug er nicht. Einst war er ein so schöner Engel. Jetzt kroch er in ein unvernünftiges Tier hinein und schlich sich ins Paradies. Eva fürchtete sich vor der Schlange nicht. Sie hatte ja bis jetzt niemand ein Leid getan. So trat Eva, die erste Menschenmutter arglos an den Baum heran. Sie dachte erst gar nicht daran, nach einer Frucht zu greifen. Denn sie hatte noch keine böse Begierlichkeit.

 

Du weißt ja, wie es der böse Feind anstellte, um Eva zu verführen. Er redete schön und verlockend und log ihr etwas vor. Er nahm ihr heimlich die Gottesfurcht aus dem Herzen. Er machte sie nicht nur begierig nach der verbotenen Frucht, sondern auch nach dem Verlangen, selber wie Gott zu werden. Dieser Lügner und Betrüger! Man kann sich wirklich nicht genug vor ihm in Acht nehmen.

 

Die größte Schuld ist sicher in aller Welt allein,

Wenn die Geschöpfe wünschen, Gott selber gleich zu sein.

Sie glauben seinen Worten und seinem Warnen nicht.

Sie lieben mehr das Dunkel als seiner Gnade Licht.

Die Sünde hat selbst Engel gestürzt in Höllen-Nacht

Und auch die ersten Menschen ums Paradies gebracht.

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Von der ersten Schuld der Menschen

 

Es gibt Leute, die machen manchmal Witze über die Sünde im Paradies. Aber die war eigentlich viel zu traurig, um darüber Witze zu machen. Es gibt auch Menschen, die sagen, wegen einer solchen Kleinigkeit hätte Gott die Stammeltern und ihre Nachkommen gar nicht so grausam strafen dürfen. Die so etwas leicht daherreden, haben über die Größe der ersten Sünde sicher noch gar nicht nachgedacht. Aber wir wollen das jetzt mal versuchen.

 

Der Teufel verführte Eva zunächst zum Unglauben gegenüber Gott. Denn sie glaubte nicht mehr der Warnung, dass sie nach Übertretung des Gebotes sterben müsse. Dann verführte er sie zum Ungehorsam. Gott hatte nur ein einziges Gebot zu geben. Und das war leicht zu halten. Also umso schlimmer, wenn man es leichtfertig übertrat. Weiter verführte er sie zum Hochmut. Denn er täuschte ihr vor, die Menschen würden wie Götter werden, wenn sie von der Frucht essen würden.

 

Mit dieser Lüge warf der böse Feind die ersten schlimmen Begierden in das Herz der leichtgläubigen Frau. Nun achtete sie erst darauf, wie verlockend schön die Frucht aussah. Sie wandte sich nicht vom Versucher weg. Sie wich nicht von dem verbotenen Baum zurück. Sie lauschte nur der schönen Lüge. Sie schaute nur nach der sie anlachenden Frucht. Da war ihr das leichteste Gebot schon zu schwer. Da vergaß sie den guten Gott und seine ernste Warnung. Da glaubte sie dem höllischen Betrüger mehr als dem himmlischen Vater. Da wünschte sie verwegen, selber wie Gott zu sein. Und da hatte sie auch schon die Frucht heruntergerissen. Sie aß nun nicht nur selber davon, sondern brachte auch Adam zur Übertretung des Gebotes. Und dabei wusste sie, dass Leben und Seligkeit davon abhing.

 

Also sage doch bitte keiner, die Sünde sei eine Kleinigkeit gewesen, nur eine verzeihliche Naschhaftigkeit. Es war viel Schlimmer, viel schlechter. Der unvernünftigen Ziege kann man es verzeihen, wenn sie an einer Frucht herumschnuppert, von der sie nicht essen soll. Aber hier handelte es sich um hochbegabte, hochbegnadete Menschen, die danach keine Entschuldigung vorbringen konnten. Sie übertraten mit klarer Erkenntnis und ganz freiwillig das einzige Gebot, das sie zu halten hatten.

 

Das war also die erste Todsünde. Dieser Name passt nur zu gut. Sie war für unsere Stammeltern tödlich, denn sie verscherzten die Gnade Gottes.

 

Ach weh, ich hab nicht mehr an Gott und an sein warnend Wort geglaubt!

Dafür hat mir der Satan gleich der Gnade lichtes Kleid geraubt.

Warum wünscht ich im Übermut dem Allerhöchsten gleich zu sein?

Dafür bin ich nun arm und nackt und wandre tot ins Grab hinein.

Nun bracht ich all die Kinder mein ums Paradies, um Gottes Huld

Durch meine Schuld! Durch meine Schuld! Durch meine allergrößte Schuld!

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Was der erste Räuber tat

 

Du kennst die traurige Geschichte von dem Mann, der von Jerusalem nach Jericho ging. Er fiel unter die Räuber. Die raubten ihm alles, schlugen ihn fast tot und ließen ihn herzlos am Weg liegen. Daran kann man denken, wenn wir uns an die Folgen der ersten Sünde erinnern.

 

Die Schlange im Paradies war der erste Räuber. Der hat den Stammeltern das Gewand der Gnade von der Seele heruntergerissen. Er nahm ihnen damit die Liebe und Freundschaft Gottes. Er nahm ihnen auch viel Kraft aus dem Verstand und Willen fort. Nun blieb das Herz der Menschen zum Bösen geneigt und musste sich ständig wehren gegen die schlimme Begierlichkeit. Auch der Leib wurde bestraft. Hunger und Durst begannen ihn zu quälen. Müdigkeit und Schweiß erschöpften ihn. Krankheit und Tod warteten schließlich auf ihn.

 

Wir wollen die ersten Menschen mit Adam und Eva nicht verurteilen. Wir hätten es an ihrer Stelle kaum besser gemacht. Trösten wir uns, dass auch für sie einst der verheißene Erlöser kam und sie aus der Vorhölle befreite. Nun dürfen wir den Gedächtnistag der heilig gewordenen Stammeltern, die Buße getan haben, am 24. Dezember begehen.

 

Gott ist allmächtig.

Nur er konnte den Menschen erschaffen.

 

Gott ist allgütig.

Darum schenkte er den ersten Menschen seine Gnade

und ließ sie im schönen Paradies wohnen.

 

Gott ist allweise.

Darum gab er ihnen ein Gebot,

um sie für dessen Beobachtung mit dem Himmel zu belohnen.

 

Gott ist allheilig.

Darum musste ihn die Übertragung dieses

leichten Gebotes unendlich beleidigen.

 

Gott ist getreu.

Darum musste er die angedrohte Strafe auch verhängen.

 

Gott ist gerecht.

Darum strafte er die ersten Sünder,

wie sie es verdient hatten.

 

Gott ist langmütig.

Darum ließ er die reuigen Stammeltern nicht gleich sterben,

um ihnen Zeit zur Buße zu geben.

 

Gott ist barmherzig.

Darum verhieß er ihnen einen Erlöser.

 

Wie groß und vollkommen ist doch der Liebe Gott!

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Gefundene Not nach verlorenem Glück

 

Es ist so traurig. Wir finden die von Gott Verstoßenen in ihrer ganzen Not. Kein Paradies war mehr zu sehen. Das lag weit hinter ihnen. Und wenn sie auch zurück wollten, so sperrte dort ein Engel die enge Tür. Keine Bäume rings, die ihnen süße Früchte boten. Der nagende Hunger trieb sie, aus Wüstenland ein Äckerlein zu pflügen. Wie war der Boden hart. Wie schien die Sonne heiß.

 

Sie wollten wie Gott sein und waren nun Sklaven der Not geworden. Die Sünde hatte sie nicht nur aus dem Paradies gejagt, sie hatte sie auch von Gott getrennt. Der himmlische Vater sprach nicht mehr mit ihnen. Wie war das Schweigen Gottes hart. Nur sein strenges Strafurteil nach der Sünde klang ihnen noch in den Ohren: „Im Schweiße deines Angesichtes sollst du dein Brot essen, bis du zur Erde zurückkehrst, von der du genommen bist.“

 

Vielleicht hattest du seither die Größe der ersten Sünde noch nicht begriffen. Vielleicht begreifst du sie jetzt, wenn du die Größe der Strafe betrachtest. Es war eine Strafe, die nicht mit den ersten Menschen, nicht mit Adam und Eva starb, sondern überging auf ihre Kinder – Jahrtausende lang. Noch heute leiden wir darunter. Dennoch ließ sie Gott nicht ohne Hoffnung: Er versprach, dass einer ihrer Nachkommen die Macht des Bösen wieder zerstören werde. Eines Tages würde ein Erlöser kommen. Gott wusste, dass sie ihren Ungehorsam bereuten. Gott Lob und Dank, dass uns dann wirklich ein Erlöser erschien.

 

Wie gut war der himmlische Vater,

Der die Sünder ins Elend verstieß,

Dass er den Büßern erbarmend

Gleich einen Erlöser verhieß.

 

Maria so fromm und gehorsam,

So demütig, gläubig und rein,

Die durfte die neue Eva

Und Mutter des Heilandes sein.

 

Sie heilte, was Eva verdorben,

Und war so ganz voll der Gnad,

Dass sie dann, wie Gott es verheißen,

Der Schlange den Kopf zertrat.

 

Drum Kinder, grüßt jetzt schon die Mutter

Und grüßt schon ihr göttliches Kind.

Erhebt voll Hoffnung die Häupter,

Denn eure Erlösung beginnt!

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Retter in der Not

 

Die Menschen waren nach der Vertreibung aus dem Paradies übel dran. Nur ein Hoffnungsstern stand über ihrem Dunkel, nämlich der Glaube an den verheißenen Erlöser. Man sollte meinen, die „Adamskinder“ hätten alle gut und bußfertig bleiben müssen. Das Schicksal ihrer Stammeltern hätte ihnen eine Warnung sein können.

 

Aber viele wurden mit der Zeit leichtsinnig und lasterhaft. Da musste Gott mit einem neuen Strafgericht über die sündhaften Menschen kommen. Eine große Wasserflut fegte die Gottlosen hinweg. Aber auch jetzt zeigte sich neben der strengen Gerechtigkeit wieder die Barmherzigkeit Gottes. Die Guten sollten nicht mit den Bösen untergehen. Der fromme Noah durfte für sich und die Seinen die Arche bauen. So wurde er der Retter der Guten in der Sündflut.

 

Aber auch die Nachkommen Noahs blieben nicht alle gut. Gott musste sich ein besonderes Volk heraussuchen, um den Glauben an ihn nicht ganz verloren gehen zu lassen. So schloss er einen Bund mit dem mächtigen Hirtenkönig Abraham. Aber von dem hören wir später. Hier wollen wir uns nur merken, dass es auch dem Enkel Abrahams nicht immer gut ging. Eine große Hungersnot zwang ihn, mit den Seinen nach Ägypten auszuwandern. Da wurde der gute Joseph der Retter seines Volkes.

 

Aber dann kamen wieder schlechte Zeiten. Die Nachkommen Jakobs gerieten im Verlauf von 400 Jahren ganz in die Knechtschaft der Ägypter. Der barmherzige Gott musste wieder helfen. Diesmal schickte er den Mose als Retter und Befreier. Der führte sein Volk aus der Knechtschaft und durch das Rote Meer zum Gelobten Land.

 

Du siehst also, dass Gott auch in der traurigen Zeit vor Christus die Nachkommen Adams nicht vergaß. Zur Zeit der höchsten Not war stets ein Retter da. Immer wieder wurden dem Volk von Gott Propheten gesandt. Sie mussten es zur Gottesfurcht und Buße ermahnen. Auch mussten sie mit Weissagungen die Herzen auf den nahenden Erlöser vorbereiten. Denn der sollte ja der eigentliche Retter aller Kinder Evas werden.

 

Aus dem Paradies verstoßen weinen wir im Knechtsgewand.

Ach, wer gibt den Heimatlosen wieder ein gelobtes Land?

Zwischen uns und Gottes Landen liegt der Erbschuld tiefes Meer.

Ach, wer schickt jetzt uns Verbannten wieder einen Mose her?

Wie der einst das Volk der Juden durch das Meer sich retten ließ,

Gehen wir durch der Taufe Fluten in der Kirche Paradies.

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Das Rettungsschiff für alle Zeit

Du hast sicher schon viel vom Herrn Jesus Christus gehört. Er lebte auf der Erde nur etwa 33 Jahre. Aber in dieser kurzen Zeit hatte er alles getan, um für alle Völker und alle Zeiten, also auch für uns, der Erlöser zu werden. Gewiss waren die Menschen zu beneiden, die zu seiner Zeit in seiner irdischen Heimat lebten. Sie konnten ihn sehen und hören und Zeugen seiner Wunder sein. Aber ich bin auf diese Leute nicht neidisch. Viele haben damals trotz allem nicht an ihn geglaubt. Viele haben ihn gehasst und Verfolgt und schließlich ans Kreuz gebracht.

 

Die ihn aber aufnahmen, denen gab er Kraft, Kinder Gottes zu werden. Er gründete eine Gemeinschaft von allen denen, die an ihn glaubten. Diese Gemeinschaft nannte er seine „Kirche“. Er machte seine Apostel zu seinen ersten Bischöfen. Und von ihnen den Petrus zu seinem ersten Papst. Er setzte sieben Sakramente ein, damit alle Menschen durch sie die Gnade Gottes bekommen oder in sich vermehren konnten. In einem dieser Sakramente blieb er selber ganz geheimnisvoll. Das ist das Sakrament des Altars.

 

Mit diesen kurzen Sätzen habe ich dir sehr wichtige und kostbare Dinge gesagt. Nicht Dinge, die bloß einmal im Morgenland waren. Nein, Dinge, die heute noch sind. Sie betreffen dich so gut wie die Menschen, die zur Zeit Christi in Betlehem oder in Jerusalem wohnten. Denn auch du bist ein Kind der Kirche. Auch du bist durch die Taufe in dieses Rettungsschiff des Herrn aufgenommen worden. Auch für dich ist ein Nachfolger der Apostel als Bischof da. Ob dieser Bischof in Köln wohnt oder in München, im großen Berlin oder im kleinen Fulda, das ist nebensächlich. Aber wichtig ist, dass dein Bischof dir seine Priester zusendet. Die sollen dich im Glauben an Christus unterrichten, dir seine Gnade vermitteln und dich auf den Weg bringen, der dich zur Seligkeit des Himmels führt. Diesem deinem Priester hat also Gott die Sorge für deine Seele anvertraut. Darum ist er und heißt er dein Seelsorger. Also glaube seinen Worten, folge seinen Worten und benutze gern die Gnadenmittel, die er dir anbietet.

 

Wie glücklich ist jeder Seelsorger, ein Priester geworden zu sein. So darf er auch ein wenig für deine Seele sorgen. Er darf dir von Jesus Christus erzählen. Besonders freut es ihn, dass er dir helfen kann, im Sakrament des Altars Jesus in dich aufzunehmen. Wir sind also zusammen glückliche Reisende auf dem einen Schiff, das uns zum Himmel fahren soll. Dein Priester ist einer von den Matrosen, die auf dem Schiff Dienst tun. Unsere Bischöfe sind die Schiffsoffiziere, auf die wir gerne hören. Unser Steuermann aber ist Papst Franziskus. Dem hat Gott nach ungefähr 2000 Jahren das Schifflein Petri anvertraut.

 

Wir wollen Gott danken, dass wir schon am frühesten Morgen unseres Lebens durch die heilige Taufe Kinder Gottes und Jünger Jesu wurden.

 

Fest soll mein Taufbund immer stehn,

Ich will die Kirche hören,

Sie soll mich allzeit gläubig sehn

Und folgsam ihren Lehren.

Dank sei dem Herrn, der mich aus Gnad

In seine Kirch berufen hat;

Nie will ich von ihr weichen.

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Das Opfer Abrahams und das Brot vom Himmel

 

Weißt du, wie sehr Gott die Welt liebt? Ich will es dir erklären. Als Kind musste ich auch die Geschichte von Abraham und Isaak lernen. Die machte mich aber sehr traurig. Ich sagte zu meiner Mutter: „Wie konnte Gott nur so streng und grausam sein und von Abraham verlangen, dass er seinen Sohn opfern sollte?“ Da sagte meine Mutter: „Gott wollte nur den Glauben und den Gehorsam Abrahams prüfen.“ Es war gewiss etwas Furchtbares, was Gott von ihm verlangte. Aber der fromme Abraham dachte daran, in welches Unglück der Ungehorsam Adams und Evas die ganzen Menschen gebracht hatte. Da wollte er die große Sünde der Stammeltern nicht wiederholen. Darum erklärte er sich blutenden Herzens, aber demütig und gehorsam, zum schweren Opfer bereit.

 

Der liebe Gott war damit zufrieden. Die Stimme aus der Höhe hatte den Gehorsam verlangt. Die Hand aus dem Himmel hielt nun gütig das Schwert von dem Kind zurück. Wie glücklich muss der Vater seinen Sohn wieder heimgeführt haben. Er war ihm wie neu geschenkt. Der Gehorsam Abrahams brachte noch einen großen Lohn. Aus den Nachkommen seines Kindes sollte einmal der Erlöser kommen. Wir wollen hier gleich daran denken, dass wirklich Maria, die Mutter des Herrn, eine Tochter Davids und Damit ein Nachkomme Abrahams war.

 

Der heilige Matthäus erzählt uns das gleich am Anfang seines Evangeliums. Jedes Jahr wird das bei der Fronleichnamsprozession feierlich gesungen. Wir müssen also noch heute dem gehorsamen Abraham dankbar sein. Es gibt Leute, die haben Mitleid mit Abraham. Aber sie wenden sich damit gegen Gott, weil er ihm ein so schweres Opfer zumutete. Haben sie einen Grund sich gegen Gott zu wenden? Gott selber hat doch den Isaak beschützt und gerettet. Ja, Gott hat noch viel mehr getan. Er hat das Opfer, das er den menschlichen Vater nicht ausführen ließ, selber gebracht. Denn er hat seinen einzigen Sohn für uns den blutigen Opfertod sterben lassen. Wie heißt der schöne Satz? „So sehr hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen einzigen Sohn dahingab.“

 

Nun wollen wir vom Opfer reden

 

Von den Menschen im Paradies verlangte der liebe Gott, dass sie ihm gehorsam waren. Wenn sie vom verbotenen Baum wegblieben und auf die verbotene Frucht verzichteten, so brachten sie damit dem Herrn gewiss ein wohlgefälliges Opfer dar. Aber dann ließen sie sich zum Ungehorsam verführen und wollten dem himmlischen Vater nicht mehr unterwürfig sein. Dafür wurden sie aus dem Paradies verstoßen und mussten einmal sterben.

 

Wie mag Eva, die ihre Sünde sehr bereut hat, ihre Kinder angeleitet haben, doch sich mit Gott wieder zu versöhnen. Gewiss sagte sie manchmal: „Mein wilder Kain und mein sanfter Abel. Seid gehorsam. Ihr ahnt noch nicht, wie der sonst so gute Gott die Sünde straft. Er ist der Herr über Leben und Tod. Opfert ihm das Liebste, was ihr habt.“ Dann musste Kain seine schönste Garbe auf den Altar legen. Abel aber brachte sein liebstes Lämmlein zum Opfer dar.

 

Es haben also schon die ersten Menschenkinder Gott geopfert. Sie haben damit Gott als den höchsten Herrn anbeten und anerkennen wollen. Aber die Heilige Schrift weiß noch von vielen Opfern zu erzählen. Du hast gewiss schon etwas vom Priester-König Melchisedech gehört. Der brachte vor Abram Brot und Wein als herrliches Dankopfer dar. Die notwendigste Speise und der edelste Trank schienen mehr als alle anderen Gaben der Erde würdig, Gott geopfert zu werden.

 

Vom Opfer Abrahams selber hast du nun schon gehört. Es war zugleich das Opfer des kleinen Isaak. Der fromme Junge wehrte sich nicht, als ihn der Vater opfern wollte. Als er von daheim fortging, wusste er freilich noch nicht, dass er selber das Opferlämmlein sein sollte. Wie freudig trug er das Holz für das Opferfeuer den Berg hinauf. Dies lehrt uns, das Opfern auch heute noch nicht den Priestern allein zu überlassen. Denn die Heilige Messe ist nicht nur die unblutige Wiederholung des blutigen Kreuzesopfers Christi. Sie ist das gemeinsame Opfer aller, die zur Heiligen Messe kommen, Darum betet der Priester ja auch nach der Gabenbereitung: „Betet, Brüder und Schwestern, dass mein und euer Opfer Gott, dem allmächtigen Vater, gefalle.“ Und die versammelte Gemeinde antwortet: „Der Herr nehme das Opfer an aus deinen Händen zum Lob und Ruhm seines Namens, zum Segen für uns und seine ganze heilige Kirche.“ Geh also wie Isaak immer gern mit zur Heiligen Messe, dem heiligen Opfer.

 

Als auf weiten Wüstenwegen

Alles Brot einst aufgezehrt,

Da hat Gott mit Mannaregen

Wundersam sein Volk ernährt.

 

Mancher ging mit Hungersorgen

Schlafen in der Nacht der Not

Und fand froh am frühen Morgen

Vor der Tür das Himmelsbrot.

 

Heil dem Volk, des aller Orten

Gnädig sich der Herr erbarmt!

Heil! Auch wir sind reich geworden

Und vor Gott nicht mehr verarmt.

 

Mehr noch als in alten Zeiten

Kommt Gott unsrer Seele nah.

Nimmer muss sie Hunger leiden,

Gottes Brot ist immer da.

 

Wo uns ruft zum Morgensegen

Ein Altar im Lichterglanz,

Träufelt uns der Mannaregen

Aus dem Kelch und der Monstranz.

 

Öffnet willig Herz und Hände!

Aus des Altars goldnem Schrein

Fällt der Regen ohne Ende

In der Kirche Schoß hinein.

 

Wie gut ist doch der liebe Gott. Er muss zwar viele Menschen auf der Erde ihr leibliches Brot unter Tränen essen lassen. Sein Wort zur Strafe der ersten Sünde gilt heute noch. Aber unseren Seelen ist er längst wieder ganz gut geworden. Er gab dem auserwählten Volk im Alten Bund auf seiner Wüstenreise das Manna. Ein ganz herrliches Vorbild des Himmelsbrotes, das uns dann der liebe Heiland im Neuen Bund beschert.

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Geburtstagsgeschenk für Gottes Sohn

 

Christmorgen. Da kommen schon die Hirten und suchen das Kind in der Krippe. Wie es der Engel verkündigte, liegt es da. Was für eine Freude. Die Patriarchen haben es nicht umsonst gehofft. Die Propheten haben es ganz richtig vorausgesagt. Nun ist wirklich der Messias da.

 

Du freust dich sicher beim Anblick eines schönen Bildes über die Heilige Familie im Stall zu Betlehem. Es wird dir vielleicht ganz weihnachtlich zumute. Du denkst an alle Geschenke, die du zur Christbescherung bekamst. Da wollen wir auch gleich einmal fragen, was denn das liebe Jesulein zu seinem Geburtstag bekam. Nicht viel Gutes und Schönes. Es wollte ja unser Erlöser werden von der Sünde und von der Sündenstrafe. Drum hat Jesus für uns Sühne geleistet gleich von seinem ersten Tag an.

 

Wie sah denn diese Sühne aus? Die ersten Menschen hatten im Hochmut wie Gott sein wollen. Das war eine große Sünde. Nun wird der Sohn Gottes für uns ein armes Menschenkindlein. Das war die richtige Sühne. Die Armut. Schau nur seine erste irdische Wohnung an. Keine Davidsburg in Jerusalem wäre schön genug für den Sohn des himmlischen Königs gewesen. Und nun findet er nichts als einen erbärmlichen Stall. Ausgerechnet einen Stall, der sonst nur den Tieren zur Wohnung dient. Wie mögen Adam und Eva geweint haben, als sie es an dem Ort, wo sie sich befanden, erfuhren.

 

Und wie schwach und klein der Sohn des allmächtigen Vaters geworden ist. Schau nur das hilflose Kindlein an. So demütig wollte der Erlöser werden, um den Hochmut der Sünder zu sühnen. Damit hat er seinem himmlischen Vater die Ehre wiedergegeben, die Menschen ihm rauben wollten. Das merkten auch gleich die Engel und singen vor lauter Freude und Dank: „Ehre sei Gott in der Höhe.“ Jetzt kann endlich wieder Friede sein zwischen Gott und seinem Geschöpf. Der gute Wille Jesu Christi hat gutgemacht, was der böse Wille der Stammeltern verschuldete. Maria und Josef sind auch guten Willens. Und die Hirten auch. Drum kommt das Friedenskind zu ihnen. Und die Weihnachtsengel singen: „Friede den Menschen auf Erden, die eines guten Willens sind.“

 

Nun müssen auch wir guten Willens sein. Gehorsam wie Jesus und demütig wie er. Auch wenn wir selbst arm sind und nicht gerade die schönste Wohnung haben. Tröste dich beim Anblick des armen Stalles. Nun verstehst du auch den Vers:

 

„Der Heiland will kommen ins Elend hier

zu allen Frommen und auch zu dir.“

 

Das Gloria von einst und heute

 

Jedes katholische Kind versteht ein wenig Latein. Dazu gehört auch das heilige Lied in der Messe: „Gloria in excelsis Deo.“ Viel hundertmal haben wir es schon vom Altar her gehört. Gloria heißt auf Deutsch also „Ehre“. Das Gloria ist das älteste Weihnachtslied. Vor mehr als 2000 Jahren wurde es zum ersten Mal gesungen. Die Engel haben es uns Menschen gelehrt. Von den Hirten haben wir es gelernt. Und die Menschen frommen Glaubens werden es singen bis ans Ende der Welt.

 

Nun pass auf. Ich will dich etwas vom Gloria der Heiligen Messe lehren. Das Gloria gehört zur Messe wie das Weihnachtsfest zum Leben Jesu. Nur in der Advents- und Fastenzeit erklingt es nicht. Die Adventszeit erinnert uns an die traurige Zeit vor Christus. Die Fastenzeit erinnert uns an sein bitteres Leiden. Kein Wunder, wenn da das frohe Gloria dem Priester nicht über die Lippen kommt. Doch sonst ist es immer da an den Sonntagen, an Hochfesten, Festen und bei anderen festlichen Gottesdiensten. Was denkst du nun, wenn du das Gloria hörst? Der Priester verkündet mit den Engeln die Ehre Gottes. Und alle Leute sollten eigentlich mitsingen: „Wir loben dich. Wir preisen dich. Wir beten dich an, wir rühmen dich und danken dir, denn groß ist deine Herrlichkeit: Herr und Gott, König des Himmels, Gott und Vater . . .“.

 

Was ist das für ein unvergleichliches Lob- und Danklied. Also beten wir es wenigstens mit, wenn wir nicht mitsingen können. Gott im Himmel soll doch sehen und hören, dass auch wir ihm die geraubte Ehre wieder zurückgeben wollen. Wie werden das jetzt im Himmel auch Adam und Eva tiefbewegt mitsingen. Wie müssen sie sich freuen, dass ihr Kindeskinder auf Erden das zu ersetzen suchen, was sie einmal vergaßen. Lass auch deine Stimme nicht beim Gloria fehlen. Das Gloria „ich lobe dich“ und Credo „ich glaube an dich“ ist die allerschönste Vorbereitung auf die heilige Kommunion.

 

Wir haben Adam nicht gekannt, der schön und rein und wunderbar

Im lichten Paradiesesland ein Gnadenkind Gottvaters war.

Die Sünde kam, sein Herz verdarb. Vom ersten Glück blieb kaum die Spur.

Die Gnade wich, die Unschuld starb. Wir erbten Schuld und Elend nur.

Bis dass ein neuer Adam kam, der Sühne für die Sünde tat,

Der unsre Strafe auf sich nahm und neu erschloss den Himmelspfad.

Was Hoffnung war und Sehnsucht bloß, ward uns geschenkt, ist uns geschehn.

Komm, Kind, wir wollen klein und groß zu Jesus dem Erlöser gehn!

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Die Magd des Herrn

 

Wir haben schon den Heiland den neuen Adam genannt. Denn der hat wirklich getan und gehalten, was Gott vom ersten Adam schon erwarten konnte. Nun sind wir froh, dass in der lieben Mutter Gottes auch eine neue Eva uns geschenkt worden ist. Gewiss war die erste Eva im Paradies vorher gut und Gott wohlgefällig. Aber dann ließ sie sich durch die Schlange zum Ungehorsam und zum Hochmut verführen. Das hat sie und uns ums Paradies gebracht.

 

Betrachten wir jetzt daneben einmal das Beispiel Mariens. Sie stammte aus der Königsfamilie Davids. Aber die Nachkommen Davids hatten längst die Herrschaft verloren. Maria kam nicht als eine vornehme Prinzessin zur Welt. Sie wohnte in keinem Schloss. Ihr heiliger Bräutigam Josef war nur ein armer Zimmermann. Aber sie beschwerte sich nicht darüber. Sie liebte die Verborgenheit. Sie lebte glücklich in ihrem schlichten Häuslein in Nazareth.

 

Kein Wunder, dass Gottvater ein so gutes Evakind ganz besonders lieb hatte. Dass er es zur Mutter seines Sohnes auserwählte. Darum schickte er seinen Erzengel nicht zu einer stolzen Kaisertochter nach Rom, sondern zur demütigen Jungfrau Maria im unbekannten Nazareth. Ich glaube gern, dass die fromme Dienerin Gottes gerade betete, als der Engel zu ihr kam.

 

O war das eine Überraschung. Mutter Gottes sollte sie werden. Ihr Sohn sollte für den Thron seines Vaters David bestimmt sein. An eine solche Ehre hatte sie nicht im Traum gedacht. Machte sie das jetzt stolz? Sah sie sich in Gedanken schon als Königinmutter? Ach nein. Sie fand nur die demütigen Worte: „Siehe, ich bin die Magd des Herrn.“

 

Als sie später der Base Elisabeth von dieser Gnadenstunde erzählt, rühmt sie sich da vielleicht? Nein, sie gibt auch da Gott allein die Ehre. Was singt sie? „Hochpreiset meine Seele den Herrn, und mein Geist frohlockt in Gott, meinem Heiland . . . Er hat angesehen die Niedrigkeit seiner Magd.“

 

Hörst du die Stimme der Demut? Solche Gesinnung sühnte die Sünde der ersten Menschenmutter. Bei Maria konnte eine höllische Schlange nichts erreichen. Da verlor sie das Spiel. Da wurde ihr der Kopf zertreten. Darum sagte ich schon einmal von Maria: „Sie heilte, was Eva verdorben, und war so ganz voll der Gnade, dass sie, wie Gott es verheißen, der Schlange den Kopf zertrat.“

 

Maria wollte sein die Magd des Herrn.

Sie tat den Willen Gottes gleich und gern.

Drum durfte Evas bestes Kind auf Erden

Dann droben Königin des Himmels werden.

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Aufopferung des Christkindes im Tempel

 

Das war also Christkindleins erste Wallfahrt in das Haus des Herrn. Nach altem Gesetz gehörte der erstgeborene Sohn Gott. Darum musste er bald nach seiner Geburt Gott im Tempel dargebracht und mit einem anderen Opfer vom Tempeldienst losgekauft werden. Ich sehe, der heilige Josef hat seine Täublein, das gewöhnliche Opfer der Armen, schon zur Hand. Die alte Prophetin Anna hat auch schon ihr Kerzlein angezündet. Schön von ihr. Wahrscheinlich hat sie den greisen Simeon sagen hören, dass dieses Kindlein wirklich das Licht zur Erleuchtung der Heiden und zur Verherrlichung Israels werden soll. Verstehst du jetzt, warum wir auch bei unserer Heiligen Messe Kerzen anzünden, die gerade am ersten Opfertag Jesu (so schön „Mariä Lichtmess“ genannt) geweiht werden? Vielleicht bist du auch schon einmal von deiner Mutter nach deiner Geburt in die Kirche getragen und Gott aufgeopfert worden. Bei uns tun das sehr viele christliche Mütter.

 

Als Jesus dann groß und alt genug war, ist er auch selber in den Tempel gegangen, um sich weiterhin seinem himmlischen Vater aufzuopfern.

 

Ein Sternlein fiel vom Himmelszelt

Herab in unsre Nacht.

Das hat der dunklen Menschenwelt

Neu Gottes Licht gebracht.

 

Das Sternchen war lieb Jesulein,

Das kam von Gottes Thron.

Das wollte unser Bruder sein

Und ward Mariens Sohn.

 

Lieb Jesulein, du Hoffnungsstern

Der alten Väterzeit,

Wir folgen wie die Weisen gern

Dir jetzt durch Freud und Leid.

 

Lieb Jesulein, du Licht vom Licht,

O komm auch in mein Herz!

Verlass in Not und Nacht mich nicht

Und leucht mir himmelwärts!

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Das Vorbild der Heiligen Drei Könige

 

Die ersten Menschen aus fremden Ländern, die zu Jesus Christus kamen, waren die Könige aus dem Morgenland. Die waren so klug und gelehrt, dass sie die Sterne und deren Wege kannten. Darum nennen wir sie auch die drei Weisen. Und sie waren so gut und fromm, dass sie danach richtige Heilige wurden. Sie hatten auch erfahren, dass der Heiland aus dem Volk der Juden kommen müsse. Da machten sie die weiten, weiten Wege. Sie suchten den Erlöser, auf den alle Welt wartete. Es gab gewiss Leute, die sie deswegen auslachten und verspotteten. Aber das hielt sie nicht auf. Sie wollten ganz gewiss nicht nur dem damaligen Judenkönig in Jerusalem einen Besuch machen. Sie suchten etwas ganz anderes.

 

Sie waren besser als die Priester und Schriftgelehrten in Jerusalem. Die mussten jetzt erst in ihren heiligen Büchern herumblättern, um das zu finden, was die Weisen aus dem Morgenland wissen wollten. Die hörten kaum was von dem kleinen Städtlein in Betlehem, da machten sie sich auch schon wieder auf den Weg. Ich glaube, sie waren richtig froh, als sie das falsche Jerusalem hinter sich hatten. Und gar erst die Freude, als sie ihren Stern wieder sahen. Sie hatten den richtigen Weg neu gefunden. Aber ich glaube, sie waren zugleich traurig und enttäuscht, dass kein Mensch von Jerusalem mit ihnen ging. Kein König und kein Hoherpriester. Kein Schriftgelehrter und kein Pharisäer. Ach, die gleichgültige Gesellschaft. Sie hatten die Schrift und lasen sie nicht. Sie fanden die Weissagung und kümmerten sich nicht darum.

 

Verstehst du jetzt, dass der spätere Jünger und Freund Jesu, nämlich der Evangelist Johannes, gleich am Anfang seines Buches schrieb: „Das Licht leuchtete in der Finsternis, aber die Finsternis hat es nicht begriffen. Es war in der Welt, aber die Welt hat ihn nicht erkannt . . . Die Seinigen nahmen ihn nicht auf.“

 

So dachten die Weisen keineswegs. Sie glaubten erst dem Stern und jetzt der Heiligen Schrift. Sie suchten ehrlich und fanden darum glücklich den Heiland der Welt. Mochte der auch ein schwaches Kindlein sein und in ärmster Hütte wohnen. Sie fielen nieder und beteten an. Sie taten auch ihre Schätze auf und brachten ihm Geschenke. Du weißt, was sie ihm schenkten. Muss man diese Könige nicht bewundern und lieb haben? Wir können viel von ihnen lernen. Besonders jetzt, wo du den Heiland für die erste Kommunion suchst.

 

Sag nicht, du könntest es den reichen Königen nicht nachmachen. Das Christkind will von dir weder Gold noch Weihrauch noch Myrrhen. Aber weiß du, was Jesus will? Etwas, was dich weder Geld noch weite Wege kostet. Er will deinen Glauben. Viele Menschen glauben nicht mehr an ihn. Die wollen, so scheint es, erst einen neuen Stern, ein neues Zeichen vom Himmel haben. Ach, die Verblendeten. Du kennst doch schon das Kind von Betlehem. Deine Eltern, die Kirche und vielleicht die Schule erzählen dir von ihm. Bleib also nicht irgendwo in einem ungläubigen Jerusalem stecken. Geh mit den Weisen. Das Ewige Licht in unseren Kirchen ist jetzt für dich der Stern. Dort knie nieder und bete an.

 

Weißt du, warum wir ein Opfer Gott weihen,

Ein Opfer vom Weizen, ein Opfer vom Wein?

Von Gott stammt doch alles, kommt Saat und Gedeihen,

Drum soll ihm auch gerne geopfert sein.

 

Wir wollen mit unserem Opfer ihn ehren,

Wir schulden ihm Dasein und Leben und Glück.

Muss er uns Geschöpfen hier alles bescheren,

So geben wir dankbar ein Opfer zurück.

 

Uns lehren die Weisen, die frommen und guten.

Sie folgten einst gläubig und willig dem Stern.

Sie suchten und ehrten den König der Juden.

Wir dienen und opfern dem himmlischen Herrn.

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Selig, die Verfolgung leiden

 

Dem lieben Herrn und Heiland ging es wirklich nicht gut auf Erden. Er hat es schmerzlich büßen wollen, dass den ersten Menschen ihr Paradies nicht mehr gut genug war, weil ein einziger verbotener Baum darin stand. Wir lernten schon, dass der Hochmut der bösen Engel sie selber um den Himmel brachte, wie er die Stammeltern aus der Heimat des Glücks und des Friedens vertrieb. Ach, wie geht diese Sünde weiter. Denk nur einmal darüber nach.

 

Betlehem hatte keinen Platz für die Davidsnachkommen. So musste ein armseliger Stall das Geburtshaus des Christkindleins werden. Jerusalem kümmert sich um dieses wunderbare Kindlein auch nicht. Es lässt die Weisen allein nach ihm suchen. Herodes aber ist noch viel schlimmer. Er gönnt dem Kind keinen Platz in seinem ganzen Reich. Was muss er für ein schlechtes Gewissen haben, dass er solche Angst vor einem Kindlein hat. Er schreckt nicht zurück vor dem Mord unschuldiger Kinder. Aber all sein Wüten ist umsonst.

 

Zwei liebende Herzen genügen, um das Jesuskind aus aller Gefahr zu retten. Wohl kann ich mir denken, dass sie unendlich traurig waren, als sie von der schlimmen Absicht des Herodes hörten. Kurz nach dem so ehrenvollen Besuch aus dem Morgenland müssen sie fliehen in ein fernes Heidenland. Aber sie besinnen sich nicht lange. Gottes Engel lügt nicht. Und das Kind darf nicht in die Hände des Herodes fallen. Also fort, und zwar sofort.

 

Keine Heilige Schrift erzählt uns die Mühsal ihrer nächtlichen Flucht. Aber wie froh müssen sie gewesen sein, als sie endlich über der Grenze und damit in Sicherheit waren. Gerettet, gerettet. Da traf schon für Maria und Josef das spätere Wort des göttlichen Sohnes zu: „Selig sind, die Verfolgung leiden, um der Gerechtigkeit willen, denn ihrer ist das Himmelreich.“

 

Des Jesuskindes Flucht nach Ägypten ist ein großer Trost für alle, die auf der Erde Verfolgung zu leiden haben. Und deren gibt es genug, wie wir wissen. Auch du hast schon davon gehört. Manchmal kommt Leid und Not nur so über Nacht. Ich habe Menschen gekannt, die waren vor dem Krieg glücklich und reich und sind dann ganz verarmt. Man liest manchmal in den Zeitungen von Unglücklichen, die haben sich selber das Leben genommen, weil sie glaubten, die ungewohnte Not nicht weiter tragen zu können. Hätten sie doch an das Jesuskind gedacht.

 

Wollen wir nicht auch zu Maria und Josef unsere Zuflucht nehmen? Sie haben so gerne fürs göttliche Kind alle Angst der Flucht und alle Mühe der weiten Reise getragen. Vielleicht waren sie innerlich ganz glücklich, für Jesus etwas leiden zu dürfen. Die Sünde hatte eins die schuldigen Stammeltern aus dem Paradies vertrieben. Nun wollte der Erlöser auch dafür leiden. Er ließ sich unschuldig aus Betlehem, dem Paradies seiner Kindheit, vertreiben. Er wollte wahrlich nicht die Krone des Herodes haben. Er konnte später mit gutem Gewissen vor dem Richter Pilatus sagen: „Mein Reich ist nicht von dieser Welt.“ Er ließ dem Kaiser, was des Kaisers war.

 

Leider gibt es heute noch Menschen wie Herodes. Sie gönnen dem Heiland das Leben nicht. Sie lassen seine Kirchen zerstören und vertreiben seine Priester. Lasst es uns wie Maria und Josef tun.

 

O Friedenskind, du König

Vom hohen Himmelsland.

Was strebt dir nach dem Leben

Schon des Herodes Hand?

 

Du trägst doch kein Verlangen

Nach einer Erdenkron.

Nur um für uns zu sterben

Wirst du ein Menschensohn.

 

Du willst ein Kreuz hier tragen,

Gekrönt vom Dornenzweig.

Doch deine Königskrone

Trägst du im Himmelreich.

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Willst auch du mein Jünger sein?

 

Wir sind in Gedanken unserem Schöpfer und Erlöser gläubig nachgegangen. Wir versuchten zu verstehen, was es Unheilvolles um die Sünde war und ist. So wissen wir, wie notwendig uns ein Erlöser geworden ist. Wir beteten ihn in der Krippe an. Wir dachten mit den drei Königen auch an unser Opfer. Wir versuchten durch das Beispiel Jesu etwas für uns selber zu lernen.

 

Jetzt machen wir uns auf, um mit neuer Bereitwilligkeit unserem Herrn entgegenzugehen. Wie ihm einst seine Jünger gefolgt sind, so rüsten wir uns jetzt zu seiner wirklichen Nachfolge. Früher ritten vor den Königen der Erde die Herolde, um das Volk auf das Nahen des Fürsten aufmerksam zu machen. Der Herold Christi war der Täufer Johannes. Dem dürfen wir treu folgen. Denn er hat mit eigenen Ohren die Stimme des Vaters aus den Wolken gehört. Er hat mit eigenen Augen den Heiligen Geist in der Gestalt einer Taube gesehen. Er hat dem Sohn Gottes auf Wunsch die Taufe gespendet. Jesus hatte sie zwar nicht nötig. Aber wie Mose einst mit seinem ganzen Volk durch das Rote Meer zum Gelobten Land zog, so wollte auch Jesus all seinen Jüngern durch das Wasser der Taufe in das Heiligtum seiner Kirche vorangehen.

 

Beim Evangelium von der Taufe Jesu sollst du noch einmal dankbar an deine eigene Taufe denken. Wie das Wasser beim Waschen den Körper reinigt, so hat die Taufe deine Seele von der Erbsünde rein gemacht. Bei der Taufe erwachsener Menschen werden auch alle persönlich begangenen Sünden mit fortgewaschen. Hast du heute auch ein Vaterunser für die Taufe der ungläubigen Menschen übrig?

 

Bekehrt euch! Tut Buße! Das Himmelreich kommt nah!

Schon neig ich mich zum Gruße. Der Heiland, er ist da!

 

Gott Vater hoch im Himmel hat laut ihn Sohn genannt.

Der Geist hat ihm zu Häupten die Flügel ausgespannt.

 

Er steht in eurer Mitte und keiner kennt noch ihn.

Ich selbst weiß mich nicht würdig, den Schuh ihm auszuziehn.

 

Bereitet ihm die Wege! Macht eben seinen Pfad!

Tut auf ihm eure Herzen! Der Welterlöser naht!

 

Wasche dich im Teich Siloe

 

Nachdem uns der Täufer Johannes etwas gesagt hat, lasse ich nun den Evangelisten Johannes etwas erzählen. Der berichtet nämlich, wie Jesus einmal einen Blindgeborenen heilte. Der Heiland bestrich dem Armen die toten Augen mit Erdenstaub, den er mit dem Speichel seines Mundes angefeuchtet hatte. Dann sprach er zu ihm: „Geh hin und wasche dich im Teich Siloe!“ Da ging der Blinde hin, wusch sich und kam sehend zurück.

 

Das sind ganz wunderbare Dinge. Das Wasser des Teiches besaß nicht die natürliche Kraft, sehend zu machen. Sonst hätte es gewiss keine Blinden in Jerusalem gegeben. Aber der allmächtige Gott kann mit einem natürlichen Zeichen übernatürliche Kraft und Gnade verbinden. Wenn wir also sehen, dass Wasser aus dem Teich Siloe mit Gottes Hilfe den Blinden sehend machte, so kannst du gewiss auch glauben, dass Wasser aus dem Taufbrunnen mit Jesu Gnade Sünden tilgt und die Augen der Seele zum übernatürlichen Leben öffnet.

 

Wir denken viel zu wenig darüber nach, was wir der Taufe alles zu verdanken haben. Wir wurden nicht nur rein von Sünden, wir bekamen auch das unsichtbare Kleid der heiligmachenden Gnade. Dieses Kleid bleibt rein und unbeschädigt, solange wir die Seele vor eigenen Sünden bewahren. Fangen wir aber an, Böses zu tun, so wird die Seele davon befleckt und verunreinigt. Die schwere Sünde zerfetzt und raubt uns gar das Kleid der Unschuld. Eine zweite Taufe gibt es nicht. Aber der barmherzige Herr hat uns zum ersten Sakrament auch noch andere dazu geschenkt. Da ist das Sakrament der Buße ein Retter. Das soll uns wieder und immer wieder von unseren Sünden reinwaschen und uns das Kleid der Gnade zurückgeben. Dieses Kleid musst auch du haben. Du hast doch schon davon gehört, dass der himmlische König ein hochzeitliches Kleid unbedingt bei denen sehen will, die an seinem Tisch zu speisen wünschen. Also muss ich vor dem Altarsakrament noch notwendig von der Buße reden.

 

Ich lerne diese Rede schon vom Täufer Johannes. Der wusste genau, dass nicht das Jordanwasser allein Menschen reinigen und auf die Ankunft des Herrn vorbereiten konnte. Darum ließ er die Leute nicht nur in das Wasser des Jordan hineinsteigen. Er mahnte sie auch laut und eindringlich: „Tut Buße!“ Er sagte ihnen das auch recht anschaulich. Wo Berge von Sünden und Unvollkommenheiten waren, sollten sie abgetragen werden. Wo Täler von Nachlässigkeiten und Versäumnissen waren, da sollen sie ausgefüllt werden. Wo üble Gewohnheiten die Wege krumm gemacht und vom Guten abgelenkt hatten, da sollte wieder ein gerader und ebener Weg zum Herrn eingeschlagen werden. Wer diese Bußmahnungen des Johannes befolgte, der durfte dann auch an den Augen seiner Seele ein inneres Wunder erleben. Die Blindheit wurde hinweggenommen und „alles Fleisch konnte das Heil Gottes sehen“.

 

Du bist, Gott sei Dank, längst getauft. Jetzt schau einmal nach, ob dein Kleid der Unschuld und Gnade bis jetzt rein und unzerrissen geblieben ist. Vielleicht bist du froh, dass der Heiland dir auch das Sakrament der Buße zurückließ. Dieses Sakrament empfangen zu können, ist für viele ein großes Glück und für manche die einzige Rettung. Du hast die Vorbereitung auf deine erste Beichte vielleicht schon hinter dir. Aber ich will dich doch erinnern, dieses Sakrament der Barmherzigkeit immer recht bußfertig zu empfangen.

 

Denke also jetzt besonders an das hochzeitliche Kleid, das du bei der Kommunion tragen musst. Wie du äußerlich gekleidet gehst, das kümmert mich kaum. Dafür sollen Vater und Mutter sorgen. Aber nach deiner Seele will ich schauen. Sollte sich etwa darauf schon Flecken auf Flecken gehäuft haben, so schaffe sie fort durch eine gute Beichte. Aber die Beichte tut es auch nicht allein. Dann gilt es, sich vor neuen Flecken zu hüten. Gilt es Lücken auszufüllen, wo du nachlässig warst. Es gibt Lücken im Beten und Lücken im Kirchenbesuch. Es gibt Lücken im Lernen und Lücken beim Betragen. Also gehe hin und wasche auch du dich im Teich Siloe, wollte sagen im Beichtstuhl. Und dann komm sehend zurück. Denn wir müssen weiter den Heiland suchen.

 

Jesus, das Lamm Gottes

 

Als Johannes seinen Jüngern Jesus zeigte, tat er es mit den merkwürdigen Worten: „Seht das Lamm Gottes, das die Sünden der Welt hinwegnimmt.“ Dieser Spruch ist berühmt und unsterblich geworden. Millionenmal wurde er schon gebetet vor der Kommunion des Priesters und aller Gläubigen. Was wohl die Worte bedeuten sollen? Pass auf. Gerade die Lämmlein wurden bei den Juden als Opfertiere verwendet. Vor dem Auszug aus Ägypten mussten die Israeliten ein Lamm schlachten und mit seinem Blut ihre Türen gegen den Eintritt des Todesengels sichern. Zur Erinnerung daran wurden dann immer zur Osterzeit die Lämmlein geopfert und ihr Fleisch genossen.

 

Der liebe Heiland selber wollte noch einmal in solcher Weise mit seinen Jüngern Ostern feiern. Lukas erzählt uns, dass er den Petrus und Johannes nach Jerusalem voraussandte und sprach: „Gehet hin und bereitet uns das Osterlamm, damit wir essen.“ Dieses Osterlämmlein sollte wirklich sein letztes Vorbild sein. Denn am Tag darauf geschah, was schon Jesaja 700 Jahre vorher verkündigt hatte: „Er wird geopfert, weil er selbst wollte. Wie ein Schaf wird er zur Schlachtbank geführt.“

 

Darum sehen wir so oft in Bildern den sich opfernden Heiland als Lämmlein dargestellt. Er hat unsere Sünden auf sich genommen und sie mit seinem Blut getilgt. Uns hat er die Buße leicht gemacht. Doch er selber hat die schwerste und schmerzlichste Sühne geleistet. Denk daran, wenn du irgendwo Jesus als das „Lamm Gottes“ dargestellt siehst.

 

Der Sieger über den Satan

 

Du erinnerst dich, wie der Satan in Gestalt der Schlange die ersten Menschen in Versuchung führte. Obwohl sie gar keinen Hunger zu leiden hatten, verlockte er sie dazu, von der verbotenen Frucht zu essen. Obwohl sie nur ein leichtes Gebot zu halten hatten, reizte er sie, Gott ungehorsam zu sein. Obwohl ihnen das ganze Paradies gehörte und die ganze Erde ihr Reich sein sollte, weckte er in ihnen das Gefühl der Unersättlichkeit und den frevelhaften Wunsch, Gott gleich zu sein.

 

Mit dieser Versuchung brachte er die verblendeten Menschen dahin, ihm mehr zu glauben als Gott. Auf ihn, den Lügner von Anbeginn, ihr Vertrauen zu setzen. So gewann der Satan das Spiel, der Mensch aber verlor. Er verlor alles, das Paradies der Erdenzeit und den Himmel der Ewigkeit. Weh ihm, wenn Gott ihm keinen Erlöser verheißen hätte. Dieser Erlöser musste jetzt aufs Neue den Kampf mit dem Satan aufnehmen und ihn besiegen.

 

Nun verstehst du, warum sich der liebe Herr gleich am Anfang seines öffentlichen Lebens vom Satan versuchen ließ. Der probierte wieder sein altes Kunststück, richtete aber nichts damit aus. Der Heiland litt sicher nach dem langen Fasten unter grausamem Hunger. Doch er wollte nicht dem Teufel dadurch nachgeben, dass er jetzt umso gieriger aß. Er wollte auch nicht von der schwindelnden Höhe des Tempels herunterspringen, um sich als Gott aufzuspielen. Er wollte erst recht nicht alle Reiche der Welt von des Teufels Gnade geschenkt haben. Damit hätte er diesen als seinen höchsten Herrn anerkannt. Der demütige Menschensohn hat für die stärkste Versuchung nur das eine, rechte Wort: „Weiche Satan!“ Damit wurde der Teufel besiegt und in die Flucht geschlagen. Zum Lohn für diese Gottestreue kommen gleich die Engel vom Himmel und sind Jesus zu Diensten. Was für ein glorreicher Sieg für Christus. Was für ein segensreicher Sieg für uns.

 

Dein Leben lang wird deine Seele zwischen Gott und dem Satan stehen. Auf wen willst du hören? Wer soll in dir Sieger sein? Die Sünde oder die Gnade?

 

Komm, folge mir nach

 

Es ist so rührend zu lesen, wie der Heiland seine ersten Jünger um sich sammelte. Er suchte sie nicht aus den vornehmen Leuten Jerusalems heraus. Die einfachen und schlichten Menschen, die er da am See Genezareth arbeiten sah, die wollte er zu Menschenfischern und zu den Sendboten des Reiches Gottes machen. Sie brauchten weder Reichtümer zu besitzen noch Gelehrsamkeit noch irdische Macht. Und doch wusste er mit ihnen die Welt zu erobern.

 

Jetzt sind wir zur Nachfolge Christi berufen. Es braucht nicht jeder Priester oder gar Bischof zu werden. Am Tisch des Herrn hat der Arme neben dem Reichen, und das Kind neben dem Erwachsenen Platz. Er, der zu den Fischern am See sagte: „Kommt, folgt mir nach“, der rief einst auch: „Lasst die Kinder zu mir kommen und wehrt es ihnen nicht!“

 

Wir wollen uns also vornehmen, von jetzt an umso lieber auf sein Wort zu hören und seine Mahnungen zu befolgen. Tut ihr das, so bekommt ihr nicht nur hier euren Segen. Ihr sichert euch damit auch nach Jesu Wort das Himmelreich.

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Wunder von einst und für uns

 

Wir haben etwas über die Nachfolge des Herrn nachgedacht. So wollen wir jetzt lernend und betend dem lieben Herrn nachgehen, bis wir glücklich unseren Platz bei seinem heiligen Abendmahl gefunden haben. Der Erlöser hat viele Wege gemacht und viele Wunder gewirkt. Wir werden ihm nicht überallhin nachgehen können. Aber wir wollen zwei Wunder betrachten, die auch zur Befestigung unseres Glaubens gewirkt worden sind. Ich meine das Wunder in Kana und das Brotwunder in der Wüste.

 

Du weißt schon, dass Jesus in Kana Wasser in Wein verwandelt hat. Wasser war da. Aber der Wein war schon ausgegangen. Das war nicht verwunderlich. Denn die Jünger Jesu hatten gewiss die Zahl der erwarteten Gäste unerwartet vermehrt. Die treubesorgte Mutter des Herrn bewährte sich hier schon als Helferin und Fürsprecherin. Wir wollen uns das merken, wenn wir selber einmal in Not und Verlegenheit sind. Maria wusste wohl, an wen sie sich zu wenden hatte. Sie kannte das gütige Herz ihres Sohnes. Darum sagte sie ganz schlicht: „Sie haben keinen Wein mehr.“ Sie vertraute so sehr auf seine Hilfe, dass sie ermunternd zu den Dienern sagte: „Alles, was er euch sagen wird, das tut.“

 

Kaum hatten sie getan, was er sagte, da war auch das Wunder schon gewirkt. Ganz unauffällig geschah es. Aus den vollen Wasserkrügen wurde geschöpft und dem Speisemeister gebracht. Der wusste noch nichts vom Wunder, stellte aber fest, dass es der beste Wein war, der zuletzt noch aufgetischt werden sollte. Das war das Wunder von einst. Und es hatte die Wirkung, dass, wie der Augenzeuge Johannes berichtet, die Jünger an Jesus glaubten. Was glaubten sie denn? Sie glaubten, dass Jesus der verheißene Messias, also der unter den Menschen gesandte Erlöser, ihr Herr und Gott sein müsse.

 

Ich bin fest überzeugt, dass dieses Wunder zu Kana nicht nur für die Hochzeitsgäste, sondern auch für uns gewirkt worden ist. Denn nun können wir leicht glauben, dass Jesus Christus, der Wasser in Wein verwandelte, auch Wein in sein heiliges Blut und Brot in sein heiliges Fleisch verwandeln kann. Es ist die gleiche Allmacht Gottes, die das eine wie das andere zu wirken vermag. Darum glauben wir, dass auch heute bei der Wandlung jeder Messe Brot und Wein wirklich und wahrhaftig in Jesu Fleisch und Blut verwandelt werden.

 

Zur Hochzeit will ich gehen, liegt Kana auch sehr fern.

Die Hochzeit, die ich meine, ist bald im Haus der Herrn.

Wer Wasser einst verwandelt, kann wandeln auch den Wein.

Das Blut des Gotteslammes wird dann mein Heiltrank sein.

 

Der einst das Brot vermehrte, gibt selbst sich mir im Brot.

So kann er mir auch stillen der Seele Hungersnot.

Dies Wunder will ich glauben, mein Heiland Jesus Christ,

Dass du in Brotsgestalten noch jetzt zugegen bist.

 

Du hast es uns verheißen, du hast es uns erfüllt.

Der Glaube kann dich sehen, bleibst Augen du verhüllt.

Ging aus der Synagoge die Menge von dir fort,

Ich bleibe noch mit Petrus bei deinem wahren Wort.

 

Das Wunder der heiligen Wandlung

 

Wir hörten bereits, dass bei jeder Messe nach dem Beispiel Melchisedechs Brot und Wein Gott dargebracht wird. Aber dieses Opfer des Neuen Testamentes sollte doch viel mehr sein als das Speiseopfer des Königs von Salem. Unser ewiger Hoherpriester wollte nicht nur einmal am Kreuz blutig für uns sich opfern. Er wollte auch ständig für uns sein Fleisch und Blut dem himmlischen Vater als Opfer darbringen. Darum sprach er bei seinem letzten Abendmahl über Brot und Wein die allmächtigen Worte: „Das ist mein Leib – das ist mein Blut.“ So war dann das, was er seinen Aposteln zu essen und zu trinken gab, nicht mehr Brot und Wein, sondern sein eigen Fleisch und Blut.

 

Jesus Christus hat also mit dem Altarsakrament auch das heilige Messopfer eingesetzt und zum ersten Mal selber Gott dargebracht. Er wollte aber gleichzeitig die Weissagung des Propheten Malachias erfüllen und dieses unblutige Opfer nicht nur einmal, sondern immer und überall Gott darbringen. Um das möglich zu machen, musste er seinen Aposteln und deren Nachfolgern die Macht verleihen, auch Brot und Wein in sein Fleisch und Blut zu verwandeln. Diese Macht gab er ihnen mit den Worten: „Tut dies zu meinem Andenken.“ Jesus hat also mit dem Altarsakrament und dem Messopfer auch das Priestertum eingesetzt. Er selber war es, der damals das Sakrament der Priesterweihe seinen Aposteln spendete.

 

Du weißt, dass alle Priester der katholischen Kirche von den Nachfolgern der Apostel geweiht worden sind. Dieses Priestertum besteht heute noch. Die Priester feiern jetzt überall vom Aufgang der Sonne bis zu ihrem Niedergang die Heilige Messe. Jede Heilige Messe hat ihre Wandlung. Und wo immer ein Wandlungsglöcklein erklingt, da knien die Gläubigen nieder, um Jesus anzubeten, der unter den Gestalten von Brot und Wein gegenwärtig geworden ist.

 

Kann es dir da schwer sein, an die wirkliche Gegenwart Jesu zu glauben? Zieht es da nicht auch dich auf die Knie, um deinen Herrn und Gott anzubeten? Zeige schon bei der nächsten Wandlung durch deine Andacht und Ehrfurcht, dass du wie die Jünger zu Kana an Jesus glaubst und ihn anbetest. Bete, wie sogar ein zweifelnder Thomas ihn anbeten musste, mit den Worten: „Mein Herr und mein Gott!“

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Wunder in der Hungerwüste

 

Es gibt Wunder in der Natur, die wir kaum beachten. Legt ein Bauer ein Weizenkörnlein in den Acker, wachsen wohl 30 und mehr Körnlein in einer Ähre daraus. Sät er all diese Körnlein wieder, hat er übers Jahr wohl schon 1000 Körner. Mein Freund Konrad, der Rechenkünstler, har herausgefunden, dass nach fünf Jahren das schon 25 Millionen Körner sein können, rund 20 Zentner Weizen. Wäre ich ein Bäcker, könnte ich dir vielleicht auch sagen, wie viele Weizenbrote man davon backen kann. Und die Mutter all dieses Segens war ein einziges Körnlein vor fünf Jahren. Das schafft die Fruchtbarkeit der von Gott geschaffenen Natur. Nun will ich von dem Wunder Jesu in der Wüste reden. Da hat er einmal mit fünf Gerstenbroten und zwei Fischlein an die 5000 Menschen gespeist. Einige Zeit später wiederholte er das augenscheinliche Wunder und sättigte mit sieben Broten etwa 4000 Frauen, Männer und Kinder nicht mitgezählt. Und jedes Mal blieb weit mehr übrig, als vor der Speisung da war. Das ließ sich doch mit natürlichen Mitteln nicht machen. Da musste der liebe Heiland schon in die Vorräte seiner göttlichen Allmacht hineingreifen. Das leuchtet ein.

 

Aber du fragst vielleicht: „Warum wirkte denn Jesus dieses Wunder?“ Ich sage darauf: „Weil er Erbarmen mit der Volksmenge hatte, die zum Teil von weit hergekommen war.“ Aber ich sehe, es brennt dir noch eine Frage auf der Zunge: „Warum ging denn Jesus mit den vielen Menschen in die Wüste, wo kein Brot zu kaufen war? In einer Stadt hätte jeder für sich selber sorgen können. Da wäre die Brotvermehrung nicht nötig gewesen.“

 

Da hast du ganz Recht. Jesus muss ganz bestimmt besondere und wichtige Gründe gehabt haben, um die vielen Menschen mit in die arme Hungerwüste zu nehmen. Er wollte ihnen deutlich zeigen, dass er über der Sorge für ihre Seelen die Sorge um ihren Leib nicht vergaß. Er selber hatte in der Wüste gehungert 40 Tage lang und wusste, wie das ist. Als der Teufel ihn zu dem Wunder verlocken wollte, aus Steinen Brot zu machen, ließ er sich nicht darauf ein. Jetzt aber liest er den Tausenden ihren Hunger vom Gesicht ab. Da breitet er zweimal segnend die Hände über die wenigen Brote. Das reicht, um Tausende zu sättigen. Man sieht, dass dies die wunderbar Gespeisten für ein großes Wunder hielten. Denn es ging das Wort von Mund zu Mund: „Dieser ist wahrhaft der Prophet, der in die Welt kommen soll.“ Sie hielten ihn also ganz richtig für den verheißenen Messias und wollten ihn zu ihrem König ausrufen.

 

Doch Jesus wünschte keine irdische Krone. Aber er wollte haben, dass sie unbedingt an sein Wort und seine Wunderkraft glaubten. Darum sprach er dann am Tag nach der ersten wunderbaren Brotvermehrung in der Synagoge von Kapharnaum: „Ihr sucht mich, weil ihr von den Broten gegessen habt und satt geworden seid. Bemüht euch nicht um vergängliche Speise. Mein Vater gibt euch das wahre Himmelsbrot. . . . Ich bin das Brot des Lebens, das vom Himmel herabgestiegen ist. . . . Das Brot, das ich geben werde, ist mein Fleisch für das Leben der Welt. . . . Denn mein Fleisch ist wahrhaftige Speise und mein Blut wahrhaftiger Trank.“

 

Das sind die Hauptgedanken der damaligen Predigt in der Synagoge. Wie du siehst, liegt in diesen Worten eine deutliche Verheißung des Altarsakramentes. Etwas später hat Jesus im Saal zu Jerusalem die Verheißung erfüllt. Da hat er Brot und Wein verwandelt und uns unter diesen Gestalten wirklich sein Fleisch und Blut zur Speise gegeben. Jetzt weißt du, wer in diesem Sakrament zu dir kommt.

 

Den Fischlein in den Meeren,

Den Körnlein in den Ähren

Erzähl ich es so gern,

Wie einst in Wüstenlanden

Viel Tausend Speise fanden

Durch Christus, unsern Herrn!

 

Der Patron der Erstkommunikanten

 

Der besondere Schutzpatron der Erstkommunikanten ist der heilige Junge Tarcisius. Der war einst zur Zeit der großen Christenverfolgungen Messdiener in Rom. Damals durften die Gläubigen die heiligen Hostien mit nach Hause nehmen, um in der Stunde größter Gefahr kommunizieren zu können. Auch durften Christen, die nicht Priester waren, den Gläubigen in den Gefängnissen die heilige Kommunion bringen. Das sollte auch eines Tages der kleine Tarcisius tun. Er hatte sich selber für den gefährlichen Gang gemeldet, weil die Heiden gewiss nicht bei ihm den verborgenen Gott der Christen vermuten würden. So vertraute man dem unschuldigen, frommen und mutigen Jungen den Leib des Herrn an.

 

Unterwegs begegneten ihm heidnische Jungen. Die wollten mit ihm spielen. Er bat sie, ihn gehen zu lassen, weil er etwas Wichtiges und Eiliges besorgen müsse. Zufällig ging ein abgefallener Christ vorbei, der den Jungen kannte. Der rief ebenso spöttisch wie lieblos den Heidenjungen zu: „Das ist ein christlicher Esel, der ihre Geheimnisse trägt.“ Gleich stürzten sich die wilden Jungen auf den hilflosen Christenjungen und versuchten ihm den geheimnisvollen Schatz zu entreißen. Wehren konnte sich das arme Kind nicht. Aber es gab um keinen Preis seinen Heiland in die Hände der Heiden. Lieber ließ sich Tarcisius totschlagen. Und so ist der heldenmütige Junge ein Märtyrer geworden. Er hat für seinen Glauben sein Leben hingegeben. Wie herrlich muss dafür sein Lohn im Himmel sein!

 

Manch einer hat schon in Rom an dem Altar gekniet, der seine heiligen Gebeine birgt. Dort kann man besonders die Kinder seiner Fürbitte empfehlen, die bald zur ersten heiligen Kommunion gehen. Dieser tapfere und treue Messdiener von einst soll auch dir einen unerschütterlichen Glauben an Jesus im Altarsakrament erflehen. Es gibt leider immer wieder Kinder, die sich ihres Glaubens an Jesus schämen. Zu denen darfst du nie gehören. Versprich heute schon dem Heiland, dass du ihm immer treu sein willst.

 

Tarcisius, Knabe voll Heldenmut,

Halt meinen Glauben in heiliger Hut!

Hast du für Jesus dein Blut hingegeben

Will ich für Jesus auch liebend leben.

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Du bist so groß, ich schwach und arm

 

Voriges Mal sang und klang es von großen Wundern, ich konnte dir erzählen von der Macht und Herrlichkeit des Herrn. Da solltest du fest glauben lernen, dass unter der Hostie wirklich dein Herr und Gott zu dir kommt. Das haben alle wahren Jünger Jesu von den Aposteln an bis heute geglaubt. Wollen wir darum beten, dass alle Menschen auf der Welt diesen Glauben finden. Wir wollen auch beten, dass die vom Glauben Abgefallenen zu diesem tröstlichen Glauben wieder zurückfinden.

 

Heute wollen wir die Frage beantworten: „Zu wem kommt denn Jesus in der heiligen Kommunion?“ Du weißt es schon so gut wie ich. Der große Gott kommt zu schwachen Geschöpfen. Der heilige Gott kommt zu armen, sündigen Menschen. Und wenn wir uns das recht überlegen, werden wir ganz demütig werden und reumütig dazu.

 

Aber diese Demut und Reue soll uns nicht von Gott fernhalten, sondern gerade zu ihm hintreiben. Der Kranke wird doch nicht gesund, wenn er dem Arzt aus dem Weg geht. Richtig heißt es in einem alten Kommunionlied: „O Herr, ich bin nicht würdig, zu deinem Tisch zu gehen!“ Aber gleich geht es so in diesem schönen Lied weiter: „Du aber mach mich würdig, erhör mein kindlich Flehn!“ Wir dürfen also und müssen sogar das Vertrauen des bußfertigen Königs David haben. Der schrieb nämlich, als er nach schweren Sünden wieder voll Reue zu Gott zurückkehrte, in einem seiner Bußpsalmen: „Ein zerknirschtes und gedemütigtes Herz wirst du, o Gott, nicht verachten!“

 

Aber vielleicht sagst du: „Ich bin ja noch ein Kind. Ich glaube, noch gar keine großen Sünden getan zu haben.“ Ich freue mich, wenn das wahr ist. Deswegen will ja auch die Kirche gerade schon die unschuldigen Kinder zur Kommunion führen, weil die von allen Menschen am würdigsten sind. Aber wenn du zur Beichte gehst und dein Gewissen erforschst, findest du gewiss auch schon manche Fehler und Nachlässigkeiten. Drum sollst du nicht stolz auf deine Tugend, sondern bescheiden und demütig sein. Das wollen wir heute zu lernen versuchen.

 

Herr, wirst du wirklich kommen zu einem schwachen Kind,

Wenn Heilige und Engel kaum deiner würdig sind?

 

Doch ich darf nicht verzagen, mein Heiland Jesus Christ,

Weil du der Arzt der Kranken, der Sünder Heiland bist.

 

Wer gnädig einst dem Zöllner, dem Schächer selbst verzieh,

Verachtet schlichte Demut und wahre Buße nie.

 

Jesu Wunder an Kranken und Toten

 

Der barmherzige Erlöser hat einmal zehn Aussätzige geheilt. Auf dem Weg zu den Priestern wurden sie rein. Die neun geheilten Juden ließen sich nicht mehr sehen. Aber der gesund gewordene Samariter kehrte um und dankte seinem Retter. Stell dir vor, wie er demütig und dankbar zugleich Jesus den Saum des Mantels küsst. Das hat den Heiland sehr gefreut.

 

Nun müssen wir an uns denken. Der Heiland kommt auch an den Wegen vorüber, auf denen sich unser Leben bewegt. Er sieht uns ins Herz hinein. Wenn er nur dort nichts von der Sünde findet. Sie macht die Seele nicht nur krank, sondern auch hässlich in den Augen Gottes. Wie müssen da dem Herrn die Augen wehtun, wenn er so etwas an unserer Seele sieht. Gott sei Dank, dass wir durch Reue und Buße von allem gereinigt werden, was unsere Seele hässlich macht.

 

Wenn du vor der Kommunion beichtest, dann sei auch dankbar für das Wunder der Gnade, das Jesus durch den Priester an deiner Seele wirkt. Mir tut es immer leid, wenn Kinder nach der Beichte so unheimlich schnell wieder aus der Kirche laufen. Man meint, sie wollten den neun von Jesus Geheilten nachspringen, die an gar keinen Dank dachten. Sag du wenigstens dem Heiland, wie froh du bist, wenn er dich wieder gesund gemacht hat. Je mehr du für dieses Glück dankst, desto mehr wirst du dich hüten, in alte Fehler zurückzufallen.

 

Noch schlimmer als Sünde und Krankheit ist aber der Tod. Gegen den gibt es kein Heilmittel. Gegen den ist, wie man sagt, kein Kraut gewachsen. Nur der Herr über Leben und Tod kann Gestorbene wieder auferwecken. Das tat Jesus mehr als einmal. Das Töchterlein des Jairus hat er auf seinem Sterbebett wieder lebendig gemacht. Den Jüngling von Naim hat er lebendig von der Totenbahre heruntergeholt. Und seinen Freund Lazarus hat er sogar aus dem Grab wiedererweckt, das schon von dem Leichengeruch der Verwesung erfüllt war. Du verstehst, wie Tote auf Jesu Wort wieder in das Leben zurückkommen. Wunder, wie sie die Welt noch nicht gesehen hat. Ganz Jerusalem redete davon. Man lief hinaus nach Bethanien, um sich von der Tatsache zu überzeugen.

 

So war also Jesus gut gegenüber allen, die in Not waren oder Trauer litten. Der Ärmsten und Unglücklichsten nahm er sich mit der größten Liebe an. Darum dürfen auch wir nicht verzweifeln. Je demütiger wir sind, desto gnädiger wird er sich uns zuwenden. Aber von den Stolzen und Hochmütigen muss er sich abgestoßen fühlen. Also suche auch du Jesus mit demütigem und bereuendem Herzen.

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Gnadenwunder an der Seele

 

Wir bewundern die Macht Jesu, der selbst die unheilbaren Aussätzigen heilen und die Toten wieder auferwecken konnte. Könnten wir doch nun auch mit den Augen sehen, welche Wunder der Heiland an den Sündigen Seelen gewirkt hat. Denn die Sündenvergebung ist wirklich ein noch größeres Werk der göttlichen Barmherzigkeit. Darum sagte einmal Jesus Christus, ehe er den Gichtkranken heilte: „Was ist leichter zu sagen: deine Sünden sind dir vergeben oder: stehe auf und gehe umher?“ Er machte dann den Gelähmten in einem Augenblick gesund. Damit bewies er, dass er auch die Macht hatte, Sünden nachzulassen. Von dieser göttlichen Macht machte er Gebrauch, als er die Worte sprach: „Deine Sünden sind dir vergeben!“

 

Damit geschah ein Wunder der Gnade an der Seele. Äußerlich sah man freilich nichts. Aber innerlich wurde die von der Sünde krank oder gar tot gewordene Seele wieder gesund und lebendig. Die Finsternis wurde hinweggenommen. Das Licht der göttlichen Gnade begann wieder zu brennen. Dem Satan wurde die geknechtete Seele entrissen. Der Friede und die Freundschaft mit dem lieben Gott war wieder hergestellt. Der verlorene Schlüssel zum Himmelreich war glücklich neu gefunden. Wenn man das alles bedenkt, dann darf man gewiss bei der Sündenvergebung von einem Gnadenwunder sprechen.

 

Der göttliche Heiland hat die Macht der Sündenvergebung nicht für sich selbst allein behalten. Er wusste, dass immer wieder Menschen kommen würden, die kränker an der Seele als am Leib waren. Darum hat er die Gewalt der Sündenvergebung seiner Kirche hinterlassen. Darum sprach er zu seinem ersten Stellvertreter Petrus: „Dir will ich die Schlüssel des Himmelreiches geben. Alles, was du auf Erden lösen wirst, soll auch im Himmel gelöst sein!“ Deswegen hauchte er auch seine Apostel mit dem Heiligen Geist an und sprach: „Welchen ihr die Sünden nachlassen werdet, denen sind sie nachgelassen.“

 

So gab er seinen Priestern für alle Zeit die Gewalt, Sünden nachzulassen. Du weißt, wann sie von dieser Gewalt Gebrauch machen. Im Sakrament der Buße. Da dürfen sie den reuigen Sünder freisprechen von aller Schuld. O gnadenreiches Priestertum. Du nimmst durch die Taufe Menschen auf in die Gemeinschaft der Kinder Gottes. Du nimmst durch die Buße die Sünder aus den Händen des Teufels und trägst sie in die Hürden des guten Hirten zurück. Du schließt die Hölle zu und den Himmel auf. Da darf man wirklich von goldenen Schlüsseln sprechen, die der barmherzige Jesus in die Hand seiner Kirche gelegt hat.

 

Himmelsschlüssel

 

Jesus, der Herr, hat uns die Schlüssel des Himmels gebracht. Die Sünde der Stammeltern verschloss das Paradies. Die Sünden der Adamskinder verschließen ihnen immer wieder den Himmel. Dank dir, Jesus, dass du uns im Sakrament der Buße die verlorenen Schlüssel des Himmelreiches zurückgegeben hast. Nun darf keiner mehr verzweifeln.

 

Vergib uns unsere Schuld

 

Ich muss dir noch etwas von der Heiligen Messe erzählen. Von der Wandlung haben wir schon gesprochen. Die bringt uns wunderbarerweise den lieben Herrn immer wieder auf die Erde. Jetzt haben wir Jesus bei uns, der Gott wirklich ein würdiges Opfer zu bringen vermag. Drum betet der Priester gleich nach der Wandlung: „Darum, gütiger Vater, feiern wir, deine Diener und ein heiliges Volk, das Gedächtnis deines Sohnes, unseres Herrn Jesus Christus. Wir verkünden sein heilbringendes Leiden, seine Auferstehung von den Toten und seine glorreiche Himmelfahrt. So bringen wir aus den Gaben, die du uns geschenkt hast, dir, dem erhabenen Gott, die reine, heilige und makellose Opfergabe dar: das Brot des Lebens und den Kelch des ewigen Heiles.

 

Blicke versöhnt und gütig darauf nieder und nimm sie an wie einst die Gaben deines gerechten Dieners Abel, wie das Opfer unseres Vaters Abraham, wie die heilige Gabe, das reine Opfer deines Hohenpriesters Melchisedek.“

 

Nach dieser feierlichen Aufopferung Jesu kommen wir gleich mit unseren Bitten. All diese Bitten fassen wir in dem Vaterunser zusammen, dass der Priester zusammen mit der Gemeinde betet oder singt. Wie schön ist es, jetzt das Gebet zu verrichten, das Jesus uns selber gelehrt hat. Nun betet er mit uns. Und wir mit ihm. Sein Vater ist unser Vater geworden. Sein Reich ist mit ihm zu uns gekommen. Nun soll sein Wille auch unser Wille sein. Jetzt dürfen wir sein Himmelsbrot auch für uns erbitten.

 

Doch weil wir uns unwürdig fühlen, kommt die demütige Bitte: „Vergib uns unsere Schuld.“ Damit er uns verzeihen kann, wollen auch wir gern allen verzeihen. Wir bitten ihn, dass er uns vor Versuchungen bewahren wolle, die uns wieder in die Sünde zurückführen könnten. So ist das Vaterunser zuletzt ein Ruf um Erlösung von der Sünde und damit von allem Bösen. Das Böse ist schließlich Ursache von jeglichem Übel in der Welt.

 

In solchen Gedanken solltest du immer das Vaterunser beten, denn das ist mit allen folgenden Gebeten in der Heiligen Messe die passendste und würdigste Vorbereitung auf die heilige Kommunion.

 

Bevor der Herr seinen Jüngern die erste heilige Kommunion reicht, wäscht er ihnen die Füße. Er wollte ihnen ganz anschaulich zeigen, dass sie rein sein sollten an Leib und Seele. Der Heiland tut dir den gleichen Liebesdienst, wenn er dich vor deinem Kommuniontag noch einmal zur Beichte gehen lässt. Deine Eltern sorgen gern dafür, dass du sauber gewaschen und sauber gekleidet an die Kommunionbank trittst.

 

Aber deine Sorge muss es sein, dass dein Herz von Sünden rein ist. Jesus darf nicht an Judas denken, wenn er dir die Lossprechung durch den Priester erteilt. Damals sagte er traurig: „Ihr seid rein, aber nicht alle.“ Jesus, lass doch wenigstens alle Kommunionkinder rein sein. Keines soll dich verleugnen und keines verraten.

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Der letzte Schmuck der Seele

 

Letztens haben wir uns gewünscht, der Heiland möge uns in einer guten Beichte das Herz von allen Sünden reinigen. Er möge uns die Seele reinigen, wie er seinen Aposteln die Füße gewaschen hat. Nun wollen wir nicht mehr ängstlich an die Fehler der Vergangenheit zurückdenken. Wir müssen jetzt nur noch sorgen, mit besonderen Tugendübungen das Herz zu schmücken.

 

Wir schmücken unsere Kirchen, wenn ein Priester dort seine erste Messe feiert. Wir schmücken sie auch, wenn ein Bischof kommt, um darin das große Sakrament der Firmung zu spenden. Richtig so. Aber nun denk auch an dich selbst. Jetzt wird dein Herz ein Kirchlein und Altar für den ewigen Hohenpriester. Da müssen wir noch viel mehr schmücken. Wo nehmen wir nur den Schmuck her? Wir brauchen gar nicht verlegen zu sein. Der feste Glaube an Jesu Gottheit und an seine Gegenwart in der Hostie ist ihm die schönste Ehrenpforte. Demut in unserem Herzen ist ihm lieber noch als Veilchenduft. Die Sorge für ein reines Herz gilt ihm mehr noch als ein ganzer Liliengarten. Die Hoffnung auf seine Barmherzigkeit freut ihn inniger als alle Kränze von Immergrün. Nun sagt man wohl mit Recht, die schönste aller Blumen sei die Rose. Die Rosen aber gelten von jeher als das Sinnbild der Liebe. Darum will ich heute mit dir über die Liebe reden.

 

Viele Gebete und Lieder sagen und singen uns, dass wir den Herrn lieben. Wenn uns Jesus diese Liebe glauben soll, dann darf er nicht nur auf unsere Lippen schauen. Dann muss er in unserem Herzen die Rosen blühen sehen.

 

Die Juden zur Zeit Jesu kannten viele fromme Gebete und heilige Lieder. Und doch sagte einmal betrübt der Herr: „Dieses Volk ehrt mich mit den Lippen, aber ihr Herz ist weit von mir.“ Das müssen wir uns zur Warnung sein lassen. Darum schrieb einmal der heilige Johannes in einem seiner Briefe an die ersten Christen: „Meine Kindlein, lasset uns nicht mit Worten und mit der Zunge lieben, sondern in der Tat und Wahrheit.“ Das möchtest du gewiss auch. Du fragst darum, wie man das „in der Tat und Wahrheit“ macht. Wir wollen uns unter den Freunden Jesu umschauen und von ihrem Beispiel lernen.

 

Kapharnaum, dein Hauptmann steht jetzt im Himmelsheer,

Sonst holt ich für die Kinder ihn gern einmal hierher.

Ich sagte dann: „Herr Hauptmann, mach uns die Liebe klar.

Du hast sie ja bewiesen, als krank dein Diener war.

Du sprachst: „Mein Haus ist wahrlich für solchen Gast zu schlecht,

Doch sprich du nur ein Wörtlein, so wird gesund mein Knecht.“

Du Hauptmann dort im Himmel, wend Gottes Gnad uns zu.

Wir sind ja für den Heiland nicht halb so gut wie du.

Doch üben wir die Demut und Lieb aus Herzensgrund,

Wird sicher unsre Seele wie einst dein Knecht gesund.

 

Wo kann ich Liebe lernen?

 

Ich denke gleich an die Mutter Jesu. Wir lesen nicht viele Worte von ihr. Sie gehorcht dem Willen Gottes. Sie will nur die Magd des Herrn sein. Sie fügt sich still in alles Leid, das ihr die Vorsehung schickt. Aus Gehorsam geht sie nach Betlehem. Sie flüchtet in das ferne Ägypten, damit dem Jesuskind kein Leid geschehen soll. Sie isst das Brot der Armut und der Arbeit in den langen Jahren von Nazareth. Sie hält den Sohn nicht auf, als er Nazareth für immer verlässt. Sie wird nicht mit auf den Tabor genommen. Aber auf dem Kalvarienberg steht sie unter dem Kreuz ihres Sohnes. Es ist kein Zweifel: kein Mensch hat den Heiland so geliebt wie sie. Aber niemals viele Worte. Für ihn zu leben und zu sorgen war ihr Glück. Mit ihm zu trauern und sein Leiden mitzufühlen ihr Wunsch und ihr Trost. Lass uns in ihrer Schule die Liebe zu Jesus lernen.

 

Da ist unser Vorbild der heilige Josef. Kein Wort ist aufgeschrieben von dem, was er jemals gesprochen hat. Wir fragen auch nicht nach Worten. Wir sehen, wie er sich stets in den Willen Gottes fügt. Er schützt Maria und sorgt für ihr Christkindlein. Er arbeitet, um es vor Not zu bewahren. Und als der Pflegesohn nicht mehr seiner bedurfte, legt er sich geduldig zum Sterben hin. Er hat die Zeit der großen Wunder nicht gesehen. Er hat auch die Wunder für seinen Glauben nicht nötig gehabt. Könnten wir den Heiland lieben, wie Sankt Josef ihn geliebt hat.

 

Da ist der Apostel Johannes. Mit einer kindlichen Freude erzählt er manchmal, dass der Herr ihn liebgehabt hat. Wie gut und unschuldig und treu muss dieser Johannes gewesen sein. Von dem können wir also auch die Liebe lernen. Aber ich will gar nicht allein von den Heiligen reden. So weit wie diese bringen wir es ja doch nicht. Nehmen wir also einmal den Hauptmann von Kapharnaum. Es stehen nur ein paar Worte von ihm in der Heiligen Schrift. Aber die sagen uns genug. Er hatte ein Herz für seinen schwerkranken Knecht. Er glaubte an den Heiland und vertraute auf seine Hilfe. Sein demütiges Wort „O Herr, ich bin nicht würdig“ ist weltberühmt. Darum wollte ich sein Bild dir vor Augen stellen. Wer von ihm Glaube, Hoffnung und Liebe lernt und die Demut dazu, der wird dem Herrn auch heute noch an seinem Tisch willkommen sein. Suchst du noch mehr Beispiele der Gottesliebe, so schlage die Heiligenlegende auf. Du kannst auf jeder Seite finden, was du suchst.

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Von der heiligen Sehnsucht

 

Jedes Kind freut sich auf seinen Kommuniontag. Es kann ihn kaum erwarten. Aber ist das nicht bei manchen bloß die Sehnsucht nach dem außergewöhnlichen Fest? Gewiss darf man sich auch freuen über den Besuch lieber Gäste oder auf das eine oder andere Geschenk. Aber bedenke, dass die eigentliche Sehnsucht dem lieben Heiland selber gilt.

 

Wer die richtige Liebe hat, der kennt schon diese Sehnsucht. Wo du aber keine Sehnsucht merkst, da darfst du an der Liebe zweifeln. Frage dich also einmal: Denke ich gerne an Jesus? Suche ich ihn oft auf bei der Heiligen Messe? Wer der Heiligen Messe aus dem Weg geht, der glaube doch nicht, dass ihm viel an Jesus liegt. Manche gehen weite Wege und bringen große Opfer, um Jesus zu finden. Da fällt mir ein rührendes Beispiel ein.

 

Vor vielen Jahren kniete ich einmal in einer Wallfahrtskirche neben einem Jungen, der andächtig betete. Ich kannte ihn nicht. Er schien ein armer Schlucker zu sein. Plötzlich brach er ohnmächtig zusammen. Ich trug ihn aus der Kirche hinaus. Als er wieder zu sich kam, wollte ich ihn zur Klosterpforte führen. Da hätte er gewiss etwas zur Stärkung bekommen. Aber er sagte: „Ich muss nüchtern bleiben, weil ich noch kommunizieren will.“ Er war schon drei Stunden weit mit seiner Mutter gelaufen. Da sorgte ich dafür, dass er gleich die heilige Kommunion empfangen konnte. Der Junge hatte mehr Verlangen nach dem lieben Heiland als nach den Lebkuchen der umliegenden Zuckerbuden. Ich kann den guten Jungen nicht mehr vergessen.

 

Wenn wir keine Sehnsucht nach unserem Erlöser haben, müssen wir uns vor den Heiligen des Alten Bundes schämen. Wie sehnsüchtig sang schon der König David: „Wie der Hirsch verlangt nach Wasserquellen, so sehnt sich meine Seele, Gott, nach dir. Meine Seele dürstet nach Gott, dem Starken und Lebendigen. Wann werde ich kommen und Erscheinen vor Gottes Angesicht?“ Wenn der Hirsch die Quelle sucht, die ihn erquickt, dann gehe auch du oft und gerne zur Kirche. Die Heilige Messe ist die Quelle, wo dir täglich Gottes Gnade entgegenströmt. Dort bete immer wieder: „Jesus, Jesus, komm zu mir! O, wie sehn ich mich nach dir!“

 

Fülle dein Lämplein

 

Wie schön ist die Erzählung von den klugen Jungfrauen. Die sollten den himmlischen Bräutigam erwarten. Mit brennenden Lampen sollten sie ihm entgegenziehen. Wie waren sie da eifrig in der Vorbereitung des großen Festes. Es galt, die Lämplein zu reinigen und zu füllen. Es galt, das makellose hochzeitliche Kleid anzuziehen. Da wurde nicht gesäumt und nicht geträumt. Die törichten Jungfrauen freilich meinten: „Ach, das hat alles noch Zeit.“ Und so überließen sie sich der Nachlässigkeit und Schläfrigkeit. Und dann war es zu spät. Der Bräutigam kam, und die Lampen waren leer. Und die Tür des Hochzeitshauses schlug vor ihnen zu.

 

Lass dir dieses Gleichnis eine letzte Mahnung zu großem Eifer sein. Noch kannst du Leeres füllen. Noch kannst du Versäumtes nachholen. Noch kannst du das Öl der Gnade im Lämplein deiner Seele vermehren. Also versäume kein Gebet. Versäume keine Gelegenheit zu etwas Gutem.

 

Sei mit Maria gern dem Herrn zu Füßen

 

O glückliches Bethanien, wo einst ein Schwesternpaar

Mit unsrem lieben Heiland so treu befreundet war.

Wie warst du, Martha, fleißig, wenn Jesus eingekehrt!

Du hast ihm Trank und Speise so herzlich gern beschert.

Doch sage mir, Maria, willst du nicht Gleiches tun?

Du scheinst zu seinen Füßen nur froh dich auszuruhn.

Wird dich der Herr nicht schelten, wo Marthas Vorwurf droht?

Du Glücklichste darfst hören: „Nein, nein! Nur eins ist not!“

Wer Jesus sitzt zu Füßen, der findet Glück und Heil,

Wer Jesu Huld gefunden, der fand den besten Teil!

 

Verbringe viel Zeit, besonders vor deinem Kommuniontag, für stille Andacht und Sammlung. Kümmere dich nicht um das, was andere für das Fest vorbereiten. Bei dir ist jetzt auch eines nur notwendig: dass du an Jesus denkst und ihn freudig erwartest.

 

Verrichte darum auch dein Abendgebet so gut, wie es dir nur möglich ist. Das sind jetzt solche Stündlein, die deinem Weihnachtsfest im Herzen vorausgehen. Da mahnt die Kirche: „Heute werdet ihr wissen, dass der Herr kommt und euch mit Gnade beschenken wird, und morgen sollt ihr sein Heil sehen!“

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Gott sei Lob und Dank

 

Die Wochen deiner Vorbereitung sind vorüber. Dein Gnadentag ist da. So darf sicher das Fest der Erstkommunion heißen. Denn nun ist der Spender aller Gnade dein. Nun hast du den Brunnen in der Seele, daraus aller Segen für dich strömt. Nun ist der Baum dir ins Herz gepflanzt, an dem alle guten Früchte wachsen. Jesus kann jetzt zu dir sagen: „Was hätte ich noch weiter dir tun sollen und tat es nicht?“

 

Nun ist die Frage: „Was bietest du ihm dafür?“ Du sagst: „Gott sei Lob und Dank!“ Ganz gewiss. Von diesem Lob ist ja auch in der Bibel zu lesen, wo die Evangelisten von der allerersten Kommunion erzählten. Da heißt es nämlich: „Nachdem Jesus und die Jünger den Lobgesang gesprochen hatten, gingen sie hinaus an den Ölberg.“ So sollen wir nun auch mit dir einen Lobgesang anstimmen. Eine gute Vorbereitung muss mit einer guten Danksagung gekrönt werden. Drum will ich dir heute sagen, was du nach der heiligen Kommunion noch tun sollst. Niemand läuft gleich fort, wenn er eine große Gabe empfangen hat. Er muss sich doch erst bedanken.

 

Kehrst du also von der Kommunionbank auf deinen Platz zurück, so lies nicht gleich etwas aus deinem Buch. Rede selber ganz schlicht und einfach mit deinem Heiland, der dir jetzt so nah ist. Sag ihm, dass du dich unendlich über sein Kommen freust. Sag ihm, dass du für diese Gnade herzlich dankbar bist. Versprich ihm, dass du ihn nie aus deinem Herzen vertreiben willst. Bitte ihn um alles, was dir für Zeit und Ewigkeit zu deinem Heil notwendig ist. Die Augenblicke nach der Kommunion sind ganz gewiss die kostbarsten des Tages. Nutze sie aus, so gut du kannst. Denke auch daran, was Jesus dir sagen würde, wenn du jetzt seine Worte verstehen könntest. Ich will dir einige Sätzlein aus der Abschiedsrede aufschreiben, die der Heiland damals an seine Apostel hielt: „Daran werden alle erkennen, dass ihr meine Jünger seid, wenn ihr euch liebt! . . . Wenn ihr mich liebt, so haltet meine Gebote! . . . Ihr seid meine Freunde, wenn ihr tut, was ich euch gebiete! . . .“

 

Erinnerst du dich an diese Worte und machst du deine Vorsätze danach, so wird deine Danksagung nach der heiligen Kommunion vor Gott der große Lobgesang sein, den der Himmel von dir erwartet.

 

Mein Kind, nun ist gekommen dein schönster Gnadentag,

Der wie ein Stern am Himmel in deiner Zukunft lag.

 

Der Stern steht dir zu Häupten nun vor der Kirche still,

Wo sich dein Herr und Heiland dir selber schenken will.

 

Nun kniest du vor dem Kripplein, den frommen Weisen gleich.

Drum mach mit deinen Gaben nun auch das Kindlein reich!

 

Schenk ihm dein Gold der Liebe, der Andacht Weiherauch!

Und hast du bittre Myrrhen, so opfre die ihm auch!

 

Gib willig deinem Heiland für immer Herz und Hand!

Er kommt, um dich zu führen in das gelobte Land.

 

Heilige Wegzehrung

 

Wegzehrung nennt man gewöhnlich die letzte Kommunion eines Menschen, der in die Ewigkeit hinüberwandern muss. Ich meine freilich, man dürfte jede Kommunion so nennen. Sie ist eine Stärkung für alle Wege, die wir im Leben zu machen haben. Schon das erste Osterlämmlein, das die Israeliten in Ägypten aßen, sollte die Wegzehr sein für die mühselige Wanderung ins gelobte Land. Kein Essen in lauter Festlichkeit oder behagliche Ruhe. Der Befehl Gottes lautete: „So sollt ihr es essen: eure Lenden sollt ihr umgürten und Schuhe an euren Füßen haben und Wanderstäbe in eurer Hand.“ Denn nach diesem Mahl sollten sie sich alsbald auf den Weg machen. Wenn wir also das Fleisch des Gotteslämmleins genießen, soll es uns auch stärken für alle Mühsal des weiteren Lebens. Die Apostel haben wirklich nicht lange nach ihrer ersten Kommunion feiern können. Gleich nach dem Lobgesang ging es hinaus an den Ölberg. Ging es hinein in das bittere Leiden des Herrn. Da begannen schon die Stunden der Versuchung und Gefahr. Da mussten sie beweisen, ob sie dem treu blieben, den sie jetzt heimlich im Herzen trugen.

 

Ich will deswegen gar nicht lange von den Freuden und Festlichkeiten, von den Gästen und Geschenken deines Kommuniontages mit dir plaudern. Du bist zwar noch jung und klein. Aber du wirst jetzt auch schon erfahren, was es heißt, für Jesus leben, streiten und leiden. Jesus hat gleich nach der Spendung des heiligen Abendmahls seinen Jüngern den Geist Gottes als Tröster verheißen. Sie brauchten diesen Trost und diese Stärkung. Denn es standen ihnen Leiden und Kämpfe bevor. Alle sollten Blutzeugen werden für ihren Glauben. So bekommen auch jetzt bei uns die Kinder bald nach ihrer Frühkommunion das Sakrament der Firmung. Sie sollen gestärkt werden und ausgerüstet zu Streitern Christi.

 

Ich weiß nicht, was dir in künftigen Tagen bevorsteht. Aber die Zeiten sind böse und der Feinde gar viel. Auch du wirst manchen Kampf für deinen Glauben und deine Tugend bestehen müssen. Aber auch du vermagst alles in dem, der dich stärkt. Welche Wege dich auch Gott führen mag, geh sie nicht ohne die heilige Wegzehrung. Das heißt: empfange von jetzt an oft und würdig die heilige Kommunion.

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Dein Kommuniontag

 

Deine Eltern werden dir gewiss den Kommuniontag zu einem schönen häuslichen Fest zu gestalten versuchen. Aber trotzdem solltet ihr auf diese weltliche Feier nicht allzu großen Wert legen. Das Wichtigste muss das Mahl der Seele sein und bleiben. Darum denk auch mehr an das hochzeitliche Kleid deines Herzens als an das leibliche Gewand. Wie lieb würdest du dem Heiland sein, wenn du auf Eitelkeiten verzichten würdest. Du würdest dadurch nicht den Neid der Ärmeren erregen. Ich kenne Mütter, die in der glücklichen Lage waren, zwei Kommunionkleider von ganz gleicher Art zu beschaffen, einfach und schlicht, und dabei doch geschmackvoll und schön. Eins war für das eigene Kind, das andere für ein ärmeres, dem die Eltern kein neues Kleid kaufen konnten.

 

Mit Rührung denke ich auch an eine Familie, die am Weißen Sonntag kein kostspieliges Festessen veranstaltete. Und doch war alles lecker und so reichlich, dass noch zwei andere Kommunionkinder und ihre Familien mitessen konnten. Frag einmal deine Eltern, ob sie nicht in dieser Zeit ein ähnliches Werk der Liebe tun könnten.

 

Ich wünsche dir, dass dein Kommuniontag ein Spiegelbild deines ganzen künftigen Lebens sei!

 

Wir beten alle Tage

Um unsres Leibes Brot.

Und leiden an der Seele

Weit mehr doch Hungersnot.

 

Drum steht uns alle Tage

Auch Jesu Mahl bereit.

Warum hat unsre Seele

Nicht dafür täglich Zeit?

 

O geh zum Tisch der Gnaden

So oft du kannst, mein Christ.

Du wirst stets mehr erfahren,

Wie gut der Heiland ist.

 

Zwei von den Erstkommunikanten Jesu haben sich schon in der folgenden Nacht schwer an ihrem guten Meister versündigt. Petrus hat ihn verleugnet, Judas ihn sogar verraten. Es schadet dir gewiss nichts, wenn ich dich mitten im Glück deines Kommuniontages daran erinnere. Was einem guten Petrus passierte, das kann auch dir zustoßen. Sei wachsam und wende dich ab von der Gefahr. Manches Kommunionkind ist seinem Heiland früher untreu geworden, als es geahnt hatte.

 

Bewahre mich, Herr, vor des Judas Verrat und Verzweiflung!

 

Du hast jetzt den Heiland im Herzen. Verleugne ihn nie und verstoße ihn nicht. Werde nie wie Judas zum Verräter. Das Sündengeld hat ihn nicht glücklich gemacht. Er warf es wieder den Feinden Jesu vor die Füße. Doch hättest du später einmal wie Petrus deinen Herrn verleugnet oder wie Judas ihn verraten: kehre reumütig zurück zum barmherzigen Gott, der vorher dein Glück und deine Freude war. Verzweifle nie!

 

Wenn du einmal größer bist, wirst du die schmerzliche Entdeckung machen, dass viele Menschen nicht mehr an den Herrn Jesus Christus glauben. Sie gehen nicht mehr zur Heiligen Messe, gehen dem Beichtstuhl aus dem Weg und vergessen das Glück ihrer Erstkommunion ganz und gar. Hilf doch beten, dass diese verirrten Seelen bald wieder den Rückweg zu Gott finden. Rufe oft zum Guten Hirten:

 

Herr, lass keinen je verlorengehn,

Den du einst bei deinem Mahl gesehn!

Gib ihm wieder das verlorne Glück

Und führ alle an dein Herz zurück!

Nein, du darfst auch jene nicht verlassen,

Die dich jetzt in der Verblendung hassen.

Ach, lass keinen mehr wie Judas sterben,

Lass sie all einst deinen Himmel erben!

Denn du willst den Tod des Sünders nicht!

Rette vor der Nacht sie in dein Licht!

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Das blinde Kommunionkind

 

Von Elsbeth Düker, 1914

 

In der Blindenanstalt, die vor dem Tor der Stadt Nieheim lag, befand sich auch ein kleines katholisches Mädchen, das den hübschen Namen „Cäcilia“ in der Taufe erhalten hatte. Da es zum Weißen Sonntag in der Stadtkirche zur ersten heiligen Kommunion gehen sollte, denn es war bereits dreizehn Jahre alt geworden, musste es jede Woche zweimal in die Schule gebracht werden, um dem gemeinsamen Kommunion-Unterricht beizuwohnen.

 

Alle Stadtkinder, die im großen Saal der Bürgerschule versammelt waren, schauten mitleidig auf das kleine blasse Mädchen, wenn es an der Hand einer Anstaltsdienerin eintrat und später wieder abgeholt wurde. Jedes Kind hätte ihm gern etwas Liebes gesagt, etwas Gutes geschenkt, um einmal den Schein der Freude auf das stille Gesicht zu zaubern. Die Kleine schien unverwandt hinzuhorchen auf die Worte und Lehren des Herrn Pfarrers, der so mild und ernst, wie der göttliche Kinderfreund selbst, zu der jugendlichen Schar sprach, bemüht, ihre Seelen himmelwärts zu lenken. Wie einem verdurstenden Blümchen, das zur rechten Zeit noch durch eine gütige Hand mit Wasser versorgt wird, erging es Cäcilia, die nur spärlichen Religionsunterricht genossen hatte und jetzt in der seligen Vorbereitungszeit auf die erste heilige Kommunion die Flügel ihrer Seele ausbreitete, so weit – als flöge sie nach Haus in das Heimatland der Seele. Cäcilia lernte außerordentlich leicht und wusste jedes Mal eine gute Antwort auf die Fragen des Herrn Katecheten. Nichts Äußeres hielt sie ab, auf den Gegenstand des Unterrichtes ihre Aufmerksamkeit zu richten, wie das ja so oft der Fall ist bei Kindern, denen der liebe Gott zwei sehende Augen mit auf die Welt gegeben hat. Oft stellte der Herr Pfarrer Cäcilia als Muster des Fleißes und der Aufmerksamkeit hin. So rückte der Tag der Erstkommunion heran. Wohl keines der Kinder hatte eine größere Sehnsucht, den göttlichen Heiland bald im allerheiligsten Sakrament zu empfangen; es war ja derselbe Herr, der einst so gütig zu einem blindgeborenen Jungen gewesen war, dass er ihn sehend machte. Das wusste Cäcilia aus der biblischen Geschichte, die sie schon bei ihrem Mütterchen daheim gelernt hatte. Nur war sie auch schon seit zwei Jahren tot, wie der Vater, den sie gar nicht gekannt hatte.

 

Der Tag der Generalbeichte war vorüber. Wie schlicht und einfach und doch so voll Reuegefühl hatte Cäcilia ihre Fehler vom ganzen früheren Leben gebeichtet! Keine Ängstlichkeit brachte ihre Seele in Aufruhr und ihr stilles Gemüt um den Frieden. Mit keinem der Kinder war sie ja „böse“, so dass sie sich nun versöhnen musste, ehe sie zum Tisch des Herrn ging, kein unrechtes Gut musste zurückerstattet werden, denn sie besaß keins. Auch mit der Ausstattung des Körpers hatte Cäcilia nichts zu schaffen und wenig im Sinn, denn sie sah ja nichts von all den irdischen Dingen, die andere Mädchen so gern abhalten wollen, ihre Gedanken ganz dem göttlichen Gast und der Ausschmückung der Seele, die ihn aufnehmen soll, zuzuwenden.

 

Der ereignisvollste Tag der Kindheit brach auch für Cäcilia an. Von den Türmen der Stadtkirche klang der Glockenton, so hell und freudig, als gäbe er der Freude Ausdruck, die in so viele Kinderherzen heute brannte. Cäcilia war die Glücklichste in der großen Blindenanstalt. Kaum konnte sie erwarten, bis man ihr half, das weiße Kleidchen, das ihr seliges Mütterchen schon getragen hatte, anzulegen. Vor ihrem Bettchen kniete Cäcilia lange und betete und lud im Geist ihre seligen Eltern ein, sie zum Tisch des Herrn zu begleiten. Endlich rief man sie, um sie zur Kirche zu führen. Eine der Lehrerinnen übernahm es, Cäcilia an die hochgelegene Kommunionbank hin- und zurückzuführen. Alle Anwesenden, die es sahen, wurden tief gerührt durch den Anblick dieses kleinen, blinden Mädchens, das so andächtig betete, ohne eines Goldschnitt-Gebetbuches zu bedürfen. Wie ein betender Engel verharrte die Kleine, ihre Hände über die Brust gekreuzt, die lichtlosen Augen wie in freudigem Schauen nach oben gerichtet. Wie der geheilte Blindgeborene einst vertrauensvoll sprach: „Herr, ich glaube“, so drückte Cäciliens ganzes Wesen und Verhalten diesen Glauben aus. Nun legte sie im andächtigsten Gebet alle kleinen Anliegen ihrem lieben Herrn ans Herz. Nicht flehte Cäcilia, dass sie sehen werden möchte, dass die dunkle Binde, die ihr auf beiden Augen geruht hatte seit dem ersten Tag, fallen möchte, nein, das Kind hielt sich nicht würdig eines solchen Wunders. Es hatte durch Gottes Gnade in seinem jungen Leben schon erkannt, dass „denen, die Gott lieben“, alle Dinge zum Besten gereichen müssten. Ob blind oder sehend, alle können wir zur Anschauung Gottes gelangen, wenn wir ihn hier auf der Erde geliebt, das heißt: seinen Willen getan haben. Cäcilia bewahrte die heilige Sammlung am besten, dazu halfen ihr die armen, blinden Augen. Einige blinde Erwachsene der Anstalt, die auch katholisch waren, sonnten sich an der reinen Freude des Kindes und beschlossen, recht bald einmal wieder die heilige Kommunion zu empfangen, damit sie dort Kraft und Freudigkeit sich holten, das Leben mit seiner harten Bürde weiter zu tragen.

 

Am Nachmittag ging Cäcilia allein im weiten Garten der Blindenanstalt umher, denn sie wusste dort jeden Weg und Schritt. Warm schien die österliche Sonne hernieder und lockte die Veilchen aus ihrer Verborgenheit. Ein verstecktes Plätzchen suchte sich Cäcilia, um ein wenig auszuruhen von den Anstrengungen des Tages, denn sie fühlte sich so matt und angegriffen, während das Glück des Morgens noch nachhallte in ihrem dankbaren Herzen.

 

Als nach einer Stunde Cäcilia nicht zurückgekommen war ins Haus, wurde nach ihr im Garten umhergeschickt. Dort schimmerte schon das weiße Kleid durch die Büsche. Wohl saß Cäcilia noch auf der Bank, doch die Botin des Hauses fand eine kleine Leiche. Der Kopf, auf dem der frische Myrtenkranz saß, hing sanft zur Seite. Ein Herzschlag hatte dem Leben der kleinen Blinden unversehens ein Ende gemacht. Der liebe Gott hatte sein blindes Lieblingskind zu sich genommen, gerade an jenem Tag, wo es ihn in der heiligen Kommunion zum ersten Mal empfangen hatte. Ein armes, mühselig und freudloses Leben, das Cäcilia so willig auf sich zu nehmen, ihrem göttlichen Gast versprochen hatte, war ihr nun erspart. Mit dem guten Willen war hier der liebe Gott zufrieden gewesen. Es gab ein lautes Klagen, ein Weinen und Trauern im ganzen Haus, und selbst die Stadt nahm Anteil an dem frühen Hinscheiden der kleinen Blinden.

 

Als wenn sie schliefe, so still und friedlich lag Cäcilia im Sarg mit demselben Kleid und Kranz, den sie vor einigen Tagen trug, als sie ihre Erstkommunion feierte. Die geschmückte Kerze, die ihr damals geleuchtet hatte, brannte heute wieder. Ihr Schein fiel auf die geschlossenen Augen, die niemals das Licht der Welt erblickt hatten. Auf der kleinen, treuen Brust lag das Kommunion-Andenken des Pfarrers, ein Bild mit Namensunterschrift. Die kalten Hände umwand ein Rosenkranz – das Gebetbuch der blinden Leute.

 

Jetzt waren Cäcilias Augen nicht mehr blind, denn sie sahen gewiss den Himmel und seine Herrlichkeit.

 

Keines der Kommunionkinder fehlte, als die kleine Cäcilia in den Schoß der Erde versenkt wurde, denn jedes hatte die arme Blinde liebgehabt. Auf dem Kirchhof angelangt, hielt der Herr Pfarrer, den oftmals die Rührung zu überwältigen drohte, eine ergreifende Rede, die ganz besonders auf die Kinder, die Gefährten Cäcilias, einen unauslöschlichen Eindruck machte. „Seid bereit, denn ihr wisst nicht, wann der Herr kommt“, lautete der Vorspruch der Rede.

 

Und als nach vier Wochen alle Kommunionkinder sich zur gemeinsamen Kommunion in der Kirche einfanden, war wohl kein Kind dabei, das nicht ihrer kleinen Mitkommunikantin im Gebet gedacht hätte. Auf dem leeren Platz brannte ein Licht zu ihrem Gedächtnis. Mit den besten Vorsätzen ausgeführt, traten alle übrigen Kinder die Reise ins Leben an.

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