Die wunderbare Verlobung

 

Wenn man das schöne Sanntal aufwärts geht, kommt man zum Markt Sachsenfeld. Den Namen verdankt der Markt wahrscheinlich den Sachsen, da sie im Jahr 791 unter Karl dem Großen sich hier ansiedelten. In der Nähe links ab von der Straße ist der Wallfahrtsort Pletrowitsch, und weiterhin am Ende einer Allee das stattliche, im neueren Stil gebaute Herrschaftsschloss Neu-Cilli, daran sich folgende Sage knüpft:

 

Ferdinand, Freiherr von Miglio, Schlossherr von Brunberg (jetzt Neu-Cilli), ein Mann voll frommen Sinnes, fand keine Frau zur Ehe, die seinem Ideal entsprach. Von der Sehnsucht seines Herzens getrieben, trat er eines Tages vor die Bildsäule der heiligen Muttergottes, die schon damals den Hochaltar schmückte, zog seinen Ring ab und steckte ihn mit den Worten: „Du nur, Jungfrau Maria, bist dieses Reifens würdig!“ der Heiligen an den ausgestreckten Finger. – Da fiel ihm plötzlich ein, wie frech er sich versündigt habe. Tief bereuend, dass er die Hochachtung der Allerreinsten gegenüber so sehr vergaß, stürzte er hin und wollte den Ring ihr wieder vom Finger ziehen. Aber die Gebenedeite des Herrn krümmte den Finger und bewies dadurch, dass sie seine lautere Huldigung gnädig annehme. –

 

(Aus: Wanderungen durch Steiermark von J. G. Seidl)