Eine Bekräftigung der unbefleckten Empfängnis Mariä

 

Im Jahr des Herrn 1653 ersuchte ein Priester aus der Bruderschaft Unserer Lieben Frau den sehr gelehrten und geistreichen Prediger Antonius de Guero, Doktor der heiligen Theologie und Mitglied der heiligen Congregation des heiligen Philippus Neri: er möge doch an dem Fest der Himmelfahrt Mariä in Xantina, einer Stadt im Königreich Spanien, die übliche Predigt halten.

 

Antonius de Guero willfahrte diesem Gesuch und begab sich deshalb nach Xantina, wo er bei Johann Baptist Berell, dem Präfekten der besagten Congregation, gute Aufnahme und Herberge fand.

 

In der Nacht nun ist an die Mauer der Kirche ein Zettel angeheftet worden, auf dem zu lesen war: „Maria ist in der Erbsünde empfangen!“ Unten aber stand mit kleinen Buchstaben geschrieben: „Bernardus. Bonaventura.“

 

Als der Prediger Antonius de Guero des Morgens durch den Präfekten dieses Ereignis erfuhr und die Behauptung: „dass Maria in der Erbsünde empfangen sei“, änderte er alsbald sein Thema der Predigt und redete zum Volk nur von der unbefleckten Empfängnis der Mutter des Welterlösers, an den Spruch der Heiligen Schrift anknüpfend: „Gleichwie eine Lilie unter den Dornen, also ist meine Freundin unter den Töchtern Adams!“ (Hohelied 20,2)

 

Nach gehaltener Predigt ging er wieder in die königliche Stadt zurück. –

 

Einmal geschah es nun, dass er von befreundeten Geistlichen in der Nachbarschaft zu einem Besuch eingeladen wurde. Nachdem die Gesellschaft den Tag mit erbaulichen und geist- und herzerfrischenden Gesprächen zugebracht und mit einem einfachen Abendessen beschlossen hatte, suchte man die Ruhstatt auf. Nur Antonius blieb noch zurück und ging bei dem sogenannten roten Brünnlein im hellen Mondenschimmer auf und nieder. So brach die Nacht herein und er betete seinen Rosenkranz. Da fiel ihm plötzlich ein, dass er neulich in der Predigt die unbefleckte Empfängnis Marias verteidigt und gesagt hatte: „Eine Lilie blühe unter den Dornen!“ was doch ebenso unmöglich ist, als dass eine Rose unter Stein und Felsen sprieße. Lange hing er diesem Gedanken nach und schon verwirrte trüber Zweifel seine Seele, als sich vor seinen Augen ein Dornenstrauch zeigte, in dessen Mitte eine Lilie wuchs, was er aber beim Auf- und Niedergehen bis jetzt ebensowenig gesehen hatte, als er früher die Wahrheit des von ihm verteidigten Satzes eingesehen hatte. – Voll Reue über seinen gehegten Zweifel warf er sich zur Erde, und bat inständig die heilige Muttergottes um Verzeihung. In Zerknirschung und in Tränen fand ihn sein Freund, der ihn zu suchen ausgegangen war. Gerührt hörte er die Erzählung des Antonius an und sah die liebliche Blume unter Dornen stehen. Beide gruben nach der Wurzel und fanden – o Wunder! – an der Zwiebel derselben das Bild der unbefleckt empfangenen Jungfrau Maria, angetan mit dem blauen Mantel, die goldenen Haare vom Haupt sanft herabwallend. Andächtig trugen die Geistlichen die Wunderblume nach Hause. Dann wurde sie dem Erzbischof von Valenza wie auch dem Markgrafen St. Roman gezeigt.

 

Als der Erzbischof das Bildnis gesehen und die Geschichte seiner wundersamen Auffindung erfahren und ernsthaft geprüft hatte, schickte er dasselbe, in ein goldenes und silbernes Kästchen gelegt, dem spanischen König Heinrich IV., der, nach seiner bekannten Frömmigkeit, zuerst das Bildnis zur öffentlichen Verehrung ausstellen und dann andächtig aufbewahren ließ. –

 

(Aus: Kunde der christlichen Vorzeit)