Basilienkraut

 

Es war in den Tagen, da Herodes dem Jesuskind nach dem Leben trachtete. Damals floh Maria voll Schrecken durch die Felder und suchte das Kind zu retten, das der Welt das Heil bringen sollte. Da gewahrte sie einen Bauersmann, der gelassen über seinen Acker schritt und die Saat streute. Sie rief ihm zu: „Lieber Bauer, lauf nach Haus und hol deine Leute, dass sie dir helfen, dein Korn schneiden und binden.“ Der Bauer tat noch die letzten Würfe, da wandte er sich um und sprach: „Ihr spottet, gute Frau, seht ihr nicht, dass ich mein Korn erst säe? Bis zur Ernte hat´s noch lange Zeit.“ Aber die Mutter Gottes sprach: „Lieber Bauer, trau meinem Wort, gehorche und eile!“ Und wiewohl sich´s der Bauer vorsagte, dass es töricht sei, solchem Wort zu vertrauen, weil das Korn nie und nimmer so schnell wachsen und reifen kann, und dass er nur ins Gespött der Leute komme, so ging er doch; denn es war da eine stille Gewalt, die zwang ihn. Und wie er mit seinen Leuten kam, da stand fürwahr das Korn reif zur Ernte, und er fing alsbald an zu schneiden und zu binden. Und wie sie die ersten Garben aufstellten, verbarg sich Maria darunter samt ihrem Kind. Aber das Korn war nicht ganz hoch genug gewachsen, man sah noch einen Zipfel von dem blauen Mantel Mariens. Schnell neigten sich die Ranken des Basilienkrautes herbei, schlangen sich ineinander und deckten Maria und ihr Kind. Da kam auch schon Herodes mit seinen Häschern angesprengt. Er fragte den Bauern nach einer jungen Mutter und ihrem kleinen Kind. Der Bauer sprach: „Die hab ich wohl gesehen, doch war es zu der Zeit, da ich hier säte.“ „Ist es schon so lange her, so muss ich mich eilen“, sprach Herodes, gab dem Pferd die Sporen und jagte mit der Schar davon. So ward Maria mit ihrem Kind gerettet. Sie wandte sich zum Basilienkraut und sprach: „Gott segne dich! Deine Blüte soll das Herz der Menschenkinder erfreuen.“ Seit dieser Zeit ist das Basilienkraut eine Lieblingsblume der Mädchen.